The person charging this Material is re- sponsible for its return to the l^brary from which it was withdrawn on or before the Lotest Date stamped below. Theft, mutilalion, and ünderlining of books are reasons for disciplinary action and may result in dismissal from the Univers.ty. UN.VERS.TY OP ^O^HO^^^^^^^^^^^^^;^^^^ 4-i:^^:^^&^-^S^Mm OflHt W£8snf of Ulms J lOHAiNNES ^;:j Mec/. D P/u/s etMcilJie^.Pr Präses, Acaaemice. Imperi. JK-C^ict, tScientiarwn JDeroU'^ tit et Socu/ahsPnysu-O'lJo Nor. ct. Z Prof. Dr. A. HEIM und Prof. 1: Im; ausgegeben Dr. F. EXTDIO, Professor am Eidgenössischen Polytechnikum. Einunavierzigster Jahrgang. 1896. -:-«=»|L^^.- Züricb, in Kommission hei P«i & Beer m Ziui' h^ -iiwif : für DeutsclUaiidiuj^l )rJ»r(SLhj^^ Medizinische Huri;!ViHlliiiiiJ: in Mün>hW" Itt'.Hi. .ilshöS ,198U«H ä& isnnma noT ioaia .igolod^ Vierteljahrsschrift d. naturf. Ges. Zürich. 41. Jahrg. 1896. Jubelband I. Taf. 1. Fhotogr. Druck von Brunner & Hanser, Zärich. Yiertelj alirssehrilt der Natiirforscheiiden Gesellschaft Zürich. Unter Mitwirkung der Herren Prof. Dr. A. HEIM und Prof. Dr. A. LANG herausgegeben von Dr. F. RUDIO, Professor am Eidgenössischen Polytechnikum. Einundvierzigster Jahrgang. 1896. Mit zwanzig Tafeln. »i-S^^-« Zürich, in Kommission hei Fäsi & Beer in Zürich, sowie (für Deutschland und Opstorreidi) ])ei J. F. Lehmann Medizinische Buchlinndlung in München. 189C. Grilnclnngsjalir der Gesellscliaft 1746. . so Q Inhalt des eiuuiulvierziRsteii JalirRauses. I. der Naturforsclienden Cesellscliaft in Zürich 1746-1896. Den Teilnehmern der in Zürich vom 2.-5. August 1896 tagenden 79. Jahresversammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft gewidmet. Erster Teil. Die naturforschende Gesellschaft in Zürich 1746—1896. Von Ferdiiiaud Rudio. Mit 6 Tafeln und Specialregister. Zweiter Teil. Wi s s e n s c h a f 1 1 i c h e Ab h a n d 1 u n gen. 35 Abhandlungen aus dem Gebiete der Mathematik, Geodäsie und Astronomie, Physik, Chemie und Pharmacie, Mineralogie und Geologie, Botanik, Zoologie, Medicin. Verfasst von Mitgliedern der Gesellschaft. Mit 14 Tafeln und Specialregister. II. Alfred Wolfer. Astionomische Mitteilungen Alfred Werner. Sitzungsberichte von 189G Hans Schinz. Bibliotheksbericht von 1896 Mitgliederverzeichnis (:U. Dezember 1896) . 1 27 34 59 V-^ cm- 50G Inlialt des ersten Teiles. Die naturforschende Gesellschaft in Zürich 1746— 1.S96. Seite Vorwort. Ursprung der Festschrift. Widmung. IX Einleitung'. Kurze Uebersicht über den Stand der Naturwissenschaften zur Zeit der Gründung der naturforsclienden Gesellschaft in Zürich. 3 Die Gründung- der Geseilscliaft. Wissenschaftliche Vereinigungen und Schulen Zürichs in der er- sten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Die Gründung der naturforschenden Gesellschaft. Biographische Skizzen von .Johann Heinrich Rahn, Hans .Jakob Schulthess, Hans .Jakob G essner, Hans Heinrich Escher, Hans Conrad Lavater, Paulus l'steri, Hans Jakob Ott, Johann Heinrich Waser, Hans Heinrich 2— 1837. Johann Jakob Horner, 1837—1881. Johann Friedrich Graberg, 1881—1892. Carl Ott, 1881—1892. Hans Schinz, seit 1892. ^l'^ Bezieliimgen zu andern Gesellschaften. Medicinische Gesellschaften. Mathematisch-militärische Gesell- schaft. Kantonale naturforschende Gesellschaften. Schwei- zerische naturforschende Gesellschaft. Anti(iuarische Gesell- schaft. Museumsgesellschaft. 230 Scliluss. 244 Anmerkungen nnd Litte ratnrnacliweise. 251 Namenregister. 261 i. GfssBiT Bolley fltnsins f- «««"" Bahn Horner Srhiiii Estbtr H'rr rulmann Vorwort. Die Festschrift, welche die naturforschende Gesellschaft in Zürich zur Feier ihres 150jährigen Bestehens hiermit herausgiebt, zerfällt in zwei Teile. Der erste bringt eine Greschichte der Gesellschaft, der zweite besteht aus 35 wissenschaftlichen Ab- handlungen, verfasst von Mitgliedern unserer Societät. Es ist uns eine angenehme Pflicht, diesen letzteren, insbesondere den aus- wärtigen, die dadurch von neuem ihre Anhänglichkeit an unsere Gesellschaft bekundet haben, unsern herzlichsten Dank für ihre wertvollen Beiträge auszusprechen. Zu grossem Danke fühlen wir uns sodann allen denen, Be- hörden wie Privaten, verpflichtet, welche uns durch Beschaffung der nötigen Mittel die Möglichkeit gewährten, die Festschrift in dieser Ausdehnung und in würdigem Gewände erscheinen zu lassen. Insbesondere verdanken wir die künstlerische Ausschmückung des ersten Teiles dem allgemeinen Docentenvereine beider Hochschulen Zürichs, der den Reinertrag des letzten Cyklus der „Rathaus- vorträge" ausdrücklich für diesen Zweck bestimmt hat. Wie schon das Vorwort zum vierzigsten Jahrgange der „Vierteljahrsschrift" meldete, wurde es von unsern Mitgliedern als selbstverständlich angesehen, dass das Jubiläumsfest seine wahre Weihe erst durch die Teilnahme aller schweizerischen Naturforscher erhalten würde, und dass bei diesem Anlasse unsern Gästen als l)leibende Erinnerung eine das wissenschaftliche Leben der Gesell- schaft wiederspiegelnde Schrift überreicht werden sollte. X Vorwort. Die vorliegende Festschrift, die zugleich den 41. Jahrgang der Vierteljahrsschrift bildet, dient somit, wie unser Jubiläumsfest, einem doppelten Zwecke. Indem wir sie hiermit den Teilnehmern der 79. .lahresversamnilung der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft widmen, heissen wir dieselben aufs herzlichste in Zürich willkommen. Im Namen der naturforschenden Gesellschaft in Zürich. die Druckschriftenkomniission : ALBERT HEIM, ARNOLD LANG, FERDINAND RUDIO. Inhalt des zAveiteii Teiles. Wissenscliaftliclie Al}liandIiiDi^*en. Matlieiiicitik. Elwin Bruno Christoffel. Die Convergenz der Jacobi'schen ■9--Reihe mit den Moduln lliemanns Jeröme Pranel. Sur la fonction § (f) de Rieniann et son application ä rai'itlmietique ... Georg- Frobenius. Zur Tlieorie der Scharen bilinearer Formen Carl Friedrich Geiser. Das räumliche Sechseck und die Kum- mer'sche Fliicho ......... Adolf Hurwitz. Über die Kettenbrüclie, deren Teilnenner arith- metisclie Reihen bilden Theodor Reye. Beweis einiger Satze von Chasles über konfokale i\r;4tdschnitte .......... Ferdinand Rudio. Zur Tlieorie der Strahlensysteme, deren Brenn Ibiclien sicli ans Flächen zweiten Grades zusammensetzen Heinrich Weber. Darstellung der Fresnel'sclien Wellenfläche dnrcl elliptisclie FunlclimuMi ........ 7 20 24: 34 «35 7(5 82 CJeodäsie & Astronomie. Johann Baptist Messerschmitt. Relative Scliweremessungen in der Schweiz 92 Alfred Wolfer. Zur Bestinunung der Rotationszeit der Sonne . 100 (Hierzu Tafel 1.) VI Iiilialt. Seite Physik. Alfred Kleiner. Zwei neue Messinstrumente 115 Johann Pernet. Uebcr die Aendenuig der specifischen Wiirnic des Wassers mit der Temperatur und die Bestimmung des abso- luten Wertes des mechanisclien Aequivalentes der Wärme- einheit 121 Heinrich Wild, 'riieodolit für magnetische Landesaufnahmen 14!* Chemie & Pharmacie. Eugen Baraberger. lieber ß .VlphyUiydroxylamine und Alpliyl- uitrnsiikorpi'r 17-1 Arthur Hantzsch. Zur Statik und Dynamik der Stickstoffvor- bindunu'on 186 Victor Meyer. Untersuchungen über die Esterbildungen aroma- lischiT S-iuren 203 Eduard Schär. Ueber pflanzliche Oxydationsfermente, insbesondere in Piiytolacca decandra L 233 Alfred Werner, l'ober Chlorosalze 254 Johannes Wislicenus. Ueber Verbindungen der Krotonsäure mit Isukrotonsäure und üIht Misehsauren überhaupt . . . 270 Mineralo.ij;'ie & Geologie. Paul ChoflFat. Coup d'u'il sur los mors mesozoi([uos du iNnlugul 2*J4 (Hierzu Tafel ±) Jakoh Früh. Zur Kritik einiger Thalformen und Tiualnamen der Schweiz 318 (Hierzu Tafel o.l Ulrich Grubenraann. Uul)er den Tonalitkern des Iffinger bei .Merau 340 I Hifi-zu 'I'afel 4.) Albert Heim. Staiiungsnietamorphose au Walliser Authracit und einige Folgerungen daraus 354 Botanik. Carl Hartwich. Ueber die Samenschale der Solanacet'u . 366 (Hierzu Tafel 5.) Ernst Overton. Ueber die osmotischen Eigenschafien der Zelle in iiinr Bedeutung für die Toxikologie und Pharmakologie . 383 Carl Schröter. Die Wetzikonstäbe 407 I Hierzu Tafel 6 und 7.) . Inhalt. VIT Seite Zoologie. Hans Driesch. Zur Analyse der Roparationsbedingungen bei Tu- bularia 425 Curt Herbst. Über die Regeneration von antonrion-iUiidiclirii Or- ganen an Stelle von Angen 435 (Hierzu Tafel 8.) Conrad Keller. Das afrikanische Zebu-Rind und seine Boziebnngen zum euro[){iisclren Brachyceros-Riud 45.) Arnold Lang. Kleine biologische Beobachtungen über die Wein- bergschnecke (Helix pomatla L.) Rudolf Martin. Altpatagonische Scliädel (Hierzu Tafel 9 und 10.) 488 496 Medicin. Ludimar Hermann, lieber automatisch -photographische Registrie- rung sehr langsamer Veränderungen 538 (Hierzu Tafel 11.) Albert Koelliker. IJcbcr den Fornix longus sive superior des Menschoii -'47 Hugo Ribbert. Ueber das Endotlnd in der patliologisclien Histo- logie . •'»'"0 Oscar Wyss. Ueber eine Wirbelmissbildung uml ihre Folgen, Sco- liose und Hernia ventralis lateralis congenita .... 580 (Hierzu Tafel 12—14.) Erster Teil. Die naturfor sehende Gesellschaft in Zürich 1746—1896. 6 Die naturforschende Gesellschaft in Zürich 1746-1896. Von Ferdinand Rudio. (Mit 6 Tafeln.) Einleitunü'. In seiner Gedächtnisrede auf Gustav Magnus berichtet Her- mann von Helmholtz über seine ersten naturwissenschaftlichen Eindrücke mit folgenden Worten: „Es wird uns jetzt schwer, uns zurückzuversetzen in den Zustand der naturwissenschaftlichen Bil- dung, wie er in den ersten zwanzig Jahren dieses Jahrhunderts in Deutschland wenigstens bestand. Magnus wurde 1802 geboren, ich selbst 19 Jahre später; aber wenn ich auf meine frühesten Jugenderinnerungen zurückgreife, als ich aus den im Besitze meines Vaters . . . befindlichen Lehrbüchern anfing Physik zu studieren, so taucht mir noch ein dunkles Bild eines Vorstellungskreises auf, der uns jetzt ganz mittelalterlich alchymistisch anmuten würde. Von Lavoisier's und H. Davy's umwälzenden Entdeckungen war noch nicht viel in die Schulbücher gedrungen. Obgleich man den Sauerstoff schon kannte, spielte daneben doch auch das Phlogiston, der Feuerstoff, seine Rolle. Das Chlor war noch die oxygenierte Salzsäure, das Kali und die Kalkerde waren noch Elemente. Die wirbellosen Tiere teilten sich noch in Insekten und Würmer, und in der Botanik zählte man Staubfäden." Vierteljahrsschrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelbaiul I. 4 Ferdinand Rudio. TJmvillkürlich wird sich dieser Worte erinnern, wer es unter- nimmt, die naturwissenschaftlichen Zustände vergangener Zeiten zu schildern. Und heute sollen wir uns gar um ein und ein halbes Jahrhundort zurückversetzen, in das Griindungsjahr 1740 unserer naturforschendcn Gesellschaft! Halten wir Umschau und versuchen wir, einige die naturwissenschaftliclie Bildung jener Zeit charak- terisierende Merkmale hervorzuheben! In der Mathematik herrschte noch jene naive, durch keine Skrupel noch Zweifel getrübte Schaffensfreudigkeit, die durch die Erfindung der Differential- und Integralrechnung so mächtig ge- fördert worden war und die ihren prägnantesten Ausdruck in der staunenerregenden Thätigkeit Leonhard Euler 's gefunden hat. Noch waren ja nicht zwanzig Jahre seit New ton 's Tode verflossen, und noch lebte von den beiden Brüdern Jakob und Johann Bernoulli, die einen so hervorragenden Anteil an der Ausbildung des neuen Kalküls hatten, der jüngere, Johann, derselbe, welcher den heute allen exakten Wissenschaften unentbehrlichen Ausdruck „Funktion" in die mathematische Sprache eingebürgert hat. Grosse Gebiete, die jetzt im Vordergrunde des Interesses stehen, Avie das der Funktionentheorie, der Theorie der Formen, der pro- jektiven Geometrie u. a., waren der Forschung noch völlig uner- schlossen oder doch kaum angebaut. Trotzdem aber bot unzweifel- haft in ihrer Gesamterscheinung die damalige Mathematik mit der modernen relativ grössere Aehnlichkeit dar als irgend eine der andern hier in Betracht kommenden Wissenschaften, verglichen mit ihrem gegenwärtigen Zustande. In der Physik fehlten noch alle die Grundbegriffe, ohne welche wir uns heute diese Wissenschaft kaum vorstellen können, vor allem der Begriff der Energie und ihrer Formänderungen. Wohl war, namentlich von Johann und Daniel Bernoulli. das Princip der Erhaltung der lebendigen Kraft schon für eine Reihe von Problemen der Mechanik, auf die sich damals im wesentlichen die Physik als Wissenschaft reduzierte, fornuiliert worden, aber es dauerte doch noch ein volles Jahrhundert, bis Robert Mayer und Hermann V. Helmhol tz dieses Princip zu einem die ganze Welt der Er- scheinungen umfassenden Grundgesetze erhoben. Wollen wir noch einen Augenblick bei den einzelnen Teilen der Physik verweilen, so haben wir zunächst zu konstatieren, dass Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 5 die Akustik sich im wesentlichen noch in dem Zustande befand, in welchem sie die Grriechen hinterlassen hatten. Ist doch diese als Wissenschaft untrennbar verbunden mit den Arbeiten eines Chladni, eines Helm hol tz, eines Kundt! Schon aber begann gerade damals durch die berühmten Untersuchungen von d'Alembert, Euler und Daniel Bernoulli ein Problem die Aufmerksamkeit der wissen- schaftlichen Welt auf sich zu lenken, welches später eine führende Kolle zu übernehmen berufen war und eine Reihe der wichtigsten mathematischen und physikalischen Entdeckungen veranlasste, das Problem der schwingenden Saiten. Auf dem Gebiete der Optik beschränkten sich die Kenntnisse im wesentlichen auf die Gesetze der Reflexion und der Brechung. Zwar waren, infolge der Beobachtungen Grimaldi's, schon seit fast einem Jahrhundert auch einzelne Erscheinungen der Beugung be- kannt, aber eine ausreichende Erklärung derselben hatte noch nicht gefunden werden können. Denn noch herrschte, trotz Huygens' und Euler's unvergänglicher Arbeiten, New ton 's Emmissionstheorie, die mit glänzendem Erfolge durch die Undulationstheorie zu ersetzen bekanntlich er^t in unserem Jahrhunderte Young und Fresnel vorbehalten war. Wie das Licht, so war auch die Wärme noch ein Stoff, dessen Yorhandensein oder Fehlen einen Körper warm oder kalt erscheinen Hessen. Mehr als fünfzig Jahre mussten noch vergehen, bis Rum- ford und Davy durch ihre klassischen Versuche zum ersten Male die Wärme als eine Art der Bewegung ansprechen konnten. In welchem Zustande sich die Kenntnisse der elektrischen und magnetischen Erscheinungen befanden, erhellt zur Genüge aus der Thatsache, dass die Gründung unserei" Gesellschaft zeitlich genau zusammenfällt mit dem Auftreten Franklin's, der Erfindung der Leydener Flasche und der Konstruktion der ersten eigentlichen Elektrisiermaschine. Galvani war damals ein neunjähriger Knabe, Alessandro Yolta, der später in so nahe Beziehungen zu unserer Gesellschaft trat, gerade erst geboren. In der Chemie — ^ doch zu was schliesslich die Schilderung fortsetzen! Genügt es doch für diese wie für die übrigen Natur- wissenschaften, namentlich auch die biologischen, sich zu erinnern, dass um die Mitte des letzten Jahrhunderts die einfachsten und wichtigsten physikalisch-chemischen und physiologischen Natur- 6 Foriliiiiuul Riiilio. Vorgänge, wie ilio Verbrennung, die Atmung, die Assimilation und so viele andere, noch in völliges Dunkel gehüllt waren, dass noch mehr als ein Vierteljalnluindert verstreichen musste, bis Priestley und, unabhängig von diesem, Carl Wilhelm Scheele den Sauer- stoff entdeckten, bis Cavendish die erste Wassersynthese ausführte und damit iür immer das Wasser aus der Reihe der Elemente ent- fernte, bis endlich Lavoisier mit der ersten richtigen Erklärung des Verbrennungsprozesses auf den Plan trat, mit wuchtigen Streichen der phlogistischen Theorie ein P^nde bereitete und durch die Ein- führung der quantitativen chemischen Untersuchungsmethode das Fundament zu der Wissenschaft legte, mit der unsere ganze moderne Kultur unlösbar verknüpft ist! Vermessenheit wäre es, den gewaltigen Entwicklungsprozess im einzelnen schildern zu wollen, der sich auf allen Gebieten der Naturwissenschaft während der letzten 150 Jahre vollzogen hat! Haben doch gerade diese unser Wissen und Können mehr gefördert als alle früheren Jahrhunderte zusammen genommen! Aber auch selbst die weit bescheidenere Aufgabe, nur den Anteil hervorzuheben, den Zürichs Naturforscher .und Aerzte — wie viele sind doch, richtig gezählt, zu diesen zu rechnen! — an jenem Prozesse genommen haben, können und Avollen die folgenden Zeilen sich nicht stellen. Sie bezwecken nichts anderes als kurz zu berichten über die Gründung und die Entwicklung unserer Ge- sellschaft, sie wollen eine, wenn auch nur summarische, Uebersicht geben über die Thätigkeit derselben im Dienste der Wissenschaft und im Dienste des Landes, und sie sollen sich endlich zusammen- fügen zu einem Blatte der Erinnerung, welches wir pietätvoll denjenigen widmen, die sich um die Gesellschaft verdient ge- macht haben. Die Grüiidunof der Gesellschaft. Auch schon vor der Gründung unserer Gesellschaft hat es in Zürich ausgezeichnete Naturforscher und Aerzte gegeben. Es sei nur erinnert an Conrad Gessner (1516 — 1565), den „Plinius der Deutschen", an Johann Heinrich Rahn (1622 — 1676), den vortrefflichen Mathematiker und Verfasser der „teutschen Algebra" — Stammvater zugleich einer ganzen Reihe, um die Wissenschaft und speciell um unsere Gesellschaft hochverdienter Männer — an Johannes von Muralt (1645 — 1733), den be- rühmten Arzt und Gründer des ersten anatomischen Collegiums in Zürich, an Johann Jakob Scheuchzer (1672 — 1733), den vielseitigen, grossen Gelehrten und ausgezeichneten Lehrer, Auch fehlte es nicht an Vereinigungen zur gemeinsamen Bethätigung auf dem Gebiete der Naturwissenschaften. Bereits 1490 hatten sich die Bader und Scherer, die der Zunft zur Schmieden zu- geordnet waren, zu einer besonderen Gesellschaft zusammen- gethan und sich 1534 ein eigenes Haus „zum schwarzen Garten" erworben, von welchem diese den Namen erhielt.^) Wissenschaft- liche Bildung war allerdings damals und noch auf lange hinaus in dieser Gesellschaft nicht zu suchen, aber zur Zeit Scheuchzer's und Muralt's hatten sich die Verhältnisse doch schon gründlich geändert. Nachdem der letztere im Jahre 1686 das bereits erwähnte anatomische Collegium gegründet und durch eine Reihe von Vor- lesungen über Anatomie und Physiologie, Botanik und Heilmittel- lehre inauguriert hatte, nahm dasselbe im Laufe der Jahre den Charakter einer medicinischen Schule an, deren weitere Entwicklung wir noch später verfolgen wollen. So bedeutungsvoll nun aber 8 Ferdinand Kudio. auch diese Schule, aus der die späteren medicinischen Lehranstalten Zürichs hervorgingen, für die Ausbildung der zürcherischen Aerzte jener Zeit war, so wurtlen in dei-selben doch begreiflicherweise die Naturwissenschaften nicht ihrer selbst willen, sondern nur als Vor- bereitung für die medicinischen Studien betrieben. Wir haben sodann noch einer anderen Gesellschaft zu gedenken, welche allerdings bei weitem nicht die Bedeutung der eben be- sprochenen erreichte, die aber doch durch die Thätigkeit, welche Muralt und namentlich Scheuchzer in derselben entwickelten, einiges Interesse beanspruchen kann. Es war dies die „Gesellschaft der Wohlgesinnten", w-elche um 1700 florierte und welche sich zur Veranstaltung von Vorträgen und Diskussionen über die verschie- densten Fragen versammelte.^) Neben naturwissenschaftlichen, his- torischen, politischen und anderen Unterhaltungen wurden daselbst aber auch noch Fragen behandelt, welche an die Blütezeit mittel- alterlicher Scholastik erinnern und welche deutlich zeigen, wie viel noch an naturwissenschaftlicher Aufklärung zu thun übrig war. Erwähnen wir der Vollständigkeit halber noch die 1686 ge- gründete, heute noch bestehende Gesellschaft der Feuerwerker, welche sich das theoretische und praktische Studium der Artillerie- wissenschaft zur Aufgabe gemacht hatte, so dürften damit die- jenigen Vereinigungen aufgezählt sein, durch welche in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Mathematik und Naturwissen- schaften in Zürich ihre Förderung fanden. Zum Verständnis der Verhältnisse nicht nur vor sondern auch noch nach der Gründung unserer Gesellschaft bis zur Errichtung der Hochschule im Jahre 1833 ist es aber unbedingt notwendig, dass wir uns nun noch etwas eingehender mit den höheren Schulen beschäftigen, welche Zürich im letzten Jahrhundert und bis zu dem genannten Zeitpunkte besass. Bekanntlich führt die Sage die Gründung der gelehrten Schulen Zürichs auf Carl den Grossen zurück. Urkundlich wird derselben aber erst von der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts an gedacht. Aus der mit dem Chorherrenstifte beim Grossmünster verbundenen Stiftsschule entwickelte sich dann zur Zeit der Reformation, nament- lich durch die unermüdliche Thätigkeit eines Myconius, eines Zwiugli, eines Ceporinus, eines Pellicanus u. a. eine Lehr- anstalt, welche als Collegium Carolinum drei Jahrhunderte hin- Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 9 durch in grösstem Ansehen stand. Ursprünglich existierten an dem- selben, neben kleineren Lehrstellen, vier sogenannte grosse Profes- suren, deren Inhaber Chorherren waren und eine entsprechende Pfründe genossen: zwei für Theologie, eine für Latein und Philo- sophie und eine für Griechisch. Als aber 1542 der universale, als Naturforscher und Sprachgelehrter gleich ausgezeichnete Conrad G essner am Carolinum seine Thätigkeit eröffnete und schliesslich, da er jahrelang ohne nennenswerte Entschädigung amtete, in die drückendste Armut geriet, wurde, auf Betreiben Bullingers, an den sich Gessner in einem rührenden Briefe hülfeflehend gewandt hatte, die neue Lehrstelle L558 ebenfalls in ein Canonicat verwandelt und entsprechend dotiert. Diese Professur für Physik, Philosophie und Mathematik, deren erster Inhaber also Conrad Gessner war, blieb von da an meist dem Stadtarzt — auch Gessner war Stadtarzt gewesen — immer aber einem Mediciner reserviert. Es ist dies die gleiche vielumworbene Stelle, welche später auch Johannes von Muralt, Johannes Gessner, Johann Heinrich Kahn und so manche andere bekleideten, mit denen uns die Geschichte unserer Gesellschaft bekannt machen wird. Um die Lectiones publicae am Carolinum, welches den Charakter einer philologisch-theologischen Akademie, nicht einer Mittelschule, hatte, verstehen zu können, bedurfte es des Besuches einer fünfklassigen Lateinschule. Als dann 1601 am Fraumünster als Mittelglied zwischen dieser und dem Carolinum das CoUegium Humanitatis speciell für Latein, Griechisch, die sogenannten Künste (Logik und Rhetorik), Katechetik, Hebräisch und später, anfangs dieses .Jahrhunderts, auch Mathematik gegründet wurde, nahm das Carolinum, im Gegensatz zu jenem, auch den Namen des oberen Collegiums an. Gleichzeitig wurde den fünf Klassen der Latein- schule noch eine sechste hinzugefügt, und nun bezeichnete die Schulsprache das untere Collegium, d. h. das Collegium Humanitatis, als die siebente und die drei Klassen des Carolinunis, nämlich die philologische, die philosophische und die theologische, als erste achte, andere achte und dritte achte. Wir erwähnen alle diese Verhältnisse, weil sonst in unserer späteren Darstellung Manches unverständlich bleiben müsste. Teils aus diesem Grunde, teils der Vollständigkeit halber sei noch hinzugefügt, dass die genannte Organisation der zürcherischen höheren Schulen im wesentlichen 10 Ferdinand Rudio. bis 17G5 bestand. In diesem Jahre begann, auf Antrieb des grossen Bürgermeisters Heidegger und unter Mitwirkung der Chorherren J, J. Breitinger und Leonhard Usteri, eine gründliche Reform des gesamten Schulwesens, welche aber erst 177;3 ihren Abschluss fand. An dieser Reform nahm, durch Heidegger dazu aufgefordert, auch die naturforschende Gesellschaft den lebhaftesten Anteil, und sie hatte die Geniigthuung mehrere ihrer Vorschläge verwirklicht zu sehen. Durch Reduktion der Unterrichtsstunden in den alten Sprachen, durch stärkere Betonung der sogenannten Realien nahm die Lateinschule allmählich einen andern Charakter an, was auch schon in der veränderten Bezeichnung „Realschule", später „Ge- lehrtenschule", zum Ausdruck gelangte. Im gleichen Jahre 1773 wurde durch das Kaufmännische Direktorium und wiederum unter Mitwirkung der naturforschenden Gesellschaft die sogenannte „ Kunst- schule** ins Leben gerufen, welche für die technische und kauf- männische Laufbahn vorbereiten sollte und an welche sich dann später, von 1826 an, das von der technischen Gesellschaft ge- gründete „technische Listitut" anschloss. Alle diese Schulen, Kunst- schule und technisches Institut, Gelehrtenschule und die beiden Collegien, zu denen noch 1782 das medicinisch-chirurgische und 1807 das politische Institut, das letztere als Studienanstalt für Verwaltungsbeamte und Juristen, hinzutraten, lösten sich schliess- lich, nachdem 1832 das Chorherrenstift beim Grossmünster auf- gehoben worden war, im Jahre 1833 in den beiden neu gegründeten höchsten Lehranstalten Zürichs, der Kantonsschule und der Hoch- schule auf.^) Kehren wir nun nach diesem Exkurse zurück zu der Grün- dungszeit unserer Gesellschaft. Der Aufschwung, den die Natur- wissenschaften, insbesondere die Physik, um die Mitte des letzten Jahrhunderts nahmen, die ausserordentlich anregende und erfolgreiche Lehrthätigkeit, w'elche Johannes von Muralt, Johann Jakob Scheuchzer, sein Bruder Johannes und Johannes Gessner — in dieser Reihenfolge bekleideten die genannten das oben erwähnte Canonicat am Carolinum — in Zürich entfalteten, Hessen es junge strebsame Männer, die nach ihren im Auslande vollendeten akade- mischen Studien in die Vaterstadt zurückgekehrt waren, schmerz- lich empfinden, dass ihnen nachträglich die Heimat so wenig Gelegenheit bot, sich auf dem Gebiete der Naturwissenschaften Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. W weiter zu bethätigen, dass es keinerlei Einrichtungen gab, die ihnen gemeinschaftliches wissenschaftliches Arbeiten, gegenseitige Anregung und Gedankenaustausch, wie sie es von der Universität her gewohnt waren, ermöglichten. Sie erkannten zugleich, dass die höheren Schulen ihrer Vaterstadt, die ja in Bezug auf philo- logische, philosophische und theologische Studien vortreffliches boten, auf naturwissenschaftlichem Gebiete ganz ungenügend organisiert waren. Die Mangelhaftigkeit der Organisation war um so augenfälliger, als sie in einem bedauerlichen Gegensatze zu den her- vorragenden Leistungen der oben genannten ausgezeichneten Lehrer stand, die sich durch jene vielfach in ihrer Thätigkeit gehemmt sahen. Musste doch — um an einem drastischen Beispiele zu zeigen, wie dürftig für die Naturwissenschaften gesorgt war — der grosse Scheuchzer bis zu seinem 61. Jahre geduldig warten, bis er endlich, Januar 1733, in die durch Muralt's Tode erledigte Chorherrenstelle, die einzige dieser Art, einrücken konnte! Um allen diesen Mängeln abzuhelfen, um auch den Natur- wissenschaften in Zürich eine Stätte zu bereiten, entschlossen sich im Anfange des Jahres 1745 einige jüngere Männer zu gemein- samem Vorgehen, damit durch vereinte Kraft erreicht werde, was zu erreichen dem einzelnen bisher nicht möglich war. Die in dem Archive unserer Gesellschaft befindlichen Urkunden*) berichten hier- über, wie folgt: „Zu anfang des Jahrs 1745 geschähe durch Herren Doctor Heinrich Rahn im namen verschiedener Herren der erste antrag wegen errichtung einer Physikalischen Gesellschaft an Herren Doctor und Chorherren Johannes Gessner, dessen erfahrung und kennt- nissen zu der ausführung eines solchen Vorhabens behilflich seyn könten. — Zu diesem antrag kam bald darauf in einer privat- unterredung eine aufmunterung von seiten Junker Obmann Blaarers an Herrn Chorherrn Gessner, dass hier in Zürich, wie in Engelland, öffentliche mit versuchen zu begleitende Vorlesungen über die Physik gehalten, und in einer Jahrsfrist beendigt werden möchten. Herr Chorherr Gessner entsprach diesen aufforderungen mit vergnügen. Es wurde für gut befunden, der wirklichen errichtung der Gesellschaft ein Collegium in der Experimental-Physik und Natur-Historie vorgehen zu lassen, weil diese beschäftigung gleich- sam zu einer Vorbereitung zu dem vorgesetzten Zweke dienen 12 Ferdinand Rudio. könte. — In dem Oetobor 1745 versamleten sich diejenigen Herren, welche an diesem Institiitum theil zunehmen verlangten, bey Herrn ("horherr Oessner, welche sich dann entschlossen, nach dem von Herren Chorherr Gessner vorgelegten Plan einen Cursum der Natur-Historie und der Experimental-Physik bei Ihme anzu- hören. — Weil aber der l'laz in Herren Chorherr Gessners be- hausung die anzahl der theilhaberen einschränken müsste, so wurde diese auf 19 Herren gesezt — und waren Herr Chorherr Johannes Gessner. Herr Doctor Heinricli Kahn. Jez Kahtsherr. Herr Doctor Hs. Jacob Öchulthess zum Hammerstein. Herr Doctor Hs. Jacob Gessner. Jez Alt Amtmann von Töss. Herr Rittmeister Hs. Heinrich Escher. Jez Stadthalter. Herr Hs. Conrad Meyer Alt Amtmann von Kütj. Herr Hs. Conrad Heidegger. Jez Burgermeister der Statt Zürich. Herr Hbtm. Hs. Conrad Lavater. Jez Zunftmeister. Herr Paulus Usterj zum Ncücnhof. Herr Hs. Jacob Ott. Herr Heinrich Waser. Jez Diacon zu Winterthur. Herr Hbtni. Hs. Heinrich Orell. Jez Alt Sekelmeister der Statt Zürich. Herr Hs. Caspar Ott zur Engelburg. Jez Zunftmeister. Herr Felix Werdmüller Gerichtsherr zu Ellg. Herr Operator Hs. Ulrich Friess. Jez Zunftmeister. Jkr. Hs. Ulrich Blaarer. Jez Kahtsherr. Herr Heinrich Escher zum Schönenhof. Herr Hs. Caspar Schulthess. Jez Director. Herr Ludwig Steiner. Uhrenmacher. Im November 1745 ward mit den Vorlesungen der anfang gemacht, und wöchentlich zweymal bis in den Juliuni 1746 fortgefahren. Die Sommermonate wurden dann angewandt, den Plan von der einrichtung der Gesellschaft festzusetzen. Die von Herrn Chorherr Gessner zu papier gebrachten gedanken über das wissenschaftliche oder die innere einrichtung der Gesellschaft sind beyglegt Sub No. 2 e 'S. — Die auf eine gesellschaftliche Verbin- dung passende einrichtung wurde hierauf von Herrn Chorherr Gessner Herrn Doctor Kahn Die naturforscherde Gesellschaft in Zürich. 13 Herrn Landschreiber Heidegger Herrn Hs. Jacob Ott vorläufig berathen und von Herrn Landschrbr Heidegger in die form gebracht, welche für die dauer der Gesellschaft am zuträglichsten gewesen ist. Dieser entwurf betraf 1." Die Absicht der Gesellschaft. 2." Die Eintheilung derselben in Membra Ordinaria und Honoraria, und derselben Zahl, die man nicht über 50 und nicht unter 30 setzte, von welchen 6 — 20 Ordinaria seyn solten. 3." Über den Ort der zusamenkonft bis zu dessen bestimmnng dieselbe in privathäuseren , oder in einem Zunft- oder Gesell- schaftshause zu halten vorgeschlagen worden. 4.^ Über die Zeit zu allen 14 Tagen. Dabey auch über den Sommer und Herbst Vacantzen anzusetzen für gut angesehen worden. 5.*^ Über die Pflicht der Membrorum Ordinariorum in ansehung der beschäftigungen. 6.'^ Über die Freyheiten der Honorariorum. 1.^ Über die Pflichten in Abstattung der auflagen. Zuschüssen, Honorantzen und abschiedsgeldern, auch der Bussen der Ordi- nariorum für ausbleiben und den spähteren besuch der Con- gressen. 8.*^ Über die Freyheiten der Membrorum Ordinariorum und der- jenigen aus den Membris Honorariis, welche geschäfte über- nehmen. 9.^ Über die einrichtung der Wahlen der Ordinariorum, des Praesidis, Quaestoris, und beyder Secretariorum. 10." Von dem Amt eines Praesidis, Quaestoris Secretariis Scientiarum et Oeconomiae. Das über diese Artikel abgefasste gutachten wurde den IQten Augstmonat 1746 Ehrengedachten 19 Herren vorgelesen, und aus dem darüber genohmenen Entschluss von Herrn Land- schreiber Heidegger, das Gesetzbuch errichtet. Diesen tags und den 3P'^'" Augstmonat äusserten sich M H. ob sie sich der Class der Membrorum Ordinariorum oder Honora- riorum einverleiben lassen wolten, und Declarierten sich für die 14 Ferdinand Rudio. Erste Class Herr Chorherr Gessner. Herr Doctor Rahn. Herr Doctor Schulthess. Herr Doctor Gessner. Herr Rittmeister Escher. War zwar etliclie Monate vorher als Landvogt naher Frauenfeld ab- gereiset, aber als ein Beförderer dieses In- stituts in diese Class gezählt. Herr Amtmann Meyer. Herr Landschreiber Heidegger. Herr Hs. Jacob Ott. Herr Operator Friess. Jkr. Hs. Ulrich Blaarer. Herr Ludwig Steiner. SäTlI Für die Class der Membrorum Honorariorum Declarierten sich Herr Hbtm. Hs. Conrad Lavater. Herr Paulus Usterj. Herr Hbtm. Heinrich Orell. Herr Caspar Ott. Herr Gerichtsherr Werdmüller. Herr Heinrich Escher im Schönenhof. Herr Caspar Schulthess. Sa7T Herr Heinrich Waser nahm nicht weiteren Antheil, weil er als Diacon zu Winterthur seinen Wohn- ort daselbst beziehen musste. Den 21*®" September wurde die Wahl des Herren Vorstehers, des Herren Quaestors und der Herren Secretariorum vorgenohmen, und fiele selbige so aus, und wurden erwählt. PröBses Herr Chorherr Johannes Gessner. Qusestor Herr Amtmann Meyer. Secretarius Über die wissenschaftlichen Verhandlungen Herr Landschreiber Heidegger. Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 15 Secretarius Über das Oeconomische Junker Blaarer. Diese Anstalt erhielt einen so allgemeinen Beyfall, dass sich Mitglieder zudrängten, und die erste genannte Gesellschaft so vermehret wurde, dass zu Ende des Jahrs 1746 schon 20 Membra Ordinaria, und 56 Membra Honoraria einverleibet waren." Gleichzeitig mit dem Vorstande war eine Kommission gewählt worden, welche das der Gesellschaft von Quartierhauptmann Joh. Heinrich Schulthess in seinem Hause zur Limmatburg ange- botene Lokal besichtigen und zugleich ein geeignetes Grundstück zur Anlegung eines botanischen Gartens ausfindig machen sollte. Ferner wurde die Kommission zur Anschaffung der fijrs Erste not- wendigen Bücher ermächtigt. Am 4. Oktober wurde von den Ordinariis der Mietkontrakt für das genannte Lokal, zunächst auf zwei Jahre, abgeschlossen und eine Präliminar-Zusammenkunft der ganzen Gesellschaft auf den 18. Oktober 1746, die erste ordent- liche Sitzung aber auf den 9. Januar 1747 festgesetzt. Die Präliminarsitzung vom 18. Oktober fand in dem Gesell- schaftshause zum schwarzen Garten statt und wurde von dem Präsidenten Johannes Gessner mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Vortrage: „Entwurf von den Beschäftigungen der physikalischen Gesellschaft, oder von den Wissenschaften, welche sich dieselbe zu behandeln vornimmt" eröffnet.') Nach einer kurzen an die Mit- glieder gerichteten Aufmunterung, nach Kräften zur Erreichung der gesteckten Ziele mitzuarbeiten , wurden die Statuten und die Namen der Ordinarii und Honorarii verlesen. Daran schloss sich die Verteilung des Arbeitsplanes für das nächste Jahr. Sodann wurde die Zahl der Membra honoraria, entsprechend der Zahl der vorhandenen Plätze, auf 56 festgesetzt und beschlossen , dass von nun an weitere Bewerber sich einer Wahl zu unterwerfen hätten. Schon vorher hatten sich 15 Mitglieder zur Uebernahme von Vorträgen bereit erklärt und zwar: Chorherr Gessner zu Vorträgen über Mathematik, Physik, Naturgeschichte. Quästor Meyer „ „ über die Künste. Pfarrer Gessner n » » Meteorologie. Professor Dr. Gessner „ „ _ Phvsiku. Botanik. 1(3 Fc'iiliii.tiKl Hmlio. Dr. Kahn zu Vorträgen über Medicinu.Chemie. Dr. Scluiltlicss „ „ ., Naturgeschichte u. Materia niedica. Dr. Meyer „ „ „ Physik u. Chemie. Pfarrer Gossweiler „ „ „ Naturgeschichte. Quartiorhanptniann Schulthess „ „ .. Landwirtschaft. Hans Jakob Ott , „ , Mathc-niatik und Botanik. Stadtarzt Meyer „ „ .. Anatomie und Chirurgie. Operator Fries „ „ „ Anatomie und Chirurgie. Obmann Wirz „ „ „ Mechanik. Uhrmacher Steiner „ „ ., Mechanik. Maler Corrodi „ „ „ Optik u. Malerei. Die Verteilung der Arbeiten wurde in der Weise vorgenom- men, dass für jeden der Herren Ordinarii ein Tag festgesetzt wurde, an welchem er der Gesellschaft einen Vortrag zu halten sich ver- pflichtete. Ebenso wurde die Berichterstattung über die Zeit- schriften unter die ordentlichen Mitglieder verteilt. „So übernahm^) für 1747: Chorherr Gessner die Histoire critique de Berlin. Quästor Meyer die hiesigen freimütigen Nachrichten. Professor Gessner die Nova acta eruditionis Lipsiensia und die Nouvelle bibliothcque germanique. Prof. Kramer die Göttinger gelehrten Anzeigen. Dr. Kahn die Leipziger Zeitungen Jakob Ott die Italienischen Journale." Die von den Mitgliedern vorgenommenen Vorträge und Ke- censionen sollten schriftlich ausgearbeitet und die Manuskripte der Gesellschaft übergeben werden. „Damit aber die Abhandlungen und Kecensionen zum Einbinden bequem und in gleichem Format erhalten werden kCninten, wurden jedem der arbeitenden Mitglieder zwei Bücher Leuenpapier mit der Verpflichtung zugestellt , die- selben nur für die Zwecke der Gesellschaft zu verwenden'')". Lizwischen hatte die oben genannte Kommission bereits eine Keihe von Büchern und Zeitschriften anueschaftt und war dabei Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 17 durch wertvolle Geschenke seitens der Herren Chorherr Gessner, Dr. Rahn u. a. unterstützt worden. Auch hatte man bereits bei dem berühmten Mechaniker Brand er in Augsburg eine Luftpumpe und andere physikalische Apparate bestellt. Die Bücherkommission wurde nun in der Weise neu organisiert, dass in derselben jedes der fünf Hauptfächer : Mathematik, Physik, Technik, Naturgeschichte und Medicin durch zwei Mitglieder ver- treten war. Ferner erklärte sich Dr. Meyer bereit, die täglichen Barometer- ablesungen, und Pfarrer Gessner, die übrigen meteorologischen Be- obachtunsen zu übernehmen. Die Limmatburg (L) mit dem langen Steg.*) Die erste ordentliche Versammlung der ganzen Societät fand nun am 9. Januar 1747 in der Limmatburg statt. Zur Eröffnung las Johannes Gessner eine „ Abhandlung ^) von der Lage und Grösse der Stadt Zürich, auch denen daher rührenden natürlichen Folgen" vor. Hierauf wurde eine üebersicht der im laufenden Jahre zu verhandelnden Gegenstände gegeben und sodann die Geschäfte er- ledigt. Mit dieser ersten Sitzung war die Gesellschaft als vollständig konstituiert anzusehen und sie konnte sich ohne weiteren Verzug •den vorgenommenen Arbeiten hingeben. Vierteljahrssclirift d. Natiirf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband I. 2 18 Feiiliimiiil lUidio. Sehen wir uns nun etwas genauer die erste Organisation unserer Gesellscliaft an. Wie schon früher mitgeteilt, war der Statutenentwurf ein Werk des damaligen Landschreibers, späteren Bürgermeisters, Heidegger. Wir folgen dabei der bereits oben angegebenen Einteilung der Statuten in zehn Paragraphen und fügen denselben die nötigen Erläuterungen bei. indem wir das vor- liaiuU'iie Original dieser ersten Gesetzessammlung gelegentlich wört- lich benutzen. 1. ,Die Absicht dieser Societet ist die erkenntniss der Natur, insoweit dieselbe zur bequemlichkeit, nutzen und nothwendigkeit der menschlichen gesellschaft überhaupt, besonders aber unseres werthen Vaterlandes dienet." Hierzu ist zu bemerken, dass die Stifter nicht die Gründung einer Gelehrtenakademie im Auge hatten , sondern einer Gesell- schaft, die neben der Förderung der Wissenschaften, vorzugs- weise die \"erb reitung derselben sich zum Ziele setzen sollte. „Ist uns die Gabe versagt, durch grosse Entdeckungen dem mensch- lichen Geschlechte zu dienen , so können wir doch dem Vaterland nützlich seyn, wenn wir unsere Mitbürger mit diesen Wissen- schaften bekandt machen, und den Verehrern derselbigen, welchen die Vorsicht mehrere Fähigkeiten und Müsse geschenkt hat. die nöthigen Mittel erleichtern, welche das Vermögen eines einzelnen Gelehrten gar bald übersteigen." In dieser Weise bezeichnet Hans Caspar Hirzel in der treftiichen Rede vom 10. Januar 1757, auf welche wir noch zurückkommen werden, die ursprüngliche Absicht der Gesellschaft. 2. Ursprünglich sollte die Gesellschaft höchstens aus 50 Mit- gliedern bestehen, welche in Membra ordinaria und honoraria ein- geteilt wurden. Die Zahl der Ordinarii sollte nicht mehr als 20 betragen. Wie wir sahen . wurden diese Zahlenverliältnisse aber noch im Gründungsjahre selbst verlassen, da die Limmatburg ge- nügenden Raum bot. Wichtiger und für lange Zeit massgebend war die Einteilung der Mitglieder in Ordinarii und Honorarii. Unter den letzteren sind aber nicht Ehrenmitglieder in der heutigen Bedeutung de& Wortes zu verstehen. Die Ordinarii waren die arbeitenden Mit- glieder, die Honorarii solche, die nur zahlten, aber zur Arbeit sich nicht verpflichteten. Die iiatnrforschende Gesellschaft in Zürich. ]^9 3. Wie bereits bemerkt, konnte die Gesellschaft von Anfang an in der geräumigen Wohnung zur Limmatburg ihre Sitzungen abhalten. Sie blieb in dieser bis 1757. 4. Die Gesellschaft versammelte sich alle 1 1 Tage an einem Montage, abends -f' 2 Uhr, ausgenommen während der Sommer- und Herbstferien (August und Oktober). Diese Festsetzung hat sehr viele Wandlungen durchgemacht. So wurden beispielsweise 1751 die Sitzungen auf 2 Uiir nachmittags verlegt, damit die Mit- glieder nach Schluss noch ihren Geschäften nachgehen könnten. Von 1753 — 1756 waren überdies die Sitzungen nur monatliche, von da an hingegen lange Zeit sogar wöchentliche. Zu diesen Sitzungen der Gesellschaft (Ord. und Hon.) kamen dann noch die sogenannten „ Privatkongresse " der Ordinarii , welche am ersten Dienstag jedes Monats stattfanden. 5. Die Ordinarii verpflichteten sich, abwechselnd über ein von ihnen beliebig gewähltes Thema der Gesellschaft eine in deutscher Sprache abgefasste Abhandlung vorzutragen und dieselbe , wenn nötig, mit Versuchen und Vorweisungen zu begleiten ; ferner aus neu erschienenen Werken und den Zeitschriften kritische Auszüge (Recensionen genannt) zu bearbeiten und der Gesellschaft mitzu- teilen. Die verlesenen Abhandlungen und Recensionen sollten der Gesellschaft übergeben und von dieser aufbewahrt werden. 6. Die Honorarii hatten das Recht, die allgemeinen Sitzungen der Gesellschaft zu besuchen und wissenschaftlich sich zu bethä- tigen wie die Ordinarii, ohne aber dazu verpflichtet zu sein. Sie nahmen , wie die Ordinarii, an der Wahl der Membra honoraria, nicht aber an der der ordinaria teil. 7. Jedes Membrum , ordinarium oder honorarium , hatte bei seiner Aufnahme acht Gulden als „Einstand" zu entrichten, ausser- dem einen regelmässigen Beitrag von zwei Gulden pro Quartal. Bei Beförderung eines Mitgliedes zu einem Amte oder zu einer Ehrenstelle erwartete die Gesellschaft eiue beliebig zu bemessende Ehrengabe (Honoranz genannt) an Geld; und wenn ein Membrum aus der Gesellschaft austreten wollte, so hatte es eine Abschieds- gabe von einem Dukaten zu entrichten. Eine Unterlassung dieser Gabe galt für nicht gentlemanlike und wurde stets ausdrücklich in den Protokollen vermerkt. Wenn ein Mitglied, welches „ge- bührenden Abschied" genommen hatte , später wieder eintreten 20 Ferdinand Riidio. AvoUto. so wiiiile CS t)lino weitere Walil in die Klasse der Honorarii aufgenommen , aucli wenn es vorher ein Membrum ordinarium gewesen war; dafür l)i"an('lite es a1)er nur noch das halbe Ein- standsgchl zu zahh'n. Endlich wurden die Ordinai'ii für unentschuldigtes Ausbleiben oder Zuspätkommen mit Busse belegt. Diese Bestimmung fiel allerdings bald wieder weg. da sie sich nicht viele Freunde zu er- werben "wusste. 8. Die Ordinarii hatten sich gleich von Anfang die Verfügung über die ganze innere Einrichtung vorbehalten, insbesondere über die Wahl des Vorstandes, die Verwaltung der Oekonomie und über die Besorgung und Beaufsichtigung der zu gründenden Sammlungen. Ebenso stand die Wahl eines neuen Ordinarius nur ihnen zu. während. Avic schon mitgeteilt, die Honorarii von der ganzen (.tcscH- schaft gewählt wurden. 9. Die ursprüngliche Bestimmung lautete: „Bey errichtung dieser Societet, stehet es einem jedem Liebhaber der Physicalischen Wissenschaften frey, sich zu einem Membro Ordinario oder Ho- norario einschreiben zu lassen: bis die ober wähnte zahl der 50 Membrorum complet ist , oder bis die Societet Ihre Erste Session gehalten hat. Wenn aber nach dieser zeit platze vacant wären oder würden , und einer oder mehrere sich um die stelle eines Membri Honorarii bewerben würden, so solle darüber von samt- licher gesellschaft der Ordinariorum und Hono rar i omni eine Wahl ergehen, auf nachfolgende Art: Es solle nicht mehr als Ein Praetendent auf einmahl in die wähl kommen , welche bei dem heimlichen mehr geschehen solle, und einem jeden wahler frey stehen, im fahl er den Praetendenten nicht vor nützlich erkennet, sein votum in eine blinde truken zu legen; wenn denn nach ausszehlung der votorum, der Praetendent wenigstens Yg stimmen hat , so solle Er zu einem Membro Honorario erwehlet, hätte Er aber weniger als Vs» für diessmahl abgewiesen seyn. Die W^ahl der Membrorum Oi-dinarioruni wird auf gleiche art vorgenommen, jedoch mit dem unterscheid, dass nur die Mem- bra Ordinaria dabey das Wahlrecht haben, und dass ein Praeten- dent wenigstens Vs stimmen haben, oder abgewiesen seyn solle. Die uaturforschende Gesellsoiiaft in Zürich. 21 Es mag aber niemand zu einem Membro Ordinario erwählt werden, er sei denn 1 Jahr lang Honorarium gewesen. Bey besetzung der Stellen eines Praesidis, quaestoris und beyder Secretariorum, sollte weder anmeldung noch namsung vor- gehen, sondern ein völliges Scrutinium beobachtet werden, und keiner zu diesen stellen gelangen mögen, Er habe denn wenigstens Va Vota. Ein jeder der eine von diesen 4 stellen bekleidet, solle dabey 1 Jahr lang zu bleiben verpflichtet seyn, nach verfluss desselben aber, dieselbe wohl aufgeben , und dann für das nächst folgende Jahr nicht damit beleget werden mögen. Uebrigens bleibt ein jeder bey seiner stelle, lebenslang, oder bis er sie selbsten aufgibt. Die Wiederbesetzung dieser 4 stellen solle bei Erster Zu- sammenkunft nach vorgefallener vacantz geschehen. Die Zeit aber zu annahm der Membrorum Ordinariorum und Honorarioruni zu bestimmen, steht jederweilen bey dem Collegio der Ordinariorum." Wie wir sahen , wurde bereits in der Präliminarsitzung vom 18. Oktober 1746 festgesetzt, dass von nun an jeder Bewerber sich einer Wahl zu unterziehen habe. Der hier angegebene Wahlmodus war aber für lange Zeit massgebend , insbesondere die Wahl des Vorstandes durch die Ordinarii allein. Jeder der Ordinarii hatte eine Ordnungsnummer, welche in die Gesellschaftstafel eingetragen war. Bei der Vorstandswahl wurde nur diese Ordnungsnummer und nicht der Name des zu Wählenden auf den Stimmzettel ge- schrieben, damit das Skrutinium ein völlig geheimes sei. 10. Ueber das Amt des Präsidenten und des Quästors, der zu- gleich Vicepräsident war , ist an dieser Stelle nichts wesentliches zu bemerken, da die Funktionen der Genannten sich von den üb- lichen und noch jetzt bestehenden nicht unterschieden. Zu er- wähnen ist höchstens, dass ausdrücklich festgesetzt wurde, der Präsident allein habe das Recht, Traktanden der Versammlung der Ordinarii vorzulegen. Anregungen, die von einem andern Mem- brum ausgingen, mussten vorher dem Präsidenten mitgeteilt werden. Im übrigen hatten Präsident und Quästor die gleichen Arbeits- verpflichtungen wie die anderen Ordinarii. 22 FfnliiiMiid \\iuV\n. Das Sektrt'taiiat war geteilt. J)ei' Erste Secretarius solle über das was der gesamten Sociotet der Ordinariorum und Ho- norar! orinn, es sey von Physicalischen Untersuchungen oder re- censionen. vorgelesen wird, oder über die gemachten Experimente, einen knitzen berielit . mit einigen roflexionen und dem schluss der Vorlesungen oder berathschlagungen zu papyr bringen und in ein eigen buch eintragen , uiul damit solches fleissig geschehe, so solle Er bey der erstfolgenden Zusammenkunft seine arbeit den Ordinariis vorlegen. Dieser Secretarius nimmt die schriftlichen abhandlungen und recensionen zu seinen banden, und legt solche in Ordnung an einen beschlossenen ort, dazu niemand als der Praeses und Er einen Schlüssel hat , und solle Er die pflicht haben , selbige nie- mandem , auch keinem Membro Ordinario selbsten naher hause zu communicieren. Nach verfluss jeden Jahrs errichtet Er über die in selbigem vorgelesenen abhandlungen und recensionen einen systematischen Catalogum. In ansehung dieser seiner gewohnlichen arbeit, ist er hin- gegen von der arbeit der Ordinariorum befreyet. doch hat Er das recht, nach seinem gefallen, dann und wann, einen aufsatz zu verfertigen und der gesellschaft vorzulesen. Alle Sachen, die nicht die Untersuchungen der Wissenschaften, sondern die gesetze, einrichtungen und oecoiiomische geschäfte der Societet betreffen, gehören unter die Feder des 2. Secretarii, der dasjenige was bei den darüber vorgehenden deliberationen abgeschlossen wird, fleissig protokollieren, auch dem Quaestori die zu seinem verhalt nöthigen, erkantnüssen ausziehen und zur hande stellen solle. Über die ausleyhende biicher solle Er ein ordentliches ver- zeichniss führen. Er verlieset bei jeder zusammenkonft die namen der Ordi- nariorum und verzeichnet die abwesenden oder die zu späthe kommen, und übergibt davon die liste dem Quaestori zum einzug der Inissen. Bey abnahm der Kechinnigen solle Er selbige der versamm- lun": vorlesen. Die naturfbrschende Gesellschaft in Zürich. 23 Bey den deliberationen die Er unter seine feder iiimmet, hat Er nur votum deliberativum, fiele aber ein stich vor, so hat Er denselben zu entscheiden. Dieser Secretarius weil er weniger geschäfte hat als der Erste, ist zu der ge wohnlichen arbeit der Ordinariorum, in seiner Ordnung verbunden." Wie sich die Zusammensetzung des Vorstandes im Laufe der Zeit veränderte — in dem Quästorat und Sekretariat trat sehr bald eine Veränderung ein — werden wir in den folgenden Ka- piteln erfahren. Hier handelte es sich nur darum, die Satzungen kennen zu lernen, auf Grund deren die Gesellschaft sich gebildet hat und die für die erste Zeit massgebend waren. Wer waren nun die Männer, die unsere Gesellschaft gegründet haben? Es ist nur ein Akt der Pietät, wenn wir versuchen, uns mit denselben bekannt zu machen. Wir lassen dabei den eigentlichen Stifter Johannes Gessner und die Vorstandsmitglieder Meyer, Heid- egger und Blaarer vorläufig bei Seite , da wir diesen an anderer Stelle begegnen werden, und wenden uns zunächst den 15 übrig- hleibenden zu. JOHANN HEINRICH RAHN. Johann Heinrich Rahn, geboren im März 1709, war ein Sohn von Hans Conrad Rahn, Pfarrer zu Ottenbach (1664 bis 1744), und ein Enkel des Mathematikers Johann Heinrich Rahn {1622 — 1676). Er besuchte die Collegien seiner Vaterstadt und widmete sich in Leyden. wo er promovierte, und in Halle dem Studium der Medicin. Nachdem er sich sodann noch in Berlin aufgehalten hatte , unternahm er eine grössere Reise durch Erankreich und England und kehrte darauf in die Heimat zurück. Hier liess er sich als Arzt nieder und erwarb sich in kurzer Zeit eine bedeutende Praxis. Gleichzeitig widmete er sich den Staats- geschäften. Im Jahre 1742 wurde er in den grossen, 1748 in den kleinen Rat gewählt. Rahn war es gewesen , der sich zuerst an Johannes Gessner gewandt und damit die Anregung zur Gründung der naturforschen- 24 Ferdinauil Hudio. den Gesellschaft gegeben hatte. Er gehörte zu den eifrigsten Mitgliedern derselben und bereicherte zugleich ihre Sammlungen durch wertvolle Geschenke von Büchern und Instrumenten. Dass- er auch litterarisch thätig war, geht aus einer Reihe von Arbeiten hervor, die in den „Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft" enthalten sind und noch später genannt werden sollen. Endlich darf wohl hervorgehoben werden , dass nicht nur sein Sohn und sein Enkel, sondern auch des letzteren Sohn und Enkel, alle Me- diciner, als überaus thätige Mitglieder unserer Gesellschaft ange- hört haben und zum Teil noch angehören. Rahn starb am 3. März 1786.'") HANS JAKOB SCHULTHESS. Hans Jakob Schulthess zum oberen Hammerstein , Sohn des Hauptmann Hans Ulrich Schulthess, Pfisters zur Hähnen (1683 bis 1737) wurde am 21. August 1706 geboren. Medicinae Doctor und Apotheker, trat er als Membrum ordinarium der Gesellschaft bei, der er bis 1752 wiederholt Vorträge über Naturgeschichte und materia medica hielt. Er starb am 6. Februar 1753. ") HANS JAKOB GESSNER. Johann Jakob Gessner wurde 1711 geboren. Er studierte Me- dicin und promovierte 1733 in Basel. 1754 wurde er Zwölfer von der Schmieden (Mitglied des grossen Rates), 1759 Amtmann zu Töss. Infolge dessen schied er aus der Gesellschaft aus, nachdem er „gebührenden Abschied" von derselben genommen hatte. Am 18. August 1787 starb er.'-) HANS HEINRICH ESCHER. Hans Heinrich Escher, geboren den 6. Mai 1713, war der älteste Sohn des Statthalters Heinrich Escher, Herrn zu Kefi- kon und Islikon (1688 — 1747). Der jüngste Sohn des letzteren,. Die naturforscheiule Gesellschaft in Zürich. 25 Hans Caspar (1729 — 1805), wurde der Vater des grossen Escher von der Linth. Nachdem Hans Heinrich das Gymnasium seiner Vateistadt durchlaufen und durch Reisen seinen Gesichtskreis er- weitert hatte, trat er 1743 in das Stadtgericht ein und wurde 1746 von der Meisenzunit in den grossen Rat gewählt. Bald darauf zum Landvogt der Grafschaft Thurgau ernannt, sah er sich Zürich und damit auch der naturforschenden Gesellschaft, an deren Gründung er lebhaften Anteil genommen hatte , für längere Zeit entzogen. Von 1750 — 1760 widmete er sich gänzlich der militär- ischen Laufbahn ; als Oberst in dem der Krone Frankreichs über- lassenen Schweizerregimente Lochmann beteiligte er sich an dem siebenjährigen Kriege , speciell an den Feldzügen am Rhein , in Westfalen und Hessen , und kämpfte in der Schlacht bei Crefeld (23. Juni 1758), in der er verwundet wurde. Im Jahre 1760 wählte ihn seine Zunft zum Zunftmeister und nun verliess er den französischen Kriegsdienst, um sich ganz den öffent- lichen Angelegenheiten seines Vaterlandes zu widmen. Schon 1761 wurde er Statthalter, d. h. präsumptiver Stellvertreter des Bürger- meisters. Von den Diensten, die er, namentlich in wichtigen diploma- tischen Gesandtschaften, seinem Vaterlande leistete, kann hier nicht weiter gesprochen werden. Ein bleibendes Denkmal aber hat sich Escher, der als Statthalter von Amtswegen auch „vorderster Pfleger am Almosenamt" war, durch die Gründung des Waisenhauses gesetzt. Bisher war es, in und ausserhalb der Schweiz, allgemeiner Brauch, die Waisen in einem Teile des Zuchthauses unterzubringen. Escher's unermüdlichen Bemühungen gelang es zu bewirken, dass am 11. März 1765 Rat und Bürger die Erbauung eines eigenen Waisenhauses in der Kornamtswiese beschlossen, welches dann 1770 in seiner gegenwärtigen Gestalt vollendet und am 1. August 1771 ein- geweiht werden konnte^"'). Escher selbst überlebte diesen Ehren- tag nur um einige Jahre, er starb am 7. September 1777'*). HANS CONRAD LA VATER. Hans Conrad Lavater wurde am 7. Oktober 1711 geboren. Er besuchte das Gymnasium und widmete sich dann dem Kauf- mannsstande, daneben aber auch den Staatsgeschäften. 1749 wurde 26 F. . , Hdiioranzen bei Elirenheförileiunjfen. 7. - „ Ahschieds'^eldern. S. ,, „ Zusc-huss^elilern. . '.». , . Allerlei. . 10. Summe aller Einnahmen. . 11. Aussegelten fiii' an^rekaufte Bücher. .1-2. ^ , antrekaulte Instrumente uml Maschinen. ,13. , . Kahinetsstücke. .14. . , Kupferstiche und Malereien. . l."). , , jährlichen Hauszins. -IG. ri r< .jährlichen Gartenzins. . 17. , , Gewächse. ,. IS. „ r restituierte Zuschussgelder. ,19. „ , Bauten und Mobiliar. , äO. , , Allerlei. , '■21. Summe aller Ausgaben. , 2-2. Schuld des Rechnungsstellers. Zu diesen Titeln ist zu bemerken, dass pag. 4 und 5 schon 1752 resp. 1751 wegfielen. Der Titel pag. 6, der einer sehr schönen und früher sorgfältig beobachteten Sitte ent- sprach, ist seit Anfang dieses Jahrhunderts leider fast ganz obsolet geworden ; das Gleiche gilt von Titel pag. 7, Der Titel pag. 8 fand nur einige Male Anwendung. Freiwillige ausserordentliche Beiträge, an denen es niemals gefehlt hat, wurden später unter dem Titel pag. 9 aufgeführt. Bei den Ausgaben fiel der Titel pag. 14 nach wenigen Jahren weg, an die Stelle der Titel pag. 16 und 17 traten nach Gründung eines eigenen botanischen und öko- nomischen Fonds die Titel für die jährlichen Zuschüsse au diese Kassen. Von dem Titel pag. 18 wurde nur einige Male Gebrauch gemacht. In dieser Weise wurden die Rechnungen geführt bis zum Jahre 1835, wobei noch hinzuzufügen ist, dass bis zu diesem Jahre der Quästor des Brauchfonds zugleich jeweilen Vicepräsident war. Zu der genannten Zeit wurde das Vicepräsidium von dem genannten Quästorate getrennt und ausserdem beschlossen, dass künftighin die Geschäfte der boideu Quästoren so geteilt werden sollten, dass ein Quästor-lMunehmer ausser der Verwaltung des Hauptfonds auch noch die sämtlichen Einnahmen, ein Quästor-Ausgeber dagegen nur noch die Ausgaben der liis- herigen Quästoratskasse zu besorgen habe. Die naturfbrschende Gesellscliaf't in Zürich. 35 Vicepräsident war damals Professor Gottfried von Escher (1800 — 1876), ohne dessen sorgfältige Aufzeichnungen und Zusammen- stellungen eine Geschichte unserer Gesellschaft heute kaum hätte geschrieben werden können. Der bisherige Verwalter des Haupt- fonds, Rittmeister Salomon Kl aus er, übernahm das Amt des Quästor-Einnehmers und Leonhard Schulthess im Lindengarten dasjenige des Quästor-Ausgebers. Von diesem Zeitpunkte an er- schienen in den Rechnungen unter den Einnahmen die Titel: 1. Einstand sgelder. 2. Jahresgelder : a) von den Mitgliedei-n der engern Kommission, b) von den übrigen Mitgliedern. 3. Allerlei. 4. Alte Restanz, d. h. der bisherige Bestand des Haiiptfonds. 5. Zinsen des Hauptfonds. 6. Ausserordentliche Einnahmen. Die Ausgaben enthielten die Titel: 1. Au.sgaben an die Quästoratskasse. ± Allerlei. 3. Ausserordentliche Ausgaben (nur während einiger Jahre). Hieran schloss sich dann der Rechnungsabschluss und Zahler. Dieser Rechnung wurde jeweilen als Anhang eine Specifikation der Ausgaben der Quästoratskasse beigefügt. Mit Umgehung unwesentlicher Modifikationen erwähnen wir. dass diese Art der Rechnungsführung bis 1854 währte, in welchem Jahre beide Quästorate in ein einziges vereinigt wurden. Seit dieser Zeit hat sich die Rechnungsstellung nicht wesentlich geändert. Wir bringen daher gerade die letzte, für 1895, hier zum Abdruck, nachdem wir noch mit wenigen Worten einer Schöpfung der allerletzten Zeit gedacht haben werden. Ausser dem Hauptfond ist nämlich vor wenigen Jahren noch ein weiterer Fond gegründet worden, der sogenannte Illustrations- fond, dessen Zinsen zur Bestreitung der Kosten für die Illustra- tionen, namentlich die Tafeln, der Vierteljahrsschrift, herangezogen werden sollen. Der Fond, der gegenwärtig die Höhe von 5000 Franken erreicht hat, wurde 1893 auf Initiative von Rudolf Wolf, dem hochverdienten ehemaligen Herausgeber unseres Ge- sellschaftsorganes, durch freiwillige Beiträge, denen noch zwei Legate zugewiesen wurden, angelegt. 36 P\Tdiiiaii(l \{\u\'u). Kechnung für 1895. K i II II :i li III e II : Veniu'lgeiisbeslanil Ende 1894 (ohne den llhislratiniisfond) . Fr. 72 97"). 47 Zinsen 3 «'.KJ. :J5*) Mit^rlioderheilräge •'! 1-72. — Neii,jalii-sl)latl , 10-22.95 Katalujj; , 64. — Vierleljahrsschritt , 94. 10 Beiträge von Behörden und Gesellschaften IR^'.-Ht. 1000. Stadtrat (iOO. Museum H20) 1 920. — Verschiedenes „ 9. 55 Fr. 3 615.07 r 748. 60 . 1 265. 20 . . 2 147.50*) - 113.50 . 1 810. — 570. 94 125. — V 2.90 . Fr. 10 398.71 Summa Fr. 83 451.42 *) Vom Hauptfond Fr. 3 623.35, vom Ilhistrationsfond Fr. 270.-. Ausgaben: Bücher Buclihinderarheit iNeujahrsblatt Vierteljahrsschrift Miete, Heizung und Beleuchtung Besoldungen Verwaltung Agio Verschiedenes Summa *) Davon für Illustrationen Fr. 48.—. Es verbleiben somit als (Jesellschaftsvermögen (Hauptfond) auf Ende 1895: Fr. 73 052.71, woraus sich gegenüber dem Vorjahre ein Vorschlag von Fr. 77.24 ergiebt. Der Betrag des llluslrationsfonds ist gegenüber 1894 unverändert geblieben, nämlich Fr. 5 000. — , da dieser Fond im Jahre 1S95 keinerlei Zuschüsse er- fahren hat, und de.ssen Zinsen unter die allgemeinen Einnahmen fielen. Endlich ist zu dieser Rechnting zu bemerken, dass die Einnahmen aus dem Neujain-sblatl, besonderer Umstände halber (vgl. auch die Ausgaben) dieses Jahr ungewöhnlich hoch ausfielen. Vergangenes Jahr betrugen die Einnnhmon Fr. 393, die Ausgaben Fr. 477. Sehen wir nun etwas näher zu, wie sich die Einnalinie- quellen, abgesehen von den Zinsen des Hauptfonds, die leicht aus dem jeweiligen Bestände desselben abgeschätzt werden können, im Laufe der Zeit gestaltet haben. Wie wir bereits bei der Mit- teilung der ersten Statuten erfuhren, hatte jedes Mitglied einen „Einstand" von acht Gulden und einen regelmässigen Beitrag von zwei (iulden i)ro (^uirtal zu entrichten. Der letztere ist während 2 93 1809 97 1767 95 1815 88 1768 108 1818 98 177(1 116 1823 105 1778 130 1828 119 1780 102 1834 107 1785 114 1836 100 Ft-nliiiand Hiulio. Jjilir Zahl ilt'r Mit^'ücder •Julir Zi ilil der Alit;,'lieder isti 93 1874 147 l.^ti» <.I8 1878 164 18.-, 1 <)7 lSSi> 166 1857 iir, 1SS6 184 18«! Uli 188'.) 194 1866 Il'I 1892 196 1870 \-21 1894 2-i7 Gegenwärtig, Mitte 189(j. zählt die GesellfkT .1 bnsdisdul .aest .^-iilsl .lA Miäl .t»d .>iu)sn .b flhriazzirlfi^btisiV 80 Ferdinand ) sich Hnrnor i^ ^en afitronomischen und physi- ka! >is, dass er bald nach seiner " ' ' ' ^ 'iunkten nicht luldete • 11 die Aussicht .-, in Zürich aU . wenn i.uiii Uli Vergleich zu .-^. i..v. ........ . beschei- dene Thätigkeit am Carolinum zu or den Norden und traf 1809, nach einer Abwc> lahren, in der ' ' '• " ••'- Logik , wäh- 110 Hoftnung, nach llahn's Tode das Canoni- Ht* :. wo ilil unu I ik am ' rend sich aller cat am Cai 1.,, T.,l 1 1 1 , rufen, dem er bis Behörde fiel ihm u, bei der Fächer *zi^ 5^ \M^iilt!iKl^\V«H^\^^trefFli<4j ihm ^Ws gelang, dafür sprechen die Namen Gräffe, Raabe, MuSss^.^edtenbacher. Die gehaltvolle Rede, mit der Homer am 29. April 1833 im Namen des Erziphunssrate« die neue Industrieschule eröffnete und die mit R, -et zugleich ausser- 01-. ürauL Neben mai.i. ...c... ....... ,.... >rronomiv, >mi sind insbesondere seine auf die Nautik bezüglichen Abhandlungen hervor- zuheben, von denen eine, „Methode facile et exacte pour re'duire ■'•"lies'* (Genes 1822). wurde. Besondere les distances ! avec des table^- in fast alle. • Ue Sprachen ül- Erwähnung verdient seine Mitwirkung Sil-: - ■■ • ler sehen phy- ' LCensten ■ , über L' MiiN^iriH'it. .dahtS ,i»«saH A isnmnH oot itantl .i|aloi14 Die naturfor.schende Gesellschaft in Zürich. 81 Beobachtungen niederzulegen hoffte, nur noch emige wenige und beinahe nur von ihm selbst verständliche Notizen hinterliess. " ■'°) Der naturforschenden Gesellschaft war Horner schon 1795 bei- getreten. Ihr verdankte er auch die Empfehlungen, mit denen er ■die Universität Göttingen bezog, und die ihm nicht nur, wie wir gesehen haben, ausgezeichnete Bekanntschaften, sondern auch die Aufnahme in die dortige naturforschende Gesellschaft eintrugen. Nach seiner Rückkehr aus Russland wurde er sofort Ordi- narius, 1812 Quästor und Vicepräsident und 1831 nach Usteri's Tode Präsident der Gesellschaft. In mehr als 70 durch Einfachheit und Klarheit ausgezeich- neten Vorträgen mathematischen, physikalischen, astronomischen und technischen Inhaltes wusste er stets seine Zuhörer derart zu fesseln, dass auch diejenigen, die der Materie ferner standen, zu folgen im Stande waren und einen Gewinn davon hatten. Wir werden der segensreichen Thätigkeit, welche Hofrat Horner — so wurde er allgemein in Zürich genannt — in der naturforschenden Gesellschaft entfaltete, noch bei verschiedenen späteren Gelegen- heiten zu gedenken haben. Als Horner am 3. November 1834 seinem Wirkungskreise allzu früh entrissen wurde, verbreitete sich allgemeine und auf- richtige Trauer in seiner Vaterstadt. „Mit ganz Zürich," schreibt Georg von Wyss, „trauerte auch die gesamte Lehrerschaft, als am 3. Wintermonat 1834 Hofrat Dr. J. C. Horner starb. Ihm verdankten die naturwissenschaftlichen Studien einen Aufschwung in Zürich, der den Verstorbenen in allen Dingen, ganz vorzugs- weise aber bei der Umgestaltung der Lehranstalten im Jahre 1832 zu ihrem berufenen Vertreter gemacht hatte." ^^) HEINRICH RUDOLF SCHINZ. Heinrich Rudolf Schinz wurde in Zürich am 30. März 1777 geboren, als einziges Kind des um sein Vaterland hochver- dienten Pfarrers von Uetikon, Rudolf Schinz, dem auch die natur- forschende Gesellschaft, wie wir noch sehen werden, so vieles zu danken hatte. Nachdem der junge Schinz das Carolinum absol- viert und sich neben seinen humanistischen Studien eifrig Vierteljahrssclirift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelbi.nii I. 6 82 Ferdinand Rudio. mit Sammeln von Pflanzen , Insekten , Schmetterlingen und dergl. beschäftigt hatte, besuchte er das medicinisch-chirurgische Institut und darauf die Universitäten VVürzburg und Jena. Dabei be- schränkte er sich aber keineswegs auf die speciell medicinischen Vorlesungen, sondern widmete sich zugleich auch dem Studium der Naturwissenschaften, insbesondere der Zoologie. In Jena pro- movierte er am 13. März 1798, worauf er sich zu einem längeren Aufenthalte nach Paris begab. In die Heimat zurückgekehrt, Hess er sich daselbst als praktischer Arzt nieder, ohne aber in diesem Berufe eine innere Befriedigung zu finden. Da er ökonomisch un- abhängig war, konnte er sich daher immer mehr seiner Lieblings- wissenschaft, der Zoologie, zuwenden. Sich auf diesem Gebiete lehrend und lernend zu bethätigen, dazu gab ihm die naturforschende Gesellschaft reiche Gelegenheit. Nachdem er schon 1800 Ordi- narius geworden war, übernahm er bereits im folgenden Jahre das Sekretariat, welches er erst niederlegte, als er 1823 in das Ober- gericht des Kantons Zürich gewählt wurde. Im Jahre 1^'M wurde er Quästor und Vicepräsident der Gesellschaft und 1834:, als Nach- folger Horner's , Präsident derselben. Mit welcher Hingebung er sich der Gesellschaft widmete, mit welcher Aufopferung er ihre wissenschaftlichen Interessen zu fördern suchte, ergibt sich nicht nur aus den zahlreichen Vorträgen und Mitteilungen, aus der steten selbstlosen Bereitwilligkeit , in die Lücke zu treten , so oft dies erforderlich war — konnte er doch in seiner Festrede zum hun- dertjährigen Jubiläum der Gesellschaft mit Recht von sich sagen, dass während seiner 47jährigen Mitgliedschaft er kaum 4 Male den Sitzungen nicht beigewohnt habe — es ergibt sich dies viel- mehr am deutlichsten aus dem, was er für die Neujahrsblätter, ganz besonders aber, was er für die zoologische Sammlung der Gesellschaft geleistet hat. Von den ersten 50 Neujahrsblättern, welche auf die Jahre 1799 bis 1848 herausgegeben wurden , stammen nicht weniger als 28 aus seiner Feder, darunter 17 unmittelbar auf einander folgende auf die Jahre 1820 bis 1830. Das schönste Denkmal aber hat sich Schinz in der zoologischen Sammlung gesetzt , die geradezu als sein Werk bezeichnet werden muss. „Er hat sie aus Nichts, man möchte fast sagen mit Nichts geschaffen, wenigstens nach dem Verhältnis des Vorhandenen zu den Mitteln, die ihm offiziell Die uatiirforschende Gesellschaft in Zürich. 83 ZU Gebote standen", heisst es in der Biographie, welche Locher- Balber ihm gewidmet hat. An anderer Stelle werden wir hierauf zurückkommen und Gelegenheit haben , der bleibenden Verdienste zu gedenken, die sich Schinz hierdurch nicht nur um die Gesell- schaft, sondern um ganz Zürich erworben hat. Wie um die zürcherische, so hat sich Schinz auch um die schweizerische naturforschende Gesellschaft in hohem Grade ver- dient gemacht , ja , er darf geradezu als einer der intellektuellen Gründer derselben angesehen werden. Hierüber wird später in anderem Zusammenhange ausführlicheres mitgeteilt werden. Auch litterarisch entfaltete Schinz eine grosse Thätigkeit Er veröffentlichte 1809 mit dem Botaniker Römer eine „Naturge- schichte der in der Schweiz einheimischen Säugetiere", 1815 mit Fr. Meissner in Bern „Die Vögel der Schweiz", 1819 begann er die Beschreibung und Abbildung der Eier und künstlichen Nester der in der Schweiz und Deutschland brütenden Vögel. Im Jahre 1829 erschien seine Naturgeschichte für Schulen, welche 1834 in zweiter Auflage als Handbuch der Naturgeschichte herauskam, 1842 veröffentlichte er die Schrift „Der Kanton Zürich in natur- wissenschaftlicher und landwirtschaftlicher Beziehung". Ausser diesen und andern Werken , welche mehr der Ver- breitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse dienen sollten , gab Schinz auch solche rein wissenschaftlicher Natur heraus, so 1840 die „Europäische Fauna" und 1844 — 1845 ein „Systematisches Ver- zeichnis aller bis jezt bekannten Säugetiere". Hand in Hand mit dieser litterarischen Thätigkeit ging die- jenige als Lehrer. Von 1804 bis 1833 wirkte er am medicinischen Institute, an welchem er neben den beschreibenden Naturwissen- schaften auch Physiologie vortrug. Mit dem Aufhören dieses Institutes und der Errichtung der Hochschule ging er an die philosophische Fakultät derselben über als Extraordinarius für Naturgeschichte. Seine Stelle als Ober- richter gab er nun auf, übernahm dafür aber zugleich auch noch eine Lehrstelle an der oberen Industrieschule und am oberen Gym- nasium. Die letztere legte er zwar schon 1837 nieder, in der Reihe der Professoren der Hochschule aber verblieb er, als würdiger Senior derselben, bis zu seinem Tode. 34 Kei(liniiii(l Rudio. In der Sitzung vom 4. Jaiuiar 1847 empfing die naturforsehende Gesellschaft die Mitteilung, dass Prof. Schinz wegen seines vor- gerückten Alters das Präsidium niederzulegen gesonnen sei. „Die Herren Moiisson, Archiator Kalin und Külliker", so berichtet das Protokoll, , verdanken dem Herrn Präsidenten seine vielfachen Ver- dienste um die Gesellschaft". In der folgenden Sitzung, am 18. Januar, wurde überdies „ein Antrag des Komitees betreffend die Erlassung eines Danksagungsschreibens an den Herrn Präsidenten einstimmig angenommen und zu Überbringern derselben gewählt die Herren Archiater Kahn, Prof. Locher-Balber und Kölliker". Damit entsagte aber Schinz trotz beginnender schwerer körper- licher Leiden noch nicht der wissenschaftlichen Thätigkeit in der ihm so teuren Gesellschaft. Die Protokolle weisen noch eine ganze Keihe von Vorträgen und Vorweisungen auf , mit welchen der ehrwürdige Greis die Gesellschaft unterhielt, zum letzten Male am 2. September 1854, nachdem er im Mai des gleichen Jahres seine Entlassung als Mitglied der Neujahrsstückkommission ge- nommen hatte. Nach jahrelangen schweren Leiden entschlief Schinz am 8, März 1861, kurz vor vollendetem 84. Jahre. ''^j ALBERT MOUSSON. Albert Mousson wurde den 17. März 1805 in Solothurn ge- boren, einem der sechs Vororte, in welchen sein Vater, Marcus Mousson aus Zürich, als Kanzler der schweizerischen Eidgenossen- schaft während der Mediationszeit abwechselnd wohnen musste. Die folgenden Jahre führten die Familie nach Basel, Zürich, Luzern, Freiburg, Bern, sodann wieder nach Solothurn (1811), Basel (1812), Zürich (1813—16), Bern (1817 — 18) und Luzern (1819 — 20). .Als Folge unseres Wanderlebens", schreibt Mousson in seinen Lebenserinnerungeu, „hatte ich keinen geordneten, kon- sequenten Unterricht genossen und stand im Wissen meinen Alters- genossen nach, während die Liebhabereien, das Lesen von Reise- beschreibungen, das Sammeln von allerlei Naturgegenständen, das Zeichnen derselben mit Eifer betrieben wurden und die Ima- gination beschäftigten." Die Jahre 1819 — 1822 brachte Mousson in der von dem berühmten Philanthropen Fellenberg gegründeten Die naturfurschende GesellschafL in Zürich. 85 und damals in voller Blüte stehenden Erziehungsanstalt in Hof- wyl zu. Sodann begann er seine eigentlichen Studien an der Akademie Bern, wo seine Eltern eben weilten und wo er in dem berühmten Geologen Bernhard S tu der einen vortrefflichen Lehrer und später treuen Freund gewann. Dieser wusste den jungen, strebsamen Studenten bald so zu schätzen, dass er ihn sogar auf einer gemeinschaftlich mit Leopold von Buch veranstalteten sechs- wüchentlichen geologischen Gebirgsreise als Begleiter mitnahm. Nachdem Mousson noch einen Winter in Genf bei Necker de Saussure, Decandolle und namentlich bei Auguste de la Rive studiert hatte, wandte er sich nach Göttingen, um sich dort wäh- rend drei Semestern unter Hausmann bergwissenschaftlichen Stu- dien zu widmen. Da sich aber inzwischen sein Vater davon über- zeugt hatte, dass in der Schweiz für einen Bergmann absolut keine Aussichten bestünden , entsagte Mousson dem gewählten Berufe und ging nach Paris zum Studium der Ligenieurkunde, ohne indessen dort die Naturwissenschaften zu vernachlässigen. Ihnen widmete er die Sonntage, da die Woche hindurch seinen Liebhabereien Schweigen geboten war. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er Sekretär des Baudepartements in Bern und gleichzeitig Mathematiklehrer an der städtischen Realschule. Aber schon nach einem Jahre verlor er infolge des Regierungswechsels beide Stellen und nun wandte er sich , mit einem Empfehlungsbriefe Studer's an Hofrat Horner nach Zürich, wo an der neuen Kantonsschule vier Mathematikstellen zu besetzen waren. Für das obere Gymnasium wurde Raabe gewählt, für das untere der spätere Oberbibliothekar J. J. Horner, für die obere Industrie- schule Gräfte, der schon an dem technischen Institute gewirkt hatte, und endlich für die untere Industrieschule nach stattgefun- dener Probelektion Mousson. Die Lehrstelle für Physik an den beiden oberen Abteilungen erhielt Gottfried von Escher, früher Lehrer an der Kunstschule. Als an diesen aber die Aufforderung gerichtet wui-de , auch an der Hochschule die Physik zu docieren, kam er selbst mit dem seinen bescheidenen Sinn ehrenden Vor- schlage bei dem Erziehungsrate darum ein, dass seine und Mous- son's Stellen einfach ausgetauscht werden möchten. So wirkte nun Mousson als Lehrer der Physik an den beiden oberen Abteilungen der Kantonsschule und gleichzeitig an der Universität, an welcher gß Fenliiiand Rudio. er bereits 1836 Extraordinarius wurtlo. Im Jalire 1855 wurde er mit Clausius an das neugegründete eidgenössische Polytechnikum berufen und nach Niederlegung seiner Stelle an der Kantonsschule zugleich auch zum Ordinarius an der Universität ernannt. An beiden Hochschulen wirkte er mm bis zum Jahre 1878, in welchem ihn zunehmende Kränklichkeit veranlasste, von der Lehrthätigkeit zurückzutreten. Wissenschaftlich thätig aber blieb er bis zu seinem Tode. Er entschlief am 0. November 1890. ■'^) Was bei Mousson's Leben und Wirken sofort in die Augen fällt, das ist die erstaunliche Vielseitigkeit seines Wissens und seiner Inte- ressen. Hierdurch war er denu auch, wiekaum ein Anderer, dazu prädes- tiniert, in der naturforschenden Gesellschaft, der er von 1833 an, also 57 Jahre lang, angehörte, eine führende Holle zu spielen. Mousson, Heer und Esc her von der Linth — das Triumvirat, wie man die drei aufs engste mit einander verbundenen Freunde wohl scherz- haft nannte — galten Jahrzehnte lang als die typische Vertretung der Gesellschaft. Wie sehr diese die anregende, einen weiten Blick bekundende wissenschaftliche Thätigkeit Mousson's, seinen feinen Takt und seine gewinnenden Umgangsformen zu schätzen wusste, beweist zur Genüge die Thatsache, dass sie ihm nicht weniger als viermal, zum ersten Male für 1847 — 1849, das Präsidium über- trug und dass sie ihn sogar, 1874, zum fünften Male gewählt haben würde , wenn er nicht auf das energischste abgelehnt hätte. Es würde zu weit führen, wollten wir hier im einzelnen die Verdienste aufzählen, die sich Mousson um die Gesellschaft, sei es durch Über- nahme der verschiedensten wissenschaftlichen oder administrativen Arbeiten , sei es durch wertvolle Geschenke , erworben hat. In der Folge werden wir vielfach darauf zurückkommen. An dieser Stelle sei nur hervorgehoben, dass er mehr als 20 Jahre lang Prä- sident der Neujahrsstückskommission war und sich als solcher um die ehrwürdige Institution der Neujahrsblätter verdient machte. Und endlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass er seine wertvolle Biblio- thek testamentarisch der naturforschenden Gesellschaft überwies. Mousson's wissenschaftliche Thätigkeit war in gleicher AVeise auf die Physik wie auf die beschreibenden Naturwissenschaften ge- richtet. Ausser zahlreichen Abhandlungen veröffentlichte er 1858 bis 1863 sein grosses dreibändiges Lehrbuch >Die Physik auf Grund- lage der Erfahrung", welches 1879 — 1884 in 3. Auflage erschien. Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 87 Seiner Initiative ist es ferner zu verdanken, dass die schweizerische naturforschende Gesellschaft 1861 eine eigene „meteorologische Kommission" niedersetzte, aus der sich die heutige eidgenössische meteorologische Centralanstalt entwickelt hat. In gleicher Weise wie für Physik und Meteorologie interessierte sich Mousson für phy- sikalische Geographie und für Geologie, wie schon allein seine ^Geologische Skizze der Umgebungen von Baden" (1840), vor allem ■aber die treffliche Schrift „Die Gletscher der Jetztzeit" (1854) beweisen. Grosse Verdienste erwarb sich Mousson überdies, zugleich mit Heinrich Wild, um die Einführimg einheitlicher Masse und Ge- wichte in der Schweiz. Zur Vergleichung des schweizerischen Urmasses mit dem französischen reisten die beiden Gelehrten 1863 und 1864 nach Paris, wo sie die in der Ecole des arts et metiers ausgeführten Arbeiten unter Mitwirkung von Tresca persönlich leiteten. Aus diesen Vergleichungen und den entsprechenden Be- mühungen anderer Staaten ist dann später eine äuserst wichtige bleibende Institution hervorgegangen, das Comite international des poids et mesures. Endlich haben wir noch Mousson's umfassender Thätigkeit auf dem Gebiete der Zoologie, speciell der Malakologie, zu gedenken. Unterstützt von zahlreichen Gelehrten des In- und Auslandes, nament- lich von seinen Freunden a. Seminardirektor Zollinger auf Java und die verdienten Forschungsreisenden Dr. Alexander Schläfli imd Dr. Eduard Graeffe legte Mousson eine gegen 7000 Species umfassende Conchyliensammlung an, die nach seinem letzten Willen später in den Besitz des Polytechnikums überging. OSWALD HEER. Oswald Heer wurde am 31. August 1809 in Niederuzwyl (Kt. St. Gallen) geboren, wo sein aus Glarus stammender Vater Pfarrer war. Im Jahre 1816 folgte der letztere einem Rufe nach Matt im Sernfthale. Hier verlebte Oswald Heer seine Jugendzeit. Von 1828 bis 1831 widmete er sich in Halle dem Studium der Theologie, 1831 wurde er in St. Gallen ordiniert. Seine schon früh ausge- sprochene Neigung zu den Naturwissenschaften veranlasste ihn 88 Ferdinand Hiulio. aber, 1832 einem Kufe Escher-Zollikofer's im Belvoir-Züricli zu folgen, als Konservator an dessen reichhaltiger Insektensanimlung. Von diesem, der nicht nur ein sehr eifriges Mitglied, sondern zu- gleich auch ein hochherziger Gönner der naturforschenden Gesell- schaft war und dieselbe zu wiederholten Malen mit den wertvollsten Geschenken überraschte, wurde auch Heer unserer Gesellschaft zu- geführt, in der er bereits am 2. Dezember 1833 einen grössern Vortragscyklus über die geographische Verbreitung der Insekten eröffnete. Während eines halben Jahrhunderts gehörte Heer der Gesellschaft an; zweimal, 1849 — 1851 und 1863 — 1865, bekleidete er das Präsidium derselben. Nachdem sich Heer 1834 an der Universität für Botanik und Entomologie habilitiert hatte, wurde er bereits 1836 Extraordinarius und 1852 Ordinarius an derselben. Im Jahre 1855 übernahm er zugleich die Professur für specielle Botanik am eidgenössischen Polytechnikum. An beiden Hochschulen wirkte er bis kurz vor seinem Tode. Er starb am 27. September 1883 in Lausanne, nach- dem er 1882 seine akademischen Stellungen niedergelegt hatte. „Heer hat in Insektenkunde und Pflanzengeographie hervor- ragendes geleistet, vor allem aber war er einer der bedeutendsten Paläontologen des Jahrhunderts. Er schrieb eine Käferfauna der Schweiz und bearbeitete die fossilen Insekten von Oeningen am Bodensee und Radoboj in Mähren. Auf diesem Gebiete hat er bahnbrechend gewirkt, indem er die Methoden zur Bestimmung vorweltlicher Insekten schuf." „Seine „Vegetationsverhältnisse des Sernfthales" (1835) und seine „Nivale Flora der Schweiz" sind wichtige Beiträge zur Pflanzengeographie unseres Landes, in denen er die Beobachtungen seiner zahlreichen Alpenreisen niederlegte." „Seine Hauptwerke auf dem Gebiete der fossilen Botanik sind „Flora tertiaria Helvetica" (1855—1859), drei Foliobände, in welchen 920 Arten abgebildet sind, von denen Heer 720 selbst neu aufgestellt hat; „Flora fossilis Helvetica" (1877), ein Folioband, die fossilen Schweizerpflanzen der älteren Formationen enthaltend; „Die Urwelt der Schweiz" (1864, 2. A. 1879), eine meisterhafte populäre Schilderung der geologischen Geschichte unseres Landes; „Die Pflanzen der Pfahlbauten" (Neujahrs- blatt d. naturf. Ges. auf 1866), eines der wichtigsten Dokumente Vierteljahrsschrift d, naturf. Ges. Zürich. 41, Jahrg. 1896, Jubeiband I, Taf, _^^, 7%^^^ ^c^e^f-^ /Ji Sy./^.f^^^ ßy:' Pliotogr. Druck v-un Brnniier & Hauser, Züii .*> .IfiT .1 bnsdiadul .öe8t .v^A J» .AohüS .nd hvJM .b fthriazeirisyehalV sy Ffniinarni Hinliu. al'i I. I - .2 einem Rufe Escher-Zollikofer's im Belvoir-Zürich y »r an dessen n lonsanimlun- ich ein 1. I war und dieselbe zu wi lalen mit den wertvollsten j .enken ii' 'te, wui , hvt, in u iieroits .; . . ^i . Vortragscyklus über die geographis. reitung der Insekten eröffnete. Während eines halben JaluluiiKletts gehörte Heer der j Oesellsehaft an: zweimal, 1>^J<' '^'■' i>v.. i..;-. i. ii ;.!,.^,, ' <-v das Präsidium derselben. Xachdem sich Heer 1834 an versität für Botanik und 1 und 1 zugleich die Poly kurz vor seinoi.. i •c--^ -i. rC^ vV »e, nach- dem er I ^,_53^^^\\\ , ^W ^^t hatte. , V^ N,^s^|^^■^TTi^waI^;;^^ hervor- 'l^\Jl allein aber wiTr-^!^>einer der' ' idsten •s Jahrhunderts. Er schrieb eine K; . i der Schweiz und bearbeitete die fossilen Insekten von Oeningen am und Radoboj in '^' •' hat er ■ .^ behandfUe er jetzt Iti vüllständiger und .\lT^\<;jj^ '^"^ '»>i!i^^-^^^:^k*"^^^*'' Dynamo- "icfiing in dib' .sclnsierigsten theo- ' ' den off< • ■ '"• k für die hier m in seinem • leii Beziehungen zwi.schen \ibc.iL uiiii ■ ; .! Leben zu be- Ferdüiand Rudio. lo und vervollständigte Auflage unter chaniache Wärmetheorie (Braunschweig 1876 ' ist. ,i<]i risiiiKiiK in meinen spä- iidere den liier wie dort wandte ' n Unter -'-^^Ti auf die I ->e den gro.ssen Motor aller masch retischen Prob Leistungen dfT Teile die ai riuUiiciu u In die zürcherische naturforscheude Gesellschaft war (-lausius am 19. November 1855 aufgenommen worden. Von 1859 bis 1861 war er ihr Präsident. In dankbarer Erinnerung an seine Thätig- keit in Zürich und in^bosondoro nn seine L'vossen Verdienste um das wissenschaftlic] te ihn x.'iiirN^', liririVn. so bewan; statte : kriut der Qeburts- | en Arbeiten eine ungewöhnliche Anhäng- j lichkeit. l n^ i.. m n werden jedem, der an der schweizerischen ' Nuturforscherversamnilung in Zürich vom Jahre 188:^ teilgenommen hat, die Worte sein, in denen er auf den Höhen des Uetliberges ; diesen seinen Gefühlen Au.sdruck verlieh, un . ' ' ' ' ' erfüllte und begeisterte Hoch. \v(](]i> s er ii, ratspräsidenten Kappel { Zuill 7.\' i)N DER LINTH. 1 v\ii 1861 bis 18üa. .dahSS ,i*ioaH A laaninfl oot iamfl .iiaioill OFIhE USWERSITY nF ILUKOIS Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 95 OSWALD HEER. Zum zweiten Male Präsident von 1863 bis 1865. ALBERT MOUSSON. Zum vierten Male Präsident von 1865 bis 1867. GUSTAV ZEUNER. Geboren am 30. November 1828 in Chemnitz. Mitglied der Gesellschaft seit 1856, Präsident von 1867 bis 1869. Professor der Mechanik an der technischen Hochschule Dresden. POMPEJUS BOLLEY. Pompejus Bolley wurde am 7. Mai 1812 in Heidelberg geboren. Er besuchte das Gymnasium und die Hochschule seiner Vaterstadt, schloss sich der burschenschaftlichen Bewegung an und musste 1834 wegen „Teilnahme an verbotenen Studentenverbindungen" eine sechsmonatliche Festungshaft im Schlosse Kisslau bei Bruchsal verbüssen. Nachdem er 1836 seine Studien abgeschlossen und promoviert hatte, wurde er 1838 als Lehrer der Physik und Chemie an die Kantonsschule in Aarau berufen. Bei der Gründung des eidgenössischen Polytechnikums, an dessen Organisation er einen hervorragenden Anteil genommen hatte, erhielt er die Professur für technische Chemie, die er von 1855 bis zu seinem am 3. Au- gust 1870 erfolgten Tode bekleidete. Vom Herbst 1859 bis Herbst 1865 war er zugleich, als Nachfolger Deschwanden's, Direktor des Polytechnikums. Bolley 's Thätigkeit erstreckte sich über das Gesamtgebiet der technischen Chemie, insbesondere der Textilindustrie, der Färberei, Bleicherei u. s. w. Daneben richtete er sein Interesse auf eine Reihe chemisch-wissenschaftlicher Fragen. Er veranlasste z. B. die Ausbeutung des Birmensdorfer Bitterwassers, die Errichtung 96 Ferdiiiüiui Rudio. des Soolbades Rheinfekkn, er beteiligte sich als Bevollmächtigter des Bundesrates an ilen Weltausstellungen von London und Paris 11. a. m. Unter seinen zahlreichen Publikationen sei hervorgehoben das „Handbuch der technisch-chemischen Untersuchungen", welches 1889 in Leipzig in <). Autlage erschien. In Verbindung mit meh- reren Gelehrten und Technikern begründete Bolley ferner das grosse Werk „Handbuch der chemischen Technologie", welches nach seinem Tode von K. Birnbaum fortgesetzt wurde. Gemein- schaftlich mit seinem Freunde und Kollegen Johann Heinrich Kronauer (1822 — 1873) gab er überdies von 1856 bis 1870 die „schweizerische polytechnische Zeitschrift" heraus, nachdem das von ihm und Otto Möllinger (1814—1886) bereits 1840 gegründete „schweizerische Gewerbeblatt" 1854 zu erscheinen aufgehört hatte. Der naturforschenden Gesellschaft war Bolley gleich nach seiner Uebersiedelung nach Zürich beigetreten. Seine Aufnahme erfolgte am 19. November 1855, in derselben Sitzung, in Avelcher auch Clausius Mitglied wurde. Wie überall, so entfaltete er auch hier eine ungemein rege Thätigkeit; die Protokolle berichten von einer grossen Zahl wissenschaftlicher Vorträge, die er der Gesell- schaft gehalten hat. Nachdem er bereits von 1863 bis 1869 das Amt eines Vicepräsidenten bekleidet hatte, führte er von 1869 an bis zu seinem Tode den Vorsitz in der Gesellschaft. Am 3. August 1871, dem ersten Jahrestage seines Todes, ver- sammelten sich seine Kollegen und Freunde in der Aula des Poly- technikums zur Einweihung des von seinen Schülern ihm errich- teten Denkmals. Professor Wislicenus hielt die Gedächtnisrede. Welch' hoher Wertschätzung aber die bedeutende Persönlichkeit Bolley 's sich erfreute, davon geben die auf dem Denkmal ein- geschriebenen Shakespeare'schen Worte Kunde: „So mischten sich in ihm die Elemente, dass die Natur aufstehen dürft' und sagen: Das war ein Mann !" JOHANNES WLSLICENUS. Geboren am 24. Juni 1n;1') in Klein-Eichstedt (Provinz Sachsen). Mitglied der Gesellschaft seit 1859, Präsident von 1870 bis 1872. Professor der Chemie an der Universität Leipzig. Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 97 CARL CÜLMANN. Carl Culmann wurde am 10. Juli 1821 in Bergzabern (Pfalz) geboren. Er besuchte 1836 — 1837 das CoUegium in Weissenburg, sodann die Artilleriescbule in Metz, wo er mit den Arbeiten Pon- celet's bekannt wurde, und absolvierte 1838 — 1841 die Ingenieur- schule am Karlsruher Polytechnikum. Von 1841 bis 1849 war er als Ingenieur, speciell für Brückenbau, im bayrischen Staatsdienste thätig. Er unternahm sodann im Auftrage der bayrischen Regie- rung 1849 — 1851 eine Studienreise nach England und Amerika, deren Ergebnisse er in einer Aufsehen erregenden Abhandlung in Förster's Bauzeitung (Wien 1851 — 1852) niederlegte. In die Hei- mat zurückgekehrt trat er wieder als Ingenieur in den bayrischen Staatsdienst ein. Im Herbste des Jahres 1855 folgte er einem Rufe an das eidgenössische Polytechnikum in Zürich , wo er bis zu seinem, am 9. Dezember 1881 erfolgten Tode als Professor der Ingenieurwissenschaften wirkte. Von Herbst 1872 bis Herbst 1875 war er Direktor des Polytechnikums. Neben seiner Lehrthätigkeit beteiligte sich Culmann in her- vorragender Weise an der Begutachtung technischer Bauwerke. Besonders in der Schweiz wurde er unzählige Male als Sachver- ständiger beigezogen und kaum gelangte hier ein grösseres Werk der Ingenieurkunst zur Ausführung, ohne dass Culmann mit seinen umfassenden Kenntnissen und seinem scharfen, raschen Blicke einen wesentlichen Einfluss auf dessen Gestaltung ausgeübt hätte. Auch das Ausland verlangte mehrere Male nach seinem technischen Bei- rate. 1879 reiste er mit Arnold Bürkli-Ziegler nach Rumänien, um im Auftrage der dortigen Regierung sein Urteil über ausge- dehnte öffentliche Arbeiten abzugeben. Die Reise wiederholte sich zwei Jahre später und wurde bis Konstantinopel ausgedehnt. Von einer tückischen Krankheit befallen, kehrte Culmann zurück und erlag wenige Monate später seinen Leiden. Bald nach seinem Tode wurde seine Büste in Architekturumrahmung im Treppen- hause des Polytechnikums aufgestellt. Culmann's unvergängliche Leistung ist die Begründung der auf den Arbeiten von Möbius, Poncelet, v. Staudt und Steiner aufgebauten „Graphischen Statik" und deren Verwertung für die Ingenieurwissenschaften. Sein Hauptwerk „Die graphische Statik" Vierteljahrsschrift tl. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband I. 7 98 Ferdinand Rudio. erschien in Zürich im Jahre 1865 (2. Auflage, 1. Band 1875). Unter den vielen andern Publikationen Culmann's, von denen eine grosse Anzahl in der Vierteljahrsschrift der naturforschenden Ge- sellschaft veröffentlicht ist, sei noch besonders erwähnt, sein , Be- richt über die Untersuchung der schweizerischen Wildbäche in den Jahren 1858—1863« (Zürich 1864). Die naturforschende Gesellschaft, welcher Culmann von 1855 an bis zu seinem Tode angehörte und deren Präsident er von 1872 bis 1874 war, verlor mit ihm eines ihrer thätigsten Mitglieder. Neben dem unvergesslichen Arnold Bürkli-Ziegler und anderen war es namentlich Culmann, dem während mehr als zwei Jahrzehnten die Vertretung der Ingenieurwissenschaften in unserer Gesell- schaft zufiel.^') LUDIMAR HERMANN. Geboren am 21. Oktober 1838 in Berlin. Mitglied der Gesellschaft seit 1868, Präsident von 1874 bis 1876. Professor der Physiologie an der Universität Königsberg. CARL CRAMER. Geboren am 4. März 1831 in Zürich. Mitglied der Gesellschaft seit 1856, Präsident von 1876 bis 1878. Professor der Botanik am eidg. Polvtechnikum. ALBERT HEIM. Geboren am 12. April 1849 in Zürich. Mitglied der Gesellschaft seit 1870, Präsident von 1874 bis 1880. Professor der Geologie am eidg. Polytechnikum. HEINRICH FRIEDRICH WEBER. Geboren am 7. November 1843 in Magdala (Sachsen- Weimar). Mitglied der Gesellschaft seit 1875, Präsident von 1880 bis 1882. Professor der Physik am eidg. Polytechnikum. Die naturforscheude Gesellschaft in Zürich. 99 EDUARD SCHÄR. Geboren am 7. Dezember 1842 in Bern. Mitglied der Gesellschaft seit 1874, Präsident von 1882 bis 1884. Professor der Pharmacie an der Universität Strassburg. LUDIMAR HERMANN. Zum zweiten Male Präsident vom Frühjahr 1884 bis zu seiner im Herbst des gleichen Jahres erfolgten Berufung nach Königsberg. WILHELM FIEDLER. Geboren am 2. April 1832 in Chemnitz. Mitglied der Gesellschaft seit 1867, Präsident von 1884 bis 1886. Professor der darstellenden Geometrie am eidg. Polytechnikum. ALBERT HEIM. Zum zweiten Male Präsident von 1886 bis 1888. CARL SCHRÖTER. Geboren am 20. Dezember 1855 in Esslingen. Mitglied der Gesellschaft seit 1878, Präsident von 1888 bis 1890. Professor der Botanik am eidg. Polytechnikum. HEINRICH FRIEDRICH WEBER. Zum zweiten Male Präsident von 1890 bis 1892. 100 FenlinaiKl Hmlio. GEORG LUNGE. Geboren am 15. September 1839 in Breslau. Mitglied der Gesellschaft seit 1876, Präsident von 1892 bis 1894. Professor der technischen Chemie am eidg. Polytechnikum. ALFRED KLEINER. Geboren am 29. April 1849 in Masch wanden (Kt. Zürich). Mitglied der Gesellschaft seit 1873, Präsident von 1894 bis 1896. Professor der Physik an der Universität Zürich. AVährend der 150 Jahre ihres Bestehens wurde die natur- forschende Gesellschaft von 24 Präsidenten in 32 Amtsperioden geleitet. Mousson bekleidete das Präsidium viermal, Heer, Escher, Hermann, Heim, Weber je zweimal. Am längsten amtete Gessner. nämlich 44 Jahre. Dann folgt Usteri mit 19 Jahren, Hirzel und Schinz mit je 13, Rahn mit 9 und Horner mit 3 Jahren. Bei allen andern währte die Amtsperiode je 2 Jahre. # Die Sekretäre. Wollen wir die Reihe der Männer durchgehen, welche der Gesellschaft als Sekretäre ihre Dienste gewidmet haben, so müssen wir uns erinnern, dass der ursprüngliche Statutenentwurf zwei Sekretariate, eines für die wissenschaftlichen und eines für die ökonomischen Geschäfte, vorgesehen hatte, dass aber das öko- nomische Sekretariat, auch Notariat genannt, nach dem Rücktritte seines ersten Inhabers mit dem wissenschaftlichen vereinigt wurde. Der erste und einzige Notar der Gesellschaft war Hans Ulrich von Blaarer, mit dessen Leben und Wirken wir uns zunächst bekannt machen wollen. HANS ULRICH VON BLAARER. Junker Hans Ulrich Blaarer, der einzige Sohn des edlen Ob- manns Hans Blaarer von Wartensee (1685 — 1757), welchen Hirzel als „das Bild eines wahren Patrioten" geschildert und dem Wieland eine Trauerode gewidmet hat, wurde am 28. November 1717 in Zürich geboren und ganz nach dem Plane des Vaters aufs sorgfältigste erzogen. Schon mit dem vierzehnten .Jahre konnte er aus dem unteren Collegium in das obere übergehen, das er mit grossem Erfolge absolvierte. Hierauf unternahm er eine mehr- jährige Studienreise zunächst nach Genf, dann nach Holland, Eng- land und Frankreich. In die Heimat zurückgekehrt, verbrachte er seine Zeit teils mit Arbeiten im Staatsdienste, teils mit Land- ökonomie auf dem Besitztume seines Vaters, teils mit gelehrten Beschäftigungen. Bei der Gründung der naturforschenden Gesell- schaft stand er mit Gessner, Rahn und Heidegger in erster 102 Fi-nliiiaiid Kiuiio. Linie. Auch sein \'ator hatte sich, Avie wir sahen, für das Zu- standekoiimicii des iluii sehr sympathischen Unternehmens interes- siert, „seine jüngeren Freunde in diesem Vorliaben aus allen Kräften ermuntert und imr bedauert, im Alter zu weit fortgerückt zu seyii, um daran näheren Theil nehmen zu können." ^^) Dienstbereit übernahm Hans Ulrich Blaarer das zweite Sekre- tariat der physikalischen Gesellschaft, der er überdies bis in das .lahr 176(5 eine ganze Reihe tüchtiger Abhandlungen lieferte. Eine derselben, der „Entwurf allgemeiner politischer Gemeind- tafeln'*, nach welchen auch später die Bevölkerung der Stadt Zürich mehrmals in solche Tabellen zusammengetragen wurde, ist in dem zweiten Bande der Abhandlungen der Gesellschaft abgedruckt worden. Nachdem Blaarer 1749 von der Constaffel als Achtzehner in den grossen Rat gewählt worden war, wurde ihm 1753 die Land- vogtei der Herrschaft Wädensweil übertragen, wodurch er sich veranlasst sah, das Notariat der Gesellschaft niederzulegen. Im Jahre 1775 wurde er auch Mitglied des kleinen und des ge- heimen Rates. Neben der naturforschenden Gesellschaft war Blaarer be- sonders für die Stadtbibliothek thätig. Ermuntert durch das Beispiel seines Vaters, welcher von 1729 bis 1757 Präsident der Bibliothek gewesen war, trat er schon 1744 der Bibliothekgesell- schaft bei, wurde 1746 erster Bibliothekar- Adjunkt, 1768 nach dem Tode des Bürgermeisters Leu Mitglied des Conventes und zehn Jahre später als Nachfolger Heidegger's Präsident der Ge- sellschaft. Als solcher war er noch 25 Jahre lang unermüdlich für die Erhaltung und Vermehrung der Büchersammlung besorgt, bis ihn der Tod am 13. November 1793 abrief, ^^j Neben Junker Blaarer war als Sekretär für die wissen- schaftlichen Geschäfte Hans Conrad Heidegger gewählt wor- den, dem die dankbare Nachwelt den Beinamen „der Grosse" bei- gelegt hat. Mit diesem bedeutenden Manne beginnt die Reihe der eigentlichen Sekretäre der naturforschenden Gesellschaft. Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 103 HANS CONEAD HEIDEGGER. Hans Conrad Heidegger, geboren am 12. Januar 1710, besuchte kurze Zeit die öffentlichen Schulen Zürichs und wurde von 1719 an, da sein Vater als Landvogt auf sechs Jahre nach Grüningen gewählt worden war, durch einen Privatlehrer unterrichtet. In- dessen Avar dieser seiner Aufgabe nicht ganz gewachsen, und so sah sich der Knabe frühzeitig darauf angewiesen, mit eigenen Mit- teln und auf eigenen Wegen den Wissensdurst, der ihn erfüllte, zu befriedigen. Nach Zürich zurückgekehrt, setzte er aufs eifrigste seine Studien fort, die sich in gleicher Weise auf die philologischen wie auf die naturwissenschaftlichen Fächer richteten. Nach einem Aufenthalte in Neuenburg und Lausanne unternahm er eine grös- sere Reise durch Deutschland und trat dann in Zürich in die Staats- kanzlei ein, wie das damals bei denjenigen, die sich dem Staats- dienste widmen wollten, üblich war. Er bekleidete der Reihe nach die Stelle eines Neurichters, eines Mittelrichters und eines Land- schreibers und fand dabei noch Zeit zu wissenschaftlichen und gemeinnützigen Arbeiten. So trat er 1734 in die Bürgerbibliothek (Stadtbibliothek) ein, in der er schon 1737 zum ordentlichen Biblio- thekar gewählt wurde. Als solcher erwarb er sich das grosse Verdienst, gemeinschaftlich mit seinem Freunde, dem späteren Archidiakon Johann Rudolf Rahn, dem Vater des Chorherrn, einen geordneten Katalog über den auf dem unteren Boden der Wasserkirche aufgestellten, ein geschlossenes Ganzes bildenden Teil der Bibliothek zu entwerfen, der 1744 gedruckt werden konnte. Welchen Anteil Heidegger an der Gründung unserer Gesell- schaft hatte , wie er die ersten Statuten redigierte , wie er durch Rat und That dazu beitrug, ein Kapitalvermögen für die junge Societät zusammen zu bringen , in der richtigen Erkenntnis , dass ihr erst dadurch eine solide Grundlage gegeben werde, ist an anderer Stelle berichtet worden. Die naturforschende Gesellschaft durfte sich in der That Glück wünschen, unter ihre Gründer diesen weitblickenden und einflussreichen Staatsmann zählen zu können, der nicht müde wurde, für sie zu sorgen, ihr neue Arbeitsgebiete zu eröffnen und sie im besten Sinne des Wortes populär zu machen. Seiner Mitwirkung, insbesondere auf dem Gebiete der Landwirt- schaft, werden wir noch in anderem Zusammenhange zu gedenken 104 Ffr.litiaiiil Hiidio. haben, ebenso seiner Thätigkeit als Mitglied der botanischen Kom- mission. Wir fügen an dieser Stolle nur noch hinzu, dass er das Sekretariat, das ihm bei der Gründung übertragen worden war, bis 1752 bekleidete. „Ueberhanpt lag ihm die Gesellschaft so sehr am Herzen, dass er in früheren Zeiten nur durch Krankheit und später, als er zu der Würde eines Bürgermeisters erhoben worden war. nur durch amtliche Geschäfte sich von dem Besuche der Sitzungen abhalten Hess; und man darf es nicht als Schmeichelei, sondern als den Ausdruck inniger Hochachtung und Verehrung ansehen , wenn in den Protokollen jedesmal sein Erscheinen mit sichtbarem Wohlgefallen, sein Ausbleiben dagegen mit aufrichtigem Bedauern angemerkt wurde." ^"^j Nachdem Heidegger 1759 Seckelmeister geworden war . fiel ihm 1768 nach dem Tode des um die schweizerische Geschichte so verdienten Bürgermeisters Leu die höchste zürcherische Staats- würde zu, die damals, da Zürich allein die Stelle eines Vorortes der Eidgenossenschaft einnahm, zugleich die höchste und oinfluss- reichste der ganzen Schweiz war. Sehen wir aber hier von seiner speciell politischen Thätigkeit ab , so haben wir , als an eines der schönsten Blätter in dem Ruhmeskranze des Bürgermeisters Heid- egger, an die Reform der städtischen Schulen zu erinnern, von der in der Einleitung die Rede war, und die direkt und indirekt in die Entwicklung auch der naturforschenden Gesellschaft einge- griffen hat. Als Heidegger am 2. Mai 1778, acht Monate nach seinem Freunde, dem Statthalter Es eher, starb, verbreitete sich aufrich- tige Trauer in der Stadt. Die naturforschende Gesellschaft ordnete eine ausserordentliche , zahlreich besuchte Sitzung an , in welcher Hans Caspar Hirzel in einer feierlichen Parentation das Andenken an diesen wahrhaft grossen Mann ehrte. Und als es sich darum handelte, dem Verstorbenen auf der Stadtbibliothek. deren Präsi- dent er von 175!) bis zu seinem Tode gewesen war, ein würdiges Denkmal"') zu setzen, bcschloss die Gesellschaft, sich mit einem namhaften Beitrage zu beteiligen. ^'^) HANS CASPAR HHIZEL. Sekretär der Gesellschaft von 1752 bis 1759. Später Präsident. Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 105 SALOMON SCHINZ. Salomon Schinz, der jüngste Sohn des Kaufmanns Hans Rudolf Schinz (1705—1760), wurde am 26. Januar 1731 in Zürich geboren. Die Freude an den Naturwissenschaften, besonders der Botanik,^ lenkte frühzeitig die Aufmerksamkeit Gessner's auf den wissbegie- rigen Knaben, der in seinem Lehrer bald einen väterlichen Freund und Berater fand. Nachdem er die Collegien absolviert und sich fleissig auf der Anatomie und in dem Spital umgesehen hatte, reiste er 1753 nach Tübingen, um bei Kraft und Gmelin zu hören. Eine heftige Krankheit, die ihn bald nach seiner Ankunft überfiel, nötigte ihn aber, seine Studien zu unterbrechen und nach Zürich zurückzukehren. Kaum wieder hergestellt, wandte er sich nun nach Leyden, wo er unter Albinus und Gaubius seine akademischen Studien abschloss und 1756 mit der Dissertation „De calce terrarum et lapidum calcariorum" promovierte. Nach- dem er sich noch einige Monate in Paris aifgehalten hatte, kehrte er in die Heimat zurück und Hess sich dort als praktischer Arzt nieder. Durch seine Verheiratung mit Gessner's Nichte, die dieser nach dem Tode seines Bruders Christoph, ihres Vaters, adoptiert hatte, trat er in ein noch innigeres Verhältnis zu seinem ehe- maligen Lehrer, den das neue Familienband aufrichtig beglückte. Gleich nach seiner Rückkehr war er auch in die physikalische Gesellschaft eingetreten, in der er einen solchen Eifer entwickelte, dass er schon 1758 Ordinarius und in dem folgenden Jahre, als Nachfolger Hirzel's, Sekretär wurde. Neunzehn Jahre lang, bis zum Jahre 1778, bekleidete er das ihm anvertraute Amt mit grosser Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Nur seine im Jahre 1778 erfolgte Wahl zum Chorherrn, als Nachfolger Gessner's, der sich zurück- gezogen hatte, konnte ihn zur Abgabe des Sekretariates veran- lassen. Grosse Fürsorge wandte Schinz dem botanischen Garten zu. „Hier war es, wo er auch manchen Abend, und so oft er durch seine höheren Berufspflichten nicht daran behindert wurde, durch die Arbeiten vieler um diese Gesellschaft verdienter Mit- glieder, der Herren Breitinger, Hirzel, Lavater, Meyer, Rahn, seiner verewigten Freunde, des Herrn Doktors Locher, Herrn Statthalters und Herrn Pfarrers Schinz u. a., unter dem 1(J(; Fcnliiiaiiil Hiulio. Vorsitze seines Gessners, auf die angenehmste Weise unterhalten wurde . und so lange ihm seine Sekretärstelle diese Pflicht auf- erlegte, jährlich den Kern derselben in den Berichten von den Ver- handlungen der Gesellschaft vorlegte." Im .lahre 1762 wurde Schinz Arzt an der Spannweid, 1771 Arzt an dem neuen Waisenhause und im gleichen Jahre Mitglied des grossen Kates. Dass er 1782 gemeinschaftlich mit seinem Freunde, dem Examinator Conrad Kahn, und seinem Nachfolger in der Chorherrenstelle, Johann Heinrich Rahn, das medicinisch- chirurgische Institut ins Leben rief, ist schon an anderer Stelle mitgeteilt worden. Er war es auch , der das neue Institut mit einer gehaltvollen Rede inaugurierte. An ihm zu wirken, war ihm leider nicht mehr lange beschieden. Schon am 26. Mai 1784 wurde er durch den Tod seiner Thätigkeit als Arzt und Lehrer entrissen. Unter den litterarischen Arbeiten von Salomon Schinz sind zu nennen „Anleitung zu der Pflanzenkenntnis und derselben nütz- lichsten Anwendung, Zürich 1774 mit 100 Tafeln", „Reflexionen über die Strahlableiter, Zürich 1876", und seine Beschreibung einer „Reise auf den Uetliberg, Zürich 1775." Ausserdem gab er einen kleinen Teil von Gessner's phytographischen Tafeln heraus unter dem Titel „Erster Grundriss der Kräuterwissenschaft aus den charak- teristischen Pflanzentabellen des Herrn Dr. Joh. Gessner gezeichnet, Zürich 1775." Das ganze Werk erschien allerdings erst viel später, ediert von seinem Sohne Christoph Salomon, den wir noch kennen lernen werden. *^^) HANS RUDOLF SCHINZ. Rudolf Schinz wurde am 30. Mai 1745 geboren, als Sohn des Amtmanns von Embrach Hans Heinrich Schinz (1705—1762), der ein Zwillingsbruder des Vaters von Salomon Schinz war. Auf dem Lande aufgewachsen wandte er frühzeitig sein Interesse dem Studium der Natur, insbesondere dem Landbau zu und verlor dasselbe nicht, auch nachdem er sich bereits für den geistlichen Stand entschieden hatte. Er musste nun zwaj- die städtischen Schulen besuchen, allein so oft er konnte, und wenigstens jeden Sonntag, Die naturforschende Gesellscliaft in Zürich. 107 ■eilte er zu seinen Angehörigen nach Embrach, wo nach dem Tode des Vaters der ältere Bruder , der spätere Statthalter , Amtmann geworden war. Nachdem er seine Studien vollendet hatte, Hess er sich eben- falls in Embrach nieder und verlegte sich dort, doch ohne die Pa- storalübungen bei Seite zu setzen, auf das Studium der Land- wirtschaft. Aus dem Lernenden wurde bald ein Lehrer. „Er brachte in diesen Gegenden das Oefnen der Gräben in Gang, zeigte, wie man die Torfasche als Dünger benutzen könne und brachte so überhaupt die Landwirtschaft des Dorfes auf eine höhere Stufe. Er mietete selbst ein Stück Landes, stellte Versuche an, bebaute es nach seinen Einsichten und bewies durch den Erfolg, dass auch der schlechteste Boden frachtbar gemacht werden kann." Sein rastloser, nach neuer Nahrung strebender Geist veran- lasste ihn zu Reisen, die er meist zu Fuss unternahm, um so Land und Leute besser kennen zu lernen. Dabei verstand er es vor- trefflich mit den Bauern Gespräche anzuknüpfen , sie zu belehren und sich belehren zu lassen. Die Jahre 1770 und 1771 brachte er bei seinem Jugendfreunde, dem späteren Ratsherrn Meiss, in Luggarus (Locarno) zu. wo er sich bemühte, das Land in naturhisto- rischer, landwirtschaftlicher und statistischer Beziehung möglichst genau kennen zu lernen. Eine Frucht solcher Studien waren die später herausgegebenen „Beiträge zur näheren Kenntnis des Schweizer- landes", welche „noch heute die Hauptquelle für den Einblick in den damaligen Zustand des jetzigen Kantons Tessin ausmachen." *'*) Er durchreiste ganz Italien , überall Kenntnisse und Erfahrungen sammelnd, von denen er glaubte, dass er sie dem Vaterlande nutz- bar machen könne. Lange Zeit hielt er sich namentlich in Neapel auf, wo er die verschiedensten Naturprodukte sammelte, die er nach- her der naturforschenden Gesellschaft zum Geschenke machte. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde er zum Pfarrer in Uetikon gewählt, wo er sich alle Mühe gab, seiner Gemeinde nicht nur als Prediger, sondern auch als Landwirt nützlich zu werden. „Er war es, der in dieser Gemeinde zuerst den Kleebau einführte, wobey er sehr viele Schwierigkeiten zu besiegen hatte und die Gemeindegenossen beynahe mit Gewalt zur Annahme einer Neue- rung führen musste, für die sie ihm nachher so herzlich dankten." Gleichzeitig nahm er sich aufs eifrigste der Jugenderziehung an. 108 Fenliiiiiiid Kiküo. Er durchreiste mit (k'ii ilun anvertrauten jungen Leuten die ganze Schweiz, niaclite sie auf die verschiedenen Naturersclicinungen auf- merksam, führte sie zu Kleinjogg, Hirzel's philosuphischem Bauern, um ihnen die Verbesserungen im Feldbau zu zeigen und ihnen die Vorteile dieser oder jener Methode zu veranschaulichen. So wurde er ein Lehrer und Wohlthäter seiner Gemeinde. Aber nicht nur auf diese erstreckte er seine Thätigkeit. Auch der naturforschenden Gesellschaft, von welcher er 177.5 recipiert worden war und deren Sekretariat er als Nachfolger seines Vetters Salomon von 1778 bis zu seinem am 12. .Januar 1790 erfolgten Tode besorgte , galt seine leider nur allzu angestrengte Arbeit. Jahrelang unterhielt er sie „mit verschiedenen, immer sehr interes- santen Vorlesungen, meistens über Gegenstände der Landwirtschaft, worüber er ihr seine Beobachtungen mitteilte ; oder mit lehrreichen Stücken aus seinen Keisebeschreibungen. Bis ans Ende seines Lebens war er eins der thätigsten Mitglieder, und sein letzter Ausgang war in diesen Zirkul seiner Freunde, sein letztes öffent- liches Geschäft eine Vorlesung, an welcher er beyiiahe die ganze vorherige Nacht gearbeitet hatte. Aus dieser Gesellschaft ging er mit einem Fieberschauer befallen nach Hause, legte sich zu Bette, und starb nach einer fast dreimonatlichen schweren Krankheit, im 4.5. .Jahre seines Alters." *"'•') .JOHANN HEINRICH VON ORELLI. .Johann Heinrich von Orelli im Grabenhof wurde am 21. Mai 1757 geboren. Er w^ählte die Staatslaufbahn und wurde 1783 Landschreiber zu Bülach , Exulantenschreiber und Stallschreiber. Zwölfer im -Jahre 1798, resignierte er 179(3 und starb am 7. August 1799. Orelli war im Jahre 1770 der naturforschenden Gesellschaft beigetreten und diente ihr als Sekretär von 1790 bis 179G. Auch litterarisch übernahm er die Nachfolge von Rudolf Schinz, indem er 1791 ein sechstes Heft der „Beiträge zur näheren Kenntnis des Schweizerlandes" herausgab. '^^) DAVID RAHN. David Hahn, Sohn des Examinators Conrad Rahn und Enkel des Ratsherrn Johann Heinrich Rahn, des Mitgründers unserer Die naturforschende Ge-selLschaft in Zürich. 1Q9 Gesellschaft, wurde am 17. Oktober 1769 in Zürich geboren.'^') Nach- dem er das Carolinum absolviert hatte, besuchte er 1787—1789 das medicinisch-chirurgische Institut und sodann die Universität Halle, wo er 1791 promovierte. Zurückgekehrt in die Heimat, unternahm er noch zu seiner weiteren Ausbildung eine Reise nach Frankreich, hielt sich längere Zeit in Lyon und Paris auf und trat dann mit Beginn des Jahres 1793 in seiner Vaterstadt die Berufs- bahn an, in der er 55 Jahre lang mit Auszeichnung zum Wohle seiner Mitmenschen wirkte. Im gleichen Jahre 1793 trat er in die physikalische Clesellschaft ein, die ihm von 1796 bis 1799 das Sekretariat übertrug und der er eine Reihe von Arbeiten aus dem Kreise seines Berufes vorlegte. Als die wichtigste von diesen gilt ein am 3. Dezember 1803 gehaltener Vortrag über medicinische Polizei, den die Gesellschaft der hohen Bedeutung wegen der Re- gierung empfehlend übermittelte und in dem die leitenden Ideen niedergelegt sind, die sich später in dem Sanitätskollegium Bahn brachen. In Anerkennung der Verdienste, die sich Rahn nament- lich in den Kriegsjahren bei der Errichtung von Militärlazaretten um seine Vaterstadt erwarb, wurde ihm 1803 die Stelle des Poli- aters und 1817, nach des jüngeren Hirzel's Tode, diejenige des Archiaters übertragen. Rahn war der letzte, der dieses Amt be- kleidet hat. Mit der Stiftung der Hochschule wurde dasselbe auf- gehoben. Aber nicht nur als praktischer Arzt, auch als Lehrer und Mitglied verschiedener Behörden war Rahn thätig. Dem medi- cinisch-chirurgischen Institute gehörte er, als einer seiner belieb- testen und geachtetsten Lehrer, von 1793 bis 1833 an. Als Mitglied des Erziehungsrates erzielte, oder richtiger, erzwang er, gemein- schaftlich mit Homer eine Reihe wichtiger Reformen namentlich in der damals der Verbesserung sehr bedürftigen Kunstschule. Auch als Mitglied der Gesundheitsbehörde gelang es ihm, unter- stützt durch Usteri, segensreich in die Entwicklung des zürcher- ischen Medicinalwesens einzugreifen. Er setzte es durch, dass die graduierten Aerzte, die bisher nur ihr Diplom und ihre Disser- tation vorzulegen brauchten, um die Erlaubnis zum Praktizieren zu erhalten , einer Prüfung sich unterziehen mussten , ebenso wie die nicht promovierten, und er war es, der im Jahre 1810 die Errichtung einer Kantonsapotheke herbeiführte , während bisher 11(1 Fertliiiiiml Kmlio. das Dispensieren fiii- die Staatsanstalten unter den öffentlichen Apotheken je zu zwei Jahren abgewechselt hatte. Nachdem Hahn sich bis in sein hohes Alter einer vortreff- lichen Gesundheit erfreut hatte, stellten sich von 1845 an schwere Gichtanfälle ein , die ihn zur Niederlegung der meisten seiner Stellen zwangen. Seine Privatpraxis, die er von 1823 an mit seinem Sohne Conrad gemeinschaftlich ausgeübt hatte, überliess er diesem nun ganz. Gegen das Ende des Jahres 1848 nahm die Krankheit einen bedrohlichen Charakter an, und am 3. Dezember entschlief Kahn, nachdem er noch Tags zuvor eine Verfügung für die Töchterschule geschrieben hatte, deren Vorsteher er viele Jahre hindurch bis an sein Ende gewesen war. ^^) JOHANN JAKOB CRAMER. Johann Jakob Cramer. geboren am 26. Januar 1771, widmete sich dem theologischen Berufe und wurde 1794 ordiniert. Zwei Jahre darauf erhielt er eine Professur für Kirchengeschichte am Carolinum, 1801 wurde er Leutpriester und 1818 Archidiakon am Grossmünster. Im Jahre 1851 trat er zurück und am 12. Februar 1855 starb er. In die naturforschende Gesellschaft war er 1796 aufgenommen worden, er gehörte ihr mithin fast 60 Jahre lang an. Von 1799 bis 1801 besorgte er ihre Sekretariatsgeschäfte. Das Neujahrsblatt von der Gesellschaft auf der Chorherren brachte aus seiner Feder eine Biographie des trefflichen Philologen und Professors am Caro- linum Johann Jakob Steinbrüchel (1729-1796). Die Freitagszeitung vom 16. Februar 1855 widmete dem in Zürich sehr populären Manne den folgenden Nachruf: „Gestern (Donnerstag) ward Herr Chorherr Cramer (er starb sanft nach langer Entkräftung, 84 Jahre alt) zur Erde bestattet. Der Ver- storbene war ein Geistlicher, der nicht nur auf der Kanzel für das Wohl seiner Pfarrkinder sorgte; manche Familie dankt seinem Hat, seiner Belehrung und seiner Hülfe Frieden, Ruhe und Glück, wofür ihm aber auch die Dankbarkeit und Achtung allgemein gezollt wurde, und namentlich bei der Feier seines 50jährigen Amtsjubiläums den tiefst gefühlten Ausdruck fand."^^) i Die natui'forscheiide Gesellschaft in Zürich. Wl HEINRICH RUDOLF SCHINZ. Sekretär der Gesellschaft von 1801 bis 1823, Später Präsident. HANS LOCHER-BALBER. Hans Locher, geboren am 27. Februar 1797 in Wangen, Kt. Thurgau, verlor mit zwei Jahren seinen Vater und wurde daher bei einem Freunde des letzteren, Chorherrn Bremi in Zürich, unter- gebracht und von diesem erzogen. Durch seinen Pflegevater erhielt er eine ungewöhnlich vielseitige Bildung nicht nur des Geistes, sondern auch des Körpers. Ein vortrefflicher Turner und Schwimmer in jungen Jahren, zeichnete er sich als rüstiger Fussgänger noch bis in sein spätestes Alter aus. Locher begann seine medicinischen Studien am medicinisch- chirurgischen Institute, setzte dieselben in Berlin, wo er promo- vierte, fort, besuchte die Spitäler in Wien und Hess sich dann 1820 in Zürich als praktischer Arzt und gleichzeitig als Lehrer an dem Institute nieder, dem er die Grundlage seiner medicinischen Kenntnisse verdankte. Als 1833 die Hochschule eröftnet wurde, trat er als Professor in die medicinische Fakultät derselben über, an der er nun bis zu seinem am 18. Februar 1873 erfolgten Tode Heilmittellehre, gerichtliche Medicin, auch Geschichte der Medicin vortrug und überdies von 1833 bis 1855 die Poliklinik leitete. „Zu dieser Berufsthätigkeit im engern Sinne gesellten sich amtliche Stellungen, in denen sein einsichtsvolles und pflichttreues Wirken dankbare Anerkennung fand, besonders als langjähriges Mitglied, zeitweise als Präsident und Vicepräsident des Gesundheits- rates, als Mitglied der Spitalpflege, währenddess sein wissenschaft- licher Eifer ihn in die naturforschenden Gesellschaften Zürichs und der Schweiz, die ärztliche Kantonalgesellschaft, in welcher er während mehrerer Jahre die Geschäfte leitete, eine engere Gesell- schaft ärztlicher Kollegen Zürichs, einführte. Allen diesen Vereinen gehörte er als wahrhaft aktives Mitglied an, indem er durch öftere Vorträge und mannigfache Anregungen den wissenschaftlichen Geist derselben förderte und zugleich durch sein mildes Urteil und seinen W2 Ffiiliiuiiid Hinliu. geselligen Frolisiiui die fivimdschaftliche Stimmung unter den Mit- gliedern zu erhalten wusste." ^") Speciell die naturforschende Gesellschaft in Zürich, der er mehr als ein halbes Jahrhundert als eines ihrer thätigsten Mitglieder angehörte und deren Sekretär er von 1823 bis 1835 war, ist Locher zu grossem I)auk(^ verpflichtet. Die ausgezeichneten, gründlichen, von ungewöhnlicher Vielseitigkeit der Kenntnisse und der wissen- schaftlichen Interessen zeugenden „Berichte über die Verhandlungen 4. O. IIeer(?): Übersicht iler Geologie des Kantons Zürich. Auf 1882. 65. H. Locher-Balber: Rud. Heinrich Schinz. Auf 1863. 66. r. Stutz: Ueber die Lägern. Auf 1864. 67. A. Menzel: Zur Geschichte der Biene und ihrer Zucht. Auf 1865. 68. O. Heer: Die Pflanzen der Pfahlbauten. Auf 1866. 69. C. Mösch: Geologische Beschreibung der l'nigebungen von Brugg. Auf 1867. 70. Ell. G raffe: Reisen im Innern der Insel Viti-Levu. Auf 1868. 71. A. Menzel: Die Biene. Auf 1869. 72. G. Seh och: Ein Tropfen Wasser. Auf 1870. 73. A. Escher v. d. Lintli u. A. Bürkli: Die Wasserverhältnisse von Zürich. Auf 1871. 74. (). Heer: Flachs und Flachskultur. Auf 1872. 75. li. Wolf: .loh. Feer, ein Beitrag zur Geschichte der Schweizerkarten. Auf 1873. 76. A. Heim: V.rwitterungsformen der Berge. Auf 1874. 77. H. Fritz: Kosmische Physik. Auf 1875. 78. A. Weilenmann: Luftströmungen. Auf 1876. 79. C. Mösch: Wohin und warum ziehen unsere Vögel. Auf 1877. 80. R. Billwiller: -loh. Kepler. Auf 1878. 81. C. Keller: Der Farbenschutz in der Thierwolt. Auf 1879. 82. G. Schoch: Künstliche Fischzucht. Auf 1880. 83. G. As per: Gesellschaften kleiner Thiere. Auf 1881. 84. A. Heim: Ueber Bergstürze. Auf 1882. 85. C. Schröter: Die Flora der Eiszeit. Auf 1883. 86. J. Jäggi: Die Wassernuss. Auf 1884. 87. H. Fritz: Die Sonne. Auf 1885. 88. C. Schröter: Der Bambus. Auf 1886. 89. C. Mösch: Der japanische Riesensalamauder und der fossile Sala- mander von Oeningen. Auf 1887. 90. R. Billwiller: Die meteorolog. Station auf dem Säntis. Auf 1888. 91. C. Cr am er: Bau und Wachstliuui . Dozember 1855 beantragte Mousson, „weitere Aus- «li'liiiiiiig, grössere l'ublicität und regel massigeres und öftei'es KrscliL'inen unserer Mittheilungen". Die Redaktionskommission, mit Zuzug der Professoren Frey und Heer, wurde aufgefordert, darüber Gutachten und Anträge einzubringen. Am 21. Januar 185(i wurden die Mousson sehen Vorschläge vom 3. Dezember von der (resellschaft genehmigt und zwar probeweise auf zwei Jahre. Der 2 1. Jan. 1 856 ist somit der Gründungstag unserer „Viertel- jahrsschrift" , die seitdem in ununterbrochener Folge erscheint. Das erste Heft des ersten Jahrganges — es war bereits von liudulf Wolf redigiert — enthielt folgende Ankündigung: „Die naturforschende Gesellschaft in Zürich hat nunmehr länger als hundert Jahre bestanden, und Avährend dieser Lebensdauer natürlich manchen Wechsel der Verhältnisse und Personen erfahren müssen, — stets aber ist das Interesse für Naturwissenschaften ein regeres, die Anzahl der Mitglieder eine grössere geworden. Schon vor geraumer Zeit konnte die Gesellschaft, bei einer nicht unbeträchtlichen Zahl literarisch thätiger Theilnehmer, es unter- nehmen, ihre Arbeiten in einer besondern Vereinsschrift: Den Mittheilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, zu veröffentlichen, die, zunächst nur für den Verkehr mit andern wissenschaftlichen Vereinen bestimmt, in zwangloser Folge erschienen. Jetzt wo die Gesellschaft sich noch mehr ausgedehnt hat, und der Umfang ihrer wissenschaftlichen Thätigkeit noch grösser geworden ist, hat sie sich entschlossen an die Stelle der Mittheilungen eine grössere, regelmässig erscheinende, auch für buch- händlerische Verbreitung geeignetere Zeitschrift unter dem Titel: „Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft i n Z ü r i c h " treten zu lassen, von welcher hiciinit das erste Heft der Oeffent- lichkeit übergeben wird. Diese Zeitschrift soll in regelmässigen Vierteljahrsheften zu circa 6 Bogen cr.scheinen. Grössere Originalarbeiten aus verschie- denen Gebieten der mathematischen und Natur -Wissenschaften werden den Hauptinhalt jedes Heftes bilden, — kleinere Notizen sollen niiinentlich auch naturwissenschaftliche literarische Erschei- nungen, sowie Xatiirpliendinene. insoweit lieide die Schweiz lietreffen, Die naturtbrschende Gesellschaft in Zürich. 169 berücksichtigen, und dadurch dieser Zeitschrift eine sie von den zahlreichen andern unterscheidende, eigenthümliche Bedentung und Färbung geben. Der Preis der neuen Zeitschrift beträgt für sänimtliche vier Jahreshefte 10 Francs oder 2V2 Thaler." Auf den reichen Inhalt der „Mittheilungen" und ihrer Fort- setzung, der „Vierteljahrsschrift", hier näher einzutreten, ist selbst- verständlich nicht möglich. Doch dürfte es von Interesse sein, wenigstens die Namen der Autoren zusammenzustellen, die während eines halben Jahrhunderts in den beiden Zeitschriften die Natur- wissenschaften in Zürich repräsentierten. Zu den vier Bänden der „Mittheilungen" und den vierzig Bänden der „Vierteljahrsschrift" haben die folgenden Autoren Beiträge geliefert: H. Abeljanz, ülr. Aeschlimann. A. Almen, Jakob Amsler, Herrn. Amstein, A. Ariult, Gottlieb Asper. Isidor Bachniann, A. Baltzer, AI. Beck, E. Becher, L. Bernold, Alfr. Bertschinger, Chr. Beyel, Otto Bijleter, Theodor Billroth, Rob. Billwiller, Alb. Bodmer, Arn. Bodraer-Beder, P. Bolley, E. Braun, J. J. Brenii, N. v. d. Briiggen, Heinr. Biunner, Ant. Bühler, Arnold Bürkli. Arthur Calm, Paul Choffat, G. Claraz, Rudolf Clausius, A. Cloetta, Carl Cramer, E. Cramer, G. Crauier, Carl Culmann, Paul Culniann. Richard Dedekind, J. C. Deicke, Th. Delmar, J. Denibey, H. H. Denzler, Wilh. Denzler, C. v. Deschwanden, J. W. v. Deschwanden, Martin Disteli. ]j. Dossios, Heinr. Wilh. Dove, R. Düggelin, Heinr. Durege, W. Dybkowsky. J. Eberli, C. J. Eberth, H. Eggers, J. J. Egli. J. H. Engel, Erni, Fr. Ernst, Th. Ernst, Arnold Escher v. d. Linth, Rud. Escher, Th. Escher, Alb. Eulenburg. Adolf Fick, A. Eugen Fick, Carl Fiedler, Ernst Fiedler, Wilh. Fiedler, Alb. Fliegner, J. Franel, Fr. Th. Frerichs, Heinr. Frey, Herrn. Fritz, K. V. P'ritsch, h. Frölich. C. F. Geiser, C. Genge, A. Gentilli, Nie. Gerber, J. C. H. Giesker, Rob. Gnehui, Fr. Graberg, Ed. Gräffe, A.Graf, J. J. Graf, W. Gröbli, E. Gubler. G. HaJler, F. Hartmann, C. E. Hasse, Oswald Heer, Alb. Heim, Fr. Held, J. J. Hemming, L. Henneberg, Ludimar Hermann, Albin Herzog, J. Heuscher, J. C. Heusser. H. Hirzel, R. H. Hofmeister, J. Hohl, F. Holm, J. C. Hug, J. Hundhausen, T. H. Huxley. I. M. Imboden, 0. E. Imhof. J. Kaufmann, Conrad Keller, J. Keller, Joh. Keller, Ad. Kenngott, T. Kierulf, Herrn. Kinkelin, Edwin Klebs, Alfr. Kleiner, E. Klöcke. Albert Kölliker, J. M. Kohler, Friedrich Kohlrausch, M. A. KoUarits, Emil Kopp, P, J. Krämpfen, W. Kiause, Hans Kronauer, R.Kuhn, August Kundt, A. Kurz. 17(1 Ferdiii.UKi Kmlin. J. C. Laliliart. Hans Laiidolt, Arnold Lans^, W. I.aiigenbeck, Hermann Lebert, Carl H. Ltliinann, Lcliiu'r, I'. Liechti, .1. Locher, C Löwig, J. Lorez, Balth. Luchhiinger, Carl liudwig. (Joorg Lunge. P. Magnus, J. Marcou, K. Martin, M. J. Maurer, C. Mayer- Eymar, Otto Meister, August Menzel, Victor Merz, Arnold Meyer, Herni. v. Meyer, Victor Meyer, Wilb. Meyer, W. Moklenbauer, Jakob Moleschott, Albert Mousson, Ct. G. Mühlig, Job. Müller, J. J. Müller. Ci. Nadler, J. Neukonini. H. von Orelli, Job. Orelli, A. Oswald, Ed. Ott, Ernst Overton. C'ar! Pestalozzi, Heinr. Pestalozzi, R. Pfister, J. Piccard. J. L. Kaabe, J. Ralun. Coniad Rahn, H. Randolph, Ed. Regel, Fr. Reuleaux, Wilb. Ritter, F. Rudio, E. Rüge. Ed. Sarauw, Ed. Schär, Emil Schinz, Hans Schinz, Heinr. Rud. Schinz, Alex. Scblätli, Ludwig Schlätii, J. Schmulewitsch, Heinr. Schneebeli, C^ust. Schoch, Carl Schröter, Schulz, E. Schulze, Schwalbe, C. H. A. Schwarz, Phil, Schwarzenberg, Ed. Schweizer, S. Seh wendener, Lydia Sesemann, Cieorg Sidler, J. J. Siegfried, Th. Simmler, Simler, V. Sladnicki, Ciabriele Stadler, Gr. Städeler, Jos. Stahl, M. Standfuss, Stannius, H. Stauffacher, F. Ct. Stehler, W. Steinlin, G. Stiner, J. Stizenberger, C. Stockar-Escher, Emil Stöhr, J. Stössel, Otto Stoll, Strehl, H. Suter. F. V, Tavel, Adolf Tobler, F. P. Treadwell. Maurice de Tribolet, Tscheinen, C. Tuchschmid, John Tyndall. A. Ulrich. Melchior Ulrich. W. Valentiner, Venetz, Franz Vögeli, G. H. Otto Volger. H. Wächter, V. Wartha, Ad. Weber, H. F. Weber, Heinr. Weber, Rob. Weber, L. \\'ehrli, Aug. Weilenmann, Ad. Weiler, Wilh. Weith, Alfr. Werner, H, Wettstein, V. Wictiisbach, Job. Wild, Heinr. Wild, S. Winogradsky, David Wiser, Johannes Wislicenus, Rud. Wolf, Alfr. Wolfer, CTeorg v. Wyss, Ct. H. V, Wyss. Gustav Zeuner, J. M, Ziegler, J, H. Zollinger. Dieses Verzeichnis repräsentiert die sämtlichen Autoren, aber auch nur solche, nit-ht etwa auch biographisch behandelte odei" irgendwie im Titel oder Texte eingeführte Persönlichkeiten. Durch Vereinigung desselben mit den bereits früher genannten Namen erhalten wir im Grossen und Ganzen auch eine Zusammenstellung derer, die in den Sitzungen der Gesellschaft das wissenschaftliche Leben repräsentierten. Selbstverständlich kann hier auch nicht angenäherte Vollständigkeit erzielt werden. Wir werdeu in der Folge iioeli manehem ausgezeichneten Namen begegnen und wenn wir (hiun auf die Protokolle zurück2;reifen. so finden wir deren Die naturforscheiide Gesellschaft in Zürich. 171 doch immer wieder neue. Es sei nur erinnert an den Anatomen H en 1 e , an die Kliniker Pfeufer, Griesinger, Biermer, Breslau, an Spitalarzt Johann Ludwig Meyer und seinen Sohn Dr. Johann Conrad Meyer-Hofmeister, an Dr. Leonhard v. Muralt, an Staatsrat Meyer von Knonau, an die Mechaniker Goldschmid und Oeri, an Dr. Adolf von Planta und so manche andere. Der Name unserer Vierteljahrsschrift ist aufs engste verbunden mit dem Namen Rudolf Wolf. Wenn auch, wie wir sahen, Wolf nicht der Gründer derselben gewesen ist, — denn die Vierteljahrsschrift stellt eine direkte Weiterentwicklung der „Mittheilungen" dar — , so hat er doch während 38 Jahren die Redaktion derselben besorgt und hat ihr durch seine „Astronomischen Mittheilungen" und durch seine „Notizen zur schweizerischen Kultur- geschichte" ein eigenes Gepräge zu geben gewusst. Prof. A. Weilen- mann hat im 39. Jahrgange der Vierteljahrsschrift ein pietätvolles Bild des um unsere Gesellschaft hochverdienten Mannes gezeichnet. Es sei noch bemerkt, dass mit Wolfs Tode die Besorgung der Vierteljahrsschrift und des Neujahrsblattes in die Hand einer einzigen, aus drei Mitgliedern bestehenden „Druckschriften- kommission" gelegt wurde. Endlich wäre noch einiges über die geschäftliche Seite der Gesellschaftspublikationen, speciell der beiden zuletzt genannten zu sagen. Die Auflage der Vierteljahrsschrift ist seit einigen Jahren auf 600 erhöht worden, die des Neujahrsblattes schwankt um etwa 500 herum. Selbstverständlich verbindet die Gesellschaft mit dem Verkaufe der beiden Publikationen nicht die Hoffnung auf direkten pekuniären Gewinn. Bei dem Neujahrsblatt halten sich im Durchschnitt Ausgaben und Einnahmen das Gleichgewicht, bei der Vierteljahrsschrift, deren Budget bisher etwa 2000 Fr. betrug, welches aber mit dem vergrösserten Formate jedenfalls erhöht werden muss, ist der buchhändlerische Erlös sogar beinahe gleich Null, da die Schrift den Mitgliedern gratis zugestellt wird und fast der ganze Rest dem Tauschverkehr dient. Von diesem an einem andern Orte. Die Iiistrnmenteiisammluii£: und die Sterinvarte, Schon gleich bei der Gründung der Gesellscliaft war man übereingekommen, eine Sammhing von mathematischen, physika- lischen und astronomischen Instrumenten anzulegen. Der erste Apparat, den die Gesellschaft von dem berühmten Mechaniker Brander in Augsburg bestellte, war eine Luftpumpe mit doppeltem Cylinder. „Bald darauf präsentierte ein Mitglied der Gesellschaft ein anatomisches Sonnen-Microscop, wofür indessen die Unkosten demselben mit 108 Gulden vergütet, seine Bemühungen aber, welche er mit Reparatur desselben gehabt hatte, als eine Honoranz in das Donationenbuch eingetragen wurden. Am 4. April (1747) wurden von einem reisenden Italiener mehrere gläserne Apparate, Barometer, Thermometer etc. angeschafft und am 6. Juni eine Wasserwage und ein in Grade und Minuten getheilter und mit Getriebe versehener Messhalbkreis, von Zinngiesser Wirz nach eigener Erfindung verfertigt, vorgelegt und gekauft. Bald erhielt auch diese Sammlung schöne Geschenke von Mitgliedern und andern Verehrern der Gesellschaft; so schenkte Herr Chorherr Gessner ein Thermometer von Micheli, Herr Dr. Gessner ein Etui mit ana- tomischen Instrumenten, Herr Sal. Hess^*^') eine astronomische Ob- servations-Uhr und einige andere Mitglieder vereinigten sich zur Anschaffung einer Electrisirmaschine sammt A])parat, eines Erd- uiul eines Himmelsglobus, eines Cylinder- und eines Conusspiegels und den zugehörigen Figuren und machten damit der Gesellschaft ein sehr erwünschtes Geschenk. Am 21. Mai (1748) beschlossen die Herren Ordinarii mit Anschaffung eines astronomischen Apparates Die naturfor.rbindung mit Hin. Hofmeister die nötigen- Einleitungen zu sofortiger Einfüliniug des neuen Modus für Re- gulirung der Stadtuhren nach mittl. Zeit zu treffen. AVirklich ist derselbe seit dem 1. September ins Leben getreten. Die Gesellschaft ist mit diesen vom Vorstande gemachten An- erbiotnngen an die löbl. Stadtbehörden einverstanden und spricht bei diesem Anlasse ihre Freude aus, dass die Sternwarte wieder ins Leben gerufen worden sei." So konnte sich die kleine Sternwarte noch einige -lalire lang recht nützlich machen, bis sie endlich 1855 in den Besitz des Polytechnikums überging. Diesem diente sie bis Ende 1863, in welchem Jahre die neue, von Semper gebaute Sternwarte be- zogen wurde. '^ei^' #^i^^ Die iiaturhistorischeii Sammhiiitjeii. In der mehrfach erwähnten und benutzten Rede Hirzel's vom lU. Januar 1757 findet sich bereits eine eingehende Beschreibung der naturhistorischen Sammlungen, welche die Gesellschaft während der ersten zehn Jahre ihres Bestehens angelegt hatte. Nachdem Hirzel der Instrumentensammlung gedacht hat, fährt er fort : „Neben diesem, zieret unsere Gesellschaft eine fürtrefliche Sammlung von Vögeln, welche ein besonderer Gönner derselbigen mit Oehlfarben gemahlet, und bey jedem in einer sinnreich aus- gewehlten Landschaft, den Ort seines Aufenthalts und seine Lebens- art ausgedruckt hat. In diesen ziehen sonderlich eine sorgfältige Abbildung der unterscheidenden Merkmalen der Geschlechter und Arten, nach den Bestimmungen des grossen Linnäus, und die jedem eigne natürliche Stellung unsere Aufmerksamkeit auf sich, und verrathen den grossen Kenner von den Sitten der Thiere, den die unpartheyische Welt in den neuen Fabeln bewundert. Diese Samm- lung enthaltet alle Vögel, die bisher in der Schweitz sind beob- achtet worden, so viel nemlich unser würdige Herr Vorsteher und dieser Geist- und Kunstreiche Edelmann, bey einer Aufmerksam- keit vieler Jahren, zu Gesicht bringen können. Nicht weniger Aufmerksamkeit verdienet eine Sammlung von allen, in unsern Seen, Flüssen und Bächen sich befindenden, Arten von Fischen. Von diesen ist die eigne Haut, über ein nach der Gestalt ihres Leibes geschnittenes Stück Baumrinden, gezogen und getrocknet worden, wobey man sonderlich in Acht genommen, dass die Knochen der Flossfedern und Fischohren in ihrer natür- lichen Lage sich erhalten, da von diesen die richtigsten Bestimm- 186 FerdiiiMiiil Hiidio. ungen der Geschlechter und Arten hergenommen werden. Diese Samndnng ist von einem hiesigen Künstler, nach der Anleitung unsers Herrn Vorstehers verfertigt worden, der schon von vielen Jahren her sich eine zahlreiche Sammlung von gedörrten Fisch- häuten zuwegegebracht, welche er wie die gedörrten Kräuter auf Papier aufheftet, und so die Vortheile. die man nur der Aufbehal- tung der Pflanzen eigen geglaubt, auch diesem Theil der Natur- historie zueignet. Die gröste Zierde unsers gesammleten Vorraths machet die Sammlung ausgetrockneter Kräuter aus, welche aus 36 Bänden in gross Regal - Folio bestehet , deren jeder 200 Blätter enthaltet, und daher auch an der Zahl der Pflanzen wenig seines gleichen hat. so wie sie sich in der gründlichen und geschickten Einrichtung besonders ausnimmt. Es ist diese die Frucht einer fast 30jährigen Bemühung und besten Zeitvertreibs unsers theuresten Herrn Vorstehers, der schon von seinen kindlichen Jahren an. mit einem ausserordentlichen Fleiss, die Kräuter und andere natür- liche Cörper zu sammeln angefangen, und es darinnen so weit gebracht, dass er schon in seinen ersten Jünglingsjahren (nach dem Zeugniss des berühmten Hallers in seiner Vorrede zu der Pflanzengeschichte des Schweitzerlands) durch ein weitläuftiges Keimt nis in der Naturhistorie sich die vertraute Freundschaft des unsterblichen Boerhave erworben hat. Auf die Einrichtung dieser Sammlung hat unser grosse Pflanzenkenner sein ganzes Kenntnis in diesem Theil der Naturhistorie angewendet, um die Geschlechter und Gattungen der Pflanzen mit Gewissheit zu be- stimmen, und denselbigen ihren wahren Namen beyzuschreiben. Er bediente sich, in Ansehung der Ordnung, des Linnäischen Systems, und zeigte meistens den Linnäischen Namen, nach der in seinen Speciebus entsprechenden Nummer an ; bey vielen sind die Namen verschiedner anderer Kräuterkenner und der Ort, wo die Pflanze gesammelt worden, angezeiget. In Ansehung der Zahl der Pflanzen enthaltet diese Sammlung: 1. Beynahe alle Schweitze- rischc Pflanzen, nach ihren verschiedenen Arten und Abänderungen, welche er meistens, auf seinen vielen Reisen durch verschiedene Gegenden des Schweizerlands, an ihrem Geburtsort abgebrochen. 2. Die meisten Gräser, die der selige Herr D. Scheuchzer in seiner vortreflichen Grashistorie beschrieben hat, und darneben viele Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 187 fremde und besonders neue von Micheli in Italien und von Buxbaum in Russland und Orient entdeckte Gräser. 3. Etliche hundert verschiedene Arten von Moos, nach allen ihren Verände- rungsarten und meistens mit ihren Blumen und Fruchttheilen. 4. Eine Sammlung von mehr als 400 africanischen Kräutern, welche der fleissige und geschickte Herr Garcin aus Neuburg, auf dem Vorgebürg der guten Hofnung gesammlet hat. 5. Alle Gewächse die nun seit einigen Jahren in dem Garten der Gesellschaft ge- pflanzt worden. 6. Eine Menge fremder und in beyden Indien ge- sammleter Kräuter aus den Ruyschischen, Gronovischen, Vallian- tischen Sammlungen, und überhaupt sind wenige Pflanzen, welche in Europäischen Gärten unterhalten werden, davon sich nicht etwas in dieser Sammlung befindet." Zu diesen Mitteilungen HirzeFs ist ergänzend hinzuzufügen, dass der „Geist- und kunstreiche Edelmann", von welchem die Sammlung gemalter Vögel herrührte, Junker Gerichtsherr Meyer zu Weiningen war und dass die Gesellschaft die erwähnte Samm- lung von Fischen, die über Formen von Baumrinde präpariert waren, im Jahre 1753 von dem Schiffmeister Kölliker für 34 Gul- den angekauft hatte. Die Sammlung war aber schon nach wenigen Jahren ein Raub der Insekten geworden. Im wesentlichen war die Sammlung auf Geschenke angewiesen, denn erst 1778 sah sich die Gesellschaft in der Lage, dem Naturalien- kabinette regelmässige Zuschüsse zu bestimmen, indem sie be- schloss, es solle von dem jährlichen Ueberschusse der Einnahmen der Quästoratskasse über die Ausgaben derselben ein Sechstel der naturhistorischen Sammlung zu gute kommen. In den Jahren 1779 bis 1783 erhielt die letztere einen nicht unbeträchtlichen Zuwachs dadurch, dass die Stadtbibliothek sich aus Platzmangel genötigt sah, die bisher von ihr verwahrten Naturalien teils an die natur- forschende Gesellschaft, teils an das anatomische Theater abzu- treten. Hirzel berichtet hierüber in seiner Denkrede auf Gessner mit folgenden Worten : „Noch soll ich eines wichtigen Beytrags gedenken , durch welchen vor wenig Jahren unsre Naturalien-Sammlung ungemein bereichert worden. Die immer zimehmende Anzahl der Bücher der Bürgerbibliotheck. hatte unter der nicht zu ermüdenden Thätig- keit ihrer gelehrten Besorger es nöthig gemacht, den Raum in 188 Fenliiinml Hndio. der Wasserkirche, der sonst mit Naturalien angefüllt war, ganz den Büchern zu weihen. Es ward deswegen der Entschluss ge- fasset, die Xaturaliensamnilung der naturforschenden Gesellschaft gegen einen Revers zu überlassen, so wie in Absicht der wenigen anatomischen Zubereitungen au das anatomische Theater geschehen, da alle diese Institute eigentlich dem Vaterlande gewidmet sind, wenn sie schon von verschiednen Gesellschaften gestiftet worden, welche dieselben nach den angenommenen Gesetzen, durch ausge- wählte Vorsteher leiten lassen. Die naturforscheude Gesellschaft übergab diese Sammlung meinem lieben Sohn Doctor Hirzel. in die dazu neu errichtete Schränke zu verwahren, und mit der schon vorhandenen Sammlung zu verbinden , und er verfertigte ein systematisches Verzeichniss, bey welchem Herr Doctor Usteri das Verzeichniss der Konchylien übernahm." Im Jahre 1785 wurde das wegen einiger seltener Schaustücke bemerkenswerte Kabinett des verstorbenen Landvogtes Zoll er an- gekauft. Der Preis von 180 Gulden war für die Sammlung nicht zu hoch, hätte aber trotzdem von der Gesellschaft nicht wohl ange- nommen werden können, wenn nicht von Zunftmeister Heidegger, der den Ankauf lebhaft betrieben hatte, ein Beitrag von 40 Gulden geleistet worden wäre. Bis zum Jahre 1799 wurde die Sammlung von Hans Caspar Hirzel, Sohn, verwaltet, der wiederholt in der Lage war, dieselbe sowohl zu dem eigenen Unterricht zu benutzen, als auch anderen für ihre Kollegien über Naturgeschichte zur Verfügung zu stellen. Nach Hirzel's Rücktritte nahmen sich einige jüngere Mitglieder, unter ihnen namentlich Johann Jakob Römer und Heinrich Rudolf Schiuz der Sammlung an, die bald ausschliesslich von dem letzteren allein besorgt wurde. Wir haben Schinz bereits als Sekretär, als Quästor und V'ice- präsident, als Präsident der Gesellschaft und als unermüdliches Mitglied der Neujahrsstückkommission kennen gelernt, und doch sind seine Hauptverdienste in seiner Thätigkeit als Direktor, man darf auch geradezu sagen als Begründer, dei- zoologischen Sammlung zu suchen. In dem Bericht über die Verhandlungen der (Tcsellschaft von 1836 — 1837 findet sich eine kurze, von Schinz verfasste Geschichte Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 189 der zoologischen Sammlung, die wir, zur Ergänzung des bisher Mitgeteilten, von ihrem Anfange an hier folgen lassen : „Als im Jahr 1745 durch Herrn Professor Johannes Gessner die naturforschende Gesellschaft, anfangs physikalische genannt, gestiftet worden, beschloss dieselbe bald nachher, eine Sammlung inländischer Naturalien anzulegen und erhielt dazu von verschiedenen Seiten allerlei Beiträge, als Mineralien, Pflanzen und Thiere. Da- mals lebte ein eifriger Sammler zoologischer und mineralogischer Gegenstände in Zürich, Herr Heinrich Schulthess in Hottingen, der sich nach und nach eine vorzügliche Sammlung von Vögeln, Ske- letten und Versteinerungen anlegte, welche leider nach seinem im Jahre 1776 erfolgten Tode ganz vernachlässigt wurde und zu Grunde ging. Aus den wenigen Ueberresten kann man indess sehen, dass sie wirklich ausgezeichnete Seltenheiten enthalten hat. Dieser Herr Schulthess besorgte auch die kleine, sich allmählig bildende Sammlung der Gesellschaft. Anfangs wollte man sich nicht über die Gränzen unseres Cantons hinaus wagen und nur die Gegenstände aufnehmen, welche innerhalb diesen gefunden werden; allein da die Natur selbst keine Gränzen hat und von mehreren Seiten, selbst vom Ausland, Beiträge kamen, so beschränkte man sich nicht länger. Die Geschäfte vertheilten die Mitglieder der Gesellschaft unter sich so, dass die Besorger des botanischen Gartens Pflanzen sammelten, und als nach Gessners Tod dessen Herbarium an die Gesellschaft kam, auch eine Samensammlung anlegten. Wer die Mineralien anfangs besorgte, ist unbekannt. Herr Schulthess scheint vorzüglich den zoologischen Theil besorgt zu haben. Nach seinem Tode übernahm die Besorgung der ganz kleinen Sammlung Herr Dr. Caspar Hirzel, welcher dieses wenig beschwerliche Amt bis zum Jahr 1799 bekleidete. Allein da die Gesellschaft nur einige Louisd'or jährlich darauf verwenden konnte, da damals der Verkehr mit solchen Gegenständen mit vielen Schwierigkeiten verbunden und die Kunst, auszustopfen und die Gegenstände gehörig zu ver- wahren, man möchte sagen, in ihrer Kindheit war, so konnte nichts bedeutendes entstehen." „Die Hauptgegenstände der Sammlung waren: a) Eine Sammlung von Skeletten, welche der damalige Lehrer der Anatomie, Herr Spitalarzt Burkhardt, angelegt hatte. 1!)0 FfnliiiMiid Ruflio. b) Mehrere Skelette, die ein Herr Alibert. Kegimentsarzt bei einem Schweizerreginicnt in holländischen Diensten, gesandt hatte. c) Eine für jene Zeit sehr bedeutende Sammlung von .schwei- zerischen Insekten, vom bekannten Entomologen Caspar Füssli gesammelt, welche aber fast alle schon im Anfang dieses Jahrhunderts verdorben waien. d) Herr Pfarrer Schinz brachte im Jahre 1775 von Neapel eine sehr bedeutende Sammlung von Fischen und andern Meer- produkten mit, und schenkte sie der Gesellschaft. e) Ein Herr Hettlinger von Winterthur besass eine eigene Kunst, Insekten und Vögel in Wachs aufzubewahren und schenkte der Gesellschaft eine kleine Sammlung, welche aber leider in dem zur Aufbewahrung solcher Gegenstände durchaus ungeeigneten Orte nicht lange dem Verderben entging. f) Ein Herr Cliirurgus Werndli schickte aus Surinam, wohin ihn das Schicksal verschlagen hatte, eine schöne Sammlung von Reptilien, namentlich Schlangen , die alle noch vor- handen sind. g) Ein Herr Chirurgus AV^aser sandte vom Vorgebirg der guten Hoffnung mehrere Seltenheiten, worunter eine Zebrahaut und die Hörner von mehreren Antilopen waren. Die Zebra- haut wurde während der Revolution entwendet. h)Auf der Stadtbibliothek waren in früheren Zeiten mehrere Naturalien aufbew-ahrt, unter andern ein Krokodill, Schild- kröten, Haifische etc. Diese wurden theils der naturfor- schenden Gesellschaft geschenkt, theils auf die Anatomie gegeben und sind noch vorhanden." „Diess war alles, was die Gesellschaft an zoologischen Gegen- ständen bis zum Jahr 1800 besass. Viele Jahre wurde nun auf die Sammlung nichts mehr verwendet. Erst im Jahr 1807 erhielt sie wieder einigen Zuwachs durch die wenigen Thiere, die sich in der Rahn'schen Sammlung befanden. Im Jahr 1819 starben in einer Menagerie zwei Löwen, welche von einigen hiesigen Bürgern angekauft und nebst mehreren andern Gegenständen der Gesell- schaft gegeben wurden." Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 191 „So klein auch die Sammlung war, so konnte sie dennoch in dem Saal der Gesellschaft, welcher sich ohnehin durch seine Lage und Einrichtung für diesen Zweck wenig eignete, nicht mehr unter- gebracht werden. Nach vielen Bemühungen gelang es endlich, auf dem unteren Boden des Universitätsgebäudes von der Regie- rung einige Zimmer nebst den nöthigen Kasten zu erhalten. Nun fing die Sammlung an zu gedeihen. Herr Dr. Schinz schenkte die schweizerischen Säugethiere, die ausländischen Vögel, etwa 150 Stück, und die schweizerischen Reptilien und Insekten, die er in seiner Sammlung hatte. Die Erben des Herrn Ludwig Lavater schenkten eine schöne Zahl von Reptilien und die Gesellschaft be- stimmte einen jährlichen Geldbeitrag von 100 fl. Durch Circulare brachte Herr Dr. Schinz von seinen Mitbürgern einmal 500 fl., ein andermahl 300 fl., von Herrn van Matter 150 fl. zusammen und erhielt endlich vom kaufmännischen Directorium in zwei Malen 750 fl. und vom löbl. Stadtrath 150 fl. Aus diesen Beiträgen nun wurde die Sammlung ansehnlich vermehrt und nach und nach in einen solchen Stand gesetzt, dass sie bei Vorlesungen mit Nutzen gebraucht und selbst Fremden gezeigt werden konnte." „Mehrere Bürger von Zürich und auch Fremde halfen sie durch Schenkungen vermehren. Herr Director Escher verschaffte eine sehr schöne Sendung, wobei ungemein seltene Sachen waren, durch Dr, Pöppig aus Peru ; Herr Escher-Zollikofer schenkte viele Säugethiere und Vögel aus Nordamerika ; Herr Consul Sprüngli sandte eine Kiste mit 150 Vögeln aus Buenos Ayres ; Herr Mis- sionär Honacker von der Küste des Caspischen Meeres eine Hyäne, einen Fuchs und einen Geier. Herr Kammerrath Schleep aus Schleswig einen prächtigen Eisbären, ein Wallross und den Kopf eines Rennthiers. Herr Caspar Schulthess, Staabshauptmann, mehrere ausländische Vögel. Herr Heinrich Däniker in Rio Janeiro mehr als 100 Stück brasilische Insekten. Der Prinz von Wied durch Herrn Dr. Schinz mehrere Papageien und andere Vögel, auch einige Säugethiere aus Nord- und Südamerika." „So w^eit war das Museum gediehen, als die Universität er- richtet wurde. Nun erst trat die Regierung in Unterhandlung mit der naturforschenden Gesellschaft und bewilligte einen jähr- lichen Beitrag von 300 fl. und wies der Sammlung den schönen grossen Saal und die Zimmer an, die sie jetzt einnimmt". 192 Kciiliiiaii.l Hiidio. „Im J. 1835 kaufte die naturforschende Gesellschaft die aus etwa SOO Vögeln mit Eiern und Nestern bestehende Sammlung des Herrn Dr. .Scliinz an." „So gering auch der Zuschuss war, den die Gesellschaft zur Aeiiffnnng und Unterhaltung der Sammlung leistete, so wurde er ihr doch in die Länge drückend, da die Bibliothek alle ihre ökono- uiischen Kräfte in Anspruch nahm. Sie ergriff daher gerne das Anerbieten der Regierung, ihr die Sammlung käuflich zu überlassen, und trat dieselbe wirklich im Jahr 18o7 um die unbedeutende Summe von 4000 Franken ab, jedoch unter der Bedingung, dass diese Sammlung nie von Zürich entfernt werden dürfe, und dass dieselbe im Fall der Aufhebung der Hochschule um dieselbe Summe wieder von der Gesellschaft zu erhalten sei." „Gegenwärtig besteht die Sammlung aus 380 Säugethieren, worunter alle in der Schweiz einheimischen und überhaupt alle europäischen sich befinden ; ans 2000 \'ögeln, wobei die europäi- schen vollständig ; aus 380 Beptilien, wobei ebenfalls die europäi- schen vollständig ; aus 300 Fischen ; 4000 Insekten, Krustenthieren, Zoophyten, Eingeweidewürmern und Weich thieren." „Gauz neuerlich ist von Hrn. Escher-Zollikofer noch ein Ge- schenk von etwa 80 amerikanischen Thieren gemacht worden. — Die Sammlung enthält sehr seltene Thiere aus allen Welttheilen. Die Gattungen der Vögel sind fast vollständig und ebenso sind Säugethiere aus fast allen Gattungen vorhanden, nebst Skeletten von 80 Arten." Dieser Bericht bedarf einer Vervollständigung höchstens inso- fern, als er in viel zu bescheidener Weise den Anteil, den Schinz persönlich an dem Entstehen der Sammlung gehabt hat, hervor- treten lässt. Die reichen Schenkungen, welche dieselbe erfuhr, waren fast ausschliesslich seinen Anregungen und seinem Eifer zu verdanken. Aber nicht nur diese. „Schinz war ein gewandter Sammler", sagt Locher- halber in seiner Biographie, „hatte überall seine Verbindungen, versfand den Tauschhandel aus dem Fundament, war allgemein auch als Käufer bekannt, sodass ihm von nah und fern dergleichen Sachen zugebracht wurden, und dass es ihm ge- lang, im Laufe von etwas mehr als 12 .Jahren eine Sammlung herzustellen, welche damals mit allen in der Schweiz rivalisierte, wo nicht die meisten in Manchem übertraf . . . Unzählbar sind ge- Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 193 wiss die Stunden, welche er aus freien Stücken, von seiner Lieb- haberei zur Sache getrieben, für Herstellung und Instandhaltung der Sammlung aufgewendet hat. Bis zum Jahre 1835 war das Meiste von ihm eigenhändig ausgestopft worden, und erst jetzt ward es möglich, dass ihm eine helfende Hand beigegeben wurde, und es darf bei Anlass des Zürcherischen zoologischen Museums gewiss mit vollem Recht des tüchtigen Beistandes hier gedacht werden, welcher ihm durch den seit jener Zeit bis gegenwärtig noch an der Anstalt angestellten Gehülfen, C. Widmer, für dieselbe zu Teil wurde." Es bleiben uns noch einige Notizen über die Mineralien- sammlung und das Herbarium der Gesellschaft übrig. Die erstere war bis zum Jahre 1785 sehr unbedeutend, da die Gesell- schaft nur wenig dafür verwenden konnte und Geschenke nicht sehr zahlreich waren. Erst durch den Ankauf des Zoller'schen Kabinetts erhielt die mineralogische Sammlung einige Ausdehnung, sodass beispielsweise schon 1792 Hans Conrad Escher, der nach- malige Staatsrat, sie für die Vorlesungen, die er zu jener Zeit veranstaltete, benutzen konnte. Auf seinen Antrag erhielt er überdies 1794 von den Ordinariis die Erlaubnis, die Sammlung nach einem andern Systeme zu ordnen und sie zugleich durch Ankauf von Mineralien im Betrage von 50 Gulden zu ergänzen. . Von diesem Zeitpunkte an wandte Escher dem seiner Sorge anvertrauten Kabinette ein ganz besonderes Interesse zu. So schenkte er der Gesellschaft im Jahre 1796 allein 100 Mineralien, die teils aus seiner eigenen Sammlung stammten, teils eine Aus- beute seiner zahlreichen Alpenw^anderungen waren. Auch legte Escher den Grund zu einer geographischen Mineraliensammlung durch eine Reihe typischer Gebirgsarlen aus der Schweiz, aus Sachsen, Thüringen, dem Harz u. s. w., nachdem er bereits 1794 der Gesellschaft eine ganze Folge von Gebirgsarten aus dem Lauterbrunnen - Thal geschenkt hatte. Ueberhaupt kamen der Sammlung die ausgezeichneten Kenntnisse Escher's trefflich zu statten, „denn wenn irgend Einer die Schweiz annähernd so gut kannte, wie seine Rocktasche, und diese Kenntnisse zu verwerthen wusste, so war es Escher". '*'*) Einen bedeutenden Zuwachs erhielt die Sammlung 1801 durch Leonhard Schulthess im Lindengarten, der eine beträchtliche Vierteljahrsscilrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband I. lo 11)4 Fenliiiaiiil Kiidio. Anzahl viilkaniselier Produkte aus der Gegend von Neapel, schöne Erzstufen aus Klba, gegen 2(M) Mineralien vom Gotthard u, s. w. schenkte. Hierzu fügte Heinrich Rudolf Schinz etwa löO Stück. Mineralien vom Gotthard, mehrere grosse Bei-gkrystalle und eine Anzahl geognostischer .Stücke aus den ehemaligen italienischen Vogteien und aus Graubünden, die sein Vater gesammelt hatte. Endlich schenkte Esclier noch eine Folge von 20 Gebirgsarten vom Beatenberg und weitere 80 aus verschiedenen anderen Gegen- den der Alpen. Die Gesellschaft beschloss, diese ausschliesslich zur Anlegung einer geographischen Mineraliensammlung der Schweiz zu verwenden. Gleichzeitig sah sie sich durch den Aufschwung, den die Sammlung infolge dieser reichen Geschenke nahm, veran- lasst, 100 Guldoii für Anschaffung von Mineralien zu votieren und auch in den folgenden Jahren einige Subsidien zu bewilligen. Als im Jahre 1805 auf Anregung des Ratsherrn Schulthess von einer Reihe von Mitbürgern eine Subskription zum Ankauf des Naturalien - Kabinetts Johann Heinrich Rahn's eröffnet wurde, beteiligte sich die Gesellschaft mit zwei Aktien, jede zu 100 Gulden, zahlbar in vier Raten. Wie wir uns erinnern, enthielt dieses Kabinett unter anderem den grössten Teil der Sammlung, die schon Johannes Gessner zusammengebracht hatte. Sie war besonders reich an prächtigen mineralogischen Schaustücken, die schon 1797 die Bewunderung Goethe's erregt hatten. '°') Die Sammlung wurde von den Unterzeichnern der Subskription der Stadtbibliothek zum Ge- schenk gemacht, worauf 1806 eine besondere Direktion, bestehend aus sechs Mitgliedern der naturforschenden Gesellschaft, zwei Mit- gliedern des Stadtrates und einem Mitgliedc des Konventes der Stadtbibliothek, gewählt wurde, welche die Sammlung auf dem Helmhause unterbrachte, da die naturforschende Gesellschaft:, deren specieller Aufsicht sie unterstellt war, auf der Meise keinen Raum für dieselbe hatte. Auf Antrag Escher's fand überdies ein Aus- tausch der wenigen zoologischen Gegenstände dieser Sammlung gegen mineralogische des Zoller'schen Kabinetts statt. Die mineralogische Sammlung der Gesellschaft erhielt inzwischen wieder wertvolle Geschenke von Escher, der sich ihrer bis zum Jahre 1809 mit stets gleichem Eifer annahm. Von da an aber wurde für lange Zeit seine ganze Thätigkeit durch das Linthwerk, das seinen Namen unsterblich gemacht hat, in Anspruch genommen. Die natiirforschende Gesellschaft in Zürich. 195 Seit dieser Zeit erfuhr auch die mineralogische Sammlung keine nennenswerte Veränderung mehr. Zwar stellte noch einmal 1815 Escher den Antrag, es solle für dieselbe ein jährlicher Beitrag bewilligt werden, der darauf gefasste Bescbluss ist aber jedenfalls nicht ausgeführt worden, da die Rechnungen darüber nichts ent- halten. Am 9. März 1823 entschlief der um sein Vaterland und speciell um unsere Gesellschaft so hochverdiente Mann. Die Aufsicht über die mineralogische Sammlung, die im wesentlichen eine Schöpfung Eschers zu nennen war, ging jetzt an Caspar Hirzel-Escher im Hegibach über, der die geringen Hülfsmittel, die von Zeit zu Zeit bewilligt werden konnten, zur Ergänzung der vorhandenen Lücken verwendete. Nachdem die Gesellschaft im Jahre 1837 ihre zoologische Sammlung veräussert hatte , wurde die Mineraliensammlung an Arnold Es eher von der Linth verkauft. Zwei Jahre später verliess auch das städtische Mineralienkabinett die Räume der Bibliothek, um den kantonalen Sammlungen einverleibt zu werden. Wir haben endlich noch über das Schicksal des der Gesell- schaft gehörenden Gessn er 'sehen Herbariums zu berichten. Auf seine Beschreibung brauchen wir an dieser Stelle nicht mehr einzutreten, da dieselbe bereits von Hirzel gegeben ist. Das Her- barium war von Gessner aus seinen Dubletten für die Gesellschaft zusammengestellt und dieser 1751 geschenkt worden. Es blieb im Besitze derselben bis 1841, in welchem Jahre die Gesellschaft es wegen Platzmangel dem botanischen Garten schenkte. Der erste Band trägt den Titel „Hortus siccus Societatis Physicae Tigurinae, collectus et Linnaeana methodo dispositus a Joanne Gessnero, anno 1751". '«•"') Der botanische Garten. Die Bestrebungen, in Zürich einen botanischen Garten zu er- richten, datieren nicht erst aus dem 18. Jahrhundert. Schon Conrad G e s s n e r . der trotz seiner anfangs sehr bedrängten Yermögensverhältnisse es sich nicht hatte nehmen lassen , einen kleinen Privatgarten anzulegen, in welchen er die in den Alpen gesammelten Pflanzen versetzte , gab dem Wunsche nach einem öffentlichen botanischen Garten beredten Ausdruck in einem Schreiben an die Obrigkeit, dem wir gerne in seiner ursprünglichen Fassung hier eine Stelle einräumen wollen. Es lautet: „Herr Burgermeister, Eersam, Wyß, Günstig, Gnädig lieb „ Herren, es begärt an U. W. üwer Stattartzet, sampt den anderen „beeden üweren bestellten Doctoren der Artzny, ir wollen innen „zulassen und bestimmen ein Ort und Platz hie in üwrer Statt. „ darinn sie üch iren gnädigen Herren allerley Beum und Gewechs „(insunders frömbde, und die sunst nitt wol anzukommen) lustig „und fruchtbar, zwyen und pflanzen lassen mögen, also das der „ Platz üch unseren Gn. H. allwäg nit destminder blibe und diene, , und das zu Eer und Lust der Statt, dass man auch frönide „ Lüt, so mit der Zyt ettwas darinn uffwuchse, daryn füren könnde: „und üwer unser Gn. Hrn. welcher da wölte. zu jeder Zyt darinn „spazzieren und sich belustigen möchte: und ettwa auch in Krank- „heiten und anderen Zufälen, ettwas Erquickung und Labung „ daruss möchte friscli und grün gefunden werden , die man sunst „in Apotecken noch anderschwo also funde: welches zu Zyten ein „ sunderlicher Trost wäre, denen die sunst ein Abschühen ab den „Artznven haben. Darzu aber wurde erforderet ein kummlich wol- Die naturfor.schenile Gesellschaft in Zürich. 197 „ gelägen, und ynbeschlossen sicher Ortt, welcher auch sunnenrych „wäre, nit vil Bysswind und kalter Lüfften hätte, und zum Teil „ auch von der Muren ein widerglanz der Sunnen , damit die Wärme „desto grösser wäre, ettliche frömde Gewächs zu erhalten. Darzu ., enbütt sich üwer Stattartzet, so üch sinen Gn. Hrn. damit ge- „ dienet wurde, mit Flyss nach und nach sömmlichen Platz angäben „zu rüsten, und ettwas daryn zu schenken und uffzubringen, diewyl „imm Gott das Laben und Gsündheit verlycht; Dann er an man- „cherley Ort syn Kuntschafft hatt, da dannen er Zwye und Gewächs, „so nit gemein, weisst zu bekommen. Dessglychen enbütten sich „auch die anderen zwey üwer miner Gn. Hrn. der Artzny bestellte „Doctoren. Und in künftigem möchte einem Stattartzet sömm- „ lichs befohlen werden, dass er disen unser Gn. Hern Boumgarten, „erhalten und fürderen sollte, und nit in Abgang kummen lassen: „welches einem jeden ring und lustig zu tun wurde, und mit „kleinen Kosten, nach und nach: wie doch auch in Italia eerlich „ und loblich ist angesehen , das sömliche gmeine Gärten erhalten „ werden, nit allein zum Lust und Zierd, sunder auch zum Nutz und „ Wolkommen der Kranken: Dass man zu jeder Zyt ettliche Stück „von Früchten, Krüteren, Samen, Blumen und Wurtzen, die sunst „nit wol mögen fürkommen, dann an sömmlichen wolgelegenen „Ortten gut und frisch möge haben. Damit befälhend wir uns „üwer Eersamen Wysheit, allwägen dienstlich und underthenig. D. Cunrad Gessner Stattartzt. D. D. Allein Gessner war seiner Zeit zu weit voraus und er fand für sein Gesuch kein Verständnis. Er sah sich sogar genötigt, seinen Privatgarten wieder zu verkaufen , da ihm schliesslich die nötigsten Mittel zum eigenen Unterhalte ausgingen. Als er aber 1558 in den Besitz der, wie wir früher sahen, eigens für ihn ge- gründeten (Jhorherrenstelle gekommen war, unterhielt er zwei Gärten , von welchen der eine ohne Zweifel bei seiner Wohnung an der Kirchgasse lag. Li seinem Werke „Horti Germaniae" (1560) linden wir eine eingehende Beschreibung desselben sowie ein voll- ständiges Verzeichnis der darin kultivierten Pflanzen. Nach Gessner's frühem Tode (1565) gingen leider die von ihm gesammelten Pflanzen- 198 Fenliiiaiid Kiiilio. schätze wieder verloren, nicht einmal seine kostbare Sammlung von I'Han/ciiItihU'ni und Bcsdireibungen l>lieb der Stadt erhalten. Fast zwei Juhi-hundertL' mussten verHiessen, bis durch die Gründung der naturforschenden Gesellschaft Gessner's Traum sich verwiiklichen sollte. Die Einrichtung eines botanischen Gartens in Zürich war eine Lieblingsidee von Johannes Gessner und stand in erster Linie auf dem Programme, welches die Gründer der Gesellschaft entworfen hatten. Bereits in der ersten Generalversammlung, am 15. Januar 174S, wurde zur Beratung dieses Unternehmens eine Kommission von 10 Mitgliedern (5 Ordinarii und 5 Honorarii) niedergesetzt, und schon am 10. September des gleichen Jahres konnte mit Heinrich Rahn'"^) in der Färb auf mehrere Jahre ein Vertrag abgeschlossen werden, nach welchem die Gesellschaft ein 22400 Quadratfuss fassendes Grundstück bei der Rahn'schen Färberei vor der Xiederdörfler Porte nicht weit von der Limmatburg, gegen einen jährlichen Zins von 80 Gulden in Pacht nahm. Mit welchem Eifer die Gesellschaft der Gründung eines botanischen Gartens entgegensah, dafür mag noch folgende Mitteilung sprechen. Schon vor dem Pachtvertrag mit Kahn war ihr von Amtmann Werd- müller in Kappel ein kleines im Seefeld gelegenes Landgut zum Preise von 3000 Gulden angeboten worden. Die Unterhandlungen zerschlugen sich zwar wieder, aber die Kanfsumme war auf dem Wege freiwilliger Subskription in wenigen Wochen von den Mit- gliedern gezeichnet worden. Sobald der Vertrag mit Kahn unterzeichnet worden war, kon- stituiite sich nun die bereits ernannte Kommission unter dem Vor- sitze Gessners zu einer „botanischen Kommission" und übernahm die Umarbeitung des Grundstückes in einen botanischen Garten nach einem von Gessner entworfenen Grundriss, der dem Linne'- schen Systeme angepasst war. Ein Gartenbau'^ war dazu bestimmt, die Topfpflanzen über den Winter aufzunehmen. Zur Bestreitung der Kosten wurde der botanischen Kommission ein jähilicher Bei- trag von 200 Gulden zugewiesen. Die ersten Aussaaten wurden mit Sämereien gemacht, welche der berühmte Naturforscher Joh. Georg Gmelin von seinen Reisen nach Sibirien (1733—43) mitgebracht und seinem Freunde Gessner ü;eschenkt hatte. Bald aber wurden solche auch von dem Die iiaturforschende Gesellschaft in Zürich. 199 Oartendirektor Gleditsch in Berlin, sowie von verschiedenen Oartenbesitzern in Zürich — schon im Anfange des letzten Jahr- hunderts gab es hier verschiedene durch Pflanzenreichtum aus- gezeichnete Privatgärten — eingesandt, sodass bereits im Sommer 1751 Gessner eine Reihe von Vorträgen in dem Garten selbst ab- halten konnte. Gegen jährliche Erlegung eines Dukaten wurde auch Nichtmitgliedern der Besuch des Gartens gestattet. In dieser Form bestand der botanische Garten 12 Jahre lang. Aber schon 1756 wurden einige Räume, die zur Ueberwinterung von Topfpflanzen gedient hatten, der Gesellschaft von dem Be- sitzer des Gartens entzogen, so dass diese genötigt war, die betreffenden Pflanzen einigen ihrer Mitglieder zur Ueberwinte- rung anzuvertrauen. Obwohl nun bald darauf bedeutende und kostspielige Verbesserungen in dem Garten angebracht werden mussten, w^elche ebenso dem Eigentümer als der Gesellschaft zu statten kamen, benutzte Rahn die Erneuerung des Lehens- traktates mit der Zunft zur Wage, der eigentlichen Besitzerin des Gutes, um sich seiner Verpflichtungen gegen die Gesellschaft zu entledigen. Er gab vor, dass er den Platz zur Erweiterung der Färberei brauche und kündigte denselben. ^^^} So sah sich die Gesell- schaft genötigt, Herbst 1760, mit Zurücklassung der gepflanzten Fruchtbäume, Reblauben, Wasserleitungen u. s. w. den Garten zu räumen. Die wertvolleren Pflanzen konnten in den Privatgärten einiger Mitglieder untergebracht werden, nämlich in dem Landgute des Herrn Job. Jakob Ott im Röthel, dem späteren „Schinzen-Gute", und in den Gärten der Herren Joh. Martin Usteri im Thaleck und Georg Stocker in Stadelhofen. Lidessen Hess sich die Gesellschaft durch diese unangenehmen Erfahrungen nicht abschrecken. Die Herren Ordinarii ratifizierten die sämtlichen Rechnungen über den botanischen Garten, um dessen Ökonomie Herr Ratsherr Rahn, als Quästor des botanischen Fonds, sich vei'dient gemacht hatte, und beschlossen, auch fernerhin aus der Quästoratskasse jährlich 200 Gulden dem botanischen Fond zur Äufnung zuzuw^eisen, um später einmal die Unkosten einer Neuanlage um so leichter bestreiten zu können. Die Gelegenheit hierzu bot sich früher als man erwartet hatte. Als im Jahre 1766 der Archiater Hs. Caspar Hirzel die Wieder- 200 P'enliiiaiiil Rudio. einriclitung eines Lazarethes für ansteckende Krankheiten , das früher bestanden hatte, bei der Obrigkeit durchzusetzen wusste, und diese hierfür das Landhaus zum Schimmel in Wiedikon nebst dazugehörigem Ausgelände ankaufte, gelang es im Jahre 17(37 den unermüdlichen Bemühungen einiger Freunde der Naturwissen- schaften, diese etwa 5 .Jucharten umfassenden Güter für die phy- sikalische Gesellschaft zur Einrichtung eines botanischen und öko- nomischen Gartens um massigen Zins als Lehen zu erhalten. Zu- gleich durfte das unterste Stockwerk des Hauses, der Keller und das Waschhaus zur Aufbewahrung von Sämereien und zur Über- winterung von Pflanzen benutzt werden. Mit grosser Freude ging die Gesellschaft im Frühjahre 1767 an die Anlegung und Einrichtung des Gartens, wobei sich nament- lich Dr. Job. Georg Locher und Dr. Johannes Scheuchzer aufs eifrigste bethätigten. Auch dieser Garten wurde nach Gess- ner's Anleitung nach dem Linne'schen System geordnet. Die nötigen Mittel für die erste Einrichtung lieferte der bereits auf 1600 Gulden angewachsene botanische Fond. Von diesem wurden zunächst 1100 Gulden als zinstragender Fond angelegt und sodann wurde, entsprechend der Verwaltung der Gesamtmittel der Gesellschaft, eine Brauchkasse errichtet, in welche die Zinsen des botanischen Fonds, die jährlichen Zuschüsse der Quästorats- kasse, sowie allfällige Überschüsse des abgelaufenen Jahres flössen. Aus dieser Brauchkasse wurden die jährlichen Ausgaben bestritten. nur die Entrichtung des Lehenszinses wurde dem ökonomischen Fond Überbunden. Als Quästor des botanischen Fonds wurde Zunftmeister Caspar Scheuchzer gewählt und als Besorger der Brauchkasse Dr. Job. Georg Locher, dem damit zugleich die Direktion des Gartens zufiel. Diese getrennte Besorgung bestand übrigens nur bis 1779, von welchem Jahre an Dr. Locher auch die Verwaltung des bota- nischen Fonds übernahm. Noch in demselben Jahre 1767 wurden die aus dem ersten Garten stammenden und bei den oben genannten Mitgliedern untergebrachten Pflanzen au ihren neuen Standort ver- setzt und durch Geschenke beträchtlich vermelirt, wobei man in- dessen vorerst nicht so sehr auf seltenen Sommerflor als auf peren- nierende Freilandpflanzen und wichtige Ökonomie- und Mediciual- Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 201 gewächse bedacht war. Gegen Ende des Jahres waren solcher schon über 500 eingepflanzt. Auch in den folgenden Jahren wurde emsig an der Erweiterung des Gartens gearbeitet und derselbe durch viele Geschenke von Pflanzen und Sämereien bereichert. Besonders wertvolle Zusendungen erfolgten von einigen im Aus- land lebenden Zürchern so z. B. von Chirurgus Joh. Heinrich Was er aus Batavia, Pfarrer Brunner aus Moskau, Wundarzt Werndli aus Berbice in Surinam. Hand iu Hand mit solchen Geschenken bildete sich auch ein entsprechender Tauschverkehr mit andern Gärten oder mit Gelehrten des In- und Auslandes heraus. In seiner Denkrede auf Gessner erwähnt Hs. Caspar Hirzel einer solchen Samensendung aus dem zürcherischen botanischen Garten an den berühmten Botaniker Prof. David van Royen in Leyden. „Die Besorger des Gartens" , erzählt er, „hatten einmal das Vergnügen von dem berühmten van Royen einen schmeichel- haften Beyfall zu erhalten — für Saamen — die sie von einem unsrer Mitbürger, dem seel. Herrn Werndli durch mich, aus Ber- bice erhalten hatten. Ich lachte darüber, dass sie dem grössten hol- ländischen Kräuterkenner Saamen schickten, welche in einer Kolonie der Republik gesammlet worden. Sie erhielten aber ein grosses Komp- liment dafür, dass die Schweitzer, wo und in welchem Berufte sie sich befänden, auch ausser diesem auf alles nützliche ihre Augen richteten, da seine Landleuthe nur für den Gewinn im Handel Augen hätten". Schon früher hatten die Besorger des Gartens von Ratsherr Leu, dem Sohne des Bürgermeisters und Schwiegervater Locher's, ein aus Holz verfertigtes Brustbild des grossen Conrad Gessner erhalten und in dem Garten aufgestellt. Da aber zu befürchten war, dass es durch die Witterung bald zu Grunde gehen würde^ so beschloss die Gesellschaft, dein Andenken an den um die Natur- wissenschaften, besonders die Botanik, so verdienten Mitbürger ein dauerhafteres Monument errichten zu lassen. Zu diesem Ende liess sie durch den berühmten Professor Sonnenschein'''^) ein aus bron- ciertem Blei gegossenes Bildnis verfertigen und dasselbe in einer Nische des Gartens auf einem steinernen Postament mit der In- schrift „Conradi Gessneri eruditionis et virtutis causa p. p." auf- stellen. Leider wurde die Büste , wie wir sehen werden , später von den Franzosen entwendet. Die hier abgebildete Holzbüste 20'J Fenliiinnd Ru.Iio. ahiT l>efiiuk't sich noch in dem Besitze der Gesellschaft und zierte ehedem den Versammlungssaal derselben. Bis zum Jahre 1781 entbehrte der Garten eines Gewächs- hauses. Infolge dessen konnten nur wenige Warmhauspflanzen gehalten werden, welche dann jeweilen bei einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft überwintert werden mussten. Um diesem Mangel abzuhelfen und dadurch zugleich eine Ausdehnung des botanischen Gartens zu ermöglichen, beschlossen die Herren Ordinarii am 30. April 1781 , nach eingeholter Bewilligung des Sanitätsrates, den Bau eines Gewächshauses nach dem Muster desjenigen des Senken- bergischen Gartens in Frankfurt a. M. Das Gewächshaus \vurde 1781 — 82 von Baumeister Vögeli erstellt und kostete 2440 Gulden, was allerdings für einige Jahre eine besondere und direkte Bean- spruchung des Lotteriefonds seitens des botanischen Fonds nötig machte. Die vermehrten Anstrengungen hatten zur Folge, dass das Ansehen des botanischen Institutes im Auslande bedeutend gehoben wurde, wovon die vermehrte Korrespondenz mit den Professoren der angesehensten Universitäten und den berühmtesten Botanikern zeugt. So traten in den Jahren 1780 — 1790 mit dem botanischen Garten in Verbindung die Herren Wittmann in Mailand, Leske in Leipzig, Münnik in Groningen, Steudel und AVilldenow in Berlin, v. Clairville in Winterthur, Wendtland in Hannover u. a. m. In jenen Jahren wurden durchschnittlich jedes Frühjahr 2000 verschiedene Samenarten ausgesät und 800 Arten an aus- wärtige Gärten versandt. Unter den damals entdeckten neuen Pflanzen , welche zum ersten Male im zürcherischen botanischen Garten geblüht haben, sind zu nennen Gleditschia triacantha (dem oben erwähnten Gleditsch gewidmet), Yucca draconis, Solanum verbascifolium u. a. Nach dem im Jahre 1787 erfolgten Hinschiede des um den botanischen Garten so sehr verdienten Dr. Locher wurde die Direktion dem bereits früher genannten Dr. Johannes Scheuchzer übertragen. Zugleich traten in die botanische Kommission einige jüngere thätige Mitglieder ein, welche kurz zuvor ihre Studien im Auslande beendigt hatten, nämlich Dr. Christoph Salomon Schinz, Dr. Paul Usteri und Dr. Johann Jakob Homer. Mit Genugthuung konnte die Gesellschaft konstatieren , dass der Vierteljahrsschrift d. naturf. Ges. Zürich. 41. Jahrg. 1896. Jubelband I. Taf. 6. mein Herz stat allein zun» vatterlanil, dem begär ich zu dienen, darin zu laben und zu sterben, so es von Gott niizlich ist als ich hoffe. Curat Gessner. Pliotogr. Druck von Bninner & Häuser, Zürich. •9_^T .1 bnedladul M8\ .yricl .t» .rialiDS ,t»D .hüten .b ftiirtszziriBibhalV ii noch in dem 1 Ischaft und zierte Uli > I rsaninilun:- ' uin. <■< zum Jahr«' IT^. <]or Garten feines Gewächs- li;iii^( -. lniolii.' dessen konnten onige Warmhauspflanzen werden ' ' u jeweileii hei ein/»" " ilschaft . werden mussten. l; ihzuhelfen und dadurch zuarleich eine Ausdehnung des b«. (xartens zu ermöglichen, 1 iianioO. April '""' ^' ■• ' 'Her IM- «i.-.^ '. res, den Bau nach ' ^ter des des Senken- Nergisehen Gartens in Frankfurt a. M. Das Gewächshaus wurde 1781— 82v«.i '■ " 1 kostete 2440 Gulden, was all, iiiiii jre und direkte Bean- botanischen Fonds nötig machte. . 1 I r^ l ; f 11 _; u )i Ltt^ii 11.11 irii /.n; i iMm^-, i.ia.---> «utS iien Institutes im Auslande bedeutend gehoben iie vermehrte Korrespondenz mit den Professoren II Universitäten und den berühmtesten Botanikern /.cu,_, II in den Jahren 1780 — 1790 mit dem botanischen Garten in Verbindung die Herren Wittmann in Mailand, Leske in Leipzig, Münnik in ' n, Steudel und Willdenow in l^erlin, v, Clairville in V,,ni.ithur, W i»i-..'! ;■■ »i 'Miover II. a. m. In jenen Jahren wurden durch tijahr J 1 ischiedene Samenarten ausgesät und 800 Arten an aus- "i Unter den damals entdeckten neuen rsten Male im zürcherischen botanischen inirten geblüht haben, sind zu nennen Gleditschia triacantha (dem iben erwähnten Gleditsch gewidmet), Yucca draconis, Solanum verhaseifnlium n, n. ,«-.5>^Hhj.(4^V-^rrf'.lfr^V«*^^^>M^'''t('(4W»^ des um den lioWmjjscJitMi, (nirtj'ii SU ^sehr venlienfen Dv. L Homer. Mit < rpnn.u'tluini'ir koniiti- ni' "k .-. M-di.i.i Kui)-taiii".cii . dass der .riahOS .isiiiall i, lüiiniiiH nor ilsuid .-ngotoill ^^V^.'^"^ Die naturfüi-scheiule Gesellschaft in Zürich. 203 (jarten besonders häufig auch von den Studierenden des 1782 gegründeten medicinisch-chirurgischen Institutes benutzt wurde, namentlich seit der eben genannte Dr. Schinz an demselben ein Kolleg über Botanik und Arzneimittellehre eingerichtet hatte. Indessen machten sich gerade zu dieser Zeit verschiedene Übel- stände geltend, die zum Teil durch ungünstige Witterungsverhält- nisse , Mangelhaftigkeit des Heizapparates im Gewächshause u. a. zum Teil aber auch durch einige Lauheit in der Geschäftsleitung bedingt waren und welche die gedeihliche Entwicklung des Gartens hemmten. Einen neuen Aufschwung nahm dieser erst, als 1794: Usteri die Direktion übertragen wurde. Mit uner- müdlichem Eifer und grosser Energie ging derselbe nun ans Werk, um den ihm lieb gew^ordenen Garten in jeder Hinsicht zu fördern. Zunächst suchte er die Korrespondenz zu erweitern, wodurch zwar die Geschäfte der Kommission, besonders im Frühjahre, bedeutend vermehrt, zugleich aber auch dem Garten eine Menge seltener Pflanzen und Sämereien von den verschiedensten Seiten her zu- geführt wurden. Reiche Beiträge sandten namentlich ausser den schon früher genannten Korrespondenten Cavanilles aus Madrid, Thouin und Miliin aus Paris, Zuccagni aus Florenz, Nocca aus Mantua, Jacquin aus Wien, Persoon vom Kap, Mikan aus Prag, Marter aus Löwen und viele andere. Im Jahre 1795 wurde eine besondere Anlage für Alpenpflanzen gebildet, wozu ein reiches Sortiment von Sämereien beitrug, welches Schi ei der in Genf aus den Alpen mitbrachte. Auch im folgenden Jahre erfuhr diese Sammlung einen beträchtlichen Zuwachs, sodass Usteri in seinem Jahresberichte von 1796 mit Wohlgefallen derselben gedachte und der Hoffnung Ausdruck gab, sie möchte bald dem Garten zu einer kleinen Zierde gereichen. In dem gleichen Jahresberichte aber musste er auch des grossen Verlustes gedenken, den der botanische Garten durch den frühzeitigen Tod eines hoffnungsvollen jungen Mannes, Caspar von Muralt, Sohn des Direktors von Muralt im Ochsen, erlitten hatte. „Es ist dem Berichterstatter", sagte Usteri, „ein schmerzliches Gefühl der Gesellschaft nur getäuschte Hoffnungen darbringen zu können , indem er sie an den Verlust eines jungen Freundes erinnert, der ihm im vorigen Frühling zum ersten Male die thätigste Unterstützung leistete, und den er heute nicht nur als einen vortrefflichen Gehülfen, sondern auch als einen •J()4 FeniiiiiiiKl Hudio. eifrigen uiul gründlichen Naturforscher und Botaniker, der den botanischen Garten zweckmässig und wissenschaftlich benutzte, an- zukünden hoffte." Im gleichen Jahre 171)6 besorgte Usteri noch einen neuen sehr bereicherten Pflanzenkatalog, aber leider sollte sich der Garten nicht mehr lange seiner nnermüdlichoii Pflege erfreuen. Schon im folgenden Jahre wurde Usteri in den helvetischen Senat nach Bern berufen und dadurch der Anstalt entzogen. An seine Stelle trat nun Dr. Kömer, der sich seines Amtes ebenfalls mit grossem Eifer und ausserordentlichem Geschicke annahm. Als aber im Herbste 171)9 die Kosaken in der Nähe von Wiedikon lagerten, erlebte der botanische Garten schwere Zeiten. Alles Holzwerk wurde abgebrochen, die Hecken und staudenartigen Pflanzen dienten zur Feuerung, die Fenster wurden zertrümmert, die Blumentöpfe als Kochgeschirre benutzt und im Garten weideten die Pferde. Zum Glück dauerte diese gefährliche Nachbarschaft nicht lange, denn sonst wäre der gänzliche Ruin des Gartens unausbleiblich gewesen. Aber auf die Kosaken folgten leider noch die Fran- zosen, von welchen die aus Blei gegossene und 1777 im Garten aufgestellte Büste Conrad Gessners entwendet wurde. Als sich das Kriegsvolk endlich verlaufen hatte, ging man mit vereinten Kräften an die Wiederherstellung des Gartens. Kömer, der um jene Zeit sehr durch seine politische Thätigkeit in Anspruch ge- nommen war, wurde dabei aufs thatkräftigste unterstützt von Dr. Chr. Sal. Schinz. Dr. Hans Caspar Hirzel, dem Sohne des Präsidenten, und Leonliard Schulthess im Lindengarten. Durch Beiträge der Kegierung und des Stadtrates — die erstere stellte überdies eine Anzahl Sträflinge zur V^erfügung, die im Garten zu Arbeiten verwendet wurden, — sah sich die Gesellschaft in den Stand gesetzt, das Gewächshaus und die Treibbeeten wieder her- zustellen und zugleich durch zweckmässigere Einrichtung derselben tiüviel liaum zu gewinnen , dass die doppelte Zahl von Pflanzen überwintert werden konnte. \\'äliren(l der Garten im Jahre 1801 nur 1500 Pflanzen zählte, waren deren im Jahre ISO-") schon übei- :iOOO und im folgenden Jahre gegen 4000 vorhanden, sodass da- mals der Garten die erste Stelle unter den botanischen Gärten der Schweiz einnahm und selbst mit den berühmteren Anlagen des Auslandes eine Vergleichnng nicht zu scheuen hatte. Alle diese Er- Die naturforschende Gesellschaft hi Zürich. 205 folge waren übrigens wesentlich der uneigennützigen Arbeit der Mit- glieder der botanischen Kommission zu verdanken, die es ermöglichte, dass mit äusserster Sparsamkeit gearbeitet werden konnte. Die ge- wöhnlichen Bedürfnisse des Gartens wurden aus den Zinsen des durch die Bauten sehr zusammengeschmolzenen botanischen Fonds und aus dem jährlichen Zuschüsse von 200 Gulden aus der Quä- storatskasse bestritten, während die jährlichen Anschaffungen von Pflanzen und Sämereien, die für sich allein eine weit grösser Summe beansprucht haben würden, vollständig durch den ausgedehnten Tauschhandel gedeckt wurden. So hatte Römer beispielsweise im Jahre 1813 bereits Verbindungen mit den Direktionen der bota- nischen Gärten in Lissabon, Madrid, Neapel, Palermo, Bologna, Siena, Florenz, Pisa, Genua, Pavia, Turin, Genf, Paris, Angers, Harlem, Göttingen, Herrenhausen bei Hannover, Halle, Jena, Wei- mar, Schwetzingen, Bollweiler, Wien, Berlin, Rostock, Kopen- hagen, Stockholm, Upsala, Gorinka bei Moskau u. a. angeknüpft und stand ausserdem in Korrespondenz mit den berühmtesten Bo- tanikern der damaligen Zeit. Die folgenden Jahre waren für die Entwicklung des Gartens allerdings wieder weniger förderlich. Ungünstige Witterungsver- hältnisse, so z. B. im Jahre 1817 ein furchtbarer Hagelschlag, der an 400 Scheiben zertrümmerte, verursachten beträchtlichen Schaden. Ohne den ausgebreiteten Tauschhandel wäre eine Menge einjähriger Pflanzen für den Garten ganz verloren gegangen. Dazu kam noch, dass Römer infolge zunehmender Kränklichkeit dem Garten nicht mehr die frühere Sorge und Pflege konnte angedeihen lassen. Am 15. Januar 1819 wurde der um das botanische Institut so hochverdiente Mann durch den Tod von seinen Leiden erlöst und nun wählte die Gesellschaft Leonhard Schulthess zu seinem Nach- folger. Mit grossem Eifer wurde jetzt an der Wiederherstellung des sehr baufällig gewordenen Gewächshauses sowie an einer gänz- lichen Umwandlung des Gartens gearbeitet. An die beträchtlichen Unkosten — sie beliefen sich auf etwa 700 Gulden — erhielt die Gesellschaft wiederum einen Geldbeitrag von der Regierung und dem Stadtrate. Der Garten wurde auch diesmal nach dem Sexual- system eingerichtet, doch so, dass die Pflanzen aus gleichen Fa- milien, soweit möglich, zusammengestellt wurden. Das Gewächs- haus erhielt neue Fenster und eine bessere Heizeinrichtung. Die 2()(i Ferdiiiaiid Hiiiiio. von den Franzosen entwendete Büste Gessner's wurde dureli einen neuen Abguss ersetzt und mit einer passenden Einfriedigung um- gehen. Niclit mindere Sorgfalt widmete die Direktion der Unter- haltung und Vermehrung der Korrespondenz und des Tauschhandels. Durch reiciie Geschenke von einheimischen und auswärtigen Freun- den der Botanik wurde die Pflanzensammlung beträchtlich ver- grüssert, die Zahl der Arten stieg im .lalire 1825 auf 'iiHiO wo- runter viele seltene exotische Pflanzen. Vom Jahre 1820 an wurde fast jedes Jahr ein Samenkatalog gedruckt und den Korrespon- denten zugestellt, im Jahre 1828 stand der (xarten mit 4<> Orten in allen Teilen Europas in Korrespondenz. Während des ganzen Zeitraumes wurde der Garten zu wissen- schaftlichen Studien . zu Vorweisungen in der Gesellschaft und namentlich zum Unterrichte in dem medicinisch-chiurgischen In- stitute, welches 1804 zu einer Kantonalanstalt erhoben worden war, fleisig benutzt. Waren doch die Lehrer dieses Institutes aus- nahmslos auch Mitglieder der naturforschenden Gesellschaft und umgekehrt die Leiter des botanischen Gartens in ihrer Mehrheit zugleich Lehrer des medicinischen Institutes. Als daher 1883 die Hochschule errichtet wurde, musste es dem Erziehungsrate daran liegen, den botanischen Garten für dieselbe zu gewinnen. So sehr es die Gesellschaft schmerzte, eines ihrer ältesten und gemein- nützigsten Institute aufgeben zu sollen, so erkannte sie doch, dass sie in Bezug auf dieses nun ihre Aufgabe erfüllt habe und dass jetzt der Staat mit seinen reicheren Mitteln die Privatthätigkeit ablösen müsse. Am 13. Mai 1834 wurde zwischen den Vertretern der Regierung und der Gesellschaft eine Übereinkunft abgeschlossen» nach welcher die im Garten betindlichen Mobilien und Immol)ilien — Grund und Boden hatte die Gesellschatt immer nur in Pacht gehabt — um die Summe von 1225 Gulden dem Staate käuflich überlassen wurden. Der Vertrag wurde am 19. Januar 1835 von der Gesellschaft ratifiziert und der Erlös zugleich mit dem noch vorhandenen botanischen Fond, im Gesamtbetrage von etwa 3500 Gulden , dem Hauptfond einverleibt. Gleichzeitig löste sich die botanische Kommission auf. Die Regierung aber beschloss, den Garten auf das Schanzengebiet um das Bollwerk zur Katz zu ver- legen, da der alte Garten wegen des schlechten Erdreiches und des Mangels an Wasser, namentlich aber wegen der zu Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 207 grossen Entfernung vom Universitätsgel^äude zu viele Missstände bot. Diese Verlegung wurde in den Jahren 1836 — 1838 ausgeführt. Bevor wir uns nun, unter der kundigen Führung von Oswald Heer, durch einen Kundgang von dem Garten der Gesellschaft verabschieden, möge noch mit einigen Worten der Männer gedacht werden, deren aufopfernder Thätigkeit dieser seine Entwicklung verdankte. Die Pflege des ersten botanischen Gartens in der Färb (1748 bis 1760) fiel, wie wir sahen, einer aus 10 Mitgliedern bestehenden botanischen Kommission zu, welche sich zusammensetzte aus Jo- hannes Gessner, als Präsident, den Ordinariis Amtmann Meier, Assessor (später Bürgermeister) Heidegger, Dr. Rahn, Jakob Ott und den Honorariis Zunftseckelmeister Escher, Pfleger Schulthess, Conrad Gossweiler, Jakob Pestalutz, Haupt- mann Orell. Gessner behielt übrigens das Präsidium auch der folgenden Kommissionen bis zu seinem Tode. Ebenso war sein Nachfolger Hirzel als Präsident der Gesellschaft auch zugleich Präsident der botanischen Kommission. Erst nacli seinem 1803 erfolgten Tode wurde das Präsidium der letzteren mit der Direk- tion des botanischen Gartens vereinigt. Als erster Direktor des botanischen Gartens in Wiedikon war uns Dr. Johann Georg Locher begegnet, der dem Garten von 1767 — 1787 vorstand. Er war am 22. Februar 1739 geboren, hatte mit seinem Freunde und Nachfolger Johannes Scheuchzer den öffentlichen und privaten Unterricht Gessner's genossen und zugleich den Grund zu seinen medicinischen Studien in dem ana- tomischen Theater unter Spitalarzt Burkhard und in dem alten botanischen Garten in der Färb gelegt. Er studierte sodann in Leyden unter den beiden van Royen, Albin, Mu schob roek und promovierte daselbst 1761 mit der Dissertation „De secretione glandularum". Von Leyden wandte er sich nach Paris, wo er unter Jussieu Botanik studierte, und sodann nach Strassburg, wo er neben den botanischen Vorlesungen Spielmanns die geburts- hülflichen Kurse bei Fried besuchte. Gleich nach seiner Rück- kehr nach Zürich, 1762, trat er der physikalischen Gesellschaft bei, in welcher er 1766 Ordinarius wurde. Neben den Natur- wissenschaften, insbesondere der Landwirtschaft — er gab ein „Verzeichnis einiger essbaren Pflanzen, die dem Landmann zu 208 Fenliiiaiul Radio. seiner Gesundlieit und Nahrung dienen **, heraus — widmete er sich eifrig den Staatsgeschäften. Er wurde 1772 Zwölfer auf der Zunft zum Kameel , 1779 Assessor Synodi und 1785 Examinator. Ein besonderes Verdienst erwarb sich Locher, als er 1783 nach dem Tode seines Schwiegervaters Johannes Leu (1714 — 1782), des einzigen Sohnes des berühmten Bürgermeisters Johann Jakob Leu (1689 — 17H8), die kostbare, mehr als 300 Bände fassende Manuskriptensammlung, welche die beiden Leu angelegt hatten, der Stadtbibliothek schenkte. Als er am 2. Oktober 1787 starb, widmeten ihm die „Monat- lichen Nachrichten" einen ehrenvollen Nekrolog, der mit den Worten schloss: „Die allgemeine Betrübnis über den frühzeitigen Tod dieses vortrefflichen Mannes; die allgemeine Stimme des Nachruhms, die unseres Seligen Leichnam zur Kühe begleiteten, waren die schön- sten Beweise allgemein genossener Achtung, und dass Recht- schaff"enheit und wahre thätige Vaterlandsliebe in unserer Stadt viele Verehrer habe". Dr. Johannes Scheuchzer, Direktor des botanischen Gartens von 1787—1794, wurde als der jüngere Sohn des berühmten Arztes und Naturforschers Johannes Scheuchzer (1684 — 1738) im April des Jahres 1738 geboren. Das Beispiel des Vaters und des noch berühmteren Oheims bewogen ihn, sich ebenfalls der Medicin und den Naturwissenschaften zu widmen. Er studierte in Leyden, wo er 1760 mit der Dissertation „De alimentis farinosis cum icone Zizaniae aquaticae" den Doktorhut erwarb. Nach seiner Rück- kehr in die Heimat wurde er Mitglied der physikalischen Gesell- schaft. Die von seinem Vater und Oheim geerbten naturwissen- schaftlichen Sammlungen bemühte ei- sich zu unterhalten und zu vermehren , wodurch er in einen ausgedehnten Briefwechsel mit vielen Gelehrten des In- und Auslandes trat. Mehrere Jahre lang war er zugleich als Adjunkt von Leonhard Usteri auf der Stadt- bibliothek thätig. Nach Usteris Tode, 1789, übernahm er daselbst das Oberbibliothekariat , welches er aber schon 1795 niederlegte. Von 1779 an bekleidete er die Stelle eines Amtmanns der Ein- künfte, welche die ehemalige Abtei Allerheiligen von Schaff- hausen im Kanton Zürich besass, später, 1803, wurde er Friedens- richter der ersten Sektion von Zürich. Er starb am 26. Septem- ber 1815. Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 209 Mit dem dritten Direktor des botanischen Gartens, Paul Usteri sind wir schon früher bekannt geworden. Er konnte sich zwar nur von 1794 — 1797 der Direktion annehmen, aber diese kurze Zeit genügte , wie wir sahen , um wichtige und gründliche Reformen anzubahnen. Zweiundzwanzig Jahre, von 1797 — 1819, stand der Garten unter der ausgezeichneten Leitung von Johann Jakob Römer. Dieser wurde am 8. Januar 1708 in Zürich geboren. Er be- suchte die Kollegien seiner Vaterstadt , auf denen er sich schon frühzeitig durch seine Vorliebe für die Naturwissenschaften aus- zeichnete. Trotzdem unterzog er sich dem Wunsche seines Vaters, der ihn zum Kaufmann bestimmt hatte, und reiste 1780 nach Ber- gamo , um in das Geschäft eines dort wohnenden Onkels einzu- treten. Hier blieb er drei Jahre lang, bis er endlich die Erlaub- nis erwirkte, sich ganz den Naturwissenschaften, zu denen er sich unter dem südlichen Himmel noch mehr als in der Heimat hin- gezogen fühlte , widmen zu dürfen. Er trat in das medicinische Institut seiner Vaterstadt ein als einer der ersten und fleissigsten Schüler desselben und studierte unter Burkhard's Leitung Anato- mie, während er gleichzeitig unter Hirzel eifrig das Spital besuchte. Im Jahre 1784 bezog er die Universität Göttingen, an welcher er 1786 promovierte. Schon hier begann seine nachher sich so weit ausdehnende gelehrte, besonders botanische Korrespondenz. Wie rasch er als Botaniker bekannt wurde, beweist, dass ihn bald nach seiner Promotion Baidinger nach Marburg ziehen wollte und dass er schon 1787 zum auswärtigen ordentlichen Mitgliede der natur- forschenden Gesellschaft in Halle ernannt wurde. Von 1786 an lebte Römer in Zürich als praktischer Arzt und als Lehrer an dem medicinisch-chirurgischen Institute, zu dessen Zierden er gehörte. Daneben entfaltete er eine bedeutende litte- rarische Thätigkeit , die ihm einen ausgezeichneten Rang als Bo- taniker sicherte. Seiner grossen Verdienste um den botanischen Garten haben wir bereits gedacht. Der naturforschenden Gesell- schaft, der er von 1788 an bis zu seinem am 15, Januar 1819 erfolgten Tode als eifriges Mitglied angehörte, hat er aber auch noch nacli verschiedenen anderen Richtungen hin hervorragende Dienste geleistet , von denen an ihrem Orte die Rede gewesen ist und noch sein wird."*') Vierteljahrs Schrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jalirg. XLI. Jubelband I. 14 210 lMT4 verwaltete. Von seinen der Gesellschaft gehaltenen Vor- lesungen wurde die „von i'iner neuen Weise das (jetreyd lange .lalire ohne Verderbni.ss und Abgang zu erhalten'' in den ersten Band ihrer Abhandlungen aufgenommen. „Liebe zu dieser Gesell- schaft und mitwirkenden Fleiss, besonders im Fache der Land- r)k()n()mio. behielt er lebenslang bey." Im .fahre 1760 beteiligte er sich mit Iselin, den beiden Hirzel und Salomon Gessner an der Gründung der helvetischen Gesellseluift in Schinznach. deren Präsident er 1767 wurde. Seine Vaterlandsliebe und eine ausgesprochene Neigung zu den Staats- geschäften, geweckt und gefördert durch die genannten Freunde, sowie namentlich durch Statthalter Es eher und Bürgermeister Heidegger, die er sich zum Vorbilde nahm, führten ihn immer mehr den öffentlichen Angelegenheiten zu. Im Jahre 1761 Avählte ihn die Zunft zum AVeggen in den grossen Rat, 1762 wurde er Assessor Synodi und 1764 Amtmann zu Embrach. Den sechs- jährigen Landaufenthalt daselbst benutzte er zur Vermehrung seiner wissenschaftlichen und politischen Kenntnisse, von welchen er gleich nach seiner Rückkehr Gebrauch zu machen Gelegenheit fand. Er wurde 1773 zum Schultheiss am Stadtgericht, 177.5 zum Zunftmeister vom Weggen, 1777 zum „Gesa.idten über das Gebürge" (Präses vom Syndikate der vier italienischen Landvogteien) und noch im gleichen Jahre zum Statthalter gewählt, eine Würde, die ihm 1789 zum zweiten Male übertragen wurde, nachdem er in- zwischen die ansehnliche Stelle eines „Obmanns gemeiner der Stadt Zürich Aemter'" verwaltet hatte. Er starb am 5. Oktober 1792.'^') LEONHARD USTERL Leonhard Usteri, geboren in Zürich den 31. März 174L war der zweite Sohn des Kaufmanns Paulus Usteri im Neuenhof, den wir als einen Mitgründer der naturforschenden Gesellschaft kennen gelernt haben. Dem ältesten Sohne Johann Martin Usteri im Thalegg (1738—1790), dem Vater des gleichnamigen Dichters, sind wir in der Geschichte des botanischen Gartens be- gegnet. JiConhard. zum Theologen bestimmt, durchlief das Caro- Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 221 linum mit Aiiszeiclmung und erhielt 1760 die Weihe zum geist- lichen Stande. Darauf unternalim er eine längere Studienreise, die ihn zunächst nach Italien führte. In Rom lernte er Winkelmann kennen, an den er durch Caspar Füssli empfohlen worden war und mit dem ihn bald die innigste Freundschaft verband. Durch ihn erhielt er zugleich Zutritt in die angesehensten Kreise Roms und Zugang zu manchen, den gewöhnlichen Fremden verschlossenen Kunstschätzen. Wie vortrefflich er diese günstigen Umstände auszunutzen verstand, bezeugt ein an Salomon Gr essner gerichteter Brief Winkelmann's, in welchem dieser schreibt: „Der Ihrige und der meinige theure Usteri reiset heute (den 25. April 1761) von Rom ab. mit mehr Kenntniss und Achtung, die er sich selbst er- worben, als es Wenige, die so kurze Zeit diesen einzigen Sitz der Künste genossen, sich rühmen können." Von Italien wandte sich Usteri nach Frankreich. Er reiste über Lyon nach Paris, wo er mit dem Grafen Caylus und J. J. Rousseau bekannt und be- freundet wurde. Nach zweijähriger Abwesenheit kehrte er in die Vaterstadt zurück, in der er zunächst, da sich nicht sofort eine passende An- stellung darbot, öff'entliche Vorlesungen veranstaltete. Im gleichen Jahre 1762 trat er in die naturforschende Gesellschaft ein. In dieser entwickelte er, namentlich als Sekretär der ökonomischen Kommission, eine ausserordentlich rege Thätigkeit, der wir bereits an anderer Stelle gedacht haben. Schon 1764 wurde er zum Ordinarius ernannt und gleichzeitig mit dem Bibliothekariate betraut, welches er zehn Jahre lang verwaltete. In dem gleichen Jahre 1764 er- nannte ihn der Schulrat zum Professor der hebräischen Sprache; 1769 wurde er Professor der Eloquenz am Gymnasium und 1773 Professor der Logik, Rhetorik und Mathematik am unteren Col- legium. In dieser letzteren Stellung war er als vortrefflicher, hoch- geachteter und geliebter Lehrer 15 Jahre thätig, bis ihn 1788 das Vertrauen des Schulrates zu der höchsten Stelle, die er als Professor am Gymnasium erhalten konnte, zum theologischen Lehrstuhle und dem damit verbundenen Canonicate erhob. Leider sollte er sich dieses neuen Wirkungskreises nicht mehr lange erfreuen. Im fol- genden Winter schon wurde er von einem Schleimfieber überfallen, dem er am 14. Mai 1789 erlag. Der Name Usteri's ist untrennbar verbunden mit der Geschichte 22i* FiMtliiiüiid Rudi«). des zürcherischen Unterrichtswesens. Er war einer der Haupt- beförderer der von Bürgermeister Heidegger angebahnten Reform der hiesigen Schulen und schrieb darüber 1773 die gründliclie „iSachricht von den neuen Schulanstalteu in Zürich." Die Krone aber von Usteri's Verdiensten ist die Gründung der zürcherischen Töchterschule, die er 1774 ins Leben rief. Endlich darf noch hervorgehoben werden, dass durch ihn und Junker Archidiakon Escher (1728 — 1791) auch die „Neujahrsblätter der Gesellschaft auf der Chorherrenstube", deren erstes auf Xeujahr 1779 heraus- gegebenes aus seiner Feder stammt, gestiftet worden sind. ''®) HANS CONRAD HEIDEGGEK. Hans Conrad Heidegger, der einzige zu erwachsenen Jahren gekommene Sohn des grossen Bürgermeisters, wurde am 21. Januar 1748 geboren und unter der Leitung seines Vaters aufs sorgfältigste erzogen. Er besuchte die Collegien und begab sich dann auf Reisen, die ihn mit Frankreich und Deutschland bekannt machten. Nach seiner Rückkehr trat er in den Staatsdienst ein. Im Jahre 1772 wurde er Pfleger der Gesellschaft zum schwarzen Garten und zur gleichen Zeit Jungrichter des Stadtgerichtes. Von 1774 bis 1778 verwaltete er die Bibliothek der natiirforschenden Gesellschaft, der er 1771 beigetreten war. Es scheint aber, dass er sich dabei nicht ganz die Zufriedenheit der Herrn Ordinarii erworben hat. Nach einigen vergeblichen Ermahnungen übertrugen diese nämlich am 30. November 1778, ohne die Resignation Heidegger's abzu- warten und ohne Skrutinium, das Bibliothekariat dem Pfarrer Waser, was allerdings ein Verstoss gegen die Statuten war. Über- haupt wird der junge Heidegger als dem Vater nicht sehr ähnlich geschildert, insofern er sich mehr seinen wissenschaftlichen und künstlerischen Liebhabereien als geordneter Arbeit hingegeben haben soll. Schon als junger Mann hatte er sich eine bedeutende Bibliothek und eine namhafte Kunstsammlung angelegt, welche unter anderem die frühesten Zeichnungen des berühmten Heinrich Füssli enthielt und ihrem Besitzer manchen vornehmen Besuch, darunter Goethe und Herzog Carl August, zuführte. Im Jahre 1779 erhielt Heidegger die Landvogtei Mendrisio und im gleichen Jahre wählte ihn die Schmiedenzunft in den Dte naturforschende Gesellschaft in Zürich. 223 grossen Rat. Nachdem er noch 1783 Zunftmeister mid zugleich Obervogt zu Birmensdorf und Urdorf geworden war, legte er 1795 alle seine Stellen nieder und ging ausser Landes. Er hielt sich zunächst in Constanz, dann in Augsburg auf und Hess sich schliess- lich in München nieder. Hier stellte er seine staatsmännischen Kenntnisse in den Dienst des Churfürsten und späteren Königs von Bayern, der ihn unter dem Titel eines Freiherrn von Heidegg zum Kammerherrn und Geheimrat ernannte. Die letzten Lebens- jahre brachte Heidegger aber wieder in der Heimat zu. Er wohnte in Rapperswyl und starb am 29. Juni 1808.'^') JOHANN HEINRICH WASER. . Johann Heinrich Waser, der als Nachfolger Heidegger's 1778 mit dem Bibliothekariate der Gesellschaft betraut wurde, ist eine der interessantesten Persönlichkeiten, welche die Geschichte der naturforschenden Gesellschaft aufzuweisen hat. Bei den mannig- fachen Kontroversen, die sich an das Schicksal des unglücklichen Mannes geknüpft haben, verzichten wir hier gerne einmal auf die eigene Darstellung, um Rudolf Wolf das Wort zu überlassen, der in seinen Biographieen Waser den folgenden tief empfundenen Nachruf gewidmet hat. „Johann Heinrich Waser, vielleicht der begabteste, aber jeden- falls der unglücklichste Schüler Gessners, wurde am 1. April 1742 einem wohlhabenden Bäcker in Zürich geboren. Er studirte Theo- logie, trieb aber nebenbei auch Mathematik und Physik mit solchem Erfolge, dass er schon 1765 in die Naturforschende Gesellschaft aufgenommen, bald zu ihren thätigsten und geehrtesten Mitgliedern gezählt, und ausnahmsweis frühe 1770 zum „Ordinarius" erwählt wurde. Die Anzahl, die Manigfaltigkeit und der Gehalt seiner Vorträge war ausserordentlich: Bald behandelte er Gegenstände aus der reinen Mathematik, — bald wies er meteorologische und geodätische Instrumente vor, die er sich von Brander in Augsburg verschrieben, und erläuterte ihren Gebrauch, zeigte wohl auch von ihm aufgenommene oder gezeichnete Plane und Karten, wie z. B. den von ihm für die ökonomische Kommission erhobenen Plan des Buchser-Riedes, und die von ihm für ebendieselbe „mit vielem •J;j I FfitliiiMiitl Uiidiii. Fleiss und Geschicklichkeit" vergrösserte Gyger'sche Kantonskarte, — htilil berichtete er iiltei- seine astronomisclien Beobachtungen und Berechnungen, - bald liicdt er unter grossem Beifall öfFent- liche Xorlesungen über i'hysik, zu den Versuchen, ausser dem Kabinete der Gesellschaft, noch eigene kostbare Apparate be- nutzend, — andere Male theilte er die Resultate seiner statistischen Arbeiten über die Fruchtbarkeit von 1540 bis auf die neuste Zeit, über den Flächeninhalt der Schweiz, über Bevölkerung und Sterb- lichkeit im Kanton Zürich nach den Volkszählungen in den Jahren 1467, 1(J:U. 16()1. 1700. 1762 und 1772. etc. mit. — noch ein ander Mal las er eine Geschichte der Schweizerischen Artillerie vor, in der er unter Anderm nachwies, dass die erste Spur von Pulver in der Schweiz 1383 bei Burgdorf vorkomme, — einer Ab- handlung über den merkwürdigen Wetterstrahl vom 28. Juni 1778 fügte er ein Verzeichuiss aller seit 1499 in Zürich eingeschlagenen Strahlen bei, — etc. etc., kurz er war die eigentliche Seele der Gesellschaft. Je lauter aber die Jahresberichte derselben sein Lob verkündeten, je tiefer sank der arme Mann ausserhalb dieses Kreises. Die ihm 1770 anvertraute Pfarrei beim Kreuz, für die er während den Hungerjahren 1771 und 1772 „einen guten Theil seines Vermögens" geopfert hatte, wurde ihm schon 1774 wieder abgenommen, nicht dass ihm Treue und Umsicht in seinem Berufe oder Sittlichkeit {allfällig mit Ausnahme eines Hanges zu gelehrten Diebereien) abgesprochen worden wären, sondern weil er durch seine Heftigkeit sich erst mit der Gemeinde, dann auch mit der Oberbehörde verfeindet hatte, und zugleich wurde er auf 4 Jahre zur Bekleidung eines geistlichen Amtes unfähig erklärt. Dadurch wurde seine ökonomische Lage precär, sein Gemüth verbittert, und seine Leidenschaft zum Rachedurst gesteigert, — während auf der andern Seite seine Feinde ihn ebenfalls zu verderben suchten, und z. B. im November 1779 eine Vocation nach Bern, die ihn wahrscheinlich gerettet hätte, zu hintertreiben wussten. In wiefern sich Waser durch seine Korrespondenz mit Schlözer verfehlte, — was an der ihm vorgeworfenen Entwendung des Pfandbriefes von Kyburg und dem beabsichtigten Laudesverrathe Wahres ist, der von Manchen ihm sogar zugeschriebenen Ver- giftung des Nachtmahlweines kaum zu gedenken. — in wie weit seine Verhaftung und Verurtheilung gerechtfertigt werden kann, etc. Die iiaturtbrscheiide Gesellschaft in Zürich. 225 habe ich hier nicht zu untersuchen, sondern verweise auf die Dar- stellungen von Hottinger, Urner, Escher, Schuler, etc., — That- sache ist es, dass Waser am 27. Mai 1780 auf dem Schaffet endigte, dass Prozess und Hinrichtung eine grosse Aufregung veranlassten, und dass es jetzt noch schwer hält die ganze Tragödie unbefangen zu beschreiben. Die Naturforschende Gesellschaft betrauerte Waser, und ihr Secretär, der Pfarrer Rudolf Schinz, der „Rath und Be- fehl" erhalten hatte, „gänzliches Stillschweigen in einem so delicaten Punkte" zu beobachten, sagte im Jahresbericht von 1780: „Sonder- bar ist's, dass wir von unsern 144 hiesigen Mitgliedern, die wir bei Anfang des Jahres zählten, kein einziges durch den natürlichen Tod verloren haben. Wohl aber entstand auf andere Weise traurige Lücke, die wir merklich spürten, die uns noch nicht er- setzt ist — darüber sich häufige Gedanken auf meine Lippen drängen wollten — die ich mit allem Gewalt hinterhalten und meinem Herzen in der Stille zu denken nicht erwehren konnte, weil sie gar zu natürlich und menschlich sind."" HEINRICH LAVATER. Heinrich Lavater wurde am 31. Dezember 1731 als Sohn von Ludwig Lavater, Amtmannn zu Winterthur (1690 — 1760), geboren. Er widmete sich dem Staatsdienste, wurde 1755 Land- schreibergen Wollishofen, 1756Ratssubstitut, 1759 Oberratssubstitut, 1762 Zwölfer von der Gerwe und Unterschreiber, 1768 Stadtschreiber, 1774 Landvogt zu Baden. Das Jahr 1784 brachte ihm die Ernennung zum Ratsherrn. In die naturforschende Gesellschaft war Lavater 1756 einge- treten. Am 29. Mai 1780 empfing die Gesellschaft die Mitteilung, „dass durch die höchst traurige Hinrichtung des unglücklichen Waser das Bibliothekariat ledig geworden sei". Offenbar fand sich damals in der Reihe der Membra ordinaria kein geeigneter Nach- folger, sodass die Herren Ordinarii sich genötigt sahen — gegen die Statuten — ein Membrum honorarium, nämlich Alt-Landvogt Lavater, zum Bibliothekar zu wählen und ihn gleichzeitig damit zum Ordinarius zu ernennen. Von 1789 bis 1792 bekleidete er überdies das Präsidium und Quästorat der Instrumentenkommission. Vierteljahrsschril't d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband I. lt> 226 Ferdiimnil Riulio. Mitte 171» 1 winde Lavater zum Landvogt von Grüningen gewühlt. Zur Besorgung der iÜliliothek wurden ihm daher mehrere Adjunkte beigegeben, nämlich Paul Usteri und sein Freund Könier. sowie Christoph Salomon Schinz, der das Jahr zuvor auch die Aufsicht über das Archiv übernommen hatte. Als Lavater ITitJ das liibliothekariat niederlegte, wurde der letztere zu seinem Nachfolger ernannt. Lavater starb hochbetagt, als Senior der Familie, am 15. Februar 1818. »>8) CHRISTOPH SALOMON SCHINZ. Christoph Salomon Schinz wurde am 24. Februar 1764 geboren, als Sohn von Salomon Schinz, dem er in dem Neujahrsblatt der Chorherren auf 1802 ein so pietätvolles Denkmal gesetzt hat. Nachdem er die CoUegien absolviert hatte, trat er in das kurz zuvor von seinem Vater gegründete medicinisch-cliirurgische Institut, als einer der ersten Schüler desselben, ein. Im Jahre 1784 bezog er die Universität Göttingen und setzte dort unter Blumenbach. Richter, Wrisberg u. a. seine medicinischen Studien fort. Nachdem er daselbst promoviert hatte, begann er 1787 in Zürich seine ärztliche Praxis und trat gleichzeitig auch in den Lehrkörper des medicinisch-chirurgischen Institutes ein. in welchem er die Vorträge über Botanik und Arzneimittellehre über- nahm. In demselben Jahre 1787 wurde er auch Mitglied der naturforschenden Gesellschaft, der er sechzig Jahre lang, darunter genau ein halbes Jahrhundert in den verschiedensten Stellungen aktiv, angehörte. Zunächst nahm er sich, wie vj'iv schon sahen, mit Eifer des botanischen Gartens an, den er auch seinen Zuhörern nutzbar zu machen suchte. Und als es sich 1792 darum handelte, einen neuen Bil)liothekar zu bestellen, übernahm er auch dieses Amt und verwaltete es 45 Jahre lang bis zuui Jahre 1837. „Am 17. April", heisst es im Protokoll, „legte der würdige Bibliothekar, Herr Chorherr Salomon Schinz, durch sein hochangestiegenes Alter bewogen, seine Stelle nieder. Das Comite entspricht demselben mit gerührtem Dank und erwählt zu seinem Nachfolger Herrn Oberlehrer Jakob Horner." ^'^) Doch kehren wir wieder zu der historischen Entwicklung zurück! Von 18U7 bis 1812 war Schinz als Arzt an t;;.r Spann- Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 227 weid thätig, 1812 wurde er zum Nachfolger Rahn's im Canonicate am Carolinum ernannt, was, wie wir uns erinnern, für Johann Caspar Horner eine getäuschte Hoffnung bedeutete. Nach Errichtung der Hochschule trat er in die medicinische Fakultät derselben über, welcher er aber nur ein Jahr lang angehörte. Nachdem er sich Ostern 1834 von der Lehrthätigkeit gänzlich zurückgezogen hatte, starb er am 26. August 1847. Die letzten Jahre seines Lebens waren infolge Erblindung und Taubheit eine schwere Prüfung für ihn gewesen. ^-*'). Scliinz hat sich litterarisch vorzugsweise mit Botanik beschäftigt. Ein grosses Verdienst erwarb er sich durch die Herausgabe der phytographischen Tafeln von Johannes Gessner, von denen sein Vater bereits einen kleinen Teil veröffentlicht hatte. Im Jahre 1800 erschien sein „Praktischer Commentar zu Dr. Job. Gressners phytographischen Tafeln" und in den Jahren 1795 — 1814 edierte er „J. Gessneri tabulae phytographicae". JOHANN JAKOB HORNER. Johann Jakob Horner war der Sohn des als Aesthetiker und Kunstschriftsteller bekannten gleichnamigen Inspektors des Alum- nates, des älteren Bruders des Weltumseglers „Hofrat Horner". Sein Geburtstag, der 6. Februar 1804, fiel mit dem der Stadt- bibliothek, 1629, zusammen, was sich der zukünftige Bibliothekar derselben später stets zur Ehre anrechnete. Nachdem Horner die städtischen Schulen besucht hatte, stu- dierte er Theologie, wie dies ja früher für einen jungen Mann, der nicht gerade Arzt oder Jurist werden wollte, üblich war. Weit mehr aber als zu der Theologie fühlte er sich, wohl unter dem Einflüsse des berühmten Oheims, zu Mathematik und Physik hingezogen. Er vervollkommnete seine Kenntnisse in diesen Ge- bieten durch einen Studienaufenthalt in Genf, sowie durch eine Reise, die er in Begleitung des väterlichen Freundes seines Oheims, des Baron von Zach, nach Paris auszuführen Gelegenheit hatte. Nach seiner Rückkehr half er seinem Vater, der Vorsteher der Stadtbibliothek war, in der Besorgung dieser Anstalt und über- nahm gleichzeitig die Stellvertretung des Oheims am Gymnasium. 228 Feidiiiaml Kii.liu. Als der erstere 1831 starb, wurde zwar nominell der berühmte Philologe .Johann Caspar Orelli Oberbibliothekar, die ganze Be- sorgung der Bibliothek fiel aber dem zum Unterbibliothekar er- nannten Horner zu. Bis zu seinem am 17. März 188(i erfolgten Tode widmete er, von 1841) an als Oberbibliothekar, seine Kraft der ihm lieben Bibliothek. Daneben bekleidete er noch von 1838 an dreissig Jahre lang die Lehrstelle für Mathematik am unteren Gymnasium. Nachdem er diese aufgegeben hatte, konnte er sich nun ganz der bibliothekarischen Thätigkeit hingeben. Eine Frucht derselben war der 1864 unter der Mitwirkung seines Jugend- freundes Salomon Vögel in herausgegebene neue Katalog „der gesamten Druckschriften der Stadtbibliothek, der in vier Druck- bänden insbesondere für grosse Abtheilungen der zürcherischen Litteratur ein wahres Repertorium bildet und den vollen Beifall kompetenter Beurteiler fand." Neben diesen Arbeiten fand Horner noch Zeit, Jahrzehnte lang zwei andere Bibliotheken zu verwalten, diejenige der 1834 unter seiner Mitwirkung gegründeten Museumsgesellschaft und diejenige der naturforschenden Gesellschaft. Der letzteren stand er von 1837 bis 1881 vor, der ersteren von 1834 bis 1880. Unter Horner fand auch der Umzug unserer Bibliothek von der Meise nach dem Helmhause statt. Es ist begreiflich, dass Horner bei dieser aufopfernden Thätig- keit nur wenig zu eigener litterarischer Produktion kam. Von grossem Werte aber ist immerhin seine „Geschichte der Schweiz. Neujahrsblätter ", die wir wiederholt und in ausgiebiger Weise zu benutzen Gelegenheit hatten. ^^^) JOHANN FKIEDKICH GKABEKG. Geboren am 10. Juli 1836 in Zürich. Mitglied der Gesellschaft seit 1860, Bibliothekar von 1881 bis 1892. Zeichenlehrer in Zürich. CABL OTT. Geboren am 7. August 1849 in Zürich. Mitglied der Gesellschaft seit 1874, Bibliothekar von 1881 bis 1892. Privatmann in Zürich. Die naturforschende Gesellschaft in Zürich. 229 HANS SCHINZ. Geboren am 6. Dezember 1858 in Zürich. Mitglied der Gesellschaft seit 1889, Bibliothekar seit 1892. Professor der Botanik an der Universität Zürich. Die natnrforschende Gesellschaft hat demnach während der verflossenen 150 Jahre nur 11 Bibliothekare anzustellen gehabt, von denen überdies zwei (Graberg und Ott) gleichzeitig amteten. Christoph Salomon Schinz und Johann Jakob Horner haben zusammen nicht weniger als 89 Jahre lang, d. h. fast drei Fünftel des ganzen Zeitraumes, die Bibliothek verwaltet! Beziehungen zu anderen Gesellschaften. Die ersten Gesellschaften, mit denen die physikalische Societät wissenschaftliche Beziehungen unterhielt, waren die m e d i c i n i s c h e n : die Gesellschaft zum schwarzen Garten und insbesondere die Lehrerschaft des anatomischen Institutes. Doch dürfte es kaum noch erforderlich sein, an dieser Stelle ausführlicher der mannigfaltigen Wechselbeziehungen zu gedenken, die zwischen den genannten Gesellschaften sich entwickelten, da wir zu wiederholten Malen die Gelegenheit benutzt haben, auf jene hinzuweisen. Es genüge hier, daran zu erinnern, dass Johannes G essner. Ratsherr Johann Heinrich Rahn, sein Sohn, Examinator Conrad Kahn, Hans Caspar Hirzel sen., Operator Fries, die beiden Burk- hard und so manche andere zugleich Mitglieder unserer Gesellschaft und Lehrer der anatomischen Anstalt waren, und dass die viel- seitige Thätigkeit jener Männer beiden Listituten trefflich zu statten kam. Wir haben aber auch schon erfahren, dass niclit nur persön- liche Bande, die beiden Körperschaften zu gemeinsamer Arbeit vereinigten, sondern dass auch die wissenschaftlichen Sammlungen derselben das ihrige dazu beitrugen. Die Beziehungen gestalteten sich noch inniger seit der Grün- dung des medicinisch-chirurgischen Institutes.'^-) Haben doch nicht nur die Stifter, sondern auch fast ohne Ausnahme die sämtlichen übrigen Lehrer derselben der naturforschenden Gesellschaft ange- hört und in dieser meist eine hervorragende Rolle gespielt: Salo- mon Schinz, Conrad Rahn, Chorherr Johann Heinrich Rahn, Hans Caspar Hirzel jun., die Brüder Johann Ludwig und Hans Conrad Meyer, Christoph Salomon Schinz, Paul Die natiirforschende Gesellschaft in Zürich. 231 Usteri, David Kahn, Johann Rudolf Rahn, Johann Jakob Römer, Heinrich Rudolf Schinz u. s. w. Und so dürfte es wohl schwer zu unterscheiden sein, ob das medicinisch-chirurgische Institut seine tüchtigsten Kräfte aus unserer Gesellschaft bezogen, oder umgekehrt diese ihre hervorragendsten Mitglieder in den Lehrern jener Anstalt gefunden habe. Dass der ganze propädeutische Unterricht an dem medicinischen Institute in den Händen von Mitgliedern der naturforschenden Gesellschaft lag, verstand sich von selbst: wai- dieser doch nicht zu trennen von den naturwissenschaftlichen Sammlungen derselben. Gerade die Geschichte des botanischen Gartens hat uns wiederholt hiervon berichtet. Mit der Gründung der Universität löste sich das Institut, welches 1804 verstaatlicht worden war, in der medicinischen Fakultät derselben auf. Aber wenn auch mit der Ausdehnung und der Specialisierung der Wissenschaften die Beziehungen der naturforschenden Gesellschaft zu dem ärztlichen Stande Zürichs sich im Laufe der Zeit naturgemäss modifiziert haben, so hat doch das medicinische Element niemals aufgehört, in dem wissenschaft- lichen Leben unserer Gesellschaft eine hervorragende Rolle zu spielen. Fast jede Seite unserer historischen Darstellung ist ein Beleg hierfür. Eine Beziehung ganz eigener Art bestand im letzten und auch noch im Anfange dieses Jahrhunderts zwischen der naturforschen- den und der mathematisch-militärischen Gesellschaft. Diese war am 11. März 1765 von einer Anzahl stadtzürcherischer Offiziere gegründet worden und bezweckte die Ausbildung ihrer Mitglieder auf allen Gebieten des militärischen Wissens. Sie suchte diesen Zweck zu erreichen durch theoretischen und praktischen Unterricht, durch kleinere Reisen (Rekognoscierungen) zunächst im Kanton Zürich und an dessen Grenzen, später aber auch in anderen Teilen der Schweiz, durch Pflege der Kameradschaft und gegenseitige Aufmunterung zu treuer Vaterlandsliebe. Die Gesell- schaft hatte sich den Namen „mathematisch-militärische" beigelegt, um sich von zwei bereits bestehenden militärischen Gesellschaften zu unterscheiden: dem sogenannten Pörtler-Collegium oder der militärischen Gesellschaft der Pförtner ^-^), welche sich 1713 '2',V2 Fordiiiaiiil Hmlio. gebildet liattf iiiul deren Zweck in W'affenübungen, praktischer Ausbildung für Gefechte u. s. \v. bestand, und der schon 1086 ge- gründeten Gesfllschaft der Feuerwerker und Constaffler ''^), die sich speciell das Studium der Artilleriewissenschaft zum Ziele gesetzt hatte. Bald nach der Konstituierung der mathematisch-militärischen Gesellschaft, der auch verschiedene Mitglieder der physikalischen Societät angehörten, wurde der Wunsch nach einem engeren An- schluss an die letztere geäussert. Dieser AVunsch entsprang so- wohl rein wissenschaftlichen als auch ökonomischen Interessen, in- sofern die naturforschende Gesellschaft im Besitze eines schönen Versammlungslokales, einer grossen Bibliothek und einer stattlichen Instrumentensammlung war. Im Jahre 1768 kam eine Vereinigung zu Stande auf folgender Grundlage : Jedes Mitglied der mathematisch - militärischen Gesellschaft sollte gleich nach seiner Aufnahme auch Mitglied der naturforschen- den werden. Die mathematisch -militärische Gesellschaft zahlte für jedes ihrer Mitglieder an die Kasse der naturforschenden einen Einstand von 12 Gulden und ein Jahrgeld von 8 Gulden, wofür dann die Mitglieder, wie diejenigen der naturforschenden Gesell- schaft, das Recht auf Benutzung der sämtlichen Sammlungen er- hielten. Der jeweilige Präses der mathematisch-militärischen Ge- sellschaft sollte während der Dauer seines Vorsitzes auch zu den Versammlungen der Ordinarii Zutritt haben. Ueberdies wurde das Verhältnis so aufgefasst, dass die mathematisch-militärische Gesell- schaft der physikalischen, gewissermassen als einer oberen Instanz, jährlich Bericht über ihreTliätigkeit in Form von „Jahresabschieden" ablegen sollte; dagegen behielt jene nach aussen hin ihre volle Selbständigkeit, eigene Organisation, eigenen Vorstand, eigene Kasse und Rechnungsführung. Die Gegenleistungen der physika- lischen Gesellschaft bestanden ausser in der Ueberlassung der Sammlungen auch in der des Sitzungslokales; im übrigen waren sie anfangs mehr moralischer Natur. Die Sitzungen der mathe- matisch-militärischen Gesellschaft fanden während des ganzen Jahres und zwar jeweilen Freitags statt. Während der Jahre 1768—1798 entfalteten nun die beiden Gesellschaften eine sehr eifrige gemeinsame Thätigkeit auf dem Gebiete der reinen und angewandten Mathematik, insbesondere der Die iiaturt'orschende Gesellschaft in Zürich. 233 Militärtopographie. Abwechselnd wurden mathematische und mili- tärische Vorträge gehalten, wobei sich namentlich der Ingenieur- hauptmann Conrad Römer und später Johannes Feer verdient machten. An diese Vorträge schlössen sich jährdich kleinere, mit topographischen Uebungen verbundene Reisen. Diesen gemein- schaftlichen Arbeiten ist beispielsweise die Entstehung eines jetzt auf der Stadtbibliothek aufbewahrten Basreliefs, sowie die erste Messung einer „Standlinie" zu verdanken, welche Feer mit einigen Mitgliedern 1894 — 1897 im Sihlfeld ausführte und welche eine der Grundlagen für die schweizerische Triangulation bildete. Die Vereinigung mit der mathematisch-militärischen Gesell- schaft bot den Mitgliedern der physikalischen mancherlei Anregung und veranlasste sie zur Mitteilung verschiedener, das Militärwesen betreffender Arbeiten. So sandte z. B. Lambert die Resultate seiner Versuche über den Widerstand der Luft gegen Geschosse ein; von Was er wurde eine Geschichte der schweizerischen Artil- lerie vorgelesen, Breitinger erläuterte den Gebrauch verschiedener mathematischer Messinstrumente u. s. w. Mit ihren reicheron Mitteln w^ar die physikalische Gesellschaft wiederholt in der Lage, der mathematisch-militärischen die Er- werbung teurer Apparate zu ermöglichen. Beispiele hierfür — wir erinnern nur an das Circular-Listrument — haben wir schon in einem früheren Kapitel kennen gelernt. Während dieser ganzen Zeit betrug die Mitgliederzahl der mathematisch-militärischen Gesellschaft durchschnittlich 20. Das Maximum mit 26 wurde 1796 erreicht. Die Revolution von 1798 bereitete der mathematischen Gesell- schaft, wie so vielen andern, ein Ende. Nachdem sie ihre Ver- sammlungen eingestellt hatte, nahm sie am 11. Februar 1799 von der Gesellschaft förmlich Abschied, wobei sie ihre Bibliothek sowie das oben erwähnte Relief an letztere abtrat. „Mit Rührung wurde dieser Abschied von den anwesenden Mitgliedei'u angehört und einmütig beschlossen, der mathematisch-militärischen Gesellschaft durch Znschrift für die bis anhin erzeigte Freundschaft zu danken und den damaligen Präsidenten, Bürger Alt Zunftmeister Schinz zu einem beständigen Mitglied anzunehmen und diejenigen Mit- glieder, welche in der physikalischen Gesellschaft zu bleiben ge- dächten, zu ersuchen, in eine Kommission zusammenzutreten, um 234 Fenliiiaii.l Kiidio. die der (lesellscluift übcrlusseneii Effekten unter ihre Aufsicht zu nehmen." '-') Trotz dieser Schritte hörte die niathematisch-militilrische Ge- sellschaft doch nicht ganz auf zu existieren. Sobald die Kriegs- jahre vorüber waren, schlössen sich die noch am Leben befindlichen Mitglieder, unter ihnen Staatsrat Finsler, Staatsrat Escher von der Linth und Schanzenherr Feer, zusammen, um die alte Gesell- schaft wiederum erstehen zu lassen. Der Vertrag mit der physi- kalischen Gesellschaft wurde 1816 erneuert und zwar in der Weise, dass der Einstand für neue Mitglieder auf 6 Gulden und das Jahres- geld auf -t Gulden festgesetzt wurde. Noch einmal folgten Jahre reger gemeinsamer Thätigkeit. Dann aber begannen sich die Keihen der alten Mitglieder zu lichten. Einen empfindlichen Verlust erlitten die beiden Gesell- schaften 1823 durch den Tod Escher's. Als gar die politischen Umwälzungen der dreissiger Jahre kamen, wurden die Sitzungen der mathematisch-militärischen Gesellschaft immer schwächer und schwächer besucht und schliesslich 1835 ganz eingestellt. „Durch Circularbeschluss wurde sodann im Januar 1836 die Verbindung mit der physikalischen Gesellschaft in gegenseitigem Einverständnis „der veränderten Zeitumstände halber" aufgelöst, und auf 1. April 1836 räumte die mathematisch-militärische Gesellschaft mit ihrer Bibliothek und ihren sonstigen Sammlungen das Lokal zur Meise, womit die näheren Beziehungen der beiden Gesellschaften nach 68-jährigem Bestände endgültig aufhörten." Acht Jahre später, 1844, lebte die mathematisch-militärische Gesellschaft wieder auf. Sie besteht auch lieute noch, ist aber mit der naturforschenden Gesellschaft in kein näheres Verhältnis mehr getreten. '''^) Es dürfte noch von Interesse sein, einiges über das Verhältnis der naturforschenden Gesellschaft in Zürich zu solchen anderer Kantone, insbesondere aber zu der schweizerischen natur- forschenden Gesellschaft zu erfahren. Die Zürcher naturforschende Gesellschaft ist nicht nur die älteste dieser Art in der Schweiz, sie gehört auch zu den ältesten wissenschaftlichen Privatgesellschaften überhaupt. In der Schweiz fols2:ten auf die unsriore die naturforschenden Gesellschaften von Bern Die nalurforschende Gesellschaft in Zürich. 235 (1786), Genf (179Ü), Aargau (1810), Waadt (1815), Basel (1817), St. Gallen (1819), Solothiirn (1823, neu belebt 1847), Graubünden (1824, resp. 1845), Neuenburg (1832), Schaffhausen (1847), Thur- gau (1854), Luzern (1860), Wallis (1861), Freiburg (1872), Appen- zell (1881), Glarus (1888, aus der 1881 gegründeten Gesellschaft entstanden). Da alle diese Gesellschaften heute untrennbar mit der schwei- zerischen naturforschenden Gesellschaft, wenn auch nicht als eigent- liche Sektionen derselben, verbunden sind, so dürfte es sich recht- fertigen, auf die Entstehungsgeschichte der letzteren mit wenigen Worten einzutreten. Wir finden einen kurzen Bericht über die- selbe in der Schrift „Die wichtigsten Momente aus der Geschichte der drei ersten Jahrzehnte der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft", welche aus der Feder des langjährigen Quästors derselben, unseres ehemaligen Mitgliedes J. J. Siegfried, stammt. Die Einleitung zu dieser Schrift lautet: „In der Eröffnungsrede der zweiten Versammlung (1816) gibt ihr damaliger Vorsteher, der sei. Wyttenbach, folgende Darstellung des ersten Anfanges der schweizer, naturf. Gesellschaft. „„Im Herbste 1791 versuchten einige Liebhaber der Natur- geschichte in Bern einen brüderlichen Verein mit Freunden aus andern Kantonen zu bilden und versammelten sich zu Herzogen- buchsee, wo sie den 2. und 3. October die Grundlagen zu einer helvetischen naturforschenden Gesellschaft festsetzten, die aber durch die bald darauf erfolgten Revolutionen traurig wieder ins Stocken gerieth. Unter den Stiftern derselben finden wir die uns werthen Namen unserer S tu der, Morell, Kuhn und Grüner aus Bern; eines Colladon, Pictet, Des Roches, Maurice und Puerari aus Genf ; Hartmann aus Thunstetten, Mumenthaler aus Langen- thal und He rose aus Aarau. Professor Kuhn hielt eine kern- hafte Rede von den Zwecken und Vortheilen einer solchen vater- ländischen Gesellschaft und brüderlichen Zusammenkünfte. Unser College Studer wurde zum Präsidenten, und Grüner zum Secretär erwählt. Kurz war aber, wie gesagt, der Bestand dieses neuen, edlen, gemeinnützigen Vereines. Revolutionen umwälzten alle Theile unsers Vaterlandes, und erst nach langen, schmerzvollen Jahren 2:if) FLTiliii;iii(i limlio. sdu'iikte Gott uns wieder Frieden, der uns heute unter seinem gesegneten Schutze brüderlich mit einander vereint, das zerfallene Oebäude wieder aufzurichten erlaubt."" So weit Wyttenbach. Ein zweiter Versuch zur »Stiftung eines naturwissenschaftlichen Vereines war im Jahr 1802 durch denselben, für vaterländische Bestrebungen unermüdlichen Wyttenbach nnd Dr. H. K. Schinz (aus Zürich) angeregt worden. Aber die Ausführung scheiterte an den politischen J]reignissen jenes Jahres, Erst im Jahre 1815, nach allmäliger Rückkehr des Friedens, ward der Gedanke von Wyttenbachs Freund, dem edlen H. A. Gosse, dem Vorsteher und einem der Stifter der Gesellschaft für Physik und Naturgeschichte in Genf so wie zugleich einer kleinern Ge- sellschaft von Naturforschern (societe des naturalistes), mit leben- digem Eifer wieder aufgenommen. Genf war damals seiner Un- abhängigkeit zurückgegeben und als Kanton in den Bund der Eidgenossen aufgenommen worden. In Übereinstimmung mit den beiden genannten Vereinen , erliess nun Gosse an alle ihm be- kannten Freunde der Naturwissenschaften im Vaterlande eine Ein- ladung, die folgende Zeilen enthielt: Geneve, le 15 Aoüt 1815. Monsieur, Un grand rassemblement de naturalistes Suisses est arrete pour le 17 Septembre prochain ä Geneve. J'espere, Monsieur, que vous ferez vos efforts pour vous reunir ä nous et que vous voudrez bien nous y faire part de quelques parties des nombreuses observations que vous avez faites sur, etc. Auf ein von Bern aus gestelltes Verlangen ward nacliher die erste Zusammenkunft auf den 4. October verschoben. An diesem Tage fanden sich zu den Mitgliedern der beiden Genfer Gesellschaften, — unter denen zwei aus Bern und Neuen- burg — noch mehrere Waatländer und Berner ein, sowie ein Deutscher, ein Franzose, beide in Bern niedergelassen, und ein Britte, in Lausanne lebend. Aus den entfernteren Kantonen war niemand erschienen. *^^) Der erste Abend, 5. October, ward mit fröhlicher Begrüssung, mit Anknüpfung von Bekanntschaften und Besprechung der Ein- richtung des vaterländischen Vereines zunebracht. Die iiaturfürschende Gesellschaft in Zürich. 237 Gosse lud die Gesellschaft auf den 6. October zu der ersten Eröffnung und zu einem Frühstück in seinem ländlichen Sitz bei Mornex (auf savoyischem Boden) ein. Ein heller Himmel ver- schönerte noch die freundlichen und genussreichen Stunden. Dort,, am sonnigen Abhang des kleinen Saleve, im Angesichte des blauen Seespiegels und der herrlichen Alpenkette, aus deren beschneiten Gipfeln der mächtige Montblanc vor allem den Blick fesselt, hatte Gosse auf den Trümmern einer alten Burg ein Belvedere gebaut, das von hübschen Baumgruppen und einem blumenreichen Gärtchen umringt war. Auf acht kleinen Säulen ruhte das Dach, an ihnen, auf einem aus Rasen gefügten Fussgestelle, standen, wie auf kleinen Altären, die bekränzten Brustbilder von Haller,. Bonnet, Rosseau und Saussure ; in deren Mitte, mit Lorbeer um- wunden, das von Linne. Tn diesen offenen Tempel setzten sich, rund um Linnes Brustbild, die geladenen Gäste zum fröhlichen Mahl. Am Schlüsse desselben erhob sich, von einigen Freunden aufgefordert, der ehrwürdige Gosse, das graue Haupt entblössend, mit ihm seine Freunde. Er sprach mit inniger Rührung: Sublime intelligence, qui as ete, qui es et qui seras. Cause premiere de tout ce qui existe, toi qui t'occupes sans cesse du bonheur de toutes tes creatures, daigne recevoir mes hommages et ma profonde reconnaissance pour avoir conserve jusqu'ä ce jour de felicite ma freie existence. Accorde ä cette reunion d'hommes instruits ta precieuse benediction et fais que chacun de ces savants ait dans ses travaux le succes auquel il aspire. Et toi, illustre et immortel Linne, dont l'ame sans doute plane sur cette interessante assemblee, puisse le feu de ton genie universel se repandre sur chacun de nous en particulier et qu'en pla9ant ton buste avec ceux des quatre grands hommes qui nous environnent dans ce temple que j'ai erige ä la bonne nature, nous puissions tous etre electrises par les lumieres que vous avez repandues, et que, plon- ges dans l'admiration des oeuvres inimitables de ce grand createur,, penetres de zele et de perseverance dans nos travaux, nous puis- sions les rendre utiles ä notre commune patrie ! Auf den Mittag waren die Gäste wieder nach Genf zurück- gekehrt. Am Abend ward das wichtige Geschäft der Einrichtung des Vereines begonnen und am folgenden Tage (7. Oct.) fortgesetzt. 238 FtTiliiKiiiil Hiidio. Als Zusammenkunftsort des nächsten Jahres ward Bern bezeichnet und Wyttenbacli zum Präsidenten gewählt. Ausserdem wurden, im Vorein mit den hi'iden iiaturforschenden Gesellschaften in Genf, (im ISaale der Gesellschaft der Künste, im Calabri) mehrere Vor- träge unter andern von Gosse über Alpenblöcke angehört, Ver- suche und Beobachtungen mitgetheilt, die öffentlichen und Privat- sammlungen wie die von Jurine, Boissier, Deluc, Necker be- sucht. Eine Fahrt auf dem herrlichen See schloss das gemüth- liche Fest am dritten Tage. Alle Mitglieder der beiden naturforschenden Gesellschaften in Genf, — auch die damals zufällig abwesenden, oder die im Aus- lande angestellten — , und alle wirklich anwesenden oder von Gosse eingeladenen Naturforscher aus den übrigen Kantonen wur- den als Mitglieder der Gesellschaft anerkannt, die fortan als All- gemeine schweizerische Gesellschaft für die gesammten Naturwissenschaften, Societe helvetique des sciences naturelles, alle Freunde derselben aus dem ganzen Vaterlande aufnehmen sollte. Der 6. October 1815 ward als Stiftungstag der Gesellschaft erklärt. Dies ist der kleine geräuschlose Anfang unserer Gesellschaft. Nach ihrem Beispiele haben sich andere Naturforscher- oder Ge- lehrten-Vereine in den grossen Staaten Europa's unter verschie- denen Namen gebildet; zuerst in Deutschland (1822) durch Oken ins Leben gerufen; dann in Grossbritannien und Irland (1831), in Frankreich, in Italien (1839), in Scandinavien. Hiedurch hat die schweizerische naturforschende Gesellschaft, die im eigenen Vater- lande eine ehrenvolle Stelle in der Kultui"geschichte desselben ein- nimmt, ihren wohlthätigen Einfluss auf die Wissenschaften im all- gemeinen bethätiget." Mit der Gründung und der eigentlichen Konstituierung der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft sind die Namen zweier Zürcher aufs engste verbunden. Der eine, Heinrich Rudolf Schinz, ist schon genannt worden. Es sei aber ge- stattet die etAvas allzu kurze Notiz durch die folgenden Worte von Locher- Bai her zu ergänzen. In dem früher schon er- wähnten, in dem Neujahrsblatte der naturforschenden Gesellschaft auf 18()3 enthaltenen Nekrolog auf Schinz sagt unser ehemaliger Sekretär von diesem: Die naturforschonde Gesellschaft in Zürich. 239 „Durch sein Verhältnis zur zürcherischen naturforschenden Ge- sellschaft wird man fast unwillkürlich auf dasjenige zum schwei- zerischen entsprechenden Vereine geführt. Die eigentliche Con- stituirung dieses letzteren datirt bekanntlich vom Jahr 1815. Allein unserm nie ermüdenden, emsigen und kundigen Forscher auf dem Gebiete schweizerischer Naturforschung (Prof. R. Wolf) ist es ge- lungen, die ersten Anfänge oder wenigstens Gedanken zum Anfange bis in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts hinauf zu verfolgen und den Antheil, den die Zürcher und Schinz daran hatten, zu entdecken. In den Mittheilungen der natuiforschenden Gesellschaft in Bern vom Jahr 1847, S. 86 erwähnt er einer Correspondenz von Pf. Wyttenbach in Bern, in welcher derselbe unsern Schinz auf die Wünschbarkeit einer solchen schweizerischen Gesellschaft aufmerk- sam macht, und dieser antwortet nun unter dem 3. April 1802 : „Schon lange war eine solche Gesellschaft der sehnlichste Wunsch „unserer hiesigen Freunde der Naturgeschichte, und ich bin wirk- lich daran, den Plan zu einer solchen Gesellschaft zu entwerfen, und ihn dann meinen Bekannten zur Einsicht mitzutheilen u. s. f." Am 30. Juli d. Js. schreibt Schinz wieder an Wyttenbach: „Was „den Plan zur allgemeinen naturforschenden Gesellschaft betrifft, „so haben wir Zürcher bereits etwas darüber zusammengetragen, „welches ausgearbeitet werden soll, um dann Ihnen und den Berner- „ sehen Liebhabern der Naturgeschichte zur Untersuchung vorgelegt „zu werden." Demnach zeigte sich Schinz, noch ein junger Mann von 25 Jahren, als ein Hauptbeförderer des Werks und der Aus- führung einer Idee, welche damals der Ungunst der Zeiten, der Kriegsereignisse im Vaterlande und der politischen Verhältnisse wegen nicht zu Stande kam. Ein im Jahr 1811 auf's Neue ver- fasster Entwurf, dessen Schinz in seiner Eröffnungsrede vor der schweizerischen Gesellschaft 1841 erwähnt und den er selbst dem sei. Usteri mitgetheilt habe, blieb ohne weitere Folgen. Abgehalten, dem ersten Aufrufe von Gosse zur Zusammenkunft im Oktober des Jahres 1815 in Genf Folge zu leisten, war Schinz aber doch unter der Zahl derjenigen Männer, welche, wenn schon nicht an- wesend, doch comme devant appartenir par leurs connais- sances ä cette societe unter die Stifter der Gesellschaft aufge- nommen wurden." 24() Ferdinand lUidio. Der zweite, der zu nennen ist, wenn von dem Verhältnisse Zürichs zu der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft ge- sprochen wird, ist Paul Usteri. Auch hier sind wir in der glück- lichen Lage, einen kompetenten Zeugen sprechen zu lassen. Die gehaltvolle Rede.'") welche Johann Caspar Homer am 25. April ls:U dem Andenken des verstorbenen Präsidenten unserer Gesell- schaft widmete, enthält die folgenden Worte: .Als im Jahr 1815 in dem an geistvollen Naturforschern jeder- zeit so reichen Genf ein Verein sich bildete, welcher die vereinzel- ten Bestrebungen der in verschiedenen Schweizerstädten zum Theil schon längst bestandenen, zum Theil noch zu bildenden Xatur- forschenden Gesellschaften zu Einem Ziele zusammenführen sollte, war es vor Allem aus ein dringendes Erfordernis, die Kichtung und den Umfang dieses vielversprechenden Zweckes genauer zu bestimmen, und durch wohlberechnete, passende Statuten den Schwierigkeiten zu begegnen, welche demselben von Seite der ört- lichen Entfernungen, und der ungleichen Verbreitung wissenschaft- licher Kenntnisse in unserm Vaterland entgegenstanden. Hiezu wurde im folgenden Jahre in Bern die Grundlage versucht; allein es darf keine Eifersucht erwecken, wenn war behaupten, dass das eigentliche Werk der Begründung dieser Gesellschaft erst in Zürich zu Stande kam, und dass es dazu die umfassenden wissenschaft- lichen Kenntnisse, die klare Auffassung, den ordnenden Sinn, die strenge Logik eines Usteri, und ich möchte sagen, seine Gew^ohn- heit der Gesetzgebung bedurfte, um die bis jetzt als zweckmässig bewährten Verordnungen zu entwerfen. Ueberhaupt hat er an den) guten Fortgang, der Nützlichkeit und dem Ruhm auch dieses Ver- eines wesentlichen Antheil. Gleich seinem verewigten Freunde, dem ihm und uns viel zu früh entrissenen Escher von der Linth, trug er zur Belebung und Bethätigung desselben wesentlich bey. Seine geistvollen Reden erhoben das Streben der Versammlung, und die von dem ernsten Manne mit der unwiderstehlichen Gewalt eines tiefbewegten Herzens beym fröhlichen Mahle ausgebrachten, von der reinsten Geistesgrösse belebten Trinksprüche befeuerten die Gemüther der Anwesenden zu den edelsten Entschliessungen. Es entsprang aus dem allgemeinen Gefühl seiner LTeberlegenheit in der Leitung von Geschäftssachen, dass, als man vor einigen Die natiirforschende Gesellschaft in Zürich. 241 Jahren es zweckmässig fand, mit der jährlichen Ambulanz der Präsidentschaft eine permanente Verwaltung unter dem Namen eines Generalsecretariats zu verbinden, dasselbe nach Zürich ver- legt wurde; eine Wahl, deren Richtigkeit sich durch die thätige, nichts vergessende Vorsorge des Präsidenten dieses Comite, und namentlich in der, nach frühern misslungenen Versuchen, durch ihn endlich zu Stande gebrachten Herausgabe von Denkschriften der Allgemeinen Naturforschenden Gesellschaft auf eine unzwey- deutige Weise sich bewährt hat." Die ersten zürcherischen Mitglieder der schweizerischen natur- forschenden Gesellschaft waren David Breitinger, de Clairville, Staatsrat Escher, J. Ziegler-Steiner, J. J. Römer, Chr. Sal. Schinz, H. Rud. Schinz und Paul Usteri. Diese werden daher gewöhnlich den Gründern der Gesellschaft zugezählt, zu welchen man alle bis 1816 beigetretenen zu rechnen pflegt. Auf die Thätigkeit der Mitglieder unserer Gesellschaft in der allgemeinen schweizerischen einzutreten, ist hier nicht der Ort. Es sei nur kurz erwähnt, dass jene zu allen Zeiten ein nicht un- beträchtliches Kontingent zu dieser gestellt und an den Arbeiten derselben stets nach Kräften Teil genommen hat. In diesem Jahre wird Zürich zum sechsten Male die Ehre haben, die schweizerische naturforschende Gesellschaft zu empfangen. Die folgende kleine Tabelle giebt über die Organisation dieser sechs Jahresversammlungen — es handelt sich um die 3., 13., 26., 48., 66. und 79. der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft — Aufschluss. Zeit. Präsident. Vicepräsident. Sekretäre. 3. (■).■ -8. Okt. 1817 P. Usteri. .]. C. Horner. H. R. Schinz. 13. ^20.. —22. Aug. 1827 P. Usteri. J. C Horner. il Locher-Balher Rahn-Escher. ^26. ^ -4. Aug. 1841 H. R. Schinz. A. Mousson. u. Keller. J. Horner. 48. 22. -24. Aug. 1864 0. Heer. A. Mousson. C. Cramer. ()ti. 7. — iJ. Aug. 1883 C. Cramer. A. Heim. |R. Bilhviller. Schröter. 79. Q, —5. Aug. 189(i A. Heim. F. Rudio. |A. \c. Aeppli. Bourgeois. Vierteljahrsschritt d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. .Jubelband I. 16 242 Fcrdinaiid Hiidid. Die clironologische Reihenfolge führt uns noch /u zwei weiteren Gesellschaften, mit denen die unsrige von jeher in Beziehung stand. Es sind dies die 1832 gegründete antiquarische und die 1884 ins Leben gerufene Muse ums- Gesell schaff. Mit der ersten verbindet uns zunächst eine ganze Reihe gemeinsamer wissen- schaftlicher Interessen: es sei nur das grosse Gebiet der prä- historischen Forschung erwähnt. Der Zusammengehörigkeit der beiden Gesellschaften ist denn auch wiederholt Ausdruck verliehen worden durch gemeinsame Untcrnehnuingen, wie z. B. die früher besprochenen gemeinsam veranstalteten öffentlichen Vorträge. Der Hinweis auf Ferdinand Keller, der als Präsident der antiqua- rischen Gesellschaft acht Jahre lang in der unsrigen das Sekretariat verwaltet und einen hervorragenden Anteil an dem wissenschaft- lichen Leben auch unserer Societät gehabt hat, genügt, um auch die persönlichen Beziehungen der beiden Gesellschaften hervortreten zu lassen. Die Museumsgesellschaft entstand 18o4 durch Vereinigung der „Lesegesellschaft auf der Chorherrenstube" und der „Kauf- männischen Lesegesellschaft". Die erstere war ungefähr 1808 aus der „Gesellschaft der Herrn Gelehrten auf der Chorherrenstube" hervorgegangen, welche in unserem Jahrhundert im wesentlichen die in Zürich wohnenden Geistlichen und Arzte umfasste. Mit der Aufhebung des Chorherrenstiftes im Jahre 1832 verlor diese Lesegesellschaft ihre Heimstätte, da der Staat das bisherige Chor- herrengebäude dem Gymnasium einräumte. Sie suchte daher An- schluss an die 1828 mit Unterstützung des „Kaufmännischen Direktoriums" von einigen Kaufleuten gegründete ,^ Kaufmännische Lesegesellschaft", welche ein Lokal im Hause „zum grossen Erker" auf Dorf inne hatte. Der gewünschte Anschluss wurde durch eine Übereinkunft der beiden Gesellschaften vom 7. März 1833 bewerkstelligt. Als aber mit der Eröffnung d^' Hochschule eine möglichst umfassende Leseanstalt immer mehr Bedürfnis wurde, vereinigten sich jene beiden Gesellschaften unter Zuziehung weiterer Kreise, namentlich der Aktionäre für Erstellung eines Theater- und Museum-Gebäudes, am 16. Februar 1834 zu einer neuen all- gemeinen Lesegesellschaft. Der erste Präsident der „Museumsgesellschnft" war Direktor Pestalozzi-iiirzel, ihr erster Bibliothekar, Avie Avir früher sahen. Die naturforscheude Gesellschaft in Zürich. 243 J. J. Horner. Die Gesellschaft mietete noch im gleichen Jahre das obere Stockwerk im „Rüden" und blieb dort bis sie im Früh- jahr 1868 ihr neu erbautes eigenes Haus am untern Ende der Marktgasse bezog. ^^^) Bald nach ihrer Gründung richtete die Museumsgesellschaft an die naturforscheude das Gesuch, es möchte dieselbe gegen eine Entschädigung einige der von ihr gehaltenen Zeitschriften in dem Lesezimmer der Museumsgesellschaft auflegen. Dem Gesuche wurde bereitwilligst entsprochen, um so mehr, als dadurch auch die Mitglieder der naturforschenden Gesellschaft, die ja zum grössten Teile dem Museum angehörten, in die Lage kamen, die Zeit- schriften in einem schönen geräumigen Lokale benutzen zu können. Dieses Verhältnis besteht zur Zufriedenheit beider Gesell- schaften seit dem 23. Februar 1835, also seit mehr als 61 Jahren. Anfangs wurden nur 19 Zeitschriften von der naturforschenden Gesellschaft auf dem Museum aufgelegt und zwar gegen eine Ver- gütung von 25 7o, später 30 7o des Ladenpreises. Die Anzahl der aufgelegten Zeitschriften wuchs aber von Jahr zu Jahr. Gegen- wärtig sind es deren etwa 60, wofür das Museum eine Entschädi- gung von 320 Fr. entrichtet. Um die Darstellung der Beziehungen der beiden Gesellschaften zu vervollständigen, haben wir uns endlich noch daran zu erinnern, dass in den Jahren 1840— 1868 die naturforschende bei der Museums- gesellschaft gastliche Unterkunft im „Rüden" fand. Schluss. Es ist üblich, historisclie Darstellungen, wie die vorliegende. durch einen llückblick abzuschliessen und durch einige zusammen- fassende Worte gewissermassen das Facit zu ziehen. In unserem Falle können wir uns sehr kurz fassen. Wer die Geschichte der naturforschenden Gesellschaft mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, wird erkannt haben, dass dieselbe zugleich ein gutes Stück zürcherische Kulturgeschichte ist. Bis zur Gründung der Hochschule, also während fast eines vollen Jahrhunderts, war das naturwissenschaftliche Leben in Zürich aus- schliesslich durch unsere Gesellschaft repräsentiert, die dasselbe überhaupt erst hat erwecken müssen. Das Monopol — wenn dieses Wort hier gestattet ist — war ein so ausgesprochenes, dass selbst die höheren Schulen sich auf die Gesellschaft angewiesen sahen, da diese allein im Besitze ausreichender Sammlungen und Institute war. Aber auch die Anwendungen der Naturwissen- schaften auf das praktische Leben lagen ganz in den Händen der naturforschenden Gesellschaft. Und wenn die Männer, die im letzten Jahrhundert an der Spitze der physikalischen Societät standen, sich nicht weiter bethätigt hätten, als auf dem Gebiete der Land- und Volkswirtschaft, so würde ihnen dies allein schon den Dank der Nachwelt sichern. Mit der Gründung der Hochschule, die selbst als das Produkt einer neuen Zeit erscheint, begann eine allmähliche Aenderung auf dem Arbeitsgebiete der naturforschenden Gesellschaft. Der Staat übernahm die Aufgaben, die früher der privaten Initiative zugefallen waren. So spiegelt sich auch in der Geschichte unserer Die naturforscheiide Gesellschaft in Zürich. 245 Gesellschaft die Entwicklungsgeschichte des modernen öffentlichen Lebens. „Erfreulich ist es aber zu sehen", mit diesen Worten Ferdinand Keller's wollen wir schliessen, „wenn ein solcher Verein, wo er seine Thätigkeit nach einer Seite aufgiebt, nach einer anderen sie desto kräftiger äussert." Die rastlos fortschreitende Erkenntnis der Natur wird es an Aufgaben nicht fehlen lassen. Aiimerkim^'en und Litteratur -Nachweise. '^^yS^?Jo^' '-f. p- i^ ffi m ^ ■■^ W 1 - ri CO ^ o a eS g s za n ^ < .z: -* cö iD I -S Cß O P5 cß =0 0 !3-1 Cß CZ) T-t r^ 3 p:^ 0 L^ K Oh w ^ <^ J 1.0 M O h s r-ß OT Ci5 5 Aus dem Stammbaume der Familie Rahn. .Inliaiiii lit'iiii-ioli R., (der MallicinMtikcr) Ki-ii'— l(i7(i cop. mit Elisalu'lli ll.il/.liall. i'i:: Kiii(Jei-) Hh. Coiir. li.. I'fr. zu illlenbadi llaiis Kmlull'R.. Ptam-i- zu Rickeiiliach 1664 ITti- i(W;'.l— 17-20 i'op. mit cop. mit Kath. Zuiidel 1. Anna Sinunlcr -2. Kath. Hrunner Dr. .Idli. Ileiiir. K., liatslicrr H.-^. Hoiiir. R., Fabrikant in d. Karb doli. Rudolf K.. Anhidiakon I7(J9— 1786 1694—1768 17 hJ— 1775 cop. mit cop. mit cop. mit Elisabeth Hirzcl A. Magdalena Steiner 1. Anna Kath. Hess ■2. Esther v. (»rclli Ür. Hs. Conr. R.. Examinator Harlmann R., Waaguieister Dr. Job. Hcinr. R.. Chorherr 1737—1787 17-21-1780 1749-^1812 fop. mit cop. mit cop. mit Rarhara Weiss -loiianna Victoria Klopstock Rarhara Orell Dr. David R., Archiater Johanna Maria R. Dr. Joh. Rud. R., Arzt am Waisenhaii 1769—1848 cop. 179;j mit 1776— 1S35 cop. mit Joh. Gottlieb Fichte, coj). mit Anna Escher Prof, in Jena. Reir. Mever Dr. Hans Conrad R. Heinrich R., Apotheker 1802-1881 1803-1847 cop. iint ,.,,p. mit Anna Escher Maria ZicL-ler Dr. Hans Conrad R. pn,f. Dr. Joh. Rudolf R. 18-28 1841 cop. mit ,.„p. niit Kath. Lui.se Meyer Caroline Mever v. Knonau. 1 Anmerkungen und Litteraturnachweise. M Siehe: M eyer- Ahrens, Geschichte des medicinischen Unterrichtes in Zürich von seinem ersten Anfange bis zur Gründung der Hochschule (Zürich 1860). Ferner: Die Aerzte Zürichs, Neujahrsblatt zum Besten des Waisenhauses für 1871 und 1872. Die auf die medicinischen Verhältnisse Zürichs sich bezie- henden Mitteilungen unserer Darstellung sind grösstenteils diesen beiden Arbeiten entnommen. Die zweite stammt aus der Feder von Dr. Meyer-Hof f meister (17. Oktober 1807—29. November 1881), einem Urenkel des Stadtarztes Johann Conrad Meyer (1715—1788), der ein Mitgründer unserer Gesellschaft war. Das Haus zum schwarzen Garten befindet sich auf der Stüssihofstatt (Assek.-Nr. 331, Hinterhaus; das dem Stüssidenknial direkt gegenüber befind- hche Vorderhaus heisst ,zum Müllirad"). 2) Wolf, Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz I, pag. 186. ä) Bei der Darstellung der zürcherischen Schulverhältnisse wurden benutzt: Die Geschichte der zürcherischen Kantonsschule. Zürich 1883. (Festschrift, verfasst von Th. Hug und G. Finsler.) Die Hochschule Zürich. Zürich' 1883. (Festschrift von G: v. Wyss.) Geschichte des ehemaligen Chorherrengebäudes beim Grossmunster. Neujahrs- blatt der Stadtbibhothek auf 1853 und 1854. Verfasst von Prof. Sal. Vögelin sen. (1804—1880). A. Mousson, Rede, gehalten bei der Einweihung des neuen zürcherischen Kantonsschulgebäudes, 15. August 1844. L. Usteri, Nachricht von den ijeuen Schulanstalten in Zürich. 1773. *) Die nun folgende Mitteilung über den Ursprung der Gesellschaft stammt aus dem Jahre 1776. 5) Abgedruckt im 3. Bande der „Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft in Zürich^ Zürich bei Heidegger und Comp. 1766. ") Die wichtigsten Momente aus der Geschichte der naturforschenden Gesell- schaft in Zürich^ von ihrer Gründung an bis zur Feier ihres hundertjährigen Jubiläums, Seite 8 (verfasst von Gottfried von Escher). Wir eitleren diese Schrift in Zukunft kurz mit „ Escher \ ■') Desgl. «) Da in Kreisen, die mit der Lokalgeschichte Zürichs sonst sehr gut ver- traut sind, Zweifel geäussert wurden über die Lage der ehemaligen „Limmat- burg", so bemerke ich, dass meine Angabe auf sorgfältigen Studien der in der Stadt- bibliothek aufbewahrten alten Stadtpläne und Prospekte, sowie auf Informationen bei verschiedenen Mitgliedern der Schulthess'scheii Familie beruht und daher auf absolute Zuveriässigkeit Anspruch macht. Das ehemalige Haus zur Limmat- burg stand also an der Stelle des untersten Teiles des von dem jetzigen Hotel Central eingenommenen Häuserkomple.xes und ist nicht zu identifizieren mit dem zum Teil noch vorhandenen Bollwerk (jetzt Giesserei) am Ausgang^ der Leonhardsgasse, wo sich ehemals die Niederdörfler Porte befand. Das im Texte abgedruckte Bild ist in dem grossen Prospekte enthalten, welchen Prof. Balthasar 252 K<'i(liii;iiiil Hiulid. H 11 1 1 i n ^rtT 1 17 K!-l T'.K'.i vdii ) Wolf, Bio^Mai)hien II, pag. Un — Ui± •'') Die Hochschule Zürich (siehe Note 3). Für Hoiiier wurden lienutzt: Wolf, Biograi)hicen II : (Jottfried v. Escher. Verh. d. schw'eiz. jremeinnütz. Ges. Trogen 183G. Neujalirshl. d. Waisenhau.ses auf I8i4 (verf. von Locher-Balber). *-) Neujahrshlatt der Naturforschenden Gesellschaft auf 1863 (verf. von Locher-Balber). **) Lebenserinnerungen von Prof. Dr. Albert Mousson. Zürcher Taschenbuch auf 1895 und 1896. Mousson giebt in diesen Erinnerungen an, er sei neun Jahre Privatdocent und neun Jahre E.xlraordinarius gewesen. Darin hat ihn alier sein Geilächtnis getäuscht. Er wurde, wie im Texte zu lesen ist und wie auch die Akten der Universität bestätigen, am 3. Dezember 1836 Extraordinarius (gleich- zeitig mit J. Frnbel) und 185ö Ordinarius. ^*) Der in Anführungszeichen befindliciie Teil der l)iügraj)hischen Skizze stammt aus der Feder meines verehrten Freundes und Kollegen Prof. Dr. G. Schröter. Ich benutze gerne die Gelegenheit, ihm für die vielfache Hülfe, die er mir bei meiner Arbeit, sei es durch Rat, sei es durch Mitteilungen ver- schiedener Art, hat angedeihen lassen, meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Ganz besonders fühle ich mich ihm überdies durch seine Unterstützung bei der Korrektur verpflichtet. Siehe für Heer ferner: Oswald Heer, Lebensbild eines Schweiz. Natur- forschers. Von J. Heer, C.Schröter, G. Stierlin. G.Heer. Zürich 1885 — 87. '"•') Der in Anführungszeichen befindliche Teil der Skizze ist mir von Herrn Prof. Dr. Albert Heim freundlichst zur Verfügung gestellt worden, wofür ich ihm meinen verbindlichsten Dank ausspreche. Ich bemerke überdies, dass ich bei dieser, wie auch bei einigen andern Skizzen (Mousson, Heer, F'rey, Clausius, Bolley, Culmann) die von den Herrn A. Jegher, H. Paur und mir verfasste , Festschrift zur Feier des :25jährigen Bestehens der Gesellschaft ehemaliger Studierender der eidgenössischen ]ioly- technischen Schule in Zürich" (1894) vielfach benutzt habe. Siehe für Escher ferner: Arnold Fscher von der Lintli. Von O. Heer. Zürich 1873. **) Rudolf Clausius. Rede, gehallen in der öffentlichen Sitzung der k. Ge- sellsch. d. Wissensch. am 1. Dez. 1888 von Eduard Riecke. *') Nach freundlichen Mitteilungen von Herrn Prof. W. Ritter, dem ich hierfür meinen besten Dank ausspreche. '-'^) Hirzel, Denkrede auf Johannes Gessner, i)ag. Iril. ''^) Neu Jahrsblatt der Stadtbibliothek auf 1846. Die Jahrgänge 1842 bis und mit 1848 enthalten die Geschichte der Wasserkirche und der darin be- (indlichen Stadtbibliothek. Sie wurde von Pfarrer Salomon Vögelin be- gonnen und von seinem Sohne Prof. Salomon Vögel in sen. fortgesetzt. Die naturfor.schende Gesellschaft in Zürich. • 257 «") Escher, pag. 15. (Siehe Note 6). ^'j Dasselhe wurde von Professor Sonnenschein ausgefiihrt. Siehe Note 109. *^') Für die Biograpliie Heidegger's wurde benutzt das Neujahrsl)latt des Waisenhauses auf IStil (verf. von Oberrichter J. J. Escher). ®^) Neujahrsblatt der Chorherren auf 1802 (verf. von Christoph Salomon Schinz). Dieses Neujahrsblatt ist das einzige, welches bezeichnet ist als „aus der Conventstube am Carolinum". Das beigefügte schöne Portrait ist von Heinrich Lips (geb. 1758 in Kloten, gest. 1817 in Zürich) gestochen. ^*) Neujahrsblatt des Waisenhauses auf 1888 pag. 14. ®^) Neujahrsblatt der naturforschenden Gesellschaft auf 1801 (verf. von seinem Sohne Heinrieh Rudolf, dem späteren Präsidenten unserer Gesell- schaft). Das trefflich gestochene Portrait stammt, wie das von Salomon Schinz, aus der Künstlerhand von Lips. ^^} Nach gefälligen Mitteilungen von Herrn A. v. Orelli -Brunner. ®'') Siehe die Stammtafel der Familie Rahn, pag. 250. "*) Neujahrsblatt des Waisenhauses auf 1858 (verf. von seinem Sohne, Dr. Hans Conrad Rahn). ®^) Es sei gestattet, an diese Skizze eine allgemeinere Bemerkung anzu- knüpfen. Sehr viele unserer ehemaligen Vorstandsmitglieder waren wegen der UnVollständigkeit der älteren Vereinsschriften nur mit grosser Mühe zu eruieren. Die freundliche Unterstützung, die ich dabei gelegentlich fand, ist, soweit irgend möglich, jeweilen in den Anmerkungen erwähnt. Es drängt mich aber, darüber hinaus noch meinen besonderen Dank für solche Hülfe den Herrn Bibliothekar Dr. Escher, Prof. Dr. Meyer v. Knonau und meinem verehrten Freunde Wilh. TobI er -Meyer auszusprechen. Dankend erwähne ich endlich das ge- fällige Entgegenkommen des Herrn J. Schulthess vom hiesigen Civilstandsamte. "") Aus den „Blättern für Gesundheitspflege, red. von Oscar Wyss", Jahrg. 1873. ''^) Denkschrift zur fünzigjährigen Stiftungsfeiej- der antiquarischen Ge- sellschaft in Zürich, 1882. Den ersten Teil derselben bildet der hier benutzte „Lebensabriss des Stifters der Gesellschaft Dr. Ferdinand Keller" von G. Meyer von Knonau. ^-) Wolf, Vierteljahrsschrift der naturf. Ges. Bd. 32, pag. 108. "^) Siehe für Lavater das Neujahrsblatt des Waisenhauses auf 1852 (verf. von seinem Enkel Dr. Carl Lavater). ''■') Schulthess'sche Familienschrift, siehe Note 11. "''") Nach freundlichen Mitteilungen von Herrn H. Paur-Usteri. ''') Monatliche Nachrichten, 1788. ''") Monatliche Nachrichten, 1815. '^^) Neujahrsblatt des Waisenhauses auf 1853 (verf. von seinem Sohne, Diakon Johannes Pestalozzi). "'•') J. J. Hess als Bürger und Staatsmann. Von J. A. Pupikofer. Zürich 1859, pag. 52. Siehe auch J. J. Hess in der allgemeinen deutscheu Biographie (von G. Meyer v. Knonau). ^") Von Architekt Wegmann gebaut und 1846 vollendet. ^*) Vollendet am 7. April 1853. ^-) In der gleichen Denkschrift (sie ist gewidmet den Herrn Dr. Chr. C. Müller, Regierungsrat Zehn der, Prof. Loche r-Balb er, Prof. Schönlein und Prof. Locher-Zwingli) befindet sich auch eine „kurze historische Skizze der medicinischen Fakultät der zürcherischen Hochschule seil ihrer Eröffnung Viei'teljahrsschrift d. Natui'f. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband I. 1 ' 258 Ferdinan-M Wjir. ViiTleljalirsscIirifl ili-r initiirr. GcsfUschiifl. Hd. oO. i.;i^'. tls— i-i:;. Ferner: Nt>iij;ilirsl)I;ilt iIcs Waisfiiliausos iiuf 1S88 (verf. von G. Meyer von K n DU aul. *-'-') Sielie liierülicr iiaiiientlicli die Hi()t,'ra|iliie von (ihorlierr Ralm, \r,\i:. OS. '-*) Die Gesellschaft , wurde von der He^rierun}^ mit Armatur und Munition verseilen und erhielt l'ür die Uebuniren hei schlechter Witterung einen eii^renen Schuppen hei der damaligen Kronenpforte angewiesen, weshalb sie den Namen: ^Gesellschaft der Pförtner" oder „Porten-Golle^ium" erhielt." Nachdem die Gesell- schaft von 1744 his 171)S auch Neujahrsl)lätter herausgegeben hatte, löste sie sich wegen der Revolution 1798 auf. Seit 180(5 existiert sie wieder unter dem Namen „CoUegianten". Siehe Neujahrsblatt der Stadtbibliothek auf 1857 (J. J. Hornerj. *") Sie existiert heute noch unter dem Namen , Feuerwerkergesellschaft". Friilier wurde sie auch „Artillerie-Collegium" genannt. Sie gab Neujahrsblätter heraus von 1GS9 his 1798 und hat diese Uebuiig seit ISüfJ wieder aufgenommen. '-■') Nach den Escher'schen Protokollauszügen. 126) pfjj. ,]jg kurze Skizze der Geschichte der mathematisch-militärischen Gesellschaft stand mir, ausser den Schriften unseres Ärchives, insbesondere den Escher'schen Notizen, eine sieben Folioseiten umfassende historische Darstellung zu Gebote, welche Herr Oberst Pestalozzi -Escher die grosse Freundlichkeit hatte, für den vorliegenden Zweck zu verfassen. Ich habe dieselbe an mehreren Stellen wörtlich benutzt. Herrn Oberst Pestalozzi spieche ich gerne auch bei dieser Gelegenheit meinen verbindlichsten Dank aus. ^-") Siegfried macht hierzu die folgende Anmerkung: „Auch Usteri in Zürich war am 7. Sept. von Gosse eingeladen w'orden. Auf die von jenem der Züricher naturforschenden Gesellschaft (11. Sept.) gemachte Anzeige von der beabsichtig- ten Rildung eines solchen Vereines hatte diese Gesellschaft sogleich ihre Billi- gung und Unterstützung ausgesprochen. Zwar konnte sich kein Mitglied der- selben persönlich in Genf einfinden, besonders auch der damals ziemlich müh- samen Reise wegen. Usteri selbst war durch die Zusammenkunft der medicin. Kantonalgesellschaft abgehalten worden, in welcher er den Vor.sitz zu führen hatte. Am '■20. Oktober hatte ihm Gosse Bericht über die erste Versammlung in Genf erstattet, welchen derselbe der Zürich. Gesellschaft vorlegte. (Nach Briefen.)" ^-*) Abgedruckt in dem früher (Note 4-8) erwähnten .Ehrenkranz". ^-*) Aus dem 51. Jahresberichte der Museumsgesellschaft, erstattet von dem damaligen Präsidenten W. Tobler -Meyer. Namenrea'ister. Namenregister. Die fettgedruckten Zahlen bezeichnen die Seitenzahlen der betreffenden Biographien. Abeljanz, Har. 109. Adams 177. Aeppli, A. 241. Äschlimann, Ulr. 109. Agassiz, L. 57. Albin 00. 04. 10.5. 207. Alenihert, d' 5. Alil)ert 190. Almen, A. 109. Amsler, Jak. 143. 100. 107. 109. Amstein, Herm. 109. Anderegg, F. 258. Arndt, A. 109. Arnold, Friedr. 44. 120. Asper, Gottl. 102. 109. Bachmann. Isid. 109. Baidinger 209. Baltzer, A. 109. Beck, AI. 109. Becher, E. 109. Bei-nold, L. 109. Bernoulli, Dan. 4. 5. 56. BernouUi, Jak. 4. Bernoulü, Joh. 4 00. Bernoulli II, Joh. 00. Bertschinger, Alfr. 109. Beyel, Chr. 109. Bignon 00. Billeter, Otto 109. Bilh-oth. Theod. 109. Billwillcr. Bob. 115. 102. 109. 241. Birnbaum. K. 90. Blaarer, Hs., v. (1085—1757) 11. 31. 60. 101. 102. Blaarer, Hs. Ulr. v. (1717—1793) 12. 14. 15. 23. 31. 41. 101. 101—102. 102. HO. 151. Bleuler 39. Blumenbach 79. 220. Bode 177. Bodmer, Alb. 109. Bodmer, Joh. Jak. 27. 04. 05. 07. Bodmer-Beder, Arn. 169. Boerhave 59. 00. 04. 180. Boissier 238. BoUey, Pomp. 95—96. I(i9. 250. Bollier, Begierungsrat .54. Bonnet 237. Borda 177. Bourgeois, C. 241. Brander, Mechaniker 17. 172. 173. 174. 176. 179. Braun, E. 109. Breitinger, Dav., Prof. (1737—1817) 79. 10.5. 124. 139. 144. 100. 101. 103. 175. 178. 180. 233. 241. 258. Bi-eitinger, Dav., Zeugherr 178. Breitinger, Joh. Jak. 10. 04. 07. Bremi, Chorherr 111. Bremi, J. J., Entomologe 102. 100. 109. 2(U Kciiliiiiiinl Ruilio. Hi('«|iict hJ.".. liroslaii 171. HriV>r<'n. .\. v. d. Kl'.t. liiiiii. Hiir^'i-niieislcr 1.V7. Hrmiiier i:^:!. Bruiiner, Pfarrer 2(ll. Brunner, Heinr. Kit». Brunner. Kalli. 250. Buch. Leop. v. S.j. Bühler, Ant. 1(5*». Biirkli. Hauptmann 255. Bürkli-Ziefjler. Arn. 07. OS. \C,± KiO. Bullini.'er. Baltli. 2.V2. Bnllintrer, Heinr. (löOt— ir)7ö) <). Gl. Hurkharil, .loh. Heinr. 200. 2r.O. 2.").-). Burkhard, Joh. Rud. 20. fiS. l.'.O. 153. 180. 207. 230. 255. Buxhaum 187. Cahn, Artlun- 160. Candolle. Pyr. de 57. 85. Cappeler, Mor. Ant. 152. 151-. Carl Augu.st, Herzog: 222. Carl Theodor, flhurfürst 72. Gary 177. Cavanille.'^ 203. Cavendish 6. Caylus 221. Ceporinus 8. (Ihhidni 5. Choffat, Paul ino. Clairville, de 57. 202. 2 iL Claraz, G. 100. Clausiu.s, Rud. 57. 80. 93-94. 90. 100. 250. Cloetla. A. 100. Colladon 235. CoUin 00. Corrodi, Maler 10. 30. Cotia 252. (loulon. L. 57. Gramer, Carl 98. 1 11-. 102. 100. 210. 2tl. Cranier, E. 100. C ramer, G. 100. Cramer. Joh. Jak. 110. Culniann, Carl 30. 97 98. 100. 250. Culiiiiiiiii. Paul 100. Dällikcr. K. 2.54. Däniker 03. Däniker. Heinr. 101. Davy. H. 3. 5. Dedekind, Richard 100. Deicke, J. C. 100. Delmar, Th. 100. Deluc 238. Demhey. J. 100. Denzler. H. H. 100. Denzler, Willi. 100. Desehwanden. C. v. 100. Deschwanden, J.W. v. 05. 113. l(;o. 109. Desehwanden, Melcli. v. lil. Desor, Ed. 57. Des Boches 235. Diogg 60. 255. Dirichlet 03. Dirk.'^en 93. Disteli. Marl. 100. Dolland 170. Dossios, L. 160. Dove, Heinr. Willi. 03. 100. Düggelin, R. 100. Durege, Heinr. 100. Dyhkowsky, W. 169. Ebel, Joh. Gottfr. 43. 50. 112. 253. Eberli, J. 160. Eberth. C. J. 02. 109. Eggers. H. 160. Egli, J. J. 160. Ehrenberg 38. Engel, J. H. 100. Engel, Jos. Ol. 02. Erni 169. Ernsl. Fr. 160. Ernst, Th. 169. Escher, Direktor 191. Escher, Junker, Pfarrer 174. Escher, Zunftseckelnieister 207. Escher, Anna 250. Escher, Gottfr. v. 35. 30. 85. 144. 101. 165. 173. 251. 252. 253. 256. 257. 258. 259. 260. Escher, Hs. flasj). (1720 1805) 25. Escher. Hs. (lasp.. im HnuiiUMi 253. Die naturforscheiide Gesellschaft in Zürich. 265 Escher, Hs. Heiiir., Statthalter (1713 - 1777) 12. li. 24-25. 1U4. 2^2U. ^± Escher, Herrn. 252. 257. Escher, Heinr. 225. Escher,Heinr..Statthalt.(1688-1747)24. Escher, Heinr. (1723-1771) 12. 14. 29. Escher, Heinr., im Wollenhof 39. Escher, J. J., Oherrichter 257. Escher. Joh. 29. Escher, Riul. 169. Escher, Theod. 169. Escher-Hess, Joh. Casp. 127. 128. 252. 253. Escher von Berg. Joh. Heinr. 151. 154. Escher v. d. Linth, Arn. 39. 52. 86. 89-91. 94. lÜO. 142. 144. 145. 162. 169. 195. 216. 256. Escher v. d. Linth, Joh. Conr. 25. 38. 75. 77. 89. 141. 142. 160. 193. 194. 195. 233. 240. 241. Escher-Zollikofer 39. 88. 191. 192. Eschmann, Joh. (1808-1852) 114. 174. 178. 182. Esslinger, Regierungsrat 52. Eltingshausen 1 14. Eulenburg, Alb. 169. Euler, Leonh. 4. 5. 64. 154. Exleben 178. Fäsi, Prof. 255. Fanny (Marie Sophie Schmidt) 66. Feer, Joh., Schanzenherr (1763—1823) 141. 162. 176. 177. 178. 180. 233. 234. Fellenberg 84. Fichte, Joh. Gottl. 66. 73. 250. Fiele, Ad. 92. 169. Fick. A. Eug. 169. Fiedler, Carl 39. 115-116. 169. Fiedler, Ernst 169. Fiedler, Wilh. 99. 169. Finsler, Staatsrat 234. Finsler, G. 251. Fischer, K. 255. Fliegner, Alb. 169. Förster 97. Forel, A. 162. Franel, J. 169. Franklin 5. Freitag, Joh. Conr. (gest. 1738) 127. Freitag, Job. Heinr. (gest. 1725) 127. Frerichs, Fr. Tb. 169. Fresnel 5. Frey, Hauptmann 130. Frey, Heinr. 91-93. 168. 169. 256. Fried 207. Fries, Tischmacher 38. Fries, Hs. Ulr., Operator 12. 14. 16. 28-29. 153. 230. Fritsch, K. v. 169. Fritz, Herm. (1830-1893) 162. 169. Fröbel. J. 44. 256. Fröbel, Tb. 210. Frölich, L. 169. Füssli (Orell, Gessner, Fü.s.sh &■ Cie.) 254. Füssli, Casp. 221. Füssli, Heinr. 222. Füssli, Joh. Casp. 72. 143. 190. Furrer, Regierungsrat 52. Galvani 5. Garcin 187. Gaubius 105. Gehler 80. Geiser, C. Fr. I(i9. Genge, C. 169. Gentilli, A. 169. Gerber, Nie. 169. Gessner (Orell, Gessner, Füssli &• Cie. ) 254. Gessner, Andr. 58. Gessner, Chr. (1674—1742) 58. Gessner, Chr. (1705-1741) 59. 60. 105. Gessner, Conr. 7. 9. 58. 60. 152. 154. 161. 196. 197. 198. 20l. 204. 206. Gessner, Hs. Jak., Pfarrer (1694- 1754) 15. 17. 30. Gessner, Hs. Jak.. Dr. med. (1711-1787) 12. 14. 24. 172. Gessner, Jak. 59. 60. Gessner, Joh., Chorherr (1709—1790) 9. 10. 11. 12. 14. 15. 16. 17. 23. 26. 30. 38. 43. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 58-64. 64. 66. 68. 71. 72. 75. 78. 100. 101. 105. 106. 132. 145. 266 Fenliiiiiiid Kuilio. l.'>(i. i:.l. Kil. 17-2. 17;!. |7| |7,s. 17!». IS.-). ISO. 1S7. IS'.). \[H. 195. I'.)S. -2{)l. t>()7. ;213. aiü. -218. "ll'.i. ±23. -2-21. i>3(). -2bA. 256. 258. -2h\). (ü'ssiipr. Job. Jak., Profes.s()r( 1707— 1787) IT). K;. 30. 38. Gf.^^sner, öalonion 03. -IW). -2-2^). -22\. (»essiier, Urs 58. Giesker, Jos. Coiir. Ik-im-.. rmre.ssur (1808—1858) Kj'.l. Gilbert 177. Gleditsch \m. 'iO-J. Gleim 05. 00. 07. GIulz. C. \. V. I!-_>. Gmelin 105. l'.ts. Giiehm, Roh. lO'.l. Goethe 30. i. lOl». 228. -2-2\K (^räfle, Carl Heinr. 44. 80. 85. 111-. Grälfe. Ed. 87. 102. lOl). Graf, A. 10<». Graf, J. J. 10<). s'Gravesaiiile (iO. (trie^;iiiu:er 171. Grimaldi 5. Grimm 158. Gröbli. W. 109. Grüner 235. Gubler, E. 109. Guyer. Jak. (KleiujogL;) 07. I.IO. 13t. Gyger 224. Haen, de 09. Ha}:edorii 07. Haid. J. J. 254. Haller. Alhr. v. 50. oo. (i3. Oi.. (iO. (i7. 77. 149. 1.50. ISO. 237. Haller. G. 109. Halley 171. llaiilzscli. A. 45. Haiiywitz. V. 49. Hartmann 235. llartiiianii, F. I(i9. Hasse, G. E. 109. Hau.ssmann 85. Hauy 125. Heer. G. 250. Heer, J. 250. Heer. Oswald 44. 52. NO. 87 89. 95. KM). 112. 143. lii.. li.5. 101. 102. 100. 108. 169. 207. 210. 241. 250. 259. He{.'etsch\veiler, Joh. 210. Heide^'^-. Freiherr v. s. HeidcK^rer 223. Hcide^'5j:er, Hs. Conr., Bürgermeister (1710—1778) 10. 12. 13. 14. 18. 23. 27. 28. 31. 32. 3S. 45. 49. 03. 00. 101. 102. 103—104. 123. 129. 131. 145. 150. 153. 207. 220. 222. 257. 259. Heidegger, Hs. Com-. (1718—1808) 38. 188. 222-223. 223. Heidegger »t- Cie. 251. Heim. Albert 98. 99. 100. n,!. 102. 10.3. 109. 2i-l. 250. Hehl, Fr. 109. Heliiiholtz, Herii). v. 3. 4. 5. 57. 102. Hemming, J. J. I(i9. Henle 91. 171. Heiiiiei)erg. L. 109. Hermniiii. L. 98. 99. !()((. ji:;. 109. Henjse 235. Herzog, Albin 1()9. Hess. Anna Kath. 250. Hess, Joh. Jak., Antisles 249. 251-. 258. Hess, Joh. Jak., Bürgermeister (1791 liis 1857) 39. 50. 124-125. 257. Hess. Ludw. 124. Hess. Sal. 172. 258. Hettlinger 190. Heii.7. Oic'lli, Joh. Casp. v. ll-_>. 'J-.'S. Oivlii. Joh. Heim-, v. 108. Orclli, J(»li:iniie.>< 170. Ort'lIi-HniiiiKM-, A. v. 'Jö7. ()il}j;ies ^10. Oslerdykschachl (UJ. Uswald. A. 170. Ott (zum Schwert) 7o. (»lt. Call 228. '2'2U. Ott. Ed. 170. Ott. Hs.Casp. (17iri— 17i»ü)1^2. li. 28. :;s. Ott, Hs. Jak, (1715-17(i'.») l± VA. lt. 1(3. 26-27. \±). i:j;j. V.iö. 17:]. 19!). ^U7. Oveiton, Ernst 170. Passavant, V. D. M. 1-'.». Paur-Usleri. H. iJ5-2. -27^0. 2:ü. Pellicanus 8. I'ernet, Joh. \m. l'ersooii 2(YA. Pestalozzi, Ad. Sal. (181(i— 187i>) 121. Pestalozzi, Carl, Oherst(18!25— 18!)1) 170. Pestalozzi, H. C, Oberrichter 38. Pestalozzi, Hs. Jak.. Staalsrat (17i'.) bis 1831) \\± 123—124. l;;s. 17'.). Pestalozzi, Heinr., Oberst ( 17'.J0— 18.'"j7) 141. 170. 177. 181. Pestalozzi, Joh. !257. Pestalozzi, Sah, Direktor 30. Pestalozzi-Bodmer, Herrn. 114. Pestalozzi -Escher, E. :2()0. Pestalozzi-Hirzel 51. i2i!2. Pestalutz (Pestalozzi) 3:2. 133. !207. Petzval lli. Pfcniiinjrer 177. Pfeil fcr 171. Pf ister. ]\. 17(1. Piccard, .1. I7(). Pictet, A. 112. 235. Pictet de la Hive 57. Planta Heichenau. Ad. v. 171. Pöppig 11)1. Pommer, v. 4-i. Poncelel 97. Priestley (». Pueraii 235. Puiiikol'er, J. A. 257. Haabe. Jos. Ludu. 14. M). s5. IM.. \m. 170. Rahm, J. 170. Hahn. David, Archiater. 2t. 8t. 108 l.is 110. 231. 250. Hahn, Hs. Conr.. Pfarrer (l(i(it— 17tt) 23. 250. Rahn, Hs. Conr., Examinator (1737 bis 1787) 24. 70. 105. lOÜ. 108. 152. 153. 154. 230. 250. 257. Hahn, Hs. Conr. (1802—1881) 24. 39. 110. 241. 250. Halm. Hs. Conr. (geb. 1828) 24. 170. 250. Hahn, Hs. Heinr., in d. Färb 198. 199. 250. 259. Rahn, Hs. Rud.. Pfarrer 250. Rahn, Hartmann 0(5. 73. 250. Rahn. Heinr. 25(J. Hahn. Joh. Heinr. ( l(i22— l(;7(ij 7. 23. (i8. 250. Rahn, Joh. Heinr., Ratsherr ( 1 7( )9— 178(i| 11. 12. 14. 1(). 17. 23—24. 31. 32. 38. (J8. 70. 101. 105. 108. 151. 1-52. 153. 154. 199. 207. 230. 250. Rahn. Joh. Heinr., Chorherr (17t9 bis 1812) 9. t2. 49. 68. 68—75. 7(i. 78. 79. 80. 100. 106. 118. 190. 194. 230. 250. 2.54. 255. 2(iO. Halm. Joh. Rud. Archidiak. ( 17 12— 1775) (58. 103. 250. Rahn, Joh. Rud., zum Löwenstein (1776 bis 1835) 231. 250. 255. Rahn. Joh. Rud., Prof. (i,'eb. 1841) 2-50. 2.55. Rahn, Johanna Maria 73. 250. Ramler 65. Randolph. H. 170. Redtenbacher 4i. 80. RcKel. Ell., Obergärtner 136, 170. 210. Reuleaux. Fr. 170. Richter ()9. 226. Riecke, Ed. 256. Die iiatui-tbrscheiide Gesellschaft in Züricli. 271 Ritter, Willi. 170. 25(;. Rive s. La Rive. Römer, Conr., Hauptniaiiii (IT'il- -177'.)) 175. 216. 233. Römer, H. C. 39. Römer, Joh. Jak. 7(i. 83. KiO. Kil. 1H3. 188. 202. 204-. 20.j. 209. 22(). 231. 241. Römer, M. 38. Rordorf, Rud. 3U. Rousseau, J. J. 221. 237. Royen, v. 207. Royen, David v. TiG. 20l. 207. Rudio, F. 170. 2il. Buge, E. 170. Rumford 5. Salis-Seewis, G. v. '■218. Sarauw, Ed. 170. Sauer 254. Sauppe, Herrn. 51. Saussure 237. Schär, Ed. 99. 162. 170. Scheele, C. W. 6. Scherl), Jak. Chr. 154. Scherb, Melch. 154. Scheuchzer, Casp. 32. 122. 200. Scheuchzer, Joh. (1684-1738) 10. 61. 186. 208. Scheuchzer. Joh. (1738—1815) 200. 202. 207. 208. Scheuchzer, Joh. Jak. (1672—1733) 7. 8. 10. 11. 58. 59. 61. 208. Schiiiz, Alt Zunftmeister 233. Schinz, Anna Maria 67. 219. 2i9. 2.54. Schiuz, Chr. Sal. 202. 203. 204. 214. 226. 226—227. 229. 230. 241. 249. 257. Schinz, Emil 170. 249. Schinz, Hans (geb. 1858) 170. 210. 229. 249. 258. Schinz, Hs. Casp., im Thalhof (1670-1721-) 249. Schinz, Hs. Casp. (1697 — 1766) 249. Schinz, Hs. Casp. (1797—1832) 249. Schinz, Hs. Heinr. (1705-1762) 106. 107. 249. Schinz, H.S. Heinr., Salzdir. (1725-1800) 151. 152. 153. 249. Schinz, Hs. Heinr. Statthalter (1727-1792) 65. 105. 107. 150. 153. 219-220. 249. 254. 258. 259. Schinz, Hs. Heinr. 249. Schinz, Hs. Rud. (1705-1760) 105. 106. 249. Schinz, Hs. Rud. (1728-1776) 249. vSchinz, Hs. Rud., Pfarrer (1745-1790) 81. 105. 106-108. 108. 130. 132. 160. 190. 194. 219. 225. 249. 254. 257. Schinz. Hs. Rud. (1762-1829) 249. Schinz, Heinr. Rud., Prof. (1777 — 1861) 38. 39. 42. 44. 49. 50. 52. 81—84. 100. 111. 120. 160. 161. 162. 163. 170. 188. 191. 192. 193. 194. 231. 236. 238. 239. 241. 249. 257. 259. Schinz, Sal. 63. 70. 71. 105-106. 106. 108. 151. 153. 15i-. 174. 226. 227. 230. 249. 257. Schinz-Vögeli, Hs. Rud. 39. 127. 21-9. Schläfli, Alex. 87. 170. Schlätli, Ludw. 170. Schlatter 142. Schleep 191. Schleider 203. Schlözer 221-. Schmidt, J. C. 66. Schmidt s. auch Fanny. Schmulewitsch, J. 170. Schmutz, Joh. 26. 175. Schneebeli, Heinr. 170. Schoch, Gust. 162. 170. Schönlein 44. 257. Schröder 69. 70. Schröter, Carl 99. 162. 170. 241. 256. 259. Schulthess, Pfleger 207. Schulthess, Ratsherr 194. Schulthess, Ad. Fr. 252. Schulthess, Casp., Stabshaujitmann 191. Schulthess, Casp. (1737-1801) 120. Schulthess, Fr., Buchhändler 252. Schulthess, Hans Caspar, zum Dach (1678-1731) 29. 272 Fcriliiiaml Hudio. Scliiilllifss. Ils. (:.is|.., Diifkl. ( I7()'.)-1N()1) lt>. 11. 29-30. :!S. -J.-.'J. Srliulllu..^s. Ils. Cnir. !>'.». Scliulthe.s.s. Ils. .I;ik. hi. li. K;. 24, SrliiiKliess, Jls. l'ir. iii. Srliiilllie.s.s Heim-, in HoUiiij^'un (1731 l)i.s 1783) 189. SchiiUhes.s. .1. -2'^^. Sflnillhess, .loli.iiiiics 2.V2. Scliullhess. ,I()li. Ik'iiir.. zur Liininiitbur},' (1707 -I7S;2) 15. IC. ±). :jo. 47. 130. l.">|. Scliulthess, Lfdiili., im LiiiiiriiKarlcii 3.*). 120. 1«.)3. t>Oi.. 20:). 210. SclnilllR-ss-Iiiilliii^rer, L. 2.V2. Schiller 22.'). Srlmlz 170. Schulze, E. 170. Schwalbe 170. Scliwaiz, C. H. A. 170. Sch\varzeiil)er},'. riiil. 170. Schweizer, Ed. 13(>. Kid. 170. Schweiideiier. S. 170. Seckendorf. Freiherr v. 31S. Seiffert 79. Semper, Gotifr. 18-4. Seiil-|(;72| 159. Simmler, Anna 250. Simmler, Th. 170. Sladnicki. V. 170. Smith. A. 3,s. Sonnenschein 201. 257. 2.')9. S|)i('lMiaiiii 207. Sprüngli 191. Spyri 50. Sladjcr, (ialirii'ic 170. Sliideler, G. 170. Stahl, Jos. 170. Stainton. H. T. 'ü . StandCuss. M. 170. Stannius 170. Stauilt, Chr. V. 97. Staunachcr. II. 170. Stehler, F. (i. 170. Steinhrüchel, .loh. ,Iak. 110. Steiner. A. Magd. 2.')0. Steiner. Ils. Ludw. 12. li. IC. 30. 251-. Steiiiei-. .Iak. .'")7. 93. 97. Steinlin. \V. 170. Stern, M. A. 57. Steudel 202. Stierlin, G. 250. Stiner, G. 170. Stizenberger, .T. 170. Stockar-Eseher. C. 39. 170. Stocker, G. 199. Stöhr, Emil 170. Stoerck (59. Stössel, J. 170. Stoll, Otto 170. Stollberg, Graf. v. 1-9. Streld 170. Struve. Heiur. 57. Studer, Bernh. 57. 85. 90. Studer, Sam. 57. 235. Stiissi 251. Stutz, Ulr. K;2. Sulzberger. lug. Hl. 1 i-2. Sulzer 49. 15 i. Sulzer, Joh. Georg 27. 56. 61. 63. 65. 66. 154. 175. Suter, H. 170. Swieten, v. 69. Swift 27. Tavel. F. v. 170. Thuiiin 203. Tobler, Ad. 45. 115. 170. Tobler-Meyer. Wilh. 252. 257. 260. Toggenburg. .7. C. 112. Treadwell, F. W 170. Tresca 87. Die iiaturfiirsclieiide Gesellschaft in Zürich. 273 Triholet, M. «le 170. Triesnecker 177. Trümpler-Ott, C. 250. Tscheineu 170. Tschudi, A. J. V. 57. Tuchschmid, C. 170. Tyndall, John 57. 170. Ulrich, A. 170. Ulrich, Melchior 10^2. 170. Urner 225. Usteri, Heinr. 121. Usleri, Joh. Hart. (1078—17.56) 20. Usteri, Joh. Mari.. Ratsherr ( 17?.S-1790) 133. 199. 220. Usteri, Joh.Mart, derDichter( 1763-1827) 26. 163. 220. Usteri, Leonh. 10. 75. 78. 130. 151. 152. 154. 208. 220-222. 251. 259. Usteri, Paul (1709-1757) 12. 14. 26. 220. Usteri, Paul, Bürgermeister (1768-1831) 26. 42. 49. 72. 75-78. 100. 109. 112. 120. 121. 124. 188. 202. 203. 204. 209. 226. 231. 239. 240. 241. 255. 256. 259. 260. Usteri-Usteri, Joh. Jak. 121. 142. Valentiner, W. 170. Venetz 170. Vetter, Theod. 252. Vögeli 130. Vögeli, Baumeister 202. Vögeh-Schweizer, Fr. 39. 170. Vögelin, Sal., Kirchenrat (1774—1849) 252. 254. 255. 256. Vögelin, Sal. Prof. sen. (1804-1880) 157. 228. 251. 252. 255. 256. Vogel 68. Volger, G. H. Otto 170. Volta, Aless. 5. 50. 56. 179. Wächter, H. 170. V^ariha, V. 170. Waser, Joh. Heinr., Chirurg 190. 201. Waser, Joh. Heinr., Diakon (1713-1777) 12. 14. 27. Waser, Joh. Heinr., Pfarrer am Kreuz (1742-1780) 27. 138. 175. 176. 222. 223-225. 225. 233. Weher Ad. 170. Weher Heinr. (geb. 1842) 170. Weher Heinr. Frie.lr. 98. 99. 100. 170. Weber, Math. 254. Weber Roh. 170. Wegehn, Joh. Georg 58. Wegmann 257. Wehrli, L. 170. Weilenmann, Aug.114. 143. 162. 170. 171. Weiler, Ad. 170. Weiss. Barb. 250. Weith, Wilh. 170. Welti. Ingenieur 140. Wendtland 202. Werdmüller, Amtmann 198. Werdmüller, Felix 12. 14. 28. Werdmüller, Otto Rud. 126. Werdmüller-Öri, Hs. Casp. 252. Werndli, Wundarzt 190. 201. Werner, Alfr. 116. 170. Wettstein, H. 170. Widmer, C. 193. Wied, Prinz v. 191. Wieland 67. 101. Wietlisbach, V. 170. Wild, Heinr. 87. 170. Wild, Joh. 170. 174. Willdenow 202. Winkelmann 221. Winogradsky, S. 170. Wirz, Andr. (1703—1792) 152. 154. 172. 175. 179. Wirz, J. Jak. (gest. 1764) 16. 30. 152. 154. Wiser-Vögeli, David 39. 170. WisHcenus. Joh. 96. 96. 170. Wittmann 202. Wittner, v. 218. Wolf, Rudolf (1816—1893) 35. 39. 161. 162. 168. 170. 171. 173. 176. 219. 223. 239. 251. 252. 253. 254. 256. 257. 258. 259. 260. Wolfer, Alfr. 170. Wright 177. Wrisberg 68. 226. Wyss, Georg v. 81. 170. 251. Wyss, Georg Heinr. v. 170. Vierteljahrsschi-ift ü. Naturf. Ges. Zürich. Jalirg. XLI. .Jubelband I. 18 274 Ferdinaiul Rudio. Wyss, Oscar 257. 258. Wyttenhacli, Samuel (I7i.S— 18.10) 2.15. 2.3(). 2:i8. 23!». Yitiiii},' 2|{». Yimii^r, Thomas 5. Zach, V. 7!». 17(i. 177. 227. Zchmler. liegierungsral 52. 257. Zeller, Job., im Bierhaus :V.). ISl. Zell\vej,'er, Laur. (15. (i(i. 1.5(1. 151. 153. Zi'uiier, Gusl. 53. 95. 170. Zio^'Ier, Re}n„ 0 {(m)) + 2 (»ii i\ + m^ V2 H h nip v,^, O ((m)) = 2'2"a,,,v w^, lUy («, v = 1,2,.. jj), w ^ y UV WO die Summationen nach ?»i, »i,, . . m^ über alle ganzen Zahlen yoii — CO bis + 00 zu erstrecken sind, substituiert Riemann für die p-Argumente v,, Vo, . . Vp seine Normalintegrale I. G. und für die Y p (p + 1) Moduln f^. =a.,„ ihre Periodicitätsmoduln an den Querschnitten b^, b., . . b^. Von diesen beweist er den Satz: Sind X,, x,, . . Xp reelle Variabein und ist, durch Trennung des Reellen vom Imaginären: ^ {{x)) = - 9 {{x)) + l V (ix)\ so wird die quadratische Form cp ((«)) nur in dem Falle = 0, wo die p Variabein x^, x.,, . . x^ alle zugleich verschwinden. In allen übrigen Fällen ist sie von Null verschieden und positiv. Vierteljahrsschrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband II. 1 \ ?]lwin Bruno Christoff'el. Diese Voraussetzung über die Moduln a^^ oder die quadratische Form q> werden wir beibehalten. Dann ist die Convergenz der Jacobischen Reihe eine so augenfällige, dass aus einem Beweise derselben, wenn er allen berechtigten Anforderungen genügen soll, hauptsächlich hervorgehen muss, aus welchem Grunde die Conver- genz sich sozusagen von selbst versteht. — Werden die (reellen) Variabein o,',, x.,, . . x^, zunächst so be- schränkt, dass die .Summe ihrer Quadrate: Ex'^—l bleibt, so können sie nicht alle = 0 werden, also kann

a gibt für Z x- ^= 1, und dieser niedrigste Wert a von (p ist eine von Null verschiedene, positive Zahl, auf deren genauen Wert es hier nicht ankommt. yind sodann x^, x.,, . . x^, irgend welche reelle Werte, und bezeichnet man die Summe ihrer Quadrate durch ?-^ so ist: Z i^\ = 1, also folgt auch ip [yr)) > «» d. i. r/) {{x)) > ar'^. Jeder reellen quadratischen Form (p ((«)) mit p reellen Variabel n x^, x^, . . Xp, welche die im obigen Satze ausge- sprochenen Eigenschaften besitzt, ist eine von Null ver- schiedene, positive Zahl a in der Weise geordnet, dass für jedes System reeller Argumente Xi , a;^ , . .Xp fP ((•»)) > a («1 -4- xl- h Xj,) ist, was sich, beiläufig bemerkt, auch umkehren lässt. Die Anwendung auf obige Convergenzfrage ist sehr einfach. Setzt man noch Vf, = t^, + i »;„ für p = 1,2, .. j), so wird: '"1 »'2 "'^ die zugehörige Modulreihe ist: 7)1 1 Wo III und : Mod ^ < 0. Aber nun ist q^ ((?«))> a 2. »<', — rp ((w)) < — a 2J m^, das gibt: 0 --- X' \' V " ('"I + »'? H H »»;) + 2 (m, :, + vi, :, H \- mp Cp), Die Convergenz der Jacobi'schen ,9-Reihe mit den Moduln Riemanns. 5 und wenn die Summe der convergenten Reihe: m = — 00 gesetzt wird, 0■' Mod d^0 und 3) t-r-E{t) < a, d. h. 4) t a. Posons ^1 -j-^aH +.4„ = Z?„, d'oü A„ = B„-B^_,, A^ =5,. Je dis que la serie (2) y B fJ L_^ est absolument convergente lorsque R (s) > a. En effet, soit s = x-{-iy, x et ?/ etant reels, «> 0 et designons par ?•„ le module de On a: d'oü ,.3 _ rj_ _ 1 -1^ . , ^in^[|iog(i+i)] Le module du terme general de la se'rie (2) est done inferieur ä x+\y\ cette serie converge des lors absolument pour x > a. Mais si Ton appelle s„ et S„ les sommes des n premiers termes dans les series (1) et (2) on a , =S ^^ et comme lim (^^^^)"^,y = 0, x etant > a, il en resulte lim .s„ = lim 6'„, ce qui etablit le theoreme. Sur la fonction ,^ (0 de Riemann et son application ä l'arithmetique. 9 Theoreme II. Si la serie ?!= 00 Ar, n = 1 coiiverge pour s = a + iß, oü a et ß sont reels et « > 0, eile converge encore pour toutes les valeurs de s telles que R{s)>a ; en outre le module de ^, + • • • + An n^ reste, quelque soit », inferieur ä uii nombre fixe. En effet, posons: A H ^ H h —4^ = Sn, d'oü ^„ = ('5„->S„-i)^^« + ^A ^, = '^\' on aura: A,-^A,-\ h^„=5i(l-2« + ^-0-f-'^3(2«^''^-3« + ^'^) + --- Le module de aS'„ est, pour toute valeur de n, inferieur a un nombre fixe c, celui de (,._l)« + '-/^_r« + ^'/^ est a. Des resultats qui precedent on tire facilement les conclusions suivantes : 10 J^röme Franel. Une Serie de la forme Z ^;- converge uniformement dans toute region «nie de son domaine de convergence; eile represente, dans ce domaine, une branche uniforme de fonction analytique/(s)i reguliere ä distancc finie. Si ^. + ----l-^n Bn . ^,, V- =^«^ «^Ö augmente indefiniment avec n mais de maniere que f" tende vers 0 avec -- , e etant une quantite positive aussi petite qu'on le veut, la serie E—^ converge pour U{H)>ct. Reciproquement si la Serie 2:— ;' converge pour Ä(s)>«>0 ^7^ tend vers 0 avec ^, pour toute valour positive de £ si petite qu'elle soit. La Serie Z-^log^— ) a meme domaine de convergence que la serie Z ^==fU)- eile a pour somme la derivee / {s). La serie — _^' -_^, converge egalement dans la meme region et a pour somme IL Faisons, avec Riemann, oii le produit s'e'tend ä tous les nombres premiers, puis ^•W = .-^r(|).-^rW=/-(i-.). Ell posant s = ^ + it, F(s) = 'i{t), on a: (1) Sur la fonction ^"(0 de Riemann et son appHcation ä rarithmetique. U ^^(0 = T - (*' + t) / V'(^)«^ "'^'- cos (lloga^) fZa^ 1 « = 00 „ oü i/' (cc) = ^ e Les racines de l'equation F(s) = 0 ont leur partie reelle comprise entre 0 et 1. Soit K le nombre de ces racines dont la partie imaginaire est comprise entre 0 et i h, h etant une quantite positive donnee. Pour evaluer ce nombre considerons dans le plan de la variable s = x-{-ii/ un contour MABH forme du segment MA de l'axe des x dont les extremites ont pour abscisses y et «>1, d'une courbe AB situee en entier dans la region du plan definie par l'inegalite a? > l et d'une parallele ä laxe des x, B H dont l'ordonnee = li et dont le point terminal H a pour abscisse y Si l'on part du point M avec une certaine determination de log F (-^) puis qu'on decrive le contour ainsi defini et ensuite le contour symetrique par rapport ä la droite x = -^^ la difference des valeurs obtenues en H pour \ogF{s) sera egale ä 2 7ciN. Dans la partie du plan definie par l'inegalite x>l l'une quel- conque des determinations de logi^(6) est une fonction uniforme de s. De l'equation jP(6) = i'^Cl - s) et de ce qii'ä des valeurs ima- ginaires conjuguees de la variable correspondent aussi des valeurs imaginaires conjuguees de F{s) resulte que l^tN est egal ä deux fois l'argument de F{s) au point B plus deux fois l'accroissement eprouve par cet argument lorsqu'on passe de B en H suivant la ligne droite B H, si l'on convient de choisir l'argument de F{s) au point .-i egal a 0. L'abscisse du point B surpasse l'unite d'aussi peu qu'on le veut. On peut demontrer que l'accroissement eprouve par l'argument de i^(6) lorsqu'on decrit le segment rectiligne 5 ii' reste, quelque soit li, inferieur ä une grandeur fixe. De la formule log u (.) = - 2;iog (i-^.) =^ 2;l-f-|2:^+. • . 12 Jeröme Franel. resulte d'ailleurs que Targuinent de ^(s) au point B est, pour toute valeur de //, inferieur ä une quantite fixe assignable. Si donc on negligo des quantites qui restent finies quelque soit h, on aura siniplement: 2 7r A' = 2 argument de I rr ^ /-(^u ^u point// c'est-a-dire : ^(t + 't) 2 7t X — — h log 71 -\- log (!-•!)• En appliquant la formule de Stirling on obtient finalement le resultat siiivant: oü \(p{h)\ reste, quelque soit h, inferieur ä une grandeur fixe assignable. Nous admettrons, ce qui est infiniment probable, mais ce qui n'a pu etre etabli jusqu'ä present, que toutes les racines de l'e'quation $(t) = 0 sont reelles ('). De l'expression trouvee pour N resulte que la fonction |(f), considere'e comnie fonction de t', est du genre 0. Designons par a l'une quelconque des racines positives de lequation B(t) = 0. La serie convergeant pour toute valeur de m superieure ä l'unite on aura .- (3) ^(O = i(0)6««^)/7(l-^), oii G(t^) est une fonction entiere (rationnelle ou transcendante) (jui s'annule avec (. Cherchons une limite supe'rieure du module de i'(f) en partant de l'equation (') M. Gram s'occupe actuellement du calciil numerique de Celles de ces racines qui ne depassent pas une certaine limite. Voir sa note sur le calcul de la fonction t(.s), Bulletin de l'Academie roj'ale de Danemark, 1895. Sur la fonction 1(0 de Riemann et son application ä l'arithmetique. 13 00 |(f) = 1 — («2 + I) j V (*) ^~ '' cos (y log x) d X, 011 a tout d'abord, pour les valeurs de a;>l xl^{x) q et que nous appellerons a" . On a: t\ r 2tdt _ r 2ze''vd^ log ( 1 — f^l == J F^=7^ ^ J ^' e'ii' - er' 0 0 (p designant l'argument de t, d'oli: .og(l-41)l<.fe = log(^) ^ n (') Hadamard, Etüde sur les proprietes des fonctions entieres etc. Journa de C. Jordan t. X 1893, p. 211. 14 J^röme Franel. et, par-consequent, log 1 rr^]\ <--^,. 11 en resulte: On trouve facilement, au moyen de la formule (2), que la ne 2. -TT- est de I ordre de — ^^. D'autre part de l'equation 0 on tire: !iog(i-^)'< / ^"" ^^{]- ."" u puis: log 1 — ^ < ö log = .: . . ^ < log >, : „ de Sorte que: 2:\]og(l-~)\<2Q yjl^K'\og(-Ar-) I '=' \ « ^ / ! ^ (c ° \sin- ff / X' designant le nombre des racines a. Le seeond membre de cette derniere inegalite croissant avec q comme q log q, on en conclut que le module de f(t) est de I'ordre de e-'"ei?. Par con- sequent le module de la fonction e^<'"' croit avec q moins rapide- nient que e- , A etant un exposant qui surpasse l'unite d'aussi peu qu'on le vent. La fonction G(t^) est donc identiquement nulle et la formule {'■'>) sc reduit ä: (4) B(t) = s(o)n{i-^). La fonction '^(t), conside'ree comme fonction de t', est donc bien du genrc 0. On sait, que M. Hadamard a demontre cette importante pro- position comme cas particulier d'un the'oreme general sur les tone- Sur la fonction 1(0 de Riemann et son application ä larithmetique. 15 tions entieres(0. En s'appuyant sur le resultat de M. Hadamard, M. de Mangoldt(2) a etabli ensuite la formule (2) relative au nombre N des racines comprises entre 0 et h. Nous avons simplement clierche ä developper la pensee de Riemann. Par des considerations toutes semblables on verra que le module de ^^ reste inferieur ä A\og-\s\. A etant une constante convenablement choisie, si Ton exclut du plan de la variable s les environs du point s = \, la partie negative de Taxe des quantites reelles et la droite R (s) = ^ . IIL De l'equation 'C(s)-=n- ^, ontire: oii J„ est nul quand n est divisible par plusieurs nombres preniiers differents et egal ä log p quand n est divisible par le seul nombre premier p. Multiplions les deux membres de l'equation (1) par ^^. If j- 011 h est une quantite positive que, pour simplifier, nous suppose- rons differente d'un nombre entier puis integrons le long d'une parallele ä l'axe des y, x = a («>!) entre les limites y^ — R et y = R. La serie dans le second membre convergeant uniforme- ment dans la region que definit l'inegalite x>l, on pourra inte- grer terme a terme, de sorte que: (>) Hadamard, Etüde sur les proprietes des fonctions entieres etc., memoire couronne par l'Academie des Sciences de Paris, Journal de Math, pures et appliquees t. X, 1893. (•-) Mango] dt (H. von). Zu Riemanns Abhandlung ,Ueber die Anzahl der Primzahlen unter einer gegebenen Grösse" Journal de Grelle t. 114. 16 Jeröme Franel. (2) -2-^J « + i li 1 /• -' / .\ .; .-. 1 n = TO C{s)j.(ls 1 o + J'/? a-m f(5) Ä*— = A v*(^/s — _JL_ N" 1 I (fi \''(is Or il est aise de voir(') que et Im j s (i + i li a-ili 1 2/// ^ \An\ ^ 3/<« ^log» I ^ OU" s-i < n' etant egal a E{]i) = [h] et 7/' ä ?t' + l. En remarquant que la somme ^ A^, n'est autre chose que la fonction de M. Tschebischeff: que nous de'signerons par »/» (/<), il viendra : a + j 7v' (3) ou -9^ ( ^; /*■'—-«/' I/o 2»r* J t(.s) s ^ ^ / 1 /' C {s) , , (^ S (i — i R r \ < c R c etant une constante convenablement choisie, independante de // et de A'. (■) "Voir le memoire cite plus haut de M. de Mangoldt. Sur la fonction i{t) de Riemann et son application ä l'arithmetiqiie. 1 7 On peilt evaluer riiitegrale: a + iR a—iR d'une autre maniere, en integrant le long du rectaiigle forme par les quatre droites x = a, y = R, x = h, y = — li, h etant une quantite negative, aussi grande qu'on le veut en valeiir absolue, et en retranchant du re'sultat les integrales relatives aux trois derniers cötes et que nous designerons respeetivement par /, , I^ et I^. En vertu de la remarque faite ä la fin du paragraphe II on aura: a l j. , A r log2 \s\.JFdx . . . „^ I ^1 I < 27^ j !7| ' G^ = ^ + ^ ^) Soit £ une quantite positive quelconque inferieure ä Tunite "^ i''^ etant constamment < -^r^, , il en resultera : e.log/i' b inegalite qui subsiste evidemment pour l'integrale 73. Seniblablement: + R I ^2 I < iv J ^°§" 1 ^ I M ' (^ = ^^ + ^v) ou encore: (5) |7l ^, les termes etant ranges par ordre des nombres n croissants. Sous cette derniere condition la serie 2 »■« log 1' converge dans le meme domaine, de sorte que = E(l ii=E(h] 71 n = 2 " est de l'ordre de /i^ ^^ oü £ est positif mais aussi petit qu'on le veut. Mais cette derniere somme n'est autre chose que n=E (h) -. F(K) designant le nombre des nombres premiers inferieurs ä h. On peut donc faire: (10) i-« = /Ti^ + ''^''-^'U'0, 2 £ etant une quantite positive mais aussi petite qu'on le veut et i\ (h) tendant vers 0 quand //, augmente indefiniment. La demonstration complete de ce theoreme fondamental est ainsi ramenee a cette autre proposition: toutes les racines de l'equation ^(0 = (^ sont reelles. Connaissant l'expression asymptotique de F (Ji) on pourra calculer avec une approximation correspondante la somme ^(p{p), etendue ä tous les nombres premiers < h, ff (x) etant une fonction donnee de la variable x. Zur Theorie der Scharen bilinearer Formen. Von (wporg Frobenius in Berlin. (Auszug aus einem Briefe an K. Weierstrass.) Zürich, November 1881. Bei unserer letzten Unterredung in Berlin haben Sie mich auf ein merkwürdiges Resultat aufmerksam gemacht, welches Sie in der Theorie einer speciellen Art von bilinearen Formen erhalten hatten. Ihrer Aufforderung entsprechend habe ich dasselbe mittelst der Methode hergeleitet, die ich in meiner Arbeit Ueber lineare Substitutionen und bilineare Formen (Grelle"« Journal Bd. 84) dargelegt habe, und die im wesentlichen mit der identisch ist, welche Sie in den Berliner Monatsberichten vom Jahre 1858 ent- wickelt haben. Erlauben Sie mir, mich bei der Darstellung der Kürze halber der symbolischen Bezeichnung füi- die Zusammen- setzung von bilinearen Formen zu bedienen, die ich in jener Ar- beit angewendet habe. Die folgende Deduktion ist dann ganz analog der daselbst Seite 51 — 5:^ über die orthogonalen Formen durchgeführten. Seien : P = -Py.). ^'y. !// . Q = 'Ay.l ^y V). y. K y, /. zwei bilineare Formen von n Variabeinpaaren .Tj, ?/,,... a?,„ y„, seien p^) und p^y konjugiert komplexe Grössen und ebenso q^j und q)y. Sei die Determinante n-iew Grades \Py,}.\ von Null vei'schieden, dagegen q^.) nebst einer gewissen Anzahl von Unterdeterminanten Null. Wenn x; und //; konjugiert komplexe Werte haben, sei die Form (^ niemals negativ. Aus den bekannten Sätzen der Differential- rechnung über Maxima und Minima folgt daraus, worauf Sie mich noch aufmerksam machten, dass Q nur für solche AVerte von j\,...x„ verschwinden kann, für welche die Ableitungen von Q Zur Theorie der Scharen bilinearer Formen. 21 nach iji, . ■ ■ l/,, sämtlich Null sind. Sei nun: (1) (Q — r Pr^ = A r- « + £ r- " + 1 + • • • . und zwar sei die bilineare Form : A = Ißyj ^y Vi nicht identisch Null. Dann sind auch a.^i und ({^y konjugiert komplexe Grössen, und ebenso h^j und &;^, falls: y.J. ist. Ihr Resultat ') besteht nun darin, dass nicht a > 2 sein kann. Um dies zu beweisen, nehme ich an, dass a > 1 ist, und zeige, dass dann notwendig « = 2 sein muss. Setzt man beide Seiten der Gleichung (1) mit Q — r P zu- sammen, so erhält man: (2) ^-(Ar-« + J5r-«+i+...) [Q -^ r P), und daraus durch Vergleichung der Koefficienten von r- « und f-«+i. weil «>1 ist: (3) AQ = Q und: (4) AP=BQ. Daher kann B Q nicht identisch verschwinden. Denn sonst wäre AP=0, und weil die Determinante von P von Null ver- schieden ist, A = 0. Mithin kann auch die Form B Q B nicht Null sein. Denn der Koefficient von a,, ?/,, in BQB ist: y.,L Dies ist der Wert der Form Q für: '^y. = ^>ry. ' Vy. = ^y.v (/. = 1, 2, . . . ll), also für konjugiert komplexe Werte von x^ und y^. Wäre also dieser Ausdruck Null, so müssten auch die u Ausdrücke: ^l>vy (JJ^) , 1 oder (2^'^] , (3;;^'] , (^6 2j ^ ^ i,^ ^5,^^^. Ebene enthalten sind; dies ist nicht anders möglich, als wenn ('^'^ ^| identisch mit a^, (7 -3) identisch mit a-^ ist, d. h. wenn alle sechs Punkte U 6 4; ' U 2 h) ' \1 3 6/ ' U 4 2J ' U 5 3/ ' in einer und derselben Ebene E liegen und dort einem Kegel- schnitte angehören. Die Ebene E soll künftig mit I bezeichnet werden und die ihr entsprechenden von 2, 3, 4, 5, 6 ausgehenden analog mit II, III, IV, V, VI. Damit ergibt sich die nachfolgende Tabelle: In der Ebene liegen die Punkte: I II III IV V VI /5 2 3\ /6 3 4\ /2 4 5\ ßhß\ lAQ2\ U()4J \12 5J \\?>QI \\A2} U5 3J /14 5\ /G5 3\ /4 3l\ /S 1 G\ /3G4\ V2ü3; \2 4lj \,2 5G/ l2 3 4 j 12 15^ /'2 6 4\ /'54A /'6 12\ /'4 2 5\ A 5 6\ yiolj V3 6 2J V>Ah) V3 1GJ V3 2 4J /3 2 5\ /6öl\ /2 13\ /5 3 6\ A 6 2\ \\6\J Vi 2 3/ V4 5 6; \4 12; 14 3 5/ /4 3G\ /2GA /3 14\ /G 4 2\ /l 2 3\ V5 2l/ 15 3 4/ \5G2/ V5 1 3/ Is 4 G j /5 4 2\ /3 2l\ /4 15\ (2hZ\ A 3 4\ VC 3 1/ \,6 4 5/ lG2 3J Ig 14;/ V6 5 2 j Das räumliche Sechseck und die Kunimer'sche Flächt 31 V. Indem man die Ebenen I II III IV V VI als ein voll- ständiges Sechsflach im Räume zusammenfasst, kann man auf dasselbe die bis jetzt für das vollständige Sechseck 12 3456 gegebenen Entwicklungen nach dem Prinzip der Dualität übertragen. Man wird also namentlich aus den zwanzig Ecken des Sechsflachs zwölf verschiedene Dekagone bilden. Als Beispiel diene das Dekagon, welches in der Bezeichnung dem- jenigen Dekaeder entspricht, das dem früher zur Veranschaulichung der Beweise benutzten gegenüberliegt. Seine Ecken sind : (I II IV) (I IV VI) (I VI III) (I III V) (I V II) (III II IV) (V IV VI) (II VI III) (IV III V) (VI V II). Von den hundert und zwanzig Nebenflächen des Sechsflachs gehören je zehn zu einem Dekagon; dem eben hingeschriebenen entsprechen die nachfolgenden: / I iiiv\ (i IV vi\ / 1 VI IIA / I III V W I V ii\ (in II iv\ \iii VI V / \v III II ) \ii V iv/ UV II VI/ \Yi IV inj Vi v vij (\ IV VA Al VI IlA Av III Y\ /VI V lA VI II inj Vi IV v; Vi vi iij vi iinv/ Diese zehn Nebenflächen bilden mit den sechs Flächen des vollständigen Sechsflachs eine Gruppe von sechszehn Ebenen, von denen sechszehn mal sechs je durch einen Punkt hindurchgehen und dort sechs Tangentialebenen eines Kegels zweiter Klasse bilden. Von den sechszehn so entstehenden Kegelmittelpunkten sind zehn die Ecken des Dekagons, die sechs andern, welche Pj, P^, Pg, P4, P5, Pq heissen mögen, ergeben sich aus der nachfolgenden Tabelle : Im Punkte schneiden sich die Ebenen P. P... All II iv\ V I V VI j A VI iiA Vii V iv/ / II I V \ Viii VI IV j /in VI A Viv V 11/ / IV I II \ \v III vi; V III i \ VI II IV 1 (Y IV vA V I II III / (Y III IV\ V II VI I ) /VI V IY\ Vi II 111/ / V I 11 \ Viv VI 111/ /III II vi\ \ V I IV / /ii VI IIA V I IV V j /VI IV ]\ Vii III YJ / I IV TI \ Vni V VI/ / VI 11 III \ l IV I V / (l VI iv\ \v II 111/ ^III IV V VI I II AV III Y\ V I VI II / / III I V \ Vii IV vu III JI IV 'V II VA JII IV L (Y II vA / Vm IV u l /VI V II \ T Vi III IV / -^ Av V vA V II I III ; I V/iD (II V VlWy \IV III I/^^ (VI III A \v IV 11/ V / V III I \ / II I IV \ All IV v\ / I V II \ Av II IIA \vi II IV ) \vi III YJ [yi in) \^vi iviii/ \^ VI V I j / 1 III \iv \ V IV II V IV 111 32 Carl Friedrich Geiser. Aber (las .Seclisthicli 1 11 111 IV V VI steht auch ohne lUick- sicht auf die Dualität mit dem Sechseck 12 3 4 5 6, aus dem es abgeleitet worden ist, in einem eigentümlichen Zusammenhang, Derselbe spricht sich namentlich in der gegenseitigen Beziehung aus, die zwischen dem das Sechstlach erzeugenden Dekaeder des Sechsecks und demjenigen Dekagon des Sechsflachs existiert, das dem gegenüberliegenden Dekaeder gleichgebildet ist. Aus der Tabelle, die den Schluss von g 4 bildet, geht nämlich hervor, dass jede der dort gegebenen Nebenecken in denjenigen Flächen des Sechsflaches liegt, deren Bezeichnung in römischer Ziffer überein- stimmt mit einer der drei untern Zahlen in der Bezeichnung der Nebenecke. So liegt z. B. il'f-'n in jeder der Ebenen I, VI, IV, ist also mit der Ecke (I VI IV^) des Sechsflachs identisch. Die Ecken eines gewissen Dekagons im Sechsflach sind also zugleich die Nebenecken eines gewissen Dekaeders im Sechseck, Berücksichtigt man ferner, dass die Nebenfläche (\^V^\^W die Ecken (II IV I), (IV III V), (III II VI) enthält, welche resp. mit den Nebenecken (142) > (3 -1.5/ ' (263) i^^^'"tisch sind und fügt man hinzu, dass jede der letztern in der Ebene (1 5 6) liegt, so erkennt man, dass in der nämlichen Art jede Nebenfläche des Dekagons identisch ist mit derjenigen Seitenfläche des erzeugenden Dekaeders, die in arabischen Ziffern durch die drei untern Zahlen in der Be- zeichnung der Xebenfläche gegeben ist. Demnach gehen durch den Punkt P, die Ebenen (1 5 6), (1 2 :}), (14 5), (16 2), (1 ;3 4), I, d. h. der Punkt I^ ist identisch mit 1, ebenso Po mit 2, und endlich Pg mit 6. Fassen wir jetzt die Resultate der bisherigen Untersuchung zusammen, so können wir eine Gruppe von sechszehn Punkten und eine Gruppe von sechszehn Ebenen in folgende Beziehung setzen : Von den beiden Determinanten : (VIVVl) 1 2 3 (VIIVI) 5 (II VI) (III IV) (VI VII) (IIVII) 4 (IIIIIV) (IV VIII) (1 111 VI) (11 VTTTT) <; 12 3) (2 3 5) (13 4) (12 6) V I (2 4 5) (3 5 6) IV (14 5) II (3 4 6) VI (15 6) (2 4 6) III Das räumliche Sechseck und die Kummer'sche FUlche. 33 ist die erste aus sechszehn Punkten, die zweite aus sechszehn Ebenen gebildet. Legt man durch ein Element der ersten die Zeile und die Kolonne, so erhält man sechs neue Elemente, welche sechs Punkte eines Kegelschnittes sind, dessen Ebene durch das korrespondierende Element der zweiten Determinante gegeben ist. Das Verhalten der beiden Determinanten ist polar. Das vollständige Sechseck im Raum gibt zu zwölf solcher Determinantenpaare Veranlassung. Vierteljalirsschrü't d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. .Jubelband II. über die Kettenbrüclie, deren Teilnenner arithmetische Keihen bilden. Von Adolf Hurwitz. In der vorliegenden Abhandlung werde ich zur Abkürzung mit (1) («0. «l'«2. . . . • «n) den Kettenbruch bezeichnen , dessen Teilnenner die Zahlen Oq, rti,«2 ....«„ sind. Der Zahlenvvert x dieses Kettenbruches wird aus den Gleichungen (2) x = cio -+--—, a;, = rt, + -r . • • • • , -^„-i = «,. -i + -— ,/ l X2 (1)1 durch Elimination der Grössen Xi, X2, . . . . x„-i gefunden. Handelt es sich um einen unendlichen Kettenbruch, so wende ich ebenfalls die Bezeichnung (1) an, nur dass in diesem Falle naturgemäss das letzte Glied a,^ in der Bezeichnung fortfällt. Ein Kettenbruch heisst „regelmässig", wenn seine Teilnenner ganz und rational und überdies vom zweiten ab positiv sind. ') Eine weitere Abkürzung, die ich im Folgenden verwende, ist diese: Es seien <5P] (i)i), (fo (in), . . . . cpn (m) X Funktionen des ganzzahligen Argumentes »i, welche sich teilweise oder sämtlich auch auf konstante, d. h. von »i unabhängige Zahlen- werte, reduzieren dürfen. Dann soll (Pi (m), (po, (m), 9« {m) die Reihe von Zahlen bedeuten, welche entsteht, wenn man die Werte der Funktionen qp, in der Reihenfolge g)j, q).y, . . . . (pn für ))i = 1 aufschreibt, diesen die Werte der Funktionen für ni = 2 anreiht, an diese wiederum die Werte der Funktionen für m = 3 u. s. f. ') 0. Stolz, Vorlesungen über allgemeine Arithmetik, Bd. II, pag. 285. (Leipzig 1886.) über die Kettenbi-üche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 35 Die resjelmässisren Kettenbrüche von der Gestalt (3) (cio, ai, a,_i, ) die regelmässigen Kettenbrüche für irgend zwei aequivalente Grössen x und y, so kann man die Indices r und s stets so aus- wählen, dass die Zahlen der Reihe nach bez. gleich sind den Zahlen Man denke sich jetzt, dass in der Gleichung (5) x einen be- liebig, aber fest angenommenen Wert besitzt und dass a, ß, y, d alle Systeme von ganzen Zahlen durchlaufen, die der Gleichung ad — ßy = +'^ genügen, wo n eine beliebig, aber bestimmt gewählte positive ganze Zahl bezeichnet. Unter den unendlich vielen Grössen y, die so entstehen, gibt es dann nur eine endliche Zahl von inaequi- valenten. Es gilt nämlich der folgende (aus der Theorie der Trans- formation der elliptischen Funktionen bekannte) Satz : „Jede Grösse " , ^ {ad — ßy=+n) ist einer der Grössen (6) rx — t aequivalent, wo r, t, s nicht negative ganze Zahlen bedeuten, die 38 Adolf Hurwitz. den Bedingungen (7) r s = )i, t 2 I) ist. Nunmehr entwickle man die Zahl über die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 39 g f rp-iq S sq in einen regelmässigen Kettenbruch (5) J:i^ = (h„h„h,...h-.), ^ 1 wobei man die Entwicklung so einzmichten hat, dass k = li (mod. 2) wird. Endlich bestimme man y^ derart, dass (6) !/ = (i>o,f^i,h,---h-i,yi) ist. Dann stellt die letztere Gleichung die regelmässige Entwick- lung von 1/ dar. Um dies zu beweisen, habe ich zu zeigen, dass y^ > l ist. Zu dem Ende setze ich: ^^ l sq = r,Q, unter r^ den grössten positiven gemeinsamen Teiler von ri^ — tq und sq verstanden. Dann ist: (^) 2/-^y. + (?'' 2/1 V-qy- Vermöge der Gleichungen (2), (4), (8) lässt sich y^ als lineare gebrochene Funktion mit ganzen Koeffizienten von x^ darstellen. Und zwar wird die aus diesen Koeffizienten gebildete Determinante gleich n sein. Denn y^ geht aus y und ebenso x aus x^ durch eine lineare Transformation von der Determinante £ = + 1, ferner y aus X durch eine lineare Transformation von der Determinante r g = n hervor. Die Ausführung der Rechnung ergibt ein einfaches Resultat. Zunächst folgt aus (8) und (2) __q_ s (-1)' ^ <^^' I {-^frC- ^' " Q. QiP-Qy) Q'^rsq ip - q x)' Sodann aus (4) (-1)" Xi — qx = qxi+q Adolf Hurwitz. Folglich: !h - {qx. + q) oder schliesslich: (9) .v.='''; 1 1 WO .V, und fj aus den Gleichungen (lo: ) r, s = n, f j = *j Q ' -J'i zu entnehmen sind. Nach dem, was oben bemerkt wurde, lässt sich der Faktor o so bestimmen , dass ^ 7*i , ^ f, , o .Vj ganze Zahlen sind und o ?', • Q s^ = n ist. Aus der letzteren Gleichung folgt aber q- -= 1. Also sind s, und t, sanze Zahlen. Da ~r und — zwischen 0 und 1 liegen, so liegt f, zwischen den Grenzen — )\ und .s-, . Die Zahl i\ ist mindestens gleich 1, f, und «, sind höchstens gleich n, und da x^> 2 n, so ergibt sich aus (9) y^ > -IT- = 1' was zu zeigen war. Auf das Grössenpaar x^ und ?/, findet nun genau dieselbe Betrachtung Anwendung, die wir soeben für das Grössenpaar x, y angestellt haben. Aus der bis zu einem gewissen Schlussglied x.y fortgesetzten regelmässigen Kettenbruchentwicklung von x^ erhält man dadurch die bis zu einem gewissen Schlussglied yj., reichende Entwicklung von /y, . Auf x-.,, ytj ist wieder dieselbe Betrachtung anwendbar u. s. f. Es leuchtet ein, dass man auf diese Weise nach und nach alle Teilnenner der regelmässigen Kettenbruch- entwicklung von y findet. Diese Methode zur Herstellung der Entwicklung von y aus der als bekannt vorausgesetzten von x ist, wie schon oben be- merkt, stets anwendbar, wenn es Teilnenner von ./• gibt, die grösser als eine beliebig vorgeschriebene Zahl sind. ]\lau wird aber bemerken, dass für einen bestimmten Wert von n die Methode schon dann brauchbar ist, wenn sich nur in der Reihe der Teil- nenner von .r, so weit man in derselben auch fortschreiten möge, innner noch solche finden, die 2 u — 1 überschreiten. über die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bikkn. 4 \ 3. Wie in der vorigen Nummer und unter Beibehaltung der dort gebrauchten Bezeichnungen, sei aus der Kettenbruclientwickhmg: (1) X = («0' «!»••• ^Ih-i , a?i ) = ^^^ ^^y die Entwicklung von : nämlich : (3) JJ = (60 , ii , . . . h-, , y, ) = ^q^^^X'q' abgeleitet. Zwischen ?/, und a^j besteht dann die Gleichung: wo rj als grösster positiver gemeinsamer Teiler von rp—tq und .s (/, sodann .^Ji und t^ aus den Gleichungen (10) der vorigen Nummer zu bestimmen sind. Ich betrachte jetzt eine Grösse x , von welcher ich voraus- setze, dass ihre Kettenbruchentwicklung die Gestalt: (5) X = (rto + n c, a, ,a., , . . . a,,_^ , «1 ) = ^^Tf? besitze, dass also die Teilnenner vom zweiten bis zum Ji"' für x und x übereinstimmen, während die ersten Teilnenner sich um ein Multiplum n c von n unterscheiden. Überdies will ich an- nehmen, dass x[ > 2 )i sei. Es hänge nun ferner j/ gerade so von x ab, wie y von x ; es sei also : Nach der vorigen Nummer ergibt sich die Kettenbruchent- wicklung von y' auf folgende Weise. Man hat zuerst die Zahl: r (p -\- n cq) —tq r p ~tq , <, .S q S q in einen Kettenbruch zu entwickeln. Nach (5) der vorigen Nummer erhält man offenbar : 42 Adolf Hurwitz. Hierauf luvt man die Entwicklung von ?/: (0 y = (^ü H- »• c^ ^1 . '>■> • • • ^i- 1 . .Vi ) = Qy-^ ^ Q' — Zwischen //', und x\ besteht nun eine Gleichung der Gestalt: ' ^'i J^i — ti •^' ~ s\ ' und zwar ist r\ als grösster positiver gemeinsamer Teiler von: r Qj -{- n c q) — t q = r p — t q -\- r' c • s q und s q gleich >', , ferner s'i = -7 = — = «i und Die Gleichung zwischen ij\ und x\ lautet also: (8) .yi = — ; es hängt also 1/1 von x'i gerade so ab, wie ?/i von Xi. Für das Folgende ist es wichtig zu bemerken, dass man aus den Gleichungen (1) bis (6) ohne weiteres auf die Gleichungen (7) und (8) schliessen kann. 4. Liegt ein Kettenbruch der Gestalt : (1) («0, «1 , • . • ^',-1 . ^ (?u -f- 1) li tu (»0 (mod h) ist, dass also nach dem Modul u die regulären Glieder des Ketten- bruches (2) die periodische Reihe: bilden. Der Index k ist ein geeignet gewähltes Multiplum von k, z. B. h = X-k. 5. Wenn der regelmässige Kettenbruch für die Irrationalzahl x so beschaffen ist, dass seine Teilnenner von einem bestimmten ab eine gewisse Zahl von ineinander geschachtelten arithmetischen Reihen bilden, wenn also x eine Entwicklung der Gestalt: (1) x = («0, «1 , , . . a,_i, (pi im), ff., (m), . . . fpk (»O) besitzt, wo (fi, (p.2, • • ■ fPk ganze Funktionen von m bezeichnen, so wird man vermuten, dass auch der regelmässige Kettenbruch für jede in der Form : (2) y = 'm enthaltene Grösse ?/ eine gewisse Gesetzmässigkeit darbietet. Dabei sollen a, ß, y, ö ganze Zahlen von nicht verschwindender Deter- minante a () — ß ^ = + 'i bedeuten. Die Beantwortung der hiermit gestellten Frage bildet das Hauptziel der vorliegenden Untersuchung. Der Fall /t = 1 erledigt sich nach dem Satze von Lagrange sofort. Ebenso leicht lässt sich die Frage erledigen für den Fall, wo der Kettenbruch (Ij die Ordnung o hat, wo sich also die Funktionen cpi {m), ...ffk (»0 sämtlich auf Konstante reduzieren. Dann ist (1) ein periodischer über die Kettenbrüelie, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 45 Kettenbrucli und folglich x und also auch jede in der Form (2) enthaltene Grösse ?/ eine quadratische Irrationalität. In diesem Falle wird also jedes // ebenfalls eine periodische Entwicklung besitzen, oder, nach der hier gewählten Terminologie, einen Ketten- bruch der Gestalt (1) von der Ordnung o liefern. Ich werde hier- nach bei der weiteren Untersuchung den Fall, wo der Kettenbruch für X von der Ordnung o ist, ausschliessen dürfen, so dass also unter den Funktionen qp^ {ni) mindestens eine vorhanden ist, deren Grad eine positive ganze Zahl ist. Dies hat zur Folge, dass unter den Teilnennern des Kettenbruches (1) solche vorkommen, die eine beliebig angenommene Zahl übersteigen. Die Aufgabe, den regel- mässigen Kettenbruch für y zu untersuchen unter der Voraus- setzung, dass X die Entwicklung (1) liefere, lässt sich zunächst auf eine einfachere zurückführen. Ich bringe zu dem Ende den Kettenbruch (1) auf die Form (2) der vorigen Nummer und zwar so, dass sich die Funktion t\!^ (m) nicht auf eine Konstante reduziert und dass die Teilnenner : i>i {m), ^2 (m), ■ • . i'h (m), welche der Funktion t/^j (vh) und den übrigen etwa vorhandenen Funktionen i/;^ (m), die sich nicht auf Konstante i-eduzieren, ent- springen, sämtlich 2/i — 1 übersteigen. Die Grösse x ist jedenfalls aequivalent der Grösse : (3) a;* = (p^ (7u), ipo (m), .. .i)j, («i)) und daher jede in der Form (2) enthaltene Grösse y (nach Nr. 1) aequivalent einer in der Form : (4) 2/* = ' ^ s~ ' *^'' ^ ^ "^ enthaltenen Grösse, wo r. s, t, nicht negative Zahlen bezeichnen und t < s ist. Nach dem Satze von Lagrange hat jedes y eine gleichendende regelmässige Kettenbruchentwicklung wie das entsprechende ?/*. Es ist also nur noch zu untersuchen, nach welchem Gesetze die Teilnenner in der Entwicklung irgend eines ?/* fortschreiten. 4G Adolf Hurwitz. 6. (1) •» = (t^i (m), ^2 (m) li^f^ (m)). Gesucht wird der Kettenbnich für: (-) 1/ = — 7~' ^■'' ■ '^ ^ "^' wo r, 6" positive ganze Zahlen bedeuten und t zwischen o und .s- — 1, also umsomehr zwischen — ?• und s liegt. Dabei sind die Werte derjenigen Funktionen t^ (m), die sich nicht auf Konstante redu- zieren und zu denen insbesondere il\ (?») gehört, sämtlich grösser als 2n — 1. Ferner ist allgemein: (3) il\ (m 4- 1 ) — rlf, (711) (mod n) (r -= 1,2,... //). Bei der Behandlung dieser Aufgabe ist es erforderlich, die- jenigen Funktionen 1^^ (nt), die sich nicht auf Konstante reduzieren, von den übrigen zu unterscheiden. Ich will deshalb mit: fo(m),fi (m), f.(m) diejenigen Funktionen t^v <^»0 bezeichnen, die sich nicht auf Kon- stante reduzieren, die übrigen werde ich der Reihe nach mit a'o, ao,...a\, «!,',... bezeichnen, so dass sich also die Kettenbruch- entwicklung (1) nun so darstellt: (!') X = (/o (w), a,'„ aö', . . . /i (m), a[, a\' , . . . fi {m), . . . • • • ./;. O'O. a'., a'!, ...). Die Funktion f^ (m) ist mit r^, (m) identisch. Ferner ist zu beitierken, dass von den Gruppen der konstanten Teilnenner einzelne oder auch alle fortfallen können. So wird beispielsweise die erste Gruppe ff',, a',' . . .gar nicht auftreten, wenn t^'., ( wi) sich nicht auf eine Konstante reduziert. Zunächst zerlege ich nun den Kettenbruch (!') in folgender Weise: Indem ich die Bezeichnung ein wenig abändere, habe ich also j folgende Aufgabe: Gegeben ist der regelmässige Kettenbruch: über die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden 4 7 (4) *' = (/o (l)'«u»«l\ . . .a^i) •^'i = (/i (1)' «i'' «'/' • • • ^2) '•^x "^ (fx (0' «1' «^i'' • • • ^') ^' = C/o (2), «1, a'', . . . «0 Es werden also allgemein die Gleichungen stattfinden: x{"'' =^ (jAß ^ l), a\, a': , . . . x(/'^) ß') (," + i)> ^l = (/a (/' + 1). «1' «A » • • • a- für /< = 0, 1, 2, . . . Nach den Betrachtungen der Nr. 2 ergibt sich nun der Reihe nach: (5) r X — t y = s __ r,x,-U y^ - s, = (bo, b'o, b'o\ . = (6i, b\, b'i, . •>'A „ ^A r X — t' y = 8 = (Co, Co, Co', . ■■!/) ••.v'O Aus diesen Gleichungen findet man die regelmässige Ketten- bruchentwicklung von y durch Elimination von y^, y.^, y^, . . . u. s. f.. Man betrachte nun insbesondere die Grössen : und die ihnen entsprechenden : (7) y ^ r X — t y = r x — t y = r" x" — t' 48 Atlolf Hurwitz. Da es mir eine endliche Anzahl von Zahlentripeln r, .s, t gibt. I welche den Bedingungen ?• • s — n, — r < t < s genügen, so wird in den Gleiclunigen (7) notwendig ein und dasselbe Zahlontiipel wiederholt auftreten müssen. Man darf aber annehmen, dass das > in der ersten Gleichung (7) vorkommende Tripel wiederholt auf- 1 tritt. Andernfalls würde man nämlich an Stelle von x die erste Grösse der Keihe x , x" , . . . betrachten können, deren zugehörige (irösse der Reihe (7) ein wiederholt vorkommendes Zahlentripel i entspricht. | Des weiteren darf vorausgesetzt werden, dass schon das zweite \ Zahlentripel r , s , f' mit dem ersten r, s, t identisch ist, da man ! dies widrigenfalls dadurch erreichen würde, dass man den Ketten- bruch (1) in eine Form bringt, in welcher an Stelle von // ein j geeignetes Multiplum von // getreten ist. (Vgl. Nr. 4.) i Wenn aber n' = — ist, so findet der Satz von Nr. 3 An- Wendung. Denn die ersten Teilnenner /„ (1) und/o(2) der Ent- wicklungen von X und x unterscheiden sich nach (3) nur um ein Multiplum von n. Die (l + 2)*® Gleichung des Systemes (5) heisst i also: y = — - — = (co, K, in', • . • .y'i), I ! WO c^=b^ -t-r'- ^'^^'~/'^^^ ist. Zugleich ist: ' Da wiederum die ersten Teilnenner von /i und x\, nämlich fi (1) und /j (2), sich um ein Multiplum von n unterscheiden, so findet der Satz von Nr. 3 aufs neue Anwendung u. s. f. Auf diese I Weise erkennt man, dass sich die Gleichungen (5) allgemein so j darstellen lassen. Man setze: j (S) ,0 (.0 - ^0 r^ ,- • ^" ^"^ ; ^" ^'\ ,. (»0 ^ i. -^ .1 fiM^dl, . . . : ■''■ ■ ^ '■ '■ n I Dann erhält man das unendliche System der Gleichungen (5), ; indem man die nachstehenden Gleichungen (.')') für « = 0, 1, 2, . . . j bildet: I über die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 49 (5') /f/O ^/!i"^ = (^AC"+n,6-,6V,...y/' + i)) Hiernach ist die regelmässige Kettenbruchentwicklung von y diese : i^) .V = (f/o O'O» ^0, io' , . • . , , • • •)' also genau von derselben Gestalt, wie die Entwicklung von .:/•. Beachtet man, dass die Funktion • • • ^;-i ' //i ) = ^^/|^'a,(;)' besteht. — Zunächst will ich nun untersuchen, in welchem Zu- sammenhange ;/i und A'i stehen. Unter der offenbar zulässigen Annahme, dass yjj -\- dq positiv sei, ist : (5) ap-[-ßq = r 1\ yp + Ö q = r Q wo r den positiven grössten gemeinsamen Teiler der Zahlen ap -r ß q, y p -r ö q bezeichnet. Die Elimination von x und y aus den Gleichungen (1), (2) und (4) ergibt nach kurzer Rechnung (welche der in Nr. 2 aus- geführten ganz ähnlich ist): über die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 51 (6) 2/, =^^^ wo s und t ganze Zahlen, r • s =^ n und: (7) t^-s4-r-'^^^-^ Q yp + Sq ist. Der Faktor von r lässt sich auf die Form bringen yp +(yg ^ q +f yp + ^q q ' wo £ = (7f; + j) 2n ist, nach Gleichung (6) tj^ > 1, und folglich (4) die regel- mässige Entwicklung von ?/ darstellen. Wenn nun insbesondere der Kettenbruch x die im Satze der vorigen Nummer näher bezeichnete Beschaffenheit hat, so leuchtet ein, dass man durch geeignete Wahl der Anfangs-Teilnenner (Iq, a^ ... c/,_j die in der Darstellung (2) auftreten, stets erreichen kann, dass auf die Grössen x^ und q^ = —^ das Verfahren der vorigen Nummer anwendbar wird. Eine besonders interessante Anwendung gestatten die gefun- denen Resultate auf die Basis e der natürlichen Logarithmen. Bezeichnet ii eine unbeschränkt veränderliche Grösse, so besteht nach Lambert bekanntlich die Gleichung: Der hier auftretende Kettenbruch wird ein regelraässigei-, dessen Teilnenner eine arithmetische Reihe erster Ordnung bilden. 52 Adolf Hurwitz. SO oft it der reciproke Wert oder das Doppelte des reciproken Wertes einer positiven ganzen Zahl ist. Da jede linear-gebrochene Funktion von , -— r eine eben solche Funktion von e" ist, so folgt aus dem Satze der Nr. 6 : Bezeichnet f/ eine positive ganze Zahl, bedeuten ferner a, ß, y, ö irgend vier ganze Zahlen von nicht ver- schwindender Determinante aö — ß y, so sind die regel- mässigen Kettenbrüche für die Grössen: ( e — z und - — — so beschaffen, dass ihre Teilnenner von einem bestimmten ab eine arithmetische Reihe oder mehrere ineinander geschachtelte arithmetische Reihen O''"' und erster Ord- nung bilden. Die Herstellung dieser Kettenbrüche aus dem Kettenbruch von Lambert geschieht nach der oben entwickelten Methode und möge für einige einfache Fälle durchgeführt werden. Es sei: c-l (2) ^ = ^ = (0, 2, 6, 10, . . .) = (0, 4 m - 2), und hieraus die Entwicklung von: (•3) ?/ = — abzuleiten. Nach Xr. 7 hat man zunächst zu setzen: (4) , = (0,2,..) = ^^( = f|t^); sodann ist der Kettenbruch zu bilden : yp + äti -1+2 ^ ^"' -^^ und ?/, aus der Gleichung: (5) y=^i2,hy,) = ^f±^ über die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 53 ZU bestimmen. Die Elimination von x, y aus (3), (4) (5) liefert nun: (6) //i = '^^ und hier tritt jetzt das Verfahren von Nr. 6 in Kraft. Die Teil- nenner von : X, =(6, 10, ...) = (4m+2) bilden (mod 2) eine periodische Reihe bestehend aus dem einen Gliede 0. Den Grleichungen (4) von Nr. 6 entsprechend, ist also zu setzen: (7) X, = (6, x\), x\ - (10, x;\ . . . al'") = (/ (u + 1), x[f' + ^')r . . • (/ (m) = 4 m + 2). Hieraus ergeben sich der Reihe nach die den Gleichungen (5) von Nr. 6 entsprechenden Gleichungen: (8) !h = ^^ = (2, 1, 1, y\), y\ = '^^ = (4, 1, 1, y['), . . . Da schon ?/' mit x\ in demselben Zusammenhange steht, wie y^ mit x^ , so braucht man die Rechnung nicht weiter fortzusetzen. Allgemein wird, den Gleichungen (5') von Nr. 6 entsprechend, (9) y\''=-(9L-^V,l,l,lj{'-'% wo // {m) = 6o 4- r- • ' ^^-^-^ = 2 + P ^ > also (10) g (m) = 2 m ist. Hiernach wird die regelmässige Entwicklung von y^ gleich (2 m, 1,1) und hieraus schliesslich in Rücksicht auf (5): (11) ?/ = e = (2, 1,2m, 1). ') ^) Die regelmässige Kettenbruchentwicklung der Zahl e ist, wie Herr ßudio in seiner interessanten Schrift: Archimedes, Huygens, Lambert, Legendre. Vier Abhandlungen über die Kreismessung (mit einer Übersicht über die Geschichte des Problemes von der Quadratur des Zirkels) Leipzig 1892, be- merkt, schon von Euler in der Abhandlung „De fractionibus continuis disser- tatio" (Comment. Acad, Petrop. T. IX pag. 120) mitgeteilt vrorden. Adolf Hurwitz. In entsprechender Weise erhält man aus dem Kettenbruch : tf* -1 (12) X = ^ripi = (0, 1, 3, 5, . . .) = (0, 2 m - 1) die Entwicklung von : (13) y = :^l = e'. Man findet der Reihe nach : Hieraus : (15) Ih = |. Sodann, indem man X^ = (o, Xo), X2 = \i , ^3)1 ^3 ^= (y? 0C\), und allgemein: (16) a:(")= (/o (« + 1), a;ii"))> ^1"^= (/. C« + 1), ^•s'''^, Xif'^= (/, (,« + 1), X[" + '^) setzt, wo: /o ("0 = 6 «t — 1, /i (m) ^ 6 m-\- l, f^ (m) = 6 m ■-{- 3 ist, //i = Y = (2, 1, 1, .Va), //2 = '^^ = (3, .yj, 7/3 = 2 X3 = (18, y[), .Vi = 2 ' • • • Daher wird allgemein: (17) rjl') = (g, (« + 1), 1, 1 , y(l')), ;/(•") = (g, (u + I), ,yf), .?/,^"> = (.<72C"-rl),y/' + '0, wobei : 9o W = 2+ 2~^ — 6m — 1, r/i(m)=3-t-' 2"^ — =3m, r/2 (»0 = 18 -f-4 . f^-^'^^-f'^^^ = 12 m + 6 gesetzt ist. Aus (14) und (17) ergibt sich nun: über die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 55 (18) y = e'- = {7,'3m- 1,1,1,^ m, 12 m + 6) Einige weitere Beispiele für den Satz dieser Nummer ent- nehme ich meiner in der Einleitung erwähnten Notiz. Es ist: (19) e + 1 = (1, 4, 5, 4771 - 3, 1, 1, 36 771 - 16, 1, 1, 47« - 2, 1, 1, 36 771—4, 1,1,4 7^—1, 1,5,4 777, 1) 1±A = (0, 1,13. 4m + l, 167U + 12) 2e' = (14, 3 77t -2, 3, 1, 3m — 2, 48 m — 12, 13 7h — 1, 1, 3, 3 m, 4877i+12). 9. Rechnet man zwei Irrationalzahlen in dieselbe Klasse, wenn die eine sich als lineare (ganze oder gebrochene) Funktion der anderen mit ganzzahligen Koeffizienten darstellen lässt, oder — was offenbar auf dasselbe hinauskommt — wenn zwischen den beiden Irrationalzahlen eine bilineare Relation mit ganzzahligen Koeffizienten stattfindet, so kann man den Satz von Nr. 6 auch so aussprechen: Falls die regelmässige Kettenbruchentwicklung der Irrationalzahl x so beschaften ist, dass die Teilnenner von einem bestimmten ab eine arithmetische Reihe oder mehrere m einander geschachtelte arithmetische Reihen bilden, so findet das Gleiche für jede Irrationalzahl // statt, die in dieselbe Klasse wie X gehört. Zugleich sind die Ordnungen der arithmetischen Reihen bei beiden Irrationalzahlen die nämlichen. Ausgenommen ist die Ordnnng 0, die bei der einen Entwicklung fehlen, bei der anderen auftreten kann. Es erhebt sich nun die Frage, unter welchen Bedingungen man umgekehrt daraus, dass zwei Irrationalzahlen x, y Kettenbruchentwicklungen von der genannten Beschaffenheit liefern, schliessen kann, dass die beiden Zahlen in dieselbe Klasse gehören. Diese Frage wird, wenigstens für eine Reihe von Fällen, durch einen Satz entschieden, den ich zunächst aussprechen und dann beweisen will. Der Satz lautet: Wenn die Teilnenner der unendlichen regelmässigen Kettenbrüche 56 Adolf Hurwitü. (1) a- = (ao,«,,rf2 ) (2) y = {K,^.,K ) schliesslich üher alle Grenzen wachsen, wenn also lim rf;;. = \\\\\ hk = 00 ist, so kann nur dann zwischen x und t = 00 k = y. y eine bilineare Relation mit ganzzahligen Koeffizienten bestehen, falls es möglich ist, die positiven ganzen Zahlen r und s und die Indices / und / so zu bestimmen, dass die Gleichungen (::}) Ij = ^ cti, bj+i = — Oi+u h+-i = ~ «e+2, 6;+3 = — a/+3 , ... in inf. stattfinden. Sind diese Gleichungen erfüllt, so ist y eine ganzzahlige (gebrochene) lineare Funktion von x, deren Determinante x '' * ist. Um diesen Satz zu beweisen, nehme ich an, es sei: wo X und // die durch die Kettenbrüche (1) und (2) definierten Irrationalitäten, a, ß, y, ö vier ganze Zahlen, n eine positive ganze Zahl bezeichnen. Nun sei der Teilnenner a/_i so gewählt, dass alle auf ihn folgenden Teilnenner a,-, az+i, ... die Zahl 2 n — l überschreiten. Setzt man dann : (5) X = («oj «n • • • «/-i> ^i) und wählt überdies den Index i so gross, dass die Betrachtung von Xr. 7 anwendbar ist, so hat man : (C) 2/ = (io'^'---^j-i'//i) und zugleich: (7) y^^'-'^i^^. öl wo r, .s, = n ist, i\ und .s', positive ganze Zahlen und t^ eine zwischen — r, und s^ liegende ganze Zahl bezeichnen. Jetzt sei : über die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen biklen. 57 Nach dem Verfahren von Nr. 2 folgen aus diesen Gleichungen der Reihe nach die anderen: Ux = ^"^'~ ' = ^h ^J+i^ • • • ^h-i > ^/-i). ^-^ — - = ih ^J+i' • • • ^h-i), 1/2^ ~^~i ^= (J'h,i>h+i, ...hi-i,V-i), '^' ={bk,h/, + u...l>i-i), (9) **3 '^3 '3 /■? 7 „. > ''3^'!+-:; '3/77 \ ^3= ^ = (6/, iz+1,... ?/4), ^ -- {Ol,Ol + h ■ ■ ■), Ö3 *3 Alle Zahlentripel r, s, t, die hier auftreten, genügen denselben Bedingungen, wie das erste i\,Si,ti. Es können also nur eine endliche Zahl verschiedener Zahlentripel auftreten. Von jedem der übeihaupt vorkommenden Zahlentripel nehme ich an, dass es unendlich oft auftritt. Diese Annahme ist gestattet; denn, falls sie nicht erfüllt wäre, könnte man i durch einen geeignet ge- wählten grösseren Index ersetzen und dadurch erreichen, dass die in endlicher Anzahl auftretenden Zahlentripel herausfallen. Ich betrachte nun alle diejenigen Gleichungen (9), in denen ein und dasselbe Zahlentripel, z. B. 7\, s^, tj auftritt. Unter den entsprechen- den Teilnennern a,, . . . der Entwicklung von x kommen gewiss unendlich viele vor, die (mod n) kongruent sind. Aber ich darf und will annehmen, dass jede Zahlklasse (mod n), die unter den Teilnennern a, . . . überhaupt vertreten ist, unendlich oft vertreten ist. Dies ist wiederum durch geeignete Verfügung über den Index / stets zu erreichen. Greift man nun unter den Teilnennern, welche demselben Tripel, etwa rj, Sy, ty entsprechen, ein System solcher heraus, die (mod n) kongruent sind, etwa die Teilnenner «,, a^., . . ., so hat man ihnen entsprechend die Gleichungen: rxcii — i, _., , , N r,ajc — t, _,, r,{ak-ad 7 7 n — ^ — v^j' bj+i ,••• ^7,-1 ), , — {(^j -i ; ) f^J+i ' • • ^h-\ J) • • • Würde nun - — nicht eine ganze Zahl sein, also der Kettenbruch (bj, bj^^, . . b^^_y) mehr als einen Teilnenner aufweisen, so würden die Zahlen bj+y, . . bj,_i unendlich oft unter den Teil- nennern von 1/ wiederkehren. Dies widerspricht aber der An- nahme lim b^. ^= OD. Folglich ist -^— ' ^ und aus den entsprechen- 7.- = X ^i Adolf Ilurwitz. **i "i + 1 '2 ''l "i + 3 '3 den Gründen jede der Zahlen , , . Zalil. Die Gleichungen (9) lauten dementsprechend: eine ganze (9') ^ = W..V2). r, Ui — U = h (bj^u^z), T2 (Ij^ i c j bj+1, Setzt man nun in die erste Gleichung ./ , = a. H , so findet man y. = 7-^.. d. h. es ist r^ = •«, , s.^ = Ti , ^2 — o- Ebenso folgt aus der zweiten ; Gleichung durch Substitution von x^ = «^+1 H , dass die dritte •^3 I Gleichung : | I lautet u. s. f. Da das erste Tripel sich wiederholt, so muss auch notwendig t^ = 0 sein und die Gleichungen (9') gewinnen also schliesslich, wenn der Einfachheit halber noch r für r, und s für s, geschrieben wird, die Gestalt: I sx. Uo. = —;r^ ^ (^J+u l/i\ Sdi. Vi rx^ (ßj+2,!Ji\ rüi^i - = ^j+i» — ^; + 2, Hiermit ist der erste Teil des obigen Satzes bewiesen. Der zweite Teil ergibt sich auf die leichteste Weise. Ist nämlich: T S T h ~ ^ ''''■' '^^^+1 ~ 7" «J + l' ^J + 2 = — rt< + 2, . • • SO bestätigt man sofort, dass zwischen den Grössen: x^ = («/, rt/+i, . ..) über die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 59 die Relation ^j = — a^i besteht. Da aber x = {a^, a^, . . .) aequi- valent zu a\ und 1/ = {b^, b^, . . .) aequivalent zu y^ ist, so folgt aus i/, = — x^ eine Relatiou der Gestalt 1/ = ; — ^, wo a ö — ß y — +r s ist. Der obige Satz lässt sich, wie ich nun zeigen will, noch auf eine andere, sehr bemerkenswerte Form bringen. Die Gleichungen (3) können stets und nur dann durch zwei positive ganze Zahlen r und s befriedigt werden, wenn rt/ffz+i = bjhj+i, «,4-1 a,+2 = bj+i hj+o, ... in inf. ist, wenn also die beiden Zahlenreihen: rto-^n «i«2) «i'^s' • • • 60 &i, b^b^, bob^, . . . nach Abtrennung der ersten l bezw. der ersten j Glieder identisch sind. Es folgt also : Wenn die Teilnenner der unendlichen regelmässigen Kettenbrüche; (1) X = («0, «,, a^, . . .) (2) !J = iK, ^1, K •••) schliesslich über alle Grenzen wachsen, so wird stets und nur dann zwischen x und y eine bilineare Relation mit ganzzahligen Koeffizienten bestehen, falls die beiden Zahlenreihen: (10) «Q«!, a^a.,, ciodi,, . . . (11) b^^b^, b^b,, h.^b.^, . . ., abgesehen von einer endlichen Anzahl von Auf angsgliedern^ identisch sind. Sind die beiden Zahlenreihen (10) und (11), nachdem man von der ersten die ersten i Glieder, von der zweiten die ersten j Glieder abgetrennt hat, thatsächlich identisch, so findet man dann die zwischen x und y bestehende bilineare Relation, indem man x^ und y, aus den Gleichungen: ^ ^^ ('^0 ) f^i 5 • • • f'^' 1 > ^1 )» y = {b^,b,,. . . bj-i,y,), bj Xy = ai y^ 60 Adolf Hurwitz. eliminiert. Dies geht umnittelbiir aus der vorliergelienden Unter- sucliiing hervor. Die oben aufgeworfene Frage, wann die lirüssen x und ?/, deren regelmässige Kettenbruchentwicklungen von der Form : (12) x-= (rr„, r(, r/,_, , qp, (m), (f^ (m), . . . • • • ^>j-\^ ^1 im), 1^2 {m), ... V, (w)) sind, in dieselbe Klasse gehören, d. h. wann zwischen ihnen eine bilineare Relation mit ganzzahligen Koeffizienten besteht, wird nun immer dann durch den vorstehenden Satz entschieden, wenn unter den ganzen Funktionen (jp {m) und t/; {m) sich keine auf eine Kon- stante reduziert. Denn in diesem Falle wachsen die Teilnenner von x und y schliesslich über alle Grenzen. Wenn die Anzahl k der Funk- tionen (p {m), wie das nach den Bemerkungen von Nr. 4 gestattet ist, als eine gerade Zahl vorausgesetzt wird, so hat der Ketten- brucli für //, falls zwischen x und y eine bilineare Relation mit ganzzahligen Koeffizienten stattfindet, bei geeigneter Bestimmung der Indices i und ; die Gestalt y = {h^Jj^, . .. bj_, , y qPi (m), ~ (p, (m), ~ cp, {m) y cp^ (mfj Hieraus ergibt sich leicht eine Beziehung zwischen den An- zahlen der arithmetischen Reihen, aus denen sich die Teilnenner von X und y zusammensetzen, wobei für einen Kettenbruch der (restalt (12) unter der „Anzahl" der arithmetischen Reihen der Minimalwert zu verstehen ist, den die Zahl k der Funktionen q) (m) für den Kettenbruch annehmen kann. Ist die Anzahl der arithmetischen Reihen für einen der beiden Ketten brüche eine ungerade Zahl, so ist sie für den andern not- wendig das Doppelte dieser ungeraden Zahl, es sei denn, dass - = 1 ist, also die arithmetischen Reihen für beide Kettenbrüche völlig identisch sind: Wenn also die Teilnenner für die Entwick- lungen von X und y je eine ungerade Anzahl von arithmetischen Reihen bilden, die für die eine Entwicklung nicht völlig dieselben sind wie für die andere, so kann zwischen x und y keine bilineare über die Kettenbrtiche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 61 Relation mit ganzzahligen Koeffizienten bestehen. Beispielsweise e — l kann keine derartige Relation zwischen — —7 = (0, 4 ??i — 2) und e"'— 1 ., (0, 2 m +1) stattfinden, was übrigens auch aus der zweiten Form des Satzes dieser Nummer unmittelbar erhellt. Die Zahlen — -— r und „ , ■ , und folglich auch die Zahlen e und e} gehören daher nicht derselben Klasse an, woraus hervorgeht, dass e nicht Wurzel einer ganzzahligen Gleichung dritten Grades ist. Wenn auch die neueren von Hilbert, dem Verfasser und Gordan gegebenen Beweise ') für die Transcendenz der Zahl e sehr ein- fach sind und insbesondere der Gordansche Beweis nur ganz ele- mentare Hnlfsmittel beansprucht, so ist es vielleicht doch nicht ohne Interesse, dass man aus den Kettenbruchentwicklungen von e und er' unmittelbar schliessen kann, dass e nicht Wurzel einer aanzzahligen Gleichung ersten, zweiten oder dritten Grades ist. 10. Wenn die Teilnenner des regelmässigen Kettenbruches für die Irrationalzahl x von einem bestimmten ab eine arithmetische Reihe oder mehrere in einander geschachtelte arithmetische Reihen bilden, so besitzen auch gewisse andere Kettenbruchentwicklungen derselben Zahl ein ähnlich einfaches Bildungsgesetz. Ich will hier nur die Entwicklung nach „nächsten Ganzen", die wegen ihrer starken Konvergenz ein besonderes Interesse bietet, betrachten. Dabei muss ich mich aber, um nicht zu weitläufig zu werden, damit begnügen, die Methode anzugeben, nach welcher man das Bildungsgesetz der Entwicklung nach nächsten Ganzen für die hier betrachteten Irrationalzahlen in jedem besonderen Falle be- stimmen kann. Der Leser wird aus den beigefügten Beispielen das allgemeine Gesetz für diese Entwicklungen leicht abstrahieren. Bezeichnet zunächst x eine beliebige Zahl, so erhält man ihre Entwicklung nach nächsten Ganzen aus der Gleichungskette: \\) X = «0 ±— , a^i = «1 ± — , • . . Xi = ß; ±-:— , . . ., ') Mathematische Annalen, Bd. 43. ()2 Adulf Huiwitz. die nach der Massgabe zu bilden ist, dass allgemein «,• die der Grösse ./•, nächstliegende ganze Zahl sein soll und in der Gleichung " a,- = «,■ ; das obere oder untere Zeichen gelten soll, je nach- -Ti + i dem fc, kleiner oder grösser als j.- ist. Der Kettenbruch für x, den man durch Elimination von x^^x^,... erhält, möge Avieder diircli dJL- in Klammern geschlossene Reihe der Teilnenner be- zeichnet werden, wobei iedoch, wenn in der Gleichung Xt = «, 4- das untere Zeichen gilt, der betreffende Teilnenner «, einen oberen Punkt erhalten soll. Durch die folgende Betrachtung erkennt man nun, dass man aus der regelmässigen Entwicklung der Zahl x\ (2) X = (ßo, «1, (to, . . .) ihre Entwicklung nach nächsten Ganzen unmittelbar ableiten kann. Man bilde die Gleichungen: (3) X = «0 + L- > ^1 "" ^'i +—'••• ^fc = "k 4- ^ — » • • • Ist Ol > 2, so fällt offenbar die erste der Gleichungen (1) mit der Gleichung x = a^ + ^ zusammen, und allgemeiner werden die Gleichungsketten (1) und (3) soweit koincidieren, als unter den Teilnennern rfj, «.,,... die Zahl 1 nicht auftritt. Wenn aber «^ der erste Teilnenner ist, welcher den Wert l hat, so erkennt man aus den Gleichungen: tt-i = fa-_i H- -TT-, ti- = 1 -f- -7, wo Bequemlichkeit halber x' für £/, + ! geschrieben ist, dass an der k'"' Stelle in der Gleichungskette (1) die Gleichung: steht. Denn von den beiden Zahlen aic-i und ai^-i t- 1. zwischen welchen ^a_i liegt, ist rr/,_i -— 1 die nächstliegende. Wenn also in der Reihe «,,«2,. •• das erste Glied, welches den Wert 1 hat, ai^ ist, so darf man aus der Gleichung: (4) X = (^0. n^, . . . «/,_!, \,x') schliessen, dass: L' ber die Kettenbrüche, deren Teilnenner arithmetische Reihen bilden. 63 (5) X = («0» «,,... öfc-i + 1, X + 1) ein Teil der Entwicklung von x nacli nächsten Ganzen ist. Wendet man diese Bemerkung wiederholt an, zunächst auf die regelmässige Entwicklung von x -1- 1 = ('//.+ 1 ^- 1, «fc+2, • • •) u. s. f., so wird man nach und nach zu der Entwicklung von x nach nächsten Ganzen in ihrer ganzen Ausdehnung gelangen. ^) Es sei beispielsweise aus der regelmässigen Entwicklung von x = yio: x = (3, 1, 1, 1, 1, 6) die Entwicklung dieser Zahl nach nächsten Ganzen abzuleiten. Man hat dann folgende Gleichungen zu bilden: x = (3, 1, .7.'), X \l= (2, 1, x"), X + 1 = (2, 6, 1, x). Aus diesen findet man der Reihe nach: X = (4 x + 1), :c' + 1 = (3, x" + 1), a^" + 1 = (2, 7, x + 1), sodass die Entwicklung von ylo nach nächsten Ganzen lautet: Vl3 = (4,3,2,7)- Offenbar wird allgemein, wenn die regelmässige Entwicklung von X periodisch ist, wenn also x eine quadratische Irrationalität ist, auch die Entwicklung von x nach nächsten Ganzen eine perio- dische sein. (Vgl. Minnigerode. Ueber eine neue Methode, die Pell'sche Gleichung aufzulösen, Göttinger Nachrichten aus dem Jahre 1873.) Als weitere Beispiele betrachte ich die Entwicklungen der Zahlen e und e-. Transformiert man nach der obigen Methode ') Eine eingehende Untersuchung der Kettenbruchentwicklung nach nächsten Ganzen hat der Verfasser in Bd. 12 der Acta mathematica (1889) vei'öffentlicht. Mit Hülfe der oben angegebenen Transformation der i-egel- mässigen Kettenbruchentwicklung in die nach nächsten Ganzen lassen sich manche Sätze, die für die erstere Entwicklung gelten, auf die letztere über- tragen. Indessen dürfte es schwierig sein, auf diesem Wege die a. a. 0. be- wiesenen tiefer liegenden Sätze über die Entwicklung nach nächsten Ganzen, insbesondere den merkwürdigen Zusammenhang dieser Entwicklung mit einer nach ganz anderem Gesetze gebildeten zu entdecken. (54 Adolf Hurwitz. die regelmässigen Kettenbrüche für diese Zahlen (vgl. Nr. 8) in dii' nach nächsten Ganzen fortschreitenden, so findet man : e = (3, 4, 2, 2 m -\- s) =* = (?, 3 m, 2, 3?«, 12 m + 6), zwei Gleichnngen, welche die bemerkenswerte Thatsache enthalten, dass auch die Entwicklungen der Zahlen e und e^ nach nächsten Ganzen ein sehr einfaches Bildungsgesetz aufweisen. Zürich, den 9. Dezember 1895. Beweis einiger Sätze von Oliasles über kon fokale Kegelschnitte. Von Theodor Reye in Strassburg. 1. Bezüglich eines Kegelschnittes sind bekanntlich zwei sich rechtwinklig schneidende Gerade der Ebene nur dann konjugiert, wenn sie die beiden Brennpunkte harmonisch trennen und somit die Winkel zwischen den Brennstrahlen ihres Schnittpunktes halbieren. Aus diesem Satze lassen sich alle bekannteren Brenn- punkts-Eigenschaften der Kegelschnitte ableiten. In ihm ist als Grenzfall der Satz enthalten: Zwei Gerade sind konjugiert bezüg- lich eines Kegelschnittes, wenn sie sich in einem Brennpunkte rechtwinklig schneiden. Wir nennen noch einige andere Fol- gerungen '), die wir später benutzen werden. 2. Die Halbierungslinien der Winkel zwischen zwei Tangen- ten des Kegelschnittes sind konjugiert und zu einander normal ; sie halbieren deshalb auch die Winkel zwischen den Brennstrahlen ihres Schnittpunktes. Jede Tangente des Kegelschnittes bildet gleiche Winkel mit den beiden Brennstrahlen ihres Berührungs- punktes. Verbindet man einen Brennpunkt mit den beiden Berührungspunkten und mit dem Schnittpunkte von zwei Tangen- ten, so bildet die letztere Verbindungslinie gleiche Winkel mit den beiden ersteren. Die Fusspunkte der Lote, die aus einem Brennpunkte auf die Tangenten gefällt werden können, liegen im Falle der Parabel auf der Scheiteltangente, im Falle der Ellipse oder Hyperbel auf dem Kreise, der die Kurve in den Scheitel- punkten der Hauptachse berührt. Die projektiven Punktreihen, in denen zwei beliebige Tangenten des Kegelschnittes seinenTangenten- büschel schneiden, werden aus jedem der beiden Brennpunkte -F,jP, durch zwei gleiche und gleichlaufende Strahlenbüschel projiziert. ') Vgl. Reye, Geometrie der Lage, 3. Aufl., I. S. 157 — 165 und 215—217. Vierteljahrsschrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI, Jahelband II. 5 66 Theodor Reye. Wenn also zwei Tangenten u, v von einer dritten Tangente ic in P und Q, von einer vierten z aber in resp. Q' und P' geschnitten werden, so ist: ^ PFQ' = /- QFP', und die Nebenwinkel zwischen FP und FP' haben folglich die- selben zu einander normalen Halbierungslinien, wie die Winkel zwischen FQ' und FQ. Aber PP' und Q'(^ sind zwei paar Gegen- punkte des Vierseits u v w z, sodass sich ergiebt: Die drei paar Gegenpunkte eines beliebigen Tangentenvierseits des Kegelschnittes werden aus jedem Brennpunkte F durch Strahlenpaare einer symmetrischen Involution projiziert; die zu einander normalen Doppelstrahlen dieser Involution sind konjugiert. Dieser Satz gilt auch für den Kreis und seinen Mittelpunkt. '^. Konfokale Kegelschnitte liegen in einer Ebene und haben dieselben zwei Brennpunkte, also auch dieselbe Hauptachse ; sie sind entweder Parabeln oder konzentrische Ellipsen und Hyperbeln. Eine Schaar konfokaler Kegelschnitte ist nebst ihren Brennpunkten durch eine beliebige ihrer Kurven bestimmt; einer ihrer Kegel- schnitte zerfällt als Kurve zweiter Klasse in die beiden Brenn- punkte. Zwei zu einander normale Gerade c/, g^ der Ebene sind konjugiert bezüglich der konfokalen Kegelschnitte, wenn sie die beiden Brennpunkte harmonisch trennen. (1.) Die Pole einer Ge- raden g bezüglich der konfokalen Kegelschnitte liegen folglich auf einer zu g normalen Geraden /y, , die von g harmonisch getrennt ist durch die beiden Brennpunkte. Wenn also zwei normale Ge- rade konjugiert sind bezüglich eines Kegelschnittes k, so sind sie konjugiert bezüglich aller mit h konfokalen Kegelschnitte. Dieser Satz enthält eines der wichtigsten Merkmale konfokaler Kegel- schnitte. 4. Die Tangentenpaare, die aus einem beliebigen Punkte P an die konfokalen Kegelschnitte gezogen werden können, liiiden eine symmetrische Involution, deren zu einander normale Doppel- strahlen f/, r/i die Winkel zwischen den Brennstrahlen von P hal- bieren (2.) und bezüglich der Kegelschnitte konjugiert sind. Zwei der konfokalen Kegelschnitte berühren g resp. g^ in P und schneiden sich rechtwinklig in P. Die Ebene wird demnach durch die kon- fokalen Kurven in unendlich kleine f?echtecke geteilt. Von den beiden durch P sehenden konfokalen Kurven ist die eine eine Beweis einiger Sätze von Chasles über konfokale Kegt-lschnitte. (57 Ellipse, die andere eine Hyperbel, falls nicht beide Parabeln sind ; denn ihre Tangenten g, r/j trennen die Brennpunkte harmonisch, die eine schneidet also die Hauptachse zwischen den beiden Brenn- punkten und berührt in P die Hyperbel, während die andere in P die Ellipse berührt. Eine beliebige Gerade g berührt einen der konfokalen Kegelschnitte; sie wird in dem Berührungspunkte von ihrer konjugierten Geraden g^ rechtwinklig geschnitten. 5. Den Strahlen eines beliebigen Punktes U der Ebene sind bezüglich der konfokalen Kegelschnitte die Tangenten einer Parabel konjugiert (vgl. 8.); die Polaren von ?7 bezüglich je eines der Kegel- schnitte berühren dieselbe Pai-abel. Die Pole von zwei beliebigen Geraden g, h bezüglich je eines der konfokalen Kegelschnitte sind folglich homologe Punkte von zwei projektiv ähnlichen Punkt- reihen giJii- — Die Parabel berührt auch die Achsen der konfokalen Kegelschnitte, und in U schneiden sich zwei ihrer Tangenten rechtwinklig (4.). Die Punkte, in denen die Strahlen von i^ je einen der konfokalen Kegelschnitte berühren und zu je einem anderen normal sind, liegen auf einer Kurve dritter Ordnung, die sich selbst in t/" rechtwinklig schneidet. Diese Kurve wird erzeugt durch den Strahlenbüschel f/und den zu ihm projektiven Tangenten- büschel der Parabel. H. Andere weniger bekannte Eigenschaften konfokaler Kegel- schnitte hängen mit Vierseiten zusammen, die Kreisen umschrieben sind. Zunächst beweisen wir den Satz : „Die vier Brennstrahlen von zwei beliebigen Punkten 0,0^ .eines Kegelschnittes berühren einen Kreis." Ist nämlich M der Schnittpunkt der Tangenten von G und ö, , und sind F,F^ die beiden Brennpunkte (Fig. 1), so bildet FM gleiche Winkel mit FG und FG^ (2.), und .1/ hat gleichen Abstand von FG und FG^ , ebenso aber von F^ G und b\ G^ . Weil aber die Tangente GM gleiche Winkel mit den Brennstrahlen ihres Berühiung.s- punktes G bildet, so hat M auch von FG und b\G und folg- lich von allen vier Geraden FG, FG^, FiG und l'\Gi gleichen Abstand. Diese vier Brennstrahlen werden also von einem Kreise berührt, dessen Mittelpunkt M ist. 7. Wenn G^ den Kegelschnitt beschreibt, so ändert sich der Kreis, indem er die Geraden FG und F, (? beständig berührt : sein Mittelpunkt beschreibt die Tangente von G. Daraus folgt : 68 Theodor Eeye. „Zieht inaii an diu einem Winkel eingeschriebenen Kreise „aus zwei Punkten F,F^ der »Schenkel je zwei andere „Tangenten, so treffen sich diese auf einem den Winkel „halbierenden Kegelschnitt, der 7*^ und F^ zu Brennpunkten „hat. Zwei beliebige Gegenpunkte eines Kreistangenten- „Vierseits sind demnach die Brennpunkte von zwei Kegel- „ schnitten, die je zwei andere Gegenpunkte des Vierseits „verbinden. Und zwei beliebige Punkte G, 0^ eines Kegel- „schnittes sind folglich (6.) die Brennpunkte eines zweiten „Kegelschnittes, der die Brennpunkte F,F^ des ersteren „verbindet." Fi-. 1. Dieser letzte Satz lässt sich für Ellipsen und Hyperbeln auch mittelst der Sätze von der Summe oder Differenz der Brennstrahlen beweisen. Ist z. B. der erstere Kegelschnitt eine Ellipse, so ist : FG^F,0 = FG, H- F^ G, und folglich FG — FG^ = F, G, — F, G. Die Brennpunkte FF^ der Ellipse liegen demnach auf verschiedenen Zweigen einer Hyperbel, welche die Ellipsenpunkte G,G^ zu Brenn- punkten hat. 8. „Die vier gemeinschaftlichen Tangenten eines Kegel- „schnittes k und eines Kreises bilden ein Vierseit, dessen „drei paar Gegenpunkte auf drei mit k konfokalen Kegel- „schnitten liegen." Zum Beweise dieses Satzes benutzen wir einen früheren (2.), dass nämlich die drei paar Gegenpunkte AA.^, BB^ und C'C, des Beweis einiger Sätze von Chasles ül)er kon fokale Kegelschnitte. (59 Vierseits (Fig. 2) aus dem Mittelpunkte M des Kreises durch Strahleupaare einer symmetrischen Invohition projiziert werden. Die zu einander normalen Doppelstrahlen dieser Involution sind konjugiert bezüglich aller dem Vierseit eingeschriebenen Kegel- schnitte; denn die beiden durch M gehenden Tangenten jedes solchen Kegelschnittes bilden ein Strahlenpaar derselben Involution. (Vgl. den Satz von Desargues.) Die beiden normalen Doppel- strahlen der Involution sind insbesondere konjugiert bezüglich des Kegelschnittes k und folglich (3.) auch bezüglich der mit k kon- Fig. 2. fokalen Kegelschnitte. Einer dieser Kegelschnitte berührt MA und zugleich den zugeordneten Strahl J/.4, der Involution. Nun werden aber die Winkel der beiden in A sich schneidenden Tangenten von k durch zwei zu einander normale Gerade halbiert, die in Bezug auf k und die mit k konfokalen Kegelschnitte kon- jugiert sind, und MA ist eine dieser Halbierungslinien. Jener mit k konfokale Kegelschnitt berührt deshalb MA im Punkte A (4.), ebenso aber MA^ in .1,; er verbindet die beiden Gegenpunkte .4,^, des Vierseits mit einander. Ebenso liegen die Gegenpunkte i^, .ß, oder CiCi auf einem mit k konfokalen Kegelschnitte, dessen Tangenten in B und i?. resp. C und C\ beide durch M gehen. 70 Tlu-odor Reyc. IJ. Aendert dw Kifis sich stetig so, dass er die beiden durch A gehenden Tangenten vun k beständig berührt, so beschreibt der Schnittpnnkt yl, der übrigen beiden gemeinschaftlichen Tangenten einen durch A gehenden, mit k konf'okalen Ivegelschiiitt Aj . Wir schliessen daraus: „Die zwei ])aar Tangenten, die von zwei Funkten eines „Kegelschnittes A', an einen konfokalen Kegelschnitt A" „gezogen werden können, berühren einen Kreis". (Chasles.) 10. Mit Hülfe dieses Satzes lassen sich die merkwürdigen Eigenschaften konfokaler Kegelschnitte beweisen, die von Chasles') 1843 ohne Beweis veröffentlicht wurden. Diese Eigenschaften hängen mit der Theorie der elliptischen Integrale innig zusammen ; sie bezichen sich nämlich auf gewisse Bögen eines Kegelschnittes, deren DiÜerenz rektitizierbar, d. h. durch eine gerade Strecke ge- nau darstellbar ist. Chasles nennt diese Bögen „ähnlich" (semblables) ; wir wollen sie lieber „vergleichbar" nennen. Den Beweis der Chasles 'sehen Sätze unternahm 1856 de Jonquieres in seinen „Melanges de Geometrie pure" S. 55 — 105. Leider aber krankt seine Abhandlung an einer zu allgen. ■einen Definition der „arcs semblables", die ihn zu falschen Folgerungen, z. B. auf S. 94, veranlasst; und seine Beweisführung zeigt gleich zu Anfang eine bedenkliche Lücke. De Jonquieres beruft sich nämlich (S. 57 u.) darauf, dass es unmöglich sei, einen elliptischen Bogen SS zu rektifizieren; den Beweis hiefür aber giebt er nicht und kann er nicht geben. Zudem handelt es sich a. a. O. nur darum, ol) elliptische Bögen existieren, die genau so lang sind, wie gewisse gerade Strecken, nicht aber darum, ob sie konstruiert oder berechnet werden können : der vermisste Beweis würde also nicht einmal die Lücke ausfüllen. Es sei mir deshalb gestattet, die wichtigeren Sätze von Chasles hier anderweitig zu begründen. 11. Der Einfachheit wegen bezeichne ich als den „Pol" und die „Schenkel" eines Kegelschnittbogens PQ den Schnittpunkt -.4 der Tangenten seiner Endpunkte P. Q und die Abschnitte .4P und AQ dieser Tangenten. Von Ellipsenbögen setzen wir voraus, dass sie den halben Umfang der Ellipse nicht überschreiten. Zwei Böcren eines Kegelschnittes k aber nennen wir vergleichbar ') In den Comptes Kendus vom 23. Okt. 1843, t. XVll p. 83S-844. Beweis einiger Sätze von Chasles über konfokale Kegelschnitte. 71 (semblables). wenn ihre Pole auf einem mit /: konfokalen uml k umschliessenden Kegelschnitt liegen. Xacii Chasles gelten dann u. a. folgende Sätze: I. „Die Differenz von zwei vergleichbaren Kegelschnittbögen „ist rektifizierbar; sie ist nämlich gleich der Summe der „Schenkel des einen vermindert um die Summe der Schenkel „des anderen Bogens. Die Tangenten der vier Endpunkte „von zwei vergleichbaren Bögen berühren einen Kreis." II. „Wenn zwei vergleichbare Bögen eines Kegelschnittes k „in einem Endpunkte zusammenstossen, so ist ihre Diffe- „renz gleich der Differenz der Schenkel ihrer Bogensumme. „Der gemeinschaftliche Endpunkt liegt mit dem Pole dieser „Bogensumme auf einem mit k konfokalen Kegelschnitt. „In ihm wird k von einem Kreise berührt, der mit k auch „die Tangenten der anderen beiden Endpunkte gemein hat." 12. AVir wollen diese Sätze beweisen. Zwei vergleichbare Bögen PQ und 1\ Q^ von k werden nach einem vorhin bewiesenen Satze (9.) in ihren Endpunkten von vier Tangenten eines Kreises berührt, weil ihre Pole A und .4i, in denen je zwei dieser Tan- genten sich schneiden, auf einem mit k konfokalen Kegelschnitt k^ liegen. Die Tangenten AP und AQ (Fig. 2) mögen den Kreis in P' und (/ berühi'en, ferner die Tangente A^ P, in resp. C und J5j , die Tangente AiQ^ aber in resp. B und C, schneiden; von ^-Ij Pj und Ai Qi werde der Kreis in P^' und (^, ' berührt. Dann sind AAj, PP| und t'C, die drei paar Gegenpunkte des Tangenten- vierseits. Wenn ^4, auf k\ unendlich nahe an A hinanrückt, so wird der Kreis verschwindend klein, und es vereinigen sich noch zwei Gegenpunkte B, B^ mit A\ zugleich fallen die übrigen beiden Gegenpunkte C\ C, mit resp. P und Q zusammen. Nun ist bei beliebiger Lage von A und J., auf k^ (vgl. Fig. 2) : CA-^ACy = CP 4- Q'C, = CP,' 4- Q,'C\ = CA, + A,C, : Die Gleichung CA -}- JiC, = CA, + ^4) C, aber lässt sich schreiben: (PA - PC)-\-{AQ + QC,) = (CP, + P, A.) 4- {A,Q, - C, Q,\ woraus folgt: {PA-^AQ)-{PC+CP,) = {P,A, -:-A.QJ-(QC. -t-C\(^,) In dieser Gleichung fallen, wenn .4 und .4, auf /,-, unendlich nahe beieinander liegen, die Streckensummen PC + CP, und QC, -r C, Q, Theodor Reye. mit den resp. Bogenelementen jPP, und QQy zusammen. Wird von beiden Seiten der Gleichung noch der Bogen Pj Q subtrahiert, so ergiebt sich: l....PÄ-hAQ-K^ = F,A,-i- A, (l - i{7^, , und damit der Satz: „Wenn auf einem Kegelschnitt k ein Bogen FQ seine Lage „und Länge so ändert, dass sein Pol A einen mit k kon- „fokalen und k umschliessenden Kegelschnitt A-, beschreibt, ,so bleibt die Differenz seiner Länge und der Summe „PJ.-h.4Q seiner Schenkel konstant." Fiff. 2. Die Gleichung I und dieser Satz gelten zunächst für unend- lich nahe Punkte A,Ai, also für unendlich kleine Verschiebungen, dann aber auch für endliche Verschiebungen des Poles A, weil diese aus unendlich kleinen sich zusammensetzen. Die Sätze L von Chasles sind damit bewiesen. 13. Die beiden Gegenpunkte B.B^ des Vierseits liegen auf einem mit k und /.-, konfokalen Kegelschnitt A-.2 (8.), welcher A-, und dann auch A* schneidet. Wir lassen nun das Vierseit so sich ändern, dass P, den Kegelschnitt A., beschreibt, P aber fest bleibt. Wenn dann P, unendlich nahe an den Schnittpunkt S von A'o und Beweis einiger Sätze von Chasles über konfokale Kegelschnitte. 73 k hinanrückt, so vereinigen sich die beiden Tangenten B^ I\ und Z?i Q von l{ mit der Tangente des Punktes S, und ihre Berührungs- punkte P, und Q fallen mit S zusammen; der dem Vierseit ein- geschriebene Kreis aber geht über in einen Kreis, welcher den Kegelschnitt k in S, ausserdem aber die beiden Tangenten BP und BQj von k berührt. Zugleich gehen die Punkte A, A^ über in die Pole A' ,A\ der Kegelschnittbügen FS und 6'(^, , und da sie nach wie vor auf einem mit k konfokalen Kegelschnitt liegen, so sind diese beiden Bögen vergleichbar. Nach Gleichung 1. ist also: PS — 'SQ, = PA' -^ A' S - iSA,' -rA.'Q,) Die Tangenton A' S und SA/ aber sind gleich den resp. anderen Tangenten, die von .-1' und A^' an den Kreis gehen, und folglich wird: ÄS- SA,' = AB— SA,'. Die vorige Gleichung geht dadurch über in: II PS - SQ, = PB — BQ, ; die Sätze tl von Chasles aber sind hiemit bewiesen. 14. Addiert man auf beiden Seiten der Gleichung I. einen Bogen KL, der PQ und P\ Q, überdeckt (vgl. Fig. 2), so ergiebt sich aus I ohne weiteres der Satz : „Wird ein unendlich dünner Faden von gegebener Länge „mit seinen Endpunkten K, L an einem Kegelschuitte k „befestigt und durch eine beAvegliche Spitze so gespannt, „dass er mit seinen beiden Enden • an k sich anlegt, da- , zwischen aber mit zwei in .4. sich schneidenden Tangen- „ten zusammenfällt, so beschreibt die Spitze A bei ihrer „Bewegung einen mit k konfokalen Kegelschnittbogen. ** Der Satz gilt auch für den Fall, dass k eine Hyperbel ist und K, L auf verschiedenen Hyperbelzweigen liegen: doch unter- drücken wir den Beweis für diesen Fall. Wird ein geschlossener Fadeu um eine Ellipse gelegt und wiederum durch eine sich bewegende Spitze A gespannt gehalten, so beschreibt A eine mit jener konfokale Ellipse. 15. Wenn auf einem Kegelschnittzweige /.■ zwei an einander grenzende Bögen PQ und (^i mit den resp. amleren P, f^, und (^, /i, vergleichbar sind, so ist auch ihre Bogensumme J^li mit P, A*, 74 Theodor Reve. vergleichbar. Denn die l'ole der Bögen PP,, (^(^, und ii!P, liegen auf einem mit k konfokalen Kegelschnitt, wie man durch stetige Aenderung der Punkte Ji und li^ leiclit beweist; die Bügen PR und P, P, werden folglich in ihren Endpunkten von vier Tangen- ten eines Kreises berührt, und daraus folgt der Satz. Aus ihm er- giebt sich ohne weiteres seine Verallgemeinerung: „Zwei Bögen PA' und P, R^ eines Kegelschnittzweiges „sind vergleichbar, wenn jeder von ihnen aus m Teilbögen „besteht, die mit je einem der m Teilbögen des anderen „vergleichbar sind." 1(5. Wenn die m Teilbögen von PA' mit einander vergleich- bar sind, so sind es auch die m Teilbögen von F^ B^ ; denn aus der Definition (11.) folgt sofort, dass zwei mit einem dritten ver- gleichbare Bögen auch mit einander vergleichbar sind. Daraus ergiebt sich : „Sind zwei vergleichbare Bögen PA und Pj A, eines Kegel- „ Schnittes k in je m vergleichbare Teilbögen geteilt, so „liegen die Pole dieser 2 m Teilbögen alle auf einem mit „/.• konfokalen Kegelschnitt Aj '). Die Tangenten der End- .,und Teilpunkte bilden die Seiten von zwei Polygon- „ stücken, die dem Kegelschnitt k^ eingeschrieben und den „resp. Bögen PÄ und Pj Aj umschrieben sind. Die Differenz „von PA und PiBi ist gleich der Differenz der Umfange «dieser beiden Polygonstücke (11.)." 17. Für die Ellipse ergiebt sich hieraus: „Wird eine Ellipse in ui vergleichbare Bögen geteilt, so „bilden die Tangenten der m Teilpunkte ein ihr umschrie- . benes Polygon, dessen Eckpunkte auf einer bestimmten, „mit k konfokalen Ellipse k^ liegen. Jeder Punkt der „Ellipse Aj ist Eckpunkt eines ihr eingeschriebenen m- „Eck?, welches der Ellipse A- so umschrieben ist, dass A* „durch die Berührungspunkte der m Seiten in m vergleich- „bare Bögen geteilt wird. Alle solche »«-Ecke haben „gleichen Umfang." ') Nach de Jonquieres (a. a 0. S. 94) enthält Ä:, die Pole aller Bögen von k, die gleich dem w'«» Teile des Bogens Pli sind. Das ist unrichtig: denn sonst wären ja gleich lange Bögen vergleichbar und vergleichbare Bögen gleich lang, was nur bei besonderen Lagen der Bögen zutriti't. Beweis einiger Sätze von Chasles über konfokale Kegelschnitte. 75 Cliasles, dem wir auch diese Sätze verdanken, bemerkt noch, dass dieser Umfang ein Minimum resp. Maximum ist im Vergleich mit andern )»-Ecken, die der Ellipse Ic umschrieben resp. der Ellipse /.-, eingeschrieben sind. 18. Wenn zwei Tangenten eines Kegelschnittes k auf einem mit /.• konfokalen Kegelschnitt Aj sich schneiden, so l)ilden sie gleiche AVinkel mit der Tangente von /i, im Schnittpunkte (4.) und können daher als die beiden Richtungen eines an k^ reflek- tierten Lichtstrahles aufgefasst werden. Daraus und aus dem Vorhergehenden folgt: „Ein Lichtstrahl, der an der Innenseite einei" Ellipse „/r, immer aufs neue reflektiert wird, berührt mit allen „seinen Lagen einen mit /r, konfokalen Kegelschnitt A". „Ist auch A' eine Ellipse, und kehrt der Strahl nach „m Reflexionen zu seinem Ausgangspunkte zurück, so „giebt es unendlich viele y;<-Ecke, die der Ellipse k um- „nnd zugleich der Aj eingeschrieben sind. Alle diese )>/- „Ecke haben gleichen Umfang." Strassburg i. E.. 3. Oktober 1895. Zur Theorie der Strahlensysteme, deren Brennflächen sich aus Flächen zweiten Grades zusammensetzen. Von Ferdinand Rudio. Nachdem ich mich bei früheren Gelegenheiten speciell mit denjenigen Strahlensystemen vierter Ordnung und vierter Klasse beschäftigt hatte, deren Brennflächen konfokale Flächen zweiten Grades sind — und zwar insbesondere mit denjenigen Flächen, deren Xormalensysteme durch solche Strahlensysteme dargestellt werden, — wandte ich mich im 104. Bande des Crelle'schen Journals auch den Mittelpunktsflächen dieser Systeme zu. Sind zwei konfokale Flächen zweiten Grades (A) und (u) durcli die Gleichungen gegeben 1, « — X ' 6 — X c — X z^ _^ .?/- , z^ . a — ," ' b — u ' c — u ' und bezeichnet man mit x, jj, z die rechtwinkligen, mit u, v die elliptischen Koordinaten eines beliebigen Punktes P der Fläche A, so wird das Strahlensystem, dessen Brennflächen sich aus (A) und (a) zusammensetzen, durch die Gleichungen definiert: y. I U ii — tt , V M — y « ^ = « — — • -1 ' ' « — i( V — H a — V II — o' / U u — u V u—v\ ' ^~ y ^b—u V — ii b — V u — V' U. u — u , V u — ü\ L= Z _L^ Zur Theorie der Strahlensysteme. 77 Hierbei bedeuten i', /^. -' die Richtungskosinus eines der beiden durch P gehenden Strahlen des Systems, und es ist zur Abkürzung sresetzt : TT = ]/(«-»)(/>-?t)(o-») y ^ y{a-v){b-v){c-v) ] (\-u){u-ll) ' I (X-V){u-V) ' Ist r die Entfernung des Punktes P von dem Berührungs- punkte des Strahles (i", ?,, L') mit der Fläche («), so gilt die ein- fache Formel: u — v '^ — Jj^rp^' und die Mittelpunktstläche des zu (A) und (,«) als Brennfläehen gehörigen Strahlensystems wird alsdann durch folgeride Gleichungen dargestellt: , 1 - , ,1 , , 1 - insofern x, y , z den Mittelpunkt der Strecke r bezeichnen (vergl. die oben erwähnte Abhandlung im 104. Bande von Crelle's Journal). Man kann aber auch ganz direkt und auf elementarem Wege zu einer einzigen Gleichung zwischen x , y , z gelangen. Zugleich lässt sich die Aufgabe dadurch verallgemeinern, dass man die Voraussetzung, die Brennllächen seien konfokal, fallen lässt und allgemein nach den Mittelpunktsflächen derjenigen Strahlensysteme fragt, deren Brennfläehen sich aus zwei konzentrischen Flächen zweiten Grades mit den Gleichungen : a^x^ -\-h^iß -^ c^z^ -\- d^ =0, «2 x"' + io \ß + c.y zr -\- d., ^^ 0, oder abgekürzt /, — 0 und f., - 0, zusammensetzen. Eine gemeinschaftliche Tangente der Flächen/^ = 0 und/o = 0 möge diese in den Punkten 1\ und L\ mit den Koordinaten Xy, v/, , z, und .r._,, v/o, Zo berühren, der Mittelpunkt P von P^ und /o habe die Koordinaten x, y, z. Dann gelten die Gleichungen: 78 Ferdinand Rudio. rt, xi -f- 6, 1/] H- c, z] + cZi = 0, a,. ^2 -h ''>'.' 2/2 H- c. z', -\- (L = 0, tti XX-, -f- />, ////i 4- ci zz, -r (Z, = 0, «2 XX, 4- i.' ///y.- H- Co zz-i -f- c/o = 0, _ 3^1+ -gj _ j/i + ?/i _ ^i + ^-i aus welchen ./■, , //j, .i'i, x^, //o, ,2.^ zu eliminieren sind. Man setze, entsprechend den drei letzten Gleichungen : ^1 = X — X, ?/i = // — iit, Zi = z — V, 37a = ^ -■ ■ K U> --= U -(-- 1«, z-i = z~^-v, wodurch die vier ersten Gleichungen übergehen in : aiA=^-r ii.u^-fc,v- — /i =0, rtoA^ -f- i^,a^ + c, ^^ — /2 = 0, « j jL' A -( - ij y ^u + Ci z V — /i = 0, «^ .r A -f- (^2 y M- '~^ Co z 7-» -^/o ^^ '^• Die Aufgabe, aus diesen Gleichungen k, ^i, v zu eliminieren, kommt darauf hinaus, die Bedingung anzugeben, unter welcher eine durch zwei Ebenen bestimmte Gerade durch die Schnittkurve zweier Flächen zweiten Grades hindurchgeht. Diese Bedingung ist im Art. 217 des ersten Bandes der Salmon-Fiedler'schen Kaum- geometrie (2. A. 1874) aufgestellt und in die Form gekleidet worden : Tt''^ = ^ Q q' . Hierbei sind q, o' und 7t als sechsgliedrige Summen definiert durch : Q ^ Hftn a-n (I3 ^1 — ^.1 ^lY, Q = Eaü «.>■• (I3 II — I3 14)'", n =^ Ei(iu a., + aü «.,) (^3 tl — b'i li)", insofern die cia- und a.'i- die Koeffizienten der beiden Gleichungen zweiten Grades und die |. und t\ diejenigen der beiden Gleichungen ersten Grades bedeuten. Zur Theorie der Strahlensysteme. 79 Dieselbe Gleichung n;^ = 4 p 9' ist daher auch die Gleichung der gesuchten Mittelpunktsfläche, sobald man a,, =^ «i etc., «,', = rt, etc , £, = (ixX etc., ^'i ^= 02 jc etc. setzt. Für 9, 0' und 71 erhält man alsdann die folgenden Ausdrücke : 9 = 6, Ci (a, /o + a., /i )- X' — • • — '/, /, (l^i c, — ioC, )- //"'* s" — • • 9' ^ i.jc, (a, f., H- a^ /, )^ .c- -\ — — a., /o (i, c, — i^ cj^ //- ^'- — • • n = (6j c, + bo c, ) («1 /o - ^^2 ./"i )' -^'^ — («1 /i -+- «2./1) (^1 ^2 — ^2 ci )- .y^2^ Auch ohne die Struktur der Gleichung :;r^ = 499' weiter zu verfolgen, erkennt nuui, dass die Mittelpunktsfläche von /, = 0 und /o =^ 0 eine Fläche zwölfter Ordnung ist. Da ferner o, q und TT sich als lineare Formen von /, und /o schreiben lassen, so kann man die Gleichung jt"^ = 4 q q' in der Form darstellen: d. h. die Mittelpunktsfläche geht durcli die Schnittkurve von /, = 0 und /o — 0 hindurch, und diese Schnittkurve ist zugleich eine Doppelkurve unserer Fläche. Von (Un mannigfachen Specialfällen, die man din-ch besondere Wahl von /, = U und /o = 0 erhalten kann, seien hier noch zwei hervorgehoben. Es möge nämlich zunächst f\ = 0 in einen Kegel- schnitt, etwa in a, x' -{- Ci z^ -^ d^ = 0, degenerieren. Die Mittel- punktsfläche des Strahlensystems, dessen Brennflächen sich aus diesem Kegelschnitt /, = 0 und der Fläche /g = 0 zusammensetzen, Avird dann bestimmt du)-ch Elimination der Grössen x'i , z, , .x'j, //.2. ^2 aus den Gleichungen : ai x\ -\- Ci z\ -1- c7i ^= 0, a, xi\ -f- ^2 2/2 H~ Ca z\ H- ein = 0, a. xx,-\-b. y iji + c,. z z, + di — 0, „ _ -^1 + PC., _ //, ^1 +2i X — . 2 ^ U — 2' "^ ~ 2 ' 80 Ferdinand Rudio. Das Ixcsiiltat lässt sich in die Form l)iing(.'ii : {l -+- »j - • n)" = 4 ^ Vi, wiüii iiuiii zur Ahkürziing setzt: l = al X' (ci d, — c, (-U — 4 Ci Z'^), m = d z' («i dl — a, d, — 4 a,/j), n = («i d — a< c,) {d, — -/.')'. Die Gleichung (/ -h m r nf ^ \ l n der Mittelpunktsfläche zeigt eine gewisse Analogie mit den Gleichungen g)" = 4 y/' li^ der von Kummer (im 64. Bd. von Crelle's Journal) untersuchten Flächen vierter Ordnung. Diese Analogie findet ihren Ausdruck insbesondere in der Existenz von Doppelkurven. Unsere Fläche ist von der achten Ordnung und besitzt zwei Doppelkurven, welche durch die Gleichungen : X = 0, m -{- n ^= 0 und Z ^ 0, 1—71 = 0 dargestellt werden. Die Realität dieser Doppelkurven hängt von den Koeffizienten von /, = 0 und f, = 0 ab. Die Fläche ist überdeckt von einer Schar von Kegelschnitten derart, dass durch jeden ihrer Punkte ein Kegelschnitt hindurch- geht. Sie lässt sich also durch die Bewegung eines sich stetig detorniierenden Kegelschnittes erzeugen, der jeweilen einem be- stimmten Punkte von /i == 0 zugeordnet ist und dessen Grösse und Lage durch den von diesem Punkte an /". = 0 gelegten Berührungskegel definiert werden. Geht endlich auch noch /, = ü in einen Kegelschnitt übei'. etwa in aoJ'~-h.,y--\-d., =0, so erhält man durch Elimination von x^, Zy, Xo, y.i aus den Gleichungen: a, x'l + c\ z'f + (^i = 0, a, x\ H- ^2 yl -\- di = 0, 2 it; = x, -h Xo, 2 y — yi, 2 z = 2 z, die Gleichung der Mittelpunktsfläche desjenigen Strahlen.systems, dessen Brennlhiieu J\ — ^ 0 und f\ = 0 sind. Die Gleichung stellt sich in der Form dar: insofern mau setzt: Zur Theorie der Strahlensysteme. 81 cp ^= 4: ((^ 6., //' — 4 rt._, Cj 3^ - • rfj d.y — a._, di Die Fläche ist von der vierten Ordnung und besitzt dvn in der // s-Ebene gelegenen Kegelschnitt qp = ü als Doppelkurve. Sie ist überdeckt von zwei Scharon von Kegelschnitten derart, dass durch jeden ihrer Punkte zwei Kegelschnitte, von jeder der beiden Scharen je einer, hindurchgehen. Die Kegelschnitte einer und derselben Schar sind einander kongruent und zwar ähnlich und ähnlich gelegen (mit dem Aehnlichkeitsverhältnis = -^) zu /', = 0 resp. f., - 0. Die Fläche kann daher auf zwei Arten durch die Bewegung eines Kegelschnittes von konstanter Grösse und konstanter Stellung der Ebene erzeugt werden. Ein specieller Fall wurde in der oben erwähnten Abhandlung (Crelle's Journal, Bd. 104) beschrieben. Ylerteljalirsschrift d. Natiirt'. Ges. Zürich. Jalirg. XLI. Jubclbaiul II. Darstellung der Fresnel'sclien Wellenfläche durch elliptische Funktionen. Von Heinrich Weber in Strassburg. Währond icli diese Zeilen sclireibe. sind fünfundzwanzig Jahre verflossen, seit ich der Züricher Naturforschenden Gesellschaft als Mitglied beigetreten bin. Es gereicht mir zur Freude, hier der Gesellschaft für die mannigfache Anregung und Förderung, die ich bei ihr gefunden habe, meinen Dank auszusprechen, und gerne komme ich daher der ehrenvollen Aufforderung nach, zu dem Jubelbande der Schriften der Gesellschaft einen Beitrag zu liefern. In meiner Abhandlung über die Darstellung der Kummer'schen Fläche durch Theta- Funktionen zweier Variablen (Grelles Journal für Mathematik Bd. 84) habe ich gezeigt, wie man eine Darstellung der Fresnel'schen Wellenfläche durch elliptische Funktionen erhält, wenn man diese Fläche als speciellen Fall einer Kummer'schen Fläche auffasst, für den die hyperelliptischen Theta-Funktionen in zwei elliptische Theta-Funktionen zerfallen. Von dieser Darstellung hat Volterra bei einer physikalischen Untersuchung Gebrauch ge- mächt (Acta mathematica, Bd. !(>, 1892, 1>8). Auch eine Arbeit von Humbert (American Journal, Bd. XIV 1894) beschäftigt sich mit diesem Gegenstand. Die damals von mir gegebene Darstellung war noch insofern unvollständig, als dabei nicht klar der Unterschied zwischen den beiden Mänteln der Wellenfläche hervortrat, und überhaupt ein deutliclier Einblick in die geometrische Bedeutung der ganzen Darstellung fehlte. Ich habe daher nach einer selbständigen Ab- leitung dieser Darstellung gesucht, wobei sich eine eindeutige Darstellung eines jeden der beiden Mäntel der Wellenfläche durch elliptische Funktionen ergab. Darstellung der Fresnel'schen Wellenfläche durch elliptische Funktionen. 83 Ich gehe von der bekannten geometrischen Konstruktion aus, nach der man die Punkte der Wellenfläche aus einem Ellipsoid erhält, wenn man in sämtlichen Zentralschnitten des Ellipsoids die Hauptachsen aufsucht und diese vom Mittelpunkt aus normal zu der .Schnittebene nach beiden Seiten aufträgt. Die grössere der beiden Hauptachsen des Schnittes gibt den äusseren, die kleinere den inneren iMautel. Die Gleichung des Ellipsoids, das wir das erzeugende Ellip- soid der Wellcnfläche nennen wollen, mag. auf die Hauptachsen bezogen, so angenommen sein: (1) ^ + ^-|-^-=l, ^ -^ a b c so dass ]a, ]h, ]c die Halbachsen sind, über deren Grüssenfolge wir die Annahme machen wollen: (2) a>h> c. W'lv bedienen uns in der Folge des Summenzeichens E, um eine Summe aus drei Gliedern zu bezeichnen, die aus dem ersten, explizite hingeschriebenen durch cyklische Vertauschung der Buch- staben I, ?;, t,\ X, y, z; a, b, c entstehen, sodass die Gleichung des Ellipsoids auch so dargestellt werden kann: (3) 2:^-==!. Um die Punkte des Ellipsoids durch elliptische Koordinaten darzustellen, bezeichnen wir mit jj, q die beiden von Null ver- schiedenen Wurzeln der in Bezug auf A kubischen Gleichung: W ^^. = !• oder die beiden Wurzeln der quadratischen Gleichung: , ^ ' a {a—l) (5) ^:n^u-^^, so dass: (6) a>p>b>ii>r und p = konst., q ^ ^ konst. die Gleichungen der beiden Scliaarcn der Krümmungslinien des Ellipsoids sind. Setzen wir noch zur Abkürzuug. indem wir mit f eine \'ariable bezeichnen, (7) <3P {t) = {a - 1) (b—t) {c—t), 34 Heinrich Weber. SO gelten nach der Bedeutung von j), q die in Bezug auf t iden- tischen Gleichungen: y^' a{a—t) schon sie hinlänglich bekannt sind, hier zusammen gestellt werden sollen. Aus (11) erhält man zunächst: ferner, wenn man in (9) f = 0 setzt: ^^^^ ^(i^-Yb^^ und wenn man (8) und (9) in Bezug auf t differentiiert und dann t = p und t = q setzt: V k' ^ P (p-q) .,. ^{a-pf /{q)\ Wir bestimmen nun eine durch den Mittelpunkt des EUipsoids (1) gellende Ebene E durch die Koordinaten ^, /;, t, des Berührungs- punktes einer zu E parallelen Tangentialebene an das Ellipsoid. und setzen demnach, wenn X, Y, Z die Koordinaten eines variablen Punktes dieser Ebene bedeuten, ihre Gleichung: ab c Um die Hauptachsen der Schnittkurve dieser Ebene mit dem erzeugenden Ellipsoid zu finden, haben wir also das Maxinuim ri und das Minimum r^ der Funktion (18) y X- --= . ('" unter den Bedingungen (19) 2 a = 1, 2: Xj- 0 zu suchen, und dafür erhält man nach der Multiplikatoren-Methode die Gleichungen : {a — A) X =--- u t, (20) (b~-k) Y^^n, ic — V)Z =- {i t. Die fünf Gleichungen (19), (20) dienen zur Bestimmuuuig der fünf Unbekannten A', Y, Z, l, ,u. Multipliziert mau die (^ieicliungen (20) mit: X jf Z a' b' c' 86 Ufimith Weher. mul addiert, so ergiebt sicli aus (18) und (llij: (21) A = ,•^ lind wenn man die drei aus (20) folgenden Gleichungen (oo) V — '" ' V — "^ y _ ," ^^ ^' — A r; — A c — ). mit multipliziert und addiert: (2;^) 2:— i-- = 0. a (a — X) Diese Gleichung stimmt mit (5) überein. und daraus und aus (21) folgt: (24) r1 = p, rl = q. Die Kichtungskosinus der Normalen der Ebene E stehen in dem Verhältnis : und diese Kosinus selbst sind daher nach (14): j habe ^i Vobc ^ yTibc Auf dieser Normalen tragen wir nun in einer der beiden Kichtungen die Strecken: auf und erhalten zwei Punkte, die dem äusseren und inneren Mantel der Wellenfläche angehören, deren Koordinaten so aus- gedrückt werden können: Darstellung der Fresnerschen Wellenfläche durch elliptische Funktionen. 87 und wenn man den Punkt (^, n, t) das ganze erzeugende Ellipsoid durchlaufen lässt, so durchläuft. U'i y,, Zi) den äusseren, U,, 1/2, z,) den inneren Mantel der Wellenfläche. Die beiden Mäntel hängen in den Knotenpunkten zusammen, in denen _ r, = r, = ib ist. Hier ist j^ = q = b, also nach (11): und folglieh : _ _ Vcia-b) (27) yi = ^2 = 0 , Aus (26) ergil)t sich mit Hilfe von (:3) und (U): „ o ,. o abc (28) Lx\= p, 2ja x\ = -^, (29) :^^2 = ^, Eaxi = '^. Auf dem äussern Mantel der Wellenfläche werden also die Kurven p = konst. von einer Schar konzentrischer Kugeln ausge- schnitten, deren innerste p =- b die Fläche in zwei durch die Knotenpunkte gehenden Kreisbögen berührt. Die Kurven q = konst. werden von ähnlichen Ellipsoiden aus- geschnitten, deren äusserstes die Fläche in zwei Ellipscnbögen, die der Ellipse .2 ac angehören, berührt. Aehnliches gilt für den inneren Mantel, auf dem die Kurven q = konst. sphärisch, die Kurven p = konst. ellipsoidisch sind. Um die Gleichung der Wellenfläche in rechtwinkligen Koordi- naten abzuleiten, kann man in der Gleichung (5): Heinrich Weber. s , ^' ^ 0 (1{(1—P) aus (20) setzen : und aus (28): (30) ^,=,;^+y2^,2_^2^ wodurch sieh diese Gleichung in der Form ergibt ran «g' ^/z' ^^s' __ ^ oder auch, indem man setzt, mit x^ multipliziert und die Summe 2; nimmt, mit Rücksicht auf (30) die gewöhnliche Form dieser Gleichung: (32) ^+,-^^-7^ = l- Nach (11), (25), (26) lassen sich die Koordinaten der Punkte der Wellenfläche durch die beiden unabhängigen Veränderlichen IJ, q ausdrücken. Man erhält für den äusseren Mantel: l/ja — b) {b — c) i/rt — q /QQ\ 1/(6 — c) (g^c) ^ 7 1/6 — 7 l/{a-c) (b-c) _ VT^c und für den inneren Mantel: 1 /(g - 6) ja - c) l/g-i? ,' r — vc — ^^ = r "T" >" - -Z' (34) V^^-^if-^. = |^ \/{a — c) (b ^ l/p - c .1 r — ^b — ^~^ ^ r "ir ^5 - c. Darstellung der Fresnel'schen Wellenfläclie ilurch elliptische Funktionen. 89 Wir haben die Quadratwurzeln so dargestellt, dass sie alle reell werden. Gibt man allen das positive Zeichen, so cM-liält man die Punkte des positiven Oktanten. Durch logarithmische Differentiation der ersten (Tleichung (33) folgt: .. , JCtdp , a x, (Iq — 2 (l J-, = -f- a—jy qid — a)' oder nach (26) : ._ ^^ ^ \äbj; / iclp , Ulq \ ^ 2\q ^'l(/i' — y) ' qdl — q)/' woraus nach (lo) für das Quadrat des Linienelenientes auf dem äusseren Mantel : 4^/1^ a-{a—pr q- vi — qri und endlich nach (17): (35) dsi = ^4- (d ö-^-f^ ^j-^), und ebenso für den inneren Mantel: (36) dsi = 4" {do^^ - ¥ 2;%f-<\ ^ ^ p^ \ 4 «' [a — qY ) Hieraus ergibt sich, dass die Kurvenscharen p = konst. fy = konst. auf beiden Mänteln orthogonale Scharen bilden. Die durch diese Kurvenscharen vermittelte Abbildung der Wellen- Hache auf das Ellipsoid ist aber nicht in den kleinsten Teilen ühnlich. Die Formeln (33), (34) sind nun geeignet, uns ilio Koordinaten a;jj,//,,z, und a?.,, ?/._,, z^, durch elliptische Funktionen darzustellen. Man braucht dazu Funktionen mit zwei verschiedenen Moduln, und l)edient sich am besten der Jacobi'schen Bezeichnung. \Vir betrachten zunächst den äusseren Mantel, und weiulen zwei verschiedene lineare Substitutionen an, die durch die Zusani- meiigeh("trigkeit der Varial)len :c, //, wie sie die folgenile Zusammen- stellung zeigt, charakterisiert sind: Heinrich WeVier. :r) a. ^ c, cc y) 0, 1, 1 00 x) a, h, c, 0 ■y) l. 1. 0, ^, 90 1. II. worin x*, A^ die Moduln zweier elliptischer Integrale sind. Die Tabelle I. II giebt dann folgende Transformation: T a — X ., a — b •^ o — c ^-l-yi-y, a - - X a- -b X- -b a - -b X - - c i a~cdx _ r dy^ V la - x) {X - b) (x -T) ~ J \'ya^]jr^V' H) na — xc . ,0 ,0 {b — c)a x^ a a — ex ^ (a — C)b o ' b — X c . y ., (a — b) c y- c b — c X ~~ ^' " \(( — C) b " b X — c b J \fx(a-x)(b-x){x—c) J y, y r ,1 „ b — ex \ia — c)b(lx f <1 n \x{a-x){b-x){x—c) J i v{\-ij){\—l?y) c 0 ' " " Um dies auf die Darstellung des äusseren Mantels anzu- wenden, bat man x = /v in I und x = q in II zu setzen, und findet so nach (33): x^ ^= y h sn {u, x) dn {v, l), (35) //, = 1 a kc n{)i, x) c n {v, k), .", = 1 a d n (u. y.) .s n {v, ?.). Man erhält hieraus alle Punkte des äusseren Mantels des (Jktanten, und jeden nur einmal, wenn man ti und v als unab- hängige Variable die Intervalle 0 bis A' uud (i bis /. durchlaufen lässt, wenn A' und /> die vollständigen elliptischen Integrale Darstellung der Fresnerschen Wellenfliiche durch elliptische Funktionen. 91 1 f V" 27 V(a-ar) ^ ^ , , " — c dx 27 V (« — ar) (^ — b) {X - r)' b / ^ ^ f ^' (" ~ ^) ^ ^^^ " ~ 2 J V ;r (a - .r) (& - ,r) (.r — r) c bedeuten. Die entsprecheiidon Ausdrücke für den inneren Mantel kann man auf dem gleichen Wege herleiten. Man kann aber auch die l'ormeln (35) auf den inneren Mantel anwenden, wenn man x = (j in I. und x ^= p in II. setzt. Dies kommt darauf hinaus, dass man die Variablen u, v in (35), nicht die Intervalle 0, K und 0, />, sondern die Intervalle K, K-r i A'' und L, L ^- i IJ durchlaufen lässt. (wenn Ä"', L' wie gewöhnlich die vollständigen Integrale für die komplementären Moduln x' und A' bedeuten). Dann erhalten u, c imaginäre Werte und man kann die reellen Ausdrücke durch die bekannten Transformationsformeln der elliptischen Funktionen linden, wenn man u. d durch K -\- i K' — in, L-\-iL' — ic> er- setzt, und dann a von 0 bis K' , v von 0 bis L' gehen lässt. So ergeben sich mit Anwendung der bekannten Formeln: s n (A'-i • i K' — in) = — - dn{u, x ), c n (A" -f- ' A' — /' u) = -^ c n {u, x'), d )i {K i Iv — i u) = h' s n («, x'), für Xo, y.y, Z.2 die Ausdrücke: X,, = ] c du {u, '/) s n (v, X'), [f., ^= '\ c % cn (», x') c n (y, A' ), z.^ = 1 A .s- )i («, x') d II (r. A' ). Freudenstadt im August 1895. '"""^^^^^^^ ^^c GEOD/tSIE&ASTRONOMIF. Eelative Schweremessungen in der Schweiz. Von Johann Baptist Messerschmitt. Die genaue Kenntnis der Aenderungen der Schwere auf der Erde ist nicht nur für die Geophysik, sondern auch für eine Anzahl anderer Disziplinen von Wichtigkeit. Für die Geodäsie liefert sie ein Element zur Bestimmung der Gestalt der Erde, sowohl für die allgemeine Aufgabe, als auch für die speciellere der genauen Höhenmessungen. Für die Geologie gibt sie Auf- schluss über die Verteilung der Massen in den oberen Schichten der Erdkruste. Sie kommt ferner bei einer grossen Anzahl physi- kalischer Probleme und bei zahlreichen Aufgaben der Chemie in Betracht, so namentlich bei genauen Gasspannungsmessungen, fei'ner bei der Vergleichung absoluter barometrischer Bestimmungen an verschiedenen Orten, wie sie die Meteorologie bedarf, und bei noch vielen andern Untersuchungen. Die Beschleunigung der Schwere wird bekanntlich aus Pendel- messungen abgeleitet. Die absolute Bestimmung der Länge des Sekundenpendels ist nun eine schwierige, zeitraubende und daher auch kostspielige Arbeit, welche deshalb nur an einer beschränkten Anzahl Orten ausgeführt werden kann. Einfacher werden die Messungen, wenn man nui- die Veränderung der Schwere von Ort zu Ort kennen lernen will. Diese relativen Bestimmungen Relative Schweremessunj^en in der Schweiz. 93 mittelst sogenannter invariabler Pendel haben in der allerneuesten Zeit durch die Konstruktion passender und leicht transportabler Instrumente die Mögliclikeit gegeben, Messungen in verhältnis- mässig kurzer Zeit so zahlreich auszuführen, wie sie für ein genaues Studium aller einschlägigen Fragen notwendig sind, und haben dadurch neue und unerwartete Resultate zu Tage gefördert. In der Schweiz sind mit dem der geodätischen Kommission gehörigen Kepsokrschen Ueversionspendel schon Ende der sechziger und in den siebziger Jahren von Plantamour absolute Messungen ausgeführt worden, nämlich in Genf, Bern und auf den Feldstationen "Weissenstein, Gäbris und Simplon ; ferner von Scheiblauer in Neuenbürg und auf dem Chaumont und endlich von mir in Zürich und auf den Stationen Tete-de-Rang, Napf, Gurnigel und Frienisberg. Alle diese Beobachtungen zeigten neben ihrer Umständlich- keit die Schwierigkeit, solche Messungen im Felde mit der nötigen Schärfe auszuführen, weshalb auf meine Veranlassung hin ein Sterneck'scher Pendelapparat für relative Schwerebestimmungen *) angeschafft wurde. Derselbe l)esteht aus einem massiven Metall- gestell mit zugehörigen invariablen Halbsekundenpendeln, deren Konstanten empirisch bestimmt wurden. Die Bestimmung der Schwingungsdauer geschielit mit einem Hülfsapparat, mittelst dessen durch Koincidenzbeobachtungen die eigentlichen Beobach- tungsfehler fast verschwindend klein werden.- Die Hauptfehler- quellen, welche noch zu befürchten sind, liegen im Gange der \'erglL'ichsuhr, in den Temperaturbestimmungen der Pendel und in dem auch bei diesem Apparat unter Umständen auftretenden Mit- schwingen des Stativs. Selbstverständlich werden bei den Beob- achtungen alle nötigen V^orsichtsmassregeln zur Sicherung der Messungen getroffen. Die Uhrgänge werden aus direkten Zeit- bestimnmngen ermittelt. Die Aufstellung des Instrumentes ge- schieht auf einem aus massiven Steinblöcken bestehenden trans- portablen Steinpfeiler, dessen Gewicht gegen 7 Zentner beträgt. Das Mitschwingen des Pfeilers wird in neuester Zeit nach einem einfachen Verfahren ermittelt u. s. w. •") Die Beschreibung des Apparates siehe: v. Sterneck, der neue Pendel- appanit. Mitteil, des k. und k. mil.-geogr. Inst, in Wien. I5d. VII. ISHT. »J4 Johann Baptist Messerschmitt. Die Beobachtungen werden jeweilen so ausgefühit, dass vor Beginn der P'eldbeobachtungen auf einer Vergleichsstation (in der Schweiz die Sternwarte in Zürich) die Schwingungsdauer der l'endel bestimmt wird. Dann lässt man die gleichen Pendel an verschiedenen anderen Orten schwingen und zum Schluss kontrolliert nuui die Schwingungsdauer der Pendel an der V'ergleichsstation. um etwaige Aenderungen in den Pendeilängen bcrücksichtigeii zu k(»nnen. Alle diese Beobachtungen, in der gleichen Weise redu- ziert, geben den Unterschied der Schwere zwischen der Vergleichs- station und den Feldstationen. Es wird hiebei nur von der Re- lation Gebrauch gemacht, dass die Schwere zweier Orte sich um- gekehrt wie die Quadrate der Schwingungsdauer der gleichen Pendel verhält. Die in der unten folgenden Zusammenstellung gegebenen Werte sind alle auf diesem Wege von mii- bestimmt worden, und ich habe bei der Berechnung die Beschleunigung der Schwere von Zürich (j = 9,80688 m zu Grunde gelegt, welcher Wert aus den in Wien und Zürich angestellten Messungen folgte, um sie direkt mit den von Herrn von Sterneck in Oesterreich so zahlreich aus- geführten vergleichbar zu machen. Es ist dabei von der absolut bestimmten Länge des Sekundenpendels durch v. Oppolzer ausge- gangen worden. Meine absoluten Messungen ergaben g = 9,80675 m. Eine Aenderung dieser Ausgangszahl fällt übrigens bei den Ver- gleichungen heraus, da sich dadurch alle abgeleiteten Werte um den gleichen Betrag ändern. Helmert ') hat aus einer grossen Anzahl Pendelmessungen einen theoretischen Wert für die Schwere abgeleitet: y = 9,7800 (1 + 0,005310 sin» (l — ^) worin (p die geographische Breite. H die Meereshöhe und JR einen mittleren Erdradius bedeutet. Die Tabelle unten gibt die Unter- schiede zwischen den beobachteten g und den berechneten Werten // — y. Weiterhin bedeutet in derselben A die Länge östlich von Greenwich. ') Heimelt, die math. und phys. Tlieorien der höhern Geodäsie. Leipzig 1884. Bd. II. Relative Schwereinessun12 6» 9' 405 9,80 603 ' -f 0,000 22 - 0,000 18 Lausanne 46 31 6 38 530 618 4- 46 1 - 1 Naye 46 26 7 0 1987 238 + 123 - 66 Freiburg 46 48 7 8 630 603 -f 37 1 - 19 Neuenburg 47 0 6 57 487 669 + 40 1 - 11 Bern 46 57 7 26 572 610 + 11 — 45 ?]schnlzniatt 46 55 7 56 851 524 + 19 - 65 Hurgdorf 47 4 7 37 561 620 + 12 — 46 Zoiingen 47 17 7 57 428 663 7 — 47 Wiesenberg 47 24 7 53 1000 640 + 134 + 32 Waidenburg 47 2:'. 7 47 541 678 + 35 — 20 Liestal 47 20 7 45 331 786 + 68 + 33 Hasel 47 34 7 35 267 801 + 55 + 31 Klieinfelden 47 33 7 47 285 784 + 45 ■f 17 Fl'l' l)('i Sackini'cn 47 35 7 58 713 624 + 15 - 62 Ivaufenburg 47 34 8 4 319 740 + 10 — 24 Achenberg 47 35 8 16 508 759 + 84 + 28 Eglisau 47 34 8 31 380 729 + 16 - 17 Schatt'hausen 47 42 8 38 435 747 + 40 — 7 Singen 47 46 8 50 437 703 — 8 — 47 , Hohentwiel 47 46 8 40 686 690 + 54 + 0 Konstanz 47 40 9 11 406 717 + 4 - 35 Hersberg 47 40 9 21 450 707 + 8 — 33 Bregen z 47 29 9 41 402 670 — 37 - 63 Doi-nbirn 47 25 9 44 431 645 — 38 — 75 Götzis 47 20 9 38 428 682 + 6 - 29 Feldkirch 47 15 9 36 459 640 — 19 — 59 St. Gallen 47 26 9 23 668 606 — 2 - 67 Nollen 47 30 9 7 732 638 + 41 — 26 Hörnli 47 22 8 57 1133 432 — 30 - 134 Lichtensteig 47 19 9 5 619 619 + 3 — 55 Uznach 47 13 8 59 420 630 — 39 , - 75 Zürich 47 23 8 33 466 688 + 18 1 — 27 Eftretikon 47 26 8 41 510 675 + 18 ; — 31 Lägern 47 20 8 24 852 589 + 29 — 52 Wettingen 47 27 8 19 380 675 — 27 - 59 Homberg 47 17 8 11 771 608 + 50 ; - 25 Recketschwand 47 6 8 10 833 545 + 22 — 58 Mettmenstetten , 47 15 8 28 460 648 — 9 i — 56 Luzern 47 3 8 18 457 635 — 5 — 46 Dreilinden 47 4 8 19 525 619 — 2 — 50 Sarnen 46 54 8 15 476 630 t 9 1 - 33 Huniiiietschwnnd 47 0 8 24 1128 440 ^r 9 - 86 öeewen 47 2j 8 38 461 608 , — 30 ; - 72 Amsteg 46 46 1 8 40 524 475 i — 119 ' 125 Göschenen 46 40 8.35 1097 371 — 35 - 118 Anderniatt 46 39 8 36 1437 352 + 55 — 86 Biasca 46 21 8 58 295 537 91 ' 75 Giubiasco 46 10 9 0 233 617 — 14 - 30 Lugano 46 0 8 57 276 613 + 10 — 14 Generoso 45 56 9 1 1612 322 + 137 — 5 Capolago 45 54 8 59 278 598 + 5 ,1 — 7 96 Johann Baptist MesserBchniitt. Für dit" weitere Verwertung des so gewüiinenen Materials müssen alle Werte auf die gleiche Fläche (Meereshöhe) reduziert werden. Hiebei sind die unterhalb der Station und die etwa in der Nähe befindlichen überragenden Terrainmassen zu berück- sichtigen, wobei das Verhältnis der Dichte des sie bildenden Ge- steins zur Dichte der ganzen Erde in Frage kommt. Obwohl man dieses Verhältnis nur angenähert kennt, entstehen dadurch keine für das allgemeine Resultat störenden Unzulänglichkeiten, indem plausible Aenderungen in der angenommenen Dichte nur wenige hundertstel Millimeter im Resultate ändern. Die Differenzen zwischen den so auf Meereshöhe reduzierten Beobachtungen ^„ und den theoretischen Werten y^ sind in der letzten Reihe angegeben. Man kann deren Unsicherheit auf ^0,00015 1)1 schätzen, welcher Betrag bei den vielen .in Betracht kommenden Fehlerquellen genügend klein ist, um aus den gefun- denen . Unterschieden weitere Schlüsse zu gestatten. Ausserdem bürgt für die Güte der Zahlen die gleichmässige Veränderung, welche die Schw^ere von Ort zu Ort zeigt. Auch sind mehrere Kontrollbeobachtungen ausgeführt worden, so in Genf, in Basel, in Luzern und Feldkirch. An letzterem Ort fand Herr von Sterneck einen um nur 0.00007 in grösseren Wert als ich. Die Stationen Götzis, Dornbirn und Bregenz sind der Voll- ständigkeit halber den Beobachtungen Sternecks entnommen worden. Der von mir in Götzis erhaltene Wert [/q — Vo = — 0,00113 ij? ist durch das Mitschwingen des benützten Stativs, eines aus un- behauenen Steinen mit Gips provisorisch zusammengebauten Pfeilers, gestört, weshalb oben das gleichzeitig von Herrn von Sterneck erhaltene Ergebnis angeführt worden ist. Es war dies auch die Veranlassung, welche mich auf das Mitschwingen des Stativs auf- merksam machte, wodurch eine Verlangsamung der Schwingungen eintritt, und zu dessen Ermittelung seither Helmert und Schumann eine einfache Methode angegeben haben. Selbst gut gemauerte, freistehende Backsteinpfeiler zeigen oft recht starkes Mitschwingen, trotz der kleinen Ausschläge (10' — 15'\ welche die Halbsekunden- pendel machen. Bei den transportablen Steinpfeilern, welche aus 4 Steinblöcken bestehen, die jeweilen zusammengegipst werden, erhält man einen ganz geringen Einfluss, wenn man die Pendel nicht parallel zu den Seitenflächen, sondern in der Diagonale schwingen Relative Schweremessungen in der Schweiz. 97 lässt. Keobaclituugcn auf Holzstativen, Avic sie neuerdings noch aiisgefüliit worden sind, verdienen jedenfalls gar kein Vertrauen. Die hier mitgeteilten Pendelmessungen liefern die folgenden Ergebnisse. In dem ebenen Teile der Westschweiz, bei Genf, Lausanne, Neuenburg und Freiburg ist die .Schwere um weniges ge- ringer (7y —Vo^^ — ^)10 bis — 0,20 nun) als die nonnale gefunden worden, im Gebirge z. B. auf Naye dagegen bedeutend kleiner. \Veitt'r ()stlicli. der Hochebene folgend, bei Bern, Burgdorf bis Zürich und Effretikon ist die Differenz — 0,;/)0 bis — 0,50 inin. Dem Rhein entlang von Feldkirch, im Anschluss an die Messungen des Herrn von Sterneck in Tirol, bis Bregenz findet sich ein noch grösserer Unterschied von — 0,60 bis — 0,70 mm, am Bodensee bis Singen etwa — 0,40 bis — (),bO mm. Dann wird die Differen rheinabwärts kleiner, von Schaffhausen bis Laufenburg — 0,1() bis — 0,:i0 mm und geht in der Gegend von Säckingen in einen positiven Wert über. Li Kiieinfelden, Basel, Liestal, auf dem Wiesen- berg und auf dem Achenberg ist ein positiver Unterschied (-[-0,15 l)is -h0,30 mm) gefunden worden, während in Waidenburg, etwa 11 km südlich von Liestal und in Zofingen, etwa 15 Inx südlich von Wiesenberg, sich ein negativer ergab. Auf dem östlichen .Iura (Lägern) und bei Wettingen ist die Differenz r/„ — y,, gleich — 0,50 bis — 0,60 mm. Weiter südlich im Emmenthal in der Gegend des Hallwilersees, bei Luzern, Sarnen und Seewen steigt der Unterschied auf — 0,70 mm, noch südlicher, dem Gotthard hiiuiuf. wächst er noch mehr und scheint in der Gegend von Amsteg ( — 1,25 mm) ein Maximum zu erreichen. Südlicher davon in Gesehenen, Andermatt und Biasca werden die Differenzen wieder kleiner ( — 1,10 bis — 0,S() mm), noeli süd- licher am Einfluss des Tessin in den Langensee und am Lugaiier- see fallen sie auf — (l,L5 bis — 0,05 )n))i. Es ist dadurch die gleiche Zunahme in den Differenzen gegen das Gebirg hin und die gleiche Abnahme gegen Süden hin in diesem Teile der Alpen gefunden worden, wie sie Herr von Sterneck in Tirol erhalten hat, welcher in den südlichen Ausläufern in der (legend von Mori, IJiva bis gegen Trient positive Werte von //q — j'o f'i'id, die er mit dem dort befindlichen Trümmerfelde, genannt Salvini di San Marco, in Beziehung setzen zu müssen glaubt. Viort 'Ijiilirssclnilt 255 - 5 6 354 290 + 11 4 250 U 2 264 -10 4 10!t + 3 1 L B P 149» -110 1 38 -10 2 64 - 6 1 37 -13 2 42 - 9 1 15 -12 1 Zur Bestimmung der Rotationszeit der Sonne. 107 Huupf(/r)ip2)c I Hmiptrjrnppe II Hot. L B p L B p 355 2! 170 +140 2 258 - 4 3 249 +13 3 216 + 3 2 35G 338 - 2 1 306 -fl2 1 283 - 9 2 272 - 3 2 226 +2 1 227 - 8 1 357 297 -10 15 259 - 1 6 231 + 1 3 192 +16 4 358 346 -20 4 287 -10 15 247 + 6 12 359 336 -18 6 292 -12 15 290 +11 1 258 +5 2 360 287 - 8 12 261 +9 9 361 299 - 8 12 362 330 + 1 2 326 -12 1 303 - 5 1 282 - 8 4 244 + 3 2 363 350 -19 2 317 - 4 4 291 - 7 12 270 0 2 364 317 — •> 1 293 -10 2 267 - 8 4 241 -12 2 365 338 -12 2 286 0 1 266 -11 6 366 347 -10 1 367 301 0 1 259 -18 4 246 + 11 2 368 347 + 4 2 111» + 13« 2 81 - 6 4 41 _ 9 2 36 + 13 6 87 - 8 3 33 +14 4 17 -12 4 132 - 6 3 91 - 8 6 19 -10 6 97 - 7 9 20 -18 9 63 + 6 1 16 -15 4 108 -11 15 97 +20 2 72 + 3 4 73 - 6 3 30 - 8 4 126 - 6 2 63 +10 4 62 -11 4 188 0 1 121 - 9 2 117 -15 2 44 - 9 12 127 + 4 1 129 - 6 1 89 - 4 6 57 - 5 2 32 +11 1 38 -11 1 122 - 6 1 94 - 8 1 268 -20 118 - 6 6 78 - 8 1 53 - 9 1 125 - 6 12 41 .-11 3 163 - 6 1 121 — 5 12 68 - 9 6 108 Alfred Wolfer. Hauptfiruppc I Haiiptf/nijqyc II Hot. L B P L B P 301» 3570 - 30 2 152» - 7« 6 328 -1-1 2 123 -- 5 12 322 + 1 4 89 - 6 9 370 333 -16 1 177 152 139 119 81 - 6 - 6 0 7 -11 2 4 2 6 6 371 328 -11 1 186 -12 1 312 4- 6 2 153 -12 2 292 — 7 1 133 - 6 6 278 - 3 1 107 81 — 5 - f» 9 9 372 340 -14 4 151 - 1 2 321 + 8 4 121 80 - 7 - 8 6 9 373 328 -19 1 188 -12 1 306 — 0 1 113 82 — 5 - 7 6 9 374 350 0 6 179 - S 14 331 -13 !) 76 - 8 4 375 331 -16 2 159 - 6 4 * 150 79 61 .+ 8 - 6 + 8 2 4 4 376 338 -17 2 178 84 - 2 - 8 6 10 377 329 -10 16 176 142 89 - 4 - 4 - 6 4 12 2 378 328 -12 4 154 67 - 6 — 7 n 2 379 313 -14 3 189 151 109 - 5 -10 - 5 4 10 2 380 322 -16 1 154 106 90 -10 - 8 -r 5 10 6 6 381 — — — 158 100 - 8 + 6 5 4 382 390 - 7 . 3 163 - 6 4 356 0 1 109 + 6 4 383 361 — ö 6 168 -10 1 384 361 - 5 3 199 169 -10 - 8 2 8 385 369 - 2 2 217 - 7 6 351 - 8 4 174 - 9 15 330 -12 1 386 426 + 1 c 238 -10 1 373- — 5 1 173 _ 9 6 337 — 5 6 387 221 175 139 -11 - 8 -13 9 9 4 Zur Bestimmung der liotatiouszeit der Sonne. 109 HanpUfruppe II HcmpUßruppc I Hol. L li P 388 441" + 5° 2 412 - 8 1 383 + 19 1 389 392 - 3 1 390 — — — 391 — — — L B P 258" -11» 1 216 - 9 1 182 - 9 2 132 Ordnet man zunächst die einzelnen Fackelgruppen nach ihrer heliographi.schen Breite in Zonen von 5 zu 5", so erliält man für ihre Verteikmg in Breite folgende Uebersicht (die erste Zahl ist je die Breite, die zweite das Gewicht 2') '• Gruppe I Gi nip2: »6- // + — -f — 20-15 15-10 10-5 5-0 0-5 5-10 10-15 15-20 20-15 15-10 10-5 5-0 0-5 5-10 10-15 15-20 16.4 14.2 9.9 4.2 0.2 5.3 10.4 16.1 20.2 14.4 8.2 4.1 0.1 5.2 7.6 10.2 15.4 19.1 13.3 8.4 3.1 0.2 5.1 10.15 16.2 13.2 8.4 3.4 1.2 5.1? !7.6 10.6 15.2 12.6 6.1'. !3.2 0.1 5.6 10.15 16.1 13.0 7.2 0.2 2.6 5.1V !7.9 10.11 12.1 6 2 3.2 1.6 5.6 10.2 17.2 11.1 6.1 2.1 5.9 7.6 10.10 11.4 5.2 2.1 2.2 5.1 10.1 18.6 10.4 6.4 4.6 5.6 8.3 lü.l 11.1 5.2 1.3 2.1 7.3 10.16 18.4 6.4 4.4 5.4 8.6 10.2 11.2 1.2 3.6 7.12 11.6 19.2 5.6 4.12 5.2 8.4 10.1 1.4 3.1 7.1 11.1 19.1 6.1 8.1 11.1 1.6 3.2 8.4 12.4 20. 1 6.4 8.1 11.15 0.1 3.1 8.1 12.15 20.4 6.3 8.9 11.4 0.1 3.2 8.1 12.1 6.3 8.1411.1 0.6 3.1 8.12 12.2 6.2 8.4 11.3 3.1 8.12 12.2 6.1 8.10 11.6 4.2 8.4 12.4 6.1 8.6 11.9 4.3 8.4 13.9 6.6 8.5 11.1 4.4 9.2 14.2 6.12 8.8 12.1 14.4 6.1 8.9 12.4 14.3 6.9 6.2 6.4 6.6 6.4 6.4 6.2 6.9 6.4 7.9 7.(! 9.1 9.2 9.2 9.12 9.1 9.6 9.9 9.15 9.ii 9.1 9.2 12.1 12.2 12.1 : 13.2 13.9 13.4 Es liegt also die weit überwiegende Mehrzahl der Gruppen zwischen den Breiten -15*^ und — 15'', jedoch herrscht die süd- liche Hälfte der Zone vor, wie sich auch in den Mittelwerten zeigt; man findet nämlicli mit Berücksichtigung der Gewichte: Gruppe I Gruppe II Mittlere heliogr. Breite —5.1° —6.2" und anderseits für den mittleren Abstand vom Aequator ohne Rücksicht auf das Zeichen H.G" T.!»" IK» Alfred Wolfer. Für ilif weitere Reclinung habe icli iiiiii iiiiierliall) jeder Ko- tationsperiode für jede der beiden Gruppen I und II die oben auf- gefülirten Normal länaen der Einzel y;ruppen nacli Massgabe ihrer Gewichte, ohne K'ütksioht auf die betreffenden Breiten je zu einem Mittel vereinigt, um! diese Mittel in der folgenden Tabelle, nebst den zugehörigen resultierenden Gewichten zusammengestellt. Gruppe I Jinf. II Ir nippt ; II Gruppe I Rot. H Gruppe II L P L P L P L P 252« 2 352 -10.5 Ib" 3 331« 8 372 + 0.5 103« 17 272 12 353 -18.5 46 3 317 2 373 4- 1.5 loO 16 267 11 354 -17.5 29 2 r>:i!i 15 374 + 2.5 156 18 255 lu 355 -16.5 60 14 331 2 375 + 3.5 107 14 276 8 356 -15.5 42 11 338 2 376 + 4.5 119 16 267 28 357 -14.5 70 15 320 16 377 + 5.5 143 18 279 31 358 -13.5 59 18 328 4 378 -r 6.5 138 11 300 24 359 -12.5 25 5 313 3 379 + 7.5 155 16 274 21 360 -11.5 87 28 322 1 380 + 8.5 123 22 299 12 361 -10.5 . 381 + 9.5 132 9 291 10 302 - 9.5 75 10 373 4 382 + 10.5 136 8 301 20 363 - 8.5 07 17 361 6 383 +11.5 108 1 273 9 364 - 7.5 81 12 361 3 384 + 12.5 175 10 284 9 365 - 6.5 108 2 353 7 385 + 13.5 186 21 347 1 366 - 5.5 105 S 379 13 386 +14.5 182 7 261 7 367 - 4.5 108 15 387 + 15.5 187 22 321 3 368 - 3.5 106 19 419 4 388 + 16.5 210 4 332 8 369 - 2.5 118 27 392 1 389 + 17.5 333 1 370 - 1.5 122 20 390 n-18.5 132 i 304 5 371 - 0.5 109 27 391 + 19.5 Bezeichnet da.m Lo ^i^ Xormallänge des Mittelpunktes der Gruppe I oder TI für die mittlere Epoche des ganzen in Betracht gezogenen Intervalles, nämlich für die Zeit 1888 VII 18, welche die Rotationen 371 und 872 trennt, und wählt man als Zeiteinheit die mittlere Dauer einer synodischen Rotation der Sonne, versteht also unter J | die gesuchte Verbesserung des entsprechenden Rotationswinkels (360") und unter n den in der obigen Tabelle bereits angegebenen zeitlichen Abstand der Mitte irgend einer Rotationsperiode von der angenommenen mittleren Epoche, so hat man : L — Lo ^ 11 J ^, oder wenn für Gruppe I Z,, = Li, -f- 250" gesetzt wird, Gruppe I L— 250" =^ K-\-nJl „HL = L„ n.n Zur Bestinimuii": der Kotationszeit der Sonne. 111 Diese Bediiigmigsgleicliungen, diircli Multiplikation mit ]2) fiuf gleiche Gewichte gebracht, sind nachstehend für jede der beiden Gruppen, samt den nach der Methode der kleinsten Quadraten daraus folgenden Werten Lo und / ^ und deren mittleren Fehlern, Avie sie aus den Differenzen J zwischen Beobachtung und Ifechnung folgen, zusammengestellt. Bof. Gruppe I J = ■ B-R Gruppe II ./ = B-n 352 3" = L-.\A -^1 27.3 - 10» 128« ^L.A.l -.n .33.2 + 59» 53 77 3.5 64.8 + 33 78 1.7 31.5 + 2 54 56 3.3 — 57.8 + 4 41 1.4 — 24.5 - 27 55 16 3.2 - 52.8 -45 222 3.7 - 61.1 + 29 56 74 2.8 — 43.4 + 12 139 3.3 — 51.2 - 46 57 90 5.3 — 76.9 -44 273 3.9 — 56.6 + 39 58 162 5.6 — 75.6 + 2 2-18 4.2 — 56.7 - 21 59 245 4.9 — 61.3 + 90 55 2.2 — 27.5 - 94 ÜO 110 4.6 — 52.9 -50 461 5.3 — 61.0 + 81 61 172 3.5 _ 36.8 + 39 — 62 131 3.2 — 30.4 - 1 240 3^2 — 30.4 - 14 03 230 4.5 — 38.3 + 31 275 4.1 — 34.9 - 'o^ 64 69 3.0 — 22.5 -74 284 3.5 — 26.3 - 21 65 102 3.0 - 19.5 -50 151 1.4 — 9.1 + 23 M 97 1.0 - 5.5 + 43 294 2.8 - 15.4 -^ 28 67 29 2.6 — 11.7 -119 421 3.9 — 17.6 + 36 68 121 1.7 — 6.0 + 19 Am 4.4 — 15.4 + 14 69 230 2.8 - 7.0 + 53 614 52 — 13.0 + 60 70 83 1.0 — 1.5 + 6 549 4.5 _ 6.8 + 52 71 119 2.2 - 1.1 -34 567 5.2 — 2.6 - 28 72 227 2.8 + 1.4 + 23 422 4.1 A- 2.1 - 63 1 •) 94 1.4 + 2.1 -12 400 4.0 + 6.0 - 89 74 347 3.9 + 9.8 + 38 655 4.2 + 10.5 + 126 75 113 1.4 + 4.9 _ 2 396 3.7 + 13.0 - 85 76 123 1.4 -r 6.3 -r 3 476 4.0 + 18.0 - 59 77 316 4.0 -t- 22.0 -38 601 4.2 + 23.1 + 23 78 156 2.0 + 13.0 -27 455 3.3 + 21.5 - 12 79 107 1.7 -r 12.8 -54 620 4.0 + 30.0 + 38 80 72 1.0 -f 8.5 -26 578 4.7 + 40.0 -124 81 -r 396 3.0 + 28.5 - 64 82 246 2!o + 21.0 + 37 381 2.8 + 29.4 - 59 83 266 2.4 + 27.6 + 8 168 1.0 + 11.5 + 7 84 189 1.7 + 21.3 + 1 560 3.2 ■\- 40.0 + 33 85 268 2.6 + 35.1 -28 856 4.6 + 62.1 + 80 86 464 3.6 -t- 52.2 + 43 473 2.6 + 37.7 + 24 87 879 4.7 + 72.9 + 49 88 338 2.0 ■^- 33.0 + 91 420 2.0 -t- 33.0 -r 59 89 142 1.0 -r 17.5 + 15 + 90 132 i!o + 18.5 - 56 i»l - + i; = 71.2 Xo = 321.2« + 3.0" ^0 = 116.3» + 3.8» ^1 = f3.159" ±0.249 ^1 = -t- 3.879» ±0.406» 112 Alire.1 Wolfer. Der beträclitlich grössere mittlere Fehler, mit welchem der Wert von J ^ in Gruppe II behaftet ist. rührt zum grossen Teil von den für Kot. 374 und ;'.S0 geltenden Kedingungsgleichungen her; es treten dort, wie man aus der Tafel ersehen kann, bedeu- tende Facki'lgiup[)i'n in verhältnismässig weitem Abstände vom mittlem Thätigkeitscentrum und in unsymmetrischer Verteilung auf, durch welche die betreffenden Schwerpunkte gegenüber dem allgemeinen Mittel stark versetzt werden. Die Ausschliessung jener beiden Gleichungen würde den mittleren Fehler von J | auf :r 0,250 ", also auf den gleichen Betrag wie in Gruppe I herab- setzen; da aber die Abweichungen zwischen Beobachtung und Rechnung für die Rotationen 37-1: und 380 bei nahe gleicher Grösse entgegengesetzte Zeichen haben, so ist von der Ausschliessung Umgang genommen worden. Dividiert man die oben gefundenen Werte -V| durch die mitt- lere Dauer einer synodischen Rotation der Sonne (27,107''), so findet man die Verbesserung des angenommenen täglichen Rotationswinkels (14,2665") für die beiden Gruppen: Gruppe I J^= 0.117« ^ 0,009« ., ^ = 14,384 « + 0,009 « sf>mir • — „ II ^1= 0,143« + 0,015« ^ ^-14,410«:r0,015« Es sind also die mittlem Lagen der Centren der beiden Thätigkeitsgebiete und ihre Bewegungsverhältnisse durch die folgenden Schlussresultate ausgedrückt : Gruppe I Gruppe II Ep. 1888 VII 18 Lo = 321« + 3« Lo = 116«-f4« 'i = 14,384 « f 0,009 « l = 14,410 « ± 0,015 Um den mittlem Verlauf der scheinbaren Bewegung der beiden Thätigkeitscentren noch besser hervortreten zu lassen, sind in der Tafel mit Hülfe der Werte L„ und -Vi die beiden geraden Linien I und II eingezeichnet worden, welche jenen Verlauf dar- stellen und um welche sich die einzelnen Fackelgruppen in deut- lich ausgesprochener Weise zusammendrängen. Die gegenseitige Stellung der beiden Hauptcentren ist, wie aus den L^ und Bq hervorgeht, keine genau diametrale; der Gegenpunkt von I fällt Zur Bestimmung der Rotätionszeit der Sonne. 113 auf L ^= 141 ^ und ^ = -f ^" und es würde somit der Durchmesser des Aequators, welclier von L = 129*^nac]i L~-'-W.)^^ füln-t, den beiden Centren zugleich am näclisten kommen; in der That weiclien seine Endpunkte von jenen nur um etwas mehr als 13" im Bogen des grössten Kreises ab, so dass man wohl von einer wirklichen Diametralstellung sprechen und diese für mehr als einen blossen Zufall halten darf. Die beiden Werte von ^ kommen gerade noch innerhalb ihrer Fehlergrenzen zusammen; betrachtet man also ihren Unterschied als zufällig und verbindet sie zu einem Mittel, so folgt: I = 14,40 »^ als mittlerer Kotationswinkel der beiden Fackelkomplexe, gültig für deren mittlere Breite von ca. — 5 '/■.•". Für diese geben aber die Kotationsformeln von Spörer und Faj'e: Spörer ^ == 8,548 « + 5,798 " cos 5 = 14,32 " Faye l = 14,37 " — 3,10 « sin- B = 14,34 ", und es besteht also auch in diesem Falle wieder eine bemerkens- werte Uebereinstimmung zwischen der durch Fackelbewegung gegebenen Uotationsgeschwindigkeit der Sonne und dem aus Flecken- bewegungen abgeleiteten Rotationsgesetz. Dagegen entspricht nach den Beobachtungen von Duner und der dieselben darstellenden Formel l = 8,591 0 + 5,525 " cos B — 0,757 ^ sin B der obigen Breite ein Rotationswinkel von 14,02'^ für die Sonnen- oberfläche selbst und dieser bleibt um 0,38" hinter dem oben gefundenen zurück; eine entsprechende Differenz in gleichem Sinne, von mir wenig grösserem Betrage (0,52 ") hatte ich in meiner zu Anfang citierten Untersuchung für eine Fackelgruppe von — 24" Breite gefunden. Die Resultate der vorliegenden Untersuchung sind somit wie folgt zusammenzufassen : 1. Während der 3 Jahre 1887 — 89 ist die durch Fackelbildungen bezeichnete Thiitigkeit der Sonne zum weit überwiegenden Teile von der Umgebung zweier bestimmter Stellen der Sonnenoberfläche ausgegangen, welche sich nahe diametral gegenüberlagen und einen neuen überzeugenden Beweis dafür Vierteljahrsschrift d. Xaturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jub.lbiin.1 II. 8 lU Alfred Wulf er. liefern, dass die jene Gebilde erzeugende Ursache sich sogar durch jahrelange Zeiträume hindurch an nahe denselben Orten der .Sonnenoberfläche erhalten kaini, eine Thatsache, welche durch die hier konstatierte und wohl kaum zufällige gegen- seitige Diametralstellung der beiden Hauptcentren noch wesent- lich an Interesse gewinnt. 2. Durch Verfolgung der scheinbaren Bewegung ganzer Fackel- komplexe statt ihrer einzelnen Bestandteile ist hier neuerdings die Möglichkeit erwiesen, Schlüsse auf die Rotationsverhältnisse der Sonne zu ziehen, wenn auch die gefundenen Geschwindig- keiten sich weniger auf die untersuchten Gebilde selbst als auf die Ursache ihrer Entstehung beziehen und auch die Frage zunächst offen bleibt, wie weit diese Geschwindigkeiten mit denjenigen der entsprechenden Teile der Sonnenoberfläche über- einstimmen. Hievon abgesehen, liefert der oben behandelte Fall, wenigstens für eine specielle Zone der Sonnenoberfläche, eine weitere Bestätigung der aus den Sonnenflecken- beobachtungen gewonnenen Resultate hinsichtlich des Rotations- gesetzes der Sonne. Vier»Bljahrsjchrift d naturfGes Zürich 41. Jahrg. 1896 Juhelbanda. Helioqraphische Verleiliincj der Fackrlbildungen ai] 'iO >40 60 80 100 120 140 nach den Beobachtui 160 180 200 220 — Jv-10 , ! . --11. J [_ J 1 l-V-13 6 1 f 1 I 1 i 1 -12 ->* Kl ine Beob. ^ - -*12 _ -.3 ! _ \ » ♦la 9\ \ 1 — +5 , '* ! .. \ --8 -6 ♦1( ^ , 1 -"V". \ \ L_- j J*' ^*^:;> A" Keine Beo). ~r '-i^ __ \ — +« -2 - \Kpine Beob. *'°1 A 6 k-s \ 1 .« ro ♦11 — 11 — h-^ N K-4 **-^ c 12 11 1 ■ \ - 1 Keine Bf ob. ■ \ -8 — ! S 1 ■ ■ 1 X 1 6 1— 3 — 1— -8 \- 1 , .flU 1-,1 ± A^ J. — -4_-6 „ 1 A i-9 i\ \ As ^ E ♦1-^— ' -c ' ' \ 'r^ 7 -n . -^^-r 7 -2 r-6 — 1 — -6 -9— i _ -1 U.-! 1-1 ' 1 -11 12 1 i 1 1 \l -7 t -7 \ ^--5 1 12 1 \ i \ 1 — -8 ♦ 8 ^— 1 ... 1 ^^^ *8 i fi i ' 1 B ^ \ -2 f II^^MBIBrf y \ ^ 1 L> 1 \ A r ■ +7 k -s i 1 —10 \ > ^ rs — -^ L_.5 8 \ »^ 1 id 7 +6 «r— ( -|8 -3 ♦« \ > T 10 ^ 1 -8 — ^—^ d — 5 +1 l-A — ■ — sj — - Keine B«o 1. \ 1 . »19 J 1 13 ^ -B __ 1 ■" \ \ ^ _.l " \ \ — 2 \ \ 1 1 1 ! 2 \ 70 40 GO 80 100 120 140 160 180 ■> 200 220 A Wolfer. Zur Beshmmung der fiotationszeil der Sonne . u 1er Sonnenoberfläeho in den Jahi in in Zürich. 24-0 260 280 300 320 340 C Taf 1 •eil 1887 -1889 20 40 60 80 . -^' - 1 ; \ -^-s 0 r — *n ..-] , J '" '" \ - -,^ +); 1—2 3 ^ •' — :i ^1i ! .cl - — S ^-10 -20- + 5 *H\ 18 »<■ i \ --8 i 1 A \ 8 r'"~t -8-M ^ — ' _-«*' I T ^0^— ; — ^-7 — * 19 — k-HL — r3_ _ 12 _ _ . ' \ — [-- " i 1 keine Beob., \ -10 1 ' -,«! ^V ! — \ . i . *' 't 1^ — 3 X — i-Ji- 1 \ -3 — - , V -11^ . — n— -^2-1 14 i_X 19 0 -13. _\.., ^ _ ►? — ^fl6 ' -*7 L:^-n J j *t 1 Vl2 . 14 -. 16 \ t 1 7 \ \ -7 -3 ' V f -1 ! ! \ 2 _ 10 _ — 5 1 -\ A - \ — 11 'v.19 -8 ' £ --3 1 1 1 \ 1 \ 1 1887 1 23- II 19 II 19 - III 18 III 18 - IV H IV H - V 11 V n - VI 7 VI 7 - VII 4 VII 4 - VII 31 VII 31 - /Hl 28 VIII 28 - IX 24 IX 24- X 21 X 21 - XI 17 XI 17 - XII H Xll 14 - 1 10 1888 1 10- II ß II G - III 4 III 4 - IV 1 IV 1 - IV 28 IV 28- V ?5 V 25, -V! 21 VI 21 VII 18 VII 18 -VIII 14 VIII 14 -IX 9 IX 9 -X e X 6 - XI 3 XI 3 - XI 30 XI 30 - XII 28 XII 78 ■ 1 24 1889 1 24 • 11 20 II 20 -III 19 III 19 -iV15 IV 15 -V 12 V 12 -VI 8 VI 8 -VII 5 VII 5 -VIII 1 VIII 1 - VIII 28 VIII 28 -IX 24 IX 24 -X 21 X ZI - XI 17 XI 17 - XII 15 XII Ib 1 10 2+0 260 280 300 320 340 20 ^ 40 60 80« 1 Lilti F. Sohullhess. Zürich PHYSI K Zwei neue Messinstrumente. Von Alfred Kleiner. 1. Ueber rückstandslose Kondensatoren mit festem Dielektrikum. Nachdem Beobachtungen über dielektrische Hysteresis ^) er- geben hatten, dass Paraffin als Dielektrikum ausgezeichnete Eigen- schaften besitzt, indem in diesem Material keine Hysteresis nach- gewiesen werden konnte, bemühte ich mich, Paraffinkondensatoren herzustellen, in der Erwartung, dass dieselben betreffend liück- stände und Ladungszeit sich ähnlich oder gleich verhalten werden wie Luftkondensatoren, während sie diesen hinsichtlich erreichbarer Kapazität und elektrischer Resistenz überlegen sein würden. Dass sich thatsächlich rückstandsfreie l^araffinkondensatoren herstellen lassen, ist schon von L. Arons'-j nachgewiesen worden; es war aber wünschbar, für solche Kondensatoren eine solche Form und Herstellungsweise zu finden, dass sie als Messinstrumente mit nicht zu kleiner Kapazität verwendet werden können. Der Versuch, Paraffinkondensatoren herzustellen aus über- einandergeschichteten, gegossenen oder aus reinem Material heraus- gedrehten Paraffinplatten mit zwischengelegten Stanniolblättern führte nicht zum gewünschten ZieP), weil bei dieser Herstellungs- ') Wiedemanns Annalen Bd. öO, p. lo8 und G. Benisclike, Sitzungsber. der kaiserl. Akademie in Wien 1893. 2) Wiedemanns Annalen Bd. 35, 1888, p. 291. ') Wiedemanns Annalen Bd. 50, p. 145. 1 Ki Alfird Klt'iner. art wegen dev iniiiinigl'achen Manipulatiüiien beim herstellen und zusamjiienlegen der Platten es wohl kaum möglich ist, das Material rein, von Feuchtigkeit frei, zu erhalten. Bessere Resultate waren zu ei'warten, wenn ein System von parallelen Leitern in flüssiges Paraffin getaucht und nun das Dielektrikum erstarren gelassen wurde, nachdem es unter der Luftpumpe von Gasen und Feuchtig- keit vollkommen befreit worden. Es wurde nun also zunächst ein System von Kupfercy lindern aus Schablonenblech von 0,1 mm Dicke derart zusammengestellt, dass zwischen zwei aufeinander folgenden solcher Röhren ein Zwischenraum von 2 mm blieb. 14 solcher konzentrischer Röhren von 18 cm Höhe, die innerste mit 2,6, die äusserste mit 76 mm Durchmesser, wurden oben und unten durcli Kreuze von Ebonit mit passenden Einschnitten zu- sammengehalten, sodass überall der Abstand von 2 mm gewahrt blieb ; um das System transportabel zu machen, wurden beide Versperrungskreuze in der Mitte durch einen, durch den innersten Cylinder gehenden Ebonitstab verbunden. Das Ganze bildete nun, nachdem je die gradzahligen und die ungradzahligen Cylinder mit gemeinsamen Zuleitungen versehen worden, zunächst einen Luft- kondensator, dessen Kapazität zu 0,0015 MF. festgestellt werden konnte '). Derselbe wurde in ein Gefäss mit flüssigem Paraffin gestellt und nachdem unter der Luftpumpe Gase und Dampfblasen aus der Flüssigkeit möglichst entfernt worden, wurde nun das Paraffin erstarren gelassen, wobei die Sorgfalt zu beachten war, dass das Erstarren langsam von unten nach oben fortschritt; erst wenn das Paraffin bis zum obern Rand der Kupfercylinder fest geworden, wurde das Erstarren auch an der Oberfläche freigegeben, sodass infolge der Volumverminderung beim Erstarren nur ein flacher Trichter an der Oberfläche sich bilden konnte. Kondensatoren, welche auf die beschriebene Art hergestellt waren, zeigten immer noch Rückstände von mehr als P/o; ich überzeugte mich bald, dass diese herrührten von den Ebonitlamellen, welche zur Yersperrung der Kupfercylinder verwendet wurden; ') Mit einem solchen System lässt sich in einfacher Weise die Dielektri- citätskonstante z. B. von Flüssigkeiten bestimmen, indem zwei Kntladungs- ausschläge verglichen werden, wenn das System einmal in Luft aufgestellt und darauf in die zu untersuchende Flüssigkeit eingesenkt ist. Zwei neue Messinstrumente. 117 denn sie stellten sich nach einiger Zeit auch an Lufkondensatoren der oben beschriebenen Art ein und verschwanden wieder, wenn das System auseinander genommen und nach lieinigung der Ebonit- versperrungen wieder frisch zusammengesetzt wurde ; solche Rück- stände wurden auch veranlasst durch Ueberbrücken benachbarter Röhren durch Fremdkörper, wie kleine Fäserchen etc. Gelegentlicli habe ich an solchen Parafhukoiulensatoren eine früher gemachte Beobachtung ') wiederholen können, nämlich die, dass bei wiederliolter Ladung der Kondensatoren deren Rückstände immer kleiner wurden, das Dielektrikum sich also verbesserte. Um zwischen den Leitern der Paraftinkonden- satoren jegliche Versperrungen zu vermeiden und nur reines Paraffin als Dielektrikum verwenden zu können, wurden in der Folge die Kupferröhren zu- nächst montiert auf einer etwa 1 cm dicken Boden- platte von Paraffin, (vergl. Fig.) mit dem Schmelz- punkte 74 — 76° in welche kreisrunde, feine 1 mm tiefe Rinnen eingedreht waren. Die obei-n Enden der Kupfercylinder wurden vorläufig mit Glasstäbchen als Versperrungen fixiert, und dies System in ein Gefäss mit flüssigem Paraffin vom Schmelzpunkt 4(j— 48° eingesenkt; wenn dann durch das von unten fortschreitende Erstarren des Paraffins die Kupferröhren genügend fixiert waren, wurden oben die Glasstäbclien herausgezogen und die Masse nun vollends erstarren gelassen, uiul nun befand sich zwischen den Leitern nur Paraffin. Für das als Bodenplatte verwendete Paraffin hatte ich gleiche Dielektricitätskonstante und Isolation festgestellt wie für die andern Paraffine. (Es waren 4 Sorten untersucht worden : mit Erstarrungspunkten 4()— 48°, 52-54°, 56—58°, 76-78o). Von zwei, nach diesem Verfahren hergestellten Paraffinkon- densatoren zeigte der erste einen Rückstand von C^ '/s" o, ein zweiter Hess, nachdem eine erste Entladung einen Entladungs- ausschlag von über 600 Scalenteilen ergeben hatte, bei einer zweiten Entladung keinen Ausschlag mehr sicher erkennen, er war also so gut wie rückstandslos; seine Ladungszeit ist nicht über eine ') Hertz, Wiedemanns Ann. Bd. 20 u. : Verhandinngen der schweizerischen Naturforscherversammlung, 1894. 118 Alfreil Kleiner. Sekunde, ist aber bis dahin nucli nicht genau bestimmt worden. Für einen dieser Kondensatoren ist aiicli die elektrische Festigkeit ungefähr ermittelt worden; er hielt Ladungen bis zu UidOO ^'olts aus, ohne dass das Dielektiikuin durchbrochen wurde. Nach Macfarlaiic niul l'ierce ') entsprechen der Funkenstrecke von 1 nmi im festen Taraflin etwa 25000 A^olts, nach Monti^) gar IS^GOO ^'olts. Die elektrische Festigkeit des Paraftlns scheint wesentlich von seiner Reinheit abzuhängen. Auf Grund der mitgeteilten Beob- achtungen bin ich überzeugt, dass Paraffin, das im flüssigen Zu- stand mechanisch (durch filtrieren) gereinigt und tüchtig aus- gepumpt worden, die Herstellung von Kondensatoren mit idealen Eigenschaften ermötrlicht. 2. Ueber ein neues Galvanometer. Die vielfache Anwendung von Starkströmen auch in Labora- torien wirkt so störend auf Strommessungen mit den bisher ge- bräuchlichen Bussolen, dass es wünschbar geworden ist, Galvano- meter zur Disposition zu haben, deren Konstanten vom magnetischen Feld, in welchem gearbeitet wird, unabhängig sind. Ich liabe versucht, ein Listrument dieser Art zu konstruieren, welches vor den jetzt vielfach verwendeten vorzüglichen technischen Ampere- metern den Vorzug haben sollte, dass die Beziehung zwischen der zu messenden Grösse und einem zu beobachtenden Ausschlag eine gesetzmässige ist, also keine empirische Scala zur Verwendung kommt, sondern einfache Winkel- messung, etwa mit Spiegel und Scala. Ein wesentlicher Bestandteil des neuen Gal- vanometers ist ein Magnet von der in der Figur ersichtlichen Form. Derselbe besteht aus einem Hohlcylinder a der durch eine Brücke b mit einem koaehsialen Massivcylinder c verbunden ist. Es wird so magnetisiert, dass das freie Ende des centralen Massivcvlindei's die eine Polarität, z. B. Xordmagnetismus, bekommt, während der liand des umgebenden Rohres entgegen- ') Physical Review 1, 1893. 2) L'Elettricista 2, p. 225. Zwei neue Messinstrumente. 119 gesetzten Magnetismus besitzt ; die Brücke h bildet die indifferente Zone; die Kraftlinien gehen längs c durch die Brücke b in den Mantel a und dui'chsetzen den Luftraum zwischen a und c radien- förmig. Das System ist wegen der Symmetrie des ringförmigen Kraftfeldes ein astatisches, von der Kichtkraft des Erdmagnetismus unabhängiges, wenigstens sofern nicht wegen der Asymmetrie bei der Brücke h etwas freier Magnetismus von bestimmter Richtungs- orientierung auftreten kann. Wird nun ein stronidurchflossenes Rohr durch den Hohlraum zwischen den ("ylindern, also durch das radikale Kraftliniensystem hindurchgesteckt, so wird das magnetische System gedreht, und wenn dasselbe bifilar aufgehängt ist, so ist die neue Gleichgewichts- lage dadurch bestimmt, dass das dem Sinus der Ablenkung pro- portionale Drehmoment der bifilaren Aufhängung gleich ist dem durch den Strom bewirkten, welches der Stromstärke proportional ist. Die zu messende Stromstärke ist also dem Sinus des Ablen- kungswinkels pi'oportional, der Proportionalitätsfaktor hängt ab von Dimension, Gewicht, magnetischem Moment des Magnets und von Länge und Abstand der Aufhängefädon, also von dauernd konstanten Grössen. Bei unifilarer Aufhängung wäre die Strom- stärke dem Torsionsw'inkel proportional. Die Anordnung, w^elche dem In- strumentchen gegeben worden ist, ist im Schema aus nebenstehender Figur er- sichtlich : Durch das innere Rohr r, welches mit 2 Ausschnitten versehen ist, um durch den freien Teil der Decke des Magnets i)i hindurchgeführt zu werden, wird der Strom durch das Magnetsystem geleitet und durch ein äusseres Rohr // wird er einer strom- abführenden Klemme zugeführt. Der Magnet hängt bifilar an einem Kokon- faden, dessen obere Enden in die Ge- windgänge zweier zusammenstossender rechts- und linksläntiger Gewinde ein- gelegt sind, sodass durch Drehung des Aufhängecylinderchens der obere Fadenabstand variiert werden kann. Der Magnet trägt 120 Alfred Kleiner. einen Spiegel s, zu dessen Beobachtung Fenster an den stromfüh- rendt'U liöliren angol)i'ac-lit sind. Ein erstes Instrument der beschriebenen Art, mit einem Mag- neten von 20 mm Länge und 20 mm äusserm Durchmesser, hatte bei kleinem Fadonabstand eine solche Empfindlichkeit, dass, als untere Grenze, zehntausendstel Ampere gemessen werden konnten ; es erwies sich aber als nicht ganz astatisch, indem ein genäherter Magnet Ablenkungen bewirkte; dies rührt zum Teil von nicht ganz symmetrischer Magnetisierung her, zum Teil auch von etwas freiem Magnetismus an der Brücke h; doch ist die Itichtkraft, welche diese Ursache hat, sehr klein verglichen mit der durch die Art der Aufhängung bedingten, auch wird durch die Existenz einer solchen Kichtkraft das Sinusgesetz nicht beeinträchtigt, da sie ebenfalls proportional dem Sinus der Ablenkung ist. Ich habe mit Erfolg diese Richtkraft auf ein Minimum reduziert, indem 2 gleiche Magnetsysteme mit einander verbunden wurden, wobei die Brücken senkrecht zu einander gestellt waren. Es wäre leicht, solche Instrumente mit Flüssigkeitsdämpfung zu versehen ; doch em- pfehlen sich Luftdämpfung oder Induktions- Dämpfung besser, welche anzubringen keine grossen Schwierigkeiten bieten sollte. Erwähnenswert ist die Art und Weise, wie Magnete der oben beschriebenen Form bis zur Sättigung zu magnetisieren sind. Es wurden dazu grössere, kapseiförmige mit Maschienenstrom zu erregende Elektromag- nete M verwendet, auf welche in aus der Figur (Schnitt durch die Achse) ersichtlicher Weise die Magnete in als Schluss des mag- netischen Kreises aufgesetzt wurden. — 1 r 1 // \\ 1 '.■•.■•/.vi-; m Zürich, März 1896. Ueber die Aendening der specifischen Wärme des Wassers mit der Temperatur und die Bestimmung des absoluten Wertes des mechanischen Aequivalentes der Wärmeeinheit. Von Johann Pornet. In sehr verdankenswerter Weise hat das Mitglied der lioyal Society, Herr E. H. Griffiths, Professor in Cambridge, in der letzten Jahresversammlung der britisclien Naturforscher zu Ipswich darauf hingewiesen, auf welcher unbefriedigenden Basis die kalorimetri- schen Messungen zur Zeit noch beruhen. Er Hess dabei die Frage unentschieden, ob die Indifferenz der Physiker auf eine Ilnter- schätzung der Wichtigkeit dieses Gegenstandes oder auf die Er- kenntnis der grossen Schwierigkeiten, welche einer Einigung ent- gegenstünden, zurückzuführen sei. Seine klaren und durchaus richtigen Auseinandersetzungen hatten den P]rfolg, dass von der Versammlung das „Komitee für elektrische Einheiten" beauftragt wurde, eine allseitige Klarstellung der Sachlage und wenn möglich eine Einigung herbeizuführen, unter Prüfung und eventueller Er- weiterung der von IkMiii Prof. Griffiths') gemachten Vorschläge. Durch Cirkular aufgefordert, von jener Druckschrift Kenntnis zu nelnnen und zu Händen des Komitees meinen persönlichen An- sichten Ausdruck zu geben , halte ich es der Wichtigkeit des Gegenstandes angemessen, durch eine öffentliche Erörterung andere Fachgenossen zu einer Meinungsäusserung zu veranlassen. Ferner erachte ich es als meine Pflicht, auf eine in den unter meiner Leitung stehenden allgemeinen Uebungslaboratorien des Eidgenössischen Physikalischen Institutes von dem Assistenten 'J Vergl. Philosophical Magazine, V. Serie, Band 10. pag. 131—104. 122 Juhaiin Pernet. HennDr. E. Liidin ausgeführteUntersuchung „überdie Abhängig- keit der specifischen Wärme des Wassers von der Tem- peratur" aufmerksam zu machen. Dieselbe erschien im Juli 1895, also zu einer Zeit, in welcher die von der Wärme handelnden Bände der neuesten Aullage des Wüllner'schen Lehrbuches und des Handbuches der IMiysik von Winkelniann bereits im Drucke befindlich waren. Sie konnte daher in denselben nicht mehr be- sprochen werden. Da jedoch bei dieser Arbeit die thermometri- schen Messungen nach denselben Principien und nahezu mit der- selben Strenge wie bei den fundamentalen Arbeiten des inter- nationalen Mass- und Gewichtsbureaus in Breteuil und der Physi- kalisch-technischen Reichsanstalt zu Charlottenburg ausgeführt worden sind, so hat dieselbe Resultate geliefert, durch Avelche die Sachlage wesentlich verändert worden ist. Sie muss daher bei der Diskussion berücksichtigt werden. I. Die Aenderunc: der specifischen Wärme des Wassers mit der Temperatur. Seit den klassischen Untersuchungen von Regnault ist von verschiedenen Beobachtern versucht worden, den genauen Verlauf der wahren specifischen Wärme des Wassers in dem Intervall von (»•^ — 1(10" festzustellen. Der Erfolg entsprach jedoch keineswegs den Erwartungen, ja die Unsicherheit wuchs sogar mit der Zahl der Arbeiten, weil die mit dem Eiskalorimeter und nach der Mischungs- methode erhaltenen Resultate recht beträchtliche, zur Zeit noch unaufgeklärte Differenzen zeigen. Mehr und mehr bricht sich die Ueberzeugung Bahn, dass für diese feinsten Präcisionsarbeiten das Eiskalorimeter sich nicht eigne. Ausser der zur Zeit noch 2 °/oo betragenden Unsicherheit des absoluten Wertes der pro Gramm- kalorie in das Kalorimeter eintretenden Quecksilbermenge (15,44 Mgr.) sind die Resultate nach den Angaben kompetenter Beobachter noch von unkontrollierbaren Einflüssen abhängig, so dass noch weitere eingehendere Studien notwendig sein werden , um die Vorzüge dieses principiell vortrefflichen Instrumentes tatsächlich ausnützen zu können. M ') Vorgl. Dieterici, Wiedeinanns Annalen. Bd. 33, pag. 143 und 444. J. üeber die Aenderung der specifischen Wärme des Wassers. 123 Anderseits ist infolge der grossen Fortschritte, welche die Thernionietriein den letzten Jahrzehnten gemacht hat, dicMischungs- niethode in einer Weise verfeinert worden, dass bei Anwendung derselben sehr viel genauere Resultate erzielt werden können. Freilich ist hiezu stets eine mühsame Vorarbeit erforderlich, um mit der notwendigen Schärfe die sämtlichen Konstanten der Thermo- meter zu ermitteln. Denn so vortrefßkh die cij^erhnenteUen Metlioden u)id so richti;i die Theorien auch sein mögen, auf iv eiche die erster en sich gründe)!, so sind dennoch die Resultate nutzlos, wenn der Beobachter der Mess- ung der Temperatur nicht die grössteAufmerksamkeit tcidniet.^) Die Richtigkeit dieser Bemerkung des Herrn Griffiths ist nicht zu bestreiten und damit reduzieren sich mit einem Schlage die zu dis- kutiei'enden (hiuinalbeobachtungen auf diejenigen der Herren Rowland'-j, Bartoli und Stracciati^), Griffiths^j und Lüdin'). Die Bestimmungen von Rowland. Der wichtigste Fortschritt in der Erkenntnis des wahren Ver- laufes der specifischen Wärme des Wassers erwuchs aus den ausser- ordentlich sorgfältigen Bestimmungen des mechanischen Aequi- valentes der Wärmeeinheit, welche Herr Rowland in Baltimore ausgeführt hat. Er zog aus denselben, sowie aus besonderen kalori- metrischen Versuchen den Schluss, dass entgegen den bisherigen Annahmen die wahre specifische Wärme des Wassers in dem Inter- vall von 0" — ;)()" abnehme, wenn die Temperaturen auf das Luft- tliermometer bezogen würden, während dieselbe zunehme, wenn den Berechnungen die Temperaturskale der Quecksilberthermometer zu Grunde gelegt werde. Dieses Resultat ist von Herrn Stud. 'I Vergl. E. Griffiths Phil. Mag. (V) vol. 40, pag. 432. '^) H. A. Kowland. On tlie mecanical equivalent of heat. Proceedings of the American Academy ot' Art.s and Sciences 1870 — 80. (15.) Vol. 7, pag. 75 — 200. ^j l'artoli und Stracciati. Rondic. del 11. Ist. Lombardo. II. Serie. XXVI. Wiedemanns IJeibl. XV, pag. 7G1 und XVII, pag. Iii38. 1893. *) Griffiths Philosophical Transactions of the Koy. Soc. of London CLXXXIV A. pag. :'.G1. 1803. Wiedemanns Heiblätter XVIII. pag. 508. 1804. '•") E. Lüdin. Die Abhängigkeit der specifischen Wärme dos Wassers von der Temperatur. Inauguraldissertation. Zürich. 5'j p. nebst Tafel. 1895. 12 [ Johann Pernet. Liebig') in Baltimore 188;} mit denselben kalorimetrischen Apparaten, sowie sj)ät(_'r durch die oben genjiniiteii Arbeiten bestätigt worden und darf daher als sichergestellt betrachtet werden. Der erstere hat es selbst nicht unternommen, aus dem in dem Intervall von 5" — 3G" von Ui-ad zu Grad ermittelten mechani- schen Ae(|uivalenten der entspi-echenden Wärmeeinheiten den ge- nauen Verlauf der wahi'en specitischen Wärmen des Wassers ab- zuleiten. Er ist sich vielleicht bewusst gewesen, dass hiefiir seine Beobachtungen nicht ausreichen dürften, während dieselben den zunächst angestrebten Zweck erfüllen, eine Vergleichung der bei verschiedenen Temperaturen ausgeführten Bestimmungen des me- chanischen Ae(iuivalentes der Wärme *zu ermöglichen. Obschon er den grössten Teil seiner Untersuchungen der Thermometrie gewidmet hat und seine luftthermometrischen Arbeiten von grossem Werte waren, auch einen nicht unerheb- lichen Einfluss auf die seitherigen thermometrischen Arbeiten aus- geübt haben, so leiden doch sowohl die individuellen Untersuch- ungen der Thermometer, als die Vergleichnngen derselben mit dem Luftthermometer u. a. an einem nachträglich nicht mehr vollständig zu beseitigenden Mangel. Dies ist mir seit einem Jahrzehnt be- kannt')» ich habe jedoch für richtig gehalten, eingedenk des Satzes: „La critique est aisee, l'art est difficile", auf diesen Punkt erst dann aufmerksam zu machen, wenn eine neue, das ganze Intervall von 0" — 100" umfassende Arbeit über die wahren specifisehen Wärmen des W^assers vorliege. Herr Kowlaud hat nämlich seinen Berechnungen die nicht deprimierten Eis])unkte zu Grunde gelegt, obschon er nach einer Erwärmung des Thermometers 61G3 von Baudin (also wohl auch bei den Thermometern 6165 und 6166) eine Eispunktserniedrigung von 0.;}5'^ bemerkt und aus dieser und anderen Beobachtungen ganz richtig gefolgert hatte, dass in dem Intervall zwischen 0^—100" ') G. A. Liebig. On tlie Variation of the .«specific lieat of Watcr. Silliman. American .fournal of Science (III) XXVI, p. 57 — 6o. Newhaven ISSo. '^) Durch Vergleichnngen von Thermometern aus englischem Krvstallglas haben Herr H. V. Wiebe und ich bereits 18S6 festgestellt, dass die Korrektion solcher Thermometer i)ositiv ausfalle. Eine Korrektur der Rowland'schen Berechnungen ergab mir, dass die absoluten Werte der negativen Korrektionen seiner Thermometer wesentlich zu gross sind. I. Ueber die Aemlerung der specifisclien Wärme des Wasaers. ' 125 die Depressionen bei diest-ni Thermometer nahezu proportiunal mit dem (Quadrate der Temperatur sich üikUtm. Er glaubte trotzdem in dem Tempei-aturintervall von 0*^ — 40" die Sclnvankungen des Eis- punktes vernachlässigen zu können, wenn er die Vor.1.69°i^= 16.5<> C: nach den direkten Beobachtungen von Joule 772.(55 engl. Fusspfund bezogen auf die Temperaturskala der Thermo- meter aus französischem Hartglase 772.44 „ ') l'hil. niaf?. V. Ser. Vol. 30, pag. 500. II. Ueber den Arbeitswert der Wärmeeinheiten. 147 iiacli der Skala des Stickstofftheniiometers zu Breteuil 774.51 engl. Fusspf und und nach der Skala des Wasserstoffthernio- meters zu Breteuil 774.81 „ „ Hiezu ist die nach Hei'rn Howland ') + 0.2 betragende Ver- besserung des Wasserwertes des Joule'schen Kalorimeters hinzu- zufügen; somit ist die auf einen Centesinuilgrad des Wasserstoflf- thermometers bezogene Einheit bei 16.5*^: 1 Kalorie = 775.01 . 0.3048 . 1,8 ^ 425,19 Kgm. Die wahre spocifische Wärme bei 16.5" ist = 0.9997 Wärmeein- heiten bei 15«, und da für London g = g^^ (1.00058) = 9.8118, so erhalten wir unter der Annahme, dass die mittlere speeifische Wärme des Wassers zwischen 0° und 100**, bezogen auf die wahre bei 15", = 1.005 sei, als Endwerte für die Breite von 45": 7,3 ^ 425.55 kgm Joioo = 427.67 kgm. Setzen wir die Schwerkraft unter 45 " Breite und im Meeres- niveau = 9,80606, so sind die Resultate in Erg: J,5 = 4.1730. 10^ j;„oo= 4.1938. 10^ Der Arbeitswert nach Rowland. Wie im ersten Teile dieser Arbeit hervorgehoben wurde, sind die von Herrn Rowland gefundenen Zahlenwerte noch mit einem fehlerhaften Gange behaftet, derart, dass namentlich die bei nie- drigen Temperaturen erhaltenen Ergebnisse nicht unwesentlich zu gross erscheinen. In der Nähe des Mininmnis der speciHschen Wärme des Wassers, und also auch des Arbeitswertes der Wärme- einheiten werden die Resultate von dieser Fehleniuelle weniger beeinflusst, weil daselbst die Reihen übereinandergreifen. Benützen wir nur die 10 Werte von 24 ° bis und mit 33 ", die das Minimum bei 28" in sich schliessen und dividieren dieselben je durch die korrespondierenden Werte der wahren specifischen Wärmen erstens nach Lüdin und zweitens nach dem Mittel aus dessen Ergebnissen und denjenigen der Herren Bartoli und Stracciati, so erhalten wir für ') Proceedings of the American Academy. March 1880. p. 44. 148 Johiinn Pernet. den auf 45" Breite bezogenen Arbeitswert einer Kalorie bei Ib^ C, wenn für Baltimore g = 9.80076 und //^^ = 9.80606 gesetzt wird: bei 2-r 25« 2G« 27 <> 28" 29» 30» 31» 32» 33» Mittel nach L 425,-57 ,67 .17 ,37 ,.32 ,32 ,42 ,48 ,54 ,60 425,47 n.B,Su.L 425,44 ,40 .27 ,13 .07 ,01 ,00 ,10 ,08 ,09 425,16. Die erste Heilie ergiebt eine fast vollkommene Symmetrie, und es stimmt der Mittelwert vollständig mit demjenigen von Joule überein. Die zweite Reihe dagegen zeigt einen stetigen Gang, der noch stärker hervortreten würde, wenn nur die Beobachtungen der Herren Bartoli und Stracciati berücksichtigt würden. In Erg ausgedrückt werden danach die wahrscheinlichsten Werte nach den Beobachtungen des Herrn Rowland: J,5 = 4.1722 . 10^ bezw. 4.1691 . 10^ /„„„ = 4.1930 . 10^ bezw. 4.1899 . 10'. Die Uebereinstimmung ^) ist somit durch die strenge Reduktion auf dieselben Einheiten vollständig herbeigeführt und damit die Fruchtbarkeit der Ergebnisse der Untersuchungen sowohl der Herren Bartoli und Stracciati als auch des Herrn Lüdin nachgewiesen. Will man nun einen Normalwert für das mechanische Aequi- valent einführen und setzen J= 4.200. 10', so entspricht diese nach dem Vorschlage des Herrn Griffiths als „Rowland" zu bezeichnende Einheit ziemlich genau dem Arbeits- werte der mittleren Kalorie zwischen 0 und 100". Sdilussbemerkung. Aus der vorstehenden Arbeit ergiebt sich in Uebereinstimmung mit den Ansichten des Herrn Griftiths, dass eine internationale Einigung in Betreff der allgemein anzuwendenden Temperaturskala, der zu wählenden kalorimetrischen Einheiten und der Arbeitswerte derselben dringend notwendig und nach den hier besprochenen Untersuchungen auch möglich erscheint. Zürich, 1896. 'j DervonMiculescu in Paris erhaltene Wert /„.3= 42(184 ergiebt unter Be- nutzung des Wertes der Beschleunigung (/ = 0.80SG und des Mittels aus den Be- obachtungen der genannten Herren J,s ^= 423 . 37 und J^^ = 4.1810 . 10^ ; /o,!« = 4.2018.10^. Theodolith für magnetische Landesaufnahmen. Von Heinrich Wild. Du yy'iv den allgemeinen Verlauf der Isogonen, Isoklinen und Isodynamen über Europa Dank der erdmagnetischen Messungen einer Reihe von Forschern in früherer Zeit bereits ziemlich genau kennen, so können die magnetischen Landesaufnahmen, wie sie in der letzten Zeit in einer Reihe von Staaten Europas ausgeführt worden sind oder noch im Gange sich befinden, nur den Zweck hallen, die grössern oder geringern lokalen Abweichungen der magnetischen Elemente von diesem allgemeinen Verlauf im Detail möglichst genau festzustellen. Dadurch werden die nötigen Daten für die Erforschung der Ursachen dieser Abweichungen gewonnen und kann zugleich dem vielseitigen praktischen Bedürfnis einer genauem Kenntnis der erdmagnetischen Elemente genügt werden. Es ist selbstverständlich, dass zu dem Ende an möglichst vielen Punkten eines Landes erdmagiietische Beobachtungen ausgeführt werden müssen, also die wenigen festen magnetischen Observatorien hic'für nicht genügen, sondern die grössere Zahl derselben im Freien mit Iveise-Instrumenten anzustellen ist. Wenn man auch hiebei zum Schutz der Listrumente vor Sonne und Wind ein grösseres Zelt oder gar, wie Herr Liznar es bei seiner neuesten magnetischen Aufnahme Oesterreich's ') in empfehlenswerter Weise gethan hat, eine transportable hölzerne Hütte verwendet, so können solche Reisebeol)achtungen doch nie auf die Genauigkeit Ansj)riich machon. welche in festen Observatoiien erzielt werden kann. Schon die mangelhafte Temperatur-Konstanz im Fi-eien oder in kleinen Ilütlcii ') .1. Liznar, Krdniagnetische Messungen in Oesterreich. Denkschriften der Wiener Akiidemie. Bd. LXII. Wien 1S95. 150 Heinrich Wild. wirkt beoiiitriielitiyend auf die Siclierlieit der Messungen ein und ebenso ist aucli in den letztern der Schutz vor heftigem Wind ein beschränkter. Die Elimination der Variationen des Erdmagnetismus aus den Resultaten an der Hand der Beobachtungen oder Regi- strierungen derselben in nicht ganz nahen magnetischen Obser- vatorien ist stets eine ungenügende. Endlich erheischt durchweg die Rücksieht auf die leichtere Transportfähigkeit der Instruinente bei der Konstruktion derselben gewisse Konzessionen betreffend der höchsten Leistungsfähigkeit. Was die Genauigkeit der erdmagnetischen Beoliachtungen in festen Observatorien betrifft, so habe ich in meiner Beschreibung des magnetischen Observatoriums in Fawlowsk ') S. 112 gezeigt, dass daselbst in den letzten Jahren bei den einzelnen absoluten Messungen eine Sicherheit von ö (^Z ^^ ö i — + 3,"7 für die Dekli- nation d und die Inklination / und eine solche von d H= + 0,0000036 C. G. S. für die Horizontal -Intensität H^) erzielt worden ist und dass aus einzelnen Ablesungen der bezüglichen Variationsinstrumente (S. 111) die relativen Werte der Deklination mit einer Sicherheit von +3,"1, die der Horizontal-Intensität mit einer solchen von ± 0,0000042 und die der Vertikal-Intensität mit ± 0,0000089 ab- zuleiten waren. Aus den beiden letztern Grössen aber folgt nach der Formel S. 105 der erwähnten Schrift als Fehler der aus den Ablesungen an den beiden letztern Variationsinstrumenten zu be- rechnenden Inklination: +2,"0. Es sind also die Fehler der Variationsbeobachtungen von derselben Ordnung wie die der ab- soluten Messungen. Nun dürfen jedenfalls sowohl die absoluten Messungen als die Variationsbeobachtungen in Pawlowsk gemäss der Qualität und Aufstellung der Instrumente, ihrer Behandlung bei der Beobachtung und der Zweckmässigkeit der Lokalitäten mit zu den besten erdmagnetischen Beobachtungen gezählt w^erden und wir können daher die vorstehenden Grössen als obere, zur Zeit in festen Observatorien erreichbare Genauigkeitsgrenzen der- selben hinstellen. ') H. Wild, Das Konstantinow'sche meteorologische und magnetische Observatorium in Pawlowsk (bei St. Petersburg). Besondere Ausgabe der Kaiser!. Akad. der Wissen^^chaften zu St. Petersburg. 1805. *) Da die Horizontal-Intensität zur Zeit in Pawlowsk l,')-l.i war, so repräsentiert der letztere Fehler: 0,0U0021 der Horizontal-Intensität. Theodolith für magnetische Landesaufnahmen. l.M Hiernac'li ist nun kaum zu erwarten, dass man bei den Beob- achtungen auf Keisen für die Deklination und Inklination eine grössere Genauigkeit als 1- 20" (d. h. eine fünf ^lale kleinere als die in festen Observatorien) und für die Horizontal-lntensitilt eine grössere als + 0>0002 ihres Betrags (d.h. eine 10 Male kleinere als in festen Observatorien) erreichen werde. Es sind dies die Genauig- keitsgrenzen, welche ich bei der Konstruktion meines magnetischen Ixeisetheodolithen ') zu erreichen anstrebte und die auch nach den Veritikationen desselben im Observatorium zu Pawlowsk voll- ständig erreicht worden sind. Auf der Heise selbst wurde zwar für die Horizontal-Intensität ebenfalls obige Sicherheit erzielt, da- gegen war der Fehler der Deklinations- und Inklinationsmessungen, zum Teil wegen Mangel eines Zelts, grösser, nämlich +30",-). Obiges sind denn auch die durchschnittlichen Genauigkeiten, welche in neuerer Zeit bei magnetischen Landesaufnahmen erreicht worden sind, wie folgende Zusammenstellung nach den botreffenden Publi- kationen ergiebt. Land Beobachter Fehler der Dekl. Inkl. Horiz. Intens. Italien Chistoni + 18"± 30"± 0,00050 Grossbritannien Uücker undThorpe ± 49 + 12 + 0,00020 Nordwest-Deutschland Eschenhagen ± 30 + 90 + 0,00077 Holland Rijckevörsel ±100 ± 31 ± 0,0002() Oesterreich Liznar ± 12^)+ 72 + 0,00020 Frankreich Moureaux *) + 24 + 36 + 0,00020 Die Fehler der Bestiniuuuigen der Horizontal-Intensität siiul wie oben in Bruchteilen des ganzen Werts derselben angegeben. ') H.Wild, Instrument für erdmagnetische Messungen und astronomische • Jrtsbestiminungen auf Reisen. Repert. für Meteorologie, Bd. XVI. N. 2. 1892. -) \V. Dubinsky, Magnetische Messungen, ausgeführt in den Ostsee- [irovinzen und im Weichselgebiet im Öniumer ISfi:). Report, für Meteorologie. Bd. XVII. N. 13. 1894. ^) In diesem Fehler für die Deklinationsmcssung ist derjenige der Azimutbestimmung nicht inbegriffen. *) Die Fehler der Messungen von Herrn Moureaux habe ich nur mittelbar und ungefähr ableiten können, indem ich als solche die Differenzen der Reduktionen seiner Reise-Beobachtungen nach l'erpignan einerseits und dem Parc St. Maur anderseits annahm, welche er als zu vernachlässigende (irössen bezeichnet. (Determinations magnetiques faites en France pendant is^^S p. -Ilj. ir>2 Heinrich Wild. Wie schon erwähnt, hat der im Jahr 1891 nach meinen An- gaben konstrnierte magnetische Heise-Theodolith mit dem zu- gehörigen Induktions-Inklinatorium den Genauigkeits-Bedingungen für Deklination und Inklination: Öd = di = ±20" und für die Horizontal-Intensität: ^=+ 0,0002 genügt. Es schien mir indessen möglich, dem Theodolith für den praktischen Gebrauch noch eine vorteilhaftere Einrichtung zu ver- leihen, und ich habe daher bereits im Dezember 1893 den Plan eines verbesserten Instrumentes dieser Art publiziert ')> dessen Aus- führung Herr Dr. Edelmann in seiner Werkstätte übernommen hat. Nachdem bereits drei solche Instrumente, nämlich für die Universitäten in Moskau und Tomsk und für das magnetische Observatorium in Bucharest im Observatorium zu Pawlowsk veri- fiziert \vorden sind, habe ich im Sommer 1895 ein viertes, in einigen Punkten noch etwas verbessertes Instrument für das physi- kalische Central-Observatorium von Herrn Edelmann bezogen und selbst in Pawlowsk geprüft. Da Herr Edelmann auch anderswohin bereits mehrere solche Instrumente geliefert hat, so dürfte es jetzt geboten sein, den neuen Theodolithen so, wie er ausgeführt worden ist, zu beschreiben und eine kurze Anleitung zu seinem Gebrauch zu geben. Der nebenstehende Holzschnitt gibt eine Ansicht des Instruments in der speciellen Zusammensetzung, wie es bei den Ablenkungs- beobachtungen gebraucht wird. Ein Dreifuss mit Stellschrauben F trägt den Horizontalkreis mit seiner Deckplatte D, deren Yertikal- achse durch die Mutter .4. mit eingelegter Feder passend zu ent- lasten ist. Vermittelst der Klemme C sind Kreis und Deckplatte zu verbinden und dann durch die Schraube E und das gegenüber- stehende Federgehäuse B mikrometrisch gegeneinander verstellbar. Auf der Deckplatte sind am Hände die beiden Träger G der Horizontalachse, sowie über Oeffnungen in ihr die beiden Mikros- kope M befestigt, die zur Ablesung des Horizontalkreises dienen. Der letztere hat löo mm Durchmesser, ist von 10 zu lo' geteilt, ') H. Wild, Beiträge zur Entwicklung der magnet. Beobaclitungs- instrumonte. § 4. RepL'rt. für Meteorologie, Bd. XVII. Nr. G. Theodolith für majrnetisclie Landesaufnahmen. 153 und die zur Teiltiäche um ungefähr 15° nach aussen geneigten Ablese-Mikroskope erzeugen durcli ilire Objektive ein sehwacli vergrössertes BiUl der Teilung auf den als Verniere geteilten Glas- platten bei b, über denen sich schiebbare Lupen befinden. Diese ^4^- durchsichtigen Glas-Verniere gestatten 20" direkt abzulesen und bei guter Beleuclitung auch wohl noch 10" zu schätzen. Zur ge- nauen Justierung sind die Mikroskope in den auf der Deckplatte aufsitzenden Hülsen verschiebbar und ebenso die Objektive durch Ein- und Herausschraul)en gegenüber der Glasplatten-Teilung ver- irj4 Heinrich Wild. stellbar. Oeffmmgen auf der dem Centrum des Instrumentes zu- gewendeten Seite der Hülsen, welche durch matte Celluloidlamellen verschlossen sind, lassen hinlänglich Licht zur Beleuchtung der Teilung einfallen. Die Horizontal-Achse des Theodoliths besteht in durch- brochenen cylindrischen Zapfen T und R, die in ij förmigen Lagern der Träger H ruhen, dort durch federnde Lamellen e angepresst werden und selbst diametral gegenüber am Kinge .S' befestigt sind. Am Zapfen R sitzt ausserhalb des Lagers der Vertikal- kreis T' und die Klemme für die Horizontalachse, die mit ihrem Fortsatz unten zwischen den Federhausstift m und die Schraube g zu liegen kommt und so mikrometrisch zu verstellen ist. Der- selbe, am Träger G befestigte Bügel trägt das Federhaus k und ihm gegenüber eine Schraube zur mikrometrischen Justierung der zwischen beiden liegenden Xase des Halters des Niveaus 0 und der beiden Yerniere samt Deckring des Vertikalkreises, welche mit den Lupen p durch Glasfenster im Deckriiig abgelesen werden. Der Vertikalkreis ist ebenfalls von 10 zu 10' geteilt und die Ver- niere lassen direkt 20" ablesen. Am zweiten Zapfen T ist das excentrische Fernrohr K für astronomische Beobachtungen und ein Gegengewicht Q zum Vertikal- kreis auf der andern Seite befestigt. Der Okular-Auszug wird durch die Klemme t nach erfolgter Justierung auf die Unendlich- keit fixiert, die Fadenplatte ist zur Annulierung der Ivollimation durch seitliche Schrauben zu korrigieren und am Okular n lässt sich ein Sonnenglas und ein rechtwinklichtes Prisma für Beob- achtungen in der Nähe des Zeniths befestigen. Zur Erleuchtung des Gesichtsfeldes bei Nachtbeobachtungen lässt sich in die durch- bohrte Achse T eine Röhre einschieben, welche am Innern Ende in der Nähe der Fernrohrwand ein kleines rechtwinklichtes Prisma trägt. In der Senkrechten auf der Horizontalachse sind am Ringe S auf durchbohrte Zapfen einerseits das excentrische Fernrohr L mitUeberfangschraube z und anderseits eine Röhre mit Verdickung N aufgeschraubt, welch' letztere als Gegengewicht zum erstem dient. Der Okularkopf des Fernrohr's ist wieder durch seitliche Schrauben ?t justierbar, trägt im Brennpunkt des Objektivs eine Glasplatte mit durchgehendem Vertikalstrich, einer beiderseits desselben horizon- tal verlaufenden Teiluui^; und oberhalb der letzteren ein kleines Theodolith für magnetische Landesaufnahmen. 155 leclitwiiiklichtes Glasprisma, das durch eine Bohrung von drehbarem Spiegel q darüber Himmelslicht empfängt und so den obern Teil des Vertikalstriches beleuchtet. Das Okular 1/ ist auf einem Schlitten befestigt, so dass es durch die Schraube v rasch über die Teilung hin bewegt werden kann. Der Wert eines Teils der linearen Teilung beträgt rund 2, so dass (),'2 oder 12" leicht zu srliätzen sind. Auf dem ebenen mittleren Teil der konischen Deckplatte D des llorizontalkreises ist in einer centrisch wenig ausgedrehten Ver- tiefung die Fussplatte des Gehäuses W für den abzulenkenden Hülfsmagnet eingesetzt, wo sie durch Anschläge und übergreifende Riegel d in richtiger Stellung festgehalten wird. Das Gehäuse besteht aus einem massiven, durchbohrten und sehr sorgfältig auf Eisenfreiheit untersuchten Kupfercylinder, dessen Höhlung gegen das Fernrohr L hin durch eine plan-pai-allele Glasplatte, hinten (hutli eine gewöhnliche Glasplatte und einen über diese zu schiebende Messingplatte verschlossen ist. Im Fuss bewegt sich ein durchbohrter Cylinder, der oben einen Kupfertrog trägt, beim Hinaufschieben den Magnetcylinder mit diesem an die obere Wand des Gehäuses zur Arretierung anpresst und dann durch eine seit- liche Schraube geklemmt werden kann. Der Cylinder aber wird, durch einen mit Zahnung versehenen, in der Mitte der Deckplatte sitzenden Stift gestossen, der selbst vermittelst des Triebes h be- wegt wird. Der massiv(\ cylindrische, am einen Ende als Plan- spiegel angeschliffene Hülfsmagnet steckt in einer leichten Messing- fassung mit Klemm-Stift unten und Oese oben, und ist mit dieser am Suspensionsfaden, der vom Kopf// der Suspensionsröhie herab- hängt, befestigt. Diese Röhre besteht aus 2 ineinanderzuschiebenden Teilen, die bei ]i zusammengeklemmt werden und wovon der untere Teil durch die Schi-aube i überdies mikronietriscli verkürzt oder verlängert werden kanu, um den Magnet genau in der Mitte des Kupfercylinders W schweben zu lassen, wenn seine Arretierung gelöst ist. Die Torsion des Suspensionsfadens wird in der Art aufgehoben, dass man nach Ai-retierung des Magnets das Gehäuse in umgekehrter Stellung vertikal befestigt und die aus 2 Hälften I)estehende Klemme f des Süspensionscylinders //, der gleiches Ge- wicht wie der Magnet hat, zurücksehlägt, worauf dieser frei wird und den Faden detordiei'eii kann. 156 Heinrich Wild. Für die Ableiikungsbeobachtungeii wird das gleich näher zu besclireibende Gehäuse mit dem darin fixierten Hauptmagnet auf eine der Röhren T oder R aufgeschoben und geklemmt, während «in gleicli grosses Gegengewicht je auf der anderen Seite ange- bracht wird. Nach Entfernen des Gehäuses W mit dem Hülfsmagnet lässt sicli an seine Stelle in ganz gleicher Weise mit seiner Grundplatte h das nebenstehend abgebildete Gehäuse für den Hauptmagnet aufsetzen. Dasselbe besteht aus dem starken Messingring Rj in dem unten der Fuss und oben die Suspensionsröhre .S' ein- gesetzt sind und der ausserdem beiderseits die Röhren-Ansätze n und ni mit Glasplatten- abschliiss im Innern trägt. Tn die offenen Seiten des Rings R sind beiderseits Rotholz- deckel c c einzuschieben und mit Bajonett- schluss zu befestigen. Der dem Fernrohr L zugekehrte hat eine durch ein planparalleles Glas verschlossene kleine Oeffnung /, der an- dere ein grosses Glasfenster, das durch einen Messingschieber zu bedecken ist. Schief in den Ring eingesetzt sind das Thermometer T einerseits, dessen Gefäss in die Höhe des Mag- nets im Innern zu liegen kommt und das Stäb- chen a mit seiner Führunghülse. das, wie wir weiterhin sehen werden, zur Umkehr des Mag- nets in seiner Fassung um 180° dient. Die Suspensionsröhre ist ähnlich wie die beim vorigen Gehäuse eingerichtet, d. h. auch aus zwei ineinander zu scliiebenden und bei r zu klemmenden Teilen zusammengesetzt und bei li ebenfalls mit einer aufzuklappenden Klenmie für den Suspensionscylinder y von gleichem Gewicht wie der Magnet versehen behufs Aufhebung der Fadentorsion in der umgekehrten Lage des Gehäuses. Nur ist hier noch unterhalb h ein Torsionskreis k mit Klemmschraube d angebracht und sodann ist im untern Teil der Röhre S eine zweite Röhre schiebbar, von welcher durch einen Schlitz in ersterer' eine Nase heraustritt. Eine an dieser sitzende Schraube t greift mit ihrem Gewinde in einen am äussern ]{ohr befestigten Bügel ein, so dass die innere Röhre Theodolit h für magnetische Landesaufnahmen. 157 durch Drehen von t zu lieben und zu senken ist, wobei der Schlitz die Bewegung nach oben und eine justierbare weitere Schraube diejenige nach unten limitiert. Am untern Ende dieser innern Röhre ist nun das obere Lager für den Hauptmagnet befestigt, gegen welches derselbe durch ein unteres Lager angepresst wird, wenn er in der transversalen, der Achse der seitlichen Köhren n und m parallelen Lage fixiert werden soll. Zu dem Ende besteht dieses obere Lager aus einer in der Mitte verbreiterten und durch- bohrten Messing-Lamelle, die parallel zur Achse von n und m am unteren Ende jener K()hre fest angeschraubt ist und in der Nähe ihrer Enden halbkreisförmige oder y-förmige, dem Querschnitt des ^lagnets angepasste Lager besitzt. Es wird nun die Schraube, welche die Bewegung der Röhre mit dem Lager nach unten limi- tiert, so justiert, dass der Magnet mit seiner Achse genau in die Achse der Röhren n m fällt, wenn er an das Lager von unten an- gepresst wird; damit dabei der Magnet auch der Länge nach in seine richtige Lage komme, d. h. sein Centrum in das des Ringes R falle, sind an beiden Enden der obern Lagerlamelle noch schief gestellte Achat-Nasen so angebracht, dass sie den Magnet beim Anliegen an den Lagern genau zwischen sich fassen und ihm vor- stehende centrische Stellung geben '). Das untere Arretiorungs- lager von ganz entsprechender Gestalt wie das obere, nur ohne Achat-Nasen, sitzt auf einem Cylinder, der sich in einer Bohrung des Fusses klemmbar auf- und abschiebt und um seine Achse etwas mehr als 90° drehbar ist. Zu dem Ende tritt durch einen seitlichen horizontalen Schlitz der Hülse ein am Cylinder be- festigter Stift nach aussen vor, den der Beobachter zur Drehung anfasst. Es kann so das Lager aus der erwähnten Transversal- Lage auch in eine zur Achse des Ringes R parallele Lage ge- bracht werden. Zur Hebung des Lagers mit seinem Cylinder dient wie beim andern Gehäuse derselbe, in der Deckplatte D sitzende Stift, der mittelst des Triebes h bewegt wird. Sollen an dem Hauptmagnet Schwingungsbeobachtungen ge- macht werden, so dreht man den obern Teil des Listruments mit dem excentrischen Fernrohr L, bis dasselbe angenähert im ') Siehe auch die betreffenden Zeichnungen 7,u § 3 und 1 der oben erwähnten Beiträge zur Entwicklung der magnet. Beobachtungsinstrumente. IjyS Heinrich Wild. magiietisclien Meridian liegt, schraubt sodann zuerst das obere Lager des arretierten Magnets zurück, drelit das untere um 90°, so dass der Magnet in die achsiale Lage zum Gehäuse kommt und lässt darauf langsam das untere Lager herab, wodurch der Magnet ganz frei wird ohne in erhebliche Schwankungen zu geraten. Dabei soll der mit Planspiegel versehene Südpol des Magnets dem Fernrohr L zugewandt sein und seine Achse sich wenig unterhalb der Achse durch die Oeffnungen m und ti befinden. Zur Fixierung des Magnets in der transversalen Lage für die Ablenkungsbeobachtungen oder zur Verpackung beim Transport verfährt man umgekehrt. Das untere Lager wird nicht ganz, sondern nur soweit gehoben, bis es eben den Magnet fasst, dann um 90° zurückgedreht ohne Klemniung des Cylinders, darauf das obere Lager bis zum An- schlag heruntergelassen und nun erst das untere wieder ganz ge- hoben wird, bis es den Magnet fest an 's obere anpresst, wobei sich jenes wegen seiner Drehbarkeit dem obern ganz anpasst. Jetzt erst wird der Cylinder geklemmt und damit das untere Lager auch fixiert. Man kann sodann das Gehäuse abheben und zur Ausführung der Ablenkungsbeobachtungen nach Belieben mit der einen oder andern Seiten röhi'e m oder n auf die Zapfen-Enden T oder R der Horizontalachse aufschieben, nachdem man das kleine Gehäuse mit dem Hülfsmagnet im Centrum des Instrumentes auf- gesetzt hat. Zur Limitierung der Entfernung wird das grosse Gehäuse einfach so weit auf die Röhren T und R aufgeschoben. bis die Spiegelplatten im Lmern von m resp. ii an die Ränder dieser Röhren anstossen. Ein m resp. n einerseits und T resp. R anderseits umfassender Doppelring mit Klemmschraube dient nach erfolgtem Anschlag zur Fixierung des Gehäuses auf dem Zapfen. Hiebei ist noch Folgendes zu bemerken: Da bei der Auf- hebung der Torsion des Suspensionsfadens in der umgekehrten Stellung des Gehäuses der Magnet in der transversalen Lage fixiert ist, so ist die Torsion nur für diese Stellung aufgehoben und man muss daher für die Schwingungsbeobachtungen resp. auch Dekli- nationsbeobachtungen, wo er eine achsiale Stellung zum Cylinder- Gehäuse einnimmt» am Torsionskreis oben in gleicher Richtung um 90° drehen, damit der Faden wieder torsionslos sei. Für die Deklinationsbeobachtungen ist es aber nicht bloss notwendig, dass der Suspensionsfaden torsionslos sei, sondern es Theodolith für magnetische Landesaufnalimen. 15t> soll auch der Magnet mit Spiegel um seine Längsachse resp. um die Nornuilo des letztem um 180° umgedreht "werden können behufs Elimination des Winkels zwischen Spiegelnormale und magnetischer Achse aus dem Resultat. Zu dem Ende ist bei unserm Instrument folgende Vorrichtung angebracht. Die Fassung, mit welcher der Magnet am Suspensionsfaden befestigt ist, besteht aus zwei koncentrischen Kingen, von welchen der innere am Magnet festgeklemmt ist, während am aussein der Faden befestigt ist. Man kann somit den Magnet in dem äussern King drehen, wobei ein Stift mit zwei Anschlägen diese Drehung genau auf 180° limi- tiert. Um aber hiebei die Drehung selbst ohne Oeffnen des Ge- häuses und Berühren des Magnets vornehmen zu können, ist das oben erwähnte Stäbchen a gegenüber dem Theriuometer im Ringe R angebracht. Stösst man nämlich dasselbe in seiner Hülse bis zum ränderierten Kopfe hinein, so greift sein unteres, triebförmig ge- staltes Ende beim arretierten Magnet durch eine seitliche Oeffnung im äussern Fassungsring in eine konische Zahnung am innern Ringe ein, und man kann jetzt den mit diesem fest verbundenen Magnet mittelst des ränderierten Kopfes am Stäbchen in der äussern Fassung bis zu den Anschlägen um 180° hin- und her- drehen. Die einzige Komplikation besteht hiebei darin, dass man den Magnet zum Zweck dieser Drehung jedesmal aus der achsialen Stellung in die transversale bringen und in dieser fixieren muss. Doch dürfte diese Operation kaum umständlicher sein, als das Oeffnen des Gehäuses und das Umdrehen des Magnets mit der Hand oder einer Zange oder gar ein Umhängen desselben, wobei der Suspensionshacken zu fixieren ist. Der Vorteil unserer Ein- richtung, das Gehäuse nicht öffnen und den Magnet nicht mit den Händen anfassen zu müssen, dürfte dagegen für die Genauigkeit der Messungen sehr zu schätzen sein. Zur Suspension des Hülfsmagnets ist ein Coconfaden. zu der des Hauptmagnets ein 0,045 mm dicker Neusilberdraht verwendet worden. Der letztere Magnet ist 50 mm lang und 10 mm dick, der erstere 40,2 mm lang und 8,2 mm dick und beide sind aus Böhler' schem Wolfram-Stahl angefertigt, möglichst stark gehärtet und dann nach dem Magnetisieren zuerst 24 Stunden lang und nach neuer Magnetisierung nochmals 12 Stunden lang den Däni[)fen .siedenden Wassers ausgesetzt worden. 160 Heinrich Wild. Die Bestimmung der Inklination erfolgt bei diesem Instrument wie beim frühorn vern)itti'lst des Induktionsiiiklinatoriums; statt aber wie dort das Galvanometer auf dem Theodolith und diis Induktorium mit besonderem Untersatz auf einem besonderen Stativ anzubringen, ist hier die umgekehrte Anordnung getroffen. Das Induktorium, wie es die nebenstehende Figur darstellt, besteht aus einem äussern Hinge A, der sich nach Entfernung des kleinen Gehäuses IT und nach Abschrauben des Fern- rohrs L und der Gegengevvichtröhrc N vom Ringe ^S' in diesen fest einsetzen lässt und durch 2 Klemmen v und w mit seinem Ansatz an die obere Kingfläche fest angepresst wird. Seine Lage wird dabei dadurch fixiert, dass eine Nase am Ring S zwischen die Schrauben b und a am Ring A zu liegen kommt und dann durch Drehen von a gegen die Spitze von h angepresst wird. Der Ring A trägt die Zapfen der mit dünnem isoliertem Kupferdraht bewickelten Rolle R, um welche dieselbe rasch gedreht werden kann, entweder indem man mit der Hand am ränderierten Kopfe r eines Stiftes dreht, welcher den durchbohrten Zapfen d durchsetzt und an der Rolle festgeschraubt ist, oder indem man statt r das massive Ende einer Drahtspirale r /i (siehe nebenstehende Figur) von etwa 1 m Länge an der Rolle befestigt, deren anderes Ende am schnell-laufenden Rad eines Getriebes sitzt, das mit der Kurbel k gedreht und mit dem Holzgriff r/ von der andern Hand des Beobachters gefasst wird. Der obere Zapfen der Rolle R ist zur Aufnahme des Drehstiftes durchbohrt, endet konisch und wird durch ein konisches, vermittelst der Schraube c innerhalb d justicrb'ares Lager gehalten und mit dem untern^ konisch ausgehöhlten Zapfen der Rolle gegen eine im Ring A sitzende Schraubenspitze leicht angepresst. An diesem längern untern Zapfen ist ein Komnmtator angebracht, dessen beide isolierten Hälften mit den Enden des aufgewickelten Drahts verbunden sind und auf denen die den Strom fortleitenden beiden Federn / schleifen. Diese Federn sind samt ihren respektiven Klemmschrauben C isoliert auf dem Ringe A befestigt. Theoilolith für magnetische Landesaufnahmen. IGl Im Innern endlich der Kolle E ist die justierbare Libelle L an- gebracht. Das Galvanometer, mit welchem der beim Drehen der Draht- Kolle durch den Erdmagnetismus in ihren Windungen inducierte Strom beobachtet resp. die Stellung ihrer Drehungsachse aufgesucht wird, wo dieser Strom eben verschwindet, ist entweder ein Ilosen- thal'sches Mikro-Galvanometer mit Lul'tdämpfung oder besser ein modifiziertes Weiss 'sches Galvanometer ^) mit astatischem Magnet- paar und Kupferdämpfung. Die nachstehende Figur stellt das Hosenthalsche Galvanometer dar. Im Innern der Messina:- Ijüchse li ist an dem vom Stift S der Suspehsionsröhre herab- hängenden Coconfaden ein kleiner Hufeisen-Stahlmagnet aufgehängt, dessen Pole, der eine nach vorn, der andere nach hinten, um- gebogen sind und so in die Höhlungen zweier Draht-Spulen hinein- ragen, von denen auch die eine vor, die andere hinter dem Magnet an der Büchse H befestigt sind. Die Drahtenden dieser Spulen sind mit den isolierten Klemmschrauben c und d verbunden. Am Magnet ist ein leichter Spiegel und zwei zwischen den Spulen sich befindende Glimmerflügel zur Dämpfung befestigt. Den obern Teil des Hufeisens durchsetzt ein Messingstäbchen, das quer in einer ') Compt. read. T. CXX p. 728. Avril 1895. Vierteljahrssi-hrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jalirg. XLI. Jubolband II. 11 102 Heinrich Wild. in M schiebbaren Röhre befestigt ist. Zieht man mittelst der Sc-lirauben / und e, die die äussere Höhre in Schlitzen durchsetzen, das innere Uohr empor, so hebt das Stäbchen den Magnet empor und arretiert ihn für den Transport durch Andrücken der seit- lichen Polfortsätze an die Wandungen der Spulen-Höhlungen, wor- auf zur Klemmung /" und e angezogen werden. Das hinten und vorn durch Glasplatten verschlossene Gehäuse R ruht mit einem konischen Hohlzapfen auf dem Konus des Dreifusses F mit Dosen- Libollo L, die so justiert sein soll, dass der Magnet frei zwischen den Spulen hängt, wenn deren Blase nach Drehen der Fusschrauben in der Mitte einsteht. Alsdann hat man R um seinen Zapfctn nur so weit zu drehen, bis die Magnetpole frei im Centrum der Spulen- Höhlungen schweben, und das Galvanometer ist orientiert. Zur Beobachtung der kleinen Bewegungen des Magnets an seinem Spiegel, bei Durchleiten eines sehr schwachen Stroms durch die Drahtspulen, wird ein den Ring R umfassender Bügel mit zwei Schrauben T, deren Spitzen in konische Vertiefungen an den Seiten des erstem eingreifen, aufgesetzt, in den das excentrische Fern- rohr M (d. i. das Fernrohr L am Ringe iS' des Theodoliths) ein- geschraubt ist und der als Gegengewicht zu diesem auf der andern Seite der Achsen T die Gewichte f/ trägt. Die Fernrohrseite hat etwas Uebergewicht, so dass sich die Schraube am untern Fort- satze des Bügels an den Fuss des Gehäuses anlegt und so die Fernrohrlage durch Drehen dieser Schraube leicht zu justieren ist. In der Verschlussplatte des Gehäuses R ist vor dem Fernrohr- Objektiv zur Beobachtung des Magnetspiegels eine planparallele Glasplatte eingesetzt. Das modifizierte Weiss'sche Galvanometer, wie ich es in der Werkstätte des physikal. Central-Observatorium durch Herrn Freiberg zu obigem Instrument habe anfertigen lassen und das auch Herr Edelmann in Zukunft nach Wunsch dem Theodolithen beigeben wird, unterscheidet sich vom AVeiss'schen Instrument dadurch, dass das astatische Magnetpaar — zwei vertikalstehende Magnetnadeln — etwas grösser als bei jenem und in einem engen Kanal eines Kupferblockes aufgehängt ist, in dem seitlich die 4 Drahtspulen eingelassen sind. Der Spiegel ist oberhalb und die Aufhängung eine bifilare (1 mm Fadendistanz auf 150 mm Länge der Faden). Der Fuss und die Anbringung des Fernrohrs zur Ab- Theodolith für magnetische Landcsaufnahnion. 163 lesung des Spiegelstandes ist ganz entsprecliend wie hoiin Koson- tharschen Galvanometer. Es hat sich dies Instrument bei unsern Versuchen als leicht zu handhaben und als äusserst empfindlich erwiesen. Es ist kaum nötig, hinzuzufügen, dass die Galvano- meterspulen und der Induktor gleiche Widerstände haben sollen und dass die Anwendung eines dünnern Drahts mit mehr Windungen günstiger ist. Der Theodolith wird auf einem festen hölzernen Dreifuss mit zusammenzuschiebenden Beinen aufgestellt und in der üblichen ^Veise durch eine Federklemme an diesem befestigt. Für das (ialvanometer ist dem Apparat ein ähnlicher, nur leichterer Drei- fuss beigegeben, der neben dem erstem in ungefähr 1 m Al)stand so aufgestellt wird, dass beim Hereinsehen in das Galvanonieter- fernrohr der Beobachter mit dem Getriel)0 und der Drahts[)irale noch bequem den Induktor auf dem Theodolith drehen und zu- gleich die Mikrometerschraube am Vertikalkreis zur Justierung der Neigung der Induktorachse erreichen kann. Durch zwei etwas über 1 m lange Drähte werden die Klemmschrauben C am Induk- tor mit c und d am Galvanometer verbunden. Zum Nivellieren des Theodoliths auf seinem Dreifuss ist dem- selben ein auf die Zapfen des Ringes S aufzusetzendes Niveau bei- gegeben. Alle 3 Niveaus haben sehr nahe einen Pars- Wert von 20", so dass 5" noch leicht zu schätzen sind. Bei der Untersuchung erwies sich das Instrument ganz eisen- frei bis auf die Objektiv-Fassungen der Fernröhren, welche geändert werden mussten. Das ganze Instrument ausser den beiden Stativen ist in einem Kasten von 'M auf '-V^ auf 73 Centimeter verpackt und wiegt mit diesem 26 Kilogrannn. Justierung des Iitstnoiioits. Die Justierung des Instruments ist eine sehr einfache. Durch Hinrichten der Fernröhren auf einen sehr fernen Punkt nach erfolgter Nivellierung des Theodoliths, Ablesung des Horizontal- und Vertikalkreises, Durchschlagen der Fernrohre (unter Abschrauben des Gegengewichtrohrs N und Wiederbefestigung), Umdrehen um die Vertikalachse um nalie ISO'^ bis zu neuer Ein- stellung auf denselben fernen Punkt und neues Ablesen von Horizon- 1(J4 Heinrich Wild. tili- und \'c'itikalkreis wird der Zeiiitli am letzteren und die l\olli- inatien der optisclien Aeliseu der F(.'rnr()liren ermittelt, worauf die- selben dureli Korrektion der Fadenkreuze am besten annuliert werden. Man untersucht hierauf, nachdem die optische Achse des Fernrohrs L nach dem Vertikalkreis zufolge vorstehender Be- stimmung horizontal orientiert worden ist, ob die Spiegelnormalen der Magnete in den beiden Gehäusen bei freiem Schweben ge- nügend horizontal liegen und korrigiert eventuele zu grosse Ab- weichungen durch Verschieben derselben in ihren Hülsen. Drehung derselben in den Hülsen um 90'^, 180° und 270° gestatten leicht, die Abweichung der magnetischen Achse von der Spiegelnormale in diesen Hauptlagen zu ermitteln und so zu konstatieren, ob die- selben nicht einen solchen Betrag erreichen, dass derselbe erheb- liche Fehler im Messungsresultat zur Folge haben könnte. Dreht man das kleine Gehäuse aus der Stellung in der Figur um ilO°, so kann man durch die Bohrung in den Zapfen der Horizontal- Aclise und durch dieses Gehäuse hindurchsehend leicht und genau genug erkennen resp. durch Justierung an der Schraube/ erzielen, dass der Hülfsmagnet mit seinem Centrum in die Achse dieser Röhren fällt. Indem man ferner das grosse Gehäuse nach Entfernung des kleinen auf die eine oder andere Röhre 7' oder R aufschiebt, kann man ebenso genau genug die richtige Höhe des darin fixierten Magnets beim Hindurchsehen durch die Röhren konstatieren (er nniss auch centrisch zu denselben sein) resp. durch Korrektion des obern Lagers in der früher erörterten Weise erzielen. Wenn dabei das Spiegelende des Magnets nach dem Centrum des Instruments hingerichtet ist, so wird derselbe für den von der andern Röhre hineinsehenden Beobachter ein centrisches Spiegelbild der Röhren- öffnung vor dem Auge zeigen müssen, wenn der fixierte Magnet in seinem Gehäuse richtig orientiert ist, d. h. seine Achse parallel zur Horizontalachse ist. Die richtige Stellung des Induktor-Halters A im Ringe S des Theodoliths ist diejenige, wobei die Rotationsachse der Drahtrolle R senkrecht auf der Horizontal-Achse jenes Ringes steht. Um diese Stellung zu finden, wird nach genauer Nivellierung des Theodolithen, insbesondere der Horizontalachse durch Drehen um diese der King .9 resp. die Kotationsachse des Induktors in eine Vertikalebene durch jene gebracht, was daran zu erkennen ist, dass das Niveau L bei Theodolith für niiignetisclio Landesaufnahmen. Xß5 senkrechter Stellung der Hollenebene zur Horizontalachse nach Umdrehung um 1Schluss wird es gut sein, an die Genauigkeit zu erinnern, mit weklier die einzelnen Beobachtungs- und Berechnungselemente in der Formel S. 19 bestimmt werden sollen, damit das Resultat nicht die gewünschte Fehlergrenze von —jj- = + 0,0002 über- steige. Um trotz des eventuellen Zusammenwirkens mehrerer Fehler dem Resultat noch diese Genauigkeit zu sichern, wollen wir, wie ich es S. G und 7 der erwähnten Beschreibung des ersten lleiseinstruments gethan habe, diese zu tolerierenden Fehlergrenzen unter der Voraussetzung von -jj- ~ X 0,0001 berechnen. Bei unserm Instrument ist angenähert: T = 3,5 s, V = 28°, E = 200 mm, i\'o = 1 1 000000 mm. mg. d. h. mit Ausnahme von v sehr nahe dieselben Werte wie beim frühern Theodolithen und wenn man auch wie dort: t = 21°, z = 20°, « = 1,°3, ^i = 0,0005, V = 0,0008, a =- 0,0000124, in = 0,0000180 setzt, so ergeben sich folgende Werte für die Fehlergrenzen: ÖT =+ 0,00035 s. (J^;=-f 0,013 mm öa = +0,000005 dm = + 0,000003 dJ = 4:4,'3 ds = + 8,6s. öt =±7,°0 dp =ör = ±8 Die jedesmaligen Beobachtungsgrössen T, v, s, zf, a, t und r sind also unschwer mit der erforderlichen Sicherheit zu erhalten, und ebenso hat es keine Schwierigkeit in einem magnetischen Observatorium die mit der Zeit wenig veränderlichen Grössen : //, r, a, m genau genug ein für alle Male zu bestimmen: dagegen dv = ± 22" öN, = + 208 d^c = + 0,0002 ()r = + 0,00008 da = + 2,°3 ö{t- r) = + 0,°4 öv = + 3,°7 öq = + 320000. ') In derselben empirisch bestimmten Konstante B werden auch geringe konstante Einflüsse mit berücksichtigt sein, welche von einem übrig gebliebenen ganz schwachen Eisengehalt einzelner Teile herstammen mögen. Theodolith für magnetische Landesaufnahmen. 171 Avird es aus den angegebenen Gründen rätlicli sein, die Konstante B, Avelche Xo, Eq, p, r und q in sich schliesst, mindestens vor und nach jeder Reise im Observatorium zu ermittehi resp. auf ihre unveränderte Erhaltung zu prüfen. Für die Bestimmung der Inklination werden beide Magnetgelläuse vom Instrument entfernt. Fernrohr und Gegen- gewicht vom King S abgeschraubt, der Induktor in der angegebenen Weise in denselben eingesetzt und nach den bei der Deklinations- bestimmung gemachten Ablesungen am Horizontalkreis die optische Achse jenes Fernrohrs parallel und damit also die Horizontal-Achse des liinges S senkrecht zum magnetischen Meridian orientiert. Alsdann bewegt sich gemäss der angegebenen Justierung der Anschlagschraube h auf -S' die Induktor- Achse beim Drehen des letztern um die Horizontal-Achse im magnetischen Meridian. (Da hiefür eine Genauigkeit von höchstens 72° im Horizont erforder- lich ist, so haben inzwischen eventuell eingetretene Deklinations- Aenderungen keinen störenden Einfluss.) Mittelst des Niveaus L im Induktor- King wird dessen Rotations-Achse jetzt genau vertikal gestellt und darauf der Vertikalkreis abgelesen, wobei selbst- verständlich auf Einstellen des Niveaus an seiner Alhidade zu achten ist. Da der ungefähre "Wert der Inklination am Beob- achtungsort nach einer magnetischen Karte bekannt ist, so wird nunmehr nach dem Vertikalkreis die Kotations-Achse des Induk- tors angenähert in die Hichtung der Inklination gebracht und die Horizontalachse geklemmt. Dreht man sodann nach Einsetzung der Drahtspirale und ihrer Verbindung mit dem Getriebe den Induktor etwa in der Richtung der Bewegung eines Uhrzeigers raseh um, während man in das Galvanometer-Fernrohr sieht, so wird im Allgemeinen das letztere noch einen mehr oder minder starken Strom anzeigen. Verstellt man hierauf durch Bewegen der Mikrometer-Schraube an der Achsen-Klemme um etwa ^2° die Induktor-Achse nach der einen oder andern Seite, so wird man daraus, dass der Strom ]>eim Drehen des Induktors in der- selben Richtung jetzt stärker oder schwächer resp. entgegengesetzt geworden ist, gleich ersehen, ob man die liotations-Achse richtig justiert hat. um sieh der wahren Inklinatioiis-lliehtung anzunähern, I)ei deren Erreichung der Strom verschwinden resp. der Galvano- meter-Magnet ruhig lileiben wird, Avenn wir den Induktor auch 172 Heinrich Wild. noch so rasch drehen. Nach einigen Versuchen wird man diese Stelhing bald gefunden hal)en, worauf man die Zeit notiert und den Vertikalkreis abliest, nachdem man sich vorher überzeugt hat, dass sein Niveau noch unverändert einsteht, eventuell die nötige Korrektion an der Alhidade zu dem Ende angebracht hat. Die Differenz der jetzigen Ablesung am Vertikalkreis und der frühern bei der Vertikalstellung der Kotationsachse gibt offenbar das Komplement der Inklination zu 90"^. Für eine magnetische Landesaufnahme, von der wir einleitend gesprochen, ist aber nicht bloss die Anstellung möglichst genauer erdmagnetischer Beobachtungen (soweit dies eben im Feld mög- lich ist) an möglichst vielen Punkten erforderlich, sondern es muss auch wegen der steten Variationen des Erdmagnetismus die Mög- lichkeit geboten sein, dieselben zur Vergleichung auf eine be- stimmte Epoche oder einen bestimmten mittleren Zustand zu re- ducieren. Als solche Epoche einen bestimmten Tag, z. B., wie es in Frankreich geschieht, den 1. Januar eines Jahres, zu wählen, halte ich für weniger gut als die Wahl eines Jahresmittels, weil die Daten eines bestimmten Tages eher von zufälligen oder indivi- duellen Fehlern beoinflusst sein können als diejenigen eines Jahres- mittels, wo bezügliche Ausgleiche stattgefunden haben. Für den einen oder andern Fall aber ist es für jene Reduktion notwendig, dass bei den einzelnen Beobachtungen jeweilen, wie oben an- gegeben, die Beobachtungszeit genau notiert werde und dass in nicht zu grosser Entfernung vom Beobachtungsort ein magnetisches Observatorium mit guten Variationsapparaten existiere, welch' letztere mindestens allstündlich abgelesen werden oder noch besser selbstregistrierende sind und häutig genug durch absolute Messungen kontrolliert werden. Herr Moureaux hat die Beobachtungen in ganz Frankreich nach den Kegistrierungcn im Observatorium des Parc St. Maur bei Paris reduziert, da er zwischen gleichzeitigen Beobachtungen da und in Perpignan nur die oben citierten ge- ringen Unterschiede fand. Nun liegt aber Perpignan fast auf dem gleichen Meridian mit Paris und da die Unterschiede der unregel- mässigen Variationen nach der Länge grösser zu sein pflegen als nach der Breite, so dürfte der Abstand von Paris und Pei-pignan nicht ganz massgebend sein. In der Tliat habe ich aus dem Ver- gleich der liegistrierungen im Parc Öt. Maur (Paris) und in Potsdam Theodolith für maj^netische Landesaufnahmen. 173 (Berlin) von Mittag dem 11. bis Mittag dem 13. Februar 1S91 folgende mittlere Schwankungen der Differenzen beider Orte, die nicht viel weiter entfernt sind als Paris und Perpignan, gefunden: für Deklination J(^=4-81" für lloriz. -Intens. H + 0,0004. Damit zu dem Beobaclitungsfehlor nicht noch erhebliche He- (luktionsfeliler hinzukommen, wäre es also wünschenswert, im mitt- leren Europa sich nicht über 2' 2° in Breite und Länge von einem magnetischen Observatoiium entfernen zu müssen. Zürich, 20. Januar 1896. 5^- t Nachtrag. Das seither von Herrn Dr. Edelmann hergestellte modifizierte Weiss'sche Galvanometer, welches in Zukunft statt des Kosenthal'schen auf Wunsch dem Instrument beigegeben werden wird, ist durch den neben- stehenden Holzschnitt dargestellt. Der Spiegel ist hier an den beiden Magneten in deren Mitte hinter dem Fenster F im Kupferklotz be- festigt ; n repräsentieren die Klemmschrauben der beiden vorderen Drahtspulen, zwischen denen sich weitere Schrauben zur Arretierung des i\Iagnetsystems befinden, r sind mit Glas- plättchen verschlossene Oeffnungen zur Kon- trolle der richtigen Stellung der Magnete im Innern, und bei m sitzt die Schraube zu mikro- metrischer Drehung der Suspensionsröhre mit dem höher und niedriger zu stellenden Suspen- sionsstift .S' der bifilaren Aufhängung. Mit der Schraube a wird das Galvanometer auf dem Konus des Fusses D festgeklemmt, der bei L eine Dosen-Libelle trägt. Zürich. 15. Februar 1896. ^-' CHEMIE &PHARMACIE Ueber ß Alphylhydroxylamine und Alphylnitrosokörper. Von Engen Baiuberger. Aromatische Nitroverbindungen werden — wie vor einiger Zeit A. Wohl und der Verfasser dieser Zeilen unabhängig von einander fanden — durch neutrale oder annähernd neutrale Reduktions- mittel, z. B. durch Zinkstaub und Wasser (nach Wohl ist es zweckmässig, Alkohol und Chlorcalcium hinzuzufügen) in Hydro- xylaminabkömmlinge übergeführt : Alph. NO, -> Alph NH . OH. Bei dieser Reduktion entsteht in der Regel noch eine Reihe anderer Produkte: Nitroso-, Azoxy-, Azo-, Hydrazo- und Amidokörper. Versuche, welche ich im Mai und Juni 1895 mit Frl. Knecht ausgeführt habe, ergaben, dass der Zinkstaub des öfteren mit Vorteil durch ein Gemisch von Zinkanialgam und Aluminiumsulfat ersetzt werden kann: aus Xitrobenzol beispielsweise erhielten wir mit diesem Reduktionsmittel ohne weiteres reines ß Phenylhydro- xylamin in einer Ausbeute, welche nur 15 Prozent hinter der theoretischen zurückblieb. Die Untersuchung der Alphylhydroxylamine ist seit ihrer Entdeckung teils von meinen Schülern, teils von mir selbst aus- geführt worden; die bisherigen Ergebnisse sind im Folgenden in Form einer kurzen Skizze zusammengefasst, welche nur das- Ueber ,■} Alphylliydroxylamine und Alphylnitrosokörper. 175 Wesentliche berücksichtigt und daher keinen Anspruch auf Voll- ständigeit erhebt: Bisher wurden nachstehende ß Hydroxylamine dargestellt: Schmelzpunkt 1. CoHj.NHOH 80,5-81» 1 2 2. CeH^ . CH3 . NHOH Oel 3. CcH3.CH4.NHOH 68" 1 4 4. CoH,.CH3.NH.OH .... 93,5-94« 13 4 5. C6H3.CH3.CHs.NHOH ... * 6. C6H,.CH3.CH3.CH3.NH0H . 92-93" IS 45 7. C0H2 . CH3 . CH3 . CH3 . NHOH . 95 « 8. CoH,.Cl.NHOH * 1 3 9. CßH^.Br.NHOH 66" 1 4 10. CgH, .Cl.NHOH 87,5" 11. CeH.-Br.NHOH 89» 1 4 12. CcH, .J.NHOH 104-105» 13. CoH^.CHO.NHOH * 14. CßH, .COOH.NHOH .... * Bemerkungen: 5, 8 und 14 wurden nicht in reinem Znstand dargestellt, 13 in Form eines Kondonsationsprodukts (Vj erhalten. Alle diese Körper — fast ausnahmslos durch beträchtliches Krystallisationsvermögen ausgezeichnet — besitzen stark redu- zierende Eigenschaften ; durch Oxydationsmittel werden sie in die betreffenden Nitrosoverbindungen übergeführt. ') Am genauesten ist bisher das Phenylhydroxylamin studiert worden. Dasselbe repräsentiert eine wenig sta])ile Atomkombination und wird daher durch die verschiedenartigsten Agentien aulfallend leicht zersetzt. Es verändert sich auch allmählich von selbst. Ein etwa vier Monate lang in einem geschlossenen Präparatenglas aufbewahrtes, ursprünglich tadellos reines Präparat enthielt keine Spur Phenylhydroxylamin mehr und erwies sich vollständig in ') Nur bei 14 wurde der entsprechende Versuch bisher nicht ausgeführt. 176 Kugen Bamberger. (verharztes) Azoxybeiizol verwandelt, neben welchem unerwarteter Weise kein Anilin aul'lindltar war. Das Verhalten des Phenylhydroxylaniins ist folgendes: 1. Lnft: verwandelt es in Azoxybenzol. Letzteres wird auch (neben wenig Nitrosobenzol) durch Fehling's Lösung ei-zeugt. 2. Wasser: in Nitrosobenzol, Azoxybenzol, Azobenzol, Anilin. Bei gewissen Hydroxylaniinen verläuft die spaltende Wirkung des AVassers überraschend schnell, so beim Pseiidocumylhydro- xylamin, welches (0,5 — 1 g) bereits nach etwa 15 Min. vollständig in Azoxypseudocumol (Schmpkt. 105 ") und Amidopseudocumol (Sclimpkt. 37 °) zerlegt ist. 3. Mineralsäuren : (HCl. IIBr, H, SO^ . . .) erzeugen — kurze Zeit in der Kälte einwirkend — krystallisierende Salze. 4. Verdünnte Schwefelsäure: isomerisiert zu p. Amido- phenol : C,.H. . NHOH —> Cp.H, \ schon in der Kälte, wenn man die Säure (1 : 9) ein bis zwei Wochen einwirken lässt. 5. Salzsäure: erzeugt p. Chloranilin: CßHs . KHOH -> (CßHs . NHCl) -> CgH, <^ Dieser Prozess vollzieht sich so leicht, dass er bereits durch längeres Kochen einer Acetonlösung des Phcnylhydroxylamins mit Chlorzink herbeigeführt wird. 6. Brom wasserst off: erzeugt p. Bromanilin. 7. Fluorwasserstoff: erzeugt p. Amidophenol. 8. Schwefeldioxyd: erzeugt Phenylsulfaminsäure: CßHj . NHOH -^ CeHj . NH . SO3H. Gleichzeitig entsteht Sulfanilsäure, in welche erstere umge- lagert werden kann, wenn sie in Form ihres Natriumsalzes er- hitzt wird. 9. Salpetrige Säure: erzeugt „Nitrosophenylhydroxylamin" (Schmpkt. 58,5—59°), dessen Strukturformel noch nicht festge- stellt werden konnte. Vielleicht liegt hier Phenylimidosalpetersäure CgHs . N : NOOH vor. (?) Ueber ,5 Alphylhydroxylannne und Alpbylnitrosokörper. 177 Es ist eine starke Säure, welche schön krystallisierende, neutral reagierende Salze '^ bildet, durch salpetrige Säure momentan in Diazobenzolnitrat und durch Natriumamalgam in ein Gemenge von Phenylhydrazin und Isodiazobenzolsalz übergeführt wird. Natriumhypochlorit verwandelt es in Nitrosobenzol. Ganz ähnlich verhält sich Nitroso-p-Tolylhydroxylamin (Schmpkt. 59—59,5°); salpetrige Säure erzeugt p-Diazotoluolnitrat, Natriuniamalgam ein Gemenge von p. Tolylhydrazin (Schmpkt. 65 — Gn ") und Tsodiazotoluolsalz. lu. Benzoylchlorid: erzeugt Phenylmono- und Dibenz- hvdroxamsäure: CßH^N^ ■ und CcHs.nC ^OH ^O.COCeHs Schmpkt. 121,-5-122'' Schmpkt. lin«. Erstere liefert einen schön krystallisierenden Methylesther: ,' COCßH. CeH5.N< (Schmpkt. 54,5-55«). ^ OCH3 11. Natronlauge: zerlegt Phenylhydroxylamin in Anilin und Azoxybenzol (und wenig Nitrobenzol) ; die gleichartige Zer- legung wurde an einer Reihe anderer ß Alphylhydroxylamine beobachtet. 1'2. Zinn und Salzsäure: erzeugen Anilin. VI. Phenylsenföl: Monoxyphenylthioharnstoff : / N(0H)C6H5 CS< (Schmpkt. 103-104 »j. ^ NHCgH^ 14. Phenylcyanat: Monoxyphenylharnstoff (Schmpkt. 124,5 bis 125"). 15. Aromatische Aldehyde: Stickstoffphcnylesther der aro- matischen Iso-Aldoxime, z. B. : CßH^NHOH + CeHjCHO = CßH, . N — CH . CoH, f H,0. \o • Die Berechtigung dieser Formulierung ergibt sich aus der That- sache, dass das Einwirkungsprodukt von Benzaldehyd .auf Phenyl- hydroxylamin (Schmpkt. 108,5—109,5°) durch Reduktionsmittel in Benzylanilin übergeführt werden kann. ') Charakteristisch ist das in Alkohol und Wasser schwerlöslichf Thcnvl- hydrazinsalz vom Schmelzpunkt lOG**. Viertoljahrsschril't <1 N.ituif. CJes. Züricli. Jahrg. XLI. JuboUjand U. 1'.- 178 Eugen Baraberger, Derartiger Stickstoffphenylesther sind bereits sehr viele im hiesigen Laboratorium dargestellt worden; als Basen wurden verwendet ausser Plienylhydioxyhunin: p. Tolyl — p. Bromphenyl — p.Chlorphenyl — m. Broniplionylliydroxylamin etc. ; als Aldehyde: Benzaldehyd, nitrierte Benzaldehyde, Zimmtaldehyd, Salicylaldehyd etc. Die Beschreibung der einzelnen Produkte an dieser Stelle ist wohl unnötig. Alle diese Körper krystallisieren leicht und eignen sich zur Identifizierung der Komponenten. 16. Formaldehyd: erzeugt zunächst weisses Methylen- diphenylhydroxylamin CH, ( ^^^^>^'^' (Schmpkt. 100 - 10."^ <>), aus welchem leicht eine in prachtvollen goldgelben Nadeln kry- stallisierende Substanz (Schnipkt. 180 — 181 '^j entstellt, deren Bildung vielleicht durch folgende Gleichung darstellbar ist: /NiOHjCeHc /NCßH. — 0\ CH ,< ^ ' ' ' + CH.,0=:CH,/ ' ' ^CHj-fH.O. ^N(0H)C9H5 " ^NCeH^-O In analoger Weise wurden prächtig gelb gefärbte Einwirkungs- produkte aus p. Tolyl- und p. Bromphenylhydroxylamin erhalten; ersteres vom Schmpkt. 230,5'^, letzteres vom Zerstzgspkt. 220'^.') Ich bemerke, dass die bisherigen — obwohl in grösserer Menge ausgeführten — Analysen über die Zahl der in dem Molekül ent- haltenen Wasserstoffatome noch nicht sicher entschieden haben ; es wäre leicht möglich, dass diese Produkte deren weniger ent- halten als obige Formel zum Ausdruck bringt. Säuren spalten aus diesen Körpern das zu Grunde liegende Hydroxylamin, aber keinen Formaldehyd ab. 17. Diazosalze: erzeugen prächtig krystallisierende „Diazo- oxyamidoverbindungen", z. B. : C0H5NHOH + CeH.N^Cl = HCl -f CßH^ . N, . N . CeHj. ÖH Diese, in Alkalien mit lief gelber Farbe lösliche und durch Reduktionsmittel in Anilin und Phenylhydrazin zerlegbare Ver- bindung (Schmpkt. 120 — 127 "^\ wird durch Säuren in die Kompo- ') Auf diese Zahlenangabe ist nicht viel Wert zu legen, da der Zer- setzungspunkt sehr von der Art dei Erhitzens abhängt (L'Orsa). Ueber /? Alphylliydroxyhimine und Alphylnitrosokörper. 179 iienten gespalten. Die Darstellung einer grossen Anzahl derartiger Diazooxyamidoverbindungen (sowohl die Hydroxylaniino wie die Diazosalze wnrden dabei mannigfach variiert) hat gezeigt, dass Typen R . N., . N'CJHj . R' und R' . N. . N^OHjR nicht identisch, sondern isomer sind. Jeder von beiden wird in specitischer Weise durch Säuren zerlegt: R . N, . N(OH) . R' ^ R . N,C1 f R' . NHOII, R' . N, . NrOH) R _> R' . N, . Cl i- R . NHOH. Wie die Einwirkungsprodukte von Aldehyden auf ifydro- xylamine, eignen sich auch die Diazooxyamidoverbindungen recht gut zur Diagnose der ß llydroxylaniine — nicht nur der aroma- tischen, sondern auch der aliphatischen, denn auch letztere liefern (schön krystallisierende) Diazooxyamidoprodukte; analysiert wurden bisher zwei: CgH^ . N2 . N(OH) . CHj . CßH, riOÖ «) aus Diazobenzol + /i Benzylhy droxylamin, und C,H, . NO, . X, . NVOH) . CH3 f22S ") aus p. Nitrodiazobenzol ^- ,-J Methy Ihydroxy laniin. Aromatische Hydroxylamine „mit freiem Parapunkt" scheinen sich — soweit die bisherigen Untersuchungen zu urteilen erlaulien — im allgemeinen nach Art des Phenylhydroxylamins zu vorhalten; so erhielt beispielsweise Herr Hyde aus Orthotolylhydroxylamin mittels Chlor- resp. Brom Wasserstoff p. Chlor- resp. p. Hromortho- toluidin: /CH3 (2) / CII3 \ /^^^ (2) Merkwürdigerweise war al)er der gleichartige ]u'aktions\(Mlauf auch bei parasubstituierten liydroxylaminen zu konstatieren, denn aus p. Tolylhydroxylamin entstand unter der I^nwirkung vci- dünnter Schwefelsäure p. Toluhydrochinon : 180 Eugen Bamberger. CHs OH OH ' ^ ' ^ '^ CH« \ /\ CH, {) - (,/"■) NHOH NH2 OH Diese eigentümliche Verdrängung der Methylgruppe fand da- gegen nicht statt, als der Versuch unter Anwendung von Salz- säure wiodeiholt wurde; in diesem Fall erhielt Herr l'Orsa Orthochlor-p-tuluidin und Orthochlor-p-kresol, der Substituent suchte mithin — am Eintritt in die Parastellung verhindert — den Orthopunkt auf: CH3 t/n3 vyH3 ^H3 NHOH NHC'l NH, OH Es scheint fast, als hänge das Schicksal dieser paraständigen Methylgruppen von der Natur der Säure ab, welche auf das Alphylhydroxylaniin einwirkt; wenigstens war auch beim as. Metaxylylhydroxylamin eine Methyltranslokation zu beobachten, als es der Einwirkung verdünnter Schwefelsäure ausgesetzt wurde: CH3 GH \ / CH3 \^ / CHg NHOH OH Xylylhydroxylamin p. Xylohy drochinon. Neben dem p. Xylohydrochinon (Schmpkt. 211 — 212") ent- stand ein Amidoxylenol (Schmpkt. 240**), welches ich unbedingt 14 2 5 für dasjenige der Stellung CH3, CH3, OH, NHg halten würde, wenn nicht Goldschmidt und Schmidt den Schmpkt. des letzteren zu ca. ISO'* angegeben hätten'). Schliesslich erwähne ich noch, dass bei der Einwirkung von Schwefeldioxyd auf p. Tolylhydroxylamin (neben der p. Tolylsulf- aminsäure CrH. \ ^ ) die isomere Orthosulfonsäure des \NH.SO3H p. Toluidins entsteht: *) Her. d. Deutschen ehem. Ges. 18, 570. Nachträglich: Inzwischen habe ich die Versuche von Goldschmidt und Schmidt -wiederholt und mich über- zeugt, dass ihr Präparat in jeder Beziehung mit dem meinigen identisch ist. I \ Ueber ,^ Alpliylhydroxylaniine und Alpliylnitrosokörper. 181 CH, NHOH und dass p. Bromplieuylhydroxylaniin durch Salzsäure \n o — p Clilor- brouianiliu, durch Brom Wasserstoff in o — p Dibronianilin verwan- delt wird'): Br Br Br Cl NHOH NH., Br NH,. A 1 p h y 1 n i t r 0 s o k ö r p e r entstehen durch Oxydation der ß Alphylhydroxylaniine ; zweck- mässig verwendet man ein Gemisch von Dichromat und Schwefel- säure bei 0 ". Dargestellt wurden bisher die folgenden : Schnipkt. 1. CeH, NO . . . . . . G8,5 " 2. CqU^ 1 2 CH3 . NO . . . , 72-72,30 3. QH, 1 3 CH3 .NO . . . . 53-53,50 4. C6H4 1 4 CH3 .NO . . . . 48,5 0 5. CgH^ 1 4 Cl.NO . . . . . 89,5" 6. CeH, Br.NO . . . 02,5 " 7. C.ll. 1 4 J . NO . . . . . 102—1030 8. C6H4 1 3 .Br.NO . . . . . 78-70« 9. C^E^ .CHO.NO . . . . 100,5-1070 10. C6H4 1 3 Cl.NO . . . •j 11. CßHs . N . N = NCgHs + H, OH p, Tolylhydrazin liefert Tolyldiazooxyamidobenzol: C,H, .CH3.N = N.N.CeH, OH ( Schmpkt. 130 °) und Phenylhydioxylamin ; dagegen erzeugen Phenyl- hydrazin und Nitroso-p-toluul das isomere Phenyldiazooxyaniido- tohiul: CßH^ . N = N . N . CßH, . CH3 OH (Sclini])kt. 124") und }>. Tolylhydroxylamin. 1"J. Asym. Met hy l[)heny 1 hydrazin: eine in goldgelben, intensiv glänzenden, radial angeordneten Nadelgrui)pen krystalli- sierende Substanz (Schmpkt. 72°) von der Formel Ci-, H13XO, welche — im Gegensatz zu den eben Genannten — beim Erwärmen mit Mineralsäuren keinen Stickstoff entwickelt, auch mit eisessig- saurem Naphtylamin nicht kujipelt. also gar keinen Diazocharakter 1S4 Eugen Bamberger. besitzt. Ich vermute, dass auch hier zunächst ein aldolartiges Zwischenprodukt entsteht, welches sich unter Was.serstoffverlust in obige Substanz (72") verwandelt, vielleicht im Sinne der Gleichung: C0H5 . N - N — N - C'eH, = H,0 ^ CoH^ . N - N - N . C9H5 . Ö H H CH3 ^^0-^ CH3 Doninach läge hier der erste Repräsentant der Klasse der „Azoxyamidoverbindungen" vor. Dieser Auffassung ist das Ver- halten des Körpers gegen Zinkstaub günstig; die so behandelte Lösung kuppelt nämlich mit Eisessig-Xaphtylamin sehr intensiv und dürfte das Diazomethvlamidobenzol C^ H^ N : N — X . Cg H5 CH3 enthalten. Letztere Verbindung entsteht, wie es scheint (bestimmt kann ich es noch nicht behaupten), auch gleichzeitig neben dem „Azoxyamidokörper" bei der Wechselwirkung zwischen Nitroso- benzol und Methylphenylhydrazin : CßHs . N — N — N . CgHs = H,0 f C.Hj . N = N - N . C^U^. OH H; CHs CH^ 13. ß Substituierte Hydroxylamine: Azoxy Verbindungen; z. B. wurde folgende quantitativ verlaufende Reaktion beobachtet: CgH, . NHOH + CgHäNO = H.,0 + CeH^ . N — N . CeH^. \o/ In gleicher AV^eise konnte p. Azoxytoluol, Di-p-dibromazoxy- benzol, Di-m-dibromazoxybenzol und verschiedene andere sym- metrische Vertreter dieser Körperklasse dargestellt werden; asym- metrische dagegen nicht. Aus Nitrosobenzol und p. Tolylhydro- xylamin entstand nicht etwa Phenyltolyldiimidooxyd : CßHj.N — N.CßH, .CH,, \o/ sondern ein Gemisch von Azoxybenzol- und toluol; desgleichen aus Nitrosobenzol und p. resp. m-Bromplienylliydroxylamin ein Gemenge von Azoxybenzol einerseits und p. p. resp. m. m-Dilirom- azoxybenzol andrerseits. Ich bin daher der Ansicht, dass der Nitrosokörper wie öfters, so auch in die.sem Fall lediglich als Oxydationsmittel wirkt, indem er selbst zum Azoxyderivat reduziert wird. Diese Rolle vermag er auch aliphatischen ß Hydroxylaminen gegenüber zu spielen; Ueber ,*} Aliihyllivilroxylamiiie uiul Ali)hyInitrosokörper. 185 ß Bcnzylliydroxylamin beispielsweise ^vi^d diircli Xitrosobenzol zu Dibenzyldiiinidooxyd (weisse Nadeln vom Schmpkt. 210 — 211") oxy- diert, dessen physikalische Eigenschaften es wahrscheinlich machen, dass seine Molekulargrösse der Formel KC^H^^jN,/)].^ entspricht: N . CH, . C0H5 N.ClL.CeH, Ausser zu diesem „üiimidooxyd" wird ß Benzylhydroxylamin durch Xitrosobenzol auch zu Benzaldoxim oxydiert: CgH^ . CtL — NH . OH -- > CßHä . CH == NOH. Das Produkt der Einwirkung von Nitrosobenzol auf ß Methyl- hydroxylamin — ein angenehm riechendes, gelbliches, leicht mit Dampf flüchtiges Gel — befindet sich noch in Untersuchung und scheint ein Gemisch zu sein. 14. Mit Hydroxylamin setzt sich Nitrosobenzol zu Isodiazo- benzol um: CßH^ . NO + NH.OII = C^Hs . N, . OH. Auch diese Reaktion ist allgemeinerer Natur und auf p. Ni- trosotoluol, p. Bromnitrosobenzol etc. ausgedehnt worden. Meta- nitrosobenzaldehyd erzeugt mit Hydroxylamin bei Gegenwart von ß Naphtol nicht das aldehydierte Phenylazonaphtol, sondern dessen Oxim: /CH:NOH \N^— C,oH6(OH) präe-htig glänzende, dunkelrubinrote Nadeln, welche nach Dr. Fried- maim's J3eol)aclitung bei liHJ — 2ü0 "^ schmelzen. 15. Kaliumpermanganat: oxydiert Nitrosobenzol zu Nitro- benzol. Was den allgemeinen Charakter der Alphylnitrosokörper be- trifft, .so erinnert derselbe in mancher Beziehung an Aldehyde. Unter diesem Gesichtspunkt sollen die aromatischen Nitrosover- bindungen noch gründlicher studiert werden. Zürich. Analyt.-chem. Laborat. des eidg. Polyteclmikums, '.). März ISiJG. Zur Statik und Dynamik der StickstofPverbindungen. Von Arthur Uantzsch in Würzburof. Die gegenwärtig herrschenden VorstelUingen über den Auflian der Molekehl aus Atomen und über ihr Verhalten bei chemischen Veränderungen sind ganz vorwiegend auf dem Gebiete der organi- schen Chemie entstanden und weiterentwickelt worden. Durch zahlreiche glatte Bildungen und Zersetzungen der Kohlenstoff- Verbindungen ist die von vornherein einfachste Annahme be- stätigt worden, dass bei chemischen Reaktionen an dieselbe Stelle der Molekel, an welcher sich das austretende Atom be- fand, auch das eintretende Atom gebunden werde, gewissermassen die hierdurch entstandene Lücke ausfüllend. Die ausserordent- lichen Erfolge dieses Prinzips der Konstitutionsbestimmung durch die rein chemischen Methoden der Analyse und Synthese haben bekanntlich zur Entwicklung der Lehre von der chemischen Struktur sehr wesentlich beigetragen, die ihrerseits wieder durch die Uebereinstimmung zwischen den nach ihr möglichen uiul den wirklich vorhandenen Isomerien bestätigt wurde. Lidessen zeigt sich die begrenzte Gültigkeit dieses Prinzips und die Unsicherheit seiner Methode schon bisweilen bei den sogen, ungesättigten Kohlenstoffverbindungen ; eine Thatsache, die hier frei- lich meist durch die Annahme von „Atomverschiebungen" umschrieben wird. Denirtige Abweichungen treten um so häufiger auf. je mehr sich die L'msetzungen niclit ausschliesslich oder doch vorwiegend am Kohlenstoffatom, sondern an anderen Atomen abspielen. Wie be- kannt, versagt dieses Prinzip bei den sogen, tautomeren Substanzen, welche mindestens im Sinne zweier verschiedener Strukturformeln reagieren ; es lässt uns endlich fast stets im Stich bei den \'ersuchen Zur Statik und Dynamik der Stickstoffverbindungon. lS7 zur Konstitutioiiybestiiiiniüiig aller nicht von vornherein eindeutigen anorganischen Verbindungen. Allein trotzdem ist die Annahme noch weitverbreitet, dass man die Anordnung der Atome auch in derartigen Molekeln nur durch das Studium ihrer Reaktionen untl chemischen Verände- rungen bestimmen, ja sogar beweisen könne. Wie schwach und hinfällig ein auf solch' einseitiger Uiund- lage konstruiertes wissenschaftliches Gebäude unter Umständen sein kann, dafür liefert die Chemie gewisser stickstoffhaltiger Molekeln ein besonders instruktives Beispiel. Die hierbei ge- wonnenen Einblicke in die Statik und Dynamik stickstoffhaltiger Molekeln zeigen zugleich, auf welchem Wege gewisse Atomlage- rungen und Atomvei'schiebungen überhaupt nur ermittelt werden können. Allerdings bietet die Erklärung des Verhaltens gerade der einfachsten anorganischen Ötickstotr'verbindungen, z. B. der Be- ziehungen zwischen Ammoniak- und Ammoniumverljindungen. die Natur der Stickoxyde, die Frage nach der wirklichen Konsti- tution der Salpetersäure u. s. w. auch jetzt noch unüberwundene Schwiei-igkeilen. Aber für verschiedene formell kompliziertere, kohlenstoffhaltige und deshalb noch halb „organische" Stickstoff- verbindungen ist das Problem wenigstens seiner definitiven Lösung sehr nahe geführt worden. Dies gilt in erster Linie von der Chemie der Diazoverbin- dungen. Diazo- (Doppelstickstoff-) Verbindungen enthalten (mit Ausnahme gewisser Spezialfälle) die Atomgruppe C — N., X ; in dieser ist die Bindung C — N — X unveränderlich, die Gruppe X dagegen mehr oder minder beweglich und daher ihrer Natur und Stellung nach veränderlich. Es handelte sich also zunächst um die Ermittelung der Gleichgewichtslagen dieser aus 4 Atomen bezw. Atomgruppen bestehenden Komplexe, und sodann um den wahren Verlauf ihrer chemischen lieaklionen, ihrer Umlagerungen und Zersetzungen. Diese Verhältnisse sind vorzugsweise an den Diazolienzolver- liindungen C^H^.NoX studiert worden. Essollen deshalb der Ein- fachheit halber nur diese letzteren, bezw. deren Formeln den folgen- den Entwicklungen zu Grunde gelegt werden; auch dann, wenn die Erscheinungen thatsächlich an k<)m])lizierten. z. B. substituierten Diazoverbinduni;en nachgewiesen wordi'ii sind. 188 Arthur Hantzsch. Von doli Diazobenzolverbindungen sind die wichtigsten : die Säuresalze des Diazobenzols CgHj . X, . X, z. B. sogen. Diazobenzol- rhlorid (V.H, . Xo . Cl ; die DiazotrilialoTdc, z. B. C,,H,, . X2 . Bi'a, die Metallsalze des Diazobenzols oder DiazotateCgHj. Xo .OMe, dieDiazo- siilfonsäuren bezw. die Diazosulfonate CßHj .Ng. SOgMe, und die Diazo- cyanide Cc H^ . X, . CX ; weiter die sogen. Diazoamidoverbindungon (Diazoanilide) CcH5.X'^2-^"HC6H5, Diazoaether CgH^.Xj .OCH3. Diazo- thioaether CßH^ .Xj . SCgHs u.s.w. Die Diazocyanide bilden endlich den Uebergang zu der zweiten Gruppe der Doppelstickstoifverbindungen, deren Xatur hier gleichfalls in Betracht kommt, zu den Azo Ver- bindungen, mit der beiderseits an Kohlenstoff gebundenen Gruppe C — Xo — C; hierher gehört das Azobenzol C^H., . Xo . CßH^ und seine technisch hochwichtigen Abkömmlinge, die Azofarbstoffe, wie Oxyazo- benzol C^U^ . Xg . CgH^OH. Amidoazobenzol C^U^ . X, . CgH^XKo, u. s. w. Bezüglich der Konstitution der Diazokörper standen sich lange Zeit zwei Anschauungen gegenüber: Blomstrand nahm für die Säuresalze des Diazobenzols wegen ihrer Aehnlichkeit mit V Ammoniumsalzen (R4 X . Cl) die den letzteren nachgebildete Am- V muniumformel Cg H^ . X Cl an, welche Erlenmeyer und Strecker X auch auf andere Diazoverbindangen übertrugen. Kekule befür- wortete andererseits die Formel Cg H5 . X : X . X für alle Diazo- verbindungen. und zwar gerade gemäss dem für die Kohlen- stoffkörper gültigen Prinzipe der Konstitutionsbestimmung. Wie Methylchlorid CH3 . Cl durch Kalihydrat K . OH in Methylalkohol CH3.OH, durch Kaliumsumt K.SO^K in Methylsulfonat CH3.SO3K. durch Kaliumcyanid K . CX in Methylcyanid CH3 . CX übergeführt wird, so lassen sich die analogen Verwandlungen mit Diazobenzol- chlorid und Kaliumhydrat, Kaliumsulfit und Kaliumcyanid ebenso, meist sogar leichter und glatter, realisieren : Cellj . N, . Cl Diazobenzolchlorid CeHs.N^.OH CeH^ N^.SOsK CgHs . N« . CN Diazohvdrat Diazosnlfonat Diazocvanid. Zur Statik und Dynamik der Stickstoffverbindungen. 189 Da nun von diesen aus Diazochlorid erhaltenen Verbindungen wenigstens einige, z. B. die Diazosulfonate, unzweifelhaft die Kon- stitution Cg H5 . N : N . SO3 K besitzen, so wurde gemäss dem da- mals wohl berechtigten, weil einfachsten Prinzipe der Konstitutions- bestimmung durch chemische Reaktionen, allen Diazokörpern, also auch dem Diazobenzolchlorid, die analoge Konstitution C6H5.N:N.C1 zugeschrieben. Diese Anschauung gelangte zu fast allgemeiner Geltung: nur in einem Funkte schien sie neuerdings modifiziert oder erweitert werden zu müssen, und zwar wiedei'um auf Grund des Prinzips, aus der Natur der Umwandlungsprodukte auf die Natur des ur- sprünglichen Körpers zu schliessen. Da gewisse Diazohydrate Cg H5 . N2 . OH in sekundäre Nitrosamine, Cg H-, NR . NO übergehen, so wurden diese iJiazohydrate überhaupt nicht für Hydrate, sondern für die ihnen isomeren primären Nitrosamine CgHj . NH . NO ge- halten. Diese komplizierten und einander teilweise widersprechenden Anschauungen glaube ich durch meine Untersuchungen geklärt und teilweise durch eine andere Auffassung ersetzt zu haben: gleich- zeitig wird gezeigt werden, dass die Konstitution von Molekeln mit mehrdeutiger Atomgruppierung nicht allein durch das Studium ihrer Dynamik, d. i. der rein chemischen Reaktionen, sondern nur unter gleichzeitiger Berücksichtigung ihrer statischen Eigenschaften, also durch physikalische Methoden, und endlich womöglich unter Berücksichtigung von Isomerieverhältnissen bestimmt werden kann. Hieraus ergibt sich alsdann, dass durch das eintretende Radikal sehr häufig nicht dieselbe Stelle besetzt wird, welche das ausge- tretene Radikal inne hatte. Denn von den oben angeführten, so leicht aus einander entstehenden Verbindungen CgH-, . N2 . Cl (Diazo- benzolchlorid), CgHj . N2 . OK (gewöhnliches Diazobenzolkalium ) und CgH5.N3.SO3K (gewöhnliches Diazobenzolsulfonat) ist erwiesener- massen keine der anderen analog gebaut, sondern entspricht ent- weder einem strukturell oder einem räumlich verschiedenen Typus. Die scheinbar einfach zu formulierenden Reaktionen : C0H5 . N, . Cl -r 2 KOH = C^Hs . N, . (JK |- KCl -|- H.O CßHa . N, . Cl + KSO3K = CßHj . N, . SO3K + KCl verlaufen also in Wirklichkeit durchaus nicht im Sinne eines ein- fachen Platzwechsels und Gruppenaustausches. 190 Arthur Hantzsch. Auf (iruiiil [tliysikaliscli-chemischer Untersuchungen und neu entdeckter Isonierien h;it man nicht weniger als drei verschiedene Diazotypen zu unterscheiden ; und zwar zwei Typen von verschie- dener Struktur (Konstitution) und bei dem einen Typus weiterhin noch zwei Untertypen von verschiedener räumlicher Atomgrup- pierung (Konfiguration). I. Verbindungen von der Strukturformel CgHy . N. X; Diazo- N niumsalze: umfassend alle sogen. Säuresalze des Diazobenzols und die Diazotrihaloide ; gemäss der Auffassung Blomstrands den Amnioniumsalzen vergleichbar und zufolge meiner Unter- suchungen ihres elektrischen Leitvermögens und auch ihres ge- samten chemischen Verhaltens (Natur der Trihalo'ide) den Am- moniumsalzen R^X.X, oder mit anderen Worten, den Alkali- salzen vollständig entsprechend. Der Atomkomplex CgH-, Xg ist hier von gleich stark positivem Charakter wie ein Alkalimetall, V er muss also dem Tetramethylammonium (CHg^^EX — analog als Benzoldiazonium konstituiert sein: CßHj \ II. Verbindungen von der Strukturformel Cg H^ . N . X : N . R; Eigentliche Diazoverbindungen; alle übrigen Glieder um- fassend : der Kekule'schen Strukturformel entsprechend und daher einerseits den Azokörpern (CgHs . N : N . CgH^), andererseits aber auch besonders in Form ihrer Hydrate CgHs . (X) : X . OH den Oximen CßHj . (CH ) : X . OH formell und auch hinsichtlich des Ver- haltens vergleichbar. Isomerie zwischen Diazoniumsalzen und Diazokörpern ist bisher nicht aufgefunden worden ; wohl aber Isomerie inneihalb der eigent- lichen Diazokörper. Wieder habe ich durch Kombination physi- kalischer und chemischer Methoden nachweisen können, dass die von Schraube entdeckten zwei Reihen der Diazotate CeH^.Xo.OK und die von mir auf Grund theoretischer Vorstellungen entdeckten zwei Reihen der Diazosulfonate CßH^ . Ng . SO3K und der Diazocyanide Cß H5 . N2 . CN auf den Diazotypus bezogen und identische Struktur Cß H5 . X : X . (OK, SO3 K, CX) besitzen müssen. Ferner, dass sie Zur Statik und Dynamik der StickstoflFverbindungen. 101 in derselben Art von einander verschieden «ind, wie die in je zwei stereoisomeren Formen existierenden Aethylenkörper und Oxinie ; dass sie also als stereoisomere Diazokörper das dritte Glied einer durch Substitution von (CH)'" durch N'" aus einander ableitbaren genetischen Reihe bilden. 11, .HO:('H.ir K..Hr:N.K, K\ . N : N . 11, DoppelkoiilcnstolMVrbindiiiiffon hoiilt'iislifkstoll-Verliiiiiliiüp Di)|ipflsti(kstolMerbiniiiiiii(OD Aethylenkörpei' Imido (Oximido) Körper Diazokörper Jede dieser Gruppen weist danach zwei Kauniisomere von den folgenden Konfigurationen auf: R, . C.H 1! .C.H K. .C.H 11 R,.N R,.N il R, . N R, H . C.II !l .CR. R, .C.H II N.R, R, .N II N.R ]Man hat also innerhalb der eigentlichen Diazokörper zu unter- scheiden. Ce H, . N 1. Syndiazokörper •• ; mit Nachbarstellung der an R.N die beiden Stickstoffatome gebundenen Gruppen und daher gekenn- zeichnet durch direkten intramolekularen Zerfall, die sogen, typische Diazospaltung: CoH, . N CeH, , N > • -t- ■■• R.N R N weiterhin bei günstiger Beschaffenheit der beiden benachbarten Gruppen gekennzeichnet durch intramolekulare Anhydridbildung: CeH, . N I •• + H,0, 0 N II()(4II,.N HO . N ferner leicht erkennbar durch direkten Uebergang in Azofarbstoffe vermittels Phenolen (Kuppelung); endlich direkt aus Diazoniuin- salzen (durch Kali. Kaliumsulfit, Kaliumcyanid ) entstehend: also die primär gebildeten Isomeren, aber gegenüber den Autidiazokörpern die unbeständigen, labilen Isomeren darstellend. •V.Hä.N 2. A nt idiazokörper •■ ; mit GeiienstelluuLr der X . K an die beiden Stickstoffatome gebundenen Gruppen; gekennzeichnet 192 Arlliur Hiuitzsch. tliirch den Mangel oder.ilus Zurücktreten der eben erwähnten Eigen- ychaften, also nicht oder wenigstens nicht direkt intramolekular in Cß H5 U -h N2 zerfallend, was durch die Gegenstellung der Oruppen C^ H5 und R ausgedrückt wird ; nicht oder wenigstens schwieriger durch Phenole in Azofarbstoffe überführbar; ferner aus Diazoniumsalzen nur indirekt, d. i. nur durch Umlagerung der primär gebildeten Syndiazokörper sekundär gebildet, also im Ver- gleich zu letzteren die stabile lleihe darstellend, was durch die grössere Symmetrie der Antiformel gegenüber der unsymmetrischen Synformel ausgedrückt wird. Es bestehen also nicht weniger als drei Gleichgewichtslagen der Doppelstickstoff-Molekeln von der Form C^ H^ . Ng . K : Cellj.N.K, CßH^.N CßH^.N N Ro . N N . II, ' während für die formell analogen Kohlenstoff-Molekeln CcHj . C2 . X nur eine einzige Gleichgewichtslage besteht, worauf später noch- mals eingegangen werden wird. Aber auch die gegenseitigen Uebergänge dieser drei Typen zeigen einen wesentlichen Gegensatz zwischen der Dynamik der Stickstoff-Molekeln und der der Kohlenstoff-Molekeln. Die Umwandlungen der gesättigten Kohlenstoffverbindungen sind Substitutionsvorgänge, die der ungesättigten Kohlenstoffver- bindungen vorwiegend Additionsvorgänge. Die obigen Umsetzungen der Diazoniumsalze erfolgen nun trotz der Formulierung CgHs . Nj . Cl . ^ K . (OH, SO3K, CN) = CgH^ . N, . (OH, SO^K, CN) -f K Cl sicher nicht als Substitutionen, aber auch nicht als direkt nach- weisbare Additionen. Die eingeführten Gruppen treten nicht an das vorher mit Chlor verbundene erste Stickstoffatom, sondern scheinbar direkt an das zweite Stickstoffatom, also an eine ganz andere Stelle der Molekel. Die primäre Umwandlung von Diazoniumsalz in Syndiazokörper und die sekundäre Umlagerung in Antiazokörper lässt sich nur folgenderniassen formulieren: C,H, K C,H, K C,\h R CeH, N ; N ^ 1 = N:N ; N:N - -^ N : N. Cl K Cl -K R Zur Statik und Dynamik der Stickstoffverbindungen. 193 Bemerkenswert sind einige Betrachtungen über die chemische Ge- schwindigkeit dieser Umwandhingen. Die Uniwandhnigsgeschwindigkeit der ersten Phase (Diazonium in Syndiazo) ist so ausserordentlich gross, dass sie nur mit der bekannten Reaktion zwischen Elektrolyten (Umsetzungen zweier Salze in wässi-iger Lösung) verglichen werden kann und sich bis- her jeder direkten Messung entzogen hat. Die Umlagerungs- geschwindigkeit der zweiten Phase (Syn- in Anti-Diazo) ist an- scheinend stets geringer, wechselt aber je nach der Natur der Gruppe K sehr bedeutend. 8ie ist bisweilen direkt zu bestimmen, so z. B. bei der Umwandlung der Syndiazosulfonate in die Anti- diazosulfonate: CßH, . N Cell, . N SO3K.N N.SO.K Häufig ist sie schon so gesteigert, dass die Syndiazoverbindung nur eben noch nachgewiesen, aber nicht mehr fixiert werden kann. Vielfach verläuft aber auch die Isomerisation von Sj'u in Anti mit einer ausserordentlichen, durch die gewöhnlichen Hilfsmittel nicht messbaren Geschwindigkeit. Denn bei der Reaktion von Diazonium- chlorid mit Thiophenolnatrium Na.SCßHs, "lit Benzolsulfinsäure H . SC)., . Cg H5, vielleicht auch mit Anilin u. s. w. ist statt der in obigen Fällen nachweisbaren, wenn auch leicht veränderlichen Sj'nverbindung überhaupt nur die Antiverbindung zu beobachten. Das heisst zugleich mit anderen Worten: Es giebt zahlreiche nicht stereoisomere Diazokörper. Diese nur in einer einzigen Form existierenden Verbindungen sind fast ausschliesslich Antidiazokörper; dahin gehören die Diazoaether, Diazothioaether, Diazoamidoverbindungen, u. s. w. Coli. . N N.lOCH^, SCeH,, NUCeHJ. Bei diesen empirisch aufs einfachste zu formulierenden Um- setzungen von Diazoniumsalzen zu Antidiazokörpern, z. B.: CeHjN, . Cl + Na . SCJI, = CoH^N, . SCßll, + NaCl durchläuft also die stickstoffhaltige Molekel thatsächlich sogar drei Pliason mit ausserordentlicher Geschwindigkeit: Vierteljahrsschrift cl. Naturf. (ios. Zürich. Jahrg. XLI. .lubolbaml II. 13 [94 Artliur Ilantzsch. CeH, . N . Cl N CflH, S . N J N . SCeHj zugleich ein deutliches Beispiel dafür darbietend, dass die Atom- gruppiorung so leicht veränderlicher Verbindungen nicht durch chemische Iveaktionen allein ermittelt werden kann. Eigentümlich ist bei den genannten Atomverschiebungen die Rolle der Syndiazokürper. Als Mittelglieder zwischen den säure- stabilen Diazoniumsalzen und den alkalistabilen Antidiazokürpern bedeuten die Syndiazokörper labile, bisweilen überhaupt nicht fixier- bare Uebergangsphasen ; sie sind die Durchgangspunkte einerseits zu den stereoisomeren Antiköi-pern, anderseits zu den struktur- verschiedenen Diazoniumsalzen. Dem entspricht auch ihr Verhalten. So z. B. isomerisieren sich die Syndiazocyanide meist langsam von selbst zu den Antidiazocyaniden ; sie werden aber auch leicht (durch Quecksilberchlorid) in die ursprünglichen Diazoniumsalze zurückverwandelt. Die sehr eigentümlichen und wichtigen, bisher aber nur un- genügend erklärten Zersetzungen der Diazokörper unter Ab- scheidung des Diazostickstoffs erscheinen von dem jezt gewonnenen Standpunkte aus ebenfalls in einem neuen Lichte. Auch diese Vorgänge sind bisher meist nur empirisch als direkte Zersetzungen formuliert worden : CgHi . Na . R - CoHsR + No. Thatsächlich verlaufen sie auf diese einfachste Weise direkt nur bei den Syndiazokörpern (s. Seite 191). Am häufigsten beobachtet und deshalb anscheinend normal, tritt diese Spaltung indess bei den Diazoniumsalzen durch Berührung mit einem zweiten Stoff (Wasser, Alkohol, Essigsäure u. s. w.) ein. Aber gerade hier zerfällt nicht die Diazoniumverbindung als solche ; vielmehr wird durch Keaktion dieses zweiten Stoffes H R (H . OH, H . OC.Hs, H . OCOCH3 u. s. w.) analog wie durch K R (K . OH, K . CN, K . SO3K) zuerst ein Syn- diazokörper erzeugt, der aber infolge der katalytischen Wirkung der Wasserstoffionen (Säuren) spontan zerfällt. Aus der Reihe meiner systematisch durchgeführten Versuche zum Nachweis dieser Thatsache seien nur zwei Beispiele ausgewählt: Diazoniumchlorid liefert mit der berechneten Menge Wasser zersetzt rund 507o Phenol und 50% Chlorbenzol. Diese Reaktion Zur Statik und Dynamik der StickstofFverbindun^en. 191 ist nur folgendermassen verstäiullitli : Das Phenol ist das Zer- setzungsprodiikt des durcli Wasseranlagerung' primär gebildeten, spontan zerfallenden Syndiazohydrats : Coli, Oll Cl H Das Clilorljenzol ist das Reaktionsproilukt der hierliei frei werdenden Salzsäure auf das noch unveränderte Diazoniunichloritl: CcH, OII 1 1 c,\i, - - OII N = N . = N^ N Cl n Cl- -II CßHä . Cl ' CoH-, . Cl " i C0II5 - Cl N = EN + = N = N _ = NEEN . Cl U Cl H Cl II Mit zunehmender Wassernienge nimmt dementsprechend auch die Menge des Phenols auf Kosten der des Chlorbenzols immer mehr zu. Alkohol liefert je nach der Natur des Diazoniumsalzes teils (meist untergeordnet) Phenolaether : 1. CoH, . N, . Cl + HOC,Hä = C,H, . OCils -|- N, + HCl, teils (meist vorwiegend) nach der bekannten, eigentümlichen empi- rischen Gleichung : -1. C,Il5 . N, . Cl + HOC,Hj -: CH^H + N, + HCl + C,H, O neben Aldehyd den Stammkohlenwasserstoff. Thatsächlich kann der Eingritf des Alkohols als eines un- symmetrisch substituierten Wassers in zweierlei Sinne erfolgen: 1. CbH, oc.il C,,IL-0CJL N = N + = NEEN ; Cl H /-II IT 01 H CßHs n C0H5 - II N^N + = N = N CI ( )C II5 (Cl — OCJiJ wodurch die ohnedem unerklärliche, scheinbar reduzierende Wir- kung des Alkohols und seine Verwandlung in Aldehyd auf die spontane Zersetzung von Unterchlorigsäureaether zurüekgeführt wird. \[)(; Arthur Hiintzsch. Die Details dieser iioeh unveröffentlichten Untersuchung stinmien mit dieser Erklärung aufs beste überein. Auch die Tiiutotnerie gewisser Diazoverbindungen kann von dem nunmehr gewonnenen Standpunkte aus eindeutig beurteilt werden. Das früher als ..Tsodiazobenzolhydrat" C^ H., X, ^^ bezeich- nete Isomere des normalen Diazobenzolhydrates wurde zuei'st wegen seiner Umsetzung zu sekundären Nitrosaminen, also durch Ana- lyse, für das dem Diazohydrat Cg H5 . N : N . OH strukturisomere Phenylnitrosamin CßHj.NH.NO gehalten, später umgekehrt durch Synthese (aus CgHj . N : 0 -f- Hg N . OH) angeblich doch als ein Diazohydrat erwiesen, Thatsächlich ist das eine wie das andere auf rein obemischem Wege unbeweisbar. Auch hier sind erstens physi- kalische Methoden und zweitens Isomerieverhältnisse massgebend. Erstens sind zufolge kryoskopischer und elektrischer Unter- suchungen über die Salze beider isomeren Reihen CeHj.No.ONa die ihnen zu Grunde liegenden beiden Hydrate Cg H5 . N._, . OH an- nähernd gleich stark, und nur in dem Grade verschieden, wie stereoisomere Säuren der Oxim- und Aethylenreihe. Im Besonderen ist sogar das Isohydrat stärker sauer als das normale Hydrat, was bereits gegen die Nitrosamin-Natur des Isohydrates spricht, da ein Nitrosoanilin CgHj.NH.XO wohl kaum eine stärkere Säure sein kann, als ein Diazohydrat Cg H^ . N : N . OH, welches die in allen Stickstoffsäuren vorhandene Gruppe N . OH enthält. Zweitens verhält sich das fragliche Isohydrat zu dem normalen Hydrat wie das Anticyanid oder das Antisulfonat CßH. . N N . (CN, SO3K) zu dem stereoisomeren Syncyanid oder Synsulfonat : folglich ist auch das Isohydrat strukturell nicht ein Nitrosamin, sondern eine I)iazover])in(lung und ferner sterisch eine Antiverbindung: es ist also Antidiazobenzolhydrat: C'gH, . N N.oll. Die Nitrosaminformel hat demnach nur die Bedeutung einer Nebenform : die zu Nitrosaminen führenden Prozesse sind danach, wie die obigen Umsetzungen des Diazoniumehlorids. nicht als ein- l'aclie Substitutionen zu deuten. Zur Statik und Dynamik der Stickstoffverbindungon. 197 Ueber die Xatur der Azokörper und Azofaibstoffe läs.st sich folgendes aussagen : Wie fast alle nur in einer einzigen Form bekannten und stabilen Doppelstickstoftkörper werden auch die sehr beständigen Azokörper die Antikontiguration besitzen: CeH, . N CßH, . N N.CoHä N.CoIIi'OH, NIL) Azobenzol Azofarbstoft". Zudem sind von den in zwei Isomeren bekannten Diazocyaniden, welche bereits die Azogruppe C . N : N . C enthalten, die Anti- fornien dem Azobenzol weit ähnlicher als die Synformen. Auch die eigentümliche Tautomerie der Azofarbstoffe entspricht der Tautomerie des Antidiazobenzolhydrats. Dieselbe ist in beiden Fällen auf eine gleich gerichtete Neigung des beweglichen Wasser- stoffs zurückzuführen, bei gewissen Metamorphosen seine Stelle gemäss der folgenden Symbole zu verändern : CgHä.N yr ColU.NH C JI5 . N v Coli, . NH N . OH N : 0 ' N . C. H, . OH N : CuH^ : 0 " Der tautomeren Nitrosaminformel des Antidiazohydrates ent- spricht also die tautoniere Chinonimid-Formel des Antiazofarbstoflfs. Analoge Betrachtungen gelten auch für alle anderen sogen, tau- tomeren Stickstoffverbindungen. Namentlich für die den beiden stereo- isomeren Diazohydraten C^H- . NoOH vergleichbaren zwei isomeren Verbindungen von der Formel Cg H5 . No Oo H. Auf Grund von Bildung und Zersetzung soll die eine als „primäres Nitramin" C'u H5 NH . NO., erwiesen sein; die andere wird als ,, Nitrosohydro- xylamin" Cg H5 . NOH . NO angesehen. Ohne hier auf Einzel- heiten eingehen zu wollen, so kann doch angegeben werden, dass wieder durch Berücksichtigung von Isomerien und durch ihren pliysikalischeu \'ergleicli mindestens einige hierher gehörige Körper Stereoisomere sind von den Konfigurationen : CßH. (ti; ' C0H5 • 0- ■ und • /0\ N^^ --N N^^ ^N Ör Syn-Reihe Anti-Rt'ihi'. Die bisherigen Symlioie für Syu- und AutivcrbindnngiMi drücken nur aus. dass die beiden Gruppen C^ H- und 1> zu den Doitpcl- 198 Arthur Hantzch. stickstoffatonion entweder in Nachbarstellung oder in Gegen- stelliing angeordnet sind. Die Lalnlität der Synreihe gegenüber der Htabilität der Antireihe wird dadurch befriedigend erklärt; denn erstere besitzen im Vergleich zu letzteren eine weniger sym- metrische Atomgiupitierung. Diese Symbole lassen sich jedoch im Sinne der für rauniisomere Kohlenstoffverbindungen angenommenen und von A. Werner und mir auf die raumisomeren Oxime über- tragenen Vorstellung besonders anschaulich darstellen. Denkt man sich, dass das Stickstotfatom seine drei Valenzen nach drei Ecken eines Tetraeders richte, und sich selbst in der vierten Tetraeder- ecke befinde, so erscheinen Körper mit doppelter Stickstoffbindung als Doppeltetraeder mit einer gemeinsamen Kante. Da sich ferner die als g;erichtete Kräfte veranschaulichten sogen. Valenzeinheiten nicht unter einem Winkel, sondern unter Ausgleich der dadurch erzeugten Spannungen geradlinig zu verbinden streben, so dürfte die Synstellung nicht in dem Zustande D des Modelles, sondern in der Form P im Gleichgewicht sein, während die analogen Symbole der AntiStellung ID und IP, obgleich Nachbildungen von D und I'', in jedem Fall identisch sind: P Co H, R ^ C«H 11=« CcH, C. H Zur Statik und Dynamik der StickstoftVerbindungen. 199 Die punktierten Linien haben als solche natürlich keine Bedeutung, sondern sollen nur die tetraedrische Konliguration dieser Molekeln deutlicher hervortreten lassen. Das Symbol V' der Synverbindungen veranschaulicht die nament- lich im Unterschied von den analog konfigurierten Cis-Kohlenstoti- verbindungen viel grössere räumliche Nähe der beiden Gruppen (\}l-^ und li. und damit die viel grössere Tendenz zum intramole- kularen Zerfall i^CcH^Nall = CgHsR N,); das Symbol II ist zufolge der Identität a und b überhaupt nur in einem einzigen, nicht gespann- ten Zustand möglich, entsprechend der Stabilität der Antikörper. Durch diese Symbole lassen sich auch die häufig beobachteten Uebergänge namentlich der Synkörper in Antikörper von anderer Konfiguration, gemäss dem Schema CeHj . N CeHs . N •• -f HK, = HR, + Rj .X X . R, veranschauliclien. Sowohl Syn- als Antikörper werden Additions- produkte liefern können ; die ersteren als stärker gespannte Mo- lekeln jedoch leichter als die letzteren. Der obige Vorgang erscheint danach am Modell analog den Entwicklungen von J. Wislicenus über dieUebergänge stereoisomerer Aethylenkörper etwa folgendermassen: N N C«H, N R,t- C« II 200 Arthur Hantzsch. Die Synform dürfte also durch Addition von HH, aufgespalten, in eine andere Lage mit Naclibarstellung von H und K, gedreht und endlich unter Austritt von HHg in die Antiform verwandelt werden. Zu dieser Art von Reaktionen gehört anscheinend auch die technisch hochwichtige Bildung der Azofarbstoffe aus Diazo- körpern, die sogen. Kuppelung. Der einfachste hierher gehörige Vorgang ist die direkte Farb- stoffbildung der Syndiazokörper. Dieselben erzeugen mit Phenolen direkt unter Konfigurationsänderung einen der Anti reihe zugehörigen Azofarbstoff ; Syudiazocyanid z. B. kuppelt sogar direkt mit freiem /:?-Xaphtol : CeHs . N CßH, . N CN . N '^ ^ • ^'"^«^H = ^ C„HeOH + HCN welche Reaktion sich also ohne weiteres dem oben entwickelten Schema unterordnet. In der Praxis werden bekanntlich die Azofarbstoffe fast stets aus Diazoniumsalzen durch Eintragen in eine alkalische Phenol- lösung dargestellt. Diese Vorgänge sind etwas komplizierter. Denn die Gleichung: CbHsN.CI + CeH.OK = KCl + CßH^N, . CgH.OH charakterisiert nur den Anfangs- und Endzustand des Systems; thatsächlich wird aus Diazoniumchlorid auch hier zuerst das Syn- diazohydrat erzeugt werden, welches als solches kuppelt. Die Antidiazokörper dürften deshalb nicht (oder wenigstens schwierig) kuppeln, weil sie sterisch bereits nach demselben Typus gebaut sind wie die Azofarbstoffe. Sie könnten also in diese letzteren nur unter Substitution übergehen, also durch einen Vorgang, welcher in der ganzen Chemie der Diazokörper völlig zurücktritt. Die obigen Raumformeln haben natürlich nui- relative Bedeu- tung, und sollen keineswegs die absolute Atomgruppierung ver- anschaulichen. Obgleich sie ferner auch auf der hypothetischen Basis über die Natur der Valenzen als gerichteter Einzelkräfte konstruiert sind, so haben sie dennoch einen hiervon unabhängigen und dauernden Inhalt: Derselbe charakterisiert zugleich den grossen Unterschied zwischen der Chemie des Stickstoffs und der des Kohlenstoffs. Zar Statik und Dynamik der StickstottVerbindunjjen. 201 In den gesättigten K'olilenstoffniolekeln (Metlianderivaten) liegt das Kohlonstoftatoni zentral; auch in den ungesättigten Kohlen- stoffmolekeln ( Aethylen-Acetylen-Benzolderivaten) ist diese Lage modifiziert erhalten geblieben; alle Kohlenstoftmolekeln sind also möglichst symmetrisch gebaut. Dem gegenüber liegt wenigstens bei allen in dieser Hinsicht erfolgreich untersucliten Stickstoff- molekeln das Stickstoffatom azentrisch; die Molekel wird dadurch auch dort asymmetrisch, wo die analog zusammengesetzte Kohlen- stoffmolekel symmetrisch ist. Man hat es danach — um einen zwar privatim gebrauchten, aber treffenden Ausdruck des unver- gesslichen Physiologen C. Ludwig gerade von der Stätte auch seines ehemaligen Wirkens in die Oeffentlichkeit zu bringen — bei Diazo- kürpern wie bei Oximen mit einem „schiefen" Stickstoff zu thun. Schon aus diesem Umstände ergeben sich für gewisse Stickstoff- verbindungen verschiedene Gleichgewichtslagen und zwar für die Molekeln von der Form CgH^.NoR eben nicht weniger als drei: CeH, . N . II. L'eH, . N CeH, . N N K, . N N . R, Diazoniumsalze S3'^ndiazokörper Antidiazokörper. Diese Atomgruppierungen sind sämtlich asymmetrisch; die erste liinsichtlich ihrer Konstitution: das eine Stickstoffatom tiägt beide Gruppen, das zweite geht leer aus. Die beiden anderen hinsicht- lich ihrer Konfiguration : beide Stickstoffatome binden zwar je eine Gruppe, aber nicht in der neutralen Stellung C^tL, .N : N . R, sondern gewissermassen in zickzackförmiger Anordnung. Im Gegensatz hier- zu sind die analogen Kohlenstoffmolekeln CcHj.CoR ohne Asym- metrie und ohne Isomerie. Die Form CßH^ . C . R besteht nicht, C und die Form CgHj . C : C . R ist in dem Sinne als geradlinig zu bezeichnen, als die Mittelpunkte der vier Atome bezw. Atomgruppeu aller Wahrscheinlichkeit nach in einer Geraden liegen. Der mangelnden Symmetrie im statischen Zustande entspricht die eigentümliche Dynamik dieser Stickstoffmolekeln. Gegenüber dem glatten Reaktionsverlauf bei Kohlenstoffverbindungen treten Substitutionen völlig zurück; auch Additionen sind noch nicht direkt nachgewiesen; die eintretende Gruppe nimmt fast nie die Stelle der austretenden ein; die Stickstoflfmolekolii sind durch ein bisweilen blitzartiges Ueberspringen von dem einen in den anderen Zustand 202 Arthur Hautzscli. charakterisiert. Audi das noch völlig unaufgeklärte Verhalten der anorganisclion Stickstoft'verbindungen, die Beziehungen zwischen Annnuniak- und Aninioniunideiivateu, die geradezu koutiuuier- lichen Uebergänge zwischen den Oxyden des Stickstoffs u. a. ni. illustrieren wenigstens ebenfalls den Mangel eines stabilen Gleich- gewichts der Stickstoffmolekeln im Unterschied zu den Kohlenstoff- molekeln. Zudem stellen sich erstere. wie bekannt, auch durch den Mangel einer bestimmten Valenz in Gegensatz zu den letzteren. Endlich ein Wort über die Unterschiede beider Elemente hiusichtlicli ihrer Fähigkeit, Isomere zu bilden. Für Kohlenstoffverbindungen ist die Strukturisomerie typisch; ihr gegenül)er ist die Stereoisomerie untergeordnet. Für Stick- stoffverbindungen ist. soweit sie nicht zugleich koblenstof!'haltig sind, umgekehrt noch kein einziger Fall von Strukturisomerie sicher nachgewiesen, wohl aber zahlreiche Fälle von Stereo- isomerie. Berücksichtigt man zugleich, dass nach A. Werners Untersuchungen für die rein anorganischen Verbindungen das gleiche gilt, so scheinen danach die durch verschiedene Verkettung der „Yalenzeinheiten" bei den übrigen Elementen konstruierbaren Molekeln überhaupt nicht reellen Formen zu entsprechen : diese Gebilde scheinen sich vielmehr spontan zu einem System mit einer einzigen strukturellen Gleichgewichtslage zu verschieben. Mit andern Worten, es scheinen von den vielen strukturell möglichen Atom- grupjtierungen nur einige wenige existenzfähig zu sein, welche aber verschiedene räumliche Stellung zu einander einnehmen und damit räumliche Isomeiie veranlassen können. Danach wird wahrschein- lich die Strukturisomerie trotz ihrer ausserordentlichen Bedeutung für die bisherige theoretische Chemie, doch als eine specielle, für die Kohlenstoffverbindungen vorwiegend geltende Art der Isomerie erscheinen ; die Stereoisomerie wird umgekehrt als die weiter ver- breitete, allgemeinere Isomerieform erkannt werden. Dies erscheint mir auch nur natürlich. Denn die Strukturchemie beruht wenigstens zum Teil auf mehr oder minder speciellen Fiktionen über Valenz und Atom Verkettung: die Stereochemie nuiclit, besonders wenn die Valenz nui- als eine Zahl betrachtet wird, im wesentlichen nur die eine, notwendige Voraussetzung, dass wie alle übrigen Individuen, auch die chemischen Individuen, die Molekeln, dreidimensional sind. UntersucliuDgeu über die Esterbildimgen aromatisclier Säuren. Von Victor Mever in lleidelbersr. Gelegentlicli einer Untersucliung über ■ die Mesitylenkarbon- säure machte ich die unerwartete Beobachtung, dass der Methyl- ester dieser Sänre in der üblichen Weise mittels Methylalkohol und Salzsäure sich nicht erhalten Hess, bezw. nur in kleiner Menge (bis zu etwa 9°/o) auftrat. Aus dem Silbersalz der Säure und Jodmethyl Hess sich der Ester dagegen leicht darstellen. Der Gedanke lag nahe, dass diese eigentümliche Erscheinung auf die Anhäufung von Methylgruppen zurückzuführen sei, doch zeigte die leichte Esterifizierbarkeit einer der Mesitylenkarbonsäure isomeren Trimethyll)euzoesäure, dass dieser Umstand für das Eintreten der Erscheinung ohne wesentlichen Eiufluss ist. Um derselben auf den Grund zu kommen, wurde eine Anzahl aromatischer Säuren unter genau gleichen Bedingungen esterifiziert. Als zweckmässig erwies sich eine Methode, welche ich auch später bei der Ausführung der Esterifizierungen beibehielt und welche — wenigstens bei den einfachen Homologen und Substitutionsprodukten der Benzoesäui'e — die grösste Ausbeute an Ester liefei'te. Es wurden jedesmal 0,5 gr Säure in 10 ccm Methylalkohol gelöst und in lue mit Eis gekühlte Lösung trockenes Salzsäuregas bis zur vollständigen Sättigung eingeleitet. Man trägt Sorge, dass die Temperatur beim Einleiten der Salzsäure nicht über 0" steigt. Das Gemisch blieb sodann U2 Stunden l)ei 0" stehen, wurde darauf mit dem mehrfachen Volumen Wasser versetzt und mit Aether ausgeschüttelt. Nach dem Aljdampfen des Aethers wurde der Ivückstand mit verdünnter Natronlauge geschüttelt, daraul mit Wasser gewaschen, mit ("hiorcalcium getrocknet und iu einem 204 Victor Meyer. gewogenen Kölbchen verdampft. Der rückständige Ester wurde über Schwefelsäure getrocknet und gewogen. Ich erhielt muh dieser Methode:') Aus Benzoesäure 92 — Oo"/« Ester „ o-Toluylsäure 90 — 92Vü „ m-Toluylsäure 90 — 91 7o „ r, p-ToIuylsäure 92 ''/o „ ., -Mesitylonsäure ( 1,3, 5 Dimethylbenzoesäure) 92 — 93 7» » „ Durylsäure (unsymmetr. Trimethyibenzoe- säure 83— 87^0 „ Mesitylenkarbonsäure 8,2 "o „ Die Zahlen zeigen ohne weiteres, dass die Anzahl der Methyl- gruppen keinen Einfluss auf die Esterifizierbarkeit ausübt, da alle niethylierten Substitutionsprodukte im Durchschnitt 90"/o Ester liefern. Dagegen zeigt sich ein höchst auffallender Unterschied ini Verhalten der beiden isomeren Trimethylbeuzoesäuren. Es lieferte die unsymmetrische Trimethylbenzoesäure: COOH y CH3 83,4 84,3 87,40/0 Ester, während die symmetrische Trimethylbenzoesäure: COOH CH3 8,2 8,4 9.1 0,50/0 Ester. Hieraus zog ich den Schluss, dass die Esterifizierbarkeit aro- matischer Säuren von der Stellung der Substituenten abhängig ist und dass sie eine geringe sei bei denjenigen Säuren, in welchen die VVasserstotfatome 1. 3, 5 substituiert sind. ') Die folgenden Zahlen wurden bei den ersten von mir angestellten Ver- suchen erhalten. Später, als grössere Uebung erlangt war, erhielt ich meist ca. Vt5"o Ester. Den oben hervortretenden kleinen Unterschieden ist keine Bedeutung beizulegen. Untersucliungfen über die Esterbildungen aromatisclier Säuren. 205 Um diese Annahme zu prüfen, stellte ich zwei isomere Tri- brombenzoosäuren, die symmetrische und eine anders konstituierte Säure dar und verglich ihr Verhalten bei der Esterbilduug. Der Versuch bewies die Richtigkeit dieser Annahme. Die symmetrische Säure ergab bei der Esterifizierung 1,4. 1.8, 1,6" 0 Ester, während die ihr isomere Tribrombenzoesäure: COOK Br!^ JBr Er 92,6 und 95,6 7o Ester lieferte. Es war also bewiesen, dass in der Tiiat diejenigen trisub- stituierten Benzoesäuren, welche die Substituenten in symmetrischer (1, 3, 5) Stellung enthalten, in der Kälte durch Methylalkohol und Salzsäuregas nur in ganz beschränktem Masse csteritiziert werden können, während ihre Isomeren und Analogen der Esterifizierung keinerlei Schwierigkeiten entgegensetzen. Das weitere Studium dieser Erscheinung lehrte, dass das Gesetz noch schärfer gefasst werden kann, als es nach diesen ersten Versuchen den Anschein hatte. Es zeigte sich, dass die symmetrisch sub- stituierten Säuren bei der Esterifizierung mit Methylalkohol und Salzsäuregas bei 0" in 12 Stunden keine oder kaum wägbare Mengen Ester liefern, unter Bedingungen, bei denen die Benzoe- säure und ihre Substitutionsprodukte im allgemeinen ca. 95 ^o Ester bilden. Ich konstatierte diese Thatsache zuerst bei der Untersuchung einiger Präparate von M e s i t y 1 e n k a r b o n s ä u r e , welche ganz wechselnde, aber immer kleine Mengen an Ester lieferten. Ich erhielt aus dieser Säure bisweilen 5%, dann 2"/o und 1 V'2 "/o an Ester. Dies deutete darauf hin, dass die Bildung des Esters durch wechselnde Beimengungen einer anderen esteri- fizierbaren Säure bedingt sei. In der That erhält man ja die Säure aus Mesitylglyoxylsäure und es kann bei der Darstellung leicht geschehen, dass der Karbonsäure noch kleine Mengen dieser Säure anhaften. Der Versuch belehrte mich alsbald, dass die •JOr» Victor Meyer. Glyoxylsämt', wie zu erwarten, ül)er 1)0 °/ü Ester liefert. Aus (lieser Erkenntnis ergab sich oliiu", weiteres ein sehr einfaches Mittel, eine Säure von der aiincicchenen Konstitution von an- hat'tenclen Verunreinigungen dadurcli zu befreien, dass man sie wiederholt esterifizierte und die verunreinigenden Säuren als Ester entfernte. Durch zwoiniaiige Esteritikation konnte ich die Mesitylen- karbonsäure vollkommen rein erhalten und diese reine Säure lieferte bei der Esterifizierung mit Alkohol und Salzsäure bei 0" in 12 Stunden keine wägbaren Mengen an Ester. ') Die symmetrische Trinitrobenzoesäure: OOOH N0„ / N NO, NO, welche jetzt technisch dargestellt wird und mir in grüsseren Mengen zugänglich war, ergab bei der Esterifizierung mit Alkohol eben- falls keinen Ester. Die technische Säure liefert davon anfangs ca. 1 \''i Vo, wird sie aber durch einmalige Esterifikation gereinigt, so verschwindet auch diese kleine Menge. Für die symmetrisch substituierten Säuren, welche die Gruppen (.'H3, Br und NO., als Substituenten enthalten, und welche durch die allgemeine Formel: COOK \/ R ausgedrückt werden können, war somit die Gesetzmässigkeit fest- gestellt, und es war anzunehmen, dass alle neutralen Gruppen in derselben Weise wirken würden. Es war nun meine Aufgabe, den Grund der seltsamen Erscheinung aufzusuchen. ') Unter Umständen, die zur Zeit (.liiimar 1806) noch niclit ganz sicher ermittelt sind, erleidet die Mesitylenkarhonsäure eine Veränderung, in welcher .sie bei der beschriebenen Behandlung mohr oder weniger Ester liefert. Wird die so veränderte Säure längere Zeit auf ihren Siedepunkt erhitzt, dann destilliert uml durch Unikrystallisieren gereinigt, ho giebt sie wieder keinen Kster. COOH ■^"^~ R COOH R ^^\r R uni.1 R ^ / R R Untersuchungen über die Ksterbildungen aromatischer Säuren. 207 Derselbe konnte liegen in der Anwesenheit: 1. aller drei Substituenten ; 2. eines Teiles derselben ; o. der beiden noch unersetzten H-Atome. Cm diese Frage zu prüfen, mnssten erstens die Säuren unter- sucht werden, welche durch weitere Substitution aus den sym- metrisch trisubstituierten entstehen, also tetra- und pentasubsti- tuierte Säuren der Formeln : R sowie die beiden substituierten Benzoesäuren : cooh cooh /\r r/~^^,r U U ' R welclie aus der symmetrisch trisubstituierten durch Herausnahme je eines Substituenten entstehen kiJnnen. Diese Untersuchung brachte übrigens ziemlich grosse Schwierig- keiten mit sich, da es an bequemen Methoden zur Gewinnung der bezüglichen Säuren fehlte. Tetrabrombenzoesäure : COOH Br i^N Br [ J Br • Br Esteritizii'rung: Die Säure gab keinen Ester. Erwähnt sei, dass, wie zu erwarten, auch die Tiibrommeta- amidobeuzocsäure: COOH Br /\ Br Br keinen Ester gab. 208 Victor Meyer. Nitrotetrabrombenzoesäure : COOK Br (" '\ ßr NO, I J Br • Br Um auch eine fünffach substituierte Benzoesäure untersuchen zu können, wui'de die genannte Säure dargestellt. 10 gr Tetrabronibenzoesäure (s. oben) wurden in kleinen Tortionen zu massig erwärmter rauchender Salpetersäure gegeben und das Ganze einige Minuten auf dem Wasserbade erwärmt. Nach zweistündigem Stehen wurde die Lösung in kaltes Wasser gegossen, die Säure abfiltriert und aus verdünntem Alkohol uni- krystallisiert. Sie bildet farblose Nadeln vom Schmpkt. 2:]5'\ Esterifizierung: Die Säure gab keinen Ester. 2.4— Dibrombenzoesäure: GOGH Br Um diese Säure zu gewinnen, gingen wir von dem leicht zu- gänglichen Dibromanilin : NH, Br aus. Dasselbe lieferte, diazotiert und mit Kupfercyanür nach Sand- meyer behandelt, das entsprechende Nitril. Dasselbe wurde mit konzentrierter Salzsäui'c bei 200" verseift. Die Säure bildet feine Nadeln, welche bei 16:^—164'^ schmelzen. Esterifizierung: Die Säure gab 95^0 Ester. 2 . G — Dibrombenzoesäure : 000 H Br,'^ ^,Br . Untersuchungen über die KsterltiKhingen aromatischer Siiuren. 209 Die Gewinnung dieser Säure wai- für die vorliegende Frage von fundamentaler Bedeutung. Nach vielen Versuclien gelangten wir endlich zu derselben, ausgehend von der Sulfanilsäure, durch folgende Stationen : \ Br '' N Br NH, Br-^'^Br COOH Br ^ ^ Br saH SO3H \/ Das entsprechende 1, 2, 6-Dihronuinilin ist schon von Heinichen') erhalten worden. Dasselbe wurde auf die gleiche Weise wie das '1 . 4-Dibromanilin in die entsprechende Säure übergeführt. Die Säure scheidet sich beim Ansäuern der alkalischen Lösung zuerst als Oel ab. Sie ist ziemlich löslich in Wasser, man nimmt sie daher in Aether auf, verdampft diesen und erhält so kleine Nadeln, welche l)ei 136 — 137" schmelzen. Wiederholt umkrystallisiert schmilzt die Säure bei 146,5'^ C.-) Esterifizierung: Die Säure gab keinen Ester. Sonach sind alle oben gestellten Fragen experimentell be- antwortet. Das Ergebnis ist unzweideutig. Sobald in einer sub- stituierten Benzoesäure die beiden, der COOH-Gruppe benachbarten H- Atome durch Kadikaie wie Br, XO^,, CH3 etc., ersetzt sind, resultiert eine Säure, welche durch Alkohol und Salzsäure bei 0" nicht esterifizierbar ist. Die symmetrische (1, 3, 5) Stellung ist nicht notwendig, nur auf die beiden, dem Karboxyl benachbarten li'adikale — auf die o-o-Stellung — kommt es an. Das Vorhanden- sein des dritten, oder weiterer Substituenten ist für das Zustande- kommen der Erscheinung ganz unwesentlich. Nachdem nun die Gesetzmässigkeit bei tleii Grn])pen CH3, X()._,, Br konstatiert wM^rden. war es von Interesse, auch Säuren, welche die Karboxylgruppc und Hydroxylgruppe als Sub- stituenten enthalten, in dieser Hinsicht zu prüfen. •) Ann. d. Chom. 253. 267. '-') Nach einer mir von Herrn Professor Claus übersandton Dissertation A. Weils (Freiburg 1889) hatte derselbe die Säure bereits auf anderem Wege erhalten. Der Schmelzpunkt seiner Säure liegt bei 115'^ C. Viertel jatirsschrift d. Xaturf. Ges. Zürich. Jalirj». XLI. Jubelbaml II. 11 21(1 Victor Meyer. l)'\v Hydroxylgruppe ordnet sich ebenfalls dem neuen Gesetze unter, obwolil ich aus dem Vci-lialten der Thymotinsäuie. welche ich vor .Jahren, ehe ich mich mit der Frage der Esterhihhmg beschäftigte, untersuchte.- schliessen zu müssen glaubte, dass die Gesetzmässigkeit für die Hydroxysäuren nicht oder inu- in beschränktem Masse gültig sei. Die Thymotinsäure: COOH CHs /^, OH Hl J CgHj H enthält die Karboxylgruppe benachbart zum Methyl und Hydroxyl. Sie gab mir. als ich sie mit Alkohol und Salzsäure in der Kälte esteritizieren wollte, keinen Ester — bezw. weniger als 1 *^/o ; da ich aber bei langem Kochen ihrer alkoholischen Lösung im Salz- säurestrome den Ester, wenn auch immerhin in beschränkter Aus- beute, erhielt, so schloss ich — da mir die hindernde Wirkung der Methylgruppe bekannt war — , dass die Hydroxylgruppe die Esterbildung zwar erschweren , nicht aber ganz zu verhindern vi-nnöge, wie die übrigen Gruppen. Obwohl die Zahl der mir zur Untersuchung der Hydroxyl- gruppe zur "W^-fügung stehenden Säuren äussert spärlich ist, so komite ich doch mit Sicherheit konstatieren, dass sich die hydro- xylierten Säuren ebenso verhalten, wie die anderen o-o-substituierten Säuren, wenn eine der der Karboxylgruppe benachbarten Sub- stituenten die Hydroxylgruppe ist. Säuren, welche zwei Hydroxyle in o-o-Stellung enthalten, standen mir bisher nicht zur Verfügung; zweifellos werden sie sich ebenso verhalten. Hervorheben will ich jedoch, dass die mit Hydroxyl sub- stituierten Säuren insofern eine besondere Stellung einnehmen, als die Salicylsäure ') und ihre Analogen sich bei weitem schwieriger esteritizieren, als die nicht hydroxy Herten Säuren. Geprüft wer- den konnte bisher Thymotinsäure, 2, 3-Naphtolkarbonsäure und o-Phenylsalicylsäure. Die IMiloroglucinkarbonsäure eignet sich nicht zur Untersuchung, da sie beim Esteritizieren Kohlensäure abspaltet. ') Ber. d. I>. Chem. Ges. 28, 189. Untersuchungen über die Esterbildungen aromatischer Säuren. 211 Thymotinsäure. 0,5 g der Säure, in der Kälte in der bekannten Weise esteri- fiziert, lieferten keinen Ester. — Bei der Verarbeitung des Re- aktionsproduktes ist. wenn Hydroxysäuren vorliegen, darauf zu achten, dass deren Ester in Alkali löslich sind. Die Ausschüttlung darf daher nicht mit Natron, sondern muss mit verdünnter Soda- lösung vorgenommen werden, wodurch eine Trennung der Säuren von den Estern ermöglicht wird. o-Phen vlsalicylsäure : COOH OH ,/^\ CßH, \/ Diese sehr interessante , der Salicylsäure äusserst ähnliche Säure, ist neuerdings von Stadel ') dargestellt worden ; eine kleine Probe derselben verdanke ich der Liebenswürdigkeit des Entdeckers. In bekannter Weise mit Methylalkohol und Salzsäure behandelt, liefert sie keinen Ester. Naph toi karbonsäuren. Hier sei hingewiesen auf das verschiedene Verhalten der beiden Oxynaphtoesäuren : * COOH ./yV'' -^ TYV" von welchen die erstere bei 0" keinen Ester liefert, während die isomere sich wie Benzoesäure verhält. (Das besternte Kohlenstoff- atom wirkt wie ein Substituent.) Das Verhalten der Karboxylgruppe und ihr Charakter als Substituent tritt bei den Säuren der Mellithsäuregruppe sowie bei der Pyromellithsäure und der Trimesinsäure ausgezeichnet hervor. Mellithsäure. Schon vor 82 Jahren fand Kraut'), dass sich die Mellithsäure mit Alkohol und Salzsäure nicht esterifizieren lässt, und er stellte daher den Ester aus dem Silbersalzo mit Jodmethyl dar. Dieser ') Berichte d. D. Chem. Ge.s. 28. 111. -) Journ. f. prakl. Chem. 87, »Jl. 212 Victor Meyer. früher sehr aiiftallige Befund erscheint heute selbstverständlich, da in der Mellitlisiluro jedes Karboxyl von zwei andorii umgeben ist. Um der Sache näher zu treten, habe ich die beiden, einander im übrigen so nahe stehenden Säuren, Mellithsäure und Pyromellith- säure, verglichen. Die Mellithsäure ergab, in Uebereinstimmung mit Kraut's Angabe, keinen Ester. Die Fyromellithsäure dagegen zeigte, wie wir es erwartet hatten, ein gänzlich anderes Verhalten. Mit der Konstitution: COOH {^ jCOOH COOH 1^ ) COOH enthält sie kein Karboxyl, welches beiderseitig von benachbarten Substituenten umgeben ist. Dem entsprechend lieferte sie 90 ° o neutralen (in Alkali unlöslichen) Ester. Die zu diesem Versuche verwandte Pyromellithsäure verdanke ich der Güte des Hrn. V. Baeyer, welchem ich hierfür meinen besten Dank sage. Von grossem Interesse wäre es, die sämtlichen Tri- und Tetrakarbonsäuren des Benzols zu prüfen. Leider sind jedoch diese Säuren zum Teil so schwer zugänglich, dass eine Prüfung mit allen bisher noch nicht vorgenommen werden konnte. Von den Trikarbonsäuren des Benzols habe ich die Gültigkeit des neuen Gesetzes bei der Trimesinsäure: COOH / N COOH COOH erprobt, von welcher mir Herr Prof. Stohmami ein prächtiges Präparat übersandte. Die Säure giebt — wie zu erwarten — mehr als 90 7« des von Stohniann auf anderem Wege erhaltenen Esters. Die ihr isomere Trimellithsäure : COOH / ^ COOH COOH Untersuchungen über die Esterbildungen aromatisclier Säuren. 213 wird sich ebenso verhalten, sie wird einen dreifach substituierten Ester liefern, während die Hemimellithsäure: COoH ^COOH J CCKJH \/ nur einen zweifach substituierten Ester bilden wird.') Für die Tetrakarbonsäuren des Benzols habe ich weiter die Gesetzmässigkeit, ausser bei der oben erwähnten Pyromellith- säure, welche einen neutralen Tetramethylester der Formel : COOCH3 /NcoocHs COO CH3 1 J COOCH3 liefert, noch bei der Phrehnit säure: COOH /\ COOH 1^ JcOOH COOH nachgewiesen, welche ich ebenfalls der Güte des Hrn. v. Baeyer verdanke. Dieselbe lieferte einen zweifach sauren, in Alkali leicht löslichen Dimethylester vom Schmpkt. 176 — 177". Die Hexakarbonsäure des Benzols, die Mellithsäure, liefert dagegen — in Uebereinstimmung mit der Theorie — keinen Ester. Die vollkommene Uebereinstimmung dieses Befundes mit der Theorie beweist, dass auch die Karboxylgruppe sich mit Schärfe der liii- die (Truppen CH3, XO.^, Br und OH ermittelten Gesetz- mässigkeit untei'orduet. Auch die l)eiden isomeren 11 exahydrokarbon säuren, die Hydromellit hsäure und Isohydromellithsäure habe ich auf Erwägungen stereochemischer Natur zur Untersuchung herange- zogen, obwohl das neue Gesetz streng nur bei Benzolderivaten, nicht aber bei Abkömmlingen des Hydrobenzols oder der Fettreihe gilt. Denn wäliix'iid die Mellithsäure keinen Ester liefert, soll die Hydromellitlisäuic. nath Baeyer's Beobachtung, mit Alkohol ') Diese Voraussage ist inzwischen durch Grähe völlig bestätigt worden. 214 Victor Meyer. und Salzsäure einen Ester geben. ') In Uebereinstimmung stünde hiermit das Verhalten der Trikarballyl säure, (Mtro neu säure und Akonit säure, welche nach den vorliegenden Litteraturangaben durch Alkohol und Salzsäure bei 0^ glatt in Trialkylester über- geführt werden. Es erschien nun sehr interessant die Hydro- und Isohydromellithsäure auf ihre Estcrifizierbarkeit zu prüfen, da sich aus den gewoiuieiien Resultaten vielleicht neue Stützen für die stereochemische Auffassung dieser Säuren herbeischaffen Hessen. Nach dem herrschenden, durch A. v. Baeyer auf Grund der van't Hoff'schen Arbeiten begründeten Vorstellungen ül)er die eis- und trans-Säuren sind dieselben als eis- und trans-Form der Cyclo- hexanhexakarbonsäure anzusehen und können wohl, wenn man das Cyclohexan durch das Schema eines vertikalen Striches andeutet, übersiclitlich folgendermassen formuliert werden : H COOK H COOH H COOH H COOH H COOH H COOH Hydromellithsäure, unbeständig, maleinartig. H- -COOH coon - — H H- -COOH COOH — -H H- -COOH COOH - -H Isohydromellithsäure, beständig, fumarartig. Die Formulierung lässt erkennen, dass die beiden Säuren zur Prüfung der von mir aufgestellten stereochemischen Hypothese geeignet sind. Wird die Esterbildung bei Säuren der Formel: COOH r/Nr durch die Raumfüllung der beiden, in o-Stellung befiiullichen Sub- stituenten verliiiulert, so ist zu erwarten, dass die Hydromellith- säure der Esterbildung einen grösseren Widerstand entgegensetzen werde, als die Isohydromellithsäure. Denn bei der letzteren sind die 6 Karboxylgruppen räumlich viel weiter von einander getrennt als bei der Isomeren, bei welclier die Nähe der sämtlichen Gruppen die Esterbildung wohl zu verhindern geeignet erscheint. ') Ann. Chem., Supl. 7, 15. Untersuchungen über die Esterbildungen aromatischer Säuren. 215 Diese Erwägungen gaben die Veranlassung, das Verhalten der beiden Säuren bei der Esterbildung zu studieren. Vorläulige Versuche ergaben, dass die beiden Säuren bei der Behandlung mit Alkohol und Salzsäure keine neutralen Körper liefern, sondern dass als Produkte der Keaktion nur stark saure, in Wasser leicht lös- liche Substanzen entstehen, welche man zunächst wohl geneigt sein konnte, in beiden Fällen für die unverändei'ten Säuren zu halten. Freilich gelang es nicht, die beiden Produkte ganz als solche rein zu erhalten. Da die Hydromellithsäure bekanntlich eine hygroskopische, aus einem komplizierten Gemenge schwer rein zu erhaltende Verbindung ist, und da die aus Isohydromellithsäure erhaltene Säure sich verschieden von dieser erwies, insofern für das Silbersalz derselben ein geringerer Silbergehalt gefunden wurde, so habe ich. um die Frage nach etwaiger Bildung saurer Ester in ganz unzweideutiger Weise zu entscheiden, gemeinsam mit Hrn. .1. van Loon folgenden Weg eingeschlagen: Die beiden Säuren wurden mit Alkohol und Salzsäuregas in der bekannten Weise behandelt, die erhaltenen l^rodukte nach völliger Beseitigung des Alkohols (in der weiter unten zu be- schreibenden Weise) scharf getrocknet und dann durch mehr- tägiges Kochen mit wässeriger Natronlauge am Pücktiusskülilor verseift; alsdann wurde geprüft, ob hierbei Methylalkohol gebildet werde oder nicht. Das Ergebnis war: Die Hydromellithsäure ergab nicht die geringste Spur von Methylalkohol, während aus der Isohydrosäure Methylalkohol in Substanz isoliert werden konnte, welcher in .lodmethyl übergeführt wurde. Letzteres wurde V(»llig rein erliaUcn unekannter Weise esteriti- ziert. Nach 12 Stunden setzt man so viel verdünnte Natronlauge zu. bis die Flüssigkeit nur noch ganz schwach sauer reagiert, dampft zui- Trockne und erhitzt während eines Tai^es auf dem Wasserbad. um den Alkolud ganz ;iii>ziHreil)eii. Den Kückstand veiseift mau durch zweitägiges Koelu'u mit verdünnter Natron- hiuge. und destilliert dann mit dem Ilemixd'schen Aufsatz 1(10 ccm ab. Diese UM) ccm wer ccm Wein- geist vermischt und beide Verseifungsgemische in einem und dem- selben Wasserbehälter von 12" C. 2 Stunden stehen gelassen. Als- dann wurde mit Wa.sser verdünnt, der unangegriffene Ester mit Aether extrahiert und die durch Verseifung gebildete Säure aus der angesäuerten Lösung des Kalisalzes mit Aether extrahiert. So wurden gewonnen: aus dem Ester der Säuic I: keine wägbaren Mengen Säure. II: 0,5 g Säure. Dies überraschende Resultat zeigt deutlich, dass derjenige Ester, welcher sich schwer bildet, auch bei weitem schwerer ver- seift wird als der isomere. Zu einem ganz gleichen Ergebnisse gelangte ich bei der Unter- suchung der beiden Oxynaphtoesäuren der Formel: {\"] fV\coo\\ I. MJoH -n-m. ^^JoH ' C COOK von welchen die erste bei d" keinen, die zweite dagegen ca. 90 " o Ester giebt. 228 Victor Meyer, Beide Säuivii wurden in iliic Metbylester übergeführt, die erstere mittels des Silbersalzes, die zweite mittels Alkohol und Salzsäure; 0,1>2 y jedes der beiden Ester wurden in 12 ccm Alkohol gelöst, die Lösung mit einer Auflösung von 2,25 g Kali in 50 ccm Weingeist versetzt und beide Lösungen im Wasserbade von L5" C. I Stunden stehen gelassen. Alsdann wurde mit Wasser versetzt, die unverseiften Ester mit Kohlensäure ausgefüllt und mit Aether ausgezogen. Darauf wurden die alkalischen Lösungen der ent- standenen Kalisalze angesäuert und mit Aether extrahiert. Man erhielt : aus Ester I: keine wägbaren Mengen, II: 0,29 g Säure. I)ie h'egel, dass Ester, welche sich leicht bilden, auch leicht verseif bar sind und umgekehrt, ist also eine allgemein gültige. Eine weitere Bestätigung findet diese Regel bei den o-substituier- ten Benzoesäuren. Ich habe oben gezeigt, dass die o-Brombenzoesäure schwerer esterifiziert wird, als die m-Brombenzoesäure. Die erstere lieferte in einer gewissen Zeit 30,5 "/o Ester, die letztere ca. 70 ^o. Bei der Verseifung der beiden Ester unter genau den gleichen Bedingungen ergab die o-Säure an verseiftem Ester 69 ^/o, die m-Säure dagegen 89 ^o. Es zeigt sich hier wiederum, tf^ss der schwerer entstehende Ester auch der schwerer verseifbarc ist. Aehnliche Beobachtungen über die Verseifbarkeit der Ester sind schon früher von Conrad und Brückner, sowie von Brühl und von Wegscheider gemacht worden. Die Erstgenannten ') fassten ihre in der aliphatischen Reihe gewonnenen Resultate dahin zusammen, „dass die Geschwindigkeit der Verseifimg ebenso „wie die Bildung der Ester der ein und mehr basischen Säuren „der Fettreihe mit der Stärke der Säure zunimmt." Damit sprachen sie deutlich aus, dass die Geschwindigkeit der Verseifung und die Leichtigkeit der Esterbildiing im gleichen Sinne steigen und fallen. ') Zeitschr. f. physikal. Chemie. S. 290. Untersuchungen über die KsterbikUingen aromatischer Säuren. 229 Ein ähnliches Verhalten konstatierte Brühl ') bei unsymmetrischen Dikarbonsäuren, insbesondere bei der Kani]diersäure UTid Weg- scheider bei der Hemipinsiiure. , Verzögerte" und „verhinderte" Estorbildung. Eine äusserst interessante Verschiedenheit der henimenden Wirkung auf die Esterbildung zeigen die verschiedenen Kadikaie, welche bei der Untersuchung in Betracht kamen. Es hat sich nämlich gezeigt, dass die Säuren, welche neben dem Karboxyl die luulikale: Cl, Br, J, NO^ enthalten, soweit nachweisbar, gar nicht esterifiziert werden, weder wenn man sie wochenlang in der Kälte, noch viele Stunden lang in der Hitze behandelt. Anders wirken die Kadikaie Clia und OH. Die Säuren, welche diese neben dem Karboxyl enthalten, werden zwar äusserst schwierig esterifiziert, so dass sie bei der meist von mir benutzten Methode (12-stündige Versuchsdauer bei 0", bei welcher die übrigen einfachen aromatischen Säuren ca. 90 V« Ester geben) keine nach- weisbare Mengen an Ester erzeugen. Arbeitet man aber in der Hitze, indem man einen Salzsäurestrom durch die kochende alko- holische Lösung während 8 — 5 Stunden gehen lässt, oder lässt man denselben bei 0" wochenlang die Lösung passieren, so werden sie in erheblichem Masse esterifiziert. Als Beispiel diene das folgende : Mi'llithsäure, symm. Trinitrobenzoesäure, symm. Trihrom- und Trichlorbenzoesäure, o-o-Dibrombenzoesäure geben weder in der Hitze noch in der Kälte merkliche Mengen von Ester. Symm. Trinitrobenzoesäure wirtl l)ei wochenlangem Behandeln mit Alkohdl und Salzsäure nicht nachweisbar esterifiziert. Dagegen liefern Mesity lenkarbonsänre. Thy motinsänre und l'lienylsalicylsäure, bei welchen die Kadikaie CH., und OH neben dem Karboxyl stehen, zwar in der Kälte in 12 Stunden keine merklichen Mengen v(m Ester, dagegen geben sie bei der geschilderten Behandlunu in der Hitze: ') B. 25. 1790. 2iJ. 2S4, 3:37, 1007, 230 Victor Meyer. Thyinotinsäure .... 28,3^0, Mesitylenkarl)onsäiii-e . . 64,5 ^/o, o-PlK'nylsulicylsiUire . . 76,5 7« Ester. Die Mesityloiikarhonsiiiiro gibt, während einer Woche ununter- brochen bei 0" mit Alkohol und Salzsäure behandelt, 26 "/o. in zwei Wochen bei gleicher Jiehandluny; 46 Vo Ester. Es erscheint möglich, dass der auffallende Unterschied, welchen die eine oder andere Klasse von Kadikaien zeigt, auf der Ver- schiedenheit ihrer Grösse beruht. Ob er durch die Grösse der l)etrett'enden Sul)stituenten allein bedingt ist. kann natürlich nicht mit Bestimmtheit l)chauptet werden, da ja auch andere Unterschiede, wie z. B. die grössere Negativität von Chlor, Brom und Nitro gegenüber dem weniger ausgesprochenen Charakter vom Methyl und Hydroxyl in Betracht kommen. Immerhin stimmt die beobachtete Erscheinung mit der Annahme, von welcher ich ausgegangen war, überein, d. h. die- jenigen Radikale, welche die Esterbildung auch in der \Värme aufheben, haben bei weitem grössere Atomgewichte als die, welche nur in der Kälte vollständig verhindernd wirken. Es bestehen nämlich die Beziehungen : CH3 = 15) vermögen in der Hitze die Esterbilduiig nur zu erschweren, OH = 17 I nicht aber aufzuheben. Cl = 35,4 j NO. = 46 I ,, ■* ^^ , heben auch in der Hitze die Esterbildung volhständig auf. Br = 80 J =127 Der Wasserstoff mit dem Atomgewicht 1 erscheint in dieser Reihe nur als das Element mit dem bei weitem kleinsten Atom- gewicht, welches daher eine hemmende Wirkung am wenigsten erkennen lässt. Wenn man auch diese Erscheinungen keineswegs als einen entscheidenden Beweis für die Richtigkeit der Hypothese ansehen wird, muss doch zugegeben werden, dass sie mit derselben in gutem Einklänge stehen, und dass ich dieselben, von jener Annahme ge- leitet, in gewissem Umfange voraussehen konnte. Von besonderem Interesse ist daher die Prüfung weiterer Gruppen von kleinem Atomgewicht, so z. B. der Amidogruppe, deren Gewicht nur 16 beträgt. Freilich lassen sich die aromatischen Amidosäuren mit Untersuchungen über die Esterbildungen aromatischer Säuren. 231 Alkohol und Salzsäure nicht in gleicher Weise glatt esterifizieren'), wie die übrigen Karbonsäuren, da ilie durch die Amidgruppe be- dingte Salzbildung störend wirkt. Allein die Fähigkeit, mit Salz- säure Salze zu bilden, ist bei den, mit mehreren negativen Radi- kalen substituierten Amidosäuren kaum mehr vorhanden, und so liütfte ich, dass die Untersuchung sich mit der, nicht allzu schwer zugänglichen Tetrachloranthranilsäure : COOH ci/NnHo Cl'\;/Cl Cl bei welcher das Karboxyl sich zwischen Chlor und der Amidgruppe befindet, werde durchführen lassen. Es war zu erwarten, dass diese Säure sich den methyl- und liydroxylhaltigen anschliessen, dass also die Amidogruppe die Ester- bildung zwar in der Kälte ganz auf'hol)en, in der Hitze aber nur vcrzügerii werde. Die Säure liefert, wie erwartet, in 12 Stunden bei 0° keine Spur eines Esters, dagegen bei der oben beschriebenen Behandlung in der Hitze 22 "/o. Demnach ist die Erwartung völlig bestätigt; trotzdem möchte ich den Versuch nicht als entscheidend ansehen, da der erhaltene Ester eine amorphe, bei 150 — 160" verkohlende Sul)stanz ist, welcher zwar in kalten Alkalien unlöslich und durch koclieiide alkoholische Kalilauge verseifl)ar ist, im übrigen a])er doch nicht die gewithnlichen Eigenschaften der Ester zeigt. Ich lieabsichtige daher, den Versuch noch auf andere negativ substi- tuierte Amidosäuren auszudehnen. Auch der Einfiuss des Fluors, welches den Halogenen analog zu wirken pflegt, abei- mit dem Atomgewicht 19 den Kadikaien OH und CH^ nalie steht, verdient geprüft zu werden. Hoffentlich gelingt es. das hierzu erforderliche Versuchsmaterial — eine Säure F1 I I in genügender Menge zu erlangen. 'j II. Schiff, Ann. d. Cheni 201, ntiß Wi-u;]. auch (i. Müller. Berichte a. 1). Chem. Ges. 19, 140-1. 232 Victor Meyer. Für die definitive Entscheidung der Frage ist die Untersuchung dieser Säure von entscheidender Bedeutung. Durch die LFnter- sudiung der Fhiornitrobenzoesäure wird diese interessante Frage hotl'oiitlich bahl ihre definitive Erledigung finden.') Noch muss ich darauf hinweisen, dass die relativen Rauni- erfüllungen der Radikale und Gruppeir hier direkt der Grösse ihrer Atomgewichte entnommen sind, abweichend von der Methode, die- selben aus dem beobachteten spezifischen Volumen der Verbindungen abzuleiten. Eine weitgehende Uebereinstimmung zwischen der einen und der anderen Betrachtungsweise ist nicht zu erwarten. Denn abgesehen davon, dass durch die neueren Forschungen') das alte Lehrgebäude von dem Molekularvolumen ganz ins Wanken geraten ist. bleibt zu erwägen, dass bei der Berechnung der Kaum- erfüllung der Radikale aus den spezifischen Volumen sich die ge- samte Raumerfüllung derselben ergibt ; im vorliegenden Falle aber kommt es auf diese gar nicht an, sondern lediglich auf die Raum- erfüllung der dem Benzolkern räumlich nahe stehenden Atome. So erscheint z. B. sehr wohl möglich, dass Methyl und alle seine nor- malen Homologen ganz den gleichen Wirkungswert haben, da doch vor allem nur das erste, direkt an den Benzolkern gel)undene Kohlenstoffatom in Betracht kommt, weniger oder gar nicht aber die anderen, welche räumlich weit von der Karboxylgruppe ent- fernt sind und daher einen erschwerenden Einfluss auf die Ester- bildung ebensowenig ausüben werden, wie Substituenten, welche sich in Meta- und Parastellung zum Karboxyl befinden. Heidelberg, Januar 1896. ') Während des Druckes der Abhandlung ist das Gewünschte gelungen. Die genannte Säure gab wirklich in der Kälte keinen, in der Hitze reichliche Mengen von Ester. Demnach verhält sich Fluor gleich dem CHg und OH, aber ganz abweichend von den Halogenen und der Nitrogruppe — wie es nach meiner Theorie zu erwarten war. *) Man vergleiche besonders Horstmann in Graham-Otto's Lehrbuch der Chemie, 3. Aufl., I. Bd., III. Abt., II. Kapitel, ßraunschweig 1S03, S. 440. Ueber pflanzliche Oxydationsfermente, insbesondere in Phytolacca decandra L. Von Ednai'd Schär in Strassbur^. Mehr und mehr luit sich in pliysiologischen Kreisen die Uebei'- zeugung- festgesetzt, dass die bioh)gisch- chemischen Vorgänge in der Pflanzen- und Tierwelt, trotz scheinbar bestehender diametraler Gegensätze, in manchen Punkten die grössten x\nalogien aufweisen; so namentlich in jenen mit dem Sauerstoff in nächster Beziehung stehenden wichtigen Prozessen, welche in neuerer Zeit als pflanz- liche und tierische Atmung nebeneinander gestellt worden sind. Hinwieder liegt einer der bedeutsamsten Unterschiede zwischen pflanzlichem und tierischem Chemismus — falls wir nur die höhern Tiere berücksichtigen, — in der Thatsache, dass von den beiden so charakteristischen, aber in ihren Derivaten nicht immer ganz unähnlichen Substanzen Chlorophyll und Blutfarbstotf die erstere ebenso energische Reduktionsvorgänge vollziehen hilft, wie die letztere intensive Oxydationserscheinungen einleitet. Mit diesen letzteren, denen eine ebenso grosse Bedeutung in der Keimung und dem spätem Leben der Pflanzen, wie in dem Gewebe-Stoff- wechsel der Tiere zukommt, sind u. a. auch die immer noch rät- selhaften Wirkungen einer höchst eigentümlichen Klasse eiweiss- artigor Stoffe verknüpft, welche seit längerer Zeit als typische Kepräsentanten sog. kataly tischer Wirkungen unter der Bezeich- nung ,, Enzyme" oder „nicht organisirte Fermente" bekannt und in zahlreichen pflanzlichen und tierischen Geweben verbreitet sind. Einer Anzahl derselben kommt neben besonderen, meist diasta- tischen oder hydrolytischen Wirkungen, oder auch ohne dieselben, in mehr oder weniger ausgeprägter AVeise die Fähigkeit zu, bei freiem oder gebundenem Sauerstoff gewisse Zustandsveränderungen 2M Kduard Schär. ZU bewirken, welche dessen chemische Energie erhöhen, und so Oxydationswirkungon herheizuführen, welche bei Gegenwart von .Sauerstott' und Al>wo.s(.'nhoit jener Enzyme ausbleiben würden. Man hat für fermentartige Substanzen dieser Art, welche seit geraumer Zeit beobachtet sind, die Benennung .Oxydationsfermente" vorge- schlagen und diese Bezeichnung mag auch für die nach.stehenden gedrängt gehaltenen IVI itteilungen, die von diesen Stoffen handeln sollen, benützt werden. Der Zweck derselben ist zunächst die Hinweisung auf einige wichtigere, die Oxydationsfermente betreffende ältere und neuere Arbeiten und im weitern die Darlegung einer Reihe von Beobachtungen über eine unlängst aufgefundene, dieser Kategorie von Fermenten angehörige Substanz von relativ intensiver Wirk- samkeit. Die ersten bemerkenswerteren Nachrichten über organische Stoffe lebender pflanzlicher Gewebe, welche in ähnlicher Art wie etwa Platinmohr — und. wie damals bei allen sog. katalytischen oder Kontakt -Wirkungen angenommen wurde, ohne materielle Ver- änderung der Substanz — Oxydations Wirkungen besonderer Art vermitteln, gehen in die erste Hälfte unseres Jahrhunderts zurück. Hier sind u. a. namentlich zu nennen die Angaben von Blanche und Taddei'j über die Bläuung, welche gelöstes Guajakharz er- leidet . wenn solche Lösung auf angeschnittene Knollen und Wurzeln gewisser Pflanzen, wie z. B. der Kartoffel, des Löwen- zahns oder der Herbstzeitlose gebracht wird; ferner die Beobach- tungen van der Brocks^), über die Färbung, welche zahlreiche Pflanzenorgane durch eine Lösung von Guajak in Alkohol annehmen. Die ersten Mitteilungen, in denen eine befriedigende chemische Erklärung der schon bekannten Erscheinungen gesucht und in der Hauptsache auch gefunden wurde, sind diejenigen des bekannten Basler Chemikers Christian Friedr. Schönbein (geb. 171)9, t 18(J8), welcher während eines Zeitraumes von über 20 Jahren Hand in Hand mit seinen Untersuchungen über Sauerstoff und Ozon Beobachtungen über chemische Eigenschaften und Wirkungen von Enzymen sowie von „organisierten Fermenten" anstellte und ') Diese Beobachtungen schliessen sich an Untersuchungen über Kleber- 8ubstan/, und andere Pflanzenstoft'e iui Interesse der Nahrungsmittelkunde au. ^) Es war nicht möglich, in der Litteratur die Originalmitteilung behufs näherer Durchsicht und Citation aufzufinden. Ueber pflanzl. Oxvdationsfermente, insb. in Phytolacca decandra L. 235 noch in einer postlnimeii Ahliandlung sieh über „das W'asserstoff- ■superoxyd als Mittel, die i'ermentartige Beschaffenheit organischer Materien zu erkennen," aussprach. Da die von diesem Chemiker von 1848 bis 18(58 über oxydierende fermentartige Materien in Pflanzen mitgeteilten, vielfach noch ungenügend bekannt gewordenen Be- obachtungen sowohl für den theoretischen Chemiker, wie für chemisch arbeitende Physiologen von Interesse sind und das Wis- senswerteste darstellen, was über die chemischen Wirkungen pflanz- licher Oxydationsfermente bis in die neueste Zeit festgestellt wurde, so erscheint es wohl gerechtfertigt, hier die wichtigsten Schünbein- «chen Publikationen, welche dieses Thema behandeln, zu eitleren, um so mehr, als später auf einige der Hauptergebnisse seiner Beobachtungen zu verweisen sein wird, welche sich auch durch diejenigen des Verfassers dieses Beitrages bestätigt finden. Die Haui)tpunkte der verschiedenen hier in Frage kommenden Arbeiten Schönhciu's ') lassen sich in Kürze in folgender Weise rekapitu- lieren: 1. Verschiedene Organe (sowohl Wurzeln, als Blätter, Früchte und .Samen) zahlreicher lebender Pflanzen enthalten in ihren Zellen fermentartig wirkende Proteide, denen sie die Eigenschaft ver- danken, entweder bei Zerkleinerung und Extraktion unter Luft- zutritt ein wässeriges Extrakt mit oxydierenden Wirkungen auf Ouajakharz etc. zu liefern oder wenigstens auf frische Schnitte aufgetragene Guajakharzlösung intensiv zu bläuen (so z. B. die AVurzeln des Löwenzahns, die Schalen roher Kartoffeln, die Samen der Artisehoke). In den Fällen, in denen zwar Guajaklösung auf dem frisch M 1. Ueber einige chemische Wirkungen der Kartoffeln. Poggdf. Ann. d. Phy^. und (_'h. 75,:5:)7 (1848); Ber. d. Basler naturf. Ü. VIII. 13. 11. L'eber die Ursache der Selbstbliiuung einiger Pilze. Erdni. J. f. l.r. Ch. 67.406; Verh. d. Basl. naturf. G. I. 330. (1855.) III. Ueber Sauerstoff-Erreger u. S. -Träger in der Pflanzenwelt; Vierordt's Arch. f. phys. Heilkunde. (185G.) p. 1. 1\'. Ueber die katalyt. Wirkungen organ. Materien u. deren Verbreitung in der Pflanzen- und Tierwelt. (1803.) Erdm. J. f. pr. Ch. 89.323. — Verh. d. Basl. naturf. G. III. 607. V. Ueber das Vorkommen des thätigen Sauerstoffs in organ. Materien. Verh. d. Basl. naturf. G. V. 3. — Zsehr. f. Biologie. III. 334. (1867.) VI. Ueber einige chemische Eigenschaften der Pflanzensamen. Verh. <1. Basl. naturf. G. V. 22. (1868.) •2:M') Eduard Schär. angcsclinitti'iicn IMlanzengevvebe gebläut wird, das betreffende l'flcm/.('n()r\i,^;iii aber bei Zeikbunermiti; mit hifthaltigeni Wasser keine oxydierend wirkende Fliissiij;keit ergibt, kann der Grund dieser Differenz in dem Umstände liegen, dass das fraglicbe pflanzliche Zellgewebe gleichzeitig leicht oxydable Körper, wie Gerbsäure u. s. w. enthält, welche den durch die Elnzymwirkung gebildeten thätigen Sauerstoff begierig absorbieren, so dass dessen temporäre lockere Verbindung mit einer andern Substanz des Zellinhaltes nicht be- stehen kann. Der Gerbsäuregehalt gewisser Gewebe, wie z. B. des- jenigen der Aepfel, bedingt auch die bekannte rötlichbraune Ver- färbung frischer Schnitte an der Luft durch Bildung eines Gerb- säure-Oxydationsproduktes, obwohl gleichzeitig vorhandenes Guajak- harz durch die Thätigkeit vorhandener Oxydationsfermente gleich- falls oxydiert, bezw. gebläut wird. 2. Weder durch die Schönbein'schen Beobachtungen, noch durch neuere Versuche ist endgültig entschieden, ob in den Fällen, wo oxydierend wirkende wässerige Auszüge frischer i'flanzenteile erhältlich sind, der durch Vermittlung eines Oxydationsfermentes ge- bildete, nach dem genannten Autor „beweglich thätige" Sauerstoff mit dem Molekül des ozonisierenden Enzyms selbst, oder mit Mole- külen anderer Materien (Eiweisskörper oder andere Stoffe?) in lockere Verbindung tritt und die bekannten Oxydationsreaktionen ausübt ? 3. Die an sog. selbstbläuenden Pilzen und andern Schwämmen aus den Gattungen Boletus und Agaricus beobachteten Erschei- mmgen zeigen, dass bei diesen cryptogamischen Gewächsen Oxyda- tionsfermente sehr verbreitet sind und dass bei den in der Kegel zugleich ungeniessbaren selbstbläuenden Pilzen neben dem Oxyda- tionsfermente, welches die Ozonisation des mit frischen Bruchflächen in Kontakt tretenden Sauerstoffs bewirkt, eine zweite Substanz harz- artiuer Natur vorhanden ist, welche sich mit thätigem Sauerstoff" in analoger Weise, wie ein gewisser Bestandteil des Guajakharzes zu einer tiefblauen lockeren Verbindung vereinigt. Die Färbung der letztern wird durch gleichzeitig hi den Pilzen vorhandene oder durch Oxydation erst gebildete gelbbraune Substanzen etwas modifi- ziert, so dass bekanntermassen die bei genannten Pilzen nach dem Zerbrechen des Gewebes auftretende Färbung eine grünblaue zu sein pflegt. Von den erwähnten beiden Stoffen lässt sich die Ueber pflanzl. Ox3-datiousfermente. insb. in Phytolacca decaiidra L. 2'-M harzälmliche Verbindung- mit Alkohol, das Oxydations-Enzyni. d. ii. der fcrmentartige, die Bildung des „l'ikblaus** vermittelnde Körper mit Wasser extrahieren. 4. Die namentlich auch in keimfähigen Samen vorkommenden Oxydationsfermente, zu denen u. a. eines der in der keimenden Gerste enthaltenen diastatisch wirkenden Enzyme zu gehören scheint, stimmen mit anderen analogen Fermentmaterien, denen eine direkt ozonisierende Wirkung auf den Sauerstoff nicht zu- kommt, wie z. B. dem im menschlichen Speichel oder in frischer Milch vorkommenden oder in l'Hanzensamen, wie den Mandeln, enthaltenen Fermenten in drei zuerst von Schönbein beobachteten und seither genügend bekannten Eigenschaften überein. Erstens vermögen dieselben das Wasserstoffsuperoxyd zu katalysieren resp. in Wasser und neutralen Sauerstoff zu zerlegen; sodann wirken dieselben in auffälliger Weise als sogen. „Ozonüberträger." d. h. sie verleihen der einen im Wasserstoffsuperoxyd enthaltenen Sauer- stoffhälfte, sowie dem bei der spontanen Oxydation gewisser aether. Oele aufgenommenen Sauerstoff diversen Keagentien gegenüber (so gegen Guajaklösung, angesäuerte Jodkalium-Stärkelösung) die Eigenschaften ozonisierten Sauerstoffs, und endlich zeichnen sie sich durch eine stark reduzierende Wirkung auf Nitrate aus, welche dabei in erster Linie in Nitrite umgewandelt werden. 5. Die pflanzlichen fermeutartigen Materien, welche bei Zer- kleinerung der Geweihe mit Wasser unter Luftzutritt den Luft- sauerstoff zu ozonisieren und an andere organische Substanzen zu binden vermögen, verlieren diese Eigenschaft und ebenso die unter 4. (s. o.) angeführten Eigenschaften der Wasserstoffsuperoxyd- Katalyse, der Ozonübertragung und der Keduktion von Nitraten teils durch Erhitzung auf Wasserbadtemperatur, teils durch Kontakt mit gelöstem oder gasförmigem Schwefelwasserstoff" und Cyan- wasserstoff, in letzterem Falle jedoch so, dass die durch die Blau- säure verursachte Hemnumg jenei- Fermontthätigkeiten duivh Ent- fernung dieser Cyanverbindung wieder aufgehoben werden kann. Von dem Verfasser dieses Aufsatzes ist in einer vor wenigen Jahren publizierten Arbeit ') eingehender gezeigt worden, in welcher ') Ueber die Einwirkungen des Cyanwasserstoffs, des Chloralcyanhydrins und des Chloral Hydrates auf Enzyme, keimfähige Pflanzensamen und niedere Pilze. Festschrift d. Univ., d. eidg. Polyt. und d. Tierarzneisch. in Zürich 238 Kduard Schär. Weise sich sowohl kciiiu-iKk' i'Hanzensaiiioii als gewisse niedere IMlzo zu Cvanwasserstoff, sowie zu einigen andern organischen Stoffen (Chloralhydrat, Chh)ralcyanhydrin) verlialten und wie die schon vor dem Jahre 1808 von Schönbein beobachtete Beeinflus- sung der pflanzlichen Keimung durch Blausäure sich aus der hem- mondon Wirkung dieser Verbindung auf die Thätigkeit der in den .Samen enthaltenen diastatischen Enzyme und Oxydationsfermente ableiten lässt. Ebendaselbst wurde auch darauf hingewiesen, dass die Einwirkungen auf Wasserstoffsuperoxyd und die Beeinträchtigung derselben durch Cyanwasserstoff auch einigen giftigen Substanzen zukomme, welche bisher als Toxalbumine bezeichnet wurden, ohne dass deren Beziehungen einerseits zu der Klasse der sog. Albumosen und andrerseits zu der Kategorie der Enzyme schon vollkommen klar gelegt wären. Dahin gehören namentlich die beiden im Kobertschen Institute zu Dorpat näher untersuchten Körper Abrin (aus den Samen von Abrus precatorius L.), und Kicin (aus den- jenigen von Kicinus communis L.), sowie das vor einigen Jahren von Power und Cambier •) aus der Kinde von Kobinia Pseud- acacia L. isolierte Toxalbumin. welches in diesem Pflanzenteil zn etwa 1' -'Vo neben Cholin und einem indifferenten Globulin getroffen wird und seinen Eigenschaften nach als eine toxische Substanz aus der Gruppe der Albumosen zu betrachten ist. Alle diese drei zu den Proteiden gehörigen Stoffe zeigen wie die von Schön bei ii signalisierten katalytischen Fermentmaterien und wie das noch zu besprechende Oxydationsferment der Phytolacca nicht allein die dauernde Aufhebung des katalytischen Vermögens und der ozon- übertragenden Wirkung durch Hitze, sowie die temporäre Auf- hebung durch Blausäure, sondern auch die Indifferenz gegen ge- wisse sog. antiseptische Substanzen wie Phenol und Salicylsäure^ welche von mir schon vor Jahren für die Enzyme oder löslichen Fermente nachgewiesen worden ist.-) für das Jubil. d. HH. v. Kölliker und v. Nägeli- ISOl. p. 125 u. ff. — S. auch. Verh. d. Schweiz, naturf. Ges. 1802 im Arch. des sc. phj-s. et nat. III. Serie. T. 28, p. 447. (Novbr. 1802.) ') Pharmaceut. Rundschau, New-York. 1800. Heft 8, p. 20. 2) UeVjer den Einfliiss der Salicylsiiure und einiger antiseptischer Mittel auf die Eigenschaften der Fermentuiaterien. Journal für praktische Chemie- (1875) 12,123. Ueber pflanzl. Oxydationsfermente, insb. in Phytölacca decandra L. 239 Ueber das Vorkommen sowohl tierisclier. als pflanzlicher p]nzyme, die den Charakter von Oxydationsfermenten tragen, sind in neuester Zeit weitere interessante Beobachtungen veröffentlicht worden, welche hiernicht näher besprochen, sondern nur nur eben angedeutet werden mögen. In erster Linie haben llöhmann und Spitzer ') in mehreren Publikationen für den tierischen bezw\ menschlichen Organismus die Existenz und Thätigkeit fermentartiger Körper nachgewiesen, welche verschiedene physiologisch nicht unwichtige Oxydations- wirkungen vermitteln und auch ausserhalb des lebenden Körpers charakteristische Oxydationen auszuüben vermögen, so dass nament- lich die Bildung gewisser aus aromatischen Derivaten entstehender Farbstoffe zum Nachweise derartiger Oxydationsfermente verwend- bar ist. Sodann hat Bertrand-) in einer sehr bemerkenswerten Studie auf ein verschiedene Oxydationsprozesse energisch vermittelndes Enzym, die sog. Laccase aufmerksam gemacht, welche in asia- tischen Species von Rhus, den sog. Lackbäumen, die sehr rasche und intensive Verfärbung des ursprünglich hellen milchsaftartigen Sekretes herbeiführt, nach den Versuchen des genannten Autors aber eine relativ grosse Verbreitung in der Pflanzenwelt aufzu- weisen scheint. Dieses Oxydationsferment ist möglicher Weise in viTscliiedenen Pflanzen in Form verchiedener, wenn auch sehr nahe miteinander verwandter Substanzen vorhanden und steht wahr- scheinlich in gewissen Beziehungen zu den schon erwähnten, von Schönbein in zahlreichen Pflanzenorganen nachgewiesenen ozoni- sierenden Fermentmaterien. An diese neueren Erfahrungen mögen sich die nachstehenden Mitteilungen über die mit dem Phytolacca-Fermente vorgenom- menen Heobachtungen anschliessen. wol)ei die Bemerkung voraus- liescliickt w'erden mus;-;, dass die anzuführenden Versuche nicht mit eiuein in reinem Zustande isolierten Fermente, sondern mit den Glyceriiüösungen desselben ausgeführt wurden, in welche das in Glycerin zweifellos sehr lösliche oxydierende und katalysierende Enzym bei der Extraktion der Pflanzenteile mit der genannten ') Ber. d. d. ehem. Ges. (1895), p. 567; s. a. Pflüf,'ers Archiv f. d. ges. Physiologie. 1kl. 60. -) Bull, de la soc. chim. Paris 11 (1804). p. 717 und Conipt. rond. T. 120 (1895), p. 226. 240 Kduard Schür. Flüssigkeit übergeht. Eine Abscheidung der eivveissartigen Ferment- lualorie nach einer der bis jetzt übliclien Fällungsniethoden ist bis jetzt nifht gelungen; höchstens konnte eine relative Reinigung der- selben, d. h. eine Abtrennung verschiedener aus dem Pflanzen- gewebe nebenbei ausgezogener krystallisierbarer Stoffe durch Dialyse bewerkstelligt werden. Manche Eigenschaften des neu beobach- teten Oxydationsfcrnientes werden deshalb erst dann eruiert werden können, wenn eine befriedigende Isolierungsmethode aufgefunden sein wird. Die für unsern Gegenstand in Frage kommenden Eigen- schaften des üxydationsfermentes werden jedoch durch die in be- sagten Glycerinlösungen mit vorhandenen fremden Stoffe ebenso- wenig gestört (wenn auch möglicherweise in der einen oder andern b'ichtung leicht modihziert), als dies bei Glycerinextrakten des Malzes, der Abrus-Samen u. s. w. der Fall zu sein scheint; ja, es st nicht undenkbar, dass bei der komplizierten Zusammensetzung, welche solchen Fermentmaterien als Proteinabkömmlingen eigen ist. verschiedene Darstellungsmethoden ungeahnter Weise tiefer gehende Veränderungen bedingen und damit grössere Abweichungen von dem normalen Verhalten der unveränderten reinen .Substanz veranlassen, als manche in die Fermentlösungen übergegangene und als Verunreinigung zu betrachtende Begleitstoffe. Die erste Veranlassung, in der Phytolacca decandra L., einer in Amerika einheimischen, im südlichen Europa verbreiteten Pflanze '), ein oxydierend wirkendes Enzym zu vermuten, wurde durch eine gelegentlich in der Litteratur aufgefundene, nicht weiter belegte Notiz gegeben, nach welcher den Blättern dieser Pflanze in frischem Zustande die Eigenschaft der Phosphorescenz im Dunkeln zukom- men sollte, eine Erscheinung, welche mir, nach Analogie der be- kannten Vorkommnisse im Tierreiche, auf intensivere Oxydations- vorgänge in der lebenden Substanz hinzuweisen schien, wie man denn . namentlich seit den interessanten Untersuchungen von Hadziszewski in Lemberg, längst weiss, dass gewisse organische '} Bekanntlich wird der Farbstoff der Beeren in verschiedenen Lindern als Surrogat für Weinfarbstoif verwertet; derselbe zeigt interessante chemische Verhältnisse (s. u. a. darüber: Hilger und Mai, Forschungsberichte über Lebensmittel etc. München. Bd. 11, 348). Gleichzeitig dient die Pflanze in Form ihrer Wurzel in den Vereinigten Staaten als Medikament von aitera- tiver 'Wirkung, und auch die getrockneten Beeren (Pockeberries) finden Ver Wendung als laxatives und emetisches Arzneimittel. Ueber pflanzl. Oxydationsfermento, insb. in Phytolacca decandra L. 241 Verbindungen in Gegenwart alkalischer Stoffe sich unter schwächerer oder stärkerer Licht-Emission spontan oxydieren. Weder die Beobachtung an der lebenden Pflanze, noch die- jenige an frisch eingesammelten Blättern bestätigte die fragliche Angabe, was nach meiner Ansicht noch keineswegs als ein absoluter Beweis für die Unrichtigkeit derselben gelten kann, da möglicher- weise Tages- und .lahreszeit der Beobachtung von Bedeutung für das Gelingen des Versuches sein könnten. Immerhin vermochte das negative Ergebnis nicht vollkommen von weitern Experimenten abzuschrecken ; sondern es schien ratsam, sich durch Extraktions- versuche mit der frischen Pflanze zu überzeugen, ob überhaupt von der Gegenwart einer ozonisierenden und zugleich katalysie- renden Fermentmaterie die Kede sein könne. Als Material diente die durch die Gefälligkeit des Herrn Pro- fessor G. Mariani in Locarno gesammelte Pflanze, welche an einigen Stellen in der Nähe dieser Ortschaft wildwachsend in üppiger Ent- wicklung getroffen wird. Die frisch erhaltenen Blätter, Blüten und Wuizeln wurden gesondert mit einer zur Extraktion genügenden, immerhin möglichst klein bemessenen Menge eines mit höchstens r» — 10 •'/o Wasser verdünnten chemisch reinen Glycerins einige Tage lang bei gewöhnlicher Temperatur maceriert und sodann das Gly- cerinextrakt durch Filtration von den zerkleinerten Pflanzenteilen abgetrennt. Schon die Vorversuche zeigten, dass unter diesen Um- ständen in das Glycerin eine Fermentmaterie aus der Klasse der sog. Oxydationsfermente übergeht, welche mehrere der weiter oben erwähnten chemischen Wirkungen sehr energisch ausübt ; dieses Ferment scheint, so weit es sich um die bisher nur in den Monaten Juni und -Inii beobachtete Pflanze handelt, in i'elativ reichlichster Menge in den Blättern, in merklich geringerer Menge in der Wurzel und am wenigsten in den Blüten vertreten zu sein. \\'ährend das Glycerin-Blätterextrakt olivenbraune Färbung zeigt, ist das Wurzel- extrakt hell strohgelb und das Blütenextrakt hell grünlichgelb ge- färbt. Letzteres wurde des geringen Fermentgehaltes wegen bei den Versuchen nicht verwendet, sondern vielmehr ein durch die etwas hellere Farbe sich empfehlendes Gemenge des Blattei-- und Wurzelextraktes j)enützt: zu einigen Versuchsreihen diente auch ersteres allein. Es liewährtc sich auch in diesem Falle von neuem die Anwendung des reinen Glycerins als Lösungsmittel, nicht allein Vierteljahrssflirift d. Nafurf. Uos. Zürich. .lahi-jj;. XI.I. Jubelband II. 16 242 K.luard Schär. weil dasselbe manche eiweissartige Substanzen, wie gerade En- zyme, leicht l()st. ohne dieselben zu verändern, sondern besonders auch deshalb, weil diese Flüssigkeit, als zu den Alkoholen ge- hörend, in autfallender Weise konservierend auf die gelösten orga- nischen Stoffe wirkt, wie daraus zur Genüge hervorgeht, dass das Ferment in der Glycerinlösung hinreichend luiltbar ist, um nach reichlich 1 ' '^jähriger Aufbewaliruiig kaum etwas an seinem Effekte einzubüssen. Die mit den Glycerinlösungen des Phytolaccafermentes ange- stellten Beobachtungen lassen sicli behufs leichterer Uebersicht in folgenden vier Hauptabschnitten zusammenfassen, wobei der Kürze lialber nur ausnahmsweise auf eine nähere Beschreibung der ein- zelnen Versuche eingetreten werden soll. I. Katalytische Wirkung auf Wasserstoffsuperoxyd. Werden die Fermentlösungen mit mehr oder weniger ver- dünnten Lösungen des Superoxydes zusammengebracht , welche 1 bis 5 Prozente desselben enthalten und möglichst frei von den in den Handelspräparaten meist noch in kleinen Mengen vor- handenen Mineralsäuren (SO^Ho oder H(J1) sind, so tritt nach kurzer Frist die Zerlegung des Superoxydes unter deutlicher Entwicklung neutralen Sauerstoffes ein, so dass bei Kontakt einer bestimmten Menge des Fermentes mit einer nicht zu gross bemessenen Quan- tität Superoxydlösung nach einiger Zeit die Hauptmenge des Super- oxydes verschwunden, d. h. in Wasser und gewöhnlichen Sauerstoff zersetzt ist und nur noch mit empfindlicheren Reaktionen nachge- wiesen werden kann. Die katalysierende Wirkung gewinnt, wie in andern Fällen, so auch hier an Deutlichkeit und Energie, wenn die fermenthaltige Mischung auf Digestionstemperatur von 25*^ — 35*^ gebracht wird, wobei eine Veränderung des Fermentes noch keines- wegs eintritt. Es soll gleich hier, weil auch für die Versuche der folgenden Abschnitte gültig, auf die eigentümliche Erscheinung hingewiesen werden, dass die in Phytolacca vorkommende Fermentmaterie in- sofern eine exceptionelle Stellung einzunehmen scheint, als dieselbe, abweichend von den wichtigeren bis jetzt bekannten pflanzlichen und tierischen Fermenten, ohne tiefergehende Veränderung und ohne direkte Aufhebuni' der charakteristischen Ferment Wirkung Ueber pflanzl. Oxydationsfermente, insb. in Phytolacca decandra L. 243 in alkoholische Lösung ühorzugehen vermag und in solcher Lösung auch während geraumer Zeit ihre Eigenschaften beihehält. Die klartiltrierten Glycerinlösungen lassen sich, selbst wenn dieselben zuvor mit etwas Wasser verdünnt worden simi, mit erheblichen Mengen starken Alkohols vermischen, ohne dass ein Niederschlag oder auch nur eine erhebliche Trübung ') entsteht. Wird beispiels- weise die Glycerinlösung mit dem gleichen oder auch doppelten Volum Alkohols versetzt uiul bei allfällig eintretender leichter Trübung (s. unten Anmerkung 1) filtriert, so erhält man eine ferment- haltige Glycerin -Alkohollösung, welche in gleicher Weise wirkt, wie eine gleichverdünnte reine Glycerinlösung oder auch eine Glycerinlösung, die mit grössern Mengen Wassers verdünnt wurde. Allerdings ist diese IJebereinstimmung in den ^Vil•kungen nui' dann wahrzunehmen, wenn die alkoholische Fermentlösung zu solchen \-ersuchen dient, in denen dieselbe mit grösseren Mengen wäss- riger Flüssigkeiten zusammengebracht wird. Es vermag nämlich ül)erschüssiger Alkohol, wenn er auch ohne direkte verändernde Wirkung oder vielleicht wahrscheinlicher nur von sehr langsam eintretendem Einflüsse zu sein scheint, doch eine gewisse Hem- mungswirkung auszuüben, die aber wegfällt, sobald die alkoholische Lösung mit Wasser so verdünnt wird, dass die Mischung nur noch einen ganz geringen Pi'ozentgehalt an Alkohol führt. Wie bei der katalytischen Wirkung, welche andere Enzyme, z. B. das diastatische Ferment des Malzauszuges oder dasjenige des Speichels, auf Wasserstoffsuperoxyd ausüben, ist auch bei dem Phytolaccaferment die vollständige Aufhebung dieser Wirkung durch Erwärmung der Fermentlösungen auf ca. 100 '*, sowie die bedingte, d. h. temporäre Hemnnmg durch Zusatz auch nur kleiner Mengen von wässrigem Cyanwasserstoff zu konstatieren ; wird in letzterem Falle die zugesetzte Blausäure, die schon in Mengen, welche weniger als 1 riomillc di>r Fermentlösungen entsprechen, die katalytische Wirkung in auffälligster Weise hemmt, wenn auch nicht vollkommen aufhebt, aus dci- Fermeutlösungdurcli Vei-dampfnng ') Die zuweilen auttrotendeTrübun'r wird durch Abscheiduiig kleiner Mengen von Pflanzenschleim verursacht, welch letzterer allerdings durch eine in ähn- lichen Fallen häufig bemerkte Oberflächenwirkung etwas Ferment mit aus- scheidet und festhält, so dass nach Abtrennung der trübenden Materie von der Fermentlösung die letztere etwas schwächere Wirkungen in den zu er- wähnenden Richtungen ausübt. 244 Eduard Schär. iinttT /uhülfeiialinie grösserer Oberflächenverteilung, sowie eines indifferenten Luftstroms wieder entfernt, so wird auch das kata- lytische Vormögen regeneriert. Allerdings lässt sich die ursprüng- liche Intensität der Zerlegung des Superoxydes nicht mehr ganz t'n»'i( lit'ii. da es selbstverständlich, ohne Massnahmen, welche das Ferment selbst schädigen, nicht gelingt, die Flüssigkeit vollständig von Cyanwasserstoff zu befreien. Tl. Ozonübertrairende Wirkunir. Besondere Energie entfaltet das l'hytolaccaferment bezüglich der Eigenschaft, den locker gebundenen Sauerstoff des Wasserstoff- superoxyds, sowie der in insolierten äther. Oelen sich bildenden superoxydähnlichen Verbindung mit dem Charakter ozonisierten Sauerstoffs auf bestimmte Bestandteile des Guajakharzes ') zu über- tragen und so die Bildung des sog. Guajakblaus zu veranlassen. Die betreffenden Heaktionen köimen in zweierlei Art beobachtet werden, wenn es sich um ozonartige Wirkung des Wasserstoffsuper- oxydes handelt, welche Verbindung bekanntlich (zum Unterschiede von Mangan- oder Bleisuperoxyd) für sich allein unter keinen Umstäiulen Guajakharzlösung verändert. Entweder wird die Super- oxydlösung einer bestimmten Wassermenge zugesetzt, diese Mischung mit wenig 1- bis 2-prozentiger Guajaktinktur (alkoholische Guajak- harzlösung) bis zur starken weisslichen Opalescenz versetzt und hernach eine kleine Menge der Fermentlösung beigefügt, oder aber die Guajaklösung bis zu eben bemerkbar werdender leichter Trübung mit einer stark verdünnten wässrigen Superoxydlösung gemischt und zuletzt etwas Fermentlösung zugesetzt. In ersterem Falle ent- steht nach wenigen Minuten, bei etwas stärkeren Konzentrationen sogleich eine mehr oder weniger intensiv blaue undurchsichtige Mischung'-^), im letzteren dagegen eine durchsichtig blaue Flüssigkeit. ') Dass nur iler auf irj^end eine Weise allotropisierte, die Eigenschaften des Ozons annehmende Säuerst ort' bei Kontakt mit Guajakharzlösung eine dem , Pilzblau" nicht ganz unähnliche, tiefblau gefärbte, wenig stabile Verbindung bezeugt, ist in m. unlängst erschienenen Abhandlung über das Guajakharz als Reagens (Forschungsber. über Lebensmittel, forense Chemie und Pharmako- gnosie. München. Jahrg. 189G. llft. 1) des Näheren dargelegt. *) Dieselbe lässt sich selbstredend durch Zusatz von Alkohol klären und verrät sodann, über weissen Flächen betrachtet, auch die kleinsten Mengen gebildeten Guajakblaus. Ueber pflanzl. Oxydationsfermente, insb. in l'hytohicca decandra L. 245 Tn analoger Weise lässt sich die durch das Feriiient l)etliäti,ute ozonisierende Wirkung auf den locker gebundenen .Sauerstoff in- solierter äther. Oele illustrieren, wenn kleine Mengen eines einmal insolierten und infolge der Lichtwirkung mit Sauerstoff beladenen Terpentinöls in Guajaktinktur gelöst und hernach einige Tropfen der Fermentlösung zugefügt werden. An Stelle des reinen Terpentin- öls lässt sich mit Vorteil auch die an anderer Stelle (1. s. c.) an- geführte sog. Hünefeld'sche Lösung \) veiwendeu. welche mit der Guajaklösung in beliebigen Verhältnissen mischbar ist. Da, wie bereits oben bemerkt, durch überschüssig voiliaiidenen Alkohol die Fermentwirkungen oft erheblich verlangsamt werden, so empfiehlt es .sich, bei Beobachtung der Reaktion unter Aus- schluss wässriger Lösungen, in der Weise eine Zonenreaktion her- vorzurufen, dass die mit etwas Wasserstoffsuperoxyd vermischte oder aber mit Hünefeld'scher Terpentinölmischuug versetzte Guajak- tinktur auf etwas Fermentlösung, die mit gleichviel Glycerin ver- dünnt worden ist, aufgeschichtet wird. Es findet dann allmählige Diffusion aus der einen Schicht in die andere statt und eine bald sich ausbildende tiefblaue Zone bezeichnet die Stelle, wo Ferment, Superoxyd und Guajakharz bei Anwesenheit relativ kleinerer Alko- holmengen auf einander einwirken. Im Uebrigen mag noch betont werden, dass die Phytolacca- Fermentlösung infolge der specifischen Energie in der Zerlegung des Wasserstoffsuperoxyds und der Ozonisierung des abgespaltenen Sauerstotts (bei Gegenwart oxydabler Substanz) zugleich zu äusserst empfindlichen Reaktionen auf kleinste Mengen Ho 0., verwendet werden kann ; die oben beschriebenen Erscheinungen lassen sich schon mit Milligrammbruchteilen des Superoxydes hervorrufen, so dass beispielsweise Lösungen, welche mir ein Millionstel desselben ') Die Hünefeld'sche Lösung, die s. Z. behufs Anstellung von Reak- tionen auf Hlutfarbstofi (s. die citierte Abhandlung über Guajakharz) vorge- schlagen wurde. be.steht aus sog. „ozonisiertem", bezw. insoliertem Terpentinöl, Alkohol, Essigsäure und kleinen Mengen Wasser. Es mag bei dieser (ielegen- heit daran erinnert werden, dass ein Terpentinöl, welches einige Tage am Sonnenlicht gestanden und dabei eine gewisse Menge .beweglich thätigen" Sauerstotf aufgenommen hat. beliebig lange im zerstreuten Tageslicht oder selbst im Dunkeln aufbewahrt werden kann, ohne die Fähigkeit, bei Gegen- wart gewisser Fermente oder anderer , Ozonüberträger" Guajaklösung zu bläuen, gänzlich zu verlieren o je Kduard Schär. enthalten, dessen Gegenwart noch in der erwähnten Weise mani- festieren. Es kann deshall) dieses Ferment ohne weiteres dem im Malzanszuge enthaltenen diastatischen Enzym an die Seite gestellt werden, dessen Lösung in Form jenes Auszuges von Schönbein stets, in Verbindung mit Guajaklösung, als eines der schärfsten Koauontion auf Wassorstoffsupei-oxyd, sowie auf den von äther. Oelen in Supcroxyd-Bindung aufgenommenen Sauerstoff betrachtet wurde. Was über die einfache katalytische Wirkung auf Wasserstoff- superoxyd hinsichtlich ihrer Aufhebung oder Hemmung durcii Er- wärmung auf Siedetemperatur oder Blausäurezusatz bemerkt worden ist, kann hier bei der sog. ozonübertragenden Wirkung ohne weitere Darlegungen wiederholt werden ; es verhält sich auch in dieser Beziehung die Phytolaccaferment-Lösung dem Malzauszuge, sowie der Lösung der Enzyme des Speichels analog. IIL Ozonisiorende Wirkungen auf atmosphärischen Sauerstoff. Das Vorhandensein eines Oxydationsfermentes in Phytolacca decandra ergibt sich in erster Linie aus der energisch bläuenden Wirkung, welche sich beobachten lässt. wenn die frische Wurzel der blühenden Pflanze auf Quorschnittfiächen mit einer weingeistigen Guajakharzlösuug (oder auch mit einer Lösung in wässerigem Chloral- hydrat) bestrichen wird. Die hier sehr rasch auftretende Blau- färbung ist noch intensiver, als sie bei manchen Pflanzensamen, oder etwa bei Schnitten durch rohe Kartoffeln oder Früchte, wie Aepfel, Birnen etc. bemerkt wird. Ja, es behalten die Scheiben der Wurzel, nachdem sie mit Glycerin extrahiert und nach Abtrennung von dieser Flüssigkeit nahezu 2 Jahre lang in einer lose verschlos- senen Flasche aufbewahrt worden sind, die besagte Eigenschaft immer noch in deutlichem, wenn auch selbstverständlich sehr ab- geschwächtem Grade, zum Beweise, dass die von Glycerin nicht extrahierten Kesidua des in dem Gewebe vorhandenen Ferment- körpers unter dem konservierenden Einflüsse des Glycerins ebenso lange haltbar bleiben, wie die Fermentlösungen selbst. Diese letz- teren nun vermögen unter allen Umständen, unter denen atmos- phärische Luft und mit derselben Sauerstoff Zutritt hat. direkt eine Bläuung gelösten Guajakharzes zu bewirken. Da sowohl Glycerin, als Weingeist, als Wasser entweder unter gewöhnlichen Beding- ungen Luft enthalten oder bei ihrer Verwendung als Extraktions- Ueber pflanz). Oxydationsferinente, insb. in Phytolacca decandra L. 247 und Lösungsmittel solelie aufnehmen, so ist es nicht rätselhaft, dass die Fermentlösung, mit Wasser und Guajakharzlösung ver- setzt, nach einiger Zeit eine Bläuung bewirkt, welche bei grösserem Luftgehalt der Lösungen schon daini eintritt, wenn z. B. die mit etwas Wasser verdünnte Guajaktinktur auf etwas Fermentlösung geschichtet und sodann die Berülnuiigszone l)eobachtet wird. Mischt man dagegen eine möglichst luftfrei gehaltene Fermentlösung mit AVasser. welches durch längeres Sieden luftfrei gemacht wurde, und mit luftfreier Guajaklösung. so tritt eine deutliche Bläuung erst ein, wenn durch Schütteln mit überstehender Luft der in derselben enthaltene Sauerstoff mit der Flüssigkeit in innigeren Kontakt gebracht wird. Von der Bläuung, welche unter analogen Bedingungen in einer w a s s e r s 1 0 f f s u p e r 0 X y d - h a 1 1 i g e n Mischung entsteht , unterscheidet sich die hier in Rede stehende Reaktion namentlich dadurch, dass erstere in sehr viel kürzerer Zeit hervorgerufen wird und auch in vollkommen luftfreien Flüssigkeiten eintritt; in der That wird eine Mischung von Fermentlösung, Wasser und Guajakharzl()sung, welche durcli kurzes Schütteln mit überstehender Luft eine merk- lich blaue Färbung angenommen hat. fast augenblicklich sehr viel tiefer l)lau gefärbt, sobald auch mir ganz kleine Mengen Wasser- stoffsuperoxyd beigefügt werden. Es ist deshall) auch keineswegs schwierig, sich bei etwaiger Verwendung des l'hytolaccaauszuges zur Heaktion auf ^Vasserstoffsuperoxyd durch einfache Kontroll- versuche vor Täuschung zu schützen. Es mag übrigens an dieser Stelle die Notiz eingeschoben werden, dass nicht selten die Guajakharzlösung, wenn unter be- stimmten Bedingungen aufbewahrt, kleinere Mengen von Snper- oxyd enthalten kann, da fast alle alkoholischen Hai'zli)sungen selbst in zerstreutem 'J'ageslicht und bei minimem Luftzutritt langsam etwas Wasserstoffsuperoxyd zu bilden vermögen. Eine derartige (luajak-Tiuktur wird selbstverständlich bei Mischung mit Wasser und Zusatz einer „ozonübertrageudcn" Sulistanz sofort gebläut Averden und es darf deshalb zu subtileren Reaktionen ent- wcdcf nur eine frisch bereitete Guajakharzlösung oder eine solche benutzt wei-dm. welche, mit ül)erscliüssigem Wasser zur milchigen Flüssigkeit gemischt, durch Zusatz einigei- 'J'i-opf'eii von Malzaus/.ug. Blutlösung oder selii' veidünutei- Eisenvitriol- L()sunt,' keine Hiäuung 248 Kduard Schär. amiiiiiiiit. Die angedeutete Fehlerquelle würde vermieden, wenn man bei den traj^lichen Vcisuclien statt alkoholischer oder alko- holiseh-ätheiisc-her (niajakhai/l()sunilduii.i; eines O.xydat iiiiis|»i'(»duktes 250 Eduard Schär. borulit. Ks wirkt also auch in diesem Falle das Ferment zustands- vi'i'ilM(l<'iii(l auf den neutralen Sauerstoff dei- Luft ein, trotzdem auc-li l)i'i Al)VVi's('nlieit der Fernientlösuiiy, die alkalische licaktion dt'r Flüssigkeit auf den Oxydationsvorgang prädisponierend wirkt. :?. Wird eine wässerige Lösung von Hydrochinon. welche '/a bis l Frozent dieser Verbindung enthält, mit etwas Fermentlösung vermischt und in einem etwas Luft enthaltenden Kölbchen unter zeitweisem Schütteln einige Zeit lang stehen gelassen, so nimmt die Flüssigkeit bald eine bräunlichgelbe und nach einigen Tagen eine ziemlich intensiv grünlichhraune Fäil)uug an, und es lässt sich der Lösung durch Ausschütteluug mit Aether oder Chloroform eine gelbbraune Substanz entziehen, welche bei Verdunstung des Aethers allerdings nicht in deutlich-krystallinischem Zustande zurück- bleibt, aber durch eine bläuende Wirkung auf Guajaklösung sowie auf angesäuerten Jodkaliumkleister die Gegenwart von Chinon *) verrät. Es scheint sich bei dieser durch das Ferment vermittelten Oxydation des Hydrochinons zunächst ein Gemenge von Chinon und Chinhydron (sog. grünem Hydrochinon) zu bilden ; da aber das Chinon in wässriger Lösung bei Lichtzutritt (selbst bei Abschluss der Luft) sich ziemlich rasch unter Bildung brauner Produkte auf Kosten des Chinonsauerstoffs verändert, so resultiert bei den er- wähnten Versuchen stets eine bräunliche Flüssigkeit, welche an Chloroform oder Aether oft nur sehr wenig Chinon abgibt, falls nicht die Keaktionsmischung in der Dunkelheit gestanden hat. 4. In noch auffälligerer Weise vermittelt das Phytolacca- Ferment die Oxydation des Pyrogallols. Wird eine einprozentige Fyrogallussäure-Lösung mit etwas Fermentlösung versetzt und in ein etwa zur Hälfte anzufüllendes Gefäss gebracht, so nimmt die Flüssigkeit schon nach wenig Tagen eine braunrote, ins Violette spielende, immer intensiver werdende Farbe an und gibt sodann an Aether nachweisbare Mengen des sehr leicht in rötlichen kleinen Nadeln krystallisierenden Purpurogallins (Pyrogallochinons) ab, welches durch sein chemisches Verhalten identifiziert werden kann. Dieses Verhalten des in Phytolacca enthaltenen Oxydationsfermentes ist ') Lieber die Oxydationswirkungen des Chinons, welches als Typus eines •organischen Superoxydes betrachtet werden darf, s. C. V. Schönbein, Verh. d. Basl. naturf. G. 1867. S. 703; Ed. Schär, Mitt. d. Berner naturf. G. 1867. 2. Febr. Ueber i)flanzl. Oxydationsfermente, insb. in Phytolacca decandra L. 251 namentlich deshalb von Interesse, weil vor einer Keihe von Jahren durch J. Wiesner') sowohl in dem sog. arabischen Uummi. als in einer Anzahl anderer Gummivarietäten und auch in einigen Gunnniharzeu eine fermentartige Materie nachgewiesen worden ist. welche, ähnlich wie die hier besprochene fermentartige Substanz neben diastatischem Vermögen die Wirkungen eines Oxydations- fermentes aufweist. Der Gegenwart dieses Stoffes, welcher aller- dings nur in kleinen Mengen im arabischen Gummi vorhanden zu sein scheint, ist die längst bekannte Eigenschaft dieser Droge zuzuschreiben, in konzentrierter Lösung, als Gummischleim, eine mehr oder weniger deutliche Bläuung der Guajaktinktur zu ver- anlassen, ebenso aber auch das Vermögen des Gunnnis. unter be- stimmten Bedingungen aus zugesetztem Pyrogallol das erwähnte granatrote Purpurogallin zu bilden. Wird die obenerwähnte Pyrogallollösung mit einer auf ca. 100" erwärmten Fermentlösung versetzt oder letztere vor ihrer Beigabe zu der erstgenannten Lösung mit etwas verdünnter Blausäure ver- mischt, so tritt in dem Reaktionsgemisch nur sehr langsam, d. h. erst nach Wochen leicht braunrote Färbung auf und es lässt sich imr spurenweise Pyrogallochinon nachweisen. Dieselben Beobach- tungen wurden, wie nach den früheren Ausführungen dieses Auf- satzes kaum anders zu erwarten ist, auch bei jenen Oxydations- wirkungen gemacht, welche unter 1 bis o aufgeführt sind. In allen diesen Fällen mehr oder weniger auffälliger Hemmung der Oxyda- lionswirkung. die das Ferment hervorruft, kann die Wirksamkeit des letzteren bis zu einem bestimmten Grade restituiert werden, wenn die Cyanwasserstoffsäure durch Verflüchtigung aus den Ge- mischen bestmöglichst entfernt wird, während dagegen durch eine auf 100" ansteigende Erhitzung des gelösten Fermentes dessen ozonisierendes Vermögen bleibend aufgelioben wird. IV^. Weitere Wirkungen des riiytulacciil'ennentes. Verschiedene Analogien, welche das hier in seinen Haupteigen- schaften beschriebene Enzym mit gewissen andern Fermentnuiterien. wie z. B. dem diastatischun Enzym des Malzauszuges oder dem ebenfalls diastatisch wirkenden I Hyalin des S])eichels aufwies, legten ') Jnl. Wiesner, Sitzgsber. d. K. Akad. d. Wissensch. in Wien. Bd. 92, 1. Abt. .Ulli 1885. •_>:,•_! Eduard Schär. es nahe, eine I{oilie weiterer Versiiclu' in dci- Absicht anzustellen, anderweitige FennenteiucMischafteii. wie z. 1». liy(h'()lytisches Ver- mögen oder sonstiiic si)ccifischo Wiikungen zu konstatieren. Wenn nun auch, wie kaum licnieikt zu werden braucht, solche Versuche erst dann auf wirkliche SiclH'rlu'it der Ergebnisse Anspruch erheben dürfen, wenn es dereinst gelingen sollte, das Phytolacca-Ferment in den nötigen Mengen rein oder wenigstens annähernd rein zu erhalten und in diesem reinen Zustande wieder in Lösung zu bringen, so sollen doch einige vorläutige Beobachtungen hier nicht ganz übergangen werden. Erstens zeigen die über das Vei halten des p]nzyms zur Stärke gesammelten Erfalirungen, dass bei Kontakt der Fermentlösung mit einer im Dampfbade erwärmten Mischung von Stärke und Wasser, bei gleichzeitiger Abhaltung der mikroskopischen Luft- keime, sehi- bald die Bildung von Zucker eintritt und dass dieselbe relativ rasch zunimmt. Die Fermentlösung verhält sich der ge- quollenen Stärke gegenüber in analoger Weise wie ein mit Wasser oder Glyzerin hergestellter Malzauszug und wird, wie der letztere, durch Erhitzung, sowie durch Blausäurezusatz nicht allein in seiner W^irkung auf Wasserstoffsuperoxyd, sondern auch in der diasta- tischen Wirkung gehemmt. In zweiter Linie konnte festgestellt werden, dass durch das Phytolacca-Ferment eine Spaltung des Amygdalins bewirkt wird, da eine Lösung der letzten Substanz nach Beimischung von etwas gelöstem Ferment bei mittlerer Temperatur relativ bald die Gegen- wart von Cyanwasserstoff erkennen lässt, was dagegen nicht der Fall ist, wenn der Amygdalinlösung ein vorher auch nur kurze Zeit lang auf ca. 100** erwärmter Phytolacca -Auszug zugesetzt wird. Die hydrolytische Zersetzung des genannten Glycosides ist, im Hinblick auf die durch die Blausäure bedingte Hemmung ge- wisser AVirkungen von Fermenten, bei dem Phytolacca-Enzym ebenso auffallend, wie bei der in den bitteren Mandeln selbst vor- kommenden Synaptase (Emulsin), umsomehr als das letztere Ferment durch Znsatz von Cyanwasserstoff" in seiner katalytischen AVirkung auf Wasserstoffsuperoxyd gleichfalls gehemmt wird. Es lässt sich vor der Hand für diese eigentümlichen Erscheinungen wohl nur die Erklärung finden, dass bei der Amygdalin-Spaltung Cyanwasser- stoff ni(tht in freiem Zustande in wässerige Lösung geht, sondern ( Ueber pflanzl. Oxyilationsferinente, insb. in Phytolacca decandra L. 253 vielmehr in lockerer Verbindung mit dem Benzaldehyd, und dass diese Aldehyd-Blausäure-Verbindung iu weit geringerem Masse, als die freie Blausäure einen hemmenden Eintiuss auf Ferment- eigenschaften ausübt. Im Gegensatze zu den beiden erwähnten positiven Ferment- wirkungen Hess sich dagegen konstatieren, dass unter analogen Bedingungen die hydrolytische Zerlegung anderer Glycoside, wie z. B. des Salicin's, des Sinigrin's, sowie auch des unlängst von Oerock und Schneegans beschriebenen Glycosides aus der Binde der amerikanischen Betula lenta durch das Phytolacca-Ferment nicht oder jedenfalls nur in äusserst geringfügigem Masse bewerk- stelligt wird. Einer späteren Mitteilung mögen weitere Angaben über die Eigenschaften des hier besprochenen Oxydationsfermentes, sowie allfällige Ergänzungen oder auch Berichtigungen der oben mit- geteilten Versuchsergebnisse vorbehalten bleiben, wenn es sich er- möglichen lässt. die Fermentmaterie nach einer neuen Methode in relativ, reinem Zustande zu isolieren. Bei vorläufigem Abschlüsse dieser ersten Reihe von Beobachtungen ist es kaum notwendig, die Bemerkung beizufügen, dass mir eine weitere, allgemeinere Verbreitung von teilweise diastatisch oder hydrolytisch wirkenden Oxydationsfermenten in pflanzlichen und tierischen Geweben wahr- scheinlich scheint. Es treten aber solche Materien aus noch unbe- kannten Gründen in einzelnen Pflanzen in besonders auftälliger und leichter fassbarer Weise auf, und es eignen sich deshalb solche Fälle in erster Linie zu weiterem Studium von Fermenteigen- schaften, denen unzweifelhaft eine hervorragende physiologisch- chemische Bedeutung zuerkannt werden muss. Strassburg, pharmaceut. inst, der Universität, Dez. 1895, Ueber Chlorosalze. Von Alfred Werner. Es ist nicht zu bestreiten, dass unsere heutigen Vorstelhnigen über die Konstitution der anorganischen Verbindungen weniger entwickelt sind, als diejenigen über den Aufbau der organischen Moleküle. In der organischen Chemie tritt uns die hochentwickelte Strukturlehre entgegen ; einer Uebertragung dieser letzteren auf die anorganischen Verbindungen stellen sich aber zum Teil unüber- windliche Schwierigkeiten entgegen, und auch bestimmte specielle Vorstellungen über den Aufbau der anorganischen Verbindungen haben bis heute keine allgemeine Anerkennung tinden können. Die Schuld an diesem wenig erfreulichen Bilde unseres theoretischen Lehrgebäudes trägt die, zum grössten Teil nur unter Berück- sichtigung von Kohlenstoffverbindungen und deshalb in vieler Hin- sicht einseitig entwickelte moderne Valenzlehre. Die Anschauung, dass die sogenannten Valenzzahlen uns an- geben oder auch nur bestimmen lassen, wieviel andere Atome mit einem bestimmten Atom in direkter und stabiler Bindung sich be- finden können, ist, trotzdem sie eine der wichtigsten Grundlagen der modernen Valenzlehre bildet, vollständig unrichtig. Die Valenz- zahlen, wie sie heute gebraucht werden, bilden nur einen theo- retischen Ausdruck für die Zusammensetzung einer beschränkten Anzahl einfachster Verbindungen; sie erlangen nur in solchen Fällen eine grössere Bedeutung, in denen ein bestimmtes Elomentar- atom, wie z. B. der Kohlenstoff", für eine grö.ssere Anzahl anderer Elemente gleiche, oder besser gesagt, vergleichbare Wertigkeiten zeigt. Wo dies nicht der Fall ist, wird der V^alenzbegrift' sehr oft •zu einem Spiel mit Worten, denn wenn man für den Stickstoff" aus Ueber Chlorosalze. 255' seiner Chlor- und seiner Wassorstoffverbindung die Dreiwertigkeit^ eventuell auch noch die Fünfwertigkeit ableitet und dann findet, dass derselbe mit Sauerstoff die ganze Reihe der Oxyde: iVioO, NO, N2O3. NO^, N2O4. NoO^ bildet, so ist doch sofort ersichtlich, dass von einem einheitlichen, die verschiedenen Verbindungsreihen um- fassenden \'alenzbegriff, der eine Masseinheit haben müsste, nicht die Rede sein kann, denn in diesem Falle müssten die den Sauer- stotfverbindungen entsprechenden Chloi- und Wasserstoffverbin- dungen ebenfalls bestehen. Nach zwei Richtungen erscheint mir somit der heutige Valenz- begriff vollständig unzureichend. 1. Derselbe stützt sich zum grössten Teil nur auf die einfachsten Verbindimgen, die Verbindungen erster Ordnung, und aucli diese werden sehr oft nur unvollständig beachtet; es ergiebt sich deshalb die natürliche Folge, dass von einer Verwendung der heutigen Valcnzlehre zur Beurteilung der Konstitution der Verbindungen höherer Ordnung, die durch Zusammentritt einfacher Moleküle entstehen, nicht die Rede sein kann. 2. Die in den Kohlenstoffverbindungen ziemlieh scharf zu Tage tretende Valenzeinheit verwischt sich bei den anderen Elementen so sehr, dass man unwillkürlich zum Schlüsse kommt, dass die verschiedenen Verbindungsverhältnisse, nach welchen ein Elementar- atom mit verschiedenen anderen Elementaratomen zu chemischen ^\n■bindungen zusammentritt, überhaupt nicht durch eine gemein- schaftliche Masseinheit in Beziehung stehen und infolgedessen auch nicht direkt miteinander verglichen werden können. Wir dürfen deshalb nicht ohne ^\'^eiteres die Verbindimgsiähigkeit eines Atomes für Wasserstoff mit derjenigen für Chlor, für Sauerstoff oder für Schwefel vergleichen, sondern wir können nur die Verbindungs- fähigkeiten der verschiedenen Elemente für Wasserstoff" miteinander vergleichen und ebenso diejenigen für Chlor, diejenigen für Sauer- stoff u. s. w. Die hier erörterten Gesichtspunkte scheinen mir eine Vorbe- dingung zu sein, wenn die Valenzlehre eine weitere, rationelle Entwickelung erfahren soll. Für unsere Betrachtungen kommt zunächst nur der erste Funkt in Betracht, nämlich die Unzulänglichkeit des aus den Ver- bindungen erster Ordnung entwickelten Valenzbegriffs zur Erklärung von Verbindun^ren zweiter Oidnuntj;. 256 Alfred Werner. Unter Verbindungen zweiter Ordnung verstehen wir solche, die (hirch Vereinigung von Verl)in(hingen erster Ordnung (einfacher Moleküle, Oxyde, Chloride, Broniide, Sulfide u. s. w.) entstehen. So sind z. B. die Sauerstoffsalze Verbindungen zweiter Ordnung, weil sie durch den Zusammentritt zweier Verbindungen erster Ordnung, nämlich zweier Oxyde, gebildet werden: K,0 4- SO3 = K,O.SO, — (K.,SO,) K.,6 + SiO, = K.,O.Si0.i — (KjSiOJ Die Valenzlehre erklärt die Bildung der Sauerstoffsalze bekannt- lich, unter Znhülfenahme der Zweiwertigkeit des Sauerstoffs, durch die Fähigkeit der zweiwertig gebundenen Sauerstoffatome in Hydro- xylgruppen oder substituierte Hydroxylgruppen überzugehen, also z. B. die Bildung des Kaliumsulfates nach folgendem Schema: 0= «^ " ^ _K 0 = , — OK o^s=o. ^ 0 _K-0= ^-üK Dieser scheinbar so einfachen und klaren, aber dennoch un- richtigen Erklärung der Salzbildung haben wir es zuzuschreiben, dass die Konstitutionslehre der anorganischen Verbindungen im Anfangsstadium stehen geblieben ist, denn dadurch, dass diese Er- klärung einerseits auf der Zweiwertigkeit des Sauerstoffs und an- dererseits auf der leichten Beweglichkeit bestimmter damit ver- bundener Radikale aufgebaut ist, entzieht sie den Erörterungen über die Konstitution zahlreicher anderer Verbindungen zweiter Ordiumg, die diesen Bedingungen nicht genügen, so z. B. den Er- örterungen über die Konstitution der durch Vereinigung von Fluoriden, Chloriden, Bromiden. Jodiden u. s. w. sich bildenden Verbindungen, die notwendige Grundlage, weil die in den Thatsachen so klar zu Tage tretende Analogie mit den Sauerstoffverbindungen durch die Valenzformeln nur gezwungen und unvollstänig wiedergegeben wird. Infolgedessen werden heute alle Verbindungen, deren Kon- stitution die Valenzlehre nicht in irgend einer Weise nach ihrem all- gemeinen Formelschema entwickeln kann, einfach als nebensächliche Verbindungen oder Molekülverbindungen auf die Seite gestellt. So finden wir denn, dass die Konstitution von mehr als V3 aller anorgani.schen Verbindungen noch ganz unklar ist. und ich glaube deshalb, dass wir uns über kurz oder lang dazu bequemen Ueber Chlorosalze. 257 werden müssen, das Gebäude unserer Theorien so umzubauen, dass alle Verbindungen darin ihren Platz finden und nicht ganze Klassen einfach ausgeschlossen werden. Betrachten wir ohne vorgefasste Meinung die Verbindungen zweiter Ordnung, so erkennen wir sofort, dass die Gesetze ihrer Bildungen sie in so nahe Beziehung bringen zu den Sauerstoffsalzen, dass ohne A\'eitercs ijiie Zugehörigkeit zur gleichen Verbindungs- klasse zugegeben werden muss. Es mag dies hier im Speciellen für die durch Vereinigung von Ciiloriden entstehenden Verbindungen nachgewiesen werden. Wie sich zwei Oxyde z. B. KoO und SO.^ miteinander ver- einigen, unter Bildung eines Salzes, Kaliumsulfat, genau so ver- einigen sich die beiden Chloride KCl und Au CI3, indem eine neue Verbindung entsteht^ der keine Theorie ihre analoge Bildung ab- sprechen kann : K,0 4- SO3 =: K,0.S03 KCl r AUCI3 = KCI.AUCI3 Bezeichnen wir Kaliumsulfat als ein Salz, so muss diese Be- zeichnung unbedingt auch dem Kaliumgoldchlorid zukommen ; das erstere ist ein Sauerstoffsalz, das letztere ein Chlorosalz: Kalium- chloroaurat : beide Salze sind Verbindungen zweiter Ordnung. AVenn nun die Bildung des Kaliumsulfats in der Weise vor sich geht, dass der Sauerstoff des Kaliumoxyds in direkte Bindung mit dem Schwefelatom des Schwefeltrioxyds tritt, so ist nicht einzusehen, warum das Chlor des Chlorkaliums bei der Vereinigung des letzteren mit Goldchlorid nicht in direkte Bindung mit dem Goldatom treten sollte. Die Valenzlehre verneint bekanntlich diese ^McVulichkeit. doch konnte dieselbe durch den Versuch in ver- schiedenen Fällen sicher nachgewiesen werden. (Zeitschrift für physikal. Chemie, XII 48.) Wir selien uns deshalb gezwungen, diesen Standpunkt der Valenzlehre zu verlassen und sämtliche Verbindungen zweiter Ordnung als gleiche Konstitution darbietende und nach denselben Gesetzen sich bildende chemische Verbindungen in eine Klasse einzureihen, wofür wir luldlieli für die oben erwähnten Beispiele folgende Struktui-formein entwickeln können: I OSO j K, f ClAuC'l j K Kaliumsulfat. Kaliumchloroaurat. Viertel jahisschril't d. N.itiuf. (ies. Züricli. Jaliif,'. XLI. Jubclbana II. 17 258 AltV.'d W.'rnor. Die Ziilil ih'v ("lilorosalze ist fast grösser als diejenige der Sauerstüftsaize. und ihre eiii.m'liendcrc iieti-aclitiiiii!; reclitfertigt sicli um so nu'lir. als diese A'erhindungen, weil nur Düppelsalze, bis jetzt meist nur tine nebensächliche Behandlung erfahren haben. In neuester Zeit haben allerdings die Arbeiten von Kenisen. H. L. Wheeler und ihren Schülern einen systematischen Ausbau des ganzen Gebietes angebahnt. Doch sind bis jetzt nur die Alkalisalze und Ammoniumsalze einigermassen vollständig untersucht worden, und ich werde mich deshalb in den folgenden Betrachtungen auf diese beschränken, um so mehr, als ihre relativ einfache Zusammen- setzung sie am geeignetsten zu einer einleitenden Arbeit auf diesem Gebiete erscheinen lässt. Die Salze der organisclien Ammoniumbasen schliessen sich andererseits so eng an die Salze des Ammoniums an, dass die Berücksichtigung derselben uns viel brauchbares Material zu unseren Entwickelungen bieten wird. Der Darstellung und der Untersuchung der Chlorosalze stellen sich im Allgemeinen grössere Schwierigkeiten entgegen, als es bei den Sauerstoffsalzen der Fall ist. Dies wird im wesentlichen dadurch bedingt, dass viele der als Säureanhydride von Chlorosäuren wirkenden Chloride, in wässriger Lösung dissociiert und zwar dann in den meisten Fällen elektrolytisch dissociiert sind, was bei den entsprechenden Anhydriden von Sauerstoffsäuren nicht der Fall ist. Mit der Dissociation der Chloride ist sehr oft eine Hydratbildung verbunden; infolgedessen haben wir in den wässrigen Lösungen nicht einfache Chloride anzunehmen, sondern Chloride, die durch den Einfluss des Lösungsmittels, speciell des Wassers, in vieler Hinsicht verändert worden sind. Wir werden somit ganz verschiedene Fälle unterscheiden müssen, wenn wir uns über die Bedingungen, unter denen die Bildung von Chlorosalzen eifolgt, Klarheit verschaffen wollen. Der einfachste Fall, den wir uns denken können, ist derjenige, in dem sich das als Säureanhydrid der Chlorosäure wirkende Chlorid ohne Lostrennung der Chloratonie von dem Atom, an das sie gekettet sind, auflöst. Dieser Fall findet sich wahrscheinlich beim Flatinchlorid vor. Ist die Lösung eine rein wässrige, so wird das Wasser hier in den n.eisten Fällen dieselbe Bolle spielen wie gegenüber den Säureanhydriden von Sauerstoffsalzen, d. h. es wird Ueber Chlorosalze. 250 sich mit denselben zu Säuren verbinden, die dann gleichzeitig riilor und Sauerstoff enthalten werden. So verhält sich in der That das I'latinchlorid, denn nach den Untersuchungen von Jörgensen erhält man auf Zusatz von Silbernitrat zu einer wässrigen Lösung von Platinchlorid nicht etwa Chlorsilber, sondern die Verbindung OH \ rt CI4 I Ag; indem sich PtCl4 mit Wasser vereinigt, entsteht OH / anscheinend eine zweibasische Säure ( rt,^i\. ) H.„ deren Silbersalz \ (ÜHj.j / bei Zugabe von Silbernitrat ausfällt. Wesentlich verschieden ge- stalten sich die ^'erhältnisse, wenn wir nicht mit i-ein wässrigen Lösungen arbeiten, sondern denselben gleichzeitig ein Alkalichlorid zusetzen. Es entsteht dann zwischen dem Wasser und dem Alkalichlorid eine Konkurrenz um die Vereinigung mit dem als Säureanhydrid wirkenden Chlorid, und der Endzustand des Systems wird durch analoge Massenwirkungs-Gesetze geregelt, wie die Verteilung zweier Basen auf eine Säure. Ist das in der wässrigen Lösung vorhandene säurebildende Chlorid dissociiert, so ergiebt sich ein zweiter Fall, wesentlich verschieden von dem ersten. Für die meisten dieser dissociierten Chloride sind die positiven Jonen nicht als solche, sondern in hydratisiertem Zustande in der Lösung vorhanden. Da nun diese Chloridhydrate in manchen Fällen die Fähigkeit, Chlorosalze zu bilden, nicht besitzen, und andererseits eine Dissociation des als Säuroanliydrid wirkenden Chlorids schon an sich einer Zerlegung des Chlorosalzes gleich kommt, so ist es klar, dass man die Chloro- salze in diesen Fällen nur unter solchen Bedingungen darstellen kann, unter denen einerseits die Hydratbildung, andererseits die Dissociation verhindert werden. Viele Chloi-osalze müssen deshall) auf trockenem Wege dar- gestellt werden, andere in alkoholischen oder anderen organischen Lösungen. jManche werden dadurch zugänglich, dass ihre Schwer- löslichkeit die Isolierung gestattet. In den meisten Fällen ermöglicht man ihre Bildung dadurch, dass man durch Sättigen der Lösungen mit Chlorwasserstoff oder durch Arbeiten in konz. Salzsäure- lösungen, die in so vieler Hinsicht schädlichen Wirkungen des Wassers zurückdrängt. Die Salzsäure vermindert die Dissociation, 260 Alfred Werner. dehydratisiert viele Chloride und vermindert sehr oft die Löslichkeit der riilorosal/o. Die Boständigkeit der Clilorosal/ü variiert in weiten Grenzen, doch kann man sich darüber nocli kein klares Bild entwerfen, weil die Untersuchungen zu wenig zahlreich sind. Um eine Uebersicht über die Klassen der heute bekannten Chlorosalze der Alkalien zu ermöglichen, mögen zunächst in folgender Zusammenstellung die Elemente, die als Säureanhydride wirkende Chloride bilden, nach ihrer Wertigkeit geordnet werden. 1. Einwertige Elemente: Cu, Ag, Au. 2. Zweiwertige Elemente: Pt, Pd, Cu, Ni, Co, Fe, Mn, Sn, Mg, Zu, Cd, Pb, Hg, Mo. 3. Dreiwertige Elemente : Au, Tl, AI. In, Mn, Cr, Fe, Ir. Hh. Üs, llu, Sb, Bi, As. 4. Vierwertige Elemente: Pb, Sn, Pt, Pd, Ir, Os, Ku, Te. Von den einwertigen Elementen bildet das Kupfer die best untersuchten Chlorosalze. Beschrieben sind die folgenden : HClCuCl; HCl Chuinolin CuCl; (NH4CI), CuCl und (N H4 Cl).^ (CuCl;3 (KCl)oCuCl; (CsClJaCuCl-r laq; (CsCl)3(CuCl),; CsCl(CuCl),. Vom Silber ist ein Chlorosalz genau bekannt, während über ein solches von Gold nur eine kurze Angabe von Berzelius vorliegt. Diese beiden Salze sind (CsCl)^AgCl und KClAuCl. Die Chloride zweiwertiger Elemente wirken sehr oft als Säure- anhydride von Chlorosäurcn und die Zahl der bekannten Chlorosalze ist deshalb eine sehr grosse. Geradezu typisch für diese Klasse verhält sich das Platinchlorür. Es leiten sich von demselben zwei Chlorosäuren ab, je nachdem es sich mit einem Molekül oder mit zwei Molekülen Salzsäure vereinigt. In freiem Zustand ist nur die Verbindung mit 1 HCl bekannt. (PtCl3)H r 1 aq) Von der zweiten Verbindung (PtCl4)H2 kennt man jedoch sehr viele Salze. Die Salze der Säure H(PtCl3) sind von C. Liebermann und C. Paal ') entdeckt worden : ,C,H,1 f^;;;^^}NH).ptci3;(c:n:JNH).rtci3;f^^^^ ') Ber. 10. 529. lieber Chlorosalze. 261 Diese Verbindungün bilden sich aus den entsprechenden Chloro- platiiiaten. wenn letztere mit Wasser gekocht werden, wol)oi ein Molekül der Allylbasen die Reduktion des Platinchlorids zu Flatin- chlorür bewirkt. Sehr nahe verwandt mit diesen einfachsten Chlorosalzen des zweiwertigen Platins ist eine Reihe interessanter Verbindungen, die mit dem Platin noch andere Moleküle verbunden enthalten: (pt^j^)(NH,X^H,j;Pt^'[^(NH,.CJIJ;(Pt^[^)(HN.C,H,);(pt^[^)(H.NC9H^ (-t)-' (-^ci:)-Kk)- Ki)^' KO'''-' (''S>^- (PtüIL JK; Pt OH., )K; ( Pt OH., Viel bekannter als diese Chlorosalze sind diejenigen der Säure (Pt 014)112, die man als normale Salze bezeichnen kann, wie z. B. K2(PtCl,); Na.,(PtCl4) + 4aq; Li^CPtClJ + 6aq; Cs^PtCU; Rb^PtCl^; (NH^j^PtCl^. Vom Palladium scheinen nur normale Salze bekaimt zu sein; folgende Beispiele mögen genügen: K.,(PdClJ; Na, (PdCI^); (N H4), (PdCl^); (CH3 N H.HCl)., PdCl.,; (C.,H5NH,HCl),PdCl.,; (Chinolin HClJ^PdCU. Vom Kupfer sind drei Chlorosäuren und dementsprechend drei Chlorosalzreihen bekannt : HfCuClJ'" H./CuCl4)^--) H,(Cu€],)^^*> Salze : (fCH.,)., NH.,) (CuCl.,) ; (NH4) (CuCl,,) + 2aq. (NH4)., (Cu CI4) + 2aq ; K, (Cu CI4) r 2aq. ((CHj.,NH.,),(CuC%). Analoge Salze bildet Kobaltchlorid mit Cäsiumchlorid : Cs(CoClJ; Cs.^(CoCl4); CsaiCoClj); NH4(CoCl3) ,- Oaq. Während die Chloronickel- und Chloroeisensalze nur je nach einei* Typenformel zusammengesetzt sind : CslNiClJ; NH4(NiCl3)-t-6aq. K.CFeCU + 2aq; (NH4),FeCl4, entsprechen die Chloromangansalze zwei verschiedenen Tyi^en: "> Kngel, Coinpt. rend. loi;. 27.'!. '-' Sabatier, Compt. rend. lOi!. 1724 107. 40. <') G. Neumaiin. Monatshelte 13. 489. 202 Alfred Werner. (NIIJ,(MiiCU) + 2aq; Rb, (MnC^) + 2aq; C8a(MnCU) + 2aq uml K (Mn Cl^l r -aq ; Cs (Mn CI3) -r '2aq. \'()in Miigiicsiuniclilürid sind folgende Chlorosalze beschrieben: (NIIJ Mg Ol, + 6aq; KMgCU + Gaq; UhMgCl, + 6aq; Cs MgC], -r 6aq; XaMgClafSaq, und das dem Magnesium nahe verwandte Zink giebt Cldorosalze dreier verschiedener Typen : (NHJZnCls + 2aq; (NHJjZnCl, ; (NHJ.ZnCU + laq; K,ZnCl,; Cs.ZnCl,; Na,ZnCU +3aq; (NHJaZnClj und CSäZnCl^. Interessant gestalten sich die Verhältnisse beim C'admium: CsCdClg; KCdCls + Vaaq; N^ ' ^^'-CdClg; Chinolin. ll.CdCl, r laq. C\CdCl,; (NHj.CdCl, 4-laq; Na, Cd CI4 4- 3aq ; K,CdCU; K.CdCU - laq. Chlorosalze mit dem Säureradikal (CdCl^) sind bis jetzt nicht bekannt, doch ist ihre Auffindung sehr wahrscheinlich, weil man schon entsprechende Bromo- une Jodosalze kennt. Dagegen sind die Chlorosalze des nächst höheren Typus aufgefunden worden : (NllJ^CdCle und K^CdCl^;. Die bis jetzt erwähnten Chlorosalze können in einfachster Weise auf die monomolekularen Chloride der erwähnten zwei- wertigen Elemente zurückgeführt werden. Es schliesst sich nun eine Reihe von Chloriden an, die die Tendenz zeigen auch in polymerem Zustande als Säureanhydride zu wirken. Chlorosalze des Blei's: Nn,C1.2PbCL; KC1.2PbClo, RbC1.2PbCl.,. CsPbCls; (3K'PbCl3) + laq; (SNH.PbClg) + laq. (2Rb,PbClJ + laq. C.«4PbCl6. Das Quecksilberchlorid zeigt noch vielfältigere Verbindungs- verhältnisse : (5 Ilg Cl,) . Gl Cs ; ^5 Ilg Cl,; . Cl Nll^. Dass diese eigentümliche Zusammensetzung nicht eine zufällige ist, zeigt sich durch die grosse Anzahl der diesen beiden an- organischen Verbindungen entsprechenden organischen Salze : (CII3 ), N . HCl I f 5 Hg Cl,} ; (CH3), N . Cl) (5 Hg Cl,) ; C, H,, NH, HCl . (5 Hg Cl,) ; (C, HO,NH .HCl) rö HgCl,) ; (C, H.)3 NHCl) (5 HgCl,) ; (C, HJ.N . Cl) (5HgCl,). Dieses polymere Chlorid (5 Hg Cl^) scheint sich auch nach an- deren Verhältnissen mit basisch wirkenden Chloriden zu vereinigen: Ueber Chlorosalze. 263 (5 HgCl,) (2(CH3)3NHC1) ; (5 HgCl,) (2 (C.Hs)« NHCl) ; (5HgC,.)(.'«^«;''NC.). A'üii Clilorosalzen, die auf tri molekulares Quecksilberchlorid zurückgeführt werden können, sind folgende zu verzeichnen : 3HgCl.,)2NII,Cl -laq; (31IgCl.,)2Sb(C,II,)4 Cl; (3IIgCL) 1 ^aH5)4N.Cl; (3HgCl,)4Sb(C,Il5),Cl. Sehr zahlreich sind die Chlorosalze, deren einfachste Formeln sich von einem bimolekularen (^)uecksilberchloiid ableiten: ■2HgClo)RbCl; (2Hg01,)KCl ;- 2aq; (2IIgCl,)CsCl; (2IIgCl,)(CII,),NlI.HCl ; 5^^' ^;^ N . Cl (2 HgCL) ; HgCL, (Cllg), NHCl; ; 2 llg Cl, . (C, H- )3 NHCl ; (2HgC],).(C,H3), N.Cl; (2HgCl,).J[^',-^^\^N.C]; (2HgCl,)CJl7NH,,.HCl; (2HgCl,) . a, ß, y rieolinhydrochlorido; :2IIgCL) . S !^'^^'^' Cl. (C 113)2 Vom monomok'kiilaren Quecksilberchlorid können folgende drei Chlorosalzreihen abgeleitet werden: 1. CsCl.HgCl,; NaCl.IIgCL^ lV2aq; KCl.HgCla -f laq: NH, Cl .IlgCl.,; NH4Cl.HgCl, n- V2aq; RbCl.HgCl.,. 2. (NaCljoHgCl,; (CsCl),HgCL; (Rb Cl)., Hg CL ; (RbCl).,HgCl2 + 2aq; (NH^CÜjIgCl., r laq: ^KCD.IIgCI., -r- laq. 3. (CsCligligCI.,. Wäh!"end wir im Quecksilberchlorid eine Verbindung haben, welche sowohl in monomolekularem, als auch in polymerem Zu- stande als Säureanhydrid wirkt, wirkt das Molybdänchlorid nur als Polymeres: (MoCl,), 2KC1 f 2aq : (M0CIJ3 2NH,CI : 2aq. Nachdem wir im XOrhergehenden die ( 'lilorosalze der zwei- wertigen Chloride eingehend besprochen luibt'u. wiid es genügen, die riorosalze der drei- und vierwertigeu Cliloridc im Folu-eiideii tabellarisch zusammenzustellen. 1. Chlorosalze. die sich von mon omoleku iari'U drei- wertigen Clilorideu ableiten lassen. a) CsAuCl^; 2C.sAuCl4 r hui; Rl>Au(l,; KAuCI,; lIAuCl, ■la(]; 2KAUCI4 ~ laq; KAuCl^ r 2aq; NaAuCI^ ; 2aq: 2NaAuCl, -rlaq; 2NH^AuCl4 h 5aq; 4NH,AuCU i- öaq. 264 Alfred Werner. Tl. TIC!,. K.MtM,; Na All"!,. C'sFeCl, r V-afl- RbSbCl,; Chinolin ILSbCl^. Sb C,lI.O,BiCU; libBi C'U -r laq; NII.BiCU; KBiCl, ;- laq. b) Cs.,TlCls; Cs,,TlCl5 -f laq; R^TICU -f laq; K^TlClj + 3aq. KjAlClj r laq. (NH,),lnCl5 + laq. (NHJ.,MnCl5; K.MnClä. KaCrCis + laq; Rb.,CrCl5 + laq; (NH,).,CrCl5 r laq: Cs^CrCl- 4" laq; CsoCrClj -|- 4aq. K.Fe'ciä ^ laq; (NH^y.FeCl,, -f laq; Rb.FeCljf laq; Cs^FeClä J-laq. (N II/),KhC], r laq; K.RhClä -f laq; (NH^j.,0sCl5 + lV-^aq. K,KuCl5; (NH,).,RuC]5. K,BiCl5 + 2aq; Na., BiClj + 3aq; (NH4)., BiCI.,. c) CsaTlCle-f laq; RbsTlClo f laq; NagTlClc 4- 12aq; Li.TlCIß + Saq; K3TICI6 4-2aq. (NHj.,TICl6+2aq; (NH,)3TlClc; TI3.TICI0. K^InClß -l'/aaq. Tl^CrClo. TijFeCl«; Rb3FeCl6 + laq. K.IrCl, r3aq; Naj Ir Clg + 12aq; (NHjjIrClo 4- l'Aaq; AgjIrClo. (NH.IsRhClß + 3aq; (NH4)3RhCl6 + l'/^aq; NaaRbCl« ^ 9aq. KaOsCIf, -\- 6aq. CsjBiCIe; (NHJaBiClc; RbjBiClg: (ChinolinHjaBiCle. 2. rhlorosalze, die .sich von polymeren. dreiwertigen Chloriden ableiten. K;Au.,C1j); Rb(Sb.,Cl7) + laq. CsalTI^Cl»); KsTl^Cla + l'/saq; RbaSK^CIg; Cs3Bi.,Cl9; ((C2H5),N)3Bi.,Cl,; (As(C.,H5)4)3Bi.,Clo. CsjAsjCig; Rb3As., CI9. Rb.,3Sb,oCl53; Rb.,3Bi,oCl,3. 3. Chlorosalze, die sich von vierwertigen Chloriden ableiten. a) II Pt Cl, : Paranitranilin II . Vi Cl, ; Kl't ^, '"; Rb Pt _ •' ; Cs Pt ^ '' . ) „1 .. pj, p^. p^. b^ (NHJ.,PbCl6; K^PbCie; Cs^PbClß. ((CH3)2NH2).iSnCl6; ((CH3)3NH),SnCle; (DimethylanilinH).,SnCl^; (AnilinH).,SnC]6; ILSnCI,, ^ 6aq. (NHj.SnCl«; K.SnCl^ + laq; K.,SnC],.,; Na., SiiCIc 4- Oaq. ir^PtCIe + 6aq; K.,PtCl6; Na.^PtClo + *>aq; Li.,PtCl« r 6aq ; Hb., Pt Cl,, : C?., Pt CI„. Ueber Chlorosalze. 265 (NIT/;,PtCl,, KoPdClei (NH,).,PdCl6. KJrClg; (NHJalrCle; Na., IrClo + 6aq. K,OsClc; (NH,,,OsCl,;; Na,OsCl,;; Ag,OsClc. K,RuCl„; (NHJ,RuCl«. K,TeCI,,; Eb,TeClo: Cs,TeCl,;. Ueberblicken wir die grosse Zahl der hier angeführten Cldoro- salze (soweit Kalium-, l{ul)idiuni-, Cäsium-, Ammonium-, Xatrium- und Lithiumsalze in Betraelit kommen, ist die Zusammenstellung möglichst vollständig), die durch eine eingehende Berücksichtigung der entsprechenden Salze organischer Basen noch vervielfältigt werden könnte, so ergeben sich verschiedene Gesichtspunkte. Zunächst zeigt es sich, dass die als Chlorosäurenanh3'dride wirkenden Chloride sich in ihrem Verhalten vollständig den An- hydriden der Sauerstoftsäuren anschliessen. Einige derselben treten stets oder bevorzugt als einfache Moleküle (monomolckular) in lieaktion, so z. B. Kupferchlorid, Manganchlorid, IMatinchlorür, Iridiumtetrachlorid u. s. w. ; andere zeigen die Tendenz als polymere Säureanhydride zu wirken, etwa vergleichbar mit dem Chromtrioxyd, dem Wolframtrioxyd u. s. w,, so z, B. das Bleichlorid, das Gold- chloi'id. das Antimonchlorid: l)eim Quecksilberchloi'id findet sich diese Tendenz in Analogie mit dem Molybdäntrioxyd und dem Wolframtrioxyd sehr stark ausgeprägt, und das Molybdänclilorür giebt überhaupt keine Chlorosalze, die sich vom monomolekularen ableiten lassen. Auch bei dreiwertigen Elementen tritt die Tendenz der Chloride, in ])olymerem Zustand in Reaktion zu treten, zum Teil zu Tage. AN'ährend dieselbe beim Thallium noch wenig ausgeprägt ist, zeichnen sich Antimon, Arsen und Wismuth dadurch aus. Bei den Chloriden vierwertiger Elemente sind bis jetzt keine Thatsachen bekannt, welche sicher darauf schliessen lassen, dass auch sie in polymerem Zustand als Säureaidiydride wirken können. Ein zweiter Gesichtspunkt, der sich aus der gegebenen Zu- sammenstellung in überzeugender Weise ergiebt, ist der folgende: Wie bekannt, leiten sich von demselben Sauerstoffsäureanhydrid oft verschiedene Hydrate, Säuren ab. An Phosphorsäureanhydrid können sich je nach den Bedingungen ein, zwei oder auch drei Moleküle Wasser anlagern, unter Bildung ganz bestimmter Säuren. 2GG AlJr.Ml WcriKT. Dieses Verlialten tiiulon wir hei den ChloroverbiiuUingen all- gemein in ausgeprägtem Masse wieder. Es kann z. B. Clilorcad- mium entweder 1, 2 oder 4 Moleküle eines Alkalichlorids anlagern; /inkchlorid 1, 2 oder 3, Platinchlorid 1 oder 2, und alle anderen als Chlorosäurenanhydride wirkenden Chloride verhalten sich analog. Es ents])rechon also verschiedene Chlorosäuren demselben Anhydrid, genau wie hei den Sauerstoffsäuren. Es fällt aber sofort auf, dass bei sämtlichen Chloriden die Grenze der Säure- respektive Salz- bildung dann erreicht wird, wenn die Zahl der Chloratome im Säureradikal gleich sechs geworden ist. Dies geht aus der Zu- sammensetzung der von den zweiwertigen Elementen: Cadmium und Blei, von den dreiwertigen Elementen: Thallium, Chrom, Eisen, Iridium, Osmium, lihodium und von allen vierwertigen Elementen sich ableitenden Chlorosalze klar hervor. Die Zahl sechs erscheint somit als ein Grenzwert, dessen Bedeutung nach nieinen fVüheren p]ntwickelnngen darin zu suchen ist, dass nicht mehr Chloratome in den Sphären, welche die in Betracht kommenden Atome umgeben, Platz haben. Wenden wir uns nun zur Betrachtung des Wassergehaltes der Chlorosalze. A^orausgeschickt werde, dass ein vergleichendes Studium die Thatsache sicher gestellt hat. dass in den Salzen von Kalium. Rubidium, Cäsium und Ammonium nur ausnahmsweise, wenn überhaupt, Hydratwasser durch die ]\Ietallradikale direkt gebunden wird, während sich Natrium und Lithium in dieser Hinsicht abweichend verhalten. Die sich hieraus ergebende natur- gemässe Folgerung ist die. dass in wasserhaltigen Salzen von Kalium, Rubidium. Cäsium und Ammonium die Wassermoleküle ausschliesslich durch den als Säurerest wirkenden Atomkomplex gebunden werden müssen. Erinnert man sich nun der früher von mir entwickelten Beziehungen zwischen sogenannten Doppelsalzen (hier .speciell Chlorosalzen) und Hydraten, so wäre zu erwarten, dass die Summe der in solchen Chlorosalzen enthaltenen Wasser- moleküle und Chloratome die Zahl sechs nicht überschreiten sollte. Es ist nicht daran zu zweifeln, dass diese Sechszahl in vielen Verbindungen in den Vordergrund tritt, wie folgende Beispiele zeigen : Ueber Chlorosalze. 267 ^''=(^'",h':'o.,)^ H'^'M- K^'S)^ ""^'^S:,)^ ^-^'h'o)^ Andererseits kann aber auch die Thatsache nicht angezweifelt werden, dass eine ganze K'eihe gut untersuchter Chlorosalze dieser Forderung nicht entspricht, was aus folgenden Beispielen hervorgeht : CL\ . . -..., . /OsCl, CV.(Cr^y + 3aq; (NHJ,(^j^^^q^) + >Aaq. Cs3(TlC]e) + laq; (Rb)3 (Tl Cy + laq; K3(T1CU -f- 2aq; (xXHJaCn Clß) -;-2aq; K3(InCl6) + lV''aq; (NH4)3lrC]c + 1' saq; (NIIA(RhC]e + l'/aaq; K3(IrCl,)+3aq; (NH4)3(IrClJ +3aq. Es "wirft sich deshalb die Frage auf, durch was diese Ab- weichungen bedingt werden. Obwohl es mir verfrüht erscheint, diese Frage endgültig beantworten zu wollen, so lassen mir doch bestimmte Beispiele folgende Erklärung wahrscheinlich erscheinen. H. L. Wells und B. B. Boltwood') haben zwei Verbindungen von Chromchlorid mit Cäsiumchlorid beschrieben, wovon die eine 2CsCl, CrClg + laq sich in einfacher Weise in die normale Reihe der Chlorosalze einreiht, wie folgende Schreibweise zeigt: (Cr - I Cs... Die zweite Verbindung jedoch, die aus rein wässriger Lösung erhalten wird, entspricht der Formel ( '''■,,, '|Cs, p3aq. Zur näheren Charakteristik der beiden Chlorosalze mögen noch fi^lgende Angaben dienen. Das erste Salz (Ci'p," )c^> ist violett und wird durch Sättigen der warmen Lösung von Chromchlorid und Cäsiumchlorid mit Salzsäuregas gewonnen. Es löst sich in Wasser langsam, unter Bildung einer grünen Lösung, welche beim Verdunsten über Schwefelsäure nur das zweite, grün gefärbte Salz ausscheidet. Durch Erhitzen auf KiO" verliert das violette Salz das Wassermohkül nicht. Das zv»'eite, grüne Salz (Cr ," |Cp, -oaq entsteht auch durch Sättigen der kalten Lösung von Chrouulilorid und Ciisiuniclilorid mit Salzsäure; beim Erwäi'iucn auf lin^' verliert ') Zeitschrift f. anorg. Chemie X. 181. 268 Alfred Werner. es drei Moleküle Wasser und geht in das violette Salz über. In den kalten grünen Lösungen der beiden Cäsiumsalze, die identisch sind, wird nicht alles Chlor durch Silbernitrat gefällt. Aus diesen Thatsachen lässt sich, auf Grund früherer von Miolati und mir ausgeführter Untersuchungen, folgendes ableiten: Der Farbenwechsel beim Auflösen des violetten Salzes beweist eine Hydratation des Chromchlorids, welches in dem ursprünglichen Salze die dem freien Chromchlorid zukommende Farbe zeigt; somit Cl, als CrCl, vorhanden ist, entsprechend der Formel ( Cr OH, K;s.. \ Cl, I Das Entw^eichen dreier Wassermoleküle aus dem grünen Chlorosalz bei 110°, während das vierte Wassermolekül selbst bei 160 "nicht ausgetrieben wird, deutet darauf liin. dass dem letzteren eine specielle Funktion zukommt. In der grünen Auflösung wird nicht alles Chlor durch Silbernitrat gefällt, wodurch bewiesen wird, dass in derselben noch Chloratome in direkter Bindung mit dem Chrom stehen. Alle diese Verhältnisse finden eine einfache Erklärung, wenn wir das grüne Chlorosalz als Derivat eines hydratisierten Chrom- chlorids auffassen. Denken wir uns das normale Hydrat (Cr(Ho 0)^)C1.5 und die Hydrate (cr^^J^^^^-^) Cl.„ (cr^"^,^^*) Cl und (cr^^^J,,^^') . so können wir in denselben einen Teil des Wassers durch Alkalichloridmoleküle vertreten, entsprechend den Beziehungen zwischen Hydraten und Chlorosalzen , wodurch sich folgende Verbindungsreihen ableiten lassen (M bedeute irgend ein dreiwertiges Metall): C..(m<';"-»')R; C,.(m(0^''')iI,; a,(M%^;'«)R3. a(M'Oj;='<)R; a(M'0^f'')H,: CL(m<0^')')k,. C>(m'-;>; C,(m'-;>.: C,(m(0^>,. Das grüne (,'äsiumsalz entspricht somit dem zweiten Glied der ersten Reihe; es kommt ihm, im festen Zustand, die Formel Ueber Chlorosalze. 269 ClJCr^ -•^M C?. zu. Es ist klar, dass es in wässriger Lösung sofort" gespalten wird in (Cr^ p, "Mci und 2 Moleküle Chlorcäsiuni ; da sich ahev in dem entstehenden Chronichlorid (Cr - ^ jCl nur ein Chlor in der zweiten Sphäre befindet, so wird nur dieses von den dreien durch Silbernitrat ausgefällt, in Uebereinstimmung mit den Thatsachen. Der Typenformel 3 der ersten Reihe entsprechen die Salze (IrClc)K, -^3aq, (XHJ, Rh Cl^ -^ ■ 3aq und (IrClJ(NH,), -1- 3aq; der Typenformel 3 der zweiten Reihe die Salze (NH_j)3 TlCl^ -^aq und K3TlCl6+2aq und der Typenformel 3 der dritten Reihe die Verbindungen Cs3(TlClJ--laq: Rb,TlCl, +laq und RbgFeCl« - • la(|. Die bis jetzt beschriebenen und oben erwähnten Salze mit 1 * ., und ^j-z Molekülen Wasser müssen noch eingehender unter- sucht werden. Hiermit mögen diese Betrachtungen über die Chlorosalze einen vorläufigen Abschluss finden. Ein endgültiges Urteil über die mannigfaltigen Variationen, welche die Konstitutionsformeln der Chlorosalze bieten können, wird erst auf Grund eines eingehenden, vergleichenden Studiums, welches die Bromo-, Jodo-, Fluoro- und Cyanosalze vollständig berücksichtigen muss, gewonnen werden können. Chemisches Uiiiversitälslaboratoriiuii , Zürich. Januar 1893. Ueber Verbindungen der Krotonsäure mit Isokrotonsäure und über Mischsäuren überhaupt. ^'on .Johannes Wislicenus in Leipzig. Bei der von mir vor einigen Jahren wiederholt und an grösseren Mengen dos rohen Sänregemisches ausgeführten Trennung von Tiglinsäure und Angelikasäure hatte ich') mich „des Eindruckes nicht erwehren können, dass, wie die beiden freien Säuren sich beim Zusammentreffen zu einer wirklichen und zwar flüssigen Ver- bindung vereinigen, zunächst auch das Calciumsalz-) einer solchen entsteht, welches sich nur schwer in die Einzelsalze zei'legen lässf". Ich hatte es deshalb aufgegeben, nach der von Pagenstecher ^) angegebenen Methode zu arbeiten, welche sich darauf gründet, dass das tiglinsäure Calcium in kaltem Wasser schwerer als in heissem, das angelikasaure Salz dagegen in heissem schwerer als in kaltem Wasser löslich ist. Während nämlich eine kalt gesättigte Lösung des letzteren beim Erhitzen weitaus die Hauptmenge der Substanz in kürzester Zeit ausscheidet, und eine siedend gesättigte L()sung des tiglinsauren Salzes beim Erkalten sofort sehr reichlich Krystallisationen liefert, scheinen sich die gemischten Salze in ihrem normalen Verhalten sehr beträchtlich zu beeinflussen. Es scheidet sich aus solchen Mischlösungen in der Wärme das angelikasaure Salz, beim Abkühlen das der Tiglinsäure bedeutend langsamer und in viel geringerer Menge und unreinerem Zustande ab, als man nach den Konzentrationsverhältnissen und dem Ver- halten der Lösungen der i-einen Einzelsalze zu erwarten berechtigt ') Liebigs Annalen 272,9. ^) d. h. bei der Neutralisation des aus Röuiisch-Kaniillenöl abgeschiedenen Säuregemisches mit Aetzkalk. ») Liol.igs Annalen 105,108. Verbindungen der Krotonsäure mit Tsokrotonsäure. und Mischsäuren. 271 ist. Die Mutterlaugen aber liefern bei neuem andauerndem Erhitzen — auch wenn weiterer AVasserverlust verhindert wird — abermals Abscheidungon von angelikasaurem Calcium und nach dem Ab- tiltrieren beim Erkalten solche von tiglinsaurem Salze. Es drängt sich damit fast unwiderstehlich die Auschauung auf, dass eine solche Mischsalzlösung neben den Einzelsalzen noch eine Verbindung beider enthält, die in dem Masse, wie erstere entfernt werden, zunehmende Dissociation in die Einzelsalze erleidet, und zwar jedesmal bis die relativen Mengen der drei Lösungslicstandteile einen bestimmten Gleichgewichtszustand eri'eicht haben. Zu der gleichen Annahme führten mich die Beobachtungen, welche ich seit eiuiger Zeit bei den Versuchen zur Keindarstellung der Isokrotonsäure gemacht hal)e. Wird die Isokrotonsäure nach den Angaben Geuther's durch Behandlung reiner (5-("hlorisokrotonsäure mit Wasser und Natrium- amalgam, Ansäuern der alkalischen Lösung, Ausäthern der freien kSäure und licktitikation der letzteren dargestellt, so erhält man stets beträchtliche Mengen von fester Krotonsäure. und zwar sowohl aus den direkt erstarrenden hochsiedenden, wie auch aus den zwischen 168" und 174" übergehenden tiüssigen Anteilen, wemi man die letzteren (linch 1ms und Kochsalz abkühlt. Auch l)ei der fiaktionierten Destillation im luftverdünnten Baum sind die Besultate nicht viel bessere, wenn sie nicht sehr häufig wiederholt wird: ein Beweis, dass die feste Krotonsäure nicht — wie man früher annahui — erst bei der Destillation, sondern bereits bei der Ein- wirkung von Xatriumamalgam auf die Lösung der (:?-rhloiisokioton- säure entstanden ist. A.Michael') hat daher zur Ti'eiiuung der l)eiden Krotonsäuren die ausserordentlich abweichenden Löslichkeitsverhältnisse der Natriumsalze benutzt. Nach ihm verlangt krotonsaures Natrium das o4() fache Gewicht von 98 — 99 prozentigem und das 380 fache Gewicht von 99,5 — 100 prozentigem Alkohol zur Lösung, während iso- oder „allo" -krotonsaures Natrium nur 12,7 bezw. 16 Teile Alkohol gebraucht. Er mischt daher 1 Theil roher flüssiger Lso- krotonsäure mit 15 Tt'ilen absolutem Alkohol und neutralisiert mit einer lOprozentigen absolut alkoholischen Aetznati'onlr)suug. ') Journ. f. prakt. Cheni. N. F. 4t3, 244 u. f. 272 Johannes Wislicenus. Nach niohrstüiuligem Steht'ii wird von dtiii roiclilicli ausgeschiedenen NicdtTsc-lilagv al»tiltrirrt. (U-r Alkoliol des Filtrates abdostilliiTt und (k-r getrocknete Rückstand mit 20 Teilen absolutem Alkohol kalt ausgezogen, „wobei meistens ein kleiner Kückstand bleibt". Nach abermaligem Entfernen des Alkohols wird das in Wasser gelöste 8alz angesäuert und die „ AUokrotonsäure " mit Aether ausgezogen, die dann „durch einmalige Fraktionierung im Vacuum ganz rein ist". Das beim Neutralisieren der Ilohsäure ausgefallene Natriumsalz liefert nach Michael vorwiegend feste Krotonsäure von 72" Schmelzpunkt und nach vollständigem Verdunsten der wässrigen Mutterlaugen „geringe Mengen" höher schmelzender Krystalle, welche nach öfterem Umkrystallisieren aus Ligroin den Schmelz- punkt 81" — SS** annehmen und eine Verbindung von normaler Krotonsäure mit Tetrolsäure sind. Da A. Michael weder in dem der Untersuchung dieses Salz- anteiles speciell gewidmeten Abschnitte noch auch an irgend einer anderen Stelle seiner Abhandlungen noch Aveiterer Bestandteile Erwähnung thnt. so nuiss wohl daraus geschlossen werden, dass seiner Ansicht nach die aus dem Gemische der Rohsäure mit 15 Teilen Alkohol durch Neutralisieren mit lOprozentiger absolut alkoholischer Natronlösung gefällten Salze nur feste Krotonsäure neben geringen Mengen von Tetrolsäure enthalten. Andrerseits erklärt er die aus dem in 20 Teilen absolutem Alkohol löslichen Salze abgeschiedene und ein einzigesmal im Vacuum rektifizierte flüssige Säure für „ganz" ') oder „vollständig- reine"^) oder „ganz reine einheitliche flüssige"^) AUokrotonsäure. Eine genaue Zusammenstellung ihrer Eigenschaften giebt er leider nicht, sondern führt an der betreffenden Stelle nur an. dass sie unter l.j'"'" Druck vom ersten bis zum letzten Tropfen bei 74*^, unter 20""" Di'uck bei 78, 5*^ destillierte. Aus der Gesamtheit seiner Mitteilungen geht jedoch hervor, dass diese seine vollständig reine AUokrotonsäure eine in einem Eis-Kochsalzgemisch nicht erstarrende Flü.ssigkeit ist; sagt er doch gelegentlich^), es sei sehr gut denkbar. ') Journ, f. prakt. Chem. N. F. 4f». 216. -) ebenda S. 252. •■') ebenda 52, 372. *) ebenda 46, 2U. Verbindungen der Krotonsäure mit Isokroton säure, und ^Mischsiiuren. 273 „dass selbst auf — 2U" abgekühlte Allokrotonsilure gewisse Mengen fester Säure in Lösung zu lialten vermöge'*. Kaum drei Jahre später^) führt er freilieh in seiner „Klassi- tikation der « . //-ungesättigten alloisomerisehen Verbindungen" unter den „maleinoiden (Alle-) Modifikationen" die„ flüssige Kroton- säure" ohne Quellenangabe mit dem Schmelzpunkte 34'' auf. Sorg- fältige Durchsicht der gesamten Litteratur ergiebt. dass diese über- raschende Angabe nur der Dissertation meines Sohnes Johannes Adolf entnommen sein kann. Dort-) ist Seite 29 mitgeteilt, dass die durch fraktionierte Destillation im luftverdünnten Räume nu»glichst gereinigte Isokrotonsäure bei — 33*^ noch nicht, wohl aber gegen — 34" erstarrt. Das Minuszeichen mag nun in der Michaerschen Abhandlung durch einen Druckfehler weggefallen sein. Wie aber diese Temperatur von Michael als Schmelzpunkt aufgefasst werden konnte, ist absolut unerfindlich, da es S. 28 der Dissertation ausdrücklich heisst: „Die Erstarrungstemperatur der Isokrotonsäure liegt sehr tief und, wie die folgenden A^ersuche zeigen, tief unter ihrer Schmelztemperatur. Letztere ist dann auf S. 30 für den Hauptanteil zu —14" bis — 12° angegeben. In der Dissertation meines Sohnes ist der Nachweis zu führen gesucht worden, dass die damals reinste Isokrotonsäure noch immer eine Verbindung von fester Krotonsäure mit der bis dahin unbe- kaimten wahren Isokrotonsäure, und zwar wahrscheinlich von gleich vielen Molekülen beider, sei. Dieses Ergebnis, zusammen mit der Ei-wägung. dass diese flüssige Verbindung möglicherweise das vollkommene Analogen des ebenfalls flüssigen Vereinigungs- produktes der Tiglinsäure (Schmp. 64,5°) und Angelikasäure (Schmp. 4.')°) sein dürfte, haben mich zu neuen Versuchen, die wahre Iso- krotonsäure zu isolieren, veranlasst. Dieselben sind erfolgreich gewesen, wie ich auf der vorjährigen Naturforscherversammlung zu Lübeck mitgeteilt habe.^) ') Journ. f. prakt. Chem. 52, 349. ■-') Zur Kenntniss der geometrisch isomeren Krotonsäuren und einiger Derivate. Inauguraldissertation 18it2. *) Verhandlungen der Versammlung deutscher Naturforscher u. Aerzte zu Lübeck 1805. Bd. 2, 7s u. 79. Viovtcljahrsschritt d. Naturf. Ges. Zürk-li. .leilii';. X1,I. Jubclliaiul II. 18 274 Johannes Wislicenus. I. Das Verfahren zur Trennunnj der Bestandteile der rohen Isokrotonsjiiire. Wie A. Michael sättige ich zunächst die Lösung von 1 Teil der rollen flüssigen Isokrotonsäure — z. B. des von ('. A. V. Kahlbaum bezogenen Präparates, mit welchem auch Michael gearbeitet hat — in 15 Teilen Alkohol') mit einer 10 bis 15prozentigen alkoholischen Aetznatronlösung. Nachdem der dadurch entstandene, auch unter dem Mikroskope ganz undeutlich krystallinische Niederschlag, den ich als „Fällung A" bezeichnen will, auf dem Filter abgesogen und scharf abgepresst worden ist. werden die vereinigten Filtrate aus dem Dampfbade bis auf die Hälfte ihres Volums abdestilliert. Der in der Wärme fast vollkommen klare flüssige Destillations- rückstand scheidet beim Erkalten reichliche Mengen weicher rundlicher Körnchen ab, die ebenfalls auf dem Saugfilter gesammelt, mit \io vol Alkohol gewaschen und scharf abgepresst werden („Fällung B**). Mutterlauge. Wasch- und Pressflüssigkeit werden jetzt mit der Hälfte ihres Volums an reinem Aether vermischt. Die sofort entstehende starke Trübung sammelt sich bei ruhigem Stehen als äusserst fein verteilter Bodensatz, der — weil er beim Absaugen die Filterporen leicht verstopft — zunächst ohne Druck tiltriert und schliesslich vor der Saugpumpe mit einer geringen Menge Aether-Alkohol (1:2) gewaschen wird („Fällung C"). Die Filtrate hinterlassen dann beim Verdunsten auf dem Wasserbade grosse Mengen der leichtest löslichen Salze („Salz D"). welche zwar grösstenteils, aber noch lange nicht ausschliesslich aus iso- krotonsaurem Natrium bestehen. In der folgenden Tabelle habe ich die Ergebnisse von 6 quan- titativen Bestimmungen dieser vier Anteile aus Kahl bäum scher Isokrotonsäure zusammengestellt. Die Versuche 1 bis 5 sind mit einer lOprozentigen Natronlösung, Versuch 6 mit einer solchen von 15" 0 Gehalt ausgeführt. Bei Versuch 3 wurde Niederschlag C direkt auf dem Saugfilter zu sammeln gesucht, was sehr lange dauerte und unter beträchtlichem Aetherverluste geschah. Auf Inne- halten möglich.st gleicher Temperaturen ist dabei nicht geachtet wor- den, so dass dieselben zwischen 15*' und 22** geschwankt haben. Die ') Im folgenden ist unter der einfachen Bezeichnung Alkohol stets solcher von 90 '/i"/" Gehalt verstanden. Verbindungen der Krotonsäure mit Isokrotonsäure, und Mischsäuren. 275 Mengenangaben verstehen sich in I'rozenten der aus der ange- wandten Holisäurenienge berechneten theoretischen Ausbeute an Natriunisalzen. Alle Anteile Avurden vor dem Wägen bei lUO "^ bis zu konstantem Gewichte getrocknet. Tal )elle I. Versuch Nr. Fällung A Fällung B Fällung C Salze D Summe l 48.1 o/o 15,9 »/o 8,20/0 28,30,0 100,5 0/0 2 47,5 «/o 15,40/0 8,70/0 27,40/0 99,0 0/« 3 48,9 7o 15,30/0 4,8 0/0 32,1 o/ü 101,10/0 4 47,9 7o 10,7 o/„ 7,1 7o 33,6 0/0 90,40/0 5 48,5 7o 7,6 0/0 9,50/0 34,30/0 99,9 0/0 6 56,90/0 7.5 o/„ 8,6 0/0 27,60/0 100,60/0 IT. rntersuchiing der einzelnen Salzansscbeidungen. 1. Die leichtest l()slichen Salze 1). Isolierung der i-einen Isokrotonsäure. Die von Alkohol vollkommen befreiten leichtest löslichen Salze werden vom 1 ^2 fachen Gewichte Wasser mit Leichtigkeit gelöst. Salzsäure oder massig verdünnte Schwefelsäure machen daraus eine ölförmige Säure frei, deren Menge durch Ausschütteln mit Aether oder besser mit Petrolpentan noch etwas vermehrt wird. Sämtliche Auszüge werden vereinigt, durch wasserfreies Glauber- salz getrocknet, das Lösungsmittel zunächst grösstenteils aus dem Wasserbade abdestilliert und der Hest im trocknen Luftstrome abgedunstet. Es hinterbleibt eine ölf()rmige Säure, die bei Ö ^ grosse Mengen von Nadeln und langen Prismen abscheidet. Das von diesen ab- gesogene Oel giebt im Eis-Kochsalzgemische neue Krystallisationen derselben Art, welche in gleicher Weise von dem flüssigen Ueste getrennt werden. Die vereinigten Ausscheidungen schmelzen an- fangs schon unterhalb 10 ";. bei wiederholtem partiellen Ausfrieren und Absaugen steigt der Schmelzpunkt schnell auf 14" und darüber. Vollkommene Reinigung er/ielt man schliesslich durch Umkrystalli- sieren. Zu diesem Zwecke mischt man die geschmolzene Säure •J7<) Johannes Wislicenua. mit wenig l'etfolpentaii und kühlt stuik ul). Wendet man von letzterem den dritten Teil des Säuregevviclites an. so scheidet sich bei U" noch gar nichts, bei —1')" bis — 18° dagegen eine grosse Menge wieder in Nadeln und i'rismen aus. Besser versetzt man die geschmolzene Säure mit nur ' lo oder '/is ihres Gewichtes Petrolpontan, lässt zunächst bei 0° und die dann abgesogene Mutterlauge bei —15"* bis — 18" krystallisieren. Die abgesogenen Mutterlaugen verdunstet man im trocknen Luftstrome, kühlt sie abermals durch Eis-Kochsalz und trennt die krystallisierten Anteile von den bleibenden Oelen. Durch Wiederholung des Verfahrens erhöht sich der Schmelzpunkt der jedesmal im trocknen Luftstrome von anhaftendem Lösungsmittel befreiten Isokrotonsäure auf 15,4'' bis 15.5 ** und bleibt dann konstant. Die so gewonnene reine Isokrotonsäure unterscheidet sich in festem Zustande auf den ersten Blick von der bei 72" schmelzenden und in grossen Blättern krystallisierenden Krotonsäure duix-h ihre spiessig prismatischen Formen und den angegebenen Schmelzpunkt 15,4" bis 15.5". Oberhalb dieser Temperatur bildet sie eine farblose Flüssigkeit, welche sich mit dem 2.5 fachen Gewichte Wasser klar mischt und unter gewöhnlichem Luftdruck bei 169" bis 169,3 " überdestilliert. Bei 15,5 " hat sie das specifische Gewicht 1,0312 gegen Wasser von 4". Die Elementaranalyse lieferte sehr genau die der Formel C4H6Ü^, entsprechenden Werte. Ihr Natriumsalz krystallisiert aus warm gesättigter alko- holischer Lösung, und ebenso beim Versetzen der kalten Lösung mit absolutem Aether, in langen haardünnen Nadeln, welche eine anscheinend schleimige verfilzte Masse bilden. Nach dem Abpressen und scharfem Trocknen ergab sich die Löslichkeit in absolutem, über Natrium getrocknetem und unter Ausschluss der Luftfeuchtig- keit destilliertem Alkohol von 99,8 "/o zu 1 Teil in 13,44 Teilen bei 12,7" C, wogegen A. Michael sein angeblich reines isokrotonsaures Natrium bei 15" in erst 16 Teilen Alkohol von 99 bis 100 "/o löslich fand. Das aus reiner, bei 72" schmelzender Krotonsäure dargestellte, in flimmernden Blättchen lösliche Natriumsalz gebraucht bei 12.7" 400 Teile Alkohol von 99,8"/o gegen 380 T. bei 15" nach A. Michael. Ich habe eine Reihe anderer Salze beider Krotonsäuren dar- gestellt und analysiert und für die der reinen Isokrotonsäure ganz Verbinilungen der Kiotonsäure mit Tsokrotonsäure, und Mischsäuren. 277 andere Eigenschaften als sie bisher — allei-diiigs für ein ganz unreines Pi-odiikt angegeben worden sind. Die einschlägigen Beobachtungen werden an anderem Orte ver()ffentlicht wei'den. Ausser isokrotonsaurein Natrium enthalten die leichtest löslichen Salze D noch diejenigen einer bei — 18 '^ nicht fest werdenden öligen Säure. Die letztere wurde sorgfältig gesammelt und für spätere Untersuchung (siehe Tabelle III) aufbewahrt. Aus 'MO g der flüssigen Säure aus den Salz<'n l) erhielt ich auf dem angegebenen Wege 268 g reine Isokrotonsäurc und 67 g ölige Säure, welche bei — 18" nichts mehr abschied. 1 Kilo roher Kahlbaum'scher Isokrotonsäurc ergab im Ganzen etwas mehr als :^00 g reine Isoki'otonsäure. Die angeblich reine Isokrotonsäurc Michaers, welche ich genau nach den Angaben desselben ebenfalls dargestellt habe, erstarrt bei — 18" nicht, scheidet indessen bei dieser Temperatur beim Impfen mit einigen Krystallen reiner Isokrotonsäure gewisse Mengen der letzteren ab. Dieselben erreichen aber noch nicht ein Drittel des Volnins der ganzen Masse. Die Michael'sche Säure ist eben ein Gemenge oder eine Lösung von Isokrotonsäurc in der flüssigen Krotonsäure-Modifikation, welche, wie weiter unten dargethan ist. den Hauptbestandteil der Säuren der Fällungen B und C bildet, ja auch in den schwerst löslichen Salzen von Fällung A noch in nicht nnbeti'ächtlicher Quantität vorhanden ist. 2. Die schwerst ]r)s]ichen Salze. Fällung A. Aus den beim Neutralisieren des Gemi.sches von 1 T. rohei" Isokrotonsäure und 15 T. Alkohol gefallenen Salzen A wird beim Ansäuern der konzentrierten wässrigen Lösung eine ölige Säure abgeschieden, die bei gewöhnlicher Temperatur gewisse Mengen von fester Krotonsäure abscheidet und auch bei ü° nur teilweise erstarrt. 110 g derselben gaben ausser etwas wässrig-ciligem von 1500—1600 : 6,5 g öliges Destillat, welches bei (>" klar l.licl). 160''-170o : 6,4 g do. do. ITQO— 175" : 29,0 g do., welches bei o" klar hlieh. bi'ini lin]ilcn mit etwas fester Krotonsäure aber geringe Mengen derselben krjstallisieren Hess, 175°— 178,5": 38,2 g Destillat, welches bei 0" zu steifem Brei erstarrt, 17S,5<»— 185» :10,2 g „ welches direkt erstarrt, und : 9,0 g beim Abkühlen fest werdenden Rückstand. 108,9 g 278 .loliannes Wislicenus. Das Salz „Fällung A" wird von siedendem 80 prozentigem Alkohol reielilicli aufgenoniinon. Die lieiss filtrierte Lösung lässt heim Al)kiihlen flimmernde Blättchen fallen, welche heim Ansäuern im Wesentlichen feste Krotonsäure liefern. Ein etwa nicht gelöster Rückstand verhält sich genau ehenso. Die alkoholischen Mutter- laugen hinterlassen beim Abdampfen ziemlich viel Salz, welches flüssige. Itei 0" wenig feste Krutonsäure abscheidende Säui-e giebt. Am bequemsten gewinnt man die Ilauptmenge des kroton- sauren Natriums durch Lösen von „Fällung A" in P/s Teilen Wasser und Zusatz von Alkohol, so lange noch ein flimmernder Niederschlag erfolgt. Bei Anwendung von 100 g des Salzes und 150 g Wasser wurde der Punkt möglichst vollständiger Abscheidung durch Hinzufügen von 2 300 g Alkohol erreicht. Der gesamte Niederschlag wog 43 g. Die Mutterlaugen hinterliessen 57 g gelöst gebliebener Salze, welche mit 95 prozentigem Alkohol ausgekocht wurden, bis, die erkaltende Lösung nichts mehr abschied. Das Auski-ystallisierende bestand aus weichen Körnchen. Ungelöst blieben 9,8 g, welche vorwiegend feste Krotonsäure enthielten. Die einzelnen Anteile wogen : a) feste Krotonsäure liefernde Salze 43 + 9,8 g . . = 52,8 g b) aus 95 prozentigem Alkohol krystallisiert . . . 9,1 g c) in 95 prozentigem Alkohol gelöst 38,0 g 99,9 g Die Salze b und c lieferten flüssige Säure, die bei 0" etwas feste Krotonsäure abschied, und zwar diejenige aus b mehr als die Säure aus c. Die Säure aus den Salzen a ist jedoch noch immer nicht reine Krotonsäure. Beim Verarbeiten von 1 Ko Kahlbaum'öcher Isokroton- säure waren (mit den aus den Fällungen B und C abgeschiedenen) im Ganzen 405 g solcher schwerst löslicher, grösstenteils in schim- mernden Blättchen krystallisierter Salze gesammelt worden. Aus ihnen wurden statt der berechneten 322,5 g an roher Krotonsäure 315 g gewonnen. Aus Petrolpentan umkrystalhsiert gab diese Menge Verbindungen der Krotonsäure mit Isokrotonsäure, und Mischaäuren. 279 280 g feste Krotonsäure von 72" Sclimelzp. 32,5 g eines Oeles, welches bei —15° noch etwas feste 312.5 g Säure ausschied, grösstenteils aber flüssig blieb. Von letzterem Oele wird ebenfalls weiter unten bei Tabelle III die Rede sein. Die Säuren der Salze b und c wurden später mit denen der Fällungen B und C weiter verarbeitet. 3. Die Fällungen B und C. Die nach dem Abdestillieren der Hälfte des Alkohols aus den Mutterlaugen der Fällung A krystallysierenden Salze „Fällung B" bildeten, wie schon erwähnt, weiche körnige Aggregate, die mit etwas Alkohol gewaschen, abgepresst und getrocknet worden waren. Als eine Probe ihres staubfeinen Pulvers mit dem 10 fachen Gewichte Alkohol kurze Zeit gekocht und heiss filtriert worden war, kry- stallisierte beim Erkalten nur wenig aus. Nach längerem Stehen bei 18" wurde die gewogene klare Flüssigkeit zur Trockne gebracht und das rückständige Salz ebenfalls gewogen. Es zeigte sich, dass 1 Teil Salz in 49,5 Teile Alkohol gelöst gewesen war. Fällung B wurde nun aus heissem 80 prozentigem Alkohol unikrystallisiert. Es schieden sich beim Erkalten die schimmernden Blättchen des krotonsauren Natriums ab. Weitaus die Haupt- menge blieb in Lösung. Granz ähnlich verhält sich die durch Aetherzusatz abgeschiedene „Fällung C", nur dass sie noch weniger der schimmernden Blättchen als Fällung B lieferte. Nach möglichst vollständiger Abscheidung jener in Blättchen krystallisiereudeu, vorwiegend aus krotonsaurem Natrium be- stehenden Niederschläge wurden die durch Verdampfen der Filtrate erhaltenen „Mittelsalze" aus den Fällungen A, B und C miteinander vereinigt und gemeinsam weiter untersucht. 111. Weitere Intersucbuni; der Mittolsalze. Dieselben sind entschieden nicht krotonsaures und auch nicht isokrotonsaures Natrium, da sie in Alkohol beträchtlich leichter 280 Johannes Wislicenus. als ersteres und schwerer als letzteres löslich sind und beim Zer- setzen mit Schwefelsäure flüssige Säure liefern, die bei —18^ höchstens geringe Mengen von fester Krotonsäure abscheidet. Sie besitzen aber die Zusammensetzung der krotonsauren Salze, denn I. 0,4087 g gaben beim Abrauclien mit Schwefelsäure 0,2690 g Na., SO, und II. 0,3725 g einer anderen Probe 0,2457 g NaoSO,, d. h. sehr genau der Formel C4H5Na02 entsprechenden Metall- gehalt : Berechnet: Gefunden: Na 21,30 Vo I. 21,32 % II. 21,37 «o a) Aus 85prozentigem Weingeist krystallisierender Anteil. Die ganze Masse dieser Salze wurde zunächst in der zureichenden Menge siedendem 8 5prozentigem Alkohol gelöst. Beim Erkalten krystallisierten, ohne dass vorher die Ausscheidung flimmernder Blättchen beobachtet worden wäre, weiche Körnchen, die abgesogen, scharf gepresst und getrocknet wurden. Zur Bestimmung der Löslichkeit wurden 10 g als feinstes Pulver mit 50 g Alkohol von 99,8 " o 6000 Mal stark durchge- schüttelt und filtrierte, genau gewogene Proben der Lösung ver- lustlos zur Trockne gebracht. Es gaben 8,8938 g der bei 12,7" filtrierten Flüssigkeit 0,0605 g Salz und 8,5714 g Lösung 0,0579 g Salz, d. h. es waren je 1 Teil von 146,00, beziehungsweise 147,04 g Alkohol aufgenommen. Der jetzt ungelöst gebliebene Anteil wurde auf dem Saugfilter gesammelt, getrocknet, abermals fein pulverisiert und (9 g) wiederum mit 50 T. Alkohol von 99,8 «'o 6000 Mal durchgeschüttelt. Jetzt hinterliessen von der bei 12*^ filtrierten Lösung 10,7651 g : 0,0378 g und 9,6588 g : 0,0339 g trockenes Salz. (1. h. 1 Teil des letzteren auf 283,8 Teile und 283,9 Teile Alkohol. Die Löslichkeit hatte daher nach einmaligem Ausziehen stark ab- genommen. Das Salz gab nun beim Ansäuern seiner Lösung in 3 Teilen Wasser mit wässeriger Schwefelsäure (1 : Ij, Ausschütteln mit Petrolpentan u. s. w. eine anfangs flüssige Säure, die schon bei gewöhnlicher Temperatur ziemlich reichlich feste Krotonsäure ausschied, aber selbst bei — 18" nicht vollständig erstarrte. Verbindungen der Krotonsäure mit Tsokrotonsäure, und Mischsäuren. 281 b) Die Mutterlaugen in 85prozentige ni Weingeist wurden durch Abdestillieren, Verdampfen und schliessliclies Er- wärmen im Luftbade zur Trockne gebracht, staubfein pulverisiert und so oft mit käutlichem absolutem Alkohol ausgekocht, als beim Erkalten des J'iltrates noch etwas auskrystallisierte. Ein grosser Teil bleibt ungelöst und liefert bei der Zersetzung flüssige Säure, welche selbst bei — 18" nur sehr wenig Krotonsäure nach dem Impfen abscheidet. Das aus absolutem Alkohol reichlich in weichen Körn- chen abgesetzte Salz gab nach dem Trocknen in 0,2512 g : 0.1637 g NagSO, =- 21,11 « o Na „ 0,3224 g : 0.2 114 g Na, SO, - 21,24 % Na gegen 21.30 theoretischen Wertes. Die Säure ist flüssig und scheidet bei — 18" nichts Festes ab. In der absolut alkoholischen Lösung waren noch leichter lösliche Salze, wenn auch nicht in sehr grosser Menge, vorhanden, und zwar ergab sich je 1 Teil der- selben auf 26,91 Teile Alkohol. Dieselben enthalten zweifellos viel isokrotonsaures Nat fluni. Mit diesem aus Alkohol krystallisierten Salze wurden nun eine Reihe auf einander folgender Löslichkeitsbestimmungen aus- geführt. Zu diesem Zwecke wurde das staubfeine Pulver (anfangs 10,8 g) mit je 50 g absolutem Alkohol 4000 Mal kräftig durch- geschüttelt, womit die Lösung, wie besondere Versuche ergeben hatten und einige Kontrollbestimmungen bestätigten, gesättigt ist. Bei notierter Temperatur wurden dann Flüssigkeitsproben alifiltriert, genau gewogen und nach verlustlosem Abdampfen und Trixkucii das Gewicht des gelösten Salzes ermittelt. In der Ixegel wurden zwei Bestimnmngen ausgeführt, der ungelöst gebliebene Anteil dann auf dem Saugfilter gesammelt, im Vacuum getrocknet, wieder pulverisiert und die gewogene Menge (a g) abermals mit 50 g Alkohol 4000 Mal durchgeschüttelt, genau wie vorher die Löslich- keitsbestimmung ausgeführt, das nicht Gelöste wieder abgesogen, getrocknet, irnlveiisiert und von Neuem mit Alkohol ausgezogen. So wurden mit den stets sieh vermindeiMiden h'ückständen neun auf einander folgende Ermittelungen der Lösliehkeit veranstaltet. OSO Johannes Wislicenus. Die Erii;ebnissc' enthält Ta helle 11. \llS- schiittfliini; Nr. a fr Sali mit ä(l g nbsul.Alkuhol Zahl der Schüttflstösse Tciiiiifratur beim Filtrieren Gewicht der Lösung des trockenen Sslzrs 1 Teil Salz ^eläst in Alkohol 1 10,8 g 2000 4000 17,5° 9,5062 g 10,2329 „ 0,1485 g 0,1674 „ 63.0 Teile 60.1 „ 2 P.3 „ 4000 6000 16.0 0 16,5« 11,2972 „ 10,2134 , 0,1502 „ 0,1430 .. 71,3 „ 70,1 „ 3 8,5 , 4000 180 6,3187 „ 11,5908 , 0,0815 , 0,1495 „ 76,5 , 76,5 , 4 7,45, 4000 6000 17,7" 6,9820 , 11,0515 „ 0,0833 „ 0,1315 , 82,8 , 83,0 „ 5 6,7 , 4000 17,50 13,6470 „ 0,1500 , 90,0 „ 6 5,9 , 4000 6000 18,5 0 18,70 8,2821 „ 7,5702 „ 0,0861 „ 0,0790 , 95,2 „ 94,8 „ 7 4,7 , 4000 6000 18,0 0 9,8655 , 9,5721 , 0,0808 , 0,0782 „ 121,1 , 121,4 „ 8 3,7 „ 4000 18,2" 9,2312 , 0,0705 „ 130.0 „ 9 2,9 „ 4000 18,5 0 10,8182 „ 14,9675 „ 0,0671 , 0,0930 „ 160,2 , 159,9 , Audi das aus heissem absolutem Alkohol abgeschiedene, durch- aus einheitlich aussehende, allerdings nicht deutlich krystallisierende Salz ist daher ein Gemenge verschieden leicht löslicher Bestand- teile. Ans demselben durch wiederholtes Umkrystallisieren eine reine N'cibiiidiing zu isolieren, ist mir nicht gelungen, hat auch gar keine Aussicht auf Erfolg, da sich die Verbindungen in Lösung augenscheinlich schon bei längerem Stehen der letzteren und sehr schnell beim Erwärmen zersetzen. Es zeigte sich dies in ver- schiedener Weise. Als die von dem ungelöst gebliebenen Anteile nach Entnahme der zu vorstehenden Bestimnumü:en beimtzten Proben abtiltrierten Verbindungen der Krotonsänre mit Isokrotonsiiure, und Mischsäuren. 283 Lüsungsreste der Ausschüttelungen Nr. 1 uiul (i in je 2 Glasröhren eingesc'hniolzoii und das eine Rohr jeder Probe ruhig stehen gelassen wurde, hatten sich die nach 4 bis 5 Stunden nocii klaren Flüssigkeiten am anderen Morgen getrübt und Hessen lum im Ver- laufe einiger Tage einen weissen Bodensatz fallen. Dieselbe Ver- änderung unter Abscheidung eines schwerer löslichen Salzes zeigten die zweiten Jiohre jeder Probe schon nach 1- bis 2stündigem Er- hitzen im Dampfliade. Hier bestanden die Bodensätze deutlich aus den schimmernden Blättchen des krotonsauien Natriums. Es geht daraus hervor, dass sich letzteres, wenn auch vielleicht schon Spuren in der Lösung vorhanden waren, noch in grösseren Mengen gebildet haben müsse. Anderseits Hess sich auch der Nachweis führen, dass sich die Lösung der Mittelsalze mit der Zeit unter Bildung leichter löslicher Produkte verändert. Als nämlich das aus absol. Alkohol krystallisierte Salz mehrmals mit dem Lösungsmittel ausgezogen worden war, gab die 5. Ausschüttelung 1 Teil Salz in 89,9 Teilen Alkohol, nach zweitägigem Stehen über demselben gelöst jedoch 1 Teil Salz auf 74,5 Teile Alkohol. Bei der 6. Ausschüttelung wurden erhalten : nach 6000 Schüttelstössen am 1. Tage 1 T. Salz in 98 T. Alkohol, dasselbe bei zweitägigem Stehen 1 „ „ „ 87,8 „ „ „ bei vier „ „ 1 „ „ „ 77.2 „ Dass nach längerem Stehen dei* Lösung das Natriumsalz der festen Krotonsänre vorhanden ist, zeigte sich, als zwei Lösungen von je 1 Teil des gleichen Mittelsalzes in 2 Teilen Wasser mit 20 Teilen Alkohol versetzt worden war, die anfangs klare Lösung am anderen Morgen einen schwachen Bodensatz schimmernder Blättchen ausgeschieden hatte. Die von diesem al)filtrierte Flüssig- keit blieb nach nochmaligem Zusatz von 20 Teilen Alkohol zunächst wieder klar, hatte aber am nächsten Tage abernuils schimmernde Blätteilen von ki'otonsaurem Natrium fallen lassen. Eine danel)en hergestellte Lösung von 1 Teil reinem kioton- saui-em Natrium in 2 Teilen Wasser blieb nach Zusatz von 2 Teilen Alkohol in unbegrenzter Dauer klar, wurde aber durch weitere 2 Teile Alkohol sofort in den cluuakteristischen Formen gefällt. 2S4 Johannes Wislicenus. haiiipft inaii die L()smig dvr Mittelsal/.t- auf (k-iu W'asserbade ein. so lässt sich in dein Trockenrückstande die Anwesenheit von krotonsaureni Natrium sehr leicht erkennen. Besonders reichlich ist da.s.selbe vorhanden, wenn man die wässrige Lösung zunächst ohne Verdunstung längere Zeit auf dem Wasserbade erhitzt und erst nachher zur Trockne verdampft. Wird der Rückstand nun in der gerade ausreichenden Menge Alkohols von 80 Prozent aufgelöst, so krystallisieren beim Erkalten reichliche Mengen der Blättchen von krotonsaurem Natrium. Die in die Lösung übergegangenen Anteile geben dann nach dem Austrocknen an absoluten Alkohol besonders leicht lösliche Salze ab. In den filtrierten Auszügen wurden z. B. auf 1 Teil Salz 21.6 Teile oder 26,15 Teile, 28,81 Teile u. s. w. Alkohol gefunden. IV. Die öligen Säuren. Die in gewöhnlicher V\^eise aus den Mittelsalzen frei gemachte, durch Petrolpentan ausgeschüttelte, mit wasserfreiem Xatriumsulfat entwässerte Säure ist ölförmig und liefert meist beim Abkühlen und beim Impfen mit den reinen Krystallen weder Krotonsäure noch Isokrotonsäure. Sie zersetzt sich jedoch beim Erhitzen noch leichter als die Lösung des Natriumsalzes, so dass man nun wieder sowohl Krotonsäure als auch Isokrotonsäure aus ihr auf dem beschriebenen Wege neben einer verminderten Menge von öliger Mischsäure gewinnt. Am schnellsten findet diese Umwandlung beim Destillieren — auch schon im luft verdünnten Raum — statt. Ist sie unter gewöhnlichem Druck rektifiziert worden, so zeigt sie beim Neutralisieren wieder alle Eigenschaften, und auch annähernd die- selbe Zusammensetzung der rohen Kahlbaum 'sehen Säure, d. h. sie liefert wieder nahezu je 30*^/0 Kroton- und Isokrotonsäure. Ganz ähnlich verhalten sich die durch Ausfrieren bei — 15" bis -- IS** von Krotonsäure, resp. Isokrotonsäure möglichst l)efreiten öligen Säuren der Fällung A (s. S. 279) und der leichtest löslichen Salze D, mir unterscheiden sich diese in ihrer Zusammensetzung, wie die Ergebnisse der Tabelle III (Versuch 4 und 5) ausweisen, ziemlich beträchtlich untereinander und jedenfalls auch von derjenigen der Mittelsalze. Die gleichen öligen Säuren lassen sich aber auch direkt aus Krotonsäure und Isoki'otonsäure darstellen, wenn man die letzteren Verbindungen iler Krotonsäure mit Isokrotonsäure, und Milchsäuren. 285 in iciiioin Zustande unterhall) 15" mit einander mengt. Wie Tiglin- säuro und Angelikasäure beim ZusamuKMirt'ibeii die flüssige Ver- bindung liefern, «o thun dies auch Krotonsäure und Isokrotonsäure miteinander. Durch Mischung in verschiedenen Verhältnissen stellte sich heraus, dass nur bei Anwendung von 1 Mol. Krotonsäure und 2 Mol. Isokrotonsäure ein Gel entsteht, welches bei 0" keinen der Komponenten auskrystallisieren lässt. obwohl das Gel noch gewisse Mengen beider in unvribuiKleiicni Zustiindr enthält. Etwas feste Ki'otonsäure scheidet sich z. B. manchmal (nicht immei') beim Impfen der auf l)is — 18° erkälteten Säure aus, wogegen die in der ttiissigen "N'erbindnng jedenfalls leichter lösliche Isokrotonsäure nur aus den in Alkohol leichtest l()slichen, den Salzen D entsprechenden, Natrium- .salzen gewonnen werden kann. Um ein ungefähres Bild von den Zusammensetzungsverhält- nissen der öligen Säuren zu erhalten, habe ich eine Keihe quanti- tativer Sättigungsversuche mit ihnen, sowie mit dvn reinen Säuren ausgeführt. Es wurden diesmal je ein Teil der Säure nicht in 15, sondern in (iü Teilen Alkohol gelost und mit lOprozentiger Natronlösung neutralisiert. Die ausgefallenen Niederschläge A wurden gesammelt, vor der Saugpumpe mit noch je '^ Teilen Alkohol gewaschen, ab- gepresst, getrocknet und gewogen. Filtrat und Waschalkohol wurden darauf in tarierten Gefässen verlustlos zur Trockne gebracht und der Rückstand kalt mit 15 Teilen a1)soluteni Alkohol ausgezogen. Das darin LTnl()sliche (H) wurde ebenso wie die in Lösung gegangene Menge (C) für sich zur Wägung gebracht. In der letzten Kohnnne der Tabelle III ist noch angegeben, in wie viel Teilen Alkohol (das löfache des Gewichtes von B ■ C) 1 Teil des Salzes C gelöst war. Die Fällung A bestand mir bei reiner Krotonsäure aus schini- nicrnden Blättchen, sonst aus undeutlich krystallinischen weichen Kruncrn. aus denen meist (lin(li ümkrystallisieren aus SOjirozcn- tigem Weingeist etwas krotonsaurcs Salz erhalten werden konnte. Die Mengenangaben in folgender Tabelle bedeuten, wie bei Tabelle I, Prozente der aus der angewamlten Säuremenge borech- Jieten theoretischen Summen der Salze. 28G Johannes Wislicenua. Tabelle III. Venich Kr. Art iler Silure lit-im Xeutralisierfn der LiisuDgintiOT.AlLohol „ , , ^ I 1 T. C ?elöst gelöst, aber in 15 (B. u. C) T • ,.'1 ° ' iD Teilen Alkohol gefällt 1 «glötlich B löilich C Alkohol Keine Krotonsäure 83,0" 0 11,470 I 2,67o 400 Reine Isokrotonsäure 07u Oo/o 100,270 Rohe Isokrotonsäure von Kahlbaum, in Tabelle I 30,970 Oelige Säure aus Fällung A nach Ausfrieren der Krotonsäure 39,670 4l,97o 53,370 Oelige Säure aus leichtest lösl. Salzen D nach Ausfrieren der Isokrotonsäure 0«'o 66,6"/o 15 24,770 I 18 6,770 2L6 33,370 ; 17,1 I 1 T. Krotonsäure + 1 T. Iso- /. ! krotonsäure. getrennt neu- tralisiert, gemischt, nach 200 Schüttelstössen 40,97o 17,37« 42,170 I 16,2 1 T. Krotonsäure + 1 T. Lso- krotonsäure, zusammen- geschmolzen 44,670 22,17o 32,67o 16.6 Voriges Gemisch, nach 1 Monat Stehens 49,470 21,570 28,97o 17,3 g 1 T. Krotonsäure - 2 T. Iso- ^^ 90 „ krotonsäure, frisch gemengt '"^ ' 10 Voriges Gemisch, nach 1 Monat, noch flüssig. 23,370 24,77u 48,17o 16,1 23,67o 52,90/0 15,9 Verbindungen der Krotonsäure mit Isokrotonsäure, und Mischsäuren. 287 Nach Versuch 1 und 2 sind die Ix-idcii icinon Säuren n und 10 mehr als GOJ" o von in l»! bis 17 Teilen Alkohol löslichen Salzen gefunden werden müssen. Die letzten 5 Versuche zeigen aber auch, dass beim Vermischen der reinen Säuren diese Verbindungen zwar schnell, aber doch nicht auf einmal vollständig entstehen, denn die Ausbeuten an den einzelnen Produkten ändern sich mit der Zeit. Diese Aenderungen verlaufen bei den Mischungen von gleichen Molekülen und von 1 Mol. Krotonsäure auf 2 Moleküle Isokroton- säure im entgegengesetzten Sinne. Bei Versuch 6. 7 und 8 nimmt nämlich mit der Zeit die Menge der direkt gefällten Salze A und der dabei in Lösung bleibenden, nach dem Verdampfen derselben aber in 15 Teilen Alkohol nicht löslichen Salze wesentlich zu. während bei dem Verhältnis 1 Krotonsäure zu 2 Isokrotonsäureu mit der Zeit eine Abnahme dieser schwerer löslichen und Zunahme der leichter löslichen Salze eintritt. Es müssen daher aus Krotonsäure und Isokrotonsäure nicht mir eine einzige, sondern mehiere Verbindungen entstehen, von denen die an erstei'er Säure reicheren in Alkohol schwerer lösliche Xatriumsalze liefern, als diejenigen, in welchen die Isokrotonsäure ülierwiegt. Zu der gleichen Ueberzeugung führen die an den ..Fällungen B und C" und den „Mittelsalzeu" gemachten Beobacht- ungen, unter diesen namentlich auch der Gang der Löslichkeits- abnahme der aus heissem absolutem Alkohol krvstallisierten , Mittel- salze" (Tabelle II). V. Theoretisches. Die erste Beobachtung über W'iliindungcn mehrerer einbasischer Säuren mit einander, welche ich im Folgenden mit dem Namen Mischsäuren belegen will (im Anschluss an die Ausdrücke ..ge- mischte Aether% „gemischte Säureanhydride" u. s. w.). rührt von Nöllner her und betrifft die i^utter-Essigsäuie ')• Heizcliiis erklärte 'j Liebig's Annuk-n •M,2'3d im Jahre 1841. 288 Johannes Wislicenus. dieselbe in seiiiciii .laliresbciMthtc ') aut'Gniml von Versuchen, welche er an dem ihm von Nöllner mitgeteilten Präparate angestellt hatte, für ein Gemenge von Buttersäure und Essigsäure. Nickles sah sie im Jahre lb!47"-t. da er aus ihr Salze von einer gerade zwischen der der Butyrate und Acetate liegenden Zusammensetzung dargestellt hatte, wiedeium für eine einheitliche aber spaltbare Verbindung an, welche Dumas. Malaguti und Leblanc mit der „Metacetonsäure" identifizieren zu dürfen glaubten. Strecker wiesdagegen im Jahre 1854 *) die Nichtidentität der Salze der reinen, aus Cyanäthyl gewonnenen Metacetonsäure oder Propionsäure mit den Salzen der Nöllner'schen Säure nach und erklärte die letztere wieder für eine Doppelverbintiung von Essigsäure und Butteri^äure. die bei der Destillation, wie Nickles gefunden hatte, zwar grossenteils bei der Siedetemperatur der Propionsäure destilliert, dabei aber doch immer in gewissem Betrage in ihre Komponenten zerfällt. Aehnliche Mischsäuren haben später zahlreiche Chemiker unter Händen gehabt, indessen in der Regel nur für Gemenge — was sie teilweise wohl auch sind — gehalten. Hierher gehören z. B. ohne Zweifel die nach bestimmten Molekularverhältnissen dar- gestellten Gemische hochmolekularer Fettsäuren, deren Schmelz- punkte oft tief unter denen ihrer reinen Bestandteile liegen, die flüssigen Mischungsprodukte von Tiglinsäure und Angelikasäure u. a. m. Erst in neurer Zeit hat A. Michael in der krystallinischen, hei 8;^** schmelzenden Verbindung von fester Krotonsäure mit Tetrolsäure wieder die Existenz einer solchen „Mischsäure" mit Sicherheit dargethan. Die Bildung dieser Mischsäuren ist ohne Zweifel auf die gleiche Ursache zurückzuführen wie die Existenz saurer Doppelsalze einbasischer und sog. übersaurer Salze mehrbasischer, namentlich organischer Säureji. d. h. auf die Existenz polymerer Säure- mol ekule überhaupt, deren Zustandekommen in ähnlicher Weise wie das der polymeren Aldehydmolekule zu denken, d. h. auf den Uebergang der n-mal zweiwertigen Kohlenstoff-Sauerstoft'bindung in n-einfachen (^arbonylgruppen in eine 2-n-mal einwertige in n-fachen Polymeren zurückzuführen ist. •) 22 229-234. -) Liebig's Annalen 61,343. 3) ebenda 02,115. Verbindungen der Krotonsäure mit Isokrotonsäuve, und Mischsäui'en. 289 So leitet wohl die Mehrzahl der heutigen Chemiker das saure essigsaure Kalium von einem Doppelessigsäuremolekul ab, für dessen Existenz ja auch noch andere Gründe, wie z. B. die Dampfdichte- verhältnisse, sprechen : CH3.C(0H)C^^^C(0H).CH3 giebt so CH3 .C(OK) C^ q ^ C(0H).CH3 Spätere Beobachtungen haben gezeigt, dass auch noch höher saure Acetate und Formiate als wohl charakterisierte Verbindungen mit gleicher Leichtigkeit dargestellt werden können, die dann von verdreifachten, in Analogie zu den Paraldehyden tretenden Säure- moleknlen abgeleitet werden müssen: CH3 CH — 0 — CH.CH3 CH3.C(OH)-0-C(OH).CH3 II II 0-CH — 0 Ü-C(OH) — 0 I I C/H3 ^-^113 Para-Aetliylaldehyd. Triplierte Essigsäure. CH^.CfOK) - 0 - C(0H).CH3 I ' I U-C(OH) — 0 I CH3 Monokalium-Triacetat'). Auch Doppelsalze, welche sich von verdoppelten und verdrei- fachten und noch höher polymerisierten Säuremolekulen ableiten, sind in grösserer Anzahl dargestellt worden, und zwar überwiegen hier augenscheinlich die den dreifachen Molekülen entsprechenden alle übrigen. Zu ihnen sind z. B. Salze wie das Rammelsberg'sche Kaliumkui)feracetat CuK^ (Cg H^Oalu -h 12 ILO und sein Natrium- bleiacotat FbNa (C.HaO.,)^ i- 1\2 HoO -), sowie die Mehrzahl der Formiate mit zwei Metallen^) zu rechnen und auch einige saure Salze, wie die Mixter'schen'*) Barinmsalze der Propionsäure BaH(C3H5 02)3 -r ;iHoO u. der Isobuttersäure, sowie die Villier'schen Acetate des Strontiums SrH (CoH3().,)3 : • 2 H.,0 und des Kupfers CuH (CaHgO,)^ -j-HoO'^) gehören möglicherweise in diese Gruppe. ') Lescoeurs, Bulletin de la Soc. cbim. 22,156. -) Jahresber. 1855, 503. ') Siehe die Zusammenstellungen in Beilstein's Handbuch. *) American Chemical Journ. 8,345. *) Bulletin de la Soc. chim. 30,171. Vierteljalnsschrin d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubclband II. 19 2i)() Johannes Wislicenus. Freilich kr»iiiitt'ii iiuuiclie clerselben, so gerade die letzteren, auch von einer nur verdoppelten Essigsäure abgeleitet werden, also ebensowohl 0 - Sr - 0 I I CH3.C - 0 - (J.CII3 CH3.C::^^^C(OH).CH3 I I als auch | ^ sein. 0_C(OH)-0 O.Sr.0.aH3 0 I Salze wie dasPlöchrscheBleiacotat-Formiat PbofC^HaOola-CHO.» können entweder von einer triplierten Essigsäure und einfacher Ameisensäure, oder von einer Doppel-Essigsäure mit 1 Mol. ein- facher Essigsäure und 1 Mol. einfacher Ameisensäure, oder endlich von einer Ameisen-Essigsäure und Doppel-Essigsäure CH3.C — O.Pb.O — C.CH3 0 0 0 0 \ \ /' CHs.C — O.Pb.O — CH also einem wirklichen Mischsäure-Molekule, abstammen. Den polymeren Säuremolekulen werden die Moleküle der Misch- säuren vollkommen entsprechen und sich ebenso leicht wie jene bilden können, wenn nicht die mit den Carboxylgruppen vereinigten Reste infolge besonderer Affinitätsverhältnisse die eine oder die andere Art besonders begünstigen. Finden solche Einflüsse nicht statt, so sollten aus gleich vielen Molekülen zweier einbasischer Säuren die drei Doppelmolekule in gleichen Mengen entstehen, z. B. : 3 C, H, 0, + 3 C4 Hg 0, = CH3 . C (OH) C q "^ <^ (OH) . CH3 + C3H,.C(0H) C Q ^ C(0H).C3H, + CH3 .C(OH) ^ ^ ^ 0(011). C3H, während bei der Bildung verdreifachter Moleküle in einem Gemisch von gleichen Mengen zweier Säuren vier verschiedene Arten, nämlich die beiden einfachen Säuren, z. B. (C, 1130)3 (0H)3 u. (C^H^Ola (OHJs u. zwei Mischsäur. [(C,H30)2.C,H,0](ÖH3)3 u. [C.3H30.(C,H,0)o](0H)3 ebenfalls in gleichen Mengen vorhanden sein werden, wenn das Verhältnis nicht etwa durch partielle Ausscheidung eines Teiles derselben in einem flüssig bleibenden Anteile geändert wird. Ganz analog wie zwei Säuren von verschiedener Zusammen- setzung werden sich auch isomere Säuren verhalten, wie es z. B. von den optisch entgegengesetzten Isomeren längst bekannt ist. Verbindungen der Krotonsäure mit Isokrotonsäure, und ^rischsiinren, 291 Dass auch die liiei- zunächst in Frage stehenden ungesättigsten raumisomeren Säuren polymere Moleküle bilden, geht aus der Existenz saurer Alkalisalze hervor. Ein saures krotonsaures Kalium von der Fonnt-l KH (0411502)2 hat bereits Pinner ^) dargestellt. Beim Erhitzen von reinem isd- krotonsaurem Kalium mit dem 4fachen seines Gewichtes an reiner Isukrotonsäure auf dem Wasserbade, bis alles tlüssig geworden ist, entsteht ein ebenso zusammengesetztes saures isokrotonsaures Kalium, das sich beim Abkühlen auf Zimmertemperatur nur zum geringsten Teile, beim Verdünnen mit Petrolpentan aber vollständig als krystallinische Masse ausscheidet. Es lässt sich leicht auf dem Filter mittels Petrolpentan vollkommen auswaschen und liefert dann, im Vacuum getrocknet, aus 0,1595 g beim Abraucheii mit Schwefelsäure 0,0657 gKoSO^, was einer Menge von 18,45%, gegen den theoretischen Wert von 18,57% Kalium, entspricht. Wenn die isomeren Krotonsäuren ihre Moleküle nur verdoppelten, so würde nur eine einzige Mischsäure, resp. nur ein einziges Natrium- salz einer solchen neben den Einzelsäuren resp. Salzen existieren. I II III H.C.CH3 CH3.CH il ^C.CH 1 H.C.CH3 HC.CH3 II -^0^ II H.C.C ^^":c-cH 1 ^ 1 CH3.CH 11 .H.C.CC 0^ -0^ H.C.CH. II :c-cH 1 ONa 1 ONa 1 1 ONa ONa ONa 1 ONa Krotonsaures Na Misehsalz Isokrotonsaures Na Aus dem gesamten Verhalten der als „Mittelsalze" bezeich- neten Natriumsalze geht nun aber mit Wahrscheinlichkeit hervor, dass die Zahl dieser Mischsäuresalze eine grössere ist. Zwei von ihnen würden vorhanden sein, wenn triplierte, drei, wenn neben letzteren auch noeii verdoppelte iMolekule vorbanden wären. Von diesen Salzen wäre sodann das aus 2 Mol. Krotonsäure uiul 1 Mol. Isokrotonsäure gebildete (VI) das schwerer lösliche, dem kroton- säuren Natrium (IV) nächststehende, das aus 1 Krotonsäure und 2 Isokrotonsäure entstandene dagegen (VII) das leichter lösliche, dem isokrotonsauren Salze (V) am näehsten kommende: ') Ber. d. d. ehem. Ges. 17,2008. 292 Johannes Wislicenus. IV H.C.CHg CHa .CH CH3 .CH H.C.CHj 11 II II 1! H.C.C(ONa)-0-C(ONa) 1 1 .CH H .CC(ONa)-0 — C(ONa).CH 1 { 1 1 0-C(ONa)-0 0-C(ONa)-0 i-c H H H Krotonsaures Natrium. Isokrotonsaures Natrium. VI VII H.C.CII3 CH3. CH CH3 CH H.C.CH II II II !l H.C.C(ONa)-0-C(C 1 1 )Na). CH H CC(ONa) - 0 - C(ONa).CH 1 1 0 -C(ONa) — 0 0-C(ONa)-0 1 1 ^ tJHj 1 ^ H H Mischsalze. Ein Salz von der Formel II Avürde möglicherweise in seinen Eigenschaften zwischen VI und VII stehen, wenn es nicht viel- leicht wegen seines kleineren Molekulargewichtes noch leichter löslich wäre als VII. Die Aussicht, diese Fragen zu entscheiden und ins Einzelne völlig klar zu legen, ist jetzt sicher noch nicht vorhanden. Zunächst ist die Reindarstellung der Einzelbestandteile des Säure- oder Salzgemenges eines Kroton.säure-Isokrotonsäuregemisches nach den jetzt zu Gebote stehenden Methoden nicht wohl denkbar, da mit jeder Aenderung des quantitativen Mengenverhältnisses sofort eine Neuordnung der einfachen Komponenten der grösseren Moleküle stattfinden wird, sobald die Möglichkeit irgend welcher Dissociationen der letzteren gegeben ist. Das ist aber, wie die Versuche gezeigt haben, schon in den alkoholischen Lösungen der Salze bei gewöhnlicher Temperatur der Fall, mehr noch in warmen Lösungen — am meisten bei der Ueberführung der Säuren in den Dampfzustand. Bei jedem Versuch, die Mischsalze umznkrystal- lisieren oder die Mi.schsäuren durch fraktionierte Destillation von einander zu trennen, linden solche Umsetzungen statt, so dass die Herstellung reiner Verbindungen unmöglich erscheint, wenn Verbindungen der Krotonsilure mit Isokrotonsäure, und Mischsiluren. 293 nicht eine derselben sich durch besonderes Krystallisationsvermögen von den anderen auszeichnet. Ein Mischsalz, oder ein Gemenge mehi-erer solcher von den Einzelsalzen zu befreien, gelingt sicher nur mit Bezug auf das leichtest lösliche der letzteren. So wird das Salz, welches zu der Serie der Löslichkeitsbestimmungen in Tabelle II gedient hat, so gut wie frei von isokrotonsaurem Natrium gewesen sein, da in der Mutter- lauge auf je 1 Teil gelöst gebliebenen Salzes 26,9 Teile Alkohol vorhanden waren und isokrotonsaures Natrium schon von weniger als der Hälfte dieser Menge aufgenommen wird. Auch krotonsaures Salz, das aus der siedend gesättigten absolut alkoholischen Lösung sich beim Erkalten nicht in merkbaren Mengen abschied, wird nicht viel beigemengt gewesen sein. Ganz frei davon ist es sicherlich nicht gewesen, da in der w^armen Lösung des Misch- salzes sich ja, wie besondere Versuche gezeigt haben, stets kroton- saures Natrium bildet und absetzt. Auch bei den oben mitgeteilten Löslichkeitsbestimmungen selbst haben gewiss schon dt laitige Umsetzungen in geringen Beträgen stattgefunden. Jedoch darf angenommen werden, dass das leichtest lösliche der Misclisalze etwas weniger als 00 Teile (Tabelle II, Versuch 1). das schwerer lösliche etwas mehr als 100 Teile abso- luten Alkohols erfordert. Auch durch Ermittelung der physikalischen Eigenschaften der Lösungen der betreffenden Verbindungen Avird vorläufig ebenso- wenig etwas Bestimmtes zu erreichen sein, als diiich die der l)am])fdichten der freien Säuregemische, da eben in beiden Fällen Dissociatiouen stattfinden, und überdies in den Lösungen zu den Mok'kulardissociationen auch noch die .lonenbildung der elektro- lytischen Dissociatiouen hinzutritt. Trotzdem glaube ich, dass die Existenz von Mischsäuremolekulen auch raumisomerer Modifi- kationen und ihrer Salze unbezweifelbar feststeht. Ich werde diese Verhältnisse in Zukunft selbst im Auge behalten und hoffe, dass durch Vorstehendes sich auch das Interesse der forschenden Kollegen gelegentlich auf die einschlägigen Fragen lenken möge. Coup d'oeil sur les mers mesozoiques du Portugal. Par Paul Clioflat ä Lisljonne. (Hierzu Tafel 2. Gräce aux explorations du fond des mers actuelles, la paleo- geographie ne merite plus le bläme d'etre fondee sur des specula- tions theoriques, mais il y a encore bien des points obscurs qui n'ont pas trouve leur aualogie dans les mers actuelles. 11 ressort de plus en plus qu'en basant exclusivemeut les consi- derations stratigraplnques sur les donnees paleontologiques, on s'ex- pose autant ä l'erreur qu'en les basant exclusivemeut sur les donnees petrographiques. 11 est bien acquis que ces deux categories de caracteres doivent se completer mutuellement, mais les divergences entre les auteurs qui ont essaye la coordination des observations stratigraplnques, nous montrent que nous sommes encore bien loin de savoir les interpreter, et qu'il sera pendant longtemps encore necessaire d'examiner dans ce but des contrees restreintes, avant de pouvoir enoncer des generalites n'etant pas trop fantaisistes. Les geologues ont souvent une tcndance ä trop generaliser et, malgre les avertissements de Fuchs ') et de lienevier -), on oublie la bigarrure que presente une carte lithologique du fond des mers ') Welche Abla^^erunf^en haben wir als Tiefseebildungen zu betrachten? (Neues Jahrbuch für Mineralogie, etc. 11. Beilage-Band, 1883). -) Les facies gdologiques. (Archives des sciences phj'siques et naturelles, 1884). Coup d'oeil sur les mers uiesozoiques du Portugal. 295 actii^lles ä proximite des cötes. Nous voyons par exemple ad- niettre que l'argile indiqiie forceineut un grand eloignenient du rivage. oii au nioins de grandes profondeurs ! Mr. Henevier a propose la division des depots marins en trois zones : formations littorales, batliyales (ou sublittorales) et abyssales. La limite de la premiere serait ä 50 m. et celle de la deuxieme de 800 ä 500 m., tandis que Mr. Walther ') qui admet aussi trois zones. etend les formations littorales (Flachsee) jusqu'ä 400 ni. et la Zone intermediaire jusqu'a 000 ni. On est donc fort loin de s'en- tendre, et les expressions vagues de „plus profond" et de „moins profund'' ne sont pas encore pretes a disparaitre. On peut assurement condamner Topposition du terme Uttoral ä eeux de hatJn/al et ahyssal, car il est bien connu que des pro- fondeurs considerables se trouvent souvent au bord du rivage. Je ne crois pourtant pas que cet eniploi donne Heu ä confusion, peut-etre nioins quo l'eniploi des nombreux termes nouveaux, crees pour le l)esoiii du nioment. Les langues principales sont en general assez riches pour se passer de ces innovations, qui ne servent guere qua leur auteur et rendent souvent fort obscurs des sujets qui pourraient etre exposes avec clarte. Les terrains mesozoiques du Portugal ne contiennent que les formations littorales et bathyales, mais ils sont tout particuliere- ment favorables a l'etude des differences de facies dans ces for- mations, autant sous le rapport des accidents geographiqiies que sous celui des differences de latitude, car ils forment une serie d'affleurements bordant la Mezeta iberique vers l'Ouest, depuis Aveiro jusqu'au cap St- Vincent, et se dirigeant ensuite vers l'Est, depuis ce dernier point jusqu'au Guadiana. ('es gisements appartiennent en partie a la zone temperee du Xoitl et en pai'tie ä la zone (äquatoriale, mais la limite entre les deiix zones varie avec chaque äge. Les quelques lignes qui suivent n'ont pas la protention de traiter a fond la question de leurs facies, ce n'est qu'un expose des principaux traits. Xe pouvant pas entrer ici dans le detail des divisions strati- graphiques, les limites de Celles quo j'indique ne doivont pas etre ') Kinleitunif in die (ieologio als historische Wissenschaft. (Jena, 1893 — 94). 296 Paul Choffat. prises dans le sens rigoureux de la stratigraphie du centre de l'Europe. Dans ces considerations, je suis oblige de reunir les assises qui jouent le meine röle au point de vue des facies. Par exemple, rinfralias et le Lias moyen comprennent tous deux une partie du Sineniurien. Un coup d'oeil sur une carte geologique du Portugal nous montre un grand affleurement de terrains mesozoiques, s'etendant d'Aveiro au Tage (voyez la petite carte), soit sur 250 km. du Nord au Sud, puis apres un recouvrement par les terrains tertiaires, nous trouvons la chaine de l'Arrabida, formant un affleurement assez etroit, dirige de l'Ouest ä l'Est, sur une longueur de 30 km. Entre ce point et le cap St- Vincent, l'erosion n'a laisse subsister que des lambeaux ä S.-Tliiago-de-Cacem et ä Carrapateira, tandis que le Bas-Algarve presente un affleurement continu, dirige de rOuGst ä l'Est, formant la bordure meridionale de la Mezeta sur une largeur maxima de 20 km. A rOuest de Peniche sc trouve le groupe des iles Berlengas, recifs granitiques qui appartenaient evidemment ä une terre beau- coup plus etendue, ayant peut-etre joue un röle aux epoques meso- zoiques, et sur laquelle il convient d'appeler l'attention. Plusieurs changements de facies ont Heu ä partir du parallele des Ber- lengas, mais cette designation ne doit pas etre prise dans un sens trop rigoureux, car il s'agit de la hauteur approximative de ces iles. Les terrains mesozoiques et neozoiques du Portugal ont une epaisseur considerable ; ils contiennent une grande abondance et une grande variete de roches detritiques. Commes ces roches ont ete formees en general aux depens des memes roches fondamen- tales, on doit s'attendre ä voir les memes types se reproduire ä des äges fort differents. II est en effet fort difficile, sinon impos- sible, de distinguer certains depots de charriage du Trias de ceux de differentes assises du Malm, du Cretacique ou memo du Miocene et du Pliocenc, et pourtant chaque etage a ses roches detritiques typiques qui predominent, les roches communes a plusieurs ctages formant une exccption. Ces terrains detritiques contiennent naturellement de nombreux restes de vegetaux, en general entraines ä la moi\ paraissant plus rarement avoir ete fossilises sans transport considerable. Les cita- Coup d'oeil sur les mers mesozoiques du Portugal. 29 tions que l'oii trouvera dans le corps de cette notice se rapportent aux descriptions de Oswald Heer') et de G. de Saporta^). Dapres ce deriiier savant, ces tioros formeiit iitie cluiine iion interrompue depuis le Jurassique superieur juscju'au ( "eiioinaiiien ; il eut ete plus exact de dire jusqu'au Turonien. Depuis lors, j'ai decouvert des flores encore plus recentcs dans une formation saumätre, analogue au Garumnien saumätre du Midi de la PVance, et pouvant correspondre au Senonien et au Danien. La mort est venue iuterrompre Tetude qu'en faisnit Mr. de Saporta, mais eile sera continuee par mou savant coUegue, Mr. VV. de Lima. Litterature reeente sur les terrains mesozoiques du Portugal : Choffat. Le Lias et le Dogger au Nord du Tage, 4°, 1880. Description de la faune jurassiqiie du Portugal, 4*^ : Ceplialo- podes, par P. Choffat, 1" serie, 1893. — Mollusquef; lamellihrancheSy parP. Choffat: Siphonida, 1'" livraison, 1893; Asiphonida, V et 2""* livraisons. 1885 — 1888. Ecliinodermes, par P.deLoriol, 1890—1891. Clioffat. RerJiercJies sur les terrains secondaires au Sud du Sado. 8«, 1887. Choffat. Recueil de monographies strattgrapJiiqnes sur le sgsthne cretacique du Portugal, 4°, 1885. R&iueil d'etudes paleontologiques sur la faune cretacique du Por- tugal. 4°: Choffat. Especes nouvelles ou peu connues. 1886. P. de Loriol. Descriptio)i des Eddnides. 1887 — 1888. Choffat. Note sur le Cretacique des environs de Turres-Vedras^ de Peniche et de Cercal. 8^ 1891. TRIAS ET INFKALIAS. TpwIas. — Eu discordance sur les terrains paleozoiques se trouvo Uli iiiassif detritique de 4 ä 500 m. d'epaisseur, forme par des gres en general ä gros Clements, contenant quelques lits argileux et des amas irreguliers de gros cailloux roules, attcignant paifois 30 ä 40 cm. de diametre. Les lits argileux se trouvaiit vers la base du fomplexe ont fourni des empreiutes de vegetaux. ap])arteuant malhoureuscnuMit ') Contributions ä la flore fossile du Portiigdl. Lisboiine, 18S1. -) Sajiorta et Choffat. Flore fossile da I'ortiujal. Xoncdlcs contribiition'i la (lore mcsozolque. Lisbonne, 1894. 2US I'ii'il Choffat. h des especes speciales au pays, mais louis caracteres generiques paraissiMit iii(li(|iu'r l'absence du Trias inferieur. Lm'kai.ias. — Vers le tiers superieur du complexe, les gres devicuiieiit plus fins et alternent avec des lits de calcaire dolo- niitique et de iiianies, conteiiaiit des mollusques saumätres, de petite taille, speciaux au pays, mais ayant plutöt un caractere liasique que triasique, et contenaut eu outre des vegetaux cor- respondant au Khetieu et ä l'Infralias. Ici deja on ressent les differences de facies ; ceux-ci peuvent se grouper cn trois regions, dont deux se trouvent au Nord du Tage. 1" La bände Orientale, eu eontact avec les terrains paleozoi- ques, qui presente des gres bien lites et relativement peu d'argiles; eile contieut snr certains points des depöts stratifies de nianganese, mais fort peu de gypse. 2" Les affleuremcnts pointant au milieu des Sediments plus recents, par consequent plus eloignes du rivage, ne contiennent pas ou presque pas de gres bien stratifies, mais par contre des marnes avec plaquettes calcaires, fossiliferes, et de grands gise- ments de gypse. 3*^ En Algarve, on ti'ouve une assise ä plaquettes fossiliferes, surmontee dun massif de marnes bigarees, gypsiferes, analogues au Keuper de l'Europe centrale, mais qni par leur position et leur faune doivent etre dun äge plus recent. LIAS ET DOGGER. LiAs. — La complication de facies augmente pendant l'epoque liasique, quoiqu'elle soit moins accentuee que pendant les epoques suivantes. Kemai'quons dabord que les materiaiix de charriage fönt presque completement defaut et que les matieres flottees ne se trouvent meme que dans les deux affleurements septcntrionaux au Nord du Tage et dans l'Arrabida et seulement dans le Lias nioyen et le Lias superieur. A S.-Thiago et en Algarve, ils sont remplaces par des dolomies, sauf toutefois a l'extremite occidentale de 1 'Algarve, oii Ton observe quelques intercalations de marnes et de calcaires non dolomitiques. La faune presente naturellement des variations en connection avec les modifications petrograpbiques. Coup d'oeil sur les niers mesozoiques du Portugal. 299 Au Xord du Tage, les affleurements liasiques ne descendent pas au Sud du parallele des Berlengas. Des calcaires dolomitiques d'une grande puissance, et de contex- ture variee, represeutent le Lias inferieur, sauf peut-etre la base, pi'obablement comprise dans les strates arenacees et argileuses desigiiees comuie lufralias, et l'assise la plus superieure (zoue ä Ammonites rar kostat as). La fauue de ees doloniies ne compioiul que quelques Oastro- 2)odes et quelques Bivalves parmi lesquelles les plus importantes sollt incontestablenient les Cardlnia. Les giseiuents les plus rapproches de rOceaii ne presentent pas ces doloniies, mais des calcaires compactes, avec une faune subcorallienne ä Gastro2)odes et LameUibranclies, et quelques Äiii- moitites paraissant indiquer le Sinemurien moyen. Au Nord du Tage, le Lias moyen est analogue ä eelui de l'Europe centrale, mais le Lias superieur eii differe dejä conside- rablement par l'absence des schistes argileux, par une plus grande abondance de calcaire. et par la presence de quelques formes ä caractere meridional. Xous remarquerons au coin S-E de l'affleurement, dans les environs de Thoniar, un facies curieux auqiiel j'ai donne la designa- tion de facies espagnol {Lias et Dogger, p. 27j, quoiqu'il ne se trouve que dans une partie de l'Espagne meridionale et dans les environs de Toulon. II est caracterise par certaines formes speciales de Brachio- podes, par l'abondance de Pecfen acuticostatas et de Pholadomijes de grande taille, et par la rarete des Cephaloimdes. Dans l'Arrabida, le Lias offre un caractere mixte qui, par labsence des Cephalopodes, l'abondance des BrafJdopodes et la pre- sence des Goniomeris (Choffat, 1893, SipJwnida, p. 87) se rattache ii cehii de Thomar, quoique Ton n'y trouve ni les grands Lamelli- hranrhes, ni les especes de Brachkqjodes speciales au facies espagnol. Dans ces deux contrees, les calcaires reniplacent presque com- pletenu'ut les argiles. A S.-Tliiago-de-Caceni. uous trouvons un type tout special; la totalite du Lias est formee par des doloniies tendres que Ton pourrait presque appeler subcrayeuses. Leur faune ne se rattache 300 Paul Chofiat. a Celle de Tlimnar (]iu' {»ar la larete des CepkalojwJefi ; la presenee des genres Megalodon et PacUymytdus lui donnent im caractere meridional. Ell Algarve, le Lias est en totalite forme par des dolomies cristalliiies, sauf ä l'extreinite occidontale, oü des strates fossili- feres, calcaires et argileuses, alternent avec les dolomies cristallines. Les Brachiopodes du Lias moyoii y unt un caractere alpin que l'on retrouve dans le Sud de TAndalousie 'j et en Sicile, tandis que le Lias superieur se rattaclie ä celui du Nord du Tage. Les dolomies cristallines sont a peu pres sans fossiles, sauf quelques rares empreintes, parnii lesquelles uous distinguerons le gerne Neriuea, qui se trouve aussi dans le Lias de 8. Thiago et du Nord du Tage. Ces dolomies comprennent probablement aussi une bonne partie du Dogger. Nous voyons donc qu'une ligne passant au Nord de Thoniar et au Sud des Berlengas separe au Nord-Ouest les depots ammoni- tiques ä predominance de materiaux flottes. Au S-E de cette ligne, nous avons une zone mediane ä predominance de calcaire, ayant pourtant encore un peu d'argile (Thomar, Arrabida, cap St-Vincent), et encore plus au S-E une zone de dolomies sans argiles (S.-Tliiago, Algarve sauf le cap St-Vincent). La faune de Thomar parait indiquer une region moins pro- fonde et plus littorale que celle oü se deposaient les argiles a Cephalopodes. En admettant que les dolomies de l'Algarve soient aussi dans le meme cas, la ligne sus-mentionnee formerait donc la limite septentrionalo de la zone de moindre profondeur. Nous remarquerons un fait assez curieux, paraissant indiquer un continent granitique occidental, mais l'influence de ce continent se ferait sentir vers la limite entre le facies bathyal et le facies moins profond ! II consiste en ce que le Lias superieur du gisement le plus rapproche des Berlengas (Peniche) est forme par un calcaire sub- corallien, contenant de petits grains de quartz roules et de granite. tandis que les depöts de meme äge, situes un peu plus ä lEst, ') Chotfat. Sur l'i'tge du rocher de Gibraltar. Bull. Soe. geol. France, t. 20. 1892, p. IX. — Calderon. Actas Soc. espan. de l'Hist. nat. t. 21, p. 69. Coup d'ceil sur les mers mesozoiques du Portugal. 301 iie contiennent que des calcaires argileux, sans trace de materiaux de charriage, ce qui est du reste le cas pour les autres affleure- iiients liasiques. Les formes speciales au facies espagnol se trouvaut ä Thomar, prouveut une connnunication entre ce point et les gisenients ana- logues du Sud de l'Espagne, d'oü l'on peut conclure que l'erosion a fait dispai'aitre de la contree intermediaire, beaucoup plus de terrains liasiques que l'on n'a admis jusqu'ä ce jour. Au Nord de Thomar, cette extensioii du Lias vers l'Est ressort l>ourtant de lunifonnite de ses caracteres pctrograpliiques; les afÜeurements les plus orientaux, ceux nieme qui sont enclaves dans le Trias et le Paleozoique, iie presentent pas de traces de mate- riaux de charriage. Dogger. — Nous distinguerons trois etages : le Bajocien (com- lirt'nant Tassise ä Ammonites Parkinsoni et polymor'pJms), le Ba- thonien et le Callovieii, mais il n'est pas toujours possible de les trouver superposes, im grand developpement du Callovien entrai- iiant la disparition du Bathonien. Pendant Tage bajocien, la quantite d'argile est beaucoup nioiiidre que pendant Tage liasique, ce n'est menie qu'au cap Mon- dego que l'on peut observer des depöts oü l'argile predomine. Les affleurements de cet etage au Nord du Tage appar- tiennent ä quatre types: a) Calcaires compacts (marlires) ä peu pres sans fossiles, for- mant les affleurements les plus orientaux, c'est-ä-dire de Coimbre ä Thomar. et le bord S-E du massif de Porto-de-Moz. h) Calcaire blanc, subcrayeux, a Animonites et LameUihrancheSf occupant la partie mediane : serra de Cantanhede, de Verride, Soure et le massif de Porto-de-Moz. c) Alternance de marnes et de calcaires fonces, a Amiiiouites de type extra-alpin : cap Mondego. d) Ces trois types, passant du calcaire pur ä Targile, se trouvent donc dans une memo contree, et se succcdent de l'Est ä l'Ouest, tandis que l'affleurement le plus me'ridional de ceux qui so trouvent au X(ud du Tage (Cesareda), presente un facies alpin (calcaire ä AmniDiiiteb- de petite taille, Bracliiojwdes aJ^jins, Posido)iomia (dpina etc.), surmonte par des calcaires ä Echinodermes. 302 l'iiiil ChoHat. e) Dans 1' A ria liitla, Ic facios est special; il est forme par iinc altcniaiice de manu's et de calcaires dolomitiques ä faune de Ldiiicilibraiiclicü. f) enfin en Algarve, le Bajocieii parait etre confoiidu daiis la doloniie cristalline, qui forme la presque totalite du Lias. Les considerations stratigraphiques que l'oii peut deduire du Bajocicn soiit douc sensihlement les memes que pour l'epoque liasique, sauf que l'erosion ue nous a pas laisse de traces se rap- portant a Peniehe, et que les calcaires ä Ammonites qui se trouvent iniuiediateuient ii l'Est (Cesareda) iudiquent une formation batliyale de type alpin. Bathonien et Callovien. — Nous avons vu qu'au Xoid du Tage, le Bajocieii devient d'autant plus argileux que l'on se rapproche de l'Ouest; il en est de meme du Dogger superieur. Du cöte oriental, des calcaires blancs, plus ou nioins oolithiques. analogucs aux cak-aires bathoniens de la Fianco et de l'Angleterre. se niaintiennent jusqu"au Malm. Dans les aftleuremcnts medians, le Bathonien a facios anglo- fran(^ais est surmonte de Callovien ä faune extra-alpine, forme de calcaires legercment argileux, tandis que les aftleurements les plus occidentaux (cap Mondego et Pedrogao) presentent des marnes puissantes, a faune callovienne. reposant directement sur le Bajo- cien superieur. L'Arrabida se rattacbe aux afflenrements orientaux du Nord du Tage; le Callovien n'y existe pas ä l'etat marneux. Les cal- caires bathoniens y passent ä des calcaires analogues contenant une faune sequanienne, mais comme la faune est du meme type, nous voyons tonte une se'rie de formes de transition cntre les especes bathoniennes et les especes a type sequanien. 11 y a lä un fait analogue a celui des coudies ä Mytilus des Alpes sui.sses, considerees pendant si longtemps comme Kinnnerid- giennes, tandis que Mr. de Loriol a demontre que la faune a plus d'analogie avec celle du Bathonien. et que Mr. Gillieron a nette- ment pose le principe d'une faune intermediaire, correspondant plus ou moins au Callovien. Dans l'Arrabida, cette faune ä facies kimmeridgien est encore un peu plus recente, eile correspond a rOxfordien. Dans l'Algarve occidontal, le Bathonien est represente par Coup d'ceil sur le« mers inesozo'iques du Portugal. 303 des calcaires blancs, tres compacts, ä Pol//plers, tandis quc du cOte oriental on voit dos calcaires gris-fonce, contenant dos uids de Brwhiopndes alpiiis. Dans los doux cas, le Callovien est argilo-calcaire, et le carac- tore mediterraneen de sa faune est faiblement accentue. MALM. Le Malm du Portugal se divise assez naturellomout eii doux grandes sections, le Malm inferieur ou Lusitanien, et le Malm superieur ou Neo-jurassique, ce dernier comprouant lo Kiinmorid- gion et les strates plus recentes. L'abondance dos materiaux detritiques, aussi biou flottes quo charries, prouve de grands changements dans les conditions geo- grapbiques, et les materiaux charries sont en general d'autaut plus abondants que les assises sont plus recentes. Les conditions de formation du Malm portugais etaient donc absolument difforentes de Celles du roste de l'Europe, puisqu'il est on majeure partie compose de Sediments terrigenes, nous montrant un retrait de la mer, tandis qu'en general ce sont les calcaires d'origine organique qui dominent, et que sur prosque tonte la terre, il y a une enorme transgression des depots du Malm par rapport a ceux du Lias (Neumayr. Die geographische Ver- breitung der Juraformation, Wien, 1885). Dans les considerations sur les variations de facies, le Lusi- tanien doit ä son tour etre subdivise en deux parties qui se sont formees dans des conditions bien difterentes. La partie inferieure, se torminant par l'assiso ä Ainnioiiites biiiKiiiinuttus, presente prin- cipalemont des calcaires, tandis que la partie supe'rieure ne pre- sente ä pou pres quo des depöts detritiques. LusiTAXiEN ixi'ßßiEuu. — Au Nord du Tage, le Lusitanien inferieur est essentiellement forme par des calcaires sub-corallions ou ä Lamellihranches, mais ses strates inferieures presentent un ccrtain melange de marnes dans les contrees oü lo Callovien est argileux ; il forme donc en quohiue sorto la continuation du Dogger. Copendant, au Nord de Taxe dos Boriongas. nous trouvons un depöt saumätro accompagne parfois de couches de chiirbon iiitor- mödiaire entre le lignito et la houillo. Lo melange de vogötaux torrestres et de coquilles marines et lymniques montre qu'il no 304 1*'^"! Chotiat. s'agit |)as (lo foiniatioiis Iiuiistros, mais qiie les vegetaux et les coquillcs Huviak's ont i'te t'utraines a la incr. (\'s (li'pöts sauiiuiti'cs icposcnt iiai' placcs sur le Bathonien et iiuliquont imc lacuiu' ; vu (lautres points, ils soiit separes du Bathouien ou tlu Callovicn par des couches franchement marines. Conime dans les äges precedents, le cap Mondego forme un centre argileux paraissant etre voisin de la cote, car on trouve des grains de quartz dans les strates encaissant le charbon. Au Sud de laxe des Berlengas, lu Lusitanien inferieur se pre- sentc sons forme de calcaires a))imo)iitiqnes, alternant avec des baucs ä Lamellihrandies et nvec des calcaires coralliens. Nous avous dejä vu que les calcaires bathoniens de l'Arra- bida passent aux calcaires du Malui ä faune isotopique. Quelques lambeaux, visibles pres de S.-Thiago-de-Cacem, prouvent que ce facies s'etendait jusque la. II est fort curieux de constater que la base de l'etage manque dans l'Algarve occidental, taudis qu'elle est representee dans l'Algarve oriental par des depots ammonitiques. 11 est probable que Ion n'a pas affaire a un emergement, mais ä des courants sous-marins ayant enipeche la Sedimentation. Ce sont de ces la- cunes, si frequentes dans les Sediments alpins, et pourtant dans ce cas la proximite du rivage est incontestable. Le Lusitanien superieur presentant aussi un caractere plus terrigeue dans l'Algarve occidental que dans l'Algarve oriental, on peut en conclure que le rivage n'etait pas ä l'Est, et comme l'affleurement de Carrapateira prouve qu'il n'etait pas ä l'Ouest, 11 faut admettre que la partie meridiouale de la Mezeta formait un cap ä son extremite occidentale. Les caracteres sont contraires pendant le Neojurassique ; les materiaux de charriage ne se trouvent que dans la partie Orien- tale de l'Algarve, mais le caractere franchement marin se retablit k l'Est, ä l'exclusion de TOuest, pendant le Cretacique inferieur. A partir du Lusitanien superieur, la petite chaine de l'Arrabida presente un des faits les plus curieux que l'on puisse signaler au point de vue des changements de facies, Tandis que le Lusitanien inferieur est marin et calcaire dun bout ä l'autre de la chaine, le Lusitanien superieur est encore franchoment marin a l'extremite occidentale, sauf un lit saumätre Coup il'ceil sur les mers mesozo'üiues du Portugal. 305 II Irt baso, mais ce caractere saumätre s'accentuo veis l'Est. Au inilieu de la chaine, la base ot le sommet de Tassise sont t'onnes par des cailloiix roules, en majeure partie calcaires, cinientes par du caleairc d'origiue organique qui forme en outrc des intercala- tions de lits ä fossiles marins. A l'extremite Orientale, le caractere marin a completement disparu, les seules strates fossiliferes inter- calees au milieu des cailloux roules ne contiennent qua des fossiles lacustres et des plantes terrestres, decrites par Oswald Heer. Ce cas se rapproche donc un peu du type des depöts marins tels que se les representait Cordier: galets, sables, argiles et cal- caires, en allaut de la cote vers le large. Cette petite contree s'est maintenue dans des conditions ana- logues pendant le Neo-jurassique et le Cretacique infericur. pi-o- bablemeut aussi pendant le Cretacique moyen. Xous remarquerons que la faune coralligene alternant avec des bancs de Lamellibranches est generalement consideree comme littorale, mais ici, eile est separee du rivage par des depöts de charriage avec intercalations de bancs ä faune marine. Revenons au Lusitanien superieur qu"il nous reste ä examiner au Nord du Tage. Le parallele des Berlengas s'etait deja fait sentir pendant les ages precedents, et en particulier pendant le Lusitanien inferieur, en ce qu'il marque ä peu pres la limite de la formation saumätre de la base de I'etage, mais son röle s'aecentue de plus en plus. Au Nord du Tage, les depöts du Lusitanien superieur sont presque uniquement detritiques, mais cette region est separee transversalement en deux parties, par un massif de calcaires coral- liens ou semi-coralliens occupant le parallele des Berlengas (voj'cz la carte). Au Sud de ce recif se trouve un massif de plus de SOO m. d"e[:aisseur, forme par des niarnes grisätres contenant en general peu de fossiles: quelques Ämnioiiites de Vassise ä Adl tenuHohatus, des Gastropodes, parmi lesquels les Cerithes sont les plus abondants, et des Lamelühranches a fest fragile, parmi lesquels nous distin- guerons le genre Hallohia {DaoneUaV). Ces argiles contiennent des de'pöts cliimiques et organiques et des depöts de charriage. Viert."ljuhr.sschiilt d. Naturf. Gos. Zürich. Juliii-. XLI. JulMlband II. 20 306 P»ul Choffat. Les Premiers consistent en lognons calcaiies et ferrugineux, et en coloiiies coralliennes, tres rares ä la base de l'etage, mais augmentant poii a peu de frequeiice et finissant par couronner le inassit" par im baue corallieu presque contiiui. Les aceidents meeaiiiques consistent en puissants amas de galets, passant lateralenient ä des gres. ('es galets, d'origine paleo- zoiques, sont en partie angiileux, ce qui prouve le rapproehement du rivage. Le gisement le plus puissant se trouve au bord oriental de lafHeurement, mais on en trouve aussi au bord de Tocean aetuel. On a sans doute affaire a un depöt bathval se formant pres du rivage. La plus grande diffieulte consiste dans l'explication du depöt de cailloux ä l'extremite opposee au rivage. Quant aux Ccrithes, on sait que plusieurs espeees habitent les grandes pro- fondeurs. La contree situee au Xord du re'cif eorallien presente plus uniformement le caractere de charriage, quoique Ton n'y trouve pas les gros cailloux de la region meridionale ; eile est forraee par des marno-calcaires alternant avec des gres et contenant par places des amas de charbon. II est curieux de voir ces depöts de charbon se repeter dans la meme contree que les cliarbons du Lusitanion inferieur, apres un long intervalle de depöts franchement marins. La faune et les caracteres petrographiques indiquent une pro- fondeur moindre que • celle de la contree situee au Sud du recif. A l'extremite septentrionale, les environs du cap Monde'go offrent une abondance de galets denotant un rivage plus rapproche. Nfio-JURASSIQUE. — A partir du Malm superieur, nous voyons J se dessiner un retrait de la mer vers le Sud, ou plutöt vers le S-S-W. Nous avons dejii vu que, dans rArral)ida, ce n'est que l'ex- tremite occidentale qui presente des calcaires marins. Ces calcaires etaient evidemment lies ä ceux qui occupent la contree de Lis- bonne, mais immediatement an Xord, la contree de Torres- Vedras presente des gres ä faune marine avec marno-calcaires subordonnes. Depuis Taxe des Berlengas jusqu'au cap Mon- dego, les gros n'ont fourni que des vegetaux terrestres (decrits par G. de Saporta). et rarement quelques fossiles lacustres. Ce ne sont que les affleurements les plus septentrionanx qui presentent des L'alets. Coup d'ceil sur les niers iiiesozoiar des ealcaires subcrayeux, a LcunelUbrancJtes, Oastrupodes et 310 l''iul ClioH'at. A)n})ioiiili'i<, et une autro biiiule, luirallöle. mais situee encore plus au N-E est coiistituee par des marno-calcaires et des argiles areni- feres contenant surtout des hnilres, des oursins et des terehratides. Ifi, la disposition des zones petrograpliico-organicpios est in- coiitestable, iiuiis eile ne Concorde pas avec ce que Ton adinet generalement. En s'eloignant du livage, on trouve d'abord des argiles, puis des calcaires crayeux a Animoiiites, tandis que les calcalres ä Rmlidex sont les plus eloignes de la cOte. L'espace disponible ne me permet pas d entrer dans des de- tails au sujet de quelques strates superieures aux calcaires a Ku- distes, et devant probablement aussi etre rapportees au Turonien. Je me bornerai a dire que Ton y observe le retour des matcriaux de charriage, et que la faune de certains bancs a un caractere sauniätre. Seul, un at'fieurenient de quelques metres, situe ä Mira dans les sables marecageux qui precedent les dunes, presente une faune marine se rapportant peut-etre au Senonien marin. C'est une molasse a aspect tertiaire, contenant une faune variee, mais peu determinable, de laquelle nous citerons des debris (['Ammonites et de Budistes. Au Sud du Tage, ce n'est qu'en Algarve que C^ a ete prc- serve de l'erosion ; il ne forme qu'un affleurement de tres petites dimensions, presqu'entierement dolomitique. La puissance de ces couclies dolomitiques est considerable, et le mauvais etat de conservation des fossiles ne permet pas de reconnaitre les etages qu'elles representent ; on peut pourtant constater la pre'sence de liudistes dans l'assise superieure, C*. — La division superieure du Cretacique portugais consiste en un massif puissant de sables et de graviers, passant ä des gres peu consistants, avec intercalations de bancs de marne et d'argile. Ce massif qui n'avait ete examine que superficiellement et ctait confondu avec le Tertiaire. nous a fourni depuis deux ans un certain nombre de localites fossilifores. Ce sont surtout des gisements de vegetaux terrestres, contenant parfois des debris de vertebres et des mollusques d'estuaires. L'etude des ref/etanx, qui n'est que comniencoe, domontre une Höre intermediaire entre le C'retacique et l'Eocene. Les ver- tebres presentent un melange de formes cretaciques et de formes Coup d'ceil sur les mers luesozo'ique:^ du Portugal. 311 considerees gene'ralenient comme tertiaires, niais se trouvant aiissi dans le Garumnien (Danien) de la Provence, et les mollusques contiennent aussi une ou deux especes fort analogues, sinon iden- tiques, ä certaines formes de cette derniere contree. Les strates doiit je viens de parier sont situees dans la region littorale au Nord du cap Mondego, mais des roches detritiques, avec la memejloir, se trouvent enclavees dans les terrains paleo- zoiques, c'est-ä-dire a lEst de l'aire mesozoique. On n'y a pas trouve de fossiles aniniaux, mais on peut les considtirer comme des depöts fluviaux, contemporains des depöts saumätres du lit- toral. La petite carte nous montre les affleurements d'Arganil, de Bussaco et de Mortagoa, mais il est probable qu'il y a d'autres depöts, plus oi'ientaux, qui doivent leur etre rapportes. CONSIDERATIONS. II serait assurcment fort interessant de chercher ä relier ce qui vient d'etre dit du Portugal avec ce que l'on connait du reste de la Peninsule, et ä en tirer des conclusions generales, tant au point de vue des mouvements seculaires, qu'ii celui de la . distri- bution des zones climateriques et des facies. Malheureusement, Tetat de nos coimaissances stratigrapliiques et paleontologiques est encore beaucoup ti'op arriere pour permettre des deductions solide- ment assises. Je nie bornerai donc a quelques considerations isolees sur les faits observes en Portugal. P Resume et mouvements seculaires. — Les depöts de ehar- riage de la periode triasique se chargent peu-ä-peu de matieres plus fines, flottees ou deposees cbimiquement, a fauno saumatre, representant l'I n f r a 1 i a s. Le caractere marin setablit franchement pendant le Lias in- ferieur, surtout dans les affleurements occidentaux. Pendant le reste du Lias et pendant le Dogger, le cap Mondego forme le noyau, ou les restes du noyau, d'une region argi- leuse, s'etendant jusqu'au parallele des Berlengas pendant le Lias, se limitant aux environs immediats du cap pendant le Bajocien, et prenant ensuite de plus en plus d'importance. L'äge callovien marque une extension subite du depöt des ai-giles, mais ce depöt se limite, au Xord du Tage, ä une bände occidentale, les gisemoiits orientaux ne le presentant pas. Xous 312 Mesozoiqiie cLi Divisions Contree au Nord du Tage stratigraphiques Nord C^. Garuxnnien Faune d'estuaire Graviere sur le Paleozo'ique ( Turonien Mames C^. Calcaires crajeux a Ammonites A. Vibrayanus Calcaires sans Alveolina cretacea Calcaires k liu Calcaires plus compacts a [ De TAptien |' C "'. au Cenornanien Graviers et galets, depöt Huvial l moyen C^ Neocomien Marno-calcaires a Lamellibranches Idem Gres (depot fluvialV) Lacune i:::i;';iiiiitiiii!i;iiliiiil:i;iT,ii!|[iitii:,i;;;:iilli|ili"iiii::::iiMlliiiiii; Graviers a faime saumätre Neo-jurassique Laciine Gres 02 Hl superieur inferieur Lacune Gres lIliiillliiliNi Calcaire Lacune arenace avec charbon Gres (depöt fluvial) Gres marneux avec charbon Gres marim Calcaire corallien ('alcaire compact, subcorallien, avec couches saumätres et charbon vers la bast bß O P Callovien Bajocien superieur moyen inferieur Infralias Trias Ouest Bathonien Argiles et marno-calc. ä faune-ammonitique Argrilo-calcaire Callovien marno-caloaire Calcaires bathon iens, compacts DU oolithiques Facies k Brachio- podes et Ammonites Calc. crayeux k Cephalopodet Gr^s Marnt'S et niarno-calcaires a faune extra-alpine, mitigee Calcaires subcoralliens Dolomies tendres Mames, gypse et calcaires Grfes et de Gres avec g; .^ortug al (1895.) 31H Arrabida S.Thiago Carrapa- Bas- Algarve Sud Ouest Est de Cacem 1 teira Ouest Est Calcaires ä Budistes. Dolomies puissantes. Calcaires a Ni-rinces. lina cretacea n < alcaires ä Rudistes. n- - a Lamellibranches. 1 i res marins. Gres i 9 marins V Marno-calcaires k Rudistes Marno-calcaires ä Lamellibranches. Lamellibr. Graviers res rin-; Calf.iires marins Calcaires. Gres. Gres marins Gravierst 1 iraiiiiliiiilliiijiii;:; Lacune iilili!illhiniii{|{iii[i!''i Marin et saamälre Calcaires marins Marnes et gres Galets Calcaires et Dolomies Gres et calcaires riliv^ avec amas de galets Calcaires marins Conglomerats marins Conglomerats lacustres •p Calcaires ä polypicrs Calc. a Pohj- piers et conglomerats Calc. ä polyp. et grains de quartz. Dolomies Ammonites et nmellibranchex Calcaires a Lamellibranches 9 Calc. a poly- \Mi\\\\a piers. Ammonites. Est •P Callovien argileux et calcaire f Calcaires batlionions 9 Calc. ä Ciilc.liBrachio- Polypiers pqdes alpins Calcaires Calcaires a Lamellibranches ? conipacts ] Dolomies Dolomies Lamellibranches et tendres ? marnes i.(it'< espagnol -n , • 7 ^ ° Brachiopodes fossili- feres V Brachio- podes Lamellibranches ♦? cristallines ies Dolomies Calcaires ? Marnes, gypse et calcaires ^ral.'ts Gre s avec galt ts :)14 Paul Choftat. avoiis par contio une deuxieme contrue argileuse, TAlgarve, ce qui excliit lliypotliese de courants amenant l'argile, et confirme Celle d'mi niouvement geiu'iai du sol. A partir de ce inomcnt, Thistoire de TAlgarve se separe jus- (luii Uli coitain point de Celle du reste du pays, comme si le rivage s'otait avance vers le SW et avait opere une Separation plus marquee que dans les äges prccodants. Au Nord de l'Algarve, ruuiforniite relative se retablit tem- porairement pendant le Lusitanien infericur; les contrees oii le Dogger superieur est entiörenient calcaire continuent a voir se former des depöts calcaires a facies a peu pres analogue, et le cap Mondego continue ä etre le centre d'une region plus argi- leuse. Le melange de materiaux de charriage et les traces .de pas de grands sauriens nous montrent en ce dernier point une for- mation littorale d'oü l'on peut conclure que le facies argileux des periodes precedentes n'indiquait pas un eloignenient du rivage, mais seulement un point de repos de la mar, sans qu'il y ait ne- cessaironient de grandes profondeurs. Avec le Lusitanien superieur commence un retrait de la mer, qui atteint son maximum pendant le Cretacique infe'rieur. Un rivage incontestable se fait sentir a peu de distance de l'ex- tremite Orientale de l'Arrabida et s'y maintient jusque pendant le Cretacique infe'rieur, peut-etre meme encore plus longtemps. La contre'e au Xord du Tage est separe'e eu deux parties par un recif de coraux, s'etendant de l'Ouest ä TEst. Les materiaux de charriage se trouvent sporadiquement dans toute la contree, niais la.faune est encore uniformement marine ou saumätre, sauf peut-etre sur quelques points isole's, tandis que pendant le Ne'o- jurassique et le Cre'tacique infe'rieur, la contre'e de Cintra forme le noyau de la region a caractere marin, lequel diminue rapidement vers le Xord, oii nous trouvons un emergement corre- spondant au Cretacique inferieur. Cet emergement n'est que de peu de duree, car pendant le Cretacique moyen (C^), la contree de Torres presente de nou- veau des couches marines, et un ensablement puissant s'effectue dans la region situe'e au Xord, depassant de beaucoup le cap Mon- dego, limite extreme des döpöts du Neo-jurassique. A cet envahissemcnt ])rogressif succede Tenvaliissement subit Coup tl'ceil sur les mers uiesozoiques du Portugal. 315 du Cenomauieu superieur, se presentaiit uniroiineineiit depuis Aveiro jusqii'au Tage. Les facies se dessinent de nouveau pendant le Tiironieii; leurs limites sont orientees du NNW au SSE. Ils nous moutrent quo les liadistes ne formaient pas toujours des recifs cötiers. Les niateriaux de charriage reapparaissent dans les strates supe'rieures du Turonien, soit sous forme de grains de quartz em- pätes dans un calcaire compact, soit meme sous forme de gres, et nous constatons une tendance ä une faune saumätre au Nord de laxe des Borlengas. Eutin, au Nord du cap Mondego se trouve une puissante for- mation saumätre avec traces de ri vages du cöte oriental. Elle correspond aux etages supe'rieurs du Cre'tacique et ne s'est cer- tainement pas formee au Sud du parallele des Berlengas, cette contree ayant sans doute ete emergee ä cette epoque. Des depöts liuviaux de meme äge se trouvent par contre ä l'Est, en deliors de l'aire des terrains me'sozoiques. 2" DoLOMiEs. — Les premiers depöts dolomitiques que nous rencontrons appartiennont ä Tlnfralias, au Nord du Tage. Ils alternent avec des gros dans les affleurements orientaux, tandis que les affleurements occidentaux sont moius magncsiens, et ne presentent pas ou fort peu de niateriaux de charriage. Le Lias inferieur est dolomitique dans toute son extension, sauf au bord de TOcean, depuis le cap Mondego ä S. Pedro-de-Muel, oii Ton a des calcaires plus ou moins argileux. Dans ces deux cas, ce sont les affleurements les plus voisins du rivage qui sont dolomitiques: lour faune est saumätre dans le T'cas; dans le 2'"", eile n"est connue que par quelques LamelU- hranches et par quelques BracJiiopodes, et parait entiercmont etran- gere au facies corallien. Du Lias moyen au ßajocien. ks dolomies sont cantonnees vers le Sud, ä S. Thiago et en Algarve, et quoique leur faune soit bien pauvre. la prcsence d'un certain n(»tn))re de Gastropodes per- met de supposer une tendance au facies corallien. en Algarve, du moins, Le Dogger superieur ne parait pas avoir [)resente di' dolo- niios, mais nous en retrouvons des massifs puissants ou Algarve pendant le Lusitanien superieur et la baso du Nuo-juras.sique. 316 Paul Choffat. Les quelques fossik-s (jue loii en counait indiquent un facies coral- Vwu, ou subcorallien. Apres uno longue interruptioii, la magnesie reapparait au Nord du Tage, sous forme de niarno-calcaires plus ou nioius feuilletes, dans le Cenomanien inferieur, et au Nord du Moudego dans le Cenomauiou superieur, mais co u'est qu'eu Algarve que le Cretacique presente des doloniies compactes. Elles forment un massif d'une grande epaissour, correspondaut au Cenomanieii superieur et probablement aussi au Turonien. Au Nord du Tage ou doit absolument elimincr l'idee d'une formation corallienne, tandis que ce facies est possible en Algarve. 8. Provinces marines. — On sait que Neumayr a reconnu que pendant les periodes jurassique et cretacique, la surface de la Torre presentait quatre bandes ou zones homoiozoiques. Le Por- tugal se trouve ä peu pres ä la limite entre la zone temperee septentrionale et la zone equatoriale, de sorte que ses faunules ont un caractere mixte fort interessant, mais nous devons nous limiter ä en signaler quelques traits principaux. Au Nord du Tage, le Lias moyen a le caractere extra-medi- terraneen, mais des Bracbiopodes ä facies meridional se trouvent ii Thomar et surtout au cap iSt- Vincent, oii nous avons entre autres des Rhynchonelles analogues ä Rh. concinua, qui se retrouvent dans le Lias de Gibraltar et de la Sicile, et Terehratitla Davidsoni dont le type est aux Balleares. Le Bajocien presente localement un facies alpin ä Brachiopodes et Ceplicdopodes, au Nord du Tage et on Algarve. Le Callovien contient plusieurs Ämmonites de la Sicile dans ses gisements les plus septentrionaux, oii Ton trouve aussi les Terebrattdes du sous-genre Glossothyris, c'est-ä-dire ä Impression sur la petite valve, mais c'est surtout en Algarve que le caractere mediterraneen est accentue par l'abondance et la variete des Be- lemnites du groupe des hiimrüti et des Phijlloceras, et la presence de Rlujnclwnelles a depression sur la petite valve. Les Cardioceras manquent a peu pres completement en Por- tugal, ce qui tient saus doute ä la latitude, mais on doit sabstenir d'affirmer cette Hypothese, car l'Oxfordien inferieur ne se presente pas dans ce pays avec un facies ammonitique. L'assise ä Peltoceras himmamatinn, contient. au Nord du Taue. 5 ? "^ ■§ > .3 "^ ^ S .S i ^ I ^13 £^^ J + I + I + Coup d'ieil sur les mers mt'sozoiques du Portugal. 317 uno belle fmine d'Äinuwnites, dans huiuelle nous remariiuons les Phijlloceras melanges a bon nombre de formes de la zone tem- peree, et au contraire l'absence presque completc du genrc Simo- rcras, tandis qu'il est bien represente en Algarve. Le Cretacique inferieur ne nous presente de faune animonitique cjue dans l'Arrabida et immediatenient au Nord du Tage (Haute- rivien) ; c'est un melange de formes du Nord et de formes medi- terraneennes, les premieres dominant. Xous voyons donc que, pendant la periode jurassique et l'äge neoconiien, les depöts situes au Nord du Tage ') presentent en genei-al un nie'lange des caracteres de la zone temperee et de ceux de la Zone equatoriale, tandis que les caracteres de cette derniere zone sont plus accentues en Algarve. Nous voyons en outre un passage insensil)le cntre les faunes de ees deux zones. La presence de la faune alpine dans des depöts littoraux niontre que ses caracteres ne sont pas lies ä la grande profondeur de la nier, mais bien a une position mcridionale, par consequent au climat. La distribution est differente pendant les äges cenomanien et turonien ; la dolomie remonte jusqu'ä l'extremite septentrionale de Taire mesozoique et il en est de meme des Sphaerulltes, connne individus isoles, tandis (jue les bancs de Rudistes n'atteignent pas le cap Mondego. La faune ammonitique de cet äge est encore peu connue, t lle parait avoir de grandes analogies avec celle du Sud-Ouest de la France. Lishonne, Novembre 1895. ') C'est par suite d'une lausse interpretatiou des ronseignements que Neumayr m'avait fait Thonneur de me demaiider, que ce savaiit indique le facies extra-alpin comnie occupant le Nord du Portugal, et qu'il repre'sente la Mezeta iberique sous forme d'une bände etroite, partageant en deux ce pays. J'entendais le Nord de Vaflleurement utesozo'iqiie, car il est in eontestable que le Nord du pays emergeait pendant la periode jurassique. Zur Kritik einiger Thalformeu und Thalnamen der Schweiz. Von Jakol) Friili. (Hierzu Tafel 0.) A. Combe, Kiiz und Cluse. 1. Einbürgerung des Begriffes Combe. Die von den Jurassiern längst unterschiedenen Begriffe combe. cret, cluse, ruz sind zuerst von J. Thurmann 1832 in seinem „Essai sur les soulevements jurassiques du Porrentruy" in die wissenschaftliche Terminologie eingeführt worden^). Zwei äus- sere Umstände verleihen dieser Arbeit ohne weiteres eine hohe Bedeut- ung. Einmal enthält das Untersuchungsgebiet Thurmanns, etwa Duf. VII umfassend, sämtliche geologischen und topographischen Eigentümlichkeiten des schweizerischen Jura; dann verfügte der Autor über eine Karte in 1 : 96000. welche das Dufourblatt in mancher Hinsicht übertrifft^). Für Thurmann sind die Falten ver- tikale Hebungen. Die einfachen, ganzen Gewölbe sind Hebungen erster Ordnung (Cliaumont)^); le soulevement du second ordre ist ein bis auf den Dogger aufgebrochenes Gewölbe (Chasseral, Vellerat- kette, Blauen). Es zeigt ein von zwei oberjurassischen Kämmen oder Gräten (cret. patois „aletre") flankiertes Antiklinalthal, auf dessen Grund Oxfordmergel oder Oolith anstehen. Sehr bezeichnend für diese Struktur ist der deutsche Xame „Zwischenberg" E der Köthi- fluh (top. Atlas Bl. 112)*). Das ist eine Combe und in diesem Falle eine Oxfordcombe. Die Thalenden sind häufig Cirken (cir- ') Extniit des Memoire?; de la soc. d'liist. nat. de Strasliourjr 183:>. t". 84 ji. 5 pl. -) Buchwalder, (larte ile l'ancien eveche de BAle 1815—19. ^) \VI. Abb. in Siegfried, der sc-hweiz. Jura. Zur. IS'A, p. (WJ u. 23S. *) \>I. Mollier. Mat. pour la carte geoi. de la Suisse. 8^™^ livr. 1 suppl. 18". 1.3 p. 7'.t. Zur Kritik i-iiiiL't'r TlialfunneMi iiiid Tlnilnniiifn «lor Scliweiz. 319 ques coralliens) oder „Wannen". Bei der Hebung dritter Ordnung ist das Gewölbe bis auf Lias oder Kenper geöffnet, Avodurcb innerhall) wegen Gesteinsdifferenz von Mahn und Oolitli (le roc) gegenüber den Mergeln (marne) von Oxfoi'd, Lias und Kenper drei Comben entstehen: zwei laterale Oxfordconiben und eine centrale Lias- und Keupercombe (Kaimeux, Mt. Terri). Le soulevenient du IV ordre ist eine bis auf den Muschelkalk aufgebrochene Falte; central ist die Axe von Muschelkalk und lateral je eine Kenper- und Lias- combe und eine Oxfordcombe (Thal von Meltingen), wobei sich die übrigen Verhältnisse gleich bleiben, nur können die äussersten Comben allmälig tiefer in die Flanken der Falte zu liegen kommen. Diese Stufe gleicht, um an ein anderes Beispiel zu erinnern, dem System der „vallees monoclinales ou combes" der Wealden in Südengland (Xoe et Margerie, les formes du terrain, Paris 1888, p. l;U, 146 u. Fig. 117 nach Ramsay). Obige Terminologie ist von Härtung') insofern modifiziert worden, als er „aus orographi- scheni Gesichtspunkt" Hochcomben (Oxford) und Tiefcomben (Lias und Keuper) unterscheidet. Folgendes ist zu beachten: Thur- manns ("omben sind Spaltenthäler innerhalb eines aufge- brochenen Gewöll)es und parallel zur Kette. „Nousemp- loierons le mot de coml)e pour toutes les vallees iiiterieures a un Systeme de soulevenient" (1. c. p. 49). Ein eifriger An- hänger dieser Klassifikation war Desor, der geradezu als Sprach- rohr derselben bezeichnet werden darf. In seiner „orographie du Jura" 1856^) reproduziert er Thur- mann vollständig: val (dim. vallon) ist ein normales, symme- trisches Thal, mehr oder weniger offen, das Spiegelbild einer Kette: la combe ist stets anormal, ,,un accident dans la mon- tagne", asymmetrisch; le cirque ou creux ist une combe circu- laire fp. 8 u. 9). 18()()'') unterscheidet er in Wiederholung des Früheren und Anwendung auf die Juraseen: lacs de vallon — de cluse ■ — d'ero- ') G. Harlmig. Beitra;^ zur Kenntnis von Thal- und Seeltiklunji:en mit einer Karte. (Zeitschr. il. Ges. f. Erdkunde Berlin, XIII. Bd. 1878. S. A. j). 22.) -) Desor, roro^frapliie du .Iura (introductioii a un cours de jj:eolo^'ie juras- sienne. Bevue suis.^e. XeuchiUel 1S.")(1). ^) Desor. De la pliysios^noinie des lacs suisses. (Revue suisse lS(i(\ l'ne idanc-lie, Extr.) ;',2() .l:ik()li Fnili. sion — ile coml>e und Ines inixtes. In seiner „Deutung der Schwei- /AMseen') findet man dasselbe, die gleiche Tafel, aber eine Er- weiterung auf alpine Seen. Es giebt nach Desor drei Arten Thäler: Mulde. Cluse und Combe. Letztere „entsteht durch Längsrisse auf dem Gipfel oder an der Seite der Ketten" (p. 7), ist gleichlaufend mit der Längsrichtung der Kette und .Mulde und hat ungleichartige Thalseiten. Comben sind , Aufrissthäler" (p. 8). Nach Kenevior-) erinnern die aufgebroclienen Falten (Xeocom) und Nuunnulitenmulden am Oldenhorn ganz an die „combes et les vallons de l'orographie jurassienne". Desors „de l'orographie des Alpes dans ses rapports avec la geologie" 18()2'') und „Gebirgsbau der Alpen" 1865"*) sind oft wörtlich übereinstimmende Arbeiten, zum Teil — wie man leicht erraten kann — aus dem Umgang mit Studer und Escher entstanden; für uns ist sein System derAlpen- thäler wichtig. Es lautet: a) Querspaltenthäler (Cluses) p. 71, Querthäler (Klü- sen) p. 92. b) Längsspaltenthäler oder Seh eidethäler (Combes) p. 73, „Längsrisse" (Komben) p. 92: parallel mit dem Streichen der Central massen. asymmetrisch, am häufigsten auf dem Grenz- gebiet von krystallinischen und sedimentären Gesteinen (Comben erster Ordnung!) oder in Längsbrüchen zwischen zwei Forma- tionen oder Gruppen geschichteter Gesteine wie Gailthal, Thal der Drau, Save, Ems (Comben zweiter Ordnung!). Auf p. 127 des Gebirgsbaues wird die „Deutung der Alpenseen" wiederholt, wobei einleitend die Combe des Jura als Längen- thal „mit gleichlaufenden Gehängen (isoklinale Vertiefung)" cha- rakterisiert wird (Widerspruch mit der einfachen Oxfordcombe!). c) Mulden thäler oder maits (proveng. -frz. malt =- Mulde der Bäcker), „das Gegenteil der Comben", synklinal (also Comben antiklinal!) z. B. Chamounix, Urseren, Val Bedretto. d) Hof las (Viamala, Pfäfers). M Allium Clonihe-Variii. Ziiricli ISdl. -) Reiievier, Notices geol. et paleont. des alpes vaudoise.s. (Bull. soc. vaud. sc. nat. l.SCl— (i:i p. ()t u. pl. 4.) ^) Neiu-häfel 1862 8". 7(1 p. ii. Karle der Alpen. *) Wiesbaden ISHö. Zur Kritik einitrer Thnlfornieii und Tlialiiaineii der Schweiz. 321 2. Kritik des Begriffes Combe. Diese kurze Darstellung zeigt das Unklare des Begriffes Combe. Thurmauns ('oml)O unifasst schon zwei Tlialfornien: Antiklinal- und Monokliiial-oder Lsoklinalthäler. Desor kommt deshalb in Widerspruch mit sieh selbst, wenn er die Profilforni zur Charakteristik der Combe verwendet. Indem er den Bogriff auf monoklinale Scheide- und Bruch- thäler ausdehnt, ignoriert er die ursprünglicheEigenschafteiner„vallee Interieure ä un soulevement". Der Begriff wird noch schwankender, wenn man bedenkt, dass diese Thalformen in den wenigsten Fällen Spaltenthäler sind und gar häufig bei Isoklinal-, Schuppen- und Fächeistruktur, widersinnigen Verwerfungen etc. auftreten.') In der Litteratur wird betont, wie sehr das Volk die Comben zu schätzen wisse. Das triftt nun in dem Thurmann 'sehen Unter- suchungsgebiete und für die von ihm aufgestellte Begriflfsfassung deshalb zu, weil der Grund der Hohlform Mergel ist (Oxford, Lias, Keuper), welcher im Gegensatz zu den splittrigen Kalken undurch- lassend ist und quellbildend wirkt. Das Volk kennt nicht so sehr die Form der Thäler, als die wirtschaftliche Bedeutung derselben. Die Comben sind fruchtbar, häufig im Lee gelegen, geeignet für Siedelungen. Die Gesteinsdifferenz ist das entscheidende ähnlich wie im französischen Plateau-Jura südlich des Oynon-FIusses die ..combes verdoyantes les affleurements de marnes" anzeigen im Gegensatz zu dem Kalkfels, dem roc aride^). Der welsche Jurassier gräbt die marne aus und verwendet sie zur Melioration auf Kalk- gebie^, ähnlich wie die Basler, Solothurner und Aargauer den entsprechenden „Niet". Noch wichtiger ist die Thatsache, dass das Volk den Namen Combe durchaus nicht in dem von Thurmann aufgestellten be- schränkten Sinne gebraucht. Combes erscheinen als Muldenthäler statt des Val und Vallon Desors z. B. Combe de Vauffelin und de Pery N Biel, letztere etwa 9 km lang und zum Teil mit Miocän erfüllt (Duf. VIT). W Päquier (N Dombresson) ist eine Neocommulde als „Combe" ') cf. Marjrerie und Heim. Dislocations etc. Zürich 1S88. '-) M. Kilinii. sur la conslitution ^'eologique du Jura du Doubs et des reijfions vui.siiies (Associatiuu IraiK.;. pour ravancement des sciences, Congr^s de Besan- i;.in 1893, extr. p. 3). Viortoljahrsschvift d. Natuif. Oes. Zürich. Jahrg. XI,I. .Inbelbaml II. 21 322 •'•il^'jJ' f'i'il'- liczricliiift; iliic XK-Fortsetzung als „Grand' Combe", Die Coiiihe de Beusses (Coiiibe es Monine) liegt in westlicher \'erlängeruiig der Miocäninulde von Undervelier (8 von Saulcy), während die „Conibe" oben in dem Quellgebiet des K. de Soulce die östliche Fortsetzung dieser Synklinale einuininit. Die Combe Tabeillon. über ') km lang, ist die SW-V^erlilngerung der Deleniontmulde (Siegfrieil, Blatt 103j. Im benachbarten fran/.ösischeii Jura ist die von der Valserine durchfiossene Combe de Mijoux (Bl. Xr. 14!> St. Claude 1 : 80,000) eine Kreidemulde; das Torfmoor in der Combe St. Pierre, linkes Ufer des Doubs (Duf. VII) liegt in einer ober- jurassischen Synklinale u. s. f. Die Combe des Buis S Besanpon ist durch eine Verwerfung gebildet (Boyer in Mem. de la soc. d'emulation du Doubs, Besan- nen 1887, pl. II). Combe als Name für Flankenthäler senkrecht zum Streichen einer Kette: La Combe ä Ours und la Combe Grieu- rien W La Chaux-de-Fonds; die bis auf den Dogger geöffneten „Combes" NW St. Imier in der Nähe von „aux Allevaux" : das Trockenthälchen la peute Combe auf der Schattenseite der Grai- tery: les Combattes SE Tramelan. Die NW-Flanke der Chasseral- kette wird E Villeret von der Combe du Vaule weit hinauf ent- blösst (Bl. 11!), 1:25,000) und S Corgemont durch die grosse Combe du Bez. Les Combes riere Nods auf dem Dessenberg sind kleine Flankenthäler, Nischen, die Combe de Lignieres bei Neuve- ville ein tiefer Graben. Häufig erscheinen solche Combes als sanfte Mulden in den Flanken, wird doch die Combe-Varin hinten in der Vallee des Fonts, der Sommeraufenthalt Desors, im Vorwort zum „Album" als einer „jener stillen Gründe.... welche der Jurassier Combes benennt", beschrieben. In der Üachen, östlichen Schweiz würde das Aequivalent in diesem Falle „a Muelda, a Täsclia" heissen (Bl. 297 s. Tafel). Der Tafeljura des Eisgau (Porrentruy) und von Frankreich ist reich an Combes. Zahlreich sind sie innerhalb der unge- störten Molasse der Kantone Waadt und Freiburg, oft kaum bedeudenter als eine Kiesgrube. Sie fehlen nicht innerhalb der Moränenlandschaft (bei Longirod, Gimel, Burtiguy, Bl. 433 Siegfriedatlas) und selbst nicht Zur Kritik einifrer Thalformcn und Thalnamen der Schweiz. 323 im Alluvium: Bois Combo a la faulx aui liukeu Ufer des Aiu, Hl. 188 iu 1 : 8()00(l und Hhonedelta (Combettes unweit Etang Vacares und Combat X davon. Bl. Arles). Die Combeii sind mithin keine Eigentümlichkeiten von Falten- gebirgen, nicht auf geborstene Gewölbe beschränkt, sondern Hohl- formen, die ebensogut in Tafel- und aufgeschütteten Landschaften vorkommen. Es geht dies noch besonders hervor aus der Geographischen Verbreitung des Namens Combe. Im benachbarten Frankreich ist er sehr gebräuchlich. Ich zälilte auf der Karte in 1 : SOUOü (Bl. lU, 126, 127, 138, 139, Uin 150, 159, 160, 166. 169. 178, 222, 223 und 234) etwa 147 combes von Montbeliard durch den Jura und die französischen Alpen bis zum Delta der Rhone und den Cevennen. „Combe" finilet sich in der jurassischen Tafellandschaft der Cöte d'Or S Dijon (Xoe und Margerie 1. c. pl. XX VIII tig. 81), der östlichen Bretagne (Bl. 73) und ist häufig in England, z. B. Südküste des Bristol Channel. Es deutet dies auf einen lateinischen oder kelti- schen Ursprung des Wortes hin. Die Siedelungsgeschichte verweist zunächst auf das Keltische. Drei Momente erschweren den Entscheid. Die keltische Sprache, speciell die Entwicklung der Idiome, ist noch viel zu wenig er- forscht. Unser combe müsste aus festländischen Dialekten abge- leitet werden können, von welchen sehr wenig erhalten ist. Das bretonische Komb, Kondjaiit. Koumbant (für Thälcheu) ist ent- lehnt. Das irische cum und das entsprechende kymbrische cirni bedeuten allgemein eine Vertiefung, besonders an Gehängen, aber nicht nur eine dem Kar der Ostalpen entsprechende, wie man aus l'euck, Morph. II 75 entnehmen könnte, sondern auch ganz allge- mein Valley und zwar ein relativ enges Thal! Belege hiefür geben schon Karten kleinen Masstabes wie in Bädeker, Great britain 2. Aufl. (Gegend um den Snowdon) uiul die Beschreibung und Namon- erklärung auf p. XXX des Kcisebuches. Ist Combe von cipm abzuleiteny Die Keltologen\) k-hrcn uui- ') Vgl. Thurneysen, Kcltoromanisches ISSi- ]>. Ti und •"').■■) und Storiu in Ro- mania V 1876 p. 17."i. 324 .lakol» Früh. gekehrt (iie regelrechte Bildung von rwm aus cunibo. comb, wo- bei unentschieden, ob dies als ein einboimischor Stamm zu be- trachten ist, was durch die grosse Verbreitung des Namens in ehemals keltischen Landen nicht unwahrscheinlich erscheint, oder als Lehnwort aus der römischen Zeit. Für die Herkunft aus dem Lateinischen spricht zunächst bei uns das scharfe Zusammenfallen der östlichen Ver- breitungsgrenze von Combe mit der deutsch-französischen Sprachgrenze. Ich führe nur einige Etappen an. Die franzö- sische Karte 1 : 50000 zeigt einen Weiler La Grande Combe nörd- lich der Quelle der Moselle etwa V* km von der deutschen Grenze. La Combe findet sich östlich Geradmer. Nordöstlich Beifort tauchen aus der Ebene bei EtuefFont-FLiut diirchthalte Hügel. „Les Gouttes Combees" genannt. Auf ISchweizergebiet tritft man gleich südlich und östlich des Dorfes Lützel die Combe Juree und Combe au Diablo u. s. f. Scharf der Sprachgrenze entlang treten die Com- bes auf in den Kantonen Freiburg, Waadt und Wallis. (Les Com- bes zwischen Chäteau d'Oex und Rougemont; Combaz oben in der Vallee des Fenils nördlich Saanen Duf. XVII.) Zahlreich sind sie im Gebiet des Val d'Entremont, Val de Bagnes und Val d'Here- mence, wo sie '6 —4 km lange Thäler verschiedener Struktur be- zeichnen; gehäuft sind sie jenseits des grossen St. Bernhard als herrschender Thalname statt Val oder Vallon, besonders im Val Ferrex. ferner um St. Remy, Chatillon, Aosta. In den Kantonen Tessin und Bünden scheint der Name als topographische Bezeichnung unbekannt zu sein (Combels in Lug- netz?). Aequivalente finden sich sparsam z. B. conga im Val Nadro südlich Giornico (von conca. Schale?): foppa, Grub: calderas, Kessel, südlich des Piz d'Err. Dem Ladinischen scheint ein ent- sprechendes Wort überhaupt zu fehlen. Dagegen ist es in seiner Grundbedeutung in zwei andern romanischen Sprachen erhalten, im Spanischen (combo, gekrümmt und comba. Krümmung) und in italienischen Ortsnamen wqe alta comba, comba longa, allerdings nicht so häutig wie im Französischen. Cumba findet sich in la- teini.schen Texten zum ersten Mal bei Isidor von Sevilla 6;U, dem griechischen Kvriil)e früherer Autoren entsprechend, dessen Ueber- tragung auf Becken. Vertiefung nahe liegt. Als zwingende Ety- mologie für combe darf indessen diese Thatsache nicht gelten, da die Herleitung aus dem Keltischen nicht ausgeschlossen ist. Zur Kritik eiiiifrer Thalformeii und Tlialuiimen der Schweiz. 325 Auffallenderweise finden sicli in der deutschen Schweiz der Combe al)solut entsprechende Bezoiclinungen als: Gumni. (tu mini (chumnii), Gummen und Kumm, Kumme, Kummen, Kummi, Kummli. Am häutigsten sind diese Namen im Gebirge, unmittel- bar ()stlich der Sprachgrenze, in der Stockhornkette, dem ßerner Oberland (Bl. 4(32 s. Tafel), Brienzergrat, am Brünig, in Unter- waiden, im Entlebuch (Schrattenfluh), südlich Beckenried (Gummi 1284 m). Geradezu charakteristisch sind diese Bezeichnungen für das deutsche Wallis z. B. steinige .,Erizkumme" 2500 m im östlichen Turtmannthal, die gandigen Zirken „Kote Kumme" und „Kessi- kumme** (Kessi =^ Kessel) östlich Simpeln; Bieder- und Triftkummen im Nicolaithal, die steinige Kunnne südlich Selzenhorn (VVasenhorn Bl. 490). Besonders häutig sind die ..Kummen" im oberen Wallis (Gomsl) z. B. in den Gemeinden Mühlebach und Ritzingen linkes Rhoneufer als zirkusförmige Hohlformen mit engerem, untern Teil in 2100—2200 m (Äugst-, Bodmer-, Kitzikummen Bl. 5;U s. Tafel). Im Binnenthal ist Kumme fast allgemein durch -graben oder -bach ersetzt. Im südöstlichen Wallis, vor allem im Nicolaithal, Zermatt und Saasthal finden wir die Realprobe Kummen in jenen Seiten- thälchen und Verwitterungsnischen, welche den Namen -thäli oder -thälli (=telli im Lötschenthal) tragen d. h. in denselben Hohl- formeii, welche dem vallon oder der combe der französischen Alpen, dem ciimi in Wales entsprechen. („Steinthäli", „Hohthäli"). Be- sonders verbreitet ist dieser Name in den deutschen Siedelungen innerhalb des Rom ansehen, im Rheinwald, Lugnetz und ganz vorherrschend im Davoser Gebiet von Filisur und Schmitten bis zu dem Grat zwischen Klosterthal und Sclilappinertlial, da und dort gemischt mit Schaf-tobel, Schaf-läger und au Stelle der foppa (rom. = Grub; siehe Bl. 420). Die Höhe ist kein Kriterium der Kummen; die Häusergruppe ..z'Kummen" östlich Ivaroii (Wallis) liegt nur 'M) ni ül)er der Khoneebene. Sie fehlen nicht im deutsch-scji weizerischen Molasse- gebiet, meist mit weichem Anlaut und ebenfalls eine typische Vertiefung an Gehängen oder ein Thäkhen bezeichnend z. B. Gum- men und Gummegg 1015 m südlich Guggisberg; Gummi 810 m 326 •'■>koli Fnili. nordöstlich Schloss Utzigen; Gumnienacker westlich Bümplitz; Goinnit'ii 800 in siUllich Huttwil (Hein); „Gumi" NE Roliibach bei Huttwil (Bl. 181); Gunnno NE Epsacli, Gumnieloch W des Dorfes und Gummen W Tüscherz (Bielersee Bl. 135); Gummen W Moos- Affoltern; Giimmenwald S Schnottwil; Gumme bei Etzelkofen (Bl. 142): Gummi NE Kop])ijj:on (Bl. 129); Gummen E Kulmerau N Trieiiii:on (Bl. 109); Guiniiiiliubel, Gemeinde VVolhusen (Luzern) ; Unter- 1111(1 Oln'ruuninu'ii bei Meierskappel 490 — 540 m am Zuger- see. Combe und Kumme decken sich auch in Bergnamen, die be- kanntlich gerne von tiefer gelegenen Weideplätzen abgeleitet wurden. In den östlichen Gehängen des Val Ferrex finden sich Combette 2695 m, Belle Combe 2870 m, Aiguille de Belle Combe 3085 m; östlich Grenoble erblickt man den Glacier de la Combe. Entsprechend haben die Berner Alpen ein Gunnnihorn 2101 m südlich Interlaken und mit 1982 m am Brienzergrat ; ob Kitzingen im Oberwallis erhebt sich das Kummenhorn 2953 m; die Stock- hornkette enthält den Kummlispitz; NW Netstall ist der Gumen- stock. Ist in diesen nie mit Umlaut erscheinenden Bezeichnungen das germanisierte combe zu suchen wie das Schweiz. Idiotikon annimmt? Es sprechen dafür: a) Die Erhaltung romanischer Ausdrücke für die Alpwirtschaft; b) das unmittelbare Auftreten der Kummen oder Gummen an der Sprachgrenze und die geringere Dichtigkeit derselben nach Osten; c) der Uebergang der Wörter auf der Sprach- grenze im oberen Simmen- und Saanenthal. Westlich -lann ist ein Gebirgskamm mit der Combi -fluh (= Gummifluh) 2058 m mit der Alp „les Combes" 1620 m auf der französischen, dem ..Oberboden" 1790 m auf der deutschen Abdachung (Bl. 366 s. Tafel). Die Gebirgsgruppe zwischen Saanen und der Vallee de l'Etivaz (Duf. XVII) kulminiert hart auf der Spi-achgrenze in der Gummfluh 2459 m; auf den bernischen Gehängen finden sich Comborsin (Bären- grube), Gummatte und Gummberg; vgl. Combe de Grede oder Combi- loch am Chasseral! d) die Umwandlung von mb in mm wie chamb zu Kamm etc. Indessen werden diese Argumente abgeschwächt durch das Vorkommen gleichlautender Ortsnamen im badischen Schwarzwald wie Gumm. Auf der Gumm, Gumnniten. Gummenhof (Aemtcr Tri- berg, Wolfach und Waldkirch). Da liegt vielleicht ein selbstständiges Zur Kritik einijirer Tlialformen und Tli;ilnanieii der Schweiz. 327 deutsches Wort zu Grunde wie Kunim („Futtertrog" der ober- deutschen Idiome) oder Kumme, im Holsteinischen, Dänischen und Norwegischen .Schale, (jret'ilss bedeutend und im Norden nacii der Aussage von Landsleuten „auf dem Lande noch allgemein ge- bräuchlich"; (vgl. Grimm, Schmeller, Stalder). So ei-scheint auch die Etymologie von Kummen noch nicht gesichert. AVahrscheinlich gehören Conibe, Gummen und Kummen derselben indogermanischen Wurzel an mit ursprünglich einheitlicher Bedeutung. Sicher ist, dass l'ombe und Kummen zwei der ältesten Bezeichnungen für Hohl- formen der Erdoberfläche darstellen. Die ehemals allgemeine Ver- breitung des Wortes combe bestätigt Ch. Nodier in P. Larousse, Grand Dict. univ.: „11 n'ya pas un village dans tont le royaume oü cette expression ne soit parfaitenient intelligible, mais on l'a omise dans le dictionnaire parce qu'il n'y a point de combe aux Tuileries, aux Champs Elysees et au Luxembourg" (!). Allmählich musste der Ausdruck dem Neufranzösischen weichen; am besten konnte er sich in solchen Gebieten erhalten, w^elche einer gesteigerten Kolonisation viele Widerstände darboten, also namentlich in Ge- bii'gen, deren Thäler vielfach als Refugien einer älteren Kultur er- scheinen: Wales, Jura, Alpen. Ln Gebiet des jjroveuQalischen Dia- lekts der französischen Schweiz finden wir die Formen combe, comba, combaz. combette, combettaz, combattes, combattet und entsprechende Namen von Kolonisten wie Combe, Combes, La Combe, Delacombe, Descombes, Descombaz etc. Das breite, reich besiedelte Thal heisst nirgends combe. Der Ausdruck bezieht sich auf „petite vallee"' oder „vallee etroite". Wie sinnig folgen sich im Untervvallis die drei Ik'zeichnungen Martigny-la Tille, M.-Bourg und M.-ComlH' vom offenen Khonethal bis hinein zum engen Thal, das auf den Col de la Forclaz und Col de Balme führt! Welcher Kontrast zwischen den gedrängten Combes hinten in den Dransethälern und dem Mangel derselben an den sonnigen und bewässerten Ackerbau gehangen ob Sion und Sierrel Wie häufig sind die Combaz in den Freiburgei- und Waadt- länder Alpen. Die älteste Siedelung in der Nähe des Lac de Joux ist Le Lieu. Früher hiess dieses ganz von Waldein eingenommene Synclinalthal Combe de Lieu, woran ein Thälchen mit dem Weiler l'ombe noire(I) nahe des Döi-fchens noch erinnert und der Spott- name „les Combiers" („die Hinterwäldler"), womit die Bewohner 328 Jakob Fnih. des Thaies \H)n cien Vaudois des Molassegebietes bedacht werden. Heute hoisst das Miildenthal Ja Vallee", wie denn vallee, val und vallon allgemein als neue Kulturschicht auftreten und die Karte zu einem Palimpsest umformen. Als anthropogeographische Doku- njente erscheinen die Namen „Vallon de ('ombette, Vallon de Belle Combe" jenseits des grossen St. Bernhard; ferner la Combaz unter dem Mantel der Weinberge von Yv^orne, Combe de Vaux bei Adlincourt (Bl. Montbeliard), Combe de Vaux de Boeuf (Bl. Nantua, Antikliiuilthal). Combe du Val zwischen Izenave und Lanteney (Nantua) etc. Ebenso ist in der deutschen Schweiz „Kumme'' mehr und mehr überschichtet worden durch „Grund, Grube, Thäli, Wanne, Kessel", namentlich durch — tobel — graben — bach wie die Uebergangsform „Gumm- oder Kesselgraben" südwestlich Oberburg (Bern) und alte Familiennamen wie Gruber, Thäler, Wanner, Tol)ler, Vontobel etc. beweisen. Eilen wir zum Schlüsse! Combe ist eine allgemeine und für die Anforderungen der heutigen Morphologie sehr unbestimmte Bezeichnung einer Hohlform, ein Relikt aus der ältest bekannten Siedelungszeit. So ist der Begriff in Frankreich stets aufgefasst und daher in der wissenschaftlichen Litteratur nur spärlich verwendet worden. Desors Eifer verdankt man den Wirr- war, den das Wort in den zahlreichen deutschen geologischen und geographischen Lehrbüchern verbreitet hat. Nach Sonklar (All- gem. Urographie 1873, p. 135) sind die Comben Querthäler, in Sievers Europa, p. 64 werden sie als „Längsthäler", tektonische „Längsmulden" angeführt, in Reclus, la France, p. 349 als „cirques d'erosion", u. s. f.; vgl. auch Penck Morph. II, 271 und 306. Ange- sichts der vielen neutralen, scharfen und allgemein verständlichen Ausdrücke, deren sich die tektonische Geologie und Morphologie bereits erfreuen, muss man (mit Penck II, 75) dringend wünschen, dass Combe nur für lokale Verhältnisse, nicht im allgemeinen Sinne, gebraucht werde und als morphologischer Typus aus der Litteratur verschwinde, 3, Kuz, Chenal, Impasse, Halbkluse, tJluse. Nach Penck II, 78 heissen untergeordnete Nebenthäler im schwei- zerischen Jura Kuz, eine Bezeichnung, die auf Thurmann, Desor, Härtung zurückzuführen ist und sich auf senkrecht zum Streichen der Falten stehende Flankenanrisse bezieht. Das Wort stammt vom lat. Zur Kritik eiiiiirer Tiialt'ormeii und Tlialnamen der Schweiz. 329 livus, Bach, Kunse, Graben (vgl. auch Siegfried, 1. e. p. 10, 83, 94, IIG, 133). Der Steinenbaeh bei Baisthal ist nach Härtung (H. A. p. 29) „eine echte Ruz". Ituz und ru sind dem Jura durchaus nicht eigen- tümlich. Es gibt ein Neyruz (Schwarzbach) zwischen Freiburg und Homont, ein Vaulriiz (Thalbach) zwischen Uoinont und Bulle, ein Kuz du Pregas westlich Orbe, Jtuz-d'Otoz südlich Arnex inner- halb der flachen Molasse etc. Verbreiteter ist rio, ria ((Traben, Bach), dim. rialot. ruisselet, russalet, ruzilla im waadtländischen Patois; rio und riaux im Freiburger Hügel- und Alpenland; rioz SE Vesoul, riou im Gebiet der Durance, der „Landes" in Frank- l . . . . . '77 : reich, ri und rialo im Kt. Tessin. Anthropogeographisch lassen sich diese Ausdrücke leicht verstehen. Wir haben im Kartenbild eine innerhalb grosser Zeiträume erfolgte Kondensation desselben Begriffes. Um nur auf zwei Beispiele hinzuweisen, sind von den Kelten erhalten: Nant (Bach, VValdbach, Tobe!) im Gebiet des Genfersees, ^ Savoyens und quer durch den Jura nach Lyon (Nantua, Nantuaten !), bei Motier am Murtensee, Yvonand am Neuenburgersee? Nante SE Airolo? und besonders in Wales. Doux. Doue. Doue, Doubs im Jura, der Ardeche (Frank- reich) für Wasser, Quelle. Fluss, ein Ausdruck, den Desor zu einem Typus der Quellbäche der Kalkgebirge erheben wollte. Kuz, lio etc. gehören der römischen und altfranzösischen Zeit an, über deren Schriftzüge das moderne ruisseau und ri viere getüncht worden sind. Drei Kulturperioden nebeneinander und für dasselbe. Als Dokumente erscheinen daher jene Ausdrücke, welche die alten Namen als Bestimmungswort enthalten wie „Kuisseau du Bnz" (S Pont la Ville, Freiburg), „Ruisseau des Riaux" NE Station Belfaux W Freiburg. Unweit Avenches gibt es „Pres du Kuz", tiefei- unten im Thal heissen die Fluren „vers le ruisseau." iJuz ist keine Besonderheit des schweizerischen Jura. Wohl bekamit in der Heimat Thnrmamis. fehlt der Ausdruck heute in gar vielen Gegenden des Kettengebirges und wird durch ver- schiedene andere ersetzt. Boyer (I. c. p. 299) nennt die Bäche auf der Nordabdachung des (!hasseral Huz. Der Ausdruck ist aber im St. Immerthal kaum gebräuchlich. (Jombe kann solche Flankenthälcr bezeichnen (^oben 330 . Jakob Früh. |). :!l'l*I. (laiiii eil (Ml an (= cheiieau, Dachkännel) z. B. der lange Aniiss am Cliasseial JS Cortebort, das tiefe Troekonthal am Sonnen- l)t'i-g nördlich des Dorfes. Ein (iraben mit gut erhaltenen, steilen Felswänden heisst chenal, d. h. Kanal, Kinne, entsprechend dem Kclilengraben auf der Nordseite des Blauen. Von der Tuilerie südlich Courfaivre gelangt man in die „Paturage de la Chenal", auf „la Chenal'" l)ei 793 m. Nördlich Corban im östlichen Delsberg trägt ein scharf eingeschnittenes, wasserführendes Tobel den Namen .,('lienal''. Niu'dlich Sorvilier lieisst ein Felsentobel le Chabel. Diese Bezeichnung für .Schlucht, Tobel, ist nicht selten; solche Rinnen dienten für den Holztransport aus den Bergwäldern durch Sturz, Schleifen (chablo im waadtländischen Dialekt, vgl. Chable und Cliablais, de'valoir im modernen Französisch). Oestlich Cret du Locle heisst ein Flankenbach „les Coulees". Ruz ist mithin keineswegs eine allgemeine Bezeich- nung für Nebenthälor des schweizerischen Jura. Für das Verständnis der Urographie dieses Gebirges sind die Gräben und Runsen, wie Thurmann zuerst hervorgehoben hat, von fundamentaler Bedeutung. Bemerkenswert ist zunächst deren Ver- breitung. Sie erscheinen am häufigsten gegen und innerhalb des Grenzgebietes von Falten- und Tafeljura, dort, wo die Erdrinde am stärksten gestört wurde. Sie treten zurück oder fehlen in den flachen und .geschlossenen" Gewölben wie MontTendre. MontRisoux. i'haumont z. T. etc. Es besteht also eine gewisse Beziehung zwischen Zahl der Gräben und dem Grad der Faltung. Zahl der Runsen und Comben sind aber nicht direkt abhängig von dem Grad der Hebung. Wie Härtung 1. c. p. 26 richtig betont und Duf. VH geol. lehrt, können lokale tiefe Aufschlüsse bis auf Lias und Keuper un- möglich durch Berstung allein verstanden werden. Man dürfte oder müsste verschiedene tektonische Nebenerscheinungen erwarten. Es wird eine starke Zerklüftung, eine Zertrümmerung, auf den Scheiteln eingetreten sein, aber die Bruchstücke müssten sich auf den aufrechten Falten grösstenteils noch vorfinden, wenn nicht eine Abfuhr eingetreten wäre, m. a. W. ohne diese Schuttver- frachtung könnten die vielen sog. centralen Comben einfach nicht vorkommen. Die flachen und geschlossenen Gewölbe im waadt- ländisclien Jura sind siebai'tig zerklüftete Plateaux mit geringem Gefälle. Trotz der Regenmenge von 200 — 2.")0 cm zeigen sie nur Zur Kritik einiger Tiialfoniu'ii und Tlialnamen der Schweiz. 331 Spuren von Erosionsfiirchen, dagegen mannigfaltige Erscheinungen des Kai-stpliänoniens. Der viel stärker gestörte nördliche Jura mit steilen ]3ösehiuigen gab trotz der absolut geringeren IJegenmenge von 125 — 150 cm in unseren Tagen eine grössere oberflächliche Abflussmenge, grössere Stosskraf't. Zu der OberHächenerosion ge- sellte sich die Thalbildung durch Quellen überall auf den wasser- sammelnden Mergeln. Die Erosion hat den überwiegenden Anteil an der heutigen Ausbildung der Comben, Clusen und Kuz. Die verschiedenen Flankenthäler sind verständlich, sobald num sie als das betrachtet, was sie sind: Erosionsformen und Erosions- »tufcii. Die als impasse („Sackgasse") bezeichneten Gehängethäler ( Kollier 1. c. p. 27), die Halbklusen Desors, vor allem jene herrlichen zirkusförmigen Flankenaurisse .S Bressaucourt und Cheveney, „sous les Roches" (Bl. 87 u. 90 in 1 : 25000) sind nichts anderes als die bekannten Nischen der Alpen. Sie sind unmöglich durch Auf- bruch eines Gewölbes in dynamisch-tektonischem Sinne entstanden. Die Kuz stehen so häutig in Zusammenhang mit Comben, bilden mit diesen die H uz-("oniben von Härtung. Typische Bilder im X der Velleratkette südlich der Delsbergernnilde. in der Vorburg- kette. der Tombe de Cornol etc. Sie führen hinauf auf die „Mon- tagne", die „Paturage". Der Graben S Eschert-Moutier im N der Graitery führt hinauf a la Combatte, derjenige S Soulce auf den Creux il(lii:ii,^('ii"' nicht nur tiefe Einsattelungen einer Falte wie Courfaivre-Süulce, sondern selbst Clusen entstehen (1. c. p. 24). Eine wahre ('luse mit gleichsinnigem Gefalle kann durch zwei opponierte Huz nur entstehen, wenn die Korrosion in einem der beiden Gräben so vorherrscht, dass sie die anfänglich bestehende VV^issors('lu'id(^ bis zur Basis dos Opponenten vorschieben kann. Dies ist möglich, wenn die Falte eine ausgesprochene Wetterseite im Sinne Löwls hätte, oder wenn ein sehr grosser Nieveauunter- schied bestellt zwischen der Erosionsbasis beider Anrisse, Beding- ungen, welche für den rostförmigen Jura nicht zutreffen. Das- selbe wird erreicht, wenn die Erosionsbasis des einen Grabens ver- tieft werden kann. Das erfordert als einfachste Form der Lösung die Zngeh()rigkeit zu einem Flussystem und die Cliisenbildung er- scheint dann als Resultat der rückschreitenden Erosion in die Flanken einer Falte. Sind diese Flussysteme jünger als die Falt- ung, synchron oder präexistentV Diese Fragen hat man sich zu stellen. Wie Kollier (1. c. p. 269 ff.) u. A. klar dargelegt, sind Tertiär und Jura konkordant; die Faltung ist daher postmiocän. Die Gletscher drangen in die jetzt noch erhaltenen Thäler ein. Pliocäne Ablagerungen sind bis heute aus dem Jura unbekannt (Kollier p. 270!). Faltung und grossartige Entblössung der Ter- tiärschichten mussten im Pliocän stattfinden und die Durchthalung muss älter sein als die Hauptvergletscherung. In einer bemerkens- werten Arbeit unterscheidet Foerste') für den Berner-Jura zwei Arten Flüsse: I. „Streams consequent on the Folding", also jünger als die Hebung und zwar a) „longitudinal or synclinal streams" der Mulden und b) „lateral or cataclinal streams" in den Kuz von Thurmann; 2. „Antecedent streams", älter als die Faltung und diese überwindend. Das sind die Flüsse der Clusen. Betrachten wir seine Argumente für die letzeren. Nach Greppin, Beiträge zu Duf. VII geol., enthält die Oenin- gerstufe im Jura Yogesengerölle; es bestanden also obermiocäne, südwärts gerichtete „Ströme". Zu Zügen angeordnete Clusen können kaum als weise Gruppierung von Kuzzwillingen betrachtet werden, sondern sind „the main support of the theory of antece- ') The DraiiiafTO of the Beniese Jur;i ll'roc of. Boss. See. Xat. Hist. XXV 1S92: l. Früh. 15. Koftla. Kliniken, Krachen. Nach l'eiick II. 78 ist „Koffla" oder „Koffna" ein Aus- druck für Nebenthäler. Auf der Versammlung der Schweiz, nat. Ges. in Samaden 1803 (s. Bericht der 47. Vers., p. 69) schlug Desor diesen Namen vor zur Bezeichnung „enger von einem FIuss durchströmter Felsenschluchten, welche zwei Thalbecken verbinden" im Sinne von „Clusen oder ('lausen". Das rätoromanische Wort bedeutet nach einer freundlichen Mitteilung von Hrn. Prof. Muoth so viel als „Loch, Durchgang, Kaufe". Die Kofflas am Hinterrhein sind Thalengen, cafionartige Teile eines Thaies. So ist auch Desor in seinem Gebirgsbau zu verstehen; darnach ist der Begriff Roffla als „Mündungskanal von Lateralthälern" von Berndt aufgefasst worden (Fet. Erg-H. 08 p. 7), was wieder zu specifisch ist. Penck I. c. 78 führt ferner Klingen als eine namentlich in Schwaben für „untergeordnete Thäler" gebräuchliche Bezeichnung an. Sie ist auch westlich des Bodensees bekannt in der Bedeutung von Waldbach, Tobel; z. B. der durch zwei Bächlein unterhalb der Huiue Hiedern, oberhalb Mannenbach am Untersee gebildete Klingenbach, ferner Klingenberg, Altenklingen, Rheinklingen (Thur- gauj. Dagegen sind Hohenklingen bei Stein a. Hb., Klingenzeil bei Mammern, Klingenried bei Burg, Klingnau a. d. Aare und Klingenthal in Basel auf Gründungen der Herren von Klingen (Altenklingen) ') zurückzuführen. Klinge (alul. chlingo m., chlinga f., nilul. Klinge f.) im Sinne von rauschender Bach, Schlucht, Ge- schiebebank (erodierender und aufschüttender Bach!) muss einst in germanischen Landen sehr gebräuchlich gewesen sein. Das Ver- breitungsgebiet des Wortes fällt wesentlich mit demjenigen von ,. Laufen" zusammen. Am dichtesten erscheint es heute noch im fränkisch-schwäbischen Gebiet, auch für Trockenthälchen: Oden- wald. Neckar, Main und südwärts bis zum Steilafall des schwäbischen Juia (Württ. Atlas, Bl, Hall, Gmünd, Böblingen, Aalen!), Ober- bayern. Sachsen.^) Noch 1580 schreibt Wurstisen in Basel: „Zwischen Lantscron und Kotberg (an der Birsig), jedoch beiderseits durch tiefe Klingen abgeschieden" (Idiot.). Heute heissen die dortigen ') Pupikofer. Tliurj,'. Beilräge zur vaterländischen Geschichte 10. Heft 1869. '^) Rudolf, Geiiarzk(»rner zugesellen kiuinen (vgl. Fig. 2 Tafel I). — Daneben koiimieii al)er eberlialb des Ausserhofes bei Lana uiul iui 346 riricli Griilteiiniiiiiii. Raffeinertobel oberhalb Tschernis (nach Lüwl I. c), dosgleichen in der Nähe von Scliloss Vernauii, am Wege zwischen Gsteir nnd dem Naifjoch, in den (ierüllen am Ostabhang des Iftingerstockes anch wirkliche Einschlüsse voi", zum Teil mit ursprünglicher Schieferung. Sie schneiden von ihrer Umgebung scharf ab und weichen in der mineralogischen Zusammensetzung , wie auch Bocke (1. c. 42')) dargothau hat, von derjenigen des Wirtes in der Kegel stark ab. Sie scheinen zum grössten Teil aus der be- nachbarten Schieforhülle zu stammen und nur in selteneren Fällen grösserer Tiefe entsprungen zu sein . Vom normalen Typus des Iffingergesteins finden sowohl textu- reile, als strukturelle und chemische Abweichungen statt. Die sonst ausgesprochene massige Textur des Gesteinskörpers nimmt bald mehr, bald weniger ausgesprochen lenticularen bis schiefrigen Habitus an. Dies zeigt sich nicht bloss in dem Rande des Kernes genäherten Partien, z. B. unteihalb der Zonoburg (Meran), südlich von Schloss Goyen, zwischen Schönna und dem Bäcksteiner, sondern auch in Zonen, die durchaus den zentralen Teilen des Iffingerstockes zugezählt werden müssen. Man würde im Hand- stücko solche Vorkommnisse schlechtweg als „Tonalitgneiss'' be- zeichnen. Steigt man von Obergsteir nach dem Naifjoch auf. so lässt sich am Iffinger deutlich eine dem allgemeinen Schiefer- streichen entsprechende, nach Nord einfallende Klüftung er- kennen; geht man vom Sattel höher, der Iffiiigerspitze zu. so erscheint der Tonalit in etwa 300 m Mächtigkeit, schalig nnd feinplattig abgesondert. Stücke, die in unzweifelhafter Deutlich- keit die Spuren von Pressung und Auswalzung an sich tragen, liutschfiächen und Streckungserscheinungen zeigen, sind leicht zu finden. Gleichzeitig tragen sie jenen mehr oder weniger grau- grünen, sanssuritisierten und sericitischon Habitus zur Schau, wie er dynamisch beeintiusston Gesteinen schon äusserlich eigentümlich ist. Dem entsprechen auch die Modifikationen des mikroskopischen Bildes. Die grossen Quarzkörner nehmen allgemein undulöse Auslöschung an ; bald werden sie zu ausgesprochenen Streifen- quar/.en. bald ausgereckt zu Quarzlinsen, die selbst wieder lenti- kularen Bau aufweisen (vgl. Fig. 8 Tafel 4): zur eigentlichen Kataklase kommt es dabei nicht! Die gefügeien Plagioklase ver- bii'gen, falten und verweifen ihre Zwillingslamellen; dal)ei können Ueber den Toiuilitkt'rn des irtiiitrer bei Meran. 347 auch sie unter etwelcher randlicher Zertrümmerung zu Linsen ausgequetscht werden ; gleichzeitig geht ihre Substanz im Sinne einer räumlichen Konzentration*) mehr oder weniger vollständig über in Zoisit, Epidot, Sillimanit und Sericit, wobei fein lamel- iierter Albit sich zwischenlagert. Durch solche Vorgänge werden die Feldspate dermassen morphologisch und chemisch umgemodelt, dass es erst bei einer Vergleichung graduell allmählich sich stei- gernder Uebergangsstufen gelingt, den genetischen Zusammen- hang der metamorphischen Bilder aufzudecken. Diesen Vorgängen parallel geht die Ausfaserung des Biotites, seine successive Bleich- ung, Chloritisierung und Sericitisierung ; Hornblende nimmt den schilfigen Habitus an oder epidotisiert sich; so scheinen die farbigen Gemengteile mehr und mehr aus dem Gesteine zu ver- schAvinden und wird der Beobachter schliesslich vor ein Gesteins- bild gestellt, das demjenigen eines geschieferten Quarzporphyres ungemein ähnlich ist. — Solche Vorgänge begünstigen selbst- verständlich in hohem Masse auch die Verwitterung ; der Thon- geruch hierhergehöriger Gesteinsproben gibt Zeugnis davon. Am Ivand der Tonalitmasse stellen sich am Südahhango des Kreuzberges beim Tratter, in der Labachschlucht, in der Nähe von St. Pankraz zu beiden Seiten des Faltschauerbaches, hinter- halb Schloss Eschenlohe im Ultenthal, bei Tscherms, unterhalb Schloss Goyen etc. besondere Gesteinsformen ein. Die einen der- selben sind auffällig durch einen rosaroten bis fleischfarbenen Feldspat, der im allgemeinen der selbständigen Begrenzung ent- behrt, also nur Körnerform zeigt, und wohl fast immer sich als Mikroklin erweisen dürfte. Doch gibt es sowohl am .lochberg als auch am Ifünger Gesteine, in denen dieser Feldspat in grösseren automorphen Umrissen sich zeigt und dadurch einen porphyr- artigen Tonalit erzeugt. Gleichzeitig hat ein Teil der Plagioklase sericitischen Seidenglanz und grünliche Färbung angenommen. Andere fallen auf durch Armut an Glimmer und nähern sich so den aplitischen Formen, die gelegentlich in weissen Adern den gewöhnlichen Tonalit durchschwärmen. *) F. Becker Miltoiliin^' übor Ht'zicliiuij-M'ii zwisclii'ii l)yiKuiiiiiiifl;iiiinr]ihose und Mdlekularvolumen : Anzci^rer dt-r kais. Akadcniir di-i- Wissfiisclialtcn zu Wien, 18U(i. Nr. 111. 348 ririch Grul)enmann. Diese Abarten charakterisieren sich nnter dem Mikroskope (hirc'li die reichliche Anwesenheit xenoniüri)lien Mikroklins, sowie durch das Auftreten niikropegmatitisclier Zapfen, die sich am Rande zwischen Quarz und Mikroklin oder Quarz und Plagioklas ein- stellen (vgl. Fig. 4 Tafel 4). ßecke (1. c. 412) hat aus den Ver- hältnissen der Lichtbrechung nachzuweisen vermocht, dass in letzterem Falle ein natriumreicher Plagioklas, meist Oligoklas, vorliegt. Derartige Implikationsstrukturen bedeuten für diese randlichen Tonalite gleichzeitige magmatische Ausscheidung von Quai'z einerseits und Mikroklin oder Oligoklas anderseits. Es ist dies eine Eigentümlichkeit, welche besonders ausgeprägt den Grano- phyren (Rosenbnsch) zukommt, als randliche Facies der Quarz- porphyre. Dadurch, sowie durch die einsprenglingsartigen Feld- spate wird angedeutet, dass auch in den peripherischen Partien der Tonalitkerne eine Neigung zur Ausbildung porphyrischer Strukturen vorliegt, wie dies vom Rande granitischer Massive längst vielfach bekannt ist. — Den aplitischen Gesteinsformen eignet die „panidiomorphkörnige" Struktur, die Rosenbusch als Kennzeichen seiner „granitischen Ganggesteine" hingestellt hat; nur treten im Tonalitaplit (s = 2,00) neben Quarz und Mikroklin feinlamellierte, saure Plagioklase hervor. In der Gefolgschaft der Tonalite erscheint endlich noch eine ganze Reihe specieller Ganggesteine von heller, dunkler oder gemischter Farbe, die teils den Tonalit selbst, teils die um- liegenden Schiefer durchsetzen. Solche sind unter dem Namen von „Pegmatiten" durch Fuchs (1. c.) vom Marlingerberg schon längst bekannt; sie sind in ähnlicher Weise auch in der ganzen übrigen Umhüllung des Iftinger- und Ultentonalites vielfach an- zutreffen. Andere haben ein lamprophyrisches bis diabasartiges Aussehen, verbinden mit dunkelgrüner bis violettgrüner Farbe ein feines Korn und kömion am Ost- und Westabhang des Iftinger mehrerorts aufgefunden werden. Teller"') hat vom südwestlichen Ausläufer des Singkelchen einen solchen Gang spezieller beschrieben, dessen Gestein durch v. Foulion") in mikroskopischer Untersuchung als „Augitführender Quarzporphyrit" bestimmt wurde. Eine weitere Gruppe kommt in den periphe- rischen l'eilen der Ultenmasse vor und lässt sich am ehesten den von Becke (1. c. 4:35} am Geltthalferner gefundenen „Tonalit- Ueber den Tonalitkern des Iffin{,'er l)ei Meran. 349 porphyriten" an die Seite stellen. Endlich ist aus den Glimmer- schiefern der Tüll bei Meran im Jahre 1873 durch Pich 1er'-) als „Tüllit" noch ein „Dioritporphyrit" (Cathrein 1. c. 78) be- kannt geworden, der dort in einer graugrünen körnigen und in einer braunen Modifikation auftritt*). — Diese Ganggesteine er- heischen eine besondere, ausführlichere Betrachtung, auf welche ich an anderer Stelle eintreten werde. Von besonderem geologischem und petrographischem Interesse ist die S c h i e f e r h ü 1 1 e des T o n a 1 i t e s , ein mächtiger Kom- plex mehr oder weniger gcschieferter Gesteine, die in konkor- danter Auflagerung den intrusiven Kern begleiten. Die sie zusammensetzenden Gesteine lassen sich bezeichnen als Muscovit- und Biotit- Glimmerschiefer und -Gneisse, Tonalit- und Phyllit- gneisse , amphibolitische , chloritische , sericitische und granat- führende Schiefer, Quarzite, ganz untergeordnet auch als graphi- tische Thonschiefer; in weiterem Abstände scheinen ihr noch gewöhnliche und marmorisierte Kalke anzugehören. Die vielge- staltige Schieferreihe ist geologisch jedenfalls älter, als der spät- triadische tonalitische Kern, denn die ganze Schieferhülle ist viel- fach von Lagern und Gängen durchsetzt, die gelegentlich, z. B. an der Nordwestflanke des Marlingerberges, als Pegmatite so mächtig und zahlreich werden, dass der Schiefer darob zurücktritt. Es liegt daher nahe, an eine kontaktliche Beeinflussung der Schiefer- iiülle zu denken, und dies um so eher, seit Salomon (1. c.) durch seine gründlichen und lehrreichen Untersuchungen in der Adamello- gruppe mit so viel Erfolg die mannigfachen Kontaktwirkungen des dortigen Tonaiites aufgedeckt hat. Das Wesen des vulka- nischen Kontaktes bringt es mit sich, dass dessen Produkte mit der Art der betrott'enen Gesteine und der Masse des intrusiven Magmas d. h. der Intensität der Einwirkung, auch mit der Ent- fernung, mehrfach wechseln, daher die Kontakthöfe an möglichst vielen Querprofilen geprüft werden sollten. Solche bestehen durch den Nordfliigel der Schieferhülle in den Umgebungen von St. J'ankraz, hinter l^urg Plschenlohe am Hagel- hach, zwischen Aussorhot und St. Oswald bei Lana. im luiffeiner- *) Auch Rosenbusfli erwälmt ihn (. Mikroskopische Phvsio2 Ulricli (!iul)tMiin;iiin kennen. Sie tülutMi uns liiiiii})er zu jenen (iliedern der Schiefer- liiille, die nur noch aus undulös auslöschenden Quarzlint-en und einem dazwischen sicli drängenden , unentwirrltar til zigfaserigen, trüben Aggregate bestehen. So schwankt das Bild der Gesteine der Schieferhülle zwischen den Fonncn kontaktnietamorpher und regionahnetamorpher Cm- bihhing hin und her, und es scheint mir jetzt schon festzustehen, dass die hochgradige dynamische Beeinflussung der Schiefer im Stande wai', die Spuren des vorausgegangenen, weniger intensiven Kontaktes in den innern Zonen des Kontakthofes wenigstens teil- weise, in den äussern dagegen gänzlich zu verwischen. Darüber wird nach Abschluss der bezüglichen Untersuchungen anderorts ausführlich berichtet werden. Litteratur -Verzeichnis. ') (;. W. C. Fuchs: Die Uiiij.'t'})un|jr vnn Meraii. mit einer Karte (Tafel XVI); Neues Jahrltuch für Miileralofjie, Geologie untl Paläontologie. 1875. p. 81t2. -) F. Teller: Verhandlungen der k. k. geologischen Heichsanstalt Wien. IS78. p. 3-2'.»; 1881. p. 69. ^) F. Löwl: Die Tonalitkerne der Riesenferner in Tirol, Peterniann"s Mit- teilungen, 1893. p. 112. *) R. Lepsius: Das westliche Südtirol, BerHn 1878. p. Vr2. Protil 19. *) Gerhard vom Rath: Beiträge zur Kenntniss der eruptiven Gesteine dei* Alpen; Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. 1864. p. 249- *^) Wilhelm Salomon: Geologische und petrographische Studien am Monte Aviolo im italienischen Antheil der Adamellogrupi>e ; Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschatl. 1890. p. 450. ") A. Baltzer: Adamellogranit und Adamellogranitglimmer; Vierteljahrsschritl der Nalurforschenden Gesellschaft in Zürich, XVI, Jahrg, p. 175. *) A, Cathrein: Zur DünnschlitTsammlung der Tiroler Eruptivgesteine: Neues Jahrbuch für Mineralogie etc, 1890, I, Bd, j), 73, °) F. Becke: Petrographische Studien am Tonalit der Rieserferner: Tschermak's mineralogische und petrographisclie Mitteilungen, Xlll. Rd. ]). 379. '"j F. Teller: Ueher porphyritische Eruptivgesteine aus den Tiroler Cenlral- alpen: .lahrburch der k. k. geologischen Reichsanstalt Wien. 1886. p. 729. ") H. von Ff)ull(in: rei)er Porphyrite aus Tirol: ibid. p, 747. '-) Ad. Picbler: Hrielliche Mittheilung an G, Leonhard; Neues Jahrbuch für Mineralogie etc, 1873. p. 926 (Beiträge zur Geognosie Tirols). "J U. Gruben mann: Ueher Gesteine des granitisciien Kerns im östlichen Teil des Golthardmassivs : Mitteilungen der thurgauischen naturforschen- den Gesellschaft. Heft X. p. 12.5. Vierteljahrsschrift d. naturf. Ges. Zürich. 41. Jahrg. 1896. Jubeiband II. Taf. 4. Fi- l. Fig. 2. Fifi. •^. Fisr. 4. Grubenmanni Tonaiitkern des IfTinger. Pbotogr. Druck von Brunner & Hau«er, ZBrich. Ueber den Tonalitkerii des Itlinger I)ei Menxii. 353 Erklärung- zu Tafel 4. Fig. 1. Normaler Quarzirl i m 'n t' '''l ior i t (Tonalit) aus der Gaul bei Lana. Hartn. Objektiv 0; Xicols gekreuzt. Ein grö.sserer Plagioklasdurchschnitt annähernd parallel P zeigt deutlicli A!l)it- und Periklinstreifung. .'iowie Verwachsung nach dem Karlsbadergesetz. — Seine zentrale basische Kernsubstanz ist durch Verwitterung und andere chemische Eingrifie bereits stark getrübt: zwischen liegende Lücken sind durch saureren Feldspath (Albit) ausgefüllt. Im obern Teil des Bildes erscheint ein zonar gebauter Karlsl)aderzwilling mit Hekurrenz in der Acidität. — Die au.sges})rochen dunkle Stelle unterhalb der Mitte des Bildes ist ein nicht ganz parallel (001) getrolfener Biotitkrystall ; die übrigen hellen, grauen oder dunkeln Felder sind als xenomorpher Quarz zu deuten. Fig. i2. Basische Concretio n imToiialit derselben Lokalität; Hartn. Ob- jektiv 0 wie in der vorigen Figur. Xicols gekreuzt. Viele kleine dunkle Biotitsäulchen erscheinen meist in seitlicher Ansicht, gut automorph ausgebildet, neben ganz wenigen Hornblendesäulchen, die als solche im Bilde sich nicht deutlich erkennen lassen. Kleine, etwas getrübte Plagioklaskrystalle. zum Teil Karlsbaderzwillinge, liegen neben meist bell gehaltenen, unselbständig sich abgrenzenden Quarzen. Fig. 3. Dynamisch be einflusster Tonalit vom Südwestfuss des Iftinger. Hartn. Objektiv 0; Nicols gekreuzt. Undulös auslöschender Quarz be- herrscht den grössten Teil des Bildes; er erscheint durch zwei unter sehr spitzen Winkeln sich schneidende Systeme von Verscbielnmgsklüften zu .schmalen Linsen und Streifen ausgereckt, die zugleich aneinander etwas verschoben sind; Mörtelsubstanz liegt nur ganz spärlich dazwischen. Der Best des Bildes wird von stark zoisitisiertem Plagioklas einge- nonnuen; an einer randlichen Stelle lässt sich noch albilische Zwillings- streifung erkennen. Fig. i. Saurer Bandtonalit aus dem Ultenthal. Hartn. Objektiv 4; Nicols gekreuzt. Zwischen grauen, trüben Plagioklasen und hellen oder dunkeln , klaren Quarzen entwickelt sich in Gestalt wurzeiförmiger, mikr()|)egmatitischer Zapfen eine prächtig ausgeprägte Implikations- struktur, welche für gleichzeitige xVu.sscheidung von Quarz und Feld- spath beweisend ist. Viortoljalirssohrift il. Xiituil'. Ges. Züricli. .J.ihvt,'. XLI. JuboUciiul II. Stauungsmetamorpliose ein Walliser Anthracit und einige Folgerungen daraus. Voll Albert Heim. Im Frülijalir 1892 beging ich das Gebiet der Anthracitforniatioii des Wallis zunächst in bergtechnischer Beziehung. Die Anthracit- flötze zeigen bei vollständiger Kontinuität einen auffallenden, plötz- lichen und hundertfältigen Wechsel in ihrer Mächtigkeit. Der- selbe ist nicht ursprünglich, sondern steht mit der ganzen Gebirgs- mechanik in Beziehung und ist bei der Gebirgsstauung entstanden. Schon Gerlach (27. Lieferung der „Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz") bezeichnete ganz richtig diese Unregelmässigkeiten als gebirgsmechanischen Ursprungs, indem er bald von „Zerdrückung", bald von „Zusammenhäufung" spricht, und diese beiden Dinge als sich gegenseitig bedingend annimmt. Aus diesen Erscheinungen lassen sich allgemeinere, gebirgsmechanische Gesichtspunkte ge- winnen. I. Durch das Wallis geht das Karl)onsystem in zwei Zügen. Der nördlichere kommt aus der Mulde nördlich des Montblanc- massives vom Chamounixthale her, streift über Salvan, wird vom Rhonethal bei Vernayaz durchquert und setzt sich östlich noch ein Stück weit fort, bis er unter der jüngeren Decke der Kalkforma- tionen verschwindet. Der südliche Zug, im "Wallis über 5U km laug, kommt mit SN-Streichen von südlich des Montblanc her, geht über den St. Bernhard, kreuzt das Bagnethal, biegt mehr und mehr gegen ENE um, und streicht nun am Südrande des Walliserthal- bodens bis Turtmann hinauf. Die karbonischen Gesteine sind hier vorherrschend Thonschiefer, dann Sericitschiefer, Sericitquarzite, Quarzitschiefer, Sandsteine, Grauwacken aller Abänderungen, Ar- kosen und Konulomerate in vielfachem Wechsel. Die letzteren Stauungsmetamorithose an Walli-^er Anthracit. 355 sind im nördlichen Zuge viel reichlicher als im südlichen entwickelt. Untergeordnet erscheinen Dolomit, Kalkstein, Gips und Anthracit. AVie stets in den inneren Alpen, so sind auch hier diese Gesteine in Umhildung viel weiter vorgeschritten, als die entsprechenden Gesteine, wo sie nicht faltengebirgisch dislociert sind. Oft sind sie zu Glimmerschiefer, Sericitschiefer, Sericitgneiss geworden, die man nur durch ihre Einlagerung von krystallinen Schiefern trennen kann. Der ganze Komplex der Karbongesteine hat hier wenig- stens 1500 m Mächtigkeit. Dazu kommt noch Doppelung durch muldenförmige Lagerung. Im nördlichen Zuge stehen die Schichten steil bis senkrecht, im südlichen fallen sie in der Regel mit 20 bis 60*^ gegen SE ein. Anthracitflötze sind im Wallis an weit über lOO Stellen anstehend entblösst gefunden, an etwa 15 Stellen zeitweise ausgebeutet worden. An zahlreichen Orten wurde die Ausbeute vergeblich versucht. Ueberall trat der Wechsel in der Mächtigkeit hindernd in den Weg, und meistens war die Aus- beute ein Raubbau, bloss auf den momentanen Vorteil, nicht auf eine regelmässige Rendite sich vorsehend. Eine gute Ausnahme hiervon bildet die Mine von Grone (Calpini). Einzelne Anthracit- Üötze von bestimmtem Charakter und begleitet von bestimmten Gesteinen wiederholen sich in grossen Distanzen in gleicher Weise, so dass kein Zweifel darüber bestehen kann, dass die Flötze in ursprünglich grosser Regelmässigkeit zusammenhängend durch den ganzen Karbonzug streichen. Noch niemals hat ein Bergwerk oder eine Schürfstelle einen Ort abgedeckt, wo ein Anthracitflötz sich wirklich auskeilen würde. Der Anthracit ist auffallend gleichartig. Uebergänge von Anthracit in anthracitische Schiefer, Anthracite von 30 bis 60 oder noch mehr Prozent Aschengehalt sind kaum zu finden. Vielmehr setzt der reine Anthracit meistens scharf ab am einschliessenden Gestein. Der Aschengehalt schwankt zwischen 2 ''/o bloss und 25 ^ o höchstens, beträgt meistens 6 bis 12%. Der Anthracit selbst hat nach Abzug der Asche 95 bis 98 %> meist 96 "o Kohlenstoff; er steht also oft schon dem Graphit sehr nahe und ist z. Teil abfärbendes Graphitoid. In einem Querprofil durch den ganzen Karbonzug treffen wir ;{ bis 4 stärkere und 6 bis 12 schwächere, im ganzen also 9 bis 16 verschiedene Flötze. Durch die Doppelung infolge muldenförmiger Lagerung ist es wahrschein- lich, dass dabei das gleiche Flötz je zweimal erscheint. Die Ge- 350 All.ert Heim. samtmächtigkeit dor verschiedenen Flütze summiert schätze ich auf 4 bis (j m im Mittel. Das stärkste Lager erreicht im Mittel keinen vollen Meter. Die Anthracitfiötze machen hier etwa V^o» der ganzen Karbonbildung aus. Nach den Pfianzenfunden von Ar- bignon und Col de Balme gehört die Bildung ins Mittelkarbon. Brüche mit Verstellung der beiden Ränder, d. h. Verwerfungen, wie sie in manchen Regionen der Erdrinde so häufig sind, fehlen hier fast vollständig. Weder an der Aussenfläche des Gebirges, noch in irgend einer der Kohlengruben konnte ich eine solche finden. Wenn sie vorkommen, sind sie jedenfalls eine seltene Aus- nahme von ganz untergeordneter Bedeutung, Verfolgt man ein Anthracitflötz durch Bergbau, so zeigt sich bald, dass es rasch, bald allmählich, oft ruckweise in seiner Mäch- tigkeit zusammenschwindet : glänzende Kutschflächen stellen sich in Menge teils innerhalb des Flötzes, besonders an seinen Begrenzungs- flächen ein; bald hat das Flötz keine messbare Dicke mehr, aber die Spur der Schicht in Form anthracitischer oder graphitischer Kutschflächen bleibt stets sichtbar. Mit einiger Aufmerksamkeit kann man ohne Schwierigkeit der Flötzspur folgen. Oft schon nach wenigen Metern, oft erst nach 30, 40 und mehr Metern öffnet sich die Schichtfuge wieder, und wir gelangen fast plötzlich in eine Anschwellung des Flötzes hinein, wo der Anthracit schön gleich- förmig auf 2, 3, 4 oder gar bis auf 6 m Mächtigkeit anschwillt. Diese Anschwellungen nennt man im Wallis „poches", „Taschen", das Flötz selbst, ob erhalten oder fast zerdrückt, wird fälschlich „filon" (Ader statt Schicht oder Flötz) genannt. Die Anschwellung hält im Streichen und Fallen ein Stück weit an. In günstigen Fällen geschieht dies auf 10 bis 20 m, selten weiter. Dann hört sie wieder so unvermittelt auf, wie sie erschienen ist. Auch in den ergiebigsten Minen wie Chandoline, Collonges, Gröne kommt es vor, dass die besten Flötze streckenweise fast auf nichts ver- quetscht sind. An einigen Orten zählt man in einem streichenden Stollen auf 200 m Länge je 3 bis 5 solcher Anschwellungstaschen, die mit zerdrückton Flötzstellen abwechseln. Manchmal ist der Wechsel noch rascher und häufiger. Ganz entsprechend sind die Mächtigkeitswechsel, wenn man in der Fallrichtung oder irgend einer anderen vorgeht. Mir schien es, dass jeweilen auf lange Zerdrückungen auch grössere Taschen folgen. St;iuunL:siiietaiiiiir])liu.so an Wallisor Anthracit. 357 Im südlichen \Valliserzuge treffen wir im umgebenden Gesteine mehr oder weniger deutliches Clivage (Transversalschieferung) in ziemlich flacher Lage. Dieses Clivage ist wohl ursprünglich in steiler Lage entstanden und erst durch fortgesetzte Faltung mit Aufrichtung der Schichten dann in flachere Stellung gedreht worden. Dort kann man sehen, dass die Unebenheiten in den Begrenzungsflächen des Anthracites mit diesem Clivage im Zu- sammenhang stehen. Wie stets bei steil zur Schichtung stehen- dem Clivage die Schichtfugen gestaucht, gekräuselt oder gerippt uneben werden, so auch hier. Die am Gesteinswechsel noch er- Sandsteine f/ct 3oo kenntlichen, nicht ganz verwischten Schichtfiigcn im Nebengestein laufen parallel der Grenze gegen das Anthracitflötz, beim letzteren aber ist keine Parallelität der beidseitigen Schichtfugen vorhanden, ri>liose :ui Walli:?er Antliracit. 361 die Walliser Anthracitflötze weit mehr gelitten, als das viel festere, umgebende Gestein und hierdurch haben sich die oben beschrie- benen Erscheinungen ausgebildet. IL Warum sind die Walliser Flütze des Karbonsystems Anthracit und Graphitoid, stellenweise sogar Graphit geworden ; warum sind sie nicht, wie es dem Alter entspräche, noch auf der Stufe der Steinkohle V Warum ist selbst die eocäne Kohle an den Dia- blerets bereits zu Anthracit geworden und warum sind überhaupt die Verkohlungsvorgänge in den Gebieten starker Gebirgsstauung meistens um ein gutes Stück weiter vorgeschritten, als es dem Alter der betreffenden Kohlen entspricht? Auch das scheint wiederum nur ein Glied in einer Kette paralleler Thatsachen zu sein. Nur in den intensiv gefalteten Zonen der Alpen sind oligo- cäne Thone schon zu Dachschiefern geworden, in weniger gefal- teten Kegionen ist ein viel höheres Alter erforderlich, um Dach- schiefer zu werden. Nur in den intensiv gefalteten Zonen der Alpen giebt es Granat- und Staurolithschiefer, Glimmerschiefer, Gneisse und Marmore von jurassischem Alter. Schon im „Mechanismus der Gebirgsbildung" habe ich (z. ß. Bd. II, S. 97 etc.) darauf hingewiesen, dass die mechanische De- formation bei der Gebirgsbildung zu molekularen Umlagerungen führen kann, und dass für solche nicht notwendig immer Hitze oder Wasser verantwortlich gemacht werden muss. Die Umfor- mung der Gesteine kann ins Molekül hineingreifen, kann im latent plastischen Zustande andere KrystaMisationskräfte ins Spiel bringen. Manche haben experimentiert uiul aus ganz unzulänglirlion, prin- cipiell falschen Experimenten die bruchlose Umformung l)ei der Gebirgsbildung geleugnet, obschon sie tausendfältig makroskopisch und mikroskopisch in ihren Resultaten direkt gesehen werden kann. Unterdessen aber sind eine Menge weiterer Thatsachen fest- gestellt worden. Ich will jetzt nicht von denen sprechen, die ich selbst seither wieder beobachtet habe. Die Petrographen haben die krystalline Umbildung bei der „Dynamometamorphose" Schritt für Schritt verfolgt — nicht selten ohne dabei, trotz Streckung und Clivage, innere Zertrümmerung und A\'iedei-V('rkittung in den umgeformten Gesteinen zu linden — oft aber auch von inneren Zer- triiiumcrungsvorgängen begleitet. Kick und Spring haben ihre 302 All.oit H.'iiii. Versuche weiter fortgesetzt. Beide haben noch nicht vollauf das erreicht, was die Gc-hirgsmechanik zu stände bi-ingt; aber sie haben sehr wertvolle Annäherungen gewonnen. Mir scheint, wir dürfen heute in der Deutung der Stauungsnietaniorphose, gleichgültig ob solche mit oder solche ohne innere Zertrümmerung, wieder einen Schritt weiter gehen. Alle Metamorphosen, welche durch Gebirgsstauung herbei- geführt werden, geschehen unter enormem Druck, und zwar im Falle der bruchloson Umformung, die indessen innere scheerende Verschiebungen selbstverständlich nicht ausschliesst, unter einem Drucke, welcher allseitig bedeutend höher sein muss, als die frei gemessene, rückwirkende Festigkeit des Gesteines ihn er- tragen könnte. Es ist deshalb einleuchtend, dass die Stauungs- metamorphose die Herausbildung solcher Minerale fördern wird, welche aus den gleichen Substanzen wie das ursprüngliche Ge- stein gebildet sind, aber ein höheres specifisches Gewicht besitzen. Ebenso wird sie Mineralbildungen befördern können, welche mit einem Substanzverlust durch Entweichen von Gasen oder Wasser verknüpft sind. In diesen Fällen ist die Umwandlung mit einer Volumenvermindernng verbunden. Umgekehrt wird durch Stau- ungsmetamorphose die Herausbildung solcher Mineralien erschwert oder gar verhindert, welche weniger dicht sind als das ursprüng- liche Mineral. Diese Vermutung ist von Spring experimentell bestätigt worden. Die vollständig trocken vermischten Pulver zweier fester Substanzen waren leicht durch Druck zur chemischen Reaktion oder Verbindung zu bringen, wenn die neuen Verbin- dungen ein kleineres Volumen einnehmen als die alten : im um- gekehrten Falle hingegen war allenfalls das Pulver durch Druck zu schweissen, aber die chemische Reaktion trat nicht ein. Braunkohle (spec. Gew. = 1 bis 1,5), Steinkohle (sp. G. = 1.2 bis 1,6) sind in Anthracit (sp. G. = 1,4 bis 1,7) und in Graphit (sp, G. = 2,2) umgewandelt worden. Hierbei ist eine bedeutende Volumenverminderung eingetreten, mehr noch, als sie sich im specifischen Gewichte ausspricht, denn es hat gleichzeitig durch entweichendes Kohlenwasserstoffgas noch ein Substanzverlust statt- gefunden. Das Gas mag hoch komprimiert beim Strömen der zer- malmten Kohle durch deren Poren den Ausweg gefunden haben. l)ie Beförderung des Verkohl ungsvorganges durch die Gebirgs- stauunff ist also sehr wohl zu begreifen. Aehnlich steht es bei Stauungsmetamorphose an \V;tlliser Anthracit. 363 der so häufigen, durch Stauung bedingten Umwandhing von Limonit in Hämatit und Magnetit (Mechanismus etc.". Bd. I, 8. (52 und Bd, II, S. 9tS). Ebenso bei vielen Prozessen der inneren Konsolidation durch fortschreitende, krystallinische Umlagerung, wie z. B. bei der Umwandlung von Thonen und Schieferthonen vom spec. Gew. 2,2 bis 2,4, in Thonschiefer vom spec. Gew. 2,8 bis 2,9 etc. Der Druck be- fördert offenbar alle Vorgänge, welche die Massen dichter machen. Die weitaus verbreitetste und gewöhnlichste Ummineralisierung — man gestatte der Kürze halber den Ausdruck — durch Stau- ungsmetamorphoso (, Dynamometamorphose'') ist die Ueberführung von Alkalifeldspath in Sericit. Der erstere hat sp. G. = 2,53 bis 2,58, der letztere sp. G. = 2,8 bis 3,2 ; die Begünstigung dieser Umwandlung durch die Stauung ist also sehr natürlich. Es kommt bei der Sericitisierung noch ein weiteres Moment hinzu : der Sericit erleichtert durch seine feinschuppige Struktur, seine milde und schmiegsame Beschaffenheit jede weitere Defoi-mation. Er ist wie ein Schmiermittel auf den inneren Verschiebungstlächen und Fasern gequetschter Gesteine. Der Feldspath hingegen war splittrig spröde und zu Deformationen schlecht geneigt. Es erscheint fast, als ob die Quetschung gerade die Bildung solcher Mineralien be- förderte, welche den Gesteinsdeformationen günstig sind — fast erinnernd an eine „prädisponierende Verwandschaft". Oder ist es vielleicht umgekehrt: Kann diejenige Molekulargrnppierung, die wir Sericit nennen, nur durch enorme Quetschung zu stände gebracht worden, kann vielleicht Sericit anders gar nicht entstehen V Dann wäre es einleuchtend, dass ein Mineral, welches nur durch innere Verschiebungen kleinster Teilchen unter ungeheurem Druck entstellt, auch diesem bei seiner Entstehung thätigen Vorgang angepasst ist — es ist, bildlich gesprochen, durch Akklimatisation der Moleküle an denselben gebildet: der Druck erzeugt das, was ihm dient? Dass bei der Stauungsmetamorphose das von Spring formu- lierte Gesetz viel massgebender ist als eine solche Tendenz, durch Deformation ein der weiteren Deformation günstiges Mineral zu bilden, zeigt uns das Verhältnis von Chlorit, Talk und Serpentin zu Augit und Hornblende. Die ersteren drei können freilich auch aus den letzteren entstehen, allein offenbar nicht speciell durch Stauungsmetamorphose. Man sieht Chlorit, Talk und Serpentin nicht entfernt in der Weise ül)erall die ge(|uetschten Augit- und Hornblendegesteine durchsetzen, wie der Sericit die Ortho- :',(;4 Albert Heim. klasgesteiiio. iiiul docli wären diese milden, zum Teil schuppigen Mineralien auch geeignet, als Schmiermittel bei der weiteren Deiormation zu dienen. Sie nehmen aber alle ein grösseres Volumen ein als diejenigen Minerale, aus welchen sie entstehen könnten (sp. G. von Chlorit -= 2,78 bis 2,95, Talk -= 2,() bis 2,8, Serpentin = 2,6, dagegen Augit = 3.4, Hornblende ^ 8,1 bis 3,3). Dies verhindert sie, die regelmässigen Quetschprodukte von Hornblende und Augit zu sein. Ich meine nicht, dass es sich hier um ein durchschlagendes, ausnahmslos gültiges Gesetz handeln könne; es sind noch manche störende Komplikationen denkbar; allein ich glaube, den Satz in folgender Form aussprechen zu dürfen: die Stauungsmetamor- phose befördert, wenn sie ummineralisierend wirkt, die Ausbildung der specifisch schwereren Mineralien. ÜI. Warum sollte nun bei diesen Stauungsmetamorphosen Wasser notwendig da sein? Die Experimente von Spring gelingen aucli mit trockenen Substanzen. Nur diejenigen Su])stanzen, welche in wässeriger Lösung einen geringeren Ivaum einnehmen, als das Lösungsmittel mit der zu lösenden Substanz zusammengerechnet, sind unter Druck in ^^'asser leichter löslich, als ohne Druck. Sehr viele Körper nehmen als Lösung ein grösseres Volumen ein, als vorher Körper und Lösungs- mittel zusammengerechnet. Bei diesen wird der Druck für die Ummineralisierung mit Hülfe von Wasser als ein Hemmnis wirken. Tnter Umständen wird dann die Gegenwart von Wasser den Eintritt einer L^mmineralisierung durch Gebirgsstauung erschweren, indem es dann nur den Kontakt der Substanzen erschwert, die, trocken gepresst, auf einander einwirken würden. Spring hat nun gefunden, dass nur die Pulver solcher Körper leichter in feuchtem als in trockenem Zustande unter Druck zu einer festen Masse zusammen- schweissen oder chemisch auf einander einwirken, bei welchen die Lösung mit einer A'olumenverminderung verbunden ist. Bei allen anderen sind Feuchtigkeit mit Druck ein Hindernis für die neue Vereinigung der Partikelchen. Die Metallpulver schweissen nur in trockenem Zustande unter Druck zusammen. Kalkpulver und Kieselpulver schweissen feucht ein wenig, aber nicht viel besser zusammen, als trocken. Gerade die für die Geologie wichtigsten Stauungsmetamori>hose an Wallisor Aiitliracit. 365 Stoffe sind auf ihre Lösungsvolumina noch kaum untersucht uiul überhaupt schwierig zu prüfen. Es handelt sich aber stets beim Schweissen von Pulvern durch Druck mit oder ohne chemische Iieaktion nur um eine gewisse Erschwerung oder Beförderung durch Wasser, nicht um eine absolute Bedingung. Angesichts dieser Thatsachen kommt es mir vor, dass man irrt, wenn man immer wieder von vorneherein bei allen stauungs- metamorphosen Vorgängen das Wasser als Umlagerer der Mole- küle für notwendig hält. Dazu liegt gar kein Grund vor. Gewiss mag es in vielen Fällen sehr fördernd gewirkt haben, in anderen aber ist es ohne Belang, in wiederum anderen ist es hinderlich. Gerade die Aufnahme von Wasser in das Produkt dürfte wegen der damit bedingten Volumenvermehrung vielfach ein Hindernis für die Stauungsmetamorphose bilden. Wo es möglich ist, den W^assergehalt erst wegzuquetschen, d. h. avo dieser einen Ausweg finden kann, da wird die Stauungsmetamorphose eher ihr Objekt erst trocken pressen, bevor der chemische Prozess in Gang kommt. Es ist nicht einzusehen, warum das Wasser nötig gewesen sein soll zur Umlagerung von Orthoklas in Sericit, oder gar von Hämatit in Magnetit, von Steinkohle in Anthracit oder Graphit. Der allseitig ungeheure Druck nähert ja die Moleküle bis in die reaktionsfähige Drängung hinein, das Wasser ist dann zu diesem Zwecke nicht mehr so nötig. Man bleibe nur nicht zu sehr mit seinen Gefühlen an den gewöhnlichsten Laboratoriumsvorgängen hängen, sondern bedenke, dass eben ungeheure Pressung die Mole- küle ohne Wasser in reaktionsfähige Annäherung und Labilität bringen kann, und der Druck ähnliche Umkrystallisierungen er- möglicht, wie sie ohne Druck nur mit Hülfe von Wasser möglich wären. Druck wirkt da wie Lösung. Das Wasser ist keine allgemeine, absolute Bedingung für den Eintritt von Stauungsmetamorphosen. ^'^^ Ueber die Samenschale der Solanaceen. Von Carl Hartwich. (Hierzu Tafel 5.) Die Samenschale der Solanaceen gehurt zu den verhältnismässig einfach gebauten. Das anatrope Ovulum besitzt ein Integument, welches nach den vorliegenden Angaben 6 — 10 Zellreihen dick ist. Von diesen Zelh-eilien erfährt nur die äusserste, die Epidermis, eine besondere Ausbiklung, während die übrigen, die die ,Nähr- schicht" bilden, im reifen Samen leer und so stark zusammen- gepresst sind, dass Details auch mit Hülfe von Quellungsmitteln schwer zu erkennen sind. Zwischen dieser Nährschiclit und dem Endosperm liegt noch eine Lage von im Querschnitt gewöhnlich quadratischen Zellen, die dem Knospenkern angehören. Da im Folgenden so gut wie auschliesslich von der das Interesse allein in Anspruch nelniienden Epidermis die Rede sein wird, so sei hier gleicli erwähnt, dass die Nährschicht im reifen Samen häufig ver- holzt, so bei Physalis Alkekengi, Nicandra physaloides, Datura Stramonium, Datura Metel etc. etc.. seltener färbt sich auch das Gewebe des Knospenkerns mit Phloroglucin und Salzsäure rot, so dass dann beide verholzt sind: ich habe das gefunden bei Physalis Alkekengi, Solanum nigrum und Physalis somnifera L. (Witliania). Ueber die Samenschale der Solanaceen. 367 Da sich unter den Solanaceen eine Reihe wichtiger Arznei- pflanzen befinden, so hat es nicht fehlen können, dass man dieselben und damit auch die Samen, die zuweilen sogar an den die Arznei- wirkung bedingenden Stoffen (Alkaloiden) besonders reich sind, wiederholentlich untersucht hat. Diese Untersuchungen haben meist die oft ausserordentlich charakteristischen Zellen der Epidermis ihrer Form nach geschildert, da sie sehr geeignet sind, die ein- zelnen Arten auch an kleinen Bruchstücken der Samen zu unter- scheiden. Ich nenne von diesen Arbeiten die von Berg (Anato- mischer Atlas zur pharmazeutischen Waarenkunde. Taf. XXXXVII), die betreffenden Abschnitte in der Real -Ency kl opädie der gesamten Pharmacie, ferner aus neuester Zeit Planchen et Colin (Les drogues simples d'origine vegetale, 1895, Tome I) und von nicht speciell pharmakognostischen Schriften Harz (Landwirt- schaftliche Samenkunde). Diese Schriften enthalten meist nichts oder sehr wenig über die Entwicklungsgeschichte und über die feinere Beschaffenheit der Zellhäute, soweit sich dieselbe mit mikro- chemischen Reaktionen feststellen lässt. In eingehender Weise wird dann auch die Entwicklungs- geschichte der Samenschale behandelt von Loh de (Ueber die Ent- wicklungsgeschichte und den Bau einiger Samenschalen. Mitteilungen aus dem Gesamtgebiet der Botanik von Schenk und Luerssen. II. Bd. 1. Heft), wie auch Tschirch und Oesterle (Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde, Taf. 4 und Taf. 39) die Entwicklungsgeschichte, bis jetzt bei Capsicum und Hyoscyamus. berücksichstigt haben. Recht spärlich und wenig befriedigend sind bis jetzt die Angaben über die chemische Zusammensetzung der Wände der Epidermiszellen. Neben einigen Angaben bei Lohde und Tschirch, auf die im Folgenden bei Gelegenheit zurückzukommen sein wird, ist Folgendes zu erwähnen. Harz (Botanisches Zentralblatt 1885, Band XXIV, p. 90, Verholzungen bei höheren Pflanzen, speciell über das Vorkommen von Lignin in Samenschalen) hat Arten von Tapsicum, Solanum und Nicotiana untersucht und sagt, dass die Wände der Epidermis verholzt seien. In der That zeigen diejenigen seiner Arten, die ich auch untersucht habe, weitgehende Verholzung. Tschirch und Oesterle haben 1. c. gezeigt, dass die Zellwand bei Capsicum verholzt, bei Hyoscyamus unverholzt ist. Eine 3G8 ^'^^'^ Hartwich. eingehende Untersuchung speciell der Aussenwand der Epidermis bei Capsicuni hat dann Hanausek (Ber. d. deutsch, bot. Ges. 1888) geliefert unü auf deren interessanten Bau aufmerksam gemacht. Ich habe dann speciell Capsicum von neuem untersucht und die Ergebnisse dieser Untersuchung in einer kleinen Arbeit (Hartwich, über die Epidermis der Samenschale von Capsicum. Pharmazeutische Post. Wien 1S94) niedergelegt, aus der u. A. hervorgeht, dass die Epidermiszellen und Samenschalen einen guten Anhaltspunkt geben um verschiedene (Jruppen innerhalb der durch Kultur so veränderten Gattung zu unterscheiden. Eine Arbeit von de Toni und Paoletti (Beitrag zur Kenntnis des anatomischen Baues von Nicotiana Tabacum. Ber. d. deutsch, bot. Ges. 1891) berücksichtigt auch die Samenschale dieser Art, ohne Neues zu bringen. Mit Bezug auf den soeben angedeuteten Punkt, dass die Samen- schale bei Capsicum gute Anhaltspunkte bot zur Unterscheidung von Gruppen, möchte ich gleich vorweg hervorheben, dass, so aus- gezeichnete Anhaltspunkte die Epidermis der Samenschale zur Bestimmung und Erkennung der einzelnen Arten bietet, doch eine Verwertung derselben zur systematischen Einteilung der Familie nicht möglich ist, da z. B. die verschiedensten Formen sich in der Gattung Solanum finden und andererseits fast dieselben Formen bei systematisch ziemlich weit von einander entfernten Arten wiederkehren. Ich muss danach aussprechen, das ich die Angaben von Loh de, der, auf die Untersuchung einer verhältnismässig geringen Anzahl von Arten gestützt, glaubte, seine Ergebnisse systematisch verwerten zu können, nicht habe bestätigen können. Ueber die Entwicklung der Epidermis der Samenschalen ist folgendes anzuführen: Schon in einem sehr frühzeitigen Stadium hebt sich die Epidermis des Integumentes durch die Grösse ihrer Zellen ab, dieselben beginnen bald, sich tangential zu vergrössern, dabei stark wellige Konturen zu erhalten und auf diese Weise mit den in einander greifenden Vorsprüngen eine besonders feste Verbindung unter einander zu erzielen. Die Verdickung der Zell- wände geht erst viel später vor sich, wenn der Same ganz oder nahezu seine volle Grösse erreicht hat. Die Verdickung erstreckt sich im wesentlichen auf die Innenwand und die Seiten wände und zwar besonders auf die letzteren, während beim Ovulum und dem ganz jungen Samen gerade die Aussenwand verhältnismässig dick lieber die Samenschale der Solanaceen. 369 i«t. Nach Loh de (1. c. p. 60) ist anzunehmen, dass, wenn eine Verdickung der Aussenwand stattfindet, wie das z. B. bei Datura der Fall ist, diese zuerst beginnt und dass dann erst die Seiten- wände und die Innenwand nachfolgen. Der Grad der Verdickung der beiden letzteren kann ein sehr verschiedener sein. Im extremsten Fall ist die Verdickung so stark, dass, wenigstens beim trockenen reifen Samen, von einem Lumen überhaupt nichts mehr oder nur ein schmaler Spalt zu sehen ist, alles übrige ist von den Verdickungsschichten ausgefüllt. Es hat den Anschein, als wäre der zusammengepressten Nährschicht eine sehr dicke Membran aufgelagert, die sich in zwei Schichten, die Seiten- resp. Innenwand und die dünne Aussenw^and mit der Cuticula der Epidermiszellen gliedert. Das findet sich besonders stark ausgeprägt bei Lycium afrum (Fig. 5). Ebenfalls gehört hierher Solanum aculeatissimum, dessen Samenschale ich aber, da sie nach einer andern Richtung abnorm ist, am Schlüsse geson- dert besprechen möchte. Auf der andern Seite stehen solche Samen, bei denen die Verdickung eine möglichst unbedeutende ist. Ich nenne hier nach Harz (Samenkunde II, p. 999) Solanum tuberosum. Zwischen diesen beiden Extremen kommt nun eine grosse Menge von Uebergängen vor, die man in zwei Gruppen bringen kann, erstens diejenigen, die im oberen Teil der Seitenwände keine Tüpfel bilden, und zweitens diejenigen, bei denen das der Fall ist. Erste Gruppe: Die Verdickung der Seitenwände ist unten, also der Innenwand zugekehrt, gewöhnlich am stärksten und ver- läuft nach aussen mehr oder minder schroff, so bei Physalis Alkekengi (Fig. 6), wo deräusserste Teil der Seitenwand überhaupt nicht verdickt ist; ebenso ist es bei Solanum dubium, Solanum hastifolium Höchst. In einigen Fällen ist der untere stark verdickte Teil. Avie im letztgenannten Fall, gegen den unverdickten sehr deutlich abgesetzt, die obere Partie der Seitenwand verdickt sich dann aber wieder mehr oder weniger erheblich nach oben, also gegen die Peripherie hin, so bei Nicandra physaloides (Fig. 4) und Solanum tomatillo. (Die letzteren Samen stammen aus Früchten, die ich aus der cliilenisclion Droge Natre ausgelesen habe. Ich will nicht unterlassen, zu bemerken, dass auch andere Arten wie S. tonuitillo diese Droge liefern sollen). Sonst sind die Seitenwände Vierteljahrsschrift d. Naturf. Cios. Zürich. Jahry. XLI, Julnlbaiid II. 2-1 l'^yO <-"'^rl Hartwich. in ihrer ganzen Ausdehnung verdickt und verschniälern sich entweder uacli oben allmählich, so bei Nicotiana rustica. Mandragora Vornalis (Fig. 3), Solanum acutangulum Priseo von Peru, Browallia demissa L.. Himeranthus magollanicus üriseb., Physalis somnifera L. (Fig. 1), oder die Seitenvvände sind in der Mitte etwas schmäler, werden dann aber nach oben wieder breiter, ein Typus, der sieh von Nicandra und Solanum tomatillo eigentlich nur dadurch unterscheidet, dass eine starke Verdickung der Seiten wände bis oben hinauf reicht, so bei Withania coa- gulans. Bei Physalis somnifera. das eine nach oben etwas schwächer werdende Verdickung zeigt, und auch in einigen andern Fällen sind die Seitenwände oben etwas eingebuchtet (Fig. 1). Die zweite Gruppe umfasst die zahlreichen Samen, die im oberen Teil der Seitenwände Tüpfelbildung zeigen. Die Entstehung der Tüpfel ist für Datura Stramonium von Loh de beschrieben. Wir finden in dieser Gruppe zahlreiche Formen und Uebergänge und nennen zunächst einige, bei denen es zur Bildung von Tüpfeln überhaupt nicht kommt. Bei einem Solanum, dessen Früchte ich aus der südamerikanischen Droge Jurumbeba ausgelesen habe, und das ich für Solanum paniculatum halte, sind die Zellen der Epidermis ziemlich stark radial gestreckt und bis auf ^!i ihrer Höhe schwach verdickt und verholzt. Dieser verdickte Teil nun setzt sich gegen den nnverdickten nicht scharf ab. sondern verläuft in Form kurzer Spitzen in denselben (Fig. 7). Daran kann man anschliessen Solanum Dulcamara, das bereits von Loh de genannt wird. Hier umfasst die verdickte Partie etwa 7-5 der Höhe und geht in Form schmaler Bänder, die sich nach oben zuspitzen, in die unverdickte hinein. Diese Bänder erreichen in den meisten Fällen die Aussenwand; man kann dann also schon von ganz flachen, schmalen Tüpfeln sprechen, in anderen Fällen aber sind sie zu Ende, bevor sie die Aussenwand erreicht haben (Fig. 8.). Daran schliessen sich diejenigen Arten, bei denen die Bänder die Aussenwand in allen Fällen erreichen. Es entstehen hier v^er- schiedene Formen, je nachdem die untere stark verdickte, oder die obere, tüpfelbildendc Partie grösser ist. Die untere Partie ist viel grösser bei Solanum stramonifoliu ni Jacq. von Ostindien (Fig. 10), Solanum melongena, Solanum valdiviense Miq., Solanum adoense Höchst. (Fig. 9), die obere ist grösser bei CJeber die Samenschale der Solanaceen. 371 Solanum nigrum. Sülanuiii plol)ejuin A. Hieb. (Fig. 11). Für die meisten bisher angeführten Fälle ist es charakteristisch, dass der obere, tüpfelbildende Teil der Seitenwaiid immer ziomlieb dünn bleibt. Sind dagegen die Seiteiuviimle stark verdickt, so entstehen hierdurch und durch den Umstand, dass, wie schon erwälmt, die Seitenwilnde reichlicii wellig gebogen und in einander gekeilt sind, oft eigentümliche Bilder, so dass es auf dünnen Querschnitten durch den Samen, die nun tangentiale Längsschnitte der Seitenwaud ent- halten, aussieht, als zerteilte sich die kleinere oder grössere Partie der Seiteuwand, die die Tüpfel enthält, in einzelne schmale Streifen und Bänder, wie von den schon genannten bei Solanum adoense Höchst. (Fig. 9), S. stramouifolium. S. plebejum (Fig. 10. 11). Ist die obere, tüpfelbildende Partie sehr kurz, so sind die Verhält- nisse noch schwieriger zu erkennen: es finden sich dann die Tüpfel als kleine, fast kugliche Höhlungen in der Seitenwand. Dahin gehören Datura Stramonium, D. alba, D. ferox, D. Tatula, D. Metel und auch Capsicum. Wie schon erwähnt, sind diese Tüpfel bei Datura Stramonium von Lolule eingehend be- schrieben. Die Innenwand nimmt ebenfalls an der Verdickung Teil. Sie zeigt in einigen Fällen, z. B. bei Capsicum. Datura. Solanum hastifolium, S. Valdivianum, Physalis etc. eine Eigentüm- lichkeit, die hervorgehoben werden muss. Sie verläuft in den genannten Fällen nicht gerade, sondern zeigt und zwar besonders auf den Flachseiten des Samens Auftreibungen, die ihr ein höchst charakteristisches Ansehen verleihen. Moeller (Mikroskopie der Xahrungs- und Genussniittel aus dem Pflanzenreiche, ISSli, p. 247) hat das bei Capsicum beschrieben und diesen Zellen den ganz passenden Namen „(iekrösezellcu" gegeben. Tschirch be- schreibt sie ebenfalls bei Capsicum und ist geneigt, die Verbieg- ungen etc. einem nachträglichen Flächenwachstum zuzuschreiben, welches eingetreten ist, nachdem die Membran bereits stark verdickt und verholzt war. Ich will darauf aufmerksam machen, dass nach Schellenberg (Beiträge zur Kenntnis der verholzten Zellmembran, isii.")) die verholzte Membran ein Flächeuwachstum nicht mein- zeigt. Xach meinen Beobachtungen kommt diese eigentümliche Erscheinung zu Stande durch die wellenförmige Verbiegung der 372 ^-'iirl Hartwich. Seitenwäiide, die besonders im unteren Teile der Zellen eine sehr vitl weitergehende, als im dlieren ist (Fig. lö). Es entstehen so zahlreiche Zacken und Zähne, mit denen die Zellen in einander greifen und an denen sich die Membranen der benachbarten Zellen ausweichen müssen, was natürlich gegen das Lumen der Zellen hin stattfindet. Man kann an dünneren Schnitten leicht sehen, dass solche Auftreibungen, besonders wenn sie etwas stark sind, nicht der Zelle, die man durchschnitten hat, allein angehören, sondern dass der innere Teil der Auftreibung einem eindringenden Zahn oder Fortsatz einer benachbarten Zelle angehört. Natürlich sind solche reichlichen Verzahnungen benachbarter Zellen sehr geeignet. die Festigkeit der Samenschale zu erhöhen. Wir können nicht selten Aehnliches beobachten bei den sogenannten .Trägerzellen'" in der Samenschale vieler Leguminosen, die aber die reichlichen Verzahnungen nicht nur unten sondern auch oben zeigen (z. B. Citrullus Colocynthis). Ueber die chemische Beschaffenheit der Wände der Epidermiszellen sind bisher, wie oben gesagt, nur vereinzelte Mit- teilungen gemacht. Die Verhältnisse sind, wie man sehen wird, recht mannigfaltige. Ich bespreche zunächst kurz die Seitenwände und die Innenwand und zum Schlüsse die besonders interessante Aussenwand, die ich bisher, da sie sich wenig verdickt, ganz über- gangen habe. Li verhältnismässig wenig zahlreichen Fällen sind die Wände in der That völlig verholzt, ich habe in diesen Fällen eine Aus- kleidung der Zellen mit einer anderen Membran, wie sie von Tschirch für Capsicum als kutikularisiert angegeben wird, nicht immer wahrnehmen können. Ich will indessen gleich bemerken, dass, wie aus dem Folgenden hervorgehen wird, die innersten Teile der Membran oft von anderer Beschaffenheit sind als die übrigen. Ueber die Verholzung der Xährschicht und der Zellen des Knospenkerns habe ich schon Eingangs eine Bemerkung ge- macht. Ich habe die Innen- resp. Seitenwand ganz verholzt gefunden bei Nicandra i)hysaloides, Nicotiana rustica, Solanum paniculatum. Lycium afrum, Solanum nigrum, S. stra- monifolium, S. Valdiviense, S. adoense, Capsicum. S. plebejum. Hierzu ist aber zu bemerken, dass bei denjenigen Arten, die Tü|>fL'll)ildung zeigen, die Tüpfel nicht verholzt sind, sondern lieber die Samenschale der Solanaceen. 373 aus Cellulose bestehen und dass bei «lfm von mir iintersiichton Samen von Solanum nigrum und S. plehtjuni die Verholzung nur bis zu den Stellen reicht, wo die Tüpfelbildung beginnt (Fig. IIa — a'). kli will bezüglich des letzteren Befundes darauf auf- merksam machen, dass ich in meiner oben citierten kleinen Arbeit über Capsicum zeigen konnte, dass bei unreifen Samen nur die untere Hälfte der Epidermiszcllen verliolzt ist, dass also anscheinend die Verholzung von unten nach oben, für den ganzen Samen also zentrifugal, fortschreitet, womit, wie man sehen wird, die Beobach- tungen über die Verholzung der Aussenwand ül)ereinstimmen. Vielleicht waren also die Samen der beiden Solanum-Arten nicht völlig reif. Die unverholzten. verdickten Streifen (Fig. a'— a") l)estehen aber bei Solanum nigrum nicht ausschliesslich aus Cellulose, sondern lassen mit (yhlorzinkjod abwechselnd violette und gelbe Bänder erkennen. (Fig. 12.) Bei folgenden Arten sind die Zellen in der That. wie es Tschirch anführt, von einer abweichenden Membran ausgekleidet, oder genauer gesagt, die Verholzung erstreckt sich nicht durch die ganze Dicke der Innen- und Seitenwand, indessen ist diese innerste Partie nicht verkoi-kt. Bei Physalis Alkekengi wird der grösste Teil der Seiten- uud Innenwände mit Chlorzinkjod gelbbraun, mit Phloroglucin und Salzsäure rot, ist also verholzt, eine zunächst an das Lumen gren- zende dünne Partie wird nicht mit den zuletzt genannten Keagentien rot und mit Chlorzinkjod schmutzig blau, besteht also mindestens vorwiegend aus Cellulose. Bei Datura alba, auf die nachher bei Besprechung der Aussenwand uotli genauer einzugehen ist, liegt die Sache ebenso, es sind hiei' auch die Seitenwände stark verholzt und die an das Lumen unmittelbar angrenzende Partie, die ziemlich dick ist, besteht aus Cellulose (Fig. 13. a.). Bei Solanum dubinin folgt nach innen auf die verholzte Partie eine schmale Memluan, die mit Phloroglueiii und Salzsäure nicht i'ot und mit Chloi-zinkjod nicht blau wird, ich Idii über ihren Charakter nii-lit icclit ins Klai'c gckouunen. jedenfalls spricht die geringe l\esistenz gegen Chronisiinre nicht für eine ("uticulari- sierung. Aehnlich scheint es l)ei Solanum hastifolium Höchst, zu liefen. 374 Carl Haitwich. Diesen Fällen mit ausschliesslicher oder doch überwiegender Verholzung gegenüber stehen diejenigen, wo eine Verholzung über- haupt nicht nachzuweisen ist. Dahin gehört Hyoscyamus niger, Bowallia demissa L., Himeranthus magellanicus Griseb., Solanum bifurcum Höchst. In diesen Fällen habe ich eine besondere, die Zellen auskleidende Membran nicht konstatieren können. Sehr wahrscheinlich, wenn auch nicht ganz sicher, ist dies der Fall bei Solanum acutangulum Priseo. Man kann hier, besonders an Schnitten, die von den Seiten des Samens genommen sind, in den Seitenwänden drei Partien unterscheiden, eine innerste, intensiv braun gefärbte, darauf folgend die dickste Schicht, weniger braun, und endlich, das Lumen der Zellen auskleidend, eine helle Menibran. Die ganze Wand wird mit Chlorzinkjod braun, mit Phloroglucin und Salzsäure nicht rot. Vielleicht waren die Samen nicht recht reif. Wie aus dem Folgenden hervorgehen wird, haben wir solche Membranen, die mit Jodreagentien gelb bis braun und mit Phloro- glucin und Salzsäure nicht rot werden, als verkorkt zu bezeichnen. A^on besonderem Interesse sind dann einige Fälle, bei denen verholzte und nicht verholzte Partien noch viel auffallender neben einander vorkommen. Bei Mandragora vernalis sind Innen- und Seitenwände stark verdickt, verholzt sind nur die innersten schmalen Partien, wo die Wände zweier benachbarter Zellen an einander stossen (Fig. 3. c), alles übrige ist verkorkt. Behandelt man einen Schnitt mit konzentrierter Kalilauge, so werden Seiten- und Innenwände gelb, die Färbung wird viel intensiver beim Kochen, man sieht dann an den verdickten Partien das Heraustreten ölartiger Tröpf- chen. Diese gelbe Substanz kann man nun mit Wasser oder Alkohol leicht ausziehen und es bleiben die vorher gelben Partien ungefärbt zurück, nur die innerste, verholzte Partie bleibt schwach gelb. Behandelt man jetzt den Schnitt mit Chlorzinkjod, so färben sich die Seiten- und Innenwände schön violett. Mit konzentrierter Chromsäurelösung in der Kälte behandelt, löst sich nach 24 Stunden Alles auf, vorher aber sieht man, dass die verholzten Teile sich zuerst gelöst haben, da die Membranen sich an dieser Stelle spalten. Ueber die Sameuschiile der Solaritaceou. 375 Von besonderem Interesse war mir das Verhalten gegen Kali- lauge. Bekanntlich nahm man nach v. Hölmel allgemein an, dass die verkorkte Membran aus Cellulose besteht und dass sie mit einer fettartigen Substanz, dem Suberin, inkrustiert sei, und wenn man die fettartigen Substanzen mit Kalilauge verseift hat, so nimmt dann, natürlich nach dem Auswaschen mit Wasser, die zurückbleibende Membi-an mit Chlorzinkjod eine rotviolette Farbe an, was auf die Oegenwart von Cellulose gedeutet wurde. Dem gegenüber ist von Gilson die Behauptung aufgestellt worden, dass die Gegenwart von Cellulose in der vei'korkten Membran mindestens zweifelhaft sei und dass die Färbung mit Chlorzinkjod nicht der Membran, sondern dem entstandenen Kaliumphellonat zuzuschreiben sei. Die Färbung soll ausbleiben, wenn die mit Kalilauge behandelten Schnitte, vor dem Behandeln mit Chlorzinkjod mit Alkohol extra- hiert werden. Wie ich oben angeführt habe, ist das hier nicht der Fall und man wird die Ansicht von v. Hölmel für die richtige lullten müssen, dass die verkorkten Zellhäute in der That aus Cellulose bestehen, die mit den fettartigen Substanzen inkrustiert ist. Etwas komplizierter und interessanter sind die Verhältnisse in einigen anderen Fällen: Bei Physalis somnifera L. zeigen die stark verdickten Seitenwände wie bei Mandragora eine schmale innerste Partie, die verholzt ist (Fig. 1. A. c), darauf folgt eine breitere Partie (b.), die mit Chlorzinkjod gelb wird und endlich eine dritte, ziemlich dicke Schicht (a.), die aus Cellulose besteht. Lässt man auf einen solchen Schnitt Chromsäurelösung einwirken, die nicht zu konzen- triert ist, so sieht man, wie die innerste, die Cellulosehaut (Fig. ]. ß. a.) bald verquillt und dabei schöne Schichtung erkennen lässt. Noch bevor sie ganz gelöst ist, sieht man, wie die innerste ver- holzte Partie sich zu lösen beginnt, die Wände werden, w^ie bei Mandragora gespalten (Fig. 1. B. c.) und nach 24 Stunden ist uur noch die mittlere verkorkte Partie übrig (Fig. 1. C). Wir haben also hier, auf einander folgend, eine verholzte, eine verkorkte und eine Cellulosemembran, wie das bei Korkzellen auch sonst häufig vorkommt, nur in verhältnismässig kolossalen Dimensionen, die die einzelnen Teile genauer zu studieren gestatten, als das sonst der Fall ist. Aehnlich, wenn auch nicht ganz klai-, sind die Verhältnisse 376 Carl Hartwich. bei Withania coagulans. Es lassen sich in der Seiten wand eben- falls drei Schichten unterscheiden, von denen nur die mittelste verholzt ist, die innerste und die äusserste, d. h. die an das Lumen der Zelle grenzende sind nicht verholzt, bestehen aber auch nicht aus Cellulose. Behandelt man nun einen Schnitt, wie oben, mit Chromsäure, so bleibt nur die äusserste Partie übrig. Alles Andere löst sich. Wir haben also von innen nach aussen auf einander folgend, eine schmale Zone, deren Beschaffenheit nicht klar ist, eine verholzte und eine verkorkte Membran. Ich will bezüglich der innersten Partie hinzufügen, dass ich es auch sonst hier und da beobachtet habe, dass der innerste Kern im wesentlichen ver- holzter Membranen sich mit Phloroglucin und Salzsäure nicht rot färbte. Nun erübrigt es noch die Aussenwand der Epidermiszellen zu besprechen: Wie schon erwähnt, nimmt dieselbe verhältnis- mässig selten an der Verdickung teil. Im einfachsten Fall besteht sie aus einer massig starken Cellulosemembran mit übergelagerter Cuticula. Hanausek (1. c.) ist zu der Ansicht gekommen, dass die Samen von Capsicum keine Cuticula haben, sondern nach aussen mit einer Cellulosemembran abschliessen. Ich habe schon in meiner oben citierten kleinen Arbeit über Capsicum dargethan, dass ich die Cuticula, wenn auch nur als eine sehr feine Haut, bei Capsicum mit Jod-Jodkalium und Schwefelsäure habe sichtbar machen können und will hier noch hinzufügen, dass ich auch in allen anderen Fällen, wo ich danach gesucht habe, die Cuticula immer habe auf- finden können. Eine Täuschung kann hier leicht entstehen. W^enn man nämlich Querschnitte mit Chlorzinkjod behandelt, so sieht man oft die Epidermis nach aussen abgeschlossen durch eine an- sehnliche braun oder gelb gefärbte Schicht, die oft freilich nach aussen ziemlich ungleichmässig ist, die man aber doch geneigt sein wird, für die Cuticula zu halten. Wenn man dann Schnitte mit konzentrierter Schwefelsäure und vorher mit Jod-Jodkaliuiii be- handelt, so ist man verwundert zu sehen, dass diese Schicht mit besonderer Leichtigkeit sich löst, also nicht wohl die Cuticula sein kann. In der That sind es auch Reste des Fruchtmuses, die den Samen überziehen und die endlich zum Vorschein kommende Cuti- cula ist sehr fein. Der oben genannte einfachste Fall, wo die Aussenwand aus Ueber die Samenschale der Sohinaceen. 377 einer Cellulosehaiit mit Cuticiila besteht, findet sich bei Hyoscya- iiius niger, Withania coagnlans, Physalis somnifera, Sola- num nigrum, S. melongena, S. acutangulum. — In ziemlich zahlreichen Fällen geht die Verholzung von den Seitenwänden auf die Aussenwand über und zwar stets nur in Form einer mehr oder weniger schmalen Membran. Es besteht in diesem Fall also die Aussenwand aus drei Schichten, der Cuticula, einer mittleren Schicht, die wir zunächst noch als Cellulose an- sprechen und einer innersten, verholzten Schicht. Auf das Vor- kommen dieser letzteren Schicht ist zuerst von Hanausek bei Capsicum aufmerksam gemacht worden, undichhabe dann gezeigt, dass man diese Schicht in Verbindung mit der ganzen Form der Epidermiszellen benutzen kann, innerhalb der Gattung Capsicum verschiedene Gruppen zu unterscheiden. Ferner konnte ich nach- weisen, dass die Verholzung von den Seitenwänden auf die Aussen- wand übergeht, in sofern zuweilen die verholzten Teile gegenüber- stehender Wände noch nicht zusammengetroffen sind, man also in der Mitte zwischen den Seitenwänden eine grössere oder kleinere Stelle der Aussenwand konstatieren kann, die nicht verholzt ist. Besonders instruktiv in dieser Beziehung ist Solanum adoense (Fig. 9.). Hier sind die Seitenwände bis oben hinauf verholzt, sie bilden Tüpfel und es sind nun nicht nur die zwischen den Tüpfeln befindlichen schmalen Platten verholzt, sondern die Verholzung geht häufig oben über die Tüpfel weg. Ausser den beiden genannten habe ich eine solche verholzte innerste Schicht der Aussenmembran nachweisen können bei Nicandra physaloides, Datura ferox, D. Tatula, Solanum melongena (nicht immer), S. stramoni- folium (Fig. 10.). Der unmittelbar unter der Ciiticula gelegene, die Hauptmasse der Aussenwand bildende Teil ist bisher als aus Cellulose bestehend betraclitet worden, in zahlreichen Fällen ist das aber nicht richtig. Ich habe (1. c.) gezeigt, dass diese Schicht bei Capsicum nicht aus Cellulose bestehen kann, da sie sich mit Jod-Jodkalium allein schon deutlich bläut. Ich gebe einige weitere Beaktionen hier wieder: Die Membran löst sich in Kupferoxydammoniak nicht, sondern quillt nur auf etwa im Verhältnis von 3 : 7, wobei sie sich schön blau färbt. In wässeriger Lösung von Kongorot färbt sie sich nach 24 Stunden fast kirschrot, Baumwolle wird ziegelrot. 378 ^^^^ Hartwich. ebenso die aus Cellulose bestehenden Zellwände des ^ndosperms von Capsicum. In Wasser quillt die Membran etwa um 33 %, in Natronlauge etwa auf das Doppelte der ursprünglichen Dicke. In Schulzeschem Gemisch löst sich die Membran nicht völlig auf, auch nicht bei Nachbehandlung mit Ammoniak, doch wird sie viel durch- sichtiger, sie färbt sich dann mit Jod-Jodkalium nicht mehr blau, dagegen mit Chlorzinkjod violett, es ist also wohl ein aus Cellulose bestehendes Skelett zurückgeblieben. Ich habe damals die Aehn- lichkeit dieser Membran mit dem Amyloid betont, wenn man sie nicht direkt als Amyloid bezeichnen Avill. Es finden sich nun solche sich mit Jod-Jodkalium allein bläuende Membranen auch sonst bei den Solanaceen, ich habe sie gesehen bei Physalis Alkekengi, Nicandra physaloides, Nicotiana rustica, Datura alba, Mandragora vernalis, Solanum paniculatum, S. stramoni- folium, S. hastifolinm, S. Valdiviense (zweifelhaft.) In einigen Fällen ist die Aussenwand zum Teil in Schleim umgewandelt. Bei Datura Tatula besteht die Aussenwand unter der Cuticula aus zwei verschiedenen Schichten, von denen die innere mit Jod-Jodkalium allein hellblau wird, die äussere, direkt unter der Cuticula gelegene, in Wasser quillt und sich löst. Ebenso verhält sich Himeranthus magellanicus. Ebenfalls eine deutliche Differenzierung der Aussenwand zeigt Solanum adoense, aber nach ganz anderer Richtung. Die äussere Hälfte der Wand färbt sich mit Chlorzinkjod gelblich, die innere dunkel violett, die äussere dürfte kutikularisiert sein, da sie sich mit Phloroglucin und Salzsäure nicht färbt und gegen Lösungs- mittel recht resistent erweist. — Daran schliessen sich diejenigen Fälle, in denen die ganze Aussenwand mehr oder weniger kutikularisiert oder verkoi-kt zu sein scheint, nämlich Lysium afrum und Datura Stramonium. Die letztere Art gehört zu den wenigen unter den von mir untersuchten Arten, wo die Aussenwand sich erheblich mitverdickt. Ich verweise des Specielleren wegen auf Loh de und füge nur Folgendes hinzu. Die stark verdickten Seitenwände sind nur an den Grenzstellen verholzt, sonst verkorkt. Von diesen Seitenwänden ausgehend ist die innerste Partie der Aussenwand ebenfalls ver- korkt und zwar ist die verkorkte Schicht von ansehnlicher Dicke. Nach Loh de besteht die darüber gelegene Schicht aus Cellulose, Ueber die Samenschale der Solanaceen. 379 bei den von mir untersuchten, selbst aus aufgesprungenen Kapseln gesammelten Samen, wurde diese Schicht mit Chlorzinkjod schmutzig gelb. Bei Datura ferox entsprach dagegen die Aussenwand der Darstellung von Loh de bezüglich der Celluloseschicht, die darmiter gelegene Schicht und die Seitenwände waren stark verholzt. Endlich noch ein Wort über Datura alba, wo ebenfalls die Aussenwand sich stark verdickt. Es liegt hier unter der Cuticula eine Schicht, wie ich sie oben anführte, die sich mit Jod-Jodkalium allein blau färbt, der übrige Teil der Epidermiszellen, abgesehen von der schon erwähnten Celluloseschicht, die das Lumen auskleidet, ist verholzt (Fig. 13.). Wir haben also in den Epidermiszellen von aussen nach innen auf einander folgend: 1) die Cuticula (d); 2) die mit Jod sich blau farl)ende Schicht (c); 3) die verholzte Schicht (b) und endlich 4) die Celluloseschicht (a). Zum Schlüsse sind noch einige Samen zu besprechen, die sich vom allgemeinen Typus etwas entfernen: 1) Die Samen von Solanum cupulatum Miq. aus Ostindien haben Epidermiszellen, deren Seiten- und Innenwände gleichmässig stark verdickt und verholzt sind, wogegen die Aussenwand nicht verholzt ist. Sie zeigen ebenfalls Tüpfelbildung, die Tüpfel sind aber nicht auf die obere Hälfte, wie sonst ausnahmslos beschränkt, sondern sind über die Seitenwände gleichmässig verteilt (Fig. 2.). Die unverdickten Stellen sind nicht verholzt. Die verdickten und also verholzten Teile der Zellwand zeigen gegen das Lmere der Zelle eine schmale Membran, die nicht verholzt ist und auch nicht aus Cellnlose besteht, also wohl verkorkt ist. Diese Membran ist fein gehöckert. Solche Höcker finden sich auch sonst, ich habe sie einige Male bei Formen von Capsicum longum De. gefunden, wo sie übrigens auch Loh de schon gesehen hatte: sie nehmen dort ebenfalls an der Verholzung der Zellwand nicht Teil. Ferner fanden sich die Höckerchen bei Nicandra physaloides im oberen Teil der Seitenwände (Fig. 4.). 2) Vielleicht am auffallendsten sind die Samen einer Droge, die ich als Frutos Arrebenta cavallo erhalten habe und die aus Brasilien stammt. Wie mir Herr Dr. Peckolt in Rio freund- lichst mitteilt, sind das die Früchte von Solanum aculeatissimum Jaq. Sie haben ihren Volksnamen Arrebenta cavallo und Arre- benta boi, Pferde- oder Ochsen platz er daher, weil das Vieh, 380 Carl Hartwich. wenn es die unreifen Früchte verzehrt, Magen- und Darmentzündung bekommt, sich dabei stark aufbläht und schliesslich zu Grunde geht. Die unreifen Früchte sollen nur vorübergehende Diarrhoe hervorrufen. (Vgl. auch Zeitschr. d. österr. Apoth. V. 1894.) Die flachen hellbraunen Samen sind im Aussehen den meisten Solanaceen- samen durchaus ähnlich, sie zeigen Endosperm und den gekrümmten Embryo in völlig normaler Weise. Auffallend gebaut ist dagegen die Samenschale. Sie enthält unmittelbar an das Endosperm an- grenzend die dem Knospenkern angehörige Zellschicht (Fig. 14. a), darauf folgend die Nährschicht, deren einzelne Zelllagen mit Quel- lungsmitteln gerade noch leidlich erkannt werden (Fig. 14. b.). Daran schliesst sich nun nicht eine Zellschicht, die wir nach dem Vorhergehenden für die Epidermis halten würden, sondern noch zwei Schichten. Die innerste von beiden, an die Nährschicht gren- zend (Fig. 14. c.) lässt im Querschnitt durch den Samen meist kein oder nur ein ganz kleines Lumen erkennen, wie Lycium afrum (Fig. 5.), die Zellen sind durch die Verdickungsschichten der Seiten- und Innenwände fast völlig ausgefüllt. In Tangential- schnitten durch den Samen (Fig. 14.) erkennt man ein ganz schmales Lumen. Diese Zellen färben sich mit Phloroglucin und Salzsäure schön rot, sind also verholzt. An genügend dünnen Schnitten kann man eine Schichtung nur erkennen an den Seitenwänden und an der Iimenwand. so dass diese Partien einer normal verdickten Zelle gleichen, wogegen die mehr gegen die Aussenwand gelegenen Par- tien eine Schichtung nicht erkennen lassen. Diese färben sich auch mehr oder weniger mit Haematoxylin, Kongorot, Methylenblau. Die Aussenwand dieser Zellen ist dünn, ebenfalls verholzt, sie lässt sich auch zwischen den einzelnen Zellen eine Strecke weit ver- folgen (Fig. 14.). Besonders im untern Teil sind diese Zellen reich verzweigt und mit Zähnen versehen (Fig. 15. a und b.). wodurch eine erhebliche Festigkeit der ganzen Membran erzielt wird (cf. oben.). Ueber diesen stark verdickten und verholzten Zellen liegt nun noch eine weitere Schicht flacher, unverholzter Zellen (Fig. 14. d.). Sie sind aussen von einer sehr feinen Cuticula überlagert. Die Wand zwischen dieser und dem Lumen lässt zwei Schichten er- kennen, die obere färbt sich mit Chlorzinkjod nicht, ebensowenig mit Kongorot und Methylenblau (e.). die andere, an das Lumen grenzende (h.), nimmt mit den genannten Pteagentien mehr oder Ueber die Samenschale der Solanaceen. 381 Aveniger intensive Färbungen an, sie Avird besonders mit Chlor- zinkjod blauviolett. Die Innenwand der Epidermis (f.) färbt sich mit Jod- Jodkalium allein, wenn auch nur sehr schwach bläulich, wobei Schichtung deutlich wird, sie entspricht also der interessanten, dem Amyloid nahestehenden Membran, die ich oben schon genannt habe. Im Lumen der Zellen finden sich spärliche Reste des Inhalts, die mit Jod gelb, mit Osmiumsäure schwarz werden. In Kupfer- oxydammoniak löst sich die Aussenwand dieser Epidermiszellen auf. Das Autfallende bei diesem Samen liegt also darin, dass über der Nährschicht an Stelle der einzigen Epidermisschicht, sich zwei Zellschichten finden, von denen die untere sich dem allgemeinen Solanaceentypus ungefähr anschliesst. Auf Tangentialschnitten sieht man nun ohne weiteres, dass die beiden Schichten sich völlig decken. Bei hoch eingestelltem Tubus sieht man dünnwandige Zellen mit stark geschlängelten Wänden, die Epidermiszellen (Fig. 16, a.) ; stellt man tiefer ein, so liegen darunter Zellen von genau denselben Umrissen mit ganz engem spaltenförmigen Lumen, die sklerotischen Zellen (Fig. 16, b.). Es dürfte daraus zu schliessen sein, dass die ursprünglich vor- handene einzige Schicht, die Epidermis des Samens, sich durch eine Wand teilt und zwar, wenn die Zellen in tangentialer Richtung ihre Grösse erreicht haben. Lohde macht ausdrücklich bei Datura Stramonium darauf aufmerksam, dass die Samen sich frühzeitig tangential dehnen und nach dieser Richtung ihre volle Grösse erreichen. Die hier ebenfalls beabsichtigte Besprechung des auffallendsten Samens, des stark behaarten Samens von Lycopersicum, muss ich mir für später aufsparen, da die Bildung der Haare eine ziemlich komplizierte ist, die sich nur entwicklungsgeschichtlich feststellen lässt, wozu mir momentan das Material fehlt. Jedenfalls ist die Bildung nicht so einfach, Avie sie Lohde darstellt. 382 Carl Hartwich. Figuren-Erklärung: 1. Physalis somnifera L. A. die verdickten Seitenwände zwei benachbarter Zellen, a. aus Cellulose bestehend, b. vei'korkt. c. verholzt. B. nach kurzer Einwirkung von Chrouisäure. C. nach 24 stündiger Einwirkung von Chromsäure. 2. Solanum cupulatum Miq. Zwei Zellen der Epidermis. Die schraffierten Teile sind verholzt. 3. Mandragora vernalis. c. verholzt. 4. Nicandra physaloides. 5. Lycium afrum. 6. Physalis Alkekengi. 7. Solanum paniculatum. Die verholzten Teile sind schraffiert, ebenso bei Fig. 8, 9, 10, 11. 8. Solanum Dulcamara. 9. Solanum adoense. 10. Solanum stramonifolium Jacq. 11. Solanum plebejum. a — a' verbolzt, a' — a" unverholzt. 12. Solanum nigrum. Stück einer Verdickuugsleiste nach Einwirkung von Chlorzinkjod. 13. Datura alba. d. Cuticula. c. Schicht, die mit J^KJ blau wird. b. ver- holzt, a. Cellulose. 14 — 16. Solanum aculeatissimum. 14. Querschnitt durch die äussere Partie des Samens, a. Knospenkern. b. Nähr- schicht, c. Steinzellen, d. Epidermis, f. mit J'+KJ sich bläuende Schicht. 15. Zelle der Schicht 14. c. a. bei hoher b. bei tiefer Einstellung. 16. a.. Zellen der Schicht 14. d. 1(3. b. Zellen der Schicht 14. c. Vierrehahrsschnri d nafurr Ges- Zürich. 41 Jahrg 1896. Jubelband II. Taf. 5. 9. ^^^^^^er-^ G. Hartwich. Ueber die Samenschale der Solanaceen Burg. OFIHE üeber die osmotischen Eigenschaften der Zelle in ihrer Bedeutung für die Toxikologie und Pharmakologie (mit besonderer Berücksichtigunjj: der Animoniake und Alkaloidej. Von Ernst Overton. Wenn man einen Rückblick auf die Entwickhing der Toxiko- logie und IMiarmakologie während der letzten 50 — (30 Jahre wirft, so werden zwei Forschungs-Ergebnisse einer allgemeineren Natur ganz besonders in die Augen springen. Das erste dieser Resul- tate lautet dahin, dass die resorptiven oder entfernten Wirk- ungen der salzartigen Verbindungen sich rein additiv aus zwei Komponenten zusammensetzen, nämlich aus den specifischen Wirk- ungen der besonderen Basis und der besonderen Säure, durch deren Wechselwirkung das Salz entstanden ist, wobei es sich aller- dings häufig ereignet, dass die Wirkung des einen Komponenten so sehr überwiegt, dass die Wirkung des andern Bestandteils da- neben praktisch nicht in Betracht kommt. Letzteres niuss indessen trotz der Häufigkeit seines Vorkommens doch nur als specieller Fall der allgemeinen Regel angesehen werden. Das andere allgemeine Ergebnis dieser Forschungen drückt sich in der Lehre der sog. Wahl Wirkung der Gifte und Arznei- mittel aus. Diese Lehre sagt uns, dass ein jedes Gift oder Arz- neimittel in den Körper eingeführt, wenigstens in massigen Gaben nur auf eine einzige oder nur auf einige wenige Gattungen von Zellen einen merklichen Einfluss ausübt, oder gar nur auf einen bestimmten Bezirk der betreffenden Zellen wirkt, während die üb- rigen Zellgattungen des Körpers im wesentlichen intakt bleiben oder nur indirekt in Mitleidenschaft gezogen werden. Einige wenige Beispiele werden genügen, um diese beiden Ge- setze zu illustrieren. Man wird allgemein zugeben, dass die resorptiven Wirkungen 384 Ernst Overton. des Chinins völlig übereinstimmen, gleichgültig, ob dasselbe in der Form des Sulfats, des Chlorids, des Nitrats oder des Valerianats eingegeben wird. Wenn man das salicylsaure Chinin anwendet, so addieren sich einfach die Wirkungen der Salicylsaure zu den- jenigen des Chinins. Ganz ähnlich verhält es sich bei den Salzen der übrigen Alkaloide und bei den Metallsalzen. Ebenso wirken die Cyanide oder die Oxalate völlig gleich, nachdem sie resorbiert worden sind, gleichviel ob sie als Kalium, Natrium oder Ammo- niumsalze in den Organismus gebracht worden sind. Wenn in den verschiedenen Pharmakopoen dennoch häufig mehrere Salze der wirksamen organischen Base oder eines Me- talles aufgenommen worden sind, so ist das hauptsächlich des- wegen geschehen, weil die verschiedenen Salze mit gemeinschaft- licher Base, oder gemeinschaftlicher Säure, auch dann, wenn nur der eine Komponent für die resorptiven Wirkungen in Betracht kommt, in ihren lokalen Wirkungen häufig ungleich sind. Aus diesem Grunde kann sich, je nach der zu wählenden Art der Ein- verleibung des Medikaments, bisweilen das eine, bisweilen das andere Salz besser eignen. Will man z. B. ein Arzneimittel durch subkutane oder durch intravenöse Injektion in den Körper ein- führen, so ist es notwendig, dass das betreffende Salz neutral rea- giere und leicht löslich sei; während bei der Einführung in den Verdauungskanal diese Faktoren weniger in Betracht kommen, da- für aber die leichtere oder schwerere Resorbierbarkeit massgebend sein müssen. Andere Salze werden wiederum nur aus einem Zu- geständnis zum Hergebrachten aufgenommen, wie das z. B. wohl bei der Aufnahme des Chininsulfats der Fall ist. Um noch einige Beispiele für das zweite Gesetz anzuführen, so ist es bekannt, dass, wenn man die Wirkung des Curarins auf die einzelnen Gewebe und Gewebselemente untersucht, es sich herausstellt, dass nur die Enden der motorischen Nerven, nament- lich diejenigen der willkürlichen Muskeln in ihren Funktionen merklich gestört sind. Bei der Vergiftung mit Barium- oder Ka- liumsalzen, mit Antiarin, Strophantin oder den wirksamen Bestand- teilen der Digitalisblätter sind die quergestreiften Muskeln, nament- lich diejenigen des Herzens, der hauptsächliche Sitz der Affek- tion. Bei der Einwirkung von Strychnin sind es gewisse Elemente des Rückenmarks, vielleicht die Ganglienzellen seiner Vorderhörner, Ueber die osmotischen Eigenschaften der Zelle. 385 welche vornehmlich ergriffen werden. Das Chloroform wirkt in erster Linie auf das Grosshirn ; das Kohlenoxyd auf die roten Blutkörperchen u. s. f. Wenn nun die Gültigkeit dieser beiden Gesetze wohl allge- mein anerkannt wird, so sind mir doch keine ernstlichen Versuche bekannt, dieselben näher aufzuklären. AVohl hat man. was das erste Gesetz anbetrifft, bei Besprechung specieller Fälle gelegent- lich auf die Anschauungen hingewiesen, welche Berthol let in seinem bekannten Werk, „Essai de statique chimique" entwickelt hat, über die Verhältnisse, welche auftreten, wenn mehrere Salze zugleich in einer Lösung aufgelöst werden; aber über solche Hin- deutungen hinaus ist man nicht geschritten, und in der That haben erst die Forschungen der allerletzten Zeit Gebiete erobert, von welchen aus ein erfolgreicher Angriff auf diese Probleme möglich erscheint. Wer die Entwicklung unserer Kenntnisse über die Natur der Lösungen, speciell der Salzlösungen, während der letzten zehn Jahre verfolgt hat, wird es begreiflich finden, dass es gleichgültig sein könne, ob eine wirksame Base in der Form des Chlorids, des Sulfats oder des Nitrats u. s. f. eingegeben wird, da, um ihre re- sorptive Wirkung zu entfalten, es notwendig ist, dass die be- treffende Verbindung zunächst in die Blutbahn gelange. In dem Blutplasma alier sind ausser einer geringen Menge Phosphate, Car- bonate etc. bedeutende Mengen Chloride von vornherein vorhanden. Nun lehrt uns die neuere theoretische Chemie, dass in einer ver- dünnten Salzlösung die Moleküle zum grossen Teil in die Jonen gespalten sind, welche in hohem Grade von einander unabhängig sind. Wenn wir z. B. Kochsalz in einer grösseren Menge Wasser auflösen, so enthält die Lösung ausser wenigen unzersetzen NaCl Molekülen zahlreiche freie Chlor und Natrium-Jonen: und bei der Auflösung eines Gemisches von Natriumchlorid und Kaliumnitrat finden sich in der Lösung neben wenigen unzersetzen NaCl und KNOj Molekülen zahlreiche freie K, Na, Cl und N O3 = Jonen und ausserdem noch einige Na NO3 und K Cl Moleküle. Ganz ähnliche Verhältnisse finden, sich bei den im Blutplasma und in der intercellularen Lymphe gelösten Salzen, nur dass dieselben noch verwickelter sind, indem eine grössere Anzahl von Säuren und Basen beteiligt sind. Wenn nun ein fremdes Salz, z. B. Ba- Vlerteljahrsschrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jub elband II. 2o 386 Ernst Overton. riumnitrat in die Blutbahn gelangt, so wird auch hier wieder das Bariumnitrat zum grossen Teil in die freien Jonen Ba und 2NÜ3 zerfallen, es werden aber auch einzelne Ba(N03)2 Moleküle un- zersetzt bleiben und ausserdem eine gewisse Anzahl Moleküle von BaClgjBaHPO^ u. s. f. sich bilden. Wenn aber durch solche Erwägungen es uns verständlich er- scheint, dass die beiden Komponenten eines Salzes von einander unabhängig und unter Umständen auf ganz verschiedene und weit auseinander gelegene Gewebselemente ihre Wirkungen ausüben können, so lehren sie uns nichts über die thatsächliche Form, in welcher die wirksamen Bestandteile aus dem Blute in diejenigen Zellen, wo sie ihre Wirksamkeit entfalten, eindringen. Die Unter- suchung dieser Frage muss von einem ganz anderen Gebiete aus angegriffen werden. Bevor wir dieselbe aber weiter verfolgen, wird es zweckmässig sein, jenes zweite allgemeine Ergebnis der toxikologischen und pharmakologischen Forschung, die Wahlwirk- ung der Gifte und Medikamente, einer Betrachtung zu unterziehen. Wir werden dadurch einige neue Gesichtspunkte gewinnen, welche uns die Wege zeigen werden, die wenigstens zu einer teilweisen Aufklärung beider Gesetze zugleich führen müssen. Wenn wir uns fragen, warum ein Gift oder Arzneimittel — in den Körper eingeführt — zunächst nur auf eine einzige oder auf einige wenige Arten von Zellen einen merklichen Einfluss aus- übt, so könnte man eine Erklärung nach einigen ganz verschie- denen Richtungen hin suchen. Wir wissen, dass die lebenden Zellen für viele gelöste Verbindungen, z. B. für manche in Lös- ung befindliche Farbstoffe impermeabel sind ; nun wäre die Ver- mutung sehr nahe liegend, dass eine Zellart für die Lösung dieses, eine andere Zellart für die Lösung jenes Körpers durchlässig sei, während alle übrigen Zellarten für den betreffenden Körper un- durchlässig bleiben; indessen wäre es ebenso möglich, dass zwar die verschiedenen Zellarten dieselben Permeabilitätsverhältnisse besitzen, dass aber je nach der speciellen Natur der einzelnen Zellarten einerseits , des Giftes resp. Medikaments andererseits, eine grössere oder geringere Veränderung in den Zellen stattfindet. Aber es ist noch eine andere Möglichkeit im Auge zu be- halten. Wir kennen viele Beispiele dafür, dass Zellen bei der Auf- nahme und Abgabe von gelösten Verbindungen sich nicht rein lieber die osmotischen Eigenschaften der Zelle. 387 passiv verhalten, sondern vielmehr bei diesen Vorgängen sich ak- tiv beteiligen. Besonders lehrreiche Fälle dieser Art bieten sich bei den verschiedenen Drüsenzellen. So ist bekannt, dass der Harn der Diabetiker G— 8, ja in seltenen Fällen gar 12 **/o Trauben- zucker enthalten kann, während ihr Blut selten mehr als 5 — 7 wohl nie mehr als 10*/oo Traubenzucker aufweist. Es muss also bei dem Uebergang des Traubenzuckers aus dem Blute in den Harn — ein Vorgang, der sich wahrscheinlich in dem Malpighischen Knäuel abspielt — der Traubenzucker bei seinem Durchgang durch die Zellen von einem Orte niederer Konzentration nach einem an- dern höherer Konzentration sich bewegen, was durch Filtration oder durch osmotische Triebkräfte unmöglich geschehen könnte; wir sind vielmehr zu der Annahme gezwungen, dass dieser Ueber- gang des Zuckers in den Harn durch einen besonderen Mechanis- mus der Epithelzellen bewerkstelligt wird, ohne dass wir zur Zeit einen Einblick in die Natur dieses Mechanismus erlangt haben. Wir können nur so viel sagen, dass die Betriebskräfte für den Gang dieses Mechanismus durch die Stoftwechselvorgänge in den Zellen selbst geliefert werden müssen. Auch bei dem Uebergang von Harnstoff aus dem Blute, welches nur ca. V2^***> aufweist, in den Harn, welcher im Mittel 'I—3^,o^) enthält, müssen entweder die Endothelien der Capillaren oder die Epithelien der gewundenen Harnkanälchen, oder, w^as vielleicht am wahrscheinlichsten ist. beide Zellarten zugleich durch ihre eigene Thätigkeit diesen Vorgang ermöglichen. — Andere Drüsenzellen W'ürden uns noch weitere Beispiele für Vorgänge analoger Art liefern. In einer durch ihre Klarheit wie durch ihre Vielseitigkeit gleich ausgezeichneten Abhandlung hat Haidenhain-) vor vier Jahren gezeigt, dass auch bei der Lymphbildung die Endothelien der Blutgefässe durch ihre eigene Lebensthätigkeit Stoffe aus dem Blute in die Lymphräume überführen können. Man kann indessen noch weiter gehen und die Behauptung aufstellen, dass dieses eigentümliche Vermögen, aus Lösungen un- *) Nach Hoppe-Seyler kann der Harn des Hundes b'.-- zu 10°/o Harnstoi?" enthalten. ^) Versuche und Fragen zur Lehre von der Lymphbildung, Pflg. Arch. Bd. 49, S. 204—301: 189L 38 8 Ernst Overton. abhängig von den Diffusionsvorgängen. Stoffe aufzunehmen und eventuell weiter zu befördern, welches uns in den Drüsenzellen und Gefässendothelien in besonders auffälliger Weise entgegentritt, eine ganz allgemeine Eigenschaft sämtlicher lebender Pflanzen- und Tierzellen ist, obgleich die Wirkungssphäre jenes Vermögens bei den verschiedenen Zellen eine sehr ungleiche ist. Die Berechtigung dieser Behauptung wird aus wenigen Beispielen deutlich genug er- hellen: Die Muskulatur des neugeborenen Kindes wiegt im Mittel 0.625 Kilo, die des ausgewachsenen Mannes 29.88 Kilo. Der Prozent-Gehalt beider an Kaliumphospat resp. dessen Jonen ist an- nähernd gleich, aber viel höher als der des Blutplasmas resp. der Lymphe ; es müssen also während des Wachtums der Muskulatur grosse Mengen von K und PO4 H Jonen aus der Lymphe in die Muskelfasern übertreten, obgleich die Lymphe an diesen beiden Jonen viel ärmer ist als die Muskelfasern selbst. Im Uebrigen machen es mir zahlreiche Erfahrungen höchst wahrscheinlich, dass auch der von den Muskelfasern zersetzte Traubenzucker sowie das Eiweiss in dieselben nicht durch reine Diffusion aus der Lymphe gelangen, sondern dass die Muskelfasern vielmehr an dieser Auf- nahme aktiv beteiligt sind und dieselbe regulieren. Bei den Pflanzenzellen ergiebt sich die Notwendigkeit der An- nahme desselben Vermögens nicht minder. Das Protoplasma der Pflanzenzellen zeigt unter normalen Verhältnissen eine alkalische, deren Zellsaft dagegen gewöhnlich, Avenn auch nicht immer, eine saure Reaktion. Diese saure Reaktion des Zellsaftes ist häufig eine sehr intensive. Nun ist nichts gewisser, als dass die in dem Zellsaft befindlichen Säuren nicht hier (im Zellsaft) gebildet wer- den ; wir müssen vielmehr annehmen, dass dieselben in dem Pro- toplasma sich bilden und durch dessen innere Grenzschicht (die sog. Vacuolenhaut) in den Zellsaftraum secerniert werden. — Der Vorgang ist ganz analog dem, was bei dem Fleischfresser in ge- w^issen Zellen \) der Niere geschieht. Wie hier die Gefahr, welche die abnehmende Alkalescenz des Blutes und der Lymphe durch Bildung von Schwefelsäure aus den zersetzten Eiweisstoffen dem Organismus bereiten würde, dadurch abgewendet wird, dass fort- ') Welche Zellen der >t'iere mit der Regulierung der Alkalescenz des Blutes betraut sind, ist meines Wissens noch nicht festgestellt Avorden. Uel)er die osmotischen Eigenschaften der Zelle. 389 während Säure und Alkali in anderen Verhältnissen in den Harn secerniert werden, als sie in dem Blut und Lymphe vorkommen, wird bei den Pflanzenzellen die Alkalescenz des Protoplasmus da- durch bewahrt, dass mehr Säure als Alkali in den Zellsaft überge- führt wird. Dass in dem einen Fall das Sekret ein extrazellulares, in dem andern ein intracellulares und noch im Dienste des Organis- mus stehendes ist, ändert nichts an dem Wesen der Sache; im übrigen wird z. B. in dem Bojanus' sehen Organ der Schnecke die Harnsäure ebenfalls zunächst in Zellenvacuolen abgesondert. Diese Beispiele werden wohl zur Genüge zeigen, dass die Auf- nahme und Abgabe von gelösten Verbindungen seitens der Zelle nicht immer durch rein osmotische Vorgänge bedingt werden, dass vielmehr bei allen lebenden Zellen eine Stoffaufnahme und Stoffabgabe noch durch einen andern Mechanismus bewirkt werden kann, welcher — durch die Lebensthätigkeit der Zelle in Bewegung gesetzt und geregelt — unter Umständen gelöste Stoffe in eine Richtung befördern kann, welche derjenigen genau entgegengesetzt ist, welche sie durch alleinige Wirkung der Diffusion einschlagen mussten. Nach diesen Auseinandersetzungen haben wir also folgende Punkte bezüglich der Aufnahme und Wirkungsweise der Gifte und Arzneimittel festzustellen. 1. Ob die Wahlwirkung dadurch bedingt wird, dass das Gift resp. Medikament allein oder vorwiegend nur von derjenigen Zell- art aufgenommen werden kann, welche in ihren Funktionen ver- ändert wird, oder ob die betreffende Verbindung zwar gleich leicht von den verschiedensten Zellarten aufgenommen wird, aber auf ge- wisse Zellarten dank specifischer Eigentümlichkeiten eine inten- sivere Wirkung ausübt. 2. Ob die Aufnahme durch einen rein osmotischen Vorgang bewirkt wird, oder ob dieselbe durch ein aktives Eingreifen der Zelle geschieht. 3. In dem Falle von Salzen, die Form in welcher die Auf- nahme stattfindet. Um diese Fragen beantworten zu können, ist ^'or allen Dingen eine gründliche Kenntnis der osmotischen Eigenschaften der Zelle erforderlich. 390 Ernst 0 verton. Da die osmotischen Eigenschaften der Pflanzenzellen im all- gemeinen genauer und in viel grösserem Umfange studiert werden können als diejenigen der tierischen Zellen, so eignen sie sich am besten zum Ausgangspunkte der Untersuchung, wobei es sich na- türlich nur um die Feststellung der osmotischen Eigenschaften ihres lebenden Protoplasmas, resp. dessen Grenzschichten, nicht um diejenigen der Zellmembran handelt. Was die Methode der Untersuchung anbetrifft, so ist die all- gemeinste obgleich nicht immer anwendbare Methode, diejenige, welche man als die osmotometrische bezeichnen kann: Ihr Prinzip erhellt aus dem nachstehenden Beispiel. Gesetzt, wir wollen ermitteln, ob ein gelöster Körper A auf diosmotischem Wege in eine beliebige Pflanzenzelle oder viel- mehr in dessen Protoplast (wenn im folgenden blos von dem Ein- dringen in die Zelle die Rede ist, so ist stets darunter zu ver- stehen, dass die betreffende Verbindung auch durch das Proto- plasma hindurch in den Zellsaft gelangt) eindringe oder nicht, so bringen wir die betreffende Zelle zunächst in die Lösung einer Verbindung B, deren Molekulargewicht wir kennen und von der wir wissen, dass sie weder durch den Protoplast eindringt noch auf denselben schädlich wirkt. Es ist zweckmässig, einen Nicht- leiter, etwa Rohrzucker zu wählen. Wir bestimmen nun, bei welcher Konzentration von B eine eben merkliche Abhebung des Protoplasts von irgend einer Stelle der Cellulosemembran bewirkt, d. h. eine beginnende Plasmolyse eingeleitet wird. Wir wollen diese Konzentration die plasmolytische Grenzlösung (De Vries) von B nennen und mit Bg bezeichnen. Wir wollen nun zunächst annehmen, dass die Verbindung A ebenfalls ein Nichtleiter ist, ferner dass sie leicht löslich und noch bei relativ hoher Konzentration für die Zelle unschädlich sei. Wir bereiten in diesem Fall eine Lösung von A, deren Konzentration Ag sich so verhält zu der Konzentration B^, wie das Molekular- gewicht des Körpers A zu dem des Körpers B. Es muss dann nach den Gesetzen des osmotischen Druckes, wenn der Körper A nicht in die Zelle dringt, auch diese Lösung eine eben merkliche und dauernde Plasmolyse der Zelle bewirken. Dringt der Körper A dagegen ein, so wird entweder gar keine Plasmolyse der Zelle Ueber die osmotischen Eigenschaften der Zelle. 391 oder nur eine vorübergehende eintreten. Es müssen in diesem Falle noch eine Reihe von Versuchen ausgeführt werden, um die Schnelligkeit des Eindringens zu bestimmen. — Ist die zu prü- fende Verbindung ein Elektrolyt, so niuss die Konzentration eine entsprechende Korrektur erfahren , welche aus kryoskopischen Untersuchungen, Bestimmungen der elektrischen Leitfähigkeit etc. berechnet werden kann. Ist die Verbindung A nur wenig löslich in Wasser, oder wirkt dieselbe schon bei relativ niedriger Konzentration auf die Zelle schädlich ein, so machen wir Anwendung von dem Gesetz, dass wenn zwei Verbindungen, welche nicht chemisch auf einander ein- wirken, in einer und derselben Lösung sich befinden, der osmo- tische Druck dieser gemischten Lösung gleich ist der Summe der osmotischen Drucke beider Körper zusammengenommen. Wir lösen also eine kleine Menge des Körpers A, welche noch nicht schädlich wirkt, in der Lösung B^ auf und untersuchen darauf, ob die Plasmo- lyse zunimmt oder nicht und im ersten Fall, ob die Zunahme der Plasmolyse eine dauernde oder nur vorübergehende ist. Findet über- haupt keine Zunahme der Plasmolyse statt, so dringt der Körper ebenso schnell durch den Protoplast wie durch die Zellmembran ein; findet nur eine vorübergehende Zunahme der Plasmolyse statt, so dringt die Verbindung allmählich in den Protoplast ein. Das Eindringen ist ein um so schnelleres, je rascher die Plasmolyse auf den ursprünglichen Grad zurückgeht. Stellt sich eine dauernde Zunahme der Plasmolyse ein , so dringt der Körper A nicht merklich in den Protoplast ein. Auch diese letztere Methode ist selbst bei den günstigsten Zellen nur dann anwendbar, wenn eine solche Konzentration der zu prüfenden Verbindung zulässig ist, die einem partiellen osmotischen Druck entspricht, der min- destens einer 50 — 100 mm hohen Quecksilbersäule das Gleich- gewicht hält. Um ferner, im Falle ein gelöster Körper in den Protoplast übergeht, völlig sicher zu sein, dass die Aufnalime durch einen rein osmotischen Vorgang bewirkt wird, muss gezeigt werden, dass der betreffende Körper ebenso leicht aus der Zelle exosmiert, wie derselbe eingedrungen ist, und dass die Aufnahme und Ab- gabe auch bei Sauerstoffmangel und während der Narkose unge- fähr gleich schnell wie bei der lebensthätigen Zelle geschieht. 392 Ernst Overtoii. Eine sehr ausgedehnte Untersuchung^) nach diesen Methoden hat zunächst gezeigt, dass die verschiedensten Pflanzenzellen (mit möglicher Ausnahme der Pilze, welche sich zu genauen Unter- suchungen wenig eignen) im wesentlichen in ihren osmotischen Eigenschaften übereinstimmen und dass die Fähigkeit einer ge- lösten Verbindung, in den Protoplast einzudringen, von der chemi- schen Konstitution derselben abhängt. 80 hat sich ergeben, dass alle Verbindungen , welche schon in massig verdünnter Lösung zum grössten Teil in die Jonen zerfallen sind, nicht merklich in den Protoplast eindringen, so lauge die Grenzschichten des Proto- plasts unbeschädigt sind.^) Unter den Nichtleitern resp. schlechten Leitern zeigte sich ferner, dass bei organischen Verbindungen nur die Anwesenheit bestimmter Atomgruppen im Molekül für die Aufhebung, resp. Herabsetzung der Fähigkeit der betreffenden Verbindung in den Protoplast einzudringen massgebend ist, während andere Atom- gruppen keinen merklichen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Eindringens ausüben. Bei den 0-haltigen organischen Verbindungen kommt vor allen Dingen die Bindungsweise des 0 in Beti-acht. Nach der Grösse des verzögernden Einflusses, den sie ausüben, kann man für die wichtigsten der wirksamen Atomgruppen nach- stehende Reihenfolge aufstellen: 1) Die Amidosäuregruppe. 2) (Die Carboxylgrnppe). 3) Die Säureamidgruppe. 4) Die alkoholische Hydroxylgruppe. 5) Die Aldehydgruppe. Sind in einer Verbindung mehrere verzögernde Atomgruppen ') Die in den nachstehenden Zeilen gegehene sehr gedrängte Zusammen- fassung der Resultate dieser Untersuchungen heruhen auf mehreren tausend Ver- suchen, welche der Verf. in den letzten 6 Jahren hei den verschiedensten pflanz- lichen und tierischen Zellen ausgeführt hat. Die Details der Versuche werden in einer späteren umfangreichen Arheit unter dem Titel ^Beiträge zur Physiolo- gie der pflanzlichen und tierischen Zelle" veröffentlicht werden. '^) Es sei ausdrücklich hetont, dass hier und später stets nur von den , sta- tischen osmotischen Eigenschaften" (Pfeffer) der Zelle, also von den rein pas- siven Permeal)ilitätsverhältnissen die Rede ist; durch eine , aktive" Resorption können auch diese Suhstanzen unter gewissen, von der Lebensthätigkeit der Zelle abhängigen Umständen von der Zelle aufgenommen werden. Uel)er die osmotischen Eit;eiischaften der Zelle. 893 vorhanden, so nimmt die Grösse der verzögernden Wirkung mit der Anzahl dieser Gruppen in einer raschen geometrischen Pro- gression zu. Schon eine einzige Amidosäuregruppe in einem Molekül, auch ohne Anwesenheit anderer wirksamer Gruppen, hebt die Fähigkeit der Verbindung auf rein osmotischem Wege in die Zelle einzu- di-ingen fast völlig auf. So dringen z. B. Glycocoll, Alanin, Leucin, Taurin etc. fast gar nicht merklich ein. Der Einfluss der Carboxylgruppe (von den Amidosäuren ab- gesehen) scheint in verschiedenen Verbindungen ein veränderlicher zu sein; wegen der schädlichen Wirkung der Säuren auf die meisten Zellen schon in niedrigen Konzentrationen ist es sehr schwer, genauere Untersuchungen über den Einfluss dieser Gruppe auszuführen. Die Säureamidgruppe übt eine viel geringere retardierende Wirkung aus als eine Amidosäuregruppe, doch genügt schon eine einzige solche Gruppe, um in den nötigen Konzentrationen der betreffenden Verbindung eine allerdings rasch vorübergehende Plas- molyse zu erzeugen. Bei Anwesenheit zweier solcher Gruppen im Molekül ist der Uebergang der Verbindung in die Zelle schon ein recht langsamer. Ist in einer Verbindung bloss eine einzige alkoholische Hydroxyl- gruppe vorhanden und keine andere wirksame Atomgruppe im Molekül vertreten, so ist der verzögernde Einfluss dieser Gruppe zu klein, um auf osmotometrischem Wege überhaupt nachweisbar zu sein. Alle einwertigen Alkohole CnHjn+i • OH, C« Hn_i . OH etc. diosmieren so schnell in den Protoplast,dass sie unter keinen Um- ständen eine Plasmolyse hervorrufen, resp. vermehren können. Ent- hält aber eine Verbindung ausser der Hydroxylgruppe noch eine andere wirksame Gruppe, so vermehrt die Hydroxylgruppe den verzögernden Einfluss der anderen wirksamen Gruppe ; so dringt z. B. Lactamid /OH CH3CH/ NCO.NH, langsamer in die Zelle ein als Acetamid oder Propionamid. Enthält eine Verbindung zwei alkoholische Hydroxyle, so ist die retardierende Wirkung der Hydroxylgruppe sehr deutlich: solche Verbindungen z. B. Aethylenglycol, Propylenglycol, Butylen- 394- Ernst Overton. glycol etc. können eine Plasmolyse bewirken, doch geht dieselbe ziemlich schnell zm-ück. Zwei Hydroxyle üben eine etwas stärker verzögernde Wirkung aus als eine einzige Säureamidgruppe. Bei Vorhandensein von drei alkoholischen Hydroxylen ist die Verzögerung schon sehr bedeutend, und eine Verbindung mit vier solchen Gruppen, z. B. Erythrit, dringt nur noch sehr langsam in eine Zelle ein. — Enthält endlich ein Körper fünf oder mehr Hydroxylgruppen, so tritt derselbe überhaupt nicht mehr nach- weisbar in den Protoplast ein. Eine noch etw^as geringere verzögernde Wirkung als die alko- holische Hydroxylgruppe scheint die Aldehydgruppe zu haben, wie der Vergleich von Glyoxal (welches Doppelmoleküle bildet) mit Erythrit, oder von Arabinose mit Quercit zeigt. Die Ketogruppe, die Dialkyloxyde (wahre Aetherarten), die Nitrilgruppe, die Lactonbindung u. s. f. üben, wenn überhaupt, ebenfalls nur einen sehr geringen retardierenden Einfluss aus. Ueberhaupt keine verzögernde Wirkung in den organischen Verbindungen scheinen die Halogene zu besitzen. Ersetzt man z. B. in Glycerin eine Hydroxylgruppe durch ein Chloratom, so dringt das entstehende Monochlorhydrin / OH C3 H5 — OH \C1 ebenso schnell in den Protoplast ein, wie ein einfacher zweiwertiger Alkohol. Werden in Glycerin zwei, Hydroxyle durch Chloratome ersetzt, so zeigen sich die Protoplasten für die dadurch erhaltenen Dichlorhydrine ebenso leicht permeabel wie für einen nicht sub- stituierten einwertigen Alkohol. — Auch die Verbindungen von der Form C„ Ho^ + i X, C„ Han X2, C„ H2n_, X3 etc., wo X ein Halogenatom bedeutet, scheinen sämtlich äusserst schnell die leben- den Protoplasten zu durchsetzen. Aehnlich wie die Ersetzung einer Hydroxylgruppe durch ein Halogenatom, wirkt auch die Ersetzung durch eine Methoxylgruppe. Ebensowenig wie die Halogenatome, üben Estergruppen irgend welchen verzögernden Einfluss auf das Eindringen der Verbin- dung aus. So gehen z. B. der Triaethylester der Phosphorsäure PO (0 . Cg H^).^ und der neutrale Aethylester der Citronsäure lieber die osmotischen Eigenschaften der Zelle. 395 Cg H4 (OH) (CO 2 . Co 115)3 ebenso schnell durch die Pro toplasten wie ein einwertiger Alkohol. Dagegen sind die Protoplasten für den Methylester der Gallussäure Cg H., (OH)^ . CO., . CH3 nur un- gefähr ebenso permeabel ^) wie für das Glycerin. Unter Verbindungen, deren Verhalten aus den vorstehenden allgemeinen Regeln sich nicht ableiten lässt, möge noch angeführt werden, dass Blausäure und Kohlensäure die Protoplasten sofort durchdringen (Blausäure ist für Pflanzenzellen und viele undiffe- renzierten Tierzellen keineswegs ein sehr heftiges Gift). Borsäure diosmiert ebenfalls rasch in die Zelle ein (ungefähr so schnell wie ein zweiwertiger Alkohol). Die vorstehenden Resultate über die osmotischen Eigenschaften der Pflanzenzelle wurden alle durch die osmotometrische Methode erhalten. Wir werden später sehen, dass es bei vielen Pflanzen- zellen noch eine andere Untersuchungsmethode giebt, welche uns über das osmotische Verhalten der Zellen gegen einige pharma- kologisch und toxikologisch höchst wichtige Gruppen von Verbin- dungen Aufschluss liefert, bei welchen uns die osmotometrische Methode meist im Stich lässt. Wir wollen aber vorher zur Be- sprechung der osmotischen Eigenschaften der tierischen Zellen übergehen. Auf die Methoden, welche bei der Untersuchung der osmo- tischen Eigenschaften der tierischen Zellen in Anwendung kommen, soll an dieser Stelle des Raumes wegen nicht näher eingetreten werden ; nur soviel möge hervorgehoben werden, dass eine der allgemeinsten Untersuchungsmethoden im Prinzip darauf hinaus- läuft zu entscheiden, erstens ob in einer Lösung der auf ihr Ein- dringen zu prüfenden Verbindung, deren osmotischer Druck gleich dem des Blutes ist, eine Wasseraufnahme von Seiten der unter- suchten Zellen, Gewebe, Organe etc. stattfindet oder nicht, und zweitens, ob in einer Lösung, deren osmotischer Druck grösser als der des Blutes ist, eine Wasserabgabe der Gewebe etc. bewirkt wird. Im Einzelnen aber gestalten sich die Methoden bei der Unter- ') Wie so viele aromatische Verbindungen sind auch die Ester der Gallus- säure schon in ziemlich geringen Konzentrationen giftig, so dass es sehr schwierig ist, ganz genaue Resultate zu erhalten ; wahrscheinlich sind die Ester der China- säure als hydrische Verbindungen weniger giftig; ich konnte sie aber bis jetzt nicht untersuchen. 396 Ernst Overton. suchung der einzelnen Zell- und Gewebearten sehr verschieden. Die Genauigkeit und der Umfang der Anwendbarkeit der verschie- denen Methoden ist eine ebenfalls ungleiche. Als allgemeinstes Resultat hat sich ergeben, dass die osmo- tischen Eigenschaften der verschiedenen tierischen Zellarten, soweit dieselben bis jetzt untersucht werden konnten (was wenigstens für einige Zellarten in sehr ausgedehntem Umfang geschah) sowohl unter sich, wie mit den osmotischen Eigenschaften der Pflanzen- zellen so ausserordentlich grosse Uebereinstimmung zeigen, dass nicht allein die verschiedensten Pflanzen- und Tierzellen im Grossen und Ganzen für dieselben Verbindungen permeabel sind, sondern, dass, wenn man eine Anzahl von Verbindungen nach der Geschwin- digkeit, mit w^elcher sie durch die Protoplasten der Pflanzenzellen diosmieren, anordnet, man wieder bei allen denjenigen tierischen Zellarten, welche sich zu einer exakteren Bestimmung der Schnel- ligkeit des Eindringens eignen, genau dieselbe Reihenfolge wieder findet. — In allen Fällen dürfen die für die Protoplasten der Pflanzenzellen gefundenen Permeabilitätsverhältnisse auch als Norm für die tierischen Zellen gelten, wenngleich es möglich erscheint, dass einzelne tierische Zellen von dieser Norm mehr oder weniger abweichen. Ehe wir die bis jetzt erlangten Resultate auf die Beantwor- tung der uns interessierenden toxikologischen und pharmakologischen Fragen anwenden, wollen wir die Permeabilitätsverhältnisse der Zellen gegenüber einigen Gruppen von Verbindungen besprechen, von welchen im Vorhergehenden noch nicht die Rede gewesen ist. Es wurde bereits erwähnt, dass man bei gewissen Pflanzen- zellen auch dann über das Eindringen oder Nichteindringen einer Verbindung in vielen Fällen Aufschluss erhalten kann, w^o die osmotometrische Methode den Dienst versagt. Es beruht diese Möglichkeit auf dem Gerbstoffgehalt des Zellsaftes vieler Pflanzen- zellen. Gerbstoff bildet bekanntlich mit sehr zahlreichen Körpern schwier lösliche Niederschläge, und es kann daher das Entstehen oder das Ausbleiben eines Niederschlags in gerbstoffhaltigen Zellen, nachdem sie in die Lösung einer geeigneten Verbindung gebracht worden sind, als Kriterium für das Eindringen oder Nichteindringen der betreffenden Verbindung in die Zelle benutzt werden. Die Be- stimmung der Schnelligkeit, mit welcher der Niederschlag entsteht, Ueber die osmotischen Eigenschaften der Zelle. 397 kann ferner nach vielfach variierten Versuchen zu einer annähern- den Schätzung der Geschwindigkeit des Eindringens dienen, um so mehr, als es eine Anzahl Verbindungen giebt, deren Eindringen sowohl auf diesem Wege, als auch mittelst der osmotometrischen Methode verfolgt werden kann und durch Anwendung der letzteren Methode die Geschwindigkeit des Eindringens genau bestimmt werden kann. Diese Verbindungen dienen dann zum weiteren Vergleich. Ich will zunächst für einen Körper eine etwas genauere Be- schreibung und Interpretation der Erscheinungen geben, welche sich bei Anwendung von gerbstoffhaltigen Zellen beobachten lassen. Coffein und Antipyrin wären für diesen Zweck fast gleich geeignet, da sie alle beide sehr wenig giftig sind und daher leicht auch auf osmotometrischen! Wege untersucht werden können. Beide dringen sofort durch die Protoplasten, so dass die Konzentration von Zell- saft und Aussenflüssigkeit in kürzester Zeit ausgeglichen wird. — Ich wähle das Coffein. Bringt man lebende gerbstoffhaltige Zellen, etwa die Fäden einer geeigneten Spirogyra-Art, in eine circa '2 p. m. Lösung von Coffein, so entsteht sofort ein Niederschlag im Zelisaft in der Form von kleinsten Tröpfchen. Nach kurzer Zeit vermehrt sich der Niederschlag nicht mehr; lässt man aber die Zellen in der Lösung bleiben, so verschmelzen die kleinen Tröpfchen zu immer grösser werdenden Tropfen. Wenn man darauf die Zellen aus der V"2 P- rn. Lösung in eine 1 p. m. bringt, so entsteht ein erneuter Nieder- schlag, der wieder zunächst in der Form kleinster Tröpfchen auf- tritt und daher von dem zuerst gebildeten Niederschlag sehr deut- lich zu unterscheiden ist. Auch dieser sammelt sich mit der Zeit zu grossen Tropfen. Ueberführt man dann die Zellen nach gewissen Intervallen in immer konzentriertere Lösungen von Coffein, so wieder- holt sich das gleiche Spiel immer aufs Neue. — Bringt man aber die Zellen umgekehrt in immer verdünntere Lösungen, so wird der Niederschlag kleiner und immer kleiner, bis bei einer Konzentration von circa 1:20 000, derselbe vollkommen verschwindet, um bei Erhöhung der Konzentration des Coffeins wieder aufzutreten. Der Niederschlag verschwindet zuerst bei den gerbstoffärmeren Zellen, erst bei etwas verdünnteren Coffeinlösungen bei den gerbstoff- reicheren Zellen. 398 Ernst Overton. Die Erklärung für diese Erscheinungen fällt nicht schwer. Wir haben es mit einer im Zustande der hydrolytischen Dissociation befindlichen Gerbstoff-Coffein-Verbindung zu thun. Um die Einzelheiten der Erscheinungen zu erklären, wollen wir von dem Gleichgewichtszustande in einer 1 p. m. Coifeinlösung ausgehen. Es befinden sich dann im Zellsaft.*) 1) Ein Niederschlag von gerbsaurem Coffein; 2) Gelöstes gerbsaures Coffein; 3) Hydrolytisch abgespaltenes Coffein und freie Gerbsäure. Das gelöste gerbsaure Coffein befindet sich teils in der Form von elektrisch neutralen Molekülen, teils in der Form von freien Jonen. Da die elektrolytische Spaltung aber in diesem Falle für die uns hier interessierenden Erscheinungen ziemlich gleichgültig ist, wollen wir davon bei den weiteren Auseinandersetzungen abstrahieren. Für alle diese verschiedenen gelösten Bestandteile ist die innere Grenzschicht des Protoplasmas (die Vakuolenhaut) mit ein- ziger Ausnahme des freien Coffeins (und zwar des nicht jonisierten Coffeins) undurchlässig. Die Konzentration des hydrolytisch abge- spaltenen Coffeins im Zellsaft muss, da nach Annahme Gleichge- wicht herrscht, die der Aussenflüssigkeit sein; die Konzentration der hydrolytisch abgespaltenen Gerbsäure muss die Konzentration der ursprünglich vorhandenen Gerbsäure im Zellsaft minus der im Niederschlag befindlichen Gerbsäure haben. Wird nun die Konzentration des Coffeins in der Aussenflüssigkeit erhöht, so vermehrt sich auch der Gehalt desselben im Zellsaft, und es kommt die Waltung des allgemeinen Dissociationsgesetzes zur Geltung, wonach Zusatz von einem der Zersetzungsprodukte bei konstant bleibendem Volumen (dem Zellsaftraum) den Disso- ciationszustand zurückdrängt. Durch diesen Vorgang aber wird die Lösung des (hydrolytisch) nicht zersetzten gerbsauren Coffeins übersättigt; es scheidet sich aufs Neue ein Niederschlag aus, was so lange andauert, bis die durch die grössere Konzentration 'j Thatsächlich sind im Zellsaft gerbstoffhaltiger Zellen immer noch andere Verbindungen vorhanden, wie z. B. Salze und verschiedene Säuren ; die faktischen Vorgänge bei der Dissociation werden dadurch wohl kompliziert aber im Prinzip nicht wesentlich geändert. Ueber die osmotischen Eiürenschaften der Zelle. 399 des Coffeins herabgesetzte Tendenz zu hydrolytischer Spaltung durch die entgegengesetze Tendenz aufgehoben wird, welche durch die allmählige Verarmung des Zellsaftes an freier Gerbsäure ein- geleitet wird. Wird dagegen die Konzentration des Coffeins in der Aussen- flüssigkeit erniedrigt, so finden genau entgegengesetzte Vorgänge statt. Coffein tritt aus dem Zellsaft aus, die hydrolytische Spaltung wird dadurch vermehrt, die Lösung des gerbsauren Coffeins wird ungesättigt, es löst sich ein Teil des Niederschlags auf, die Kon- zentration der gelösten Gerbsäure im Zellsaft nimmt zu, was wieder zur Herabsetzung der Tendenz zur hydrolytischen Spaltung führt, und es tritt wieder ein Gleichgewichtszustand ein. Sinkt aber die Konzentration des Coffeins in der Aussenflüssigkeit unter ein ge- wisses Minimum, so bleibt die ganze Menge des gebildeten gerb- sauren Coffeins in Lösung und die Reaktion entzieht sich der Wahrnehmung. Genau entsprechende Kesultate werden erhalten, wenn man gerbstoffhaltige Zellen in schwache Lösungen von freiem Ammoniak und von freien aliphatischen primären, sekundären und tertiären Aminen bringt; nur dass in diesen Lösungen der Niederschlag dauernd feinkörnig bleibt und das Ausbleiben resp. vollständige Wiederauflösen des Niederschlags erst bei Verdünnungen von ca. 1 : 1000000 stattfindet. Das rasche Eindringen des freien Ammoniaks kann bei besonders günstigen Objekten auch auf osmotometrischem Wege nachgewiesen werden. — Alle diese Basen sind selbst in recht verdünnten Lösungen nur sehr wenig elektrolytisch gespalten, wie die geringe Leitfähigkeit und die niedrigen Verseifungszahlen beweisen. Bei der Untersuchung der Salze des Ammoniaks und der primären, sekundären und tertiären Amine liess sich auf osmoto- metrischem Wege keine Diosmose durch die noch gesunden Proto- plasten nachweisen; dennoch entstand in gerbstoff haltigen Zellen stets ein geringerer oder grösserer Niederschlag, wenigstens wenn die Lösungen der Salze nicht zu verdünnt waren. Da die Nieder- schläge bei den Salzen mit schwächeren Säuren immer ausgiebiger waren als bei den Salzen mit stärkeren Säuren, wurde ich auf die Vermutung geführt, dass hydrolytische Spaltung der Salze an der Entstehung des Niederschlags die Schuld trug. Die Richtigkeit 400 Ernst Oveiton. dieser Vermutung konnte streng bewiesen werden durch die An- wendung des bereits angeführten Dissociationsgesetzes. Als ich zu den Lösungen der Salze Spuren der zugehörigen freien Säuren zusetzte, blieb eine Xiederschlagsbildung (ausser bei den Salzen mit ganz schwachen Säuren) vollständig aus, indem dadurch die hydrolytische Spaltung soweit zurückgedrängt wurde, dass die Kon- zentrationen der abgespaltenen Basen nicht mehr ausreichten, um eine gesättigte Lösung der Gerbstoff- Verbindung im Zellsaft zu erzeugen. Mit der Entscheidung dieses Punktes gewinnt man zu- gleich eine Methode, um den Betrag der hydrolytischen Spaltung der Ammoniaksalze, der Salze der Amine und der später zu be- sprechenden Alkaloidsalze zu bestimmen. (Dies gilt nur für die Salze mit stärkeren und mittelstarken Säuren, da die hydrolytisch abgespaltenen schwächeren Säuren ebenfalls mehr oder weniger in die Protoplasten eindringen.) So fand ich durch Bestimmung der Verdünnungen der Lösungen des freien Ammoniaks einerseits, des Salmiaks andererseits, welche bei Zellen von demselben Gerbstoff- gehalt eben noch hinreichen, um einen deutlichen Niederschlag zu erzeugen, dass, wenn (bei Zimmertemperatur) in 1 000 000 Gewichts- teilen Lösung 2000 Teile Ammoniumchlorid aufgelöst sind, circa ein Teil freies Ammoniak- in der Lösung enthalten ist. Durch die Gegenwart von geringen Spuren Calciumcarbonat etc. in dem Lösungswasser wird natürlich die Menge des freien Ammoniaks stark vermehrt. In Blutserum aufgelöst ist die abgespaltene Menge freien Ammoniaks (ähnliches gilt von den Salzen der Amine und Alkaloide) recht beträchtlich. Alles ändert sich, wenn man von den tertiären Aminen und ihren Salzen zu der L'ntersuchung der quaternären Stickstoffbasen (der sog. Ammoniumbasen) und ihrer Salze übergeht. Es dringen bei diesen die freien Basen gar nicht durch die unbeschädigten Protoplasten, ebensowenig wie verdünnte Lösungen von Kalilauge, Natronlauge etc. Erst in Konzentrationen, w^o die Zellen bereits abzusterben beginnen (die Schädigung muss dem Hydroxyljon zu Lasten gelegt werden, wie vergleichende Untersuchungen zeigen), werden sowohl durch die freien Ammoniumbasen, wie durch Kali- lauge und Natronlauge Niederschläge erzeugt, die dann sehr stark werden können, indem die Protoplasten durchlässiger werden. Die Salze der Ammoniumbasen (mit nicht allzu schwachen Säuren) sind Uel)er die os^motischen Eigenschaften der Zelle. 401 praktisch (hydrolytisch) unzerlegt, würden aber auch eine Zerlegung nicht erkennen lassen. Wir gehen über zu der Besprechung der Durchlässigkeits- verhältnisse der Protoplasten für die Alkaloide und ihre Stamni- substanzen, wobei wir wieder von den gerbstoff haltigen Zellen Gebrauch machen. Da die meisten Alkaloide von hydrierten, teilweise hydrierten oder nicht hydrierten Pyridin- und Chinolin-Basen sich ableiten, wollen wir zunächst das Verhalten der Zellen gegen diese Basen selbst angeben. Das Pyridin dringt ausserordentlich schnell in die Protoplasten ein, wie man dank seiner geringen Giftigkeit schon auf osmoto- metrischem Wege leicht und sicher bestimmen kann; dasselbe gilt für das allerdings giftigere Chinolin. Die wässerigen Lösungen ihrer Salze (namentlich des Pyridins) sind stark hydrolytisch zer- setzt und können deswegen bedeutende Niederschläge in gerbstoff- haltigen Zellen bewirken. Das Piperidin (das Hexahydropyridin) ist mehr als hundertmal giftiger als Pyridin; da aber gerbstoffhaltige Zellen noch in Lö- sungen von 1 : 2 000 000 Wasser Niederschläge in ihrem Zellsaft aufweisen, so ist es leicht zu zeigen, dass auch das Piperidin äusserst leicht durch die noch unbeschädigten Zellen eindringt. Die Lösungen seiner Salze sind nur massig stark hydrolytisch zerlegt, jedoch stärker als die entsprechenden Ammoniaksalze. Zu den eigentlichen Alkaloiden übergehend, wollen wir zu- nächst die 0-freien absolvieren. Diese gehen alle (z. B. Coniin, Nicotin, Spartein etc.) in freiem Zustande äusserst schnell durch die noch gesunden Protoplasten hindurch und bewirken schon in sehr verdünnten Lösungen (von der Ordnung 1 : 1 000 000) noch deutliche Niederschläge, welche sich im Uebrigen den durch Coffein, Ammoniak etc. bewirkten Niederschlägen völlig ähnlich verhalten; die gerbsauren Alkaloide befinden sich also ebenfalls im Zustande der Dissociation. Ihre Salze sind alle mehr oder weniger hydrolytisch gespalten, deswegen bedingen auch sie in massigen Konzentrationen (so lange die Lösung nicht wie z. B. bei Nicotinchlorid C,o H14 No (HCl),') *j Die hydrolytische Spaltung bleibt hier im wesentlichen liei der Umwand- lung des zweiAvertigen Jones in ein einwertiges stehen. Vierteljalirssehrift cl. Natiirf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband II. 26 402 Ernst Overton. stark sauer reagiert) Niederschläge, welche aber ausbleiben, wenn man die hydrolytische Zerlegung durch Zusatz von einer Spur freier Säure zurückdrängt. Die Schnelligkeit, mit welcher die freien sauerstoffhaltigen Alkaloidc eindringen, ist verschieden je nach der Bindung der 0-Atome. Wir treffen auch hier wieder dieselben Verhältnisse, die wir bei den früher besprochenen Verbindungen auf osmoto- metrischem Wege fanden, wie einige Beispiele zeigen werden. Das Morphin Cj, Hjg NO3 + Hg 0 von dem Morpholinkern ab- stammend, und mit zwei alkoholischen Hydroxylen, diosmiert ziem- lich langsam in die Zellen ein, während das Codein C,8 H21 NO3, wo eines der Hydroxyle des Morphins durch eine Methoxylgruppe ersetzt ist, sehr viel schneller in die Zellen eindringt und das The- bain Cjg H23 NO^, in welchem beide Hydroxyle durch Methoxyle ersetzt sind, äusserst schnell die Protoplasten durchsetzt. Das Ecgonin C9 H,5 NO3 H-H., 0, welches eine Amidosäure darstellt und ausserdem eine alkoholische Hydroxylgruppe besitzt, geht so gut wie gar nicht in die Zellen über. Ecgonin ist dem- entsprechend fast völlig ungiftig (Zellen bleiben stundenlang selbst in 2 p. c. Lösungen lebend). Das Cocain C17 H21 NO^ dagegen, welches sich von dem Ecgonin durch Ersetzung des Carboxyl- wasserstoffs durch Methyl und des Hydroxyls durch eine Benzoyl- gruppe ableitet, dringt äusserst rasch in die Zelle ein. Sehr rasch gehen auch Atropin Cj^ H03 NO 3, eine esterartige Verbindung des Tropins mit der Tropasäure, und ebenso das Tropin selbst Cg H15 NO in den Protoplasten über. Von den vielen anderen untersuchten Alkaloiden seien nur noch Strychnin C21 H22 N^ Oo und Brucin C03 Hgc Nj O4, letz- teres mit zwei Methoxylgruppen erwähnt. Beide diosmieren rasch in die Zellen ein. Strychnin giebt eben noch wahrnehmbare Nieder- schläge selbst bei Verdünnungen von 1 : 10000000, ja in sehr gerb- stoffreichen Zellen sogar in solchen von 1 : 20000000, wenn man genügende Mengen der Lösung anwendet. Bei dieser Gelegenheit möge hervorgehoben werden, dass die grösste Verdünnung, bei welcher die verschiedenen Alkaloide (genügende Mengen der Lösung immer vorausgesetzt) noch einen wahrnehmbaren Nieder- schlag im Zellsaft erzeugen, von zwei Faktoren abhängt, erstens von der Löslichkeit des gerbsauren Alkaloids, zweitens von der Uel)ei- die osmotischen Eigenschaften der Zelle. 403 Tendenz der Lösung zur hydrolytischen Spaltung; letztere ist (gleichartige Zellen vorausgesetzt) nur von der Stärke (Affinitäts- grösse) des Alkaloids abhängig. Alle diese leicht eindringenden Alkaloide sind schon in grossen Verdünnungen (aber nur bei einer genügenden Menge der Lösung) innerhalb einiger Stunden bis Tage auch für Pflanzenzellen sehr giftig und zwar für Spirogyra-Arten^) z. B. meist noch in Verdün- nungen zwischen 1:100 000 und 1:500 000, seltener noch bis 1 : 1 000 000 (so bei Strychnin). Bei grösseren Verdünnungen als 1 : 1 000 000, z. T. von bedeutend stärkeren Lösungen an, bleiben dagegen die Zellen Wochen und Monate lang gesund, trotz des häufig bedeutenden Niederschlags in ihrem Zellsaft (wenn die Algen gerbstoflfhaltig waren). Der ganze Gang der Vergiftungs- und Entgiftungs-Erscheinungen (nach Ueberführung in reines Wasser) spricht dafür, dass: ganz ähnlich wie im Zellsaft eine un- vollständige verlaufende Reaktion zwischen Gerbstoff und Alkaloid vor sich geht, die bei Erhöhung der Kon- zentration der Lösung fortschreitet, bei Erniedrigung der- selben rückwärts geht, so stellt sich auch im Protoplasma eine ganz analoge Reaktion ein zwischen dem Alkaloid und einem Bestandteil des Protoplasmas (wahrscheinlich irgend einem oder mehreren Eiweisskörpern), einer An- schauung, zu welcher ich ganz unwillkürlich immer aufs Neue ge- drängt wurde. Die Salze der Alkaloide wirken auf Pllanzenzellen weit weniger giftig als die freien Alkaloide (die Alkalescenz d. h. die Konzen- tration des OH Jones kommt dabei nicht in Betracht, wie der Vergleich mit verdünnten Lösungen von Kalilauge und Natronlauge auf das Ueberzeugendste darthut) , und zwar wirken dieselben überhaupt nur deswegen, weil sie mehr oder weniger hydrolytisch zersetzt sind.^) Ein geringer Zusatz von freier Säure, welche die hydrolytische Zerlegung zurückdrängt, hebt ihre Giftigkeit fast völlig auf. ') Die grosse Mehrzahl der Ptlanzen- und Tierzellen wird erst durch he- deutend höhere Konzentrationen der Alkaloide getötet als zur Tötung der Spiro- gyra-Zellen ausreichen. -) Auch bei der Aufnahme von basischen Anilinfarben durch lebende Zellen aus sehr verdünnten wässrigen Lösungen spielen hydrolytische Zerlegungen eine grosse Rolle. 404 Ernst Overton. Wenden wir alle diese Ergebnisse über die osmotischen Eigen- schaften der Zelle auf die pharmakologischen und toxikologischen Fragen an, welche wir früher aufgeworfen haben, so ergiebt sich etwa Folgendes: Für eine sehr grosse Anzahl von Giften und Arzneimittel (darunter fast alle bekannten allgemeinen Anaesthetica und die meisten Hypnotica und Antipyretica) sind alle darauf untersuchten pflanzlichen und tierischen Zellen äusserst leicht durchlässig; es kann also in diesen Fällen die Wahhvirkung der Substanzen nicht darauf beruhen, dass dieselben nur, oder leichter in die Zellen ein- dringen, welche den hauptsächlichen Sitz der Affektion darstellen; vielmehr wird die Konzentration der betrefi:'enden Substanzen (resp. die Konzentration des noch nicht von der Zelle gebundenen Bruch- teils derselben) in der Imbibitionsflüssigkeit des Protoplasmas der verschiedensten Zellen eine ungefähr gleiche sein und die Wahl- wirkung darauf beruhen, dass in gewissen Zellarten schon eine bedeutend geringere Konzentration des einen Körpers in ihrer Imbibitionsflüssigkeit, in anderen Zellarten die eines anderen Kör- pers genügen, um die Funktionen der bezüglichen Zellarten merk- lich zu beeinflussen, als bei den übrigen Zellarten der Fall ist. Die Ammoniaksalze, die Salze der primären, sekundären und tertiären Amine, ebenso die Alkaloidsalze sind schon in rein w^äs- seriger Lösung mehr oder weniger, aber immer nachweisbar in freie Säure und freie Base hydrolytisch zerlegt; durch das alkalische Blutplasma und durch die Lymphe werden diese Salze in noch viel höherem Grrade zersetzt; das freie Ammoniak, die freien Amine (ausgenommen die Ammoniumbasen) und die Mehrzahl der freien Alkaloide diosmieren äusserst leicht in die Zellen ein, ihre Salze dagegen (in unzerlegtem Zustande) überhaupt nicht in merklichem Grade, was wenigstens für Pflanzenzellen streng nachgewiesen werden kann. Es ist also wahrscheinlich, dass diese Körper auch bei ihrer toxischen Wirkung in der Form von freien Basen auf rein diosmoiischem Wege in die vorzüglich von ihnen afficierten Zellen eindringen. Es lässt sich mit bedeutender Wahrscheinlich- keit annehmen, dass die Alkaloide etc. eine chemische Verbindung mit gewissen Bestandteilen des Protoplasmas (vermutlich Eiweiss- arten) eingehen, welche Verbindungen sich in einem Dissociations- zustande befinden: bei dem allmähligen Verschwinden des Alkaloids Ueber die osmotischen Eigenschaften der Zelle. 405 aus dem Blute und der intercellularen Lymphe wird die Disso- ciation schliesslich eine vollständige. Dass die einen Zellarten, resp. dass gewisse Teile einer Zelle schon bei viel geringerer Kon- zentration des Alkaloids Störungen aufweisen als bei den übrigen Zellarten der Fall ist, w'iirde sich ungezwungen durch die Annahme erklären lassen, dass in den verschiedenen Zellarten die entstehen- den Verbindungen eine ungleiche Löslichkeit und ungleiche Disso- ciationsteudenz besitzen. Wenn nun aber die Resultate der Untersuchungen über die osmotischen Eigenschaften der Zellen es unzweifelhaft erscheinen lassen, dass sehr zahlreiche Gifte und Arzneimittel auf rein dios- motischem Wege in die Zellen gelangen, so bleiben doch eine nicht geringe Anzahl dieser Substanzen übrig, für welche dies sehr pro- blematisch erscheint. So geben Untersuchungen über das Diosmieren von Kaliumsalzen in die Zellen nur negative Resultate, und berück- sichtigt man das Faktum, dass Kalisalze, direkt in das Blut ein- geführt, auf die Herzmuskulatur und auf die übrigen quergestreiften Muskeln eine giftige AVirkung ausüben schon bei Konzentrationen des Kali, welche weit unterhalb der Konzentration des Kalis in der normalen Muskelfaser liegt, so W'ird man die Möglichkeit — wie mir scheint sogar die Wahrscheinlichkeit — zugeben müssen, dass bei der Giftvvirkung dieser Salze die Aufnahme des Kalis seitens der Muskelzellen überhaupt kein rein diosmotischer Vorgang sei, dass vielmehr die Aufnahme durch eine besondere Thätigkeit der Muskelzellen bewirkt wird. Aehnliches wäre auch bei der Vergiftung durch Bariumsalze in Erwägung zu bringen. Um diese Frage ihrer Lösung näher zu bringen, musste zu- nächst entschieden werden, in vrelcher Form das Kalium (resp. das Barium) von den Muskelzellen aufgenommen wird; ob z. B. bei der Vergiftung bloss Kaliunijonen in die Muskelsubstanz übergehen, oder ob gleichzeitig noch Anionen mitaufgenommen werden und in letzterem Falle was für Anionen. Ein L^ebertritt von Kalium- jonen ohne gleichzeitigen Uebergang von Anionen wäre nur mög- lich, (wegen der sonst auftretenden bedeutenden elektrischen Span- nungen) w^enn entweder für ein jedes Kaliumjon, welches in die Muskelzelle übergeht, ein anderes Kation aus der Muskelzelle aus- tritt, oder durch Ableitung der freien Elektrizitäten, welche bei jeder ungleichmässigen Verteilung von Kationen und Anionen entstehen. 406 Ernst Overton. Die ersten Schritte zur Entscheidung der Frage, in welcher Form das Kalium z. B. in die Herzmuskelzellen übertritt, könnten so ausgeführt werden, dass man das Herz so lange mit der Lösung eines physiologisch möglichst indifferenten Nichtleiters durchspühlen würde, bis jede Spur der Blutsalze verschwunden und dass man darauf in einer grösseren Anzahl Versuche, der Lösung des Nicht- leiters der Reihe nach verschiedene Ivaliumsalze (darunter das Hydroxyd) zusetzen und die Resultate der verschiedenen Versuche mit einander vergleichen würde. Nicht minder als für die Kalium- und Bariumsalze scheint es mir auch für die Salze der Ammoniumbasen (NR^ . OH) und für einige andere Verbindungen (darunter die verschiedenen wirksamen Glucoside) sehr zweifelhaft, ob dieselben durch einen rein diosmo- tischen Vorgang ihren Weg in die von ihnen afficierten Grewebs- elemente finden. Doch muss ich mich mit der Aufstellung dieser Fragen begnügen. Zum Schlüsse möchte ich hervorheben, dass eine Kenntnis der osmotischen Eigenschaften der Zelle ausser für die hier in ge- drängter Kürze behandelten Fragen auch für viele andere toxiko- logischen und pharmakologischen Probleme von Bedeutung zu werden verspricht, deren Besprechung indessen, des Raumes wegen, ich auf eine spätere Gelegenheit verschieben muss. Zürich, 1. Februar 1896. Die Wetzikonstäbe. Von Carl Schröter. (Hierzu Tafel G und 7.) I. Im Jahre 1875 beschrieb Rütimeyer') eigentümliche, aus den interglacialen Schieferkohlen von Wetzikon, Kt. Zürich, stammende zugespitzte Holzstücke; er erklärte sie, gestützt auf die mikros- kopische Untersuchung durch Schwell den er, als Produkte von Menschenhand, als erstes und einziges Zeugnis für die Existenz des Menschen zur Interglacialzeit in Europa. Seither wurden diese , Wetzikonstäbe" und das Pro und Contra ihres künstlichen Ursprungs vielfach erörtert. Es sind im ganzen vier Stück ; sie lagen nebeneinander in der Kohle eingebettet ; die zwei besterhaltenen (von denen in der Folge allein die Rede sein soll) zeigten folgenden Bau (siehe Tafel 6. Fig. 1-4). Es sind verkohlte und durch den Druck bei der Fossilisation etwas flachgedrückte Aeste. Das eine Ende ist zugespitzt; ober- halb des Beginns der Zuspitzung sind die Stäbe teilweise umgeben von einer losen „Umhüllung", welche querverlaufende Furchen („Einschnürungen") zeigt. Beim grössern Stück zeigen sich solche Rillen auch auf dem Holz des Astes selbst, diejenigen der abge- brochenen Umhüllung fortsetzend (Fig. 1 bei a). Das Ergebnis der ersten mikroskopischen Untersuchung Schwendeners war folgendes: 1. Das Holz der Aeste ist Fichtenholz. ') L. Rütimeyer, Spuren de? Men. Hinde\ ^es „ , f Astes mlttiewacJisener ciiKjewacliscner freier Teil Teil Teil des des Astes des Astes Astes Umbiegungs- stellen der JahresschicJiten Umhüllung aus StammJiolz Fig. 3. Oben: Schematischer Längsschnitt durch einen Astansatz einer Fichte. Unten: .Schematisiertes Bild desselben Astansatzes nach dem Herauswitterii. eingewachsenen Ast wird das Stammholz verändert, es bildet sich ein harzdurchtränktes Wundholz mit veränderter unregelmässiger Faserrichtung. Auf dem Tangentalschnitt sieht man diese längs des ganzen eingewachsenen Teiles ausgebildete „Umhüllung" im Die Wetzikoiistäljo. 417 Quei-schnitt (Fig. 4), welcher spindelförmig erscheint, oben und unten mit vorgezogenem Kamm. « Tangentalschnitt ein. eingewachsenen Astes mit der Umhüllung' aus Stammholz. Tft mjen tulßäche h Per.spektiv. Radial- ansicht desselben Astes (herausragender Teil noch vorhanden). Es kann unter Umständen als dritter Teil des Astes noch eine freie, aus dem Htamm vorragende Partie des Astes vor- handen sein. Wenn der Stamm verfault oder verwittert, so bleiben die aus dichterem, resistenterem Holz bestehenden Astbasen erhalten, sie „wittern heraus" (Fig. 6, Seite 419); vom Stammholz bleibt dabei nur die den eingewachsenen Teil des Astes umgebende Wundholz- Partie als Umhüllung erhalten. Solche herausgewitterten Astansätze zeigen folgenden Bau (vergl. Fig. 3): Der unterste mitgewachsene Teil zeigt eine natürliche Zuspitzung. Sie erklärt sich dadurch, dass der Ast längs der Umbiegungsstellen der Jahresschichten herauswittert. Sie kann stumpfer oder spitzer sein ; die Oeffnung ihres Zuspitzungswinkels hängt natürlich von dem Verhältnis der Mächtigkeit der Jahres- schichten des Astes zu denen des Stammes ab ; je engjähriger das Astholz im Vergleich zum Stammholz, desto länger die Zu- spitzung. Sie ist meist etwas excentrisch, und zwar sowohl in der Vertikalen als in der Horizontalen. Die Oberfläche dieser zugespitzten mitgewachsenen Partie ist ursprünglich nicht glatt, sondern beschuppt; die unteren, durch das Herauswittern frei werdenden Ränder der in einander stecken- Vierteljahrsschrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelbancl II. 27 418 Carl Schröter. den Cylinder der successiven Jahresschichten bilden mehr weniger abstehende, oft noch eine Spur der Umbiegung aufweisende Schuppen (Fig. 3). Koi kluge- Astloch ■ Parenchym ■ Fase)' Tangentalschnitt durch ein Astloch mit dem umhüllenden Stammholz (-yj- Das Astloch wird zunächst umgeben durch eine Korklage, dann folgt eine Lage von harzreichem Parenchym und endlich die in ihrem Verlauf gestörte Holzfaser. Fig. 5. An einem medianen Längsschnitt durch die zugespitzte Basis laufen die Jahresschichten am Rande aus, gerade wie bei künst- licher Zuspitzung; ein Blick auf die Figur 3 zeigt, dass es so sein m u s s. Der eingewachsene Teil wittert nicht frei heraus, sondern bleibt umhüllt von der ihn zunächst umgebenden Partie des Stamm- holzes. Diese „Umhüllung" besteht aus dem oben erwähnten „Wundholz", das ebenfalls resistenter ist als das übrige Stamm- holz und deshalb mit dem Ast und an dem Ast erhalten bleibt. Es ist mit dem unten zugespitzten Teil des Astes verwachsen, umhüllt aber weiter oben lose den Ast, besonders dann, wenn dessen eingeschlossene Rinde ebenfalls verwittert ist. Die Faserrichtung in diesem umhüllenden Stammholz läuft natürlich quer zur Längsrichtung des Astes; die Jahresschichten treten infolge ungleicher Verwitterung als querlaufende Wälle und Furchen auf; das härtere Herbstholz bleibt vorragend, das weichere Frühjahrsholz sinkt dazwischen ein. Die Profilansicht dieser Querfurchung ist ganz charakteristisch und gleicht einem Profil durch ein Gebirge ; die Kämme Averden durch die vorragenden Herbstholzschichten gebildet ; der eine Ab- fall, nach dem Mark gerichtet, allmählich, der andere nach aussen gerichtete steil, wie es durch den markwärts allmählichen, rinden- wärts dagegen plötzlichen Uebergang des dichten Herbstholzes- zum weichen Frühlingsholz gegeben ist (vergl. Fig. 5 und 7). Die WeLzikonstäbe. 419 Fig. fj. Herausgewitterle Astausätze. 420 ^'"'"l Schröter. V'iy;. Ct. Herausg-ewitterte A.stansätze. A II. />. Die beiden Hälften eines halbierten Weisstanuenstammes, von innen gesehen; Inneres heransgefault, Astansätze stehen geblieben und nach innen ragend, wie bei einer .eisernen Jungfer" (von Herrn Stadtförster Henne in Chur geschenkt). C. Querscheibe desselben Stammes, mit einem Astrvvirtel. D. Querscheibe eines kernfaulen Lärchnnstammes mit einem stehengebliebenen Astwirtel — St. Antonien, leg. H. Flutsch. Auch die beiden vorgezogenen Kämme des Wundholzes bleiben erhalten. Rinde 3Iurk -<- 1 Fi^-. 7. OJien: Quei-schnitt durch das uudiüUende Stammholz des auf Tat'. 7, Fig. 1, al)gehihleten Stückes; Herbslholz vorragend. Frühlingsholz eingesunken. Unlen: Querprotil der „Umhüllung" des grossen Wetzi- konstabes. Vorragungen markwärts langsam, rinden- wärts steil abfallend. Alle diese Eigenschaften der herausgewitterten Astansätze sind an den in Taf. 7, Fig. 1—8, und in der Textfigur 6, Seite 419, abgebildeten Stücken zu sehen ; man vergleiche auch die Figuren- Erklärung. V. Vergleichen wir nun Punkt für Punkt diese herausgewitterten Aeste mit den „Wetzikonstäben" (die wir im Folgenden der Kürze halber mit W. bezeichnen wollen). 1. Der zugespitzte „mitgewachsene" Teil der herausgewitterten Aeste hat folgende Eigenschaften : a. er besitzt keine Rinde: ebenso bei den W. b. er hat kein umhüllendes Stammholz : auch bei den W. nicht. c. seine Oberfläche ist beschuppt; bei den W. aber ist sie vollkommen glatt. Zur Erklärung dieser Glättung der Oberfläche ist die Mit- wirkung fliessenden oder wellig bewegten Wassers unter Mithülfe von erodierendem Sand, also eine Abschleifuns- oder Abrollung Die Wetzikonstähe. 421 herbeizuziehen, wie es schon Jentzsch für die Zuspitzung überhaupt vermutete. Herr Heierli und der Verfasser haben eine ganze Anzahl Schleif- und Rollprodukte in Bächen und an Seeufern gesammelt ; es sind Holzfragmente und Zweigstücke ; sie zeigen eine durchaus glatte Oberfläche (siehe Taf. 7, Fig. 3). Der Einwurf Rütimeyers gegen Wasserwirkung, dass die Stäbe „nichts von der filzigen und gelockerten Beschaffenheit gerollten Holzes" zeigen (Verh. Schweiz, nat. Ges. 1876, S. 295), fällt somit dahin. Der andere Einwurf, (1. c.) „es ist klar, dass die umhüllende Rinde von fremdem Stoff bei Abreibung der Stäbe am ehesten verschwunden wäre", wird durch den weiter unten geleisteten Nachweis entkräftet, dass die Umhüllung eben keine „Rinde von fremdem Stoff"', sondern das mit dem Ast verwachsene Stammholz ist. Schwendener sagt (ebenda, S. 291), „in diesem Falle müsste jedenfalls die Rinde mit abgerieben, beziehungsweise die Oberfläche an den weichen Stellen vertieft sein, was Beides an unseren Stäben nicht zutrifft." In Wirklichkeit aber ist in der That die eigene Rinde des Astes fast völlig abgerieben, die „fremde Rinde" (falls Schw. diese gemeint haben sollte) existiert überhaupt nicht, und die weicheren Stellen, d. h. das Frühjahrsholz der „Umhüllung" ist in der That vertieft. Dass die Umhüllung beim Abschleifprozess nicht verloren zu gehen braucht, das zeigt uns ein von Herrn Heierli gefundenes, stark abgerolltes Stück, das von der Stammholzumhüllung noch völlig umgeben ist (Taf. 7, Fig. 4). Durch diese Thatsachen ist der Beweis geleistet, dass die Glättung der Oberfläche des zugespitzten Teiles von Abschleifung sehr wohl herrühren kann. Zur weiteren Stütze dieser Ansicht möge noch auf die auf Taf. 7, Fig. 5 — 8, abgebildeten, durch windgepeitschten Sand abgeriebenen und geglätteten Stücke hingewiesen werden ; sie stammen aus der kurischen Nehrung , sind im Besitz der geolog. Sammlung des Polytechnikums und wurden mir von Herrn Prof. Heim freundlichst zur Verfügung gestellt. Das sind nichts anderes als recente Wetzikonstäbe! Zweifellos hat Jentzsch solche Stücke vor sich gehabt. d. Die Jahresschichten laufen in die Oberfläche aus, wie an einem künstlich herausgeschnittenen Stab. 422 f zu sehen sind, an den Augenstielen vollkommen fehlen. Zwar haben dieselben eine entfernte Aehnlichkeit mit den in Fig. 6 dargestellten Stacheln, ein Vergleich von Fig. 6 und 7 genügt aber, um sofort den grossen Unterschied, der in der That zwischen ihnen besteht, erkennen zu lassen. Während in Fig. (i die Fiedern sich nur am oberen Ende finden und ringsum den steifen Schaft angeordnet sind, sind sie dort von oben bis unten zweireihig ganz nach Art einer Feder an der weit zarteren Spule inseriert, während der dargestellte Stachel auf seinem breiten Ende einen kleinen gekrümmten Fortsatz trägt, läuft der Schaft des Federhaares ganz allmählich spitz aus. und zu alledem kommt noch, dass der Stachel der Figur 0 nicht einmal bei allen Exem- plaren den Fiederbesatz aufweist. Es ist also somit strikte bewiesen, dass sämtliche vier Neubildungen der zweiten Kategorie wegen des Be- sitzes der einreihig angeordneten Federhaare nicht als regenerierte Augenstiele ohne Auge, sondern als Ansätze zu ganz anderen Organen, kurz als Heteromorphosen auf- zufassen sind. Yon welchen anderen Organen bilden nun aber die betreffen- den Neubildungen die Ansätze-' Aus ihrem Haarbesatz allein lässt sich keine sichere Antwort auf diese Frage herauslesen, da sich die Federhaare sowohl an den beiden Antennenpaaren wie an den Mundgliedmassen und auch noch an anderen Körperanhängen vor- finden. Dagegen scheint der kleine zweigliedrige Fortsatz an dem in Fig. '^ dargestellten Organe, der im Leben den Eindruck eines ganz minimalen, rudimentären Flagellums machte, darauf hinzu- deuten, dass unsere Neubildungen Ansätze zu antennen- ähnlichen Organen sind, und durch das Vorhandensein jener wohl entwickelten Neubildung der dritten Kate- gorie wird diese Andeutung zur vollen Gewissheit er- 448 Gurt Herbst. hoben. Denn die Ausstattung des Organes mit ilagellenartigen Fortsätzen, die mit Borsten und Sinneshaaren verscliiedener Art besetzt sind, weist uns entscliieden darauf hin, das regenerierte Organ zu den Antennen zu stellen und ferner, weil es eben zwei Geissein auf einem gemeinsamen Stamme und nicht eine Geissei und einen schuppenförmigen Aussenast besitzt, anerkennen zu müssen, dass es sich zum mindesten in diesem Punkte einer An- tenne des ersten Paares, einer Antennula, nähert. Die genaue Beschreibung, welche wir oben von der merk- würdigen Neubildung gegeben haben, setzt uns nun aber in den Stand, noch weit mehr Annäherungsmerkmale zwischen ihr und einer Antennula zu konstatieren. Dieselben sind folgende: 1) Der Protopodit einer normalen Antennula ist von abge- flachter Gestalt, zeigt also auf dem Querschnitt eine ähnliche Form wie der Stamm unserer Heteromorphose. 2) Quirlhaare finden sich in verschiedenen Büscheln nur am Basalglied des Protopoditen der Antennula ; auch bei unserer Neu- bildung sind diese Haarbildungen auf die Basis des Stammes be- schränkt und an dessen Ende nicht vorhanden. 3) Die Federhaare sind am normalen Protopoditen in einer langen Reihe vornehmlich an jener Seite inseriert, an welcher der geisseiförmige Endopodit sitzt. Auch bei dem heteromorphen Organ findet sich die Reihe der Federhaare an jener Seite, von welcher der gedrungene, rings mit Borsten besetzte Ast entspringt, und 4) Dieser Ast entspricht deshalb dem Endopoditen, weil sein Borstenbesatz mit dem des letzteren übereinstimmt und weil im Speciellen seine ersten beiden Glieder mit den gleichen, langen und steifen Borsten mit Seitenfiedern wie die ersten drei Segmente des Endopoditen besetzt sind. 5) Im Gegensatz zu dem Endopoditen ist der Exopodit einer normalen Antennula — von kleinen, stiftchenartigen Sinneshärchen abgesehen — mit langen, zarten Sinneshaaren besetzt, die aber nicht ringsum stehen, sondern an einer Seite nach Art einer Franse angeordnet sind. Ganz dasselbe haben wir oben bei der etwas schlankeren Geissei unserer Neubildung kennen gelernt. Ich glaube, diese fünf Punkte dürften genügen, um deutlich zu beweisen, dass der Stamm unserer Heteromorphose dem Protopoditen (pj, das etwas dickere Flagellum (en) dem Regeneration von antennen-ilhnlichen Organen an Stelle von Augen. 449 Endopoditen und das schlankere (ex) dem Exopoditen einer Antenne des ersten Paares entspricht, dass also die Sicyonia an Stelle des weggeschnittenen linken Auges eine rudimentäre Antennula regeneriert hat. Die wenigen untergeordneten Unterscheidungsmerkmale, welche darin bestehen, dass der Protopodit bei der Antennula dreigliedrig, bei unserer Neubildung dagegen ungegliedert ist, dass die beiden Flagellen der letzteren Aveniger Glieder haben und den einzelnen Teilen die für die Antennen charakteristische Beweglichkeit ab- geht, können den vielen wichtigen Punkten der Uebereinstimmung gegenüber gar nicht ins Gewicht fallen, zumal nicht sicher ist, ob diese Unterschiede bei weiteren Häutungen nicht etwa — minde- stens teilweise — ausgeglichen worden wären. Vergleichen wir nunmehr das bei Sicyonia gewonnene liesultat mit demjenigen, das meine Versuche mit Palaemon zu Tage ge- fördert haben, so fällt sofort die vollkommene Identität beider auf. Denn auch dort wurden an Stelle weggeschnittener Augen antennen- ähnliche Organe regeneriert, welche in wichtigen Punkten einer Antenne des ersten Paares glichen. Hiervon machte von den zehn beobachteten Heteromorphosen nur eine insofern eine Ausnahme, als ihr der fransenartige Sinneshaarbesatz und somit das charak- teristische Annäherungsmerkmal an eine Antennula abging. Wir werden jedoch in der dritten Mitteilung nachweisen, dass diese Ausnahme von der Regel nur scheinbar ist und der Satz: „Bei weggeschnittenem Auge wird eine rudimentäre Antennula regene- riert" für Palaemon volle Gültigkeit hat. In der folgenden dritten Mitteilung werden wir hoffentlich im Stande sein, den Gültigkeits- bej-eich noch auf weitere Kreb.sgattungen auszudehnen. Obgleich die Heteromorphosen, welche ich früher bei Palaemon erhalten habe, dimensional besser ausgebildet waren, als die fünf rudimen- tären heteromorphen Neubildungen bei Sicyonia, so haben die letzteren doch insofern ein noch deutlicheres Resultat ergeben, als wir wenigstens bei der am weitesten entwickelten die Homologie mit einer Antennula bis ins Einzelne verfolgen konnten, während es uns bei Palaemon nur möglich war, eine gewisse Annäherung der heteromorphen Bildungen an die Antennen des ei-sten Paares zu konstatieren. Im Anschluss an vorstehende Darlegung meiner Resultate mit Vierteljahrsschrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband II. 29 450 Gurt Herbst. Sicyonia möchte ich schliesslich noch einmal ganz besonders her- vorheben, dass die allermeisten der Krebse, welche zu den Ver- suchen verwendet wurden, eine Körperlänge von 4 cm resp. etwas mehr (4,2; 4,3; 4,4 cm), von dem freien Ende des Rostrums bis zu dem des Telsons gerechnet, besassen. Nur ganz einzelne waren nur 3 cm lang, also noch nicht ganz ausgewachsen. Ebenso habe ich zu meinen ßegenerationsversuchen mit Palaemon zum grössten Teil ganz oder nahezu ausgewachsene Tiere benutzt und nur wenige kleine operiert. Ich halte es für nötig, auf die Grösse der ver- wendeten Versuchstiere deswegen besonders Gewicht zu legen, weil mir es — wie ich bereits im Schlussatz meiner ersten Mitteilung andeutete — nicht ausgemacht erscheint, dass auch bereits jüngere Entwicklungsstadien der Palaemon- und Sicyonia-Arten Antennen an Stelle abgeschnittener Augen regenerieren. Ganz zufälligerweise stiess ich nun vor kurzer Zeit in den Comptes rendus vom Jahre 1873 auf eine kurze Mitteilung von Chantran ^), die zwar sehr aphoristisch gehalten ist, aus der aber doch so viel — wie mir scheint mit Sicherheit — herauszulesen ist, dass sich wenigstens bei Astacus fluviatilis in der That die jungen Tiere anders als die alten verhalten. Da der genannte Forscher beobachtet hatte, dass beim Flusskrebs während der Häutung auch die Augen ihre alte Hülle abstreifen — w^as, nebenbei bemerkt, zu erwarten war — so hielt er es nicht für ausgeschlossen, dass dieselben auch regeneriert werden könnten. Um diese seine Ver- mutung zu prüfen, schnitt er einjährigen, zweijährigen und aus- gewachsenen Flusskrebsen beide Augen ab, aber nicht wie ich dies gethan habe, vollständig, sondern so, dass die untere Hälfte des Augenstieles erhalten blieb. Es stellte sich nun heraus, dass die einjährigen Krebse, welche im Oktober operiert w^orden w^aren, in der Häutungsperiode des nächsten Sommers die Augen zu re- generieren begannen, so dass sie nach Verlauf von vier Häutungen, d. h. nach ca. 11 Monaten wieder in dem Besitze vollständig funktionsfähiger Sehorgane waren. Im Gegensatz zu diesem un- zweideutigen Resultate steht nun jenes, welches seine Versuche mit zweijährigen Krebsen lieferten. Von diesen sollen zwar auch ^j Experiences sur la regeneration des yeux chez les ecrevisses. Comptes rendus Bd. 76, 1873, pag. 240. Regeneration von antennen-ähnlichen Organen an Stelle von Augen. 451 einige nach drei oder vier Häutungen Augen regeneriert haben, aber es kamen sehr häufig Anomalien dabei vor. „Car tantöt la prun- elle n'est representee que par un trait noir sur le globe de l'ceil, dans leqnel d'autres fois il existe deux prunelles, mais dont cha- cune est phis petite que la prunelle normale ; dans d'autres cas, Tun des yeux reste sensiblement plus petit que l'autre." Die Re- generation der Augen war also bei den älteren, zweijährigen un- regelmässiger als bei den einjährigen und bei den Ausgewachsenen konnte er überhaupt nichts von einer Wiedererzeugung der Augen konstatieren, denn selbst nach der zweiten Häutung war nur ein kleiner Höcker mit einem Pigmentfleck und in einem Falle „un bourgeon opaque et bifide" an der Operationsstelle sichtbar. Leider sind die Angaben über die Anomalien, welche er an den regenerierten Augen der zweijährigen Krebse beobachtet hat, sehr unbestimmt') gehalten, so dass man nicht recht weiss, was er eigentlich gesehen hat, und noch mehr ist zu bedauern, dass der „bourgeon opaque et bifide" gar keiner nähern Beschreibung für würdig befunden worden ist, so dass man sich über den Grad seiner Ausbildung gar keine bestimmten Vorstellungen machen kann, aber trotz alledem halte ich es nach den Resultaten meiner experi mentellen Untersuchungen bei Palaemon und Sicyonia und nach dem zufälligen Befunde Hofers bei Astacus für ausgemacht, dass Chan trän in dem „bourgeon opaque et bifide" den Ansatz zu einer Antennula vor sich gehabt hat und dass derselbe bei Weiterverfolgung seiner Versuche mit ausgewachsenen Individuen gefunden haben würde, dass junge, erst vor einem Jahr ausge- schlüpfte Exemplare von Astacus fluviatilis an Stelle weggeschnit- tener Augen wieder Augen, erwachsene dagegen Antennulae regene- rieren. Ich selbst habe noch, bevor ich von den Chantran'schen Versuchen Kenntnis erhielt, Experimente mit erwachsenen Fluss- krebsen begonnen, deren eventuelle Resultate in einer dritten Mit- teilung niedergelegt werden sollen. ') Es wäre zu wünschen, dass die Chantran'schen Versuche mit jun- gen Flusskrebsen wiederholt würden und dass dabei besonders auch auf die Missbildungen geachtet würde, welche so häufig bei der Regeneration der Augen von zweijährigen Krebsen auftreten sollen. Noch wichtiger wäre aller- dings die Untersuchung von Larvenstadien mariner Dekapoden auf ihre Augen- regenerationsfähigkeit hin. 452 ^ui't Herbst. In dieser dritten Mitteilung werde ich auch eingehender darauf zu sprechen kommen, welchen Wert die von mir ermittelten Tat- sachen für verschiedene Gehiete der Biologie besitzen. Nach der Ansicht Hofers. der in seiner öfter zitierten Mitteilung eingehend erörtert, ob die von ihm gefundene Heteromorphose phylogenetische Bedeutung habe oder in den „Raritätenkasteii" gehöre, müsste ich mich zwar, da ich die erstere der beiden Alternativen bereits in meiner ersten Mitteilung verworfen habe, für die zweite entscheiden und meine Heteromorphosen in den genannten Kasten packen, um sie daselbst als merkwürdige Monstra unbeachtet liegen zu lassen, ich glaube aber, dass sich denselben doch noch ein anderes In- teresse abgewinnen lässt, da es auf der Hand liegt, dass die That- sache der möglichen Regeneration von Antennen an Stelle von Augen sowohl für die Sinnesphysiologie wie für die Entwicklungs- analyse resp. causale Morphologie von der allergrössten Bedeutung ist. Indem ich mir vorbehalte, in spätem Schriften in eingehender Weise hierauf zurückzukommen, will ich mich hier darauf be- schränken mit kurzen Worten auf Die Bedeutung der heteromorphen Neubildungen für die Frage nach der Kernspecifikation während der Ontogenese einzugehen. In seiner Arbeit „Zur Analysis der Potenzen embryonaler Organzellen"') hat Driesch nachgewiesen, dass nicht zu kleine Fragmente einer Echinodermenblastula ganzen kleinen Gastrulis oder auch Pluteis resp. Bipinnarien den Ursprung geben, wenn die Blastulae vor Anlage des Urdarmes zerschnitten werden. Findet dagegen die Operation erst nach dem Sichtbarwerden der Ur- darmanlage statt, so entstehen aus den Bruchstücken der Bla- stulawand zwar auch geschlossene kleine Blastulae, dieselben be- kommen aber keinen neuen Urdarm, obgleich sich ihre ektoder- male Wandung weiter ausgestalten und Mund- und Wimper- ring bilden kann. Während also sämtliche Zellen der noch un- differenzierten Blastula noch alle Potenzen, die zum Ablauf der ganzen Ontogenese notwendig sind, besitzen, sind die Potenzen der Ekto- ') Archiv f. Entwicklungsmechanik Bd. II, Heft II, 1895. Regeneration von antennen-ähnlichen Organen an Stelle von Augen. 453 dermzellen nach erfolgter Urdarmanlage beschränkt, und zu gleicher Zeit ist dies auch mit den Potenzen der Entodermzellen geschehen, denn ein isolierter Urdarm vermag kein neues Ektoderm zu bilden oder sich zu einer Kugel abzurunden und die Entwicklung von neuem zu beginnen. Die Zellen des Ektoderms einer Gastrula sind also in Bezug auf ihre Entwicklungspotenzen von den Zellen des Urdarmes verschieden; im Vergleich mit ihresgleichen weisen dagegen die letzteren ebenso wie die ersteren dieselben Potenzen auf, was sich durch Zerschneiden noch undifferenzierter Gastrulae nachweisen lässt. Wird nämlich eine solche Larve mit einer Scheere eines Teiles ihrer Wandung und ihres Darmes beraubt, so bildet sich der Rest zu einem kleinen Pluteus resp. einer kleinen Bipinnarie mit dreigliedrigem Darm, Coelom- und Wassergefässan- lage, definitivem Mund- und Wimperring aus. Hat sich dagegen an den Gastrulis vor der Operation eine weitere Differenzierung eingestellt, ist z. B. die Vasoperitonealblase gebildet worden, so ist hiermit die prospektive Potenz der Urdarmzellen ebenso wie früher jene der Blastodermzellen nach Anlage des Urdarmes be- schränkt worden, und nach dem Wegschneiden des Urdarmendes mit der genannten Blase wird eine solche nicht wieder gebildet. Gestützt auf diese Resultate könnten nun Anhänger der Hypo- these von der Specifikation der Kerne während der Ontogenese sich veranlasst fühlen, die Kernspecialisierung während der Fur- chung fallen zu lassen, dagegen eine solche während der Organ- bildung anzunehmen und somit die Beschränkung der Entwicklungs- potenzen mit fortschreitender Organbildung auf eine Specialisierung der Kerne, die ja das Wesen der Zellen bestimmen sollen, zurück- zuführen. Könnte man nun aber auch die Berechtigung einer solchen Annahme für die Asteriden und Echiniden ruhig gelten lassen, so muss man ihr doch angesichts der Resultate von G. Wolff) bei der Regeneration der Tritonlinse aus der Iris des von Wagner 'sehen ^) Nachweises der Wiedererzeugung des ursprüng- lich ektodermalen Vorder- und Enddarmes aus dem ursprünglich entodermalen Mitteldarme bei Lumbriculus und meiner eigenen ') Entwicklungsphysiologisclie Studien. I. Die Regeneration der Urodelen- linse. Archiv f. Entwieklungsmechanik, Bd. I, Heft 3. 1895. -') Einige Bemerkungen über das Verhältnis von Ontogenie und Regene- ration. Biol. Centralbl., Bd. 13, 1893, p. 29-1 u. 295. 454 Gurt Herbst. Versuchsergebnisse von vornherein die Allgemeingültigkeit ab- sprechen, da es sich bei den letzteren herausgestellt hat, dass jene Zellen an der Basis der Augenstiele nach Bildung der Augen doch nicht die Potenzen zu anderer Organbildung verloren, sondern zum mindesten die Fähigkeit zum Erzeugen von Antennulis behalten haben. Neapel, Zoologische Station, den 24. April 1896. Tafelerklärung. Figui' 1 — 5 gezeichnet mit Zeiss Obj. a Oc. II u. Zeichenapparat. 6 , , , , A „ II , 7 , , , , C , II , Figur 1. Neubildung (n) der ersten Kategorie, welche an Stelle des linken Auges der sogen, „interokularen Brücke" (br) aufsitzt. Letztere ist bis zur Hälfte mitgezeichnet und lässt eine der beiden schuppenarligen, mit Quirlhaaren (qu) besetzten Hervorragungen (seh) erkennen, welche von ihrer Mitte entspringen und nach vorn gerichtet sind. Bei ag beginnt sich die Neubildung von der „interokularen Brücke" abzugliedern. Figur 2. Heteromorphe Neubildung der zweiten Kategorie von der Ventral- seite gesehen. Man bemerkt den Büschel von Quirlhaaren (qu) und die reihen- weise angeordneten Federhaare (fe). Figur 3. Heteromorphe Neubildung derselben Kategorie, aber mit einem rudimentären, zweigliedrigen Fortsatz (fr) am freien Ende, welcher grosse Aehn- lichkeit mit einem Geisselansatz aufwies. Figur 4. Die heteromorphe Neubildung der vierten Kategorie von hinten gesehen. Man sieht auf den Exopoditen (ex), der an seinem gegliederten Endteil ein fransenartiger Besatz langer, zarter Sinneshaare (frs) trägt. Hinter dem Exopo- diten bemerkt man den anderen geisseiförmigen Fortsatz, den Endopoditen (cii). Beide sitzen dem ungegliederten Stamm, dem Protopoditen (pr) auf. Bei fi be- merkt man zwei der langen, steifen, an ihrem oberen Ende mit Fiedern besetz- ten Borsten, welche an den ersten beiden Gliedern des Endopoditen und zwar an der nach dem Exopoditen zugekehrten Seite inseriert sind. Figur 5 repräsentiert dieselbe Heteromorphose von vorn gesehen, man sieht jetzt auf den Endopodit (en), von dem der Exopodit (ex) mit dem fransenartigen Sinneshaarbesatz {frs) teilweise verdeckt wird. Ausserdem bemerkt man, dass die reihenweise angeordneten Federhaare von der vorderen Schmalseite de& Protopoditen entspringen, während der Büschel Quirlhaare an der Basis der hinteren Schmalseite inseriert ist. Figur 6. Starke, steife Borste mit ringsum gestellten Seitenfiedern am oberen Ende von jener Seite des Augenstieles, welche in der Ruhelage nach oben gekehrt ist. Man beachte, dass die Borste an ihrem ziemlich breiten Ende einen kleinen, etwas gekrümmten Stift aufweist. Figur 7. Zum Vergleich mit Figur 6 ist ein einzelnes Federhaar von der in Figur "2 dargestellten Neubildung bei stärkerer Vergrösserung gezeichnet worden. Vierteljahrsschnfl d nahurr Ges. Zürich. 41. Jahrg 1896. Jubeiband IT Taf 8 C Herbst Regen v. AnFennen an Sfelle v. Augen. Das afrikanisclie Zebu-Rind und seine Beziehungen zum europäischen Brachyceros-Rind, V(jn Conrad Keller. Die Abstammung unserer europäischen Rinder einer erneuten Analyse zu unterziehen, ist gegenwärtig wohl zeitgemäss, denn gerade heute ist das einst gesichert scheinende Fundament der Rassenherkunt't wieder stark ins Wanken geraten — mit Unrecht, wie ich glaube. Bemerkenswert ist der Versuch, wieder zur monophyletischen Abstammung zurückzukehren. Es ist dies wohl eine Folge der Schwierigkeit, für die Braunvieh-Rasse einen sicheren Ausgangs- punkt zu gewinnen. Ich habe stets den Eindruck gehabt, dass dies auf euro- päischem Boden nicht möglich ist und der geographische Horizont weiter gezogen werden nmss. In unserem Kontinente existieren nur noch vereinzelte Oasen, wo die frühere Rassenphysiognomie verhältnismässig gut erhalten ist, auf weiten Räumen dagegen haben Umbiklungen und zahllose Kreuzungen stattgefunden. Für das primigene Rind ist die Anknüpfung an die ent- sprechende Wildform leicht, die prähistorischen Funde und die vergleichende Anatomie sind da zuverlässige Wegweiser; für die brachyceren Rinder, die in vorhistorischer Zeit in gut umschrie- benen Formen auf unserem Boden auftreten, fehlt uns die zuge- hörige Wildform. Wir werden daher mit Hülfe der Ethnologie die Wege der Migration ausserhalb unseres Kontinents zu verfolgen haben und vor allen Dingen Regionen aufsuchen müssen, wo die wirtschaft- lichen Zustände lansre Zeit stabil geblieben sind. 45B Conrad Keller. Afrika liegt uns räumlich am nächsten und hat offenbar früh- zeitig von seiner am Nordrande entstandenen, alten Kulturwelt den Süden von Europa stark beeinflusst. Afrika besitzt ungeheure Steppenländer, welche für die Viehzucht wie geschaffen sind. Seit Jahrtausenden bewegt sich die menschliche Wirtschaft dort in kaum veränderten Geleisen. Freilich ist es hohe Zeit, die Phy- siognomie des Haustierbestandes zu fixieren, bevor sie verloren geht, da das überall andringende, europäische Element das jetzige Gepräge bald genug verwischen dürfte. Leider ist dies an der Hand der zahlreichen Reisewerke nicht leicht. Die Angaben über Haustiere sind darin dürftig und die Mehrzahl der Reisenden mit dem Gegenstande zu wenig vertraut. Rühmenswerte Ausnahmen wie Hartmann, Schweinfurth und Bau mann wollen wir gerne anerkennen. Ich vei'suche zunächst ein Gesamtbild des afrikanischen Rinder- bestandes zu entwerfen, indem ich zuverlässige Reiseberichte und persönliche Informationen bei Kennern afrikanischer Verhältnisse verwerte; ausserdem stütze ich mich auf meine eigenen Beobach- tungen, welche ich auf drei verschiedenen Reisen in Nord- und Ostafrika gesammelt habe. I. Hausriiider in den verschiedenen Gebieten Afrikas. Wir beginnen wohl am passendsten mit den räumlich am nächsten gelegenen Gebieten von Nordafrika. In Algier, Tunis und Marokko wird ein meist kleines und höckerloses Rind gehalten, das als kurzköpfig bezeichnet wird. Es erschien in der Neuzeit vielfach auf dem europäischen Markte und figuriert bei den fran- zösischen Zootechnikern als Race algerienne. In den fruchtbaren Thälern und in der Ebene scheinen ziemlich grosshörnige Rinder gehalten zu werden ; es steht zu vermuten, dass hier Kreuzungen mit europäischem Blut vorliegen. Dagegen ist das Bergrind kurz- hörnig und zwergartig ; es hat den ursprünglichen Charakter wohl am getreuesten bewahrt. Die Schulterhöhe beträgt nach Gayot 115 — 135 cm und das Lebendgewicht der Kühe 260 — 370 kg, was ungefähr mit der im Wallis gezüchteten, zwergartigen Ehringer- Rasse übereinstimmt. Rütimeyer entwirft von diesem algerischen Vieh folgendes Gesamtbild : Da.'^ afrikanische Zel)U-Rin(l. 457 „Der Leib, besonders der Yorderleib mit Hals und Kopf, ist im Vergleich zu den feinen Füssen und Klauen schwer, der Schwanz erreicht fast den Boden und ist am Ende buschig. Die Farbe der Tiere ist auf dem Kücken und Becken grau und geht am Thorax von halber Rippenhohe an und am Becken vom Beckenrand an rasch in dunkles, i'ussiges Schwarz über, das auch die Extremi- täten und den Kopf einnimmt. Das Haar ist kurz, knapp, dicht. Die Hörner an der Basis zwiebelartig verdickt, gegen die Spitze rasch dünn und schwarz, meist sehr kurz und oft stark gekrümmt, in vielen Fällen auch aufrecht stehend, vollkommen Zebu-ähnlich. Sehr auffällig ist die hohe Lage der Schulterblätter, deren Känder über den Rückgrat ausragen, so dass daselbst eine Rinne liegt; hier findet sich auch ein Wirbel von langen Haaren, während sonst das Haar sehr kurz ist. Ob nicht hier Neigung zu Höcker- bildung sich verrät. Beim Stehen im Stall und beim Fressen ist der Kopf stets zur Erde gerichtet, die Hinterfüsse eingezogen, eine Stellung, wie man sie beim Zebu und Yak wahrnimmt, und sehr verschieden von der Stellung unserer Rinder." Die von Rütimeyer untersuchten Schädel zeigten zum Teil die typischen Merkmale des Brachyceros-Rindes ganz rein, zum Teil, was ich auch für andere von mir untersuchte Schädel des afrikanischen Zebu-Rindes wiedergefunden, im vorderen Teile des Schädels Brachyceros-Charakter, im Hinterschädel dagegen ent- schiedene Anklänge an den Zebu-Schädel. Er lässt es unentschie- den, ob dies Folge einer Kreuzung oder eine Annäherung an Bos brachyceros sei. Wir werden auf die Frage zurückkommen. Wenden wir uns mehr östlich nach Aegypten. Dort ist in der Gegenwart von einem einheitlichen, aus früheren Perioden stammenden Charakter der Rinder keine Rede mehr. Seuchen haben das Land in der Neuzeit wiederholt heimgesucht und der Nilbewohner musste sich nach einem widerstandsfähigeren Geschöpf umsehen. Mehr und mehr trat an die Stelle des Hausrindes der Büffel. Was von ersterem noch anzutreffen ist, stammt aus sehr verschiedenen Gebieten. Vorab liefern Arabien und Nubien den Bedarf; fast jeder Dampfer, der in Djedda oder Suakin anlegt, nimmt Rinder für LTnterägypten mit, aber auch Südrussland liefert lebende Ware nach dem Delta. Anders lag die Sache in Alt-Aegypten. Es sind zahlreiche 458 Conrad Keller. Zeugnisse vorhanden, dass zur Pharaonenzeit der Viehzucht die grösste Aufmerksamkeit geschenkt wurde und besonders die Rinder- zucht zur grössten Vollkommenheit gedieh. Wohlgepflegte Rinder- herden bildeten den Stolz der Altägypter, die Pietät des fein- sinnigen und phantasievollen Volkes gegenüber dem nutzbringenden Rinde ging soweit, dass letzteres geradezu Kultobjekt wurde. Freilich erstreckte sich die Kultbedeutung nicht auf die ganze Art wie bei der Katze, sondern wirtschaftliche Grründe drängten dazu, dieselbe auf einzelne Individuen zu beschränken. Der scharf beobachtende Natursinn und ein frühzeitig ent- wickelter Kunstsinn des Volkes schufen bildliche Darstellungen, welche heute noch wundervoll erhalten sind. Berühmt sind ja die Bilder in den Grabkammern von Sakkara, der Totenstadt von Memphis. Sie gewähren interessante Einblicke in allerlei Einzel- heiten des täglichen Lebens, bald ist es das Füttern der Kälber, das Abstempeln der Rinder, das Geschäft des Melkens, das Pflügen des Ackers oder eine Szene der Geburt, welche Vorkommnisse mit kecken Linien und mit voller Naturtreue dargestellt werden. Wir sehen bereits in jener Periode, die um mehrere tausend Jahre vor Christi Geburt zurückdatiert, dass verschiedene altägyp- tische Rinderrassen gehalten wurden. Nach Dümichen waren es drei Rassen, die im alten Aegypten gehalten wurden; am meisten verbreitet war die Langhornrasse, aus welcher der heilige Apisstier entnommen wurde und deren Gehörn entweder leierförmig oder halbmondförmig oder lang und weit auseinanderstehend war; daneben gab es auch kurzhörnige, buckellose Rinder, und drittens Buckelochsen, welche als Tribut- gegenstände von den Sudanvölkern gebracht wurden. Hartmann hat mit gutem Grunde darauf hingewiesen, dass die altägyptischen Rinderdarstellungen den Zebukopf erkennen lassen, und Apisschädel aus Memphis eine vollkommene Ueberein- stimmung mit dem Buckelochsen aus Sennar zeigen. Was die Farbe der altägyptischen Rinder anbelangt, so kamen Fleckrinder vor, die weiss und rot oder weiss und schwarz ge- fleckt waren. Ich habe aus den Gräbern von Sakkara genaue Kopien her- stellen lassen, auf welchen hellrotbraune Langhornrinder, also einfarbige dargestellt sind, ausserdem ein Kurzhornrind von dunkel- Das afrikanische Zebu-Riml. 459' brauner Farbe. Es ist bemerkenswert, dass letzteres verhältnis- mässig klein dargestellt ist, an Grösse jedenfalls nicht an die Langhornrinder heranreicht und dem heutigen algerischen Vieh ähnelt. Mehr im Süden, in den Steppen von Nubien, lernte ich vor Jahren Rinder kennen, die von kleinem, gracilem Bau sind und in ihrem Habitus wiederum an die algerische Rasse in Nordafrika erinnern. Der Kopf besitzt eine feine Schnauze, die Hörner sind kurz und meist aufrecht gebogen, der Fetthöcker des Rückens fehlt. Die Farbe ist hellbraun, auch weiss und rot gescheckte Rinder sind häufig, dagegen sind die Flecken am Rande nie scharf begrenzt, sondern immer verwaschen. Ab und zu bemerkte ich unter den nubischen Rindern weissliche Tiere, welche auf der Oberseite und an den Flanken blauschwarze, rundliche und sehr kleine, aber dichtgedrängte Flecken besassen, so dass sie förmlich getigert erschienen. Aehnlich scheint das einheimische Rind von Massauah und der erythräischen Kolonie zu sein. Ich habe dasselbe im Früh- jahr 1891 kennen gelernt und entnehme darüber meinem Tage- buch folgende Notizen: Die Statur entspricht. derjenigen unserer kleinern Braunviehschläge, der Höcker sehr schwach ; die Farbe ist vorwiegend grauweiss, an der Vorder- und Aussenseite der Beine dunkel angelaufen; daneben sind neben schwarzbraunen auch rotbraune Rinder mit weisser Stirn beliebt; getigerte Individuen ebenfalls vorkommend. Das Gehörn ist meist kurz, massig dick und an der Basis verdickt. Manche Individuen haben das Gehörn abwärts gebogen ; das Occiput oft mit starkem Stirnwulst. Die Ohren sind etwas hängend, häufig geschlitzt, Skrotum und Euter von braungelber Farbe; die Wamme lang und schlaff. Es ist kaum anzunehmen, dass die Rinder in Massauah und am Golf von Arkiko seit längerer Zeit unvermischt geblieben sind ; Kreuzungsprodukte dürften im Gegenteil durch Vermischung ver- schiedener ostafrikanischer Schläge mit abessinischem und ara- bischem Vieh häufig vorgekommen sein. Nach den an Ort und Stelle gemachten Erhebungen kann ich noch hinzufügen, dass seit 1889 eine Seuche den vorhandenen Rinderbestand stark decimiert hat und von einem Triestiner Handelshaus massenhaft indische Höckerrinder aus Bombay eingeführt wurden. 460 Conrad Keller. Einen ungemein grossen Kinderreichtum finden wir im Ost- sudan und in den Ländern am oberen Nil; schon im grauen Altertum hat dieses Gebiet als die ergiebigste Fleischkammer Aegyptens gegolten; in den bildlichen Darstellungen werden Rinder als Tributgegenstände äthiopischer Völker bezeichnet. Brehm beschreibt die lebensvollen Szenen, welche das zur Tränke geführte Vieh darbietet. Das Rind Avird sehr hoch geschätzt und der Stamm der Baggara hat seinen Namen geradezu von der Kuh entlehnt. Die Dinka übernachten ihre Herden in besonderen Stallungen und halten nach Schweinfurth alles für rein und edel, was vom Rinde kommt; der Mist w'ird zu Asche gebrannt, um sich weiss anzutünchen, der Harn als Waschwasser benutzt; nie wird ein Rind geschlachtet, kranke Tiere mit der grössten Sorgfalt verpflegt und der Tod der eigenen Rinder betrauert. Als vorherrschende Farbe wird braun angegeben. Hart mann bemerkt, dass man bereits in der Bajudawüste, in Süddongola und Sennar nur Buckel- ochsen mit kurzem Gehörn antreffe und der Schädel der Sennar- Rinder mit der altägyptischen Langhornrasse vollkommene Ueber- ■einstimmung zeige. Nach Schw^einfurth ist das Rind der Dinka lang- und schlankhörnig, nähert sich also dem Rind in der Aequa- toi-ialprovinz. Nächst den sudanesischen Gebieten ist die Viehzucht in Nordostafrika wohl am höchsten entwickelt in Abessinien, während westlich vom Nil dieselbe nur unbedeutend ist und bei- spielsweise die Njam-Njam Kühe nur vom Hörensagen kennen, dafür aber Hunde als Fleischtiere züchten. Das abessinische Rind, unter dem Namen Sanga als Prototyp der afrikanischen Rinder bekannt, ist in seiner äusseren Erschei- nung wohlbekannt, zumal es ab und zu in die grösseren zoolo- gischen Gärten Europas gebracht wird. Die Körpergrösse ist ver- schieden, die Niederungsrassen sind klein, auf dem Hochplateau findet man grössere Tiere, die aber höchstens an unsere mittel- schweren Rinder heranreichen. Der Bau ist ein gedrungener, die Rumpftiefe eine bedeutende. Der Kopf bau ist bemerkenswert und erinnert, w^ie wiederholt hervorgehoben wurde, an das europäische Kurzkopfrind; indem die Stirn breit und flach, das feine Gesicht verhältnismässig kurz erscheint. Das drehrunde Gehörn ist nicht niederliegend wie bei den grosshörnigen, indischen Zebu, sondern aufwärts eerichtet und Das iitVikaiiische Zebu-Hiiid. 461 leierförmig, am Grunde hell, an der Spitze schwarz gefärbt oder auch wohl ganz schwarz. Die Grösse des Gehörns ist verschieden, im allgemeinen aber kann man die abessinischen Höckerrinder durchweg den grosshörnigen beizählen ; in gewissen Bezirken der abessinischen Gallavölker ist die Hornlänge und Horndicke ganz bedeutend. Ueber die Verbreitung der einzelnen Sanga-Schläge verdanke ich meinem Freunde Alfred Ilg nähere Angaben, die um so wert- voller sind, als dieser in seiner Eigenschaft als Beamter des Kaisers- Menelik das Land besser als irgend ein anderer Europäer zu kennen Gelegenheit hatte. Die stattlichsten Kinder gehören den Hochebenen an und besitzen in Tigre, Godjam und Schoa überall einen gleichmässigen Charakter. Es sind muntere, temperamentvolle Tiere, die in den höelisten Lagen (sie gehen bis o ni) vorwiegend schwarz behaart sind. Die Abessinier bevorzugten diese Farbe, weil sie den Tieren warm giebt. Li den mittleren Höhen kommen neben dunkel- gefärbten Rindern auch weissgraue, schwarzscheckige, seltener braunscheckige Tiere vor. Das Gehörn ist nie so lang wie bei den Tieflandrindern und hat einen I^urchmesser von 8 — 9 cm an der Basis. Ln Südwesten, d. li. in Kaffa, kommt das Kind nur selten vor, die dortigen Eingebornen halten sich mehr an Kleinvieh, an Schafe und Ziegen. An der westlichen Abdachung, welche hydro- graphisch bereits dem Nilgebiet angehört, finden wir bei den Wolega noch ziemlich grosse Rinder, deren Gehörn im Durch- schnitt etwa 40 cm Länge betragen mag, bei den mehr nördlich wohnenden Berta tritt ein sehr kleiner Schlag auf. der entweder hornlos oder kleinhörnig ist. Daneben ist in dem abessinischen Rinderbestande als Merk- würdigkeit ein im Tieflande, in der sogenannten Quolla vorkom- mender Schlag zu erwähnen, bei welchem sowohl Länge als Dicke geradezu riesige Dimensionen erreichen kann. Der englische Rei- sende Salt hat ein Gehörn von 118 cm Länge und 38 cm Umfang gemessen. Ln ganzen steht aber die Körpergrösse gegenüber dem Hochlandrinde zurück. Die erwähnten, lang- und dickhörnigen Galla-Kinder werden hauptsächlich im Thale des Hawasch-Flusses gehalten und die Herden mit ihrem bald nach der einen, bald 462 Conrad Keller. nach der andern Seite wiegenden Riesengehörn sollen inmitten ■der grossartigen Vegetation der Quolla ein malerisches Bild dar- bieten. Bei den Arussi-Galla und den Dschilli wird die Zucht dieses Schlages stark betrieben, und die Angabe, dass die starke Hornentwicklnng bei krankhaften Tieren vorkomme, ist durchaus unrichtig. Die allerschwersten und geschätztesten Hörner liefern die Rinder am Zuai-See und südlich bis zum Wohngebiet der Sidama-Galla. Hier sucht der Abessinier seine grossen Trink- hörner, die ihm auf seinen Kriegszügen so gute Dienste leisten; denn als Trinkhorn ist das Hörn des Hochlandrindes zu klein, es liefert nur das Material zu Trinkbechern. Bei den Sidama-Galla hört genannter Rinderschlag auf und wird durch ein kleinhörniges Buckelrind ersetzt, das wohl identisch ist mit dem später zu erwähnenden Somali-Rind. Im Nordosten von Abessinien grenzen die Wohngebiete der Oadabursi, Eissa-Somali und Dankali an ; arabisches Vieh und Somali-Rinder mögen da und dort beigemischt sein ; doch wiegt hier ein langhörniges Sanga-Rind vor, dessen Horndicke aber ver- hältnismässig gering ist. Die Farbe der Niederungsrinder ist weiss, braun, schwarz- scheckig oder schwarz. Bei allen abessinischen Rindern ist der Milchertrag der Kühe ein geringer. Eine wesentlich andere Physiognomie des Rinderbestandes tritt uns in dem keck in den Indischen Ocean vorspringenden Ost- horn, im Somaliland entgegen. Die Viehzucht ist im Inneren eine recht bedeutende und hat wiederholt die Beutelust der Abes- sinier angelockt. Die Bedingungen für eine reiche Viehzucht sind denn auch sehr günstig. Ueberschreitet man den öden Küstengürtel und das Küsten- gebirge, welches im Norden parallel der Küste hinzieht, so dehnen sich im Inneren immense Grassteppen aus, die noch viel stärker bevölkert sein könnten, als sie es thatsächlich sind. Ich habe die nötigen Einzelheiten über die bisher fast unbe- kannten Somali-Rinder \oy einigen Jahren sammeln können und werde in einem besonderen Abschnitt die Schädelmasse mitteilen. In der Grösse und den körperlichen Proportionen stimmen dieselben mit den abessinischen Sanga überein, und es ist wahr- Da.s afrikanische Zebu-Rind. 463 scheinlich, dass die Urbewohner des Landes, die nachweisbar Galla- völker waren und erst hinterher den Somali weichen niussten, sie aus Sanga umgezüchtet haben. Ueberall finden wir ein ganz kurzhörniges oder völlig horn- loses Höckerrind mit nur massig stark entwickeltem Fettbuckel. Die Behaarung ist kurz, dicht anliegend und glänzend, in der Farbe grauweiss oder gelbbraun ; rotscheckige Individuen sind ebenfalls häufig, dagegen ist die schwarze Farbe verpönt, und es gilt als unheilbringend und als grobe Insulte, eine schwarze Kuh zum Geschenk anzubieten. In der Kopf bildung kommen ziemlich weitgehende Variationen vor, neben breitstirnigen Kindern kommen auch solche mit schmalem, pferdeähnlichem, nach hinten verjüngtem Schädel vor. Das Flotz- maul pflegt stets dnnkel zu sein. Langhörnige Schläge trifft man im Innern nirgends und eine Hornlänge von 2ü cm kann schon als die obere Grenze bezeichnet werden ; ich habe gewöhnlich nur eine Hornlänge von 7 — 10 cm gemessen, in letzterem Falle sitzt das Gehörn kegelförmig auf, in ersterem ist es nach Art unseres Braunviehes aufgerichtet. Die graugrünen Hornscheiden sind auf- fallend dick und aufgefasert. Im Lande der Ogadeen, welche im Centram des Somaligebietes wohnen, sah ich sehr häufig schlapp- hörnige Kinder, deren Hörner beim Gehen hin und her baumeln und über der Stirn zusammengelegt werden können, da gar keine Stirnzapfen vorkommen, ebenso häufig giebt es Rinder, bei denen gar kein Gehörn mehr entwickelt ist. Die Zwischenhornlinie ist bald gerade, bald hoch aufgewulstet. Man erzählte mir vielfach, dass es auch drei- und vierhörnige Rinder gebe, was ich stets bezweifelte. Diese Angabe der Eingebornen ist mir aber so häufig gemacht worden, dass ich mich interessierte, eine solche Merk- würdigkeit zu sehen ; allein die ganze Sache reduziert sich auf eine einfache, monströse Wucherung des Stratum corneum auf der Stirn und auf der Nase, die nussgross bis apfelgross wird. Die Somalistämme halten nur Kühe und Stiere, die Ochsen geben sie an die Galla ab, w'p sie zum Pflügen verwendet werden, sie tauschen dafür Pferde ein. Es hängt das eben mit den wirtschaftlichen Verhältnissen zu- sammen; die Somali sind vorwiegend viehzüchtende Nomaden und gehen nur lokal zum Ackerbau über, brauchen dabei aber den 4G4 Conrad Keller. Ochsen als Arbeitstier nicht, da ihnen die Verwendung des Pfluges unbekannt ist. Die Milchproduktion der Kühe ist wie bei den meisten Höcker- rindern nicht sehr bedeutend, dafür aber die Milch fettreich und von sehr angenehmem Geschmack. Das Melkgeschäft liegt aus- schliesslich den Männern ob, während die Frauen die Butter- bereitung besorgen müssen. Ueber das Rind in den Ländern zwischen dem Rudolfsee und der Küste von Mombas ist mir nichts Genaueres bekannt gewor- den, da das Teleki'sche Reisewerk nur unvollständige Mitteilungen enthält. Die Figuren, auf denen Rinder zur Darstellung gelangen, stellen es als kurzhörnig und buckellos dar, allein es ist nicht bemerkt, dass Photographien als Vorlage gedient haben, und da komme ich auf die Vermutung, dass der Künstler einfach unsere europäischen Rinder als Vorwurf benutzt hat. In Mombas selbst ist das Rind kurzhörnig und mit einem Fetthöcker versehen, wie ich aus der jedenfalls getreuen Abbil- dung in dem Decken 'sehen Reisebericht entnehmen kann. In Deutsch-Ostafrika finden wir bis zum Kilimandscharo- gebiet überall ein kurzhörniges Höckerrind, welches wohl nichts anderes als ein aus Südarabien oder Indien in neuerer Zeit eingeführtes Zebu-Rind sein dürfte, was bei dem lebhaften Ver- kehr mit jenen Gebieten leicht erklärlich ist. Ueber die centralafrikanischen Rinder im Gebiet der äqua- torialen Seen sind wir durch Stanley, Stuhlmann und 0. Bau- mann näher unterrichtet worden. Einer Bemerkung von Stanley entnehme ich, dass in Unjoro die Mehrzahl der Rinder einer hornlosen Rasse angehören, bei welcher auch der-Fotthöcker verkümmert ist. Von grossem Interesse für die Verbreitungsgeschichte des Rindes, die auch einiges Licht auf die Völkerverschiebungen in Afrika wirft, muss die Thatsache erscheinen, dass jene riesen- hörnigen Rinder, die wir bereits in den Thalschaften des Hawasch bei den Arussigalla angetroffen haben,, auf einmal wieder in Central- afrika auftauchen und zwar bei jenen hamitischen Volkselementen, welche unter dem Namen „Wahuma" als Hirtenkolonien in die ansässige, ackerbautreibende Negerbevölkerung eingestreut sind. Die nahe Verwandtschaft der Wahuma mit den abessinischen Das afrikanische Zebu-Rind. 465 Volkselementen ist von den Ethnologen wiederholt hervorgehoben worden. Das „Wahiuna-Kind" oder „Watiissi-Rind" ist von 0. Bau- mann näher beschrieben worden. Es ist mittelgross, vorwiegend einfarbig kastanienbraun und besitzt ein dunkelpigmentiertes Flotz- maul. Der Höcker ist schwach entwickelt und bei Kühen kaum wahrnehmbar; die Extremitäten sind fein knochig. Das mächtige Gehörn wird meterlang und darüber, an der Basis erlangt es einen Umfang von 40 — 50 cm, es wendet sich anfänglich gerade und divergierend nach hinten und oben, die Enden sind nach rückwärts und etwas einwärts gewendet. L. Adametz hat eine genaue osteologische Analyse des Schädels veröffentlicht und gelangt zu dem Schlüsse, der auch durch ethnologische Gründe gestützt werden muss, dass die Be- ziehungen zum abessinischen Sanga-Rind die allernächsten sind. Im Süden findet man das Watussi-Rind schon bei Uijij, dann auf dem Hochplateau zwischen dem Tanganyika-See und dem Albert-See, in Urundi, Ruanda und Mpororo, am Süd- und West- ufer des Albert-Eduard-Sees (Stuhlmann) und am westlichen Ufer des Albert- Sees (Stanley). Nach Bau mann ist diese Rinderform im Rückgang begriffen; da sie gegenüber Seuchen wenig widerstandsfähig ist und wirt- schaftlich keine hervorragenden Eigenschaften besitzt, wird sie vielfach von dem ostafrikanischen Höckerrind, das kurzhörnig ist, verdrängt. Im Norden vom Viktoria-Nyanza lebt ein Höckerrind mit ziemlich grossem Fettbuckel, wie aus einer Abbildung von Jeph- son hervorgeht; das Gehörn ist mittelgross und nicht sehr dick. Es wird vielfach mit dem Watussi-Rind gekreuzt, wobei aber die Individualpotenz des letzteren gering zu sein scheint, W^enden wir uns wieder an die Ostküste und zwar nach dem Zambesigebiet. Verbreitet ist hier wie bei den südlichen Be- tschuanen die grosshörnige, mittelgrosse Rasse, daneben giebt es nach Livingstone und Chapman noch eine Zwergrasse am Zambesi, das sogenannte Batoka-Rind, das nicht höher als 3 eng- lische Fuss wird, in der Grösse etwa einem einjährigen Kalbe ent- spricht, dem Shorthorn ähnlich ist, vortreffliches Fleisch liefert und reichlich Milch giebt. Vierteljahrsschrift d. Natnrf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband II. 30 466 Conrad Keller. Bei den Makololo wird die Biegung der Horner künstlich, oft in sehr barocker Weise hergestellt, auch sonst allerlei gekünstelt ; so sind einzelne Rinder zebraartig gestreift, was durch Absengen der Haare mit einem heissen Eisen hervorgebracht wird. In dem ostafrikanischen Archipel tritt uns die gewaltige Insel Madagaskar wiederum als ein Centrum für die Viehzucht auf und die Hochebenen im Innern ernähren reiche Herden, welche den Wohlstand der Howabevölkerung bedingen. Die übrigen Inseln, vorab Reunion und Mauritius, besitzen, ausnahmslos Madagassenvieh, welches allwöchentlich an den Häfen der Ostküste, namentlich in Tamatave, verschifft wird. Das Madagassen-Rind ist mittelgross und darüber, manche Ochsen erlangen eine recht stattliche Grösse; die Färbung ist braunrot oder dunkelbraun bis schwärzlich, auch Rotschecken sind häufig; der Körper ist ziemlich tief gestellt und der Fetthöcker stark entwickelt, wohl eine Folge der guten Hal- tung und der vorzüglichen Weiden. Der Kopf wird auch beim Gehen gesenkt getragen und trägt dicke Hörner von ansehnlicher Grösse, die nach hinten und aussen, von der Mitte an aber nach oben gerichtet sind, ähnlich wie beim Sanga. Die Spitzen sind gewöhnlich ein wenig nach innen gezogen; manchmal ist das Ge- hörn auch halbmondförmig, an der Basis gern etwas faserig. Die Hornfarbe ist bei den einzelnen Tieren verschieden, bald tief- schwarz, bald hellgelblichgrau bis zur Spitze, bald graugelb mit schwarzer Spitze. Es liegen mir von Madagassen-Rindern sechs Schädel vor, deren Bauverhältnisse unten eingehendere Berücksichtigung finden werden. Ich muss nach der Schädelform zwei Schläge unter- scheiden, die man als Breitstirnrind und Schmalstirnrind bezeichnen könnte. Die Rinder der Hovva, welche in Imerina gezüchtet und all- wöchentlich herdenweise nach der Ostküste getrieben werden, sind mittelhörnig, oder wenigstens nicht sehr gross im Gehörn. Die Stirn ist breit, ziemlich umfangreich, die Augenhöhlen meist über die Stirnfläche vortretend, das Gesicht verhältnismässig kurz. Ein aus Westmadagaskar, also aus dem Sakalavenlande stam- mender Schädel zeigt eine ganz andere Konfiguration ; das Gesicht ist länger, die Stirn lang, überall fast gleich breit und auffallend schmal. Das stattliche Gehörn ist länger, dicker und somit weit Das afrikanische Zebu-Rind. 467 schwerer als beim Howa-Riiid. Die Aehnlichkeit mit dem central- afrikanischen ^Vatussi-Rind ist eine unverkennbare. Vielfach werden den Tieren die Hörner gestutzt und die Ohren geschlitzt ; letztere Manipulation dient wohl dazu, dem Eigentümer seine Tiere leicht erkennbar zu machen, erstere dagegen, um den Rindern beim Transport das Durchschlüpfen durch das Buschwerk zu erleichtern. Eine starke Viehzucht wird streckenweise in Südwestafrika betrieben. Vielfach existiert dort ein Rind von europäischer Her- kunft, so in der Kapkolonie ; auch in Deutsch-Westafrika beginnt, wenn auch noch spärlich, europäisches Rindvieh einzudringen. Berühmt war der Reichtum an Rindern bei den Hottentotten hei der Ankunft der Europäer; nach den Darstellungen von Kolb existierte bei ihnen ein buckelloses und nicht gerade langhörniges Rind. Vor einigen hundert Jahren kam es noch vor, dass ein einziger Häuptling 4000 Stück Hornvieh und 3000 Schafe sein Eigen nennen durfte. Die weissen Ankömmlinge nahmen den Hottentotten diesen Reichtum nach und nach ab, Seuchen decimiertn den Rest, die letzten Stücke wurden gegen Schnaps eingetauscht und so wurde die wirtschaftliche Basis dieses Volkes vollkommen ver- nichtet; dieses ging von der Viehzucht zur Jagd über, allein auch die Jagdgründe wurden bald erschöpft und nun flüchtet der einst reiche Hottentotte nach den Missionsstationen, um dort als Acker- bauer ein kümmerliches Dasein zu fristen. Um so blühender ist die Rinderzucht bei den Herero, und Hans Schinz bemerkt darüber: „Das Herero-Rind zeichnet sich durch einen stark entwickelten Knochenbau aus, ist jedoch keines- wegs fett ; die Extremitäten sind kurz, die Klauen bedeutend kleiner als bei dem Hottentotten-Rind, aber hart und stark. Das Haar ist kurz, glatt und glänzend; der Schwanz endigt in einem beinahe die Erde berührenden Büschel langer und sehr buschiger Haare. Die Bullen haben oft einen stattlichen Fetthöcker aufzu- weisen, der jedoch den Kühen und Ochsen abgeht. Die Hörner sind gewunden und manchmal von bedeutender Spannweite, ohne jedoch eine so gewaltige Ausdehnung zu erreichen, wie wir sie hin und wieder bei den Tsuana-Rindern bewundern können." Das Rind scheint sehr sorgfältig gehalten zu werden, denn der genannte Autor bemerkt von dem viehzuchttreibenden Omuherero: „Für 468 Conrad Keller. seine Ochsen ist ihm keine Arbeit zu beschwerlich. Wo immer sich zwei Eingeborene begegnen, da wird über Ochsen und nur über Ochsen gesprochen; die Lieblingstiere werden besungen und beim nächtlichen Tanze ahmen sie deren Bewegungen und Eigen- heiten nach, das Anrücken der zur Tränke eilenden Herde und das Gebrüll der nach ihrem Sprössling rufenden Kuh." Eine auffallende Erscheinung bilden in Südwestafrika die be- kannten Zug- und Reitochsen, die man als der „Transvaal-Rasse" zugehörig bezeichnet. Sie sind buckellos, rotscheckig und mit weitausgelegtem, kolossalem Gehörn geziert, so dass wir wiederum die Langhorn-Rasse in der extremsten Ausbildung vor uns haben. An einer photographischen Aufnahme, die ich Hans Schinz ver- danke, fällt mir die lange und ziemlich schmale Form des Schädels auf, die ich bereits bei dem Rind von Westmadagaskar hervor- gehoben habe. Diese grosshörnigen Transvaal-Ochsen kommen über die Kap- kolonie nach Südwestafrika, sie wurden nach übereinstimmenden Angaben verschiedener Beobachter von den Betschuanen gezüchtet. Mehr im Norden herrscht ein kurzhörniges Buckelrind vor, dessen Färbung hellrotbraun zu sein pflegt. Kommen wir nach Angola, so wird dort ein ganz kleines Höckerrind angetroffen, das sehr kurzhörnig ist. Bei der nahen Verwandtschaft der Angola-Leute mit den Zambesi-Leuten ist die Annahme wohl gerechtfertigt, dass die Angola-Rinder und die zwergartigen Batoka-Rinder am Zambesi der gleichen Rasse an- gehören. Nördlich von Angola tritt die Rinderzucht auffallend zurück, zu Gunsten von Geflügel und Kleinvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen. An der Loangoküste fehlt das Rind, vereinzelt er- scheint es bei den Kru-Negern. Im Senegal ist das eingeborne Rindvieh durch die Seuchen vor einigen Jahren fast ganz vernichtet worden, und gegenwärtig wird, wie mir Büttikofer mitteilt, amerikanisches Rindvieh stark eingeführt. Im mittleren Sudan scheint die Rinderzucht bedeutender zu sein, nach Clapp ertön und Hamilton Smith steht das Rind von Bornu dem Sanga nahe, das Gehörn ist aber verschieden; die Das afrikanische Ze])U-Rind. 469 Hornsclieiden sind sehr fein und deutlich gefasert, sie erscheinen nicht aufwärts gerichtet, sondern seitlich und abwärts, wobei die Spitzen eine kleine, halbspirale Windung bilden. Ueberschauen wir den afrikanischen Rinderbestand, so treten uns sehr verschiedene Elemente entgegen, die bald höckertragend, bald höckerlos. breitstirnig oder schmalstirnig, langhörnig oder kurzhörnig, selbst vollkommen hornlos sein können. Ganz schwere Formen haben sich nirgends entwickelt, was wohl eine einfache Folge der wirtschaftlichen Verhältnisse ist; dagegen treten eigent- liche Zwergrinder sporadisch auf (Batoka-Rind und Angola-Rind). Eine bestimmte geographische Abgrenzung der Rassen lässt sich nicht wohl durchführen, wenn wir vielleicht am zw^eckmässigsten die beiden Hauptgruppen der Langhornrinder und der Kurzhorn- rinder aufstellen, so dominieren letztere wohl in der nordwestlichen Hälfte des afrikanischen Kontinentes, während in der südöstlichen Hälfte die Langhornrinder ihre grösste Entwicklung zeigen ; allein mitten im Verbreitungsgebiet der einen Form finden sich Kolonien der andern oder fanden sich wenigstens früher. Es kann dies nicht rätselhaft erscheinen, da ja die menschliche Bewohnerschaft Afrikas die Wohnsitze vielfach gewechselt hat, ein Volk schob das andere, Völkertrünnner wurden wohl auch von der Hauptmasse abgesprengt. Wir müssen mit dieser ethnologischen Thatsache rechnen, denn sie giebt uns Winke über die Verbreitung des Rindes, das für manche nomadisierende Stämme die Grundlage der wirtschaftlichen Existenz bildete. Ueber die mutmasslichen Wege der Migration später. Vor- erst mag die osteologische Analyse zweier wenig bekannter afri- kanischer Rinderrassen vorausgehen. H. Schädelbau des Somali-Kindes und des Madagaskar-Rindes. Aeusserlich sind beide Rinderformen stark verschieden ; sie haben jedoch das gemeinsame, dass sie längere Zeit hindurch von äusseren Einflüssen unberührt geblieben sind. Die Somaliländer Avaren bis vor wenigen Jahren im Innern unzugänglich und Mada- gaskar bildet ein abgeschlossenes, insulares Gebiet. 470 Conrad Keller. Die Schädel des Somali-Rindes habe ich in dem rinderreichen Thale des mittleren Webi (im Ogadeen) gesammelt, wo Schädel- stätten hänfig anzutreffen sind. Die Madagassenschädel stammen teils aus dem Howagebiet^ teils aus West-Madagaskar. Es sind durchweg Ochsenschädel, da die Kühe sehr schwer erhältlich sind; denn die frühere Königin hat im Interesse der Rinderproduktion die Ausfuhr von Kühen untersagt. A. Schädel des Somali-Rindes. Gesamtform des Schädels. Auffallend ist die starke, indi- viduelle Variation. Der Schädel ist lang und schmal, bei einzelnen Individuen schwach geramst. Er nähert sich dem breitstirnigen Typus mit fein gebautem Gesichtsteil. Bei zwei Schlapphorn- schädeln ist der Hinterkopf verjüngt und die Oberfläche allseitig abfallend. Stirnbeine. Bei allen Schädeln ist die Stirnplatte sehr uneben. Eine Einsenkung ist zwischen den Augen, eine zweite vor dem Hinterrand der Stirnbeine vorhanden. Die für asiatische Zebu-Rinder vielfach charakteristische Längsrinne der Stirnmitte fehlt, die Stirnnaht tritt niemals in einem schwachen Kamme her- vor. Die Supraorbitalrinnen sind bald kurz und tief, bald seicht, nach vorn konvergierend, in einem Falle fehlen sie. Die Löcher derselben sind in Zahl und Grösse wechselnd, bei zwei Schädeln nur in der Einzahl vorhanden. Die Stirn ist vor dem Anzatz der Hörner meist nur wenig verengt, die Zwischenhornlinie ist bei keinem Schädel ausgeschweift, während dies beim Sanga häufig vorkommt. Die Stirnzapfen sind kurz und kegelförmig und ungestielt, bei einem Individuum auffallend weit vor dem Hinterrand der Stirne angesetzt. Beim Schlapphorn-Rind fehlen die Stirnzapfen, an deren Stelle ist eine rauhe, kreisförmige Stelle vorhanden, welche vor dem hinteren Stirnrand liegt. Das kurze Gehörn ist nach aussen und oben gebogen wie bei Brachyceros. Die Orbitalhöhlen treten nicht hervor und sind seitlich nach aussen gerichtet, nur in einem Falle wölben sie sich etwas über die Stirnplatte hervor. Occiput. Dasselbe ist nicht eben hoch. Bei drei Schädeln tritt der Hinterrand der Stirn wulstig über die senkrechte Occi- Das afrikanische Zebu-Rind. 471 pitalfliiclie hinweg, in einem Falle bildet das Occiput mit der Stirnplatte einen rechten, in zwei Fällen dagegen einen schiefen Winkel. Thränenbeine. Dieselben sind auflfallend breit, der obere Rand ist gerade oder nähert sich, wenn etwas winklig, doch einem Winkel von 180 Grad. Sie reichen immer bis zur Mitte der Nasen- beine. Eine dreieckige Lücke an der Stelle, wo Thränenbein, Nasenbein und Stirnbein zusammenstossen, wurde nur in einem Falle beobachtet. Nasenbeine. Sie erscheinen lang und schmal, von der Mitte an sind sie stark gewölbt, hinten nur wenig verbreitert. Z wisch enkief er. Bei fast allen Schädeln fällt die Kürze der Nasenäste der Intermaxilla auf. Sie vermögen in der Regel die Nasenbeine nicht zu erreichen, sondern endigen in grösserer oder geringerer Entfernung unterhalb derselben. Bei einem Schädel endigen die Nasenäste genau 2'/2 cm unterhalb der Nasenbeine. Zahn bau. Es liegen mir nur die Zähne des Oberkiefers zur Untersuchung vor und die grosse Uebereinstimmung mit unseren europäischen Brachyceros-Rindern ist unverkennbar. Die schiefe Stellung der Backenzähne, ein typisches Merkmal für unsere Braunviehrassen, tritt bei allen Schädeln aus dem Somaliland recht augenfällig entgegen. Das Schmelzblech ist stark entwickelt, aber von einfachem Bau. An den hinteren Molaren des Oberkiefers ist der Innenpfeiler schwach entwickelt, beim hintersten Backenzahn wiederholt rudi- mentär oder gar nicht vorhanden. Die Marken sind von sehr einfachem Bau, Kompli- kationen im Verlauf des Schmelzbleches, wie ich sie beim zahmen Primigenius beobachtete, fehlen den hintersten Backenzahnmarken. Ich lasse die Schädelmaasse von sechs Individuen auf S. 472 folgen. B. Schädel der Rinder aus Madagaskar. Die individuellen Merkmale sind beim madagassischen Rind weit weniger vortretend als beim Somali-Rind. Wir können zwei Rassen unterscheiden, das schmalstirnige Höckerrind von West- Madagaskar, von welchem mir ein typischer Schädel vorliegt, und das breitstirnige Howa-Rind von Central-Madagaskar, das vielfach an die Ostküste gebracht wird. Ersteres ist mit auf- 472 (ionrad Keller. Schädellänge Profillänge Länge der Stirnbeine .... Stirnbreite Stirnenge Zwischenhornlinie Länge der Nasenbeine . . . Wangenbreite Gaumenbreite Länge der Intermaxilla . . . Breite der Intermaxilla . . . Höhe des Occiput (vom unteren Rande des Foramen magnum gemessen) Hinterhauptenge Länge der Stirnzapfen . . . Hornh'inge Hornumfang an der Basis . . Länge der Zahnreihe im oberen Kiefer in cm in % 39.3 44.2 21.2 17.3 16 15,5 14.2 13.5 7.5 14,6 7,4 13,4 12 8 in IG 10.5 100 112,5 53,9 44 40.7 39,4 36,1 34.4 19,1 37,2 18,8 34.1 30.5 20,4 48.3 40.7 26,7 II in cm in •'/'o 39 43,6 19 16,4 14 16,1 13 7,4 12,7 6,8 13 10.3 6 V 11.5 100 111,8 48,7 42,1 35,9 41,3 33,3 19 32,6 17,4 OO.O 26,4 15.4 29,5 ni in cm in ° o 37,5 41 18,5 16 14 12,5 12 6,4 12,5 6.2 12.5 9,4 4 ? '^ 12,5 100 109,3 49,3 42,7 37,8 33,3 ? 32 17,1 33.3 16.5 oo,o 25,1 10.7 Schädellänge Protillänge Länge der Stirnbeine . . . Stirnbreite Stiinienge Zwischenhornlinie .... Länge der Nasenbeine Wangenbreite Gaumenbreite Länge der Intermaxilla . . Breite der Intermaxilla . . Höhe des Occiput .... Hinterhauptenge Länge der Stirnzapfen . . Länge der Zahnreihe im über kiefei- IV Y VI in cm in °/o in cm in "lo in cm in "^o 40,5 100 39 100 38 100 45,3 111,9 42 107,7 43,5 114,5 20,4 50,4 : 20 51,3 20 52.6 17,5 43.2 16.2 41,5 16,3 42,9 14.7 36,3 : 14,8 37,9 14 36,8 12 29,6 i 9,5 24,4 11,5 30.3 15.5 38,3 i 14 35,9 17 44.7 14.3 35,3 13 33,3 12.2 32.1 7.5 18,5 7 17,9 7 18.4 13 32,1 13 33.3 11,2 29,5 7.3 18 7 17.9 7 18.4 13.5 33,3 1 11.5 29,5 11,0 30,3 10 24.7 i 9,7 24,9 10 26.8 11,5 28.4 11,5 29,5 1 11,5 30.3 Das atvikaiiisclie Zehn-Rind. 473 fallend grossem Gehörn ausgestattet und erinnert in seinem Habitus trotz des tiefgestellten Körpers an das Watussi-Rind und an das riesenhörnige Sanga-Rind der Galla in Südabessinien. Seine auf- Fi2. 1. Schädel des knrzliörniL;en Somali-liindeH Fiir. ^2. Schädel des Schlapphurn-R indes ans dem ügadeen (Somalilandj. fallend schmale Stirne ist ganz eben und nach allen Seiten hin abfallend, die Orbitalhöhlen treten gar nicht hervor. Stirnbeine. Sie bilden beim Sakalaven-Rind eine schmale Tafel mit gerader Zwischenhornlinie und schwachen Supraorbital- rinnen. Beim Howa-Rind in Central- und Ost-Madagaskar findet 474 Conrad Keller. sich zwischen den Augenhöhlen stets eine mehr oder weniger stark ausgesprochene Einsenkung. Die Orbitae sind viel stärker hervor- tretend als beim Sakalaven-Rind, ziemlich stark aufgetrieben und daher sich über die Stirnfläche erhebend. Dadurch wird eine starke Annäherung an unser Braunvieh erzielt. Die Supraorbitalrinnen sind massig tief und nach vorn konvergierend. Die kräftigen Horn- zapfen stehen auf den etwas lang ausgezogenen Ecken der Stirn- beine. Der Hinterrand der Stirnplatte greift in der Regel über die Occipitalfläche hinweg. Die Zwischenhornlinie ist in einem Falle FJR. 3. Schädel des Howa-Rindes aus Ost-Madagaskar. bogenförmig einspringend, in den übrigen Fällen gerade. In zwei Fällen ist ein massig starker, nach oben vorspringender Stirnwulst vorhanden. Occiput. Dasselbe ist gew^öhnlich senkrecht zur Stirnplatte gestellt, in einem Falle jedoch stösst es unter einem schiefen Winkel mit letzterer zusammen, lieber die absoluten und rela- tiven Maassverhältnisse giebt die nachfolgende Tabelle näheren Aufschluss. Thränenbeine. Sie erscheinen gross, breit und reichen bis zur Mitte der Xasenbeine. Der hintere Rand ist gerade, bei einem Das afrikanische Zebu-Rind. 475 Schädel jedoch springen zwei grosse Zacken über den geraden Hinterrand hinaus. In einem Falle ist eine dreieckige Lücke zwischen Stirnbein, Nasenbein und Thränenbein vorhanden. Nasenbeine. Aehnlich wie beim Somali-Rind sind sie lang, schmal und hinten nur wenig verbreitert. Zwischenkiefer. Bei den von mir untersuchten Schädeln stösst der Nasenast in der Regel an das Nasenbein, in einem Falle jedoch bleibt er sehr kurz und endigt etwa ein Centimeter unter- halb desselben. Zahnbau. Es kehren die gleichen Verhältnisse wieder wie beim Somali-Rind. Die oberen und unteren Backenzähne sind schief gestellt und zwar so, dass im Oberkiefer die Backenzähne nach hinten, im Unterkiefer dagegen nach vorn gerichtet sind. Das Schmelzblech ist kräftig, die Marken von sehr einfachem Verlauf. Der Innenpfeiler des hintersten Ober- kioferbackenzahnes ist überall schwach entwickelt und reicht mei- stens nur auf die halbe Höhe der Krone, in einem Falle ist er verkümmert. Die Schneidezähne des Unterkiefers sind auffallend schwach. Es folgen auf S. 47G die Maasse der von mir untersuchten Schädel. III. Herkunft und umtmassliche Ausbreituug des afrikanischen Rindes. Das afrikanische Buckelrind vom indischen Zebu (Bos indicus) abzutrennen, geht nicht an, beide gehören genetisch zusammen. Wenn nun Rütimeyer im Hinblick auf den asiatischen Zebu bemerkt, dass individuelle Physiognomien von weit grösserer Man- nigfaltigkeit auftreten „als in irgend einer andern Formengruppe der Bovina", so gilt genau dasselbe für den afrikanischen Zebu. Eine weitere Frage ist die, wo die ursprüngliche Heimat der Zebu- Rinder zu suchen ist. Blytli verlegte sie 1863 nach Afrika, allein spätere Unter- suchungen haben dies nicht bestätigt, sondern auf den Banteng (Bos sondaicus) als Stammquelle hingewiesen. Die Wiege des Höckerrindes liegt in Südasien, der Zebu ist ein domestizierter Banteng. Es wäre im weiteren auch gar nicht einzusehen, warum ein 476 Conrad Keller. Schädelliiiiüfe . . . Profilläiige .... Länge d. Stirnbeine Stirnbreite . . . . Stirnenire . . . . Zwischenhornlinie . Länge d. Nasenbeine Wangenbreite . . . Gaumenbreite . . . Länge d.Interinaxilla Breite d.Intermaxilla Höhe des Occiput . Hinterhauptsenge Länge d. Zahnreihe im Oberkiefer . . Honilänge . . . . Hornumfang an der Basis 1 II III IV in cm in "j» in cm in % in cm in ^jo in cm in ^jo in cm in ^'ü 40 44 20,2 16,5 15,3 14 16,5 14 7 13 7,5 13 10,7 12 26.5 100 110 50,5 41,3 38,3 35 41,3 35 17,5 32,5 18,7 32,5 26,7 41,5 46,5 22 20 17,5 17 17,2 14 7 13,2 7,7 14,5 11,5 30 : 13,3 137 !'33 66,3 22.5 100 112 53 48,2 42,2 41 41,4 33,7 16,9 31.8 18,6 1 34,9 27,7; 32 79,5 54,2 41,3 100 42,5 1 45,5 110,2 47 1 21 50,8 22 18,2 44,1 19 17,5 42.4 18,5 12,5 30,3 13 17,5 42,4 18,5 14,5 35,1 15,8 6,3 15,3' 8 15 36,3 13,5 7,5 18.2 8 14 33,9 13,5 14 33,9 13,5 12,5 30.3 13.5 40,5 98,1 50 22,3 54 27 100 HO 51,8 44,7 43.5 30,6 43,5 87,2 18,8 31,8 18,8 31,8 31,8 41 45 19,5 18,5 16.5 15 18 14,5 8 11,2 14 31,8 13 117,6 39 63,5 23 100 109,5 47,8 45,1 40.2 36,5 43,9 19,5 35,4 19,5 27,3 34,1 31,7 95,1 56.1 Haustier bei seiner Ausbreitung genau den entgegengesetzten Weg einschlägt, den die menschliche Migration genommen hat. Mit seltener Einstimmigkeit nehmen die Ethnologen es als ausgemacht an, dass von Asien aus wiederholt und schon in einer sehr frühen Periode grosse Völkerschübe nach Afrika erfolgt sind, ja die heutige Ethnologie geht vielfach so weit, die Existenz einer afrikanischen Urbevölkerung in Abrede zu stellen und auch den Bantu-Neger von Südasien her einwandern zu lassen. Für die semitischen Abessinier ist die Herkunft aus Südarabien geschichtlich festgestellt, alle hamitischen Völkerschaften, die sich im Norden und Osten von Afrika festgesetzt haben, selbst bis weit ins Innere vorgeschoben erscheinen, sind asiatischer Abstammung. Damit ist auch im allgemeinen der Weg bezeichnet, den die in Begleitung des Menschen erscheinenden Zebu-Rinder auf ihrer Wan- derung genommen haben. Behalten wir dabei noch besonders im Auge, dass die Hamiten ganz vorw^iegend nomadisierende Hirten- völker umfassen, wde die Nubier, die Danakil. die Somali, die Galla, Massaistämme und die centralafrikanischen Wahuma. Von Südasien ist das Rind wohl über Arabien als Ein- Das afrikanische Zebu-Rind. 477 gangsthor in Afrika eingezogen. Wenn nicht alles trügt , so bildete jedenfalls Südarabien die wichtigste Länderbrücke, aber auch der Norden ist nicht ausgeschlossen. Wir haben neuerdings durch den bekannten Arabisten Glaser erfahren, dass das einstige „Puntland", das sich sowohl über Süd- arabien, wie über die Somaliländer und Abessinien erstreckte, einen regen Verkehr mit Altägypten unterhalten hat und dies klärt uns auch Manches in der Rinderfrage auf. Sehr frühzeitig dürfte der wichtigste Schub des ankommenden Rindes in der Richtung nach dem heutigen Abessinien erfolgt sein. Das alte Äthiopien war wohl das wichtigste Centrum, von welchem aus die Zeburinder nach Süden, Westen und zum Teil auch nach Norden auswanderten. Dabei liegt es nahe, in dem heutigen Sanga-Rind Abessiniens die einheitliche und wichtigste Stammform der so weit verzweigten grosshörnigen Rinderrasse Afrikas zu erblicken. Dass aber das abessinische Sanga eine uralte afrikanische Zebu-Rasse repräsentiert, steht wohl ausser Zweifel. Es spricht dafür zunächst die ungemein konservative Denkart der Gebirgsvölker. Einen ganz direkten Beleg hiefür finden wir in den altägyptischen Grabdenkmälern, welche zahlreiche Rinderdarstellungen enthalten und in den Sakkaragräbern wundervoll erhaltene Malereien auf- weisen, von denen ich aus der V. Dynastie genaue Kopien besitze. Die Ähnlichkeit des altägyptischen Langhornrindes mit dem heutigen abessinischen Sanga ist eine unverkennbare, für den Apisschädel ist der Zebucharakter nachgewiesen. Das Fehlen des Höckers ist bedeutungslos, er geht bei der Zucht ja leicht ver- loren und ist bei gewissen heute noch lebenden Langhorn-Rassen (Watussi-Rind, Transvaal-Rind) ebenfalls fehlend. Bei den regen Verkehrsbeziehungen, welche zwischen Äthiopien oder Puntland und dem alten Ägypten bestanden, ist die Wan- derung des Sanga nach Norden völlig verständlich. Puntleute, welche nach Ägypten kamen oder ägyptische Puntfahrer, welche Weihrauch holten, werden immer wieder das Sanga nach dem Delta übermittelt haben. Daneben bildete das alte Nilthal eine zweite Strasse, auf welcher Sangarinder nach Ägypten gelangten. Vom Ostrande her hat sich die Sangaform wohl frühzeitig nach den oberen Nilländern und nach Centralafrika ausgebreitet. Heute besteht eine blühende Viehzucht bei den Dinka ; der Rinder- 478 Conrad Keller. Yerbreituiii? des afrikanischen Zebu-Eindes. ^^^^ Europäische-R Inder iSanga-Rind Pfttl^ Kurzhom -Buckelrind \So^^^ buckellosß - Zebu iIÜSRiesenhömiges Sanga I ***«lAlraegyprischesLanghorn-Rind\* bestand besitzt lange und schlanke Hörner, wie Schweinfurth angibt und nach Baker besitzen die Madi ein langhörniges Rind mit Fetthöcker, das reinen Sangacharakter erkennen lässt. Wahr- scheinlich ist auch das feinhörnige llind im mittleren Sudan ein entfernter Ausläufer, er trägt jedoch starke Spuren der ümzüchtung an sich. Das riesenhörnige Sanga ist eine Zuchtform, die vielleicht zuerst in Abessinien auftauchte, heute im Hawaschthal und am Das afrikanische Ze])U-Riiul. 479 Zuai-See ihre stärkste Entwicklung erlangt hat, aber durch abes- sinische Emigranten nach dem Zwischenseengebiet gebracht wurde. Dass es überall an die Hirtenkolonien der Wahuma gebunden ist, kann wohl als deutlicher Fingerzeig angesehen werden. Das gross- hörnige Sanga ist alsdann offenbar den Betschuanen übermittelt worden, welche in der Rinderzucht excellieren. Der Umstand, dass heute die Betschuanen stark nach Süden gedrängt erscheinen, kann nicht als Einwand gelten, denn diese Stämme überliefern Traditionen, dass sie aus dem Norden her eingewandert sind und ihre einstigen Wohnsitze können ganz gut in das centrale Seen- gebiet verlegt werden, womit die Kontinuität des Verbreitungs- weges für das Sangarind hergestellt ist. Von den Betschuanen aus gelangt die Langhorn-Rasse, die sogenannte Transvaal-Rasse heute noch fortwährend über die Kapkolonie nach Südwestafrika und damit ist nun die wiederholt hervorgehobene, bisher rätsel- haft gebliebene Erscheinung erklärt, dass die altägyptische Lang- horn-Kiisse in Südwestafrika fortexistiert. Das Vordringen der Sanga-Rinder in grosshörnigen Formen bis nach Madagaskar denke ich mir so. dass in frühester Zeit Sanga über die ganze Ostküste verbreitet waren und von aus- wandernden Negerstämmen nach der grossen Insel gebracht wurden. Die malayischen Howa haben dort das Sanga übernommen. Heute ist in Ostafrika die Kontinuität der Sanga-Rasse unter- brochen, indem von den Somaliländern her eine breite Zone bis zum Zambesi und bis zum Südufer des Viktoria-Nyanza reicht, welche von kurzhörnigen oder hornlosen Buckelrindern bewohnt wird. Zwergartige Ausläufer reichen bis nach Angola. Aber in der Gegenwart vollzieht sich eine fortwährende Rückstauung, indem Madagaskar von seinem Überschuss an das Festland abgibt, sodass die Küste von Mozambique die stattlichen Ochsen aus dem Saka- lavenlande erhält. Um den ausgedehnten Grundstock der Sanga-Rasse sehen wir im Südosten und im Nordwesten zwei grosse Zonen mit kurz- hörnigen Rindern gelagert, dort Buckel-Rinder, im Norden und Nordwesten buckellose Rinder von geringer Grösse; sie beginnen in Nubien und setzen sich über Algier bis nach Marokko fort; die kleinen Kurzhornrinder Altägyptens sind als Bindeglied zu betrachten. 480 Conrad Keller. Die ostafrikanischen Kurzhornrinder sind möglicherweise in verhältnismässig neuerer Zeit aus Arabien oder Indien eingeführt worden, dagegen ist der nördliche Zweig der buckelloscn Zebu augenscheinlich sehr alt. Seine Einfuhr aus Westasien (vielleicht über Mesopotamien) ist nicht ausgeschlossen; mit dem aus dem äthiopischen Gebiet stammenden Langhorn im Nillande vielfach durchsetzt, dürfte er schliesslich die Oberhand behalten haben. IV. Das europäische Brachyceros-Iiind als AbkömiTiling des afrikanischen Zebu-IUndes. Nachdem wir den Weg der Ausbreitung der in Südasien entstandenen Zebu-Rinder auf dem weidereichen Boden Afrikas verfolgt haben und seine Umformung in zarte buckellose und kurzhörnige Rassen am Nordrande des Nachbarkontinentes er- kannten, so liegt der Gedanke nahe, dass die Migration am Süd- ufer des Mittelmeeres nicht Halt machte, sondern schon in vor- historischer Zeit eine Diffusion nach Südeuropa erfolgen musste. Wo dies geschah, ob bei der Meerenge von Gibraltar, oder an verschiedenen Punkten , darüber können wir nur Vermutungen aufstellen. Als einzig sichere Thatsache kennen wir nur das Erscheinen eines brachyceren zartgebauten Rindes in der prähistorischen Periode — es ist das Rind der Pfahlbauer oder Torfrind, welches in anatomischer Beziehung als Ausgangsform der heutigen Braun- vieh-Schläge angesehen werden muss. Die Idee, unsere europäischen Brachyceros-Rinder vom afri- kanischen Rinderbestande herzuleiten, ist keineswegs neu, nur fehlen uns bis zur Stunde die nötigen anatomischen Belege. Bereits Rütimeyer schwebte diese Möglichkeit vor, aber er Hess im Hinblick auf unsere Unkenntnis afrikanischer Rinder die Frage offen. Er hat indessen wiederholt angedeutet, dass später im Süden und dann noch weiter im Osten der Zebu sich als Stammquelle entpuppen könnte. Betrachten wir jedoch einen Schädel des grossen indischen Zebu, so weist er scheinbar alle und jede Beziehung ab und nicht viel besser geht es uns, wenn wir es mit einem afrikanischen Langhornschädel versuchen. Ich bekenne, dass ich anfänglich eine Vermittlung zwischen solchen Extremen, wie sie zwischen Das afrikanische Zebu-Rind. 481 dem ramsköpfigen, pferdeähnlichen Zebuschädel und dem zierlichen, breiten Braunviehschädel bestehen, für ausgeschlossen hielt. Allein schon auf asiatischem Boden sind beim Zebu starke Variationen des Schädels nachzuweisen ; nicht allein schwankt die Grösse und der Verlauf des Gehörnes, sondern neben schmalköpfigen Rassen kommen auch breitstirnige vor. Dass unter den neuen Existenz- bedingungen auf afrikanischem Boden die Variabilität nicht ver- ringert, sondern eher gesteigert wurde, lässt sich von vornherein vermuten und wird auch durch die Thatsachen bestätigt. Fassen wir zunächst einige äussere Eigentümlichkeiten ins Auge. Da ist vor allen Dingen der durchschnittlich feine Bau der Braunviehrassen hervorzuheben, derselbe kehrt, besonders im Kopf- bau und im Bau der Extremitäten, bei allen Zebu-Rassen wieder und diese Ähnlichkeit ist wohl nicht zufällig. Man kann den physiologischen Einwand erheben , dass die Zebu-Rinder Afrikas an warme Niederungen oder höher gelegene Plateauländer gewöhnt sind , während unsere Braiinviehschläge zum Teil ausgezeichnetes Gebirgsvieh liefern. Dieser Einwand ist jedoch nicht stichhaltig, denn die Zebu- rinder gehen als Gebirgstiere sehr hocli hinauf und vertragen ein recht kühles Klima; in den Alpenländern von Abessinien z. B. geht das Sanga-Rind bis zu einer Höhe von 12500 Fuss oder 3800 Meter hinauf! Ich will noch auf eine Eigentümlichkeit aufmerksam machen, die scheinbar geringfügig ist, mir aber doch beachtenswert er- scheint, es betrifft dieselbe die Art und Weise, wie die Ohren bewegt werden. Ein Primigenius-Rind (meine Beobachtungen stützen sich vor- zugsweise auf das graue Rind Italiens) zieht die Ohren nach hinten straff an und wenn diese nach vorn bewegt werden, so geschieht dies höchstens soweit, dass die beiden Ohrmuscheln senkrecht von der Seitenfläche des Kopfes abstehen, sodass die Ohrmuschel achsen in die gleiche Linie fallen. Ein typisches Braunviehstück bewegt die Ohren ganz anders. Die Beweglichkeit ist zunächst viel grösser, das Spiel der Ohr- muscheln ein hastiges, weniger gemessenes. Die Ohrmuscheln können viel weiter nach vorn gerichtet werden, so dass sie oft schief anliegen und die Augen etwas beschatten. Besonders schön lässt Vierteljahrsschrift ct. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband II. i>l 482 Conrad Keller. sich dies am Ehringer Rind beobachten, auch au Kigi-Kühen habe ich dieses Spiel wahrgenommen. Nicht selten kommt es vor, dass einzelne Individuen den Ohren eine etwas hängende Stellung geben. Das eriunert wiederum an die Zeburinder, welche etwas hängende Ohren haben und die Ohrmuscheln zuweilen wie Deckel über die Augen legen können. Das Fleckvieh, welches ich auf diesen Punkt prüfen konnte, verhält sich mehr wie das Primigenius- Yieh der Steppe; doch giebt es einzelne Individuen, welche sich mehr dem Braunvieh nähern, was vielleicht eine Wirkung der Kultur ist. In der Beschaffenheit des Flotzmaules nähert sich das Braun- vieh dem Zebu, dessen Flotzmaul bei den afrikanischen Kassen dunkel pigmentiert ist. Hinsichtlich der Milchergiebigkeit ist bekannt, dass diese bei den Braunviehkühen eine sehr erhebliche ist, während die Zebu- kühe im Ganzen wenig Milch liefern, doch gibt es auf beiden Seiten Ausnahmen. Die Ehringer Kühe, zweifellos den Braun- viehschlägen zugehörig, gelten nicht als milchergiebig, anderseits giebt es unter den südafrikanischen Zebu-Rindern gute Milchkühe. Das Schwergewicht müssen wir auf die osteologische Beschaf- fenheit des Schädels legen, wo es sich um den Nachweis von Beziehungen zwischen Braunvieh und Zebu handelt. Bei der grossen individuellen Variation ist es naturgemäss nicht leicht, durch ziffernmässige Erhebungen an einzelnen Schädel- partien den genauen Ausdruck für verwandtschaftliche Beziehungen zu gewinnen und ich stimme Werner bei, wenn er betont, dass in erster Linie das Augenmerk auf das allgemeine Gepräge des Schädels zu richten ist. Als Rassenmerkmal der Brachyceros-Gruppe wird in erster Linie die lange und schmale Form des Schädels hervorgehoben und diese ist allgemein auch beim Zebuschädel wiederkehrend. Bei beiden ist der Gesichtsteil gegenüber der Primigenius- Rasse verkürzt und von feinem Bau. Nach den Massangaben von Rütimeyer beträgt durchschnitt- lich bei Bos taurus primigenius die Stirnlänge weniger als 50% der Schädellänge, bei B. t. brachyceros dagegen hält sie sich über 50 "/o derselben. Wir sehen , dass beim Madagassen-Rind die Stirnlänge sich ebenfalls durchweg über 50°/o hält, bei dem sehr Das afrikanische Zebu-Hiiul. 483 variablen (Somali-Rind in der Mehrzahl der untersuchten Fälle ebenfalls, in einem Falle sogar beinahe auf 54**/o der Schädellänge ansteigt. Schwierigkeiten scheint auf den ersten Moment der Hornansatz zu bereiten. Die knöchernen Hornzapfen entspringen beim Zebu an der hinteren Stirngrenze und sind gestielt, was bei Brachyceros nicht der Fall ist. Wie uns jedoch die gehörnten Somali-Rinder lehren, wird die Sachlage eine ganz andere, wenn die Hörner an Grösse abnehmen, dann verschwinden auch die Hornstiele voll- ständig und der Ansatz rückt merklich vor die hintere Stirngrenze; die Richtung der Hörner ist genau derjenigen unseres Braunviehs entsprechend (Fig. 1). Die Stirnplatte ist bei Brachyceros uneben und namentlich zwischen den Augen vortieft, die Höhlen der letzteren treten über die Stirnfläche hervor. Auffallend uneben ist die Stirnfläche bei den Somali- Rindern; die Augenhöhlen und darauf möchte ich ein grosses Gewicht legen, sind bei den afrikanischen Zebu-Rassen nie röhrenförmig nach vorn gerichtet wie beim Primigenius, son- dern seitlich gerichtet. Sie treten im Allgemeinen beim Zebu nicht merklich über die Stirnfläche hervor, sondern auch in dieser Gegend fällt der Schädel seitlich ab, jedoch finde ich ein starkes Vortreten der Orbitalhöhlen beim Zebu der Madagassen ganz nach Art des Braunviehs. Legt man ein Lineal über die oberen Ränder der Augen, so bleibt ein bis Centimeter hoher Raum zwischen diesem und der Stirneinsenkung. Bei einem jungen Schädel ist diese Eigentümlichkeit besonders auffallend. Beim algerischen Rind ist die starke Einsenkung zwischen den Augenhöhlen früher schon von Rütimeyer hervor- gehoben worden. Der Hinterkopf ist bei grosshörnigen Zeburindern auffallend primigeniusähnlich. Ich halte dies für eine einfache Konvergenz- erscheinung, welcher keinerlei tiefere Verwandtschaft zu Grunde liegt, sie wird lediglich durch mechanische Verhältnisse bedingt. Sobald das Gehörn kleiner wird, nähert sich auch der Hinterkopf dem Typus des Brachyceros. Der Stirnwulst erhebt sich alsdann stark und fällt steil nach der Seite ab, bei einem Schädel des Somali-Rindes stösst ganz wie bei Brachyceros die Stirnfläche mit der Hinterhauptfläche unter einem spitzen Winkel zusammen. Die 484 Conrad Keller. Höhe des Occiput ist bei allen von mir untersuchten afrikanischen Schädeln etwas geringer als beim algerischen Rind und beim europäischen Braunvieh, ebenso bleibt die Stirnbreite etwas zurück, doch kommt sie beim Madagassenrind gelegentlich dem Braunvieh ziemlich nahe. Die Thränenbeine sind beim Braunvieh gegenüber dem Frimi- genius auffallend breit; es handelt sich offenbar um ein Erbstück des Zebu, denn auch hier fällt die Breite der Thränenbeine sofort in die Augen, sie reichen gut bis zur Mitte der Nasenbeine und ihr oberer Rand ist gestreckt. Die dreieckige Knochenlücke an der Stelle, wo Stirnbein, Thränenbein und Nasenbein zusammen- stossen, ist beim Zebu gelegentlich vorhanden; ich finde sie bei einem indischen Zebu, beim Somali-Zebu und bei einem Mada- gassen-Schädel. Die Nasenbeine, schmal und gewölbt, zeigen beim Zebu die- selben Verhältnisse wie beim Brachyceros. Als typisch für den Braunviehschädel wird die Kürze der Intermaxilla hervorgehoben, deren Nasenäste die Nasenbeine nicht zu erreichen vermögen. Auch dieses Kennzeichen kann beim Zebu recht häufig nachgewiesen werden. Ich finde Fälle beim Somali- Rind und beim Madagassen-Rind, wo die Nasenäste der Intermaxilla reichlich 1 Centimeter unterhalb der Nasenbeine endigen, an einem Somali-Schädel sogar 272 Centimeter abstehen. Was die Beschaffenheit des Unterkiefers betrift't, so ist der aufsteigende Ast bei allen Madagassen-Rindern senkrecht und die Schneidezähne ziemlich schwach entwickelt; beim Somali-Rind habe ich eine Prüfung nach dieser Richtung nicht vornehmen können, weil die Unterkiefer fehlten. Der Zahnbau dürfte wohl das beständigste Merkmal abgeben, da die individuellen Variationen hier am geringsten zu sein pflegen. Die schiefe Stellung der Zähne in den Kiefern und der verhältnis- mässig einfache Verlauf der Schmelzfalten, so typisch für reine Brachyceros-Formen, lässt sich auch beim Zebu nachweisen. Über das Watussi-Rind bemerkt L. Adametz: „Der Verlauf der Buchten und die Form der Marken ist verhältnismässig wenig- kompliziert und erinnert merkwürdigerweise in manchen Stücken sehr an jene der Brachycerosgruppe. Wie dort findet man auch hier die an der Medianseite der Oberkieferbackenzähne befindliche Das afrikanische Zebu-Rind. 485 grosse Schmelzfalte nur schwach entwickelt und von sehr ein- fachem Verlaufe. Am dritten Molarzahn des Oberkiefers des vorliegenden Stierschädels ist diese Falte sogar vollkommen ver- schwunden." Die Somali-Rinder und Madagassen-Rinder zeigen ganz überein- stimmende Verhältnisse. Die Marken sind einfach, das Schmelz- blech stark und von einfachem Verlauf. Der Innenpfeiler des letzten Molarzahnes im Oberkiefer ist schwach, oft nur bis zu halber Höhe entwickelt oder auch wohl ganz fehlend. Es weist dies wiederum auf die nahe Verwandtschaft mit unserem Brachy- ceros hin. Wir sehen somit, dass bei allen afrikanischen Zebu-Rindern ein gewisser Betrag von Braunviehmerkmalen vorhanden ist. bald ein grösserer, bald ein geringerer. Gesichtsschädel (Nasenbeine, Thränbeine, Intermaxilla) und vorab der Zahnbau haben einen brachycerosartigen Charakter, der unverkennbar ist, während der Hinterschädel den grössten Variationen unterliegt. Ich lege aber in Abstammungsfragen den Hauptaccent auf diejenigen anatomischen Merkmale, welche von der künstlichen Züchtung am wenigsten beeinflusst werden. Da aber die Grösse des Gehörns und der sie tragenden Stirnzapfen sicher von der Zucht stark beeinflusst wurden, so entstand damit ein mechanisches Moment, welches auf die Gestaltung des Hinterkopfes stark umbildend einwirkte. Immer- hin sehen wir in einem dem Brachyceros-Gebiet räumlich sehr entfernten Erdstriche gelegentlich die prozentischen Verhältnisse der wichtigsten Schädelmasse dem europäischen Braunvieh sehr nahe kommen. Bei einem der Somali-Schädel brauchte nur die beim madagassischen Zebu häufig vorkommende Vorwölbung der Orbitae vorhanden zu sein, so würde Jeder, der den Fundort nicht kennt, denselben als Brachycerosschädel erklären. Die Vorstellung hat jedenfalls nichts Aussergewöhnliches, dass bei der ungemeinen Variabilität des Hinterkopfes und der Stirn beim Zebu eine Entwicklung zur stark breitstirnigen Form eingeschlagen wird und damit eine allseitige Annäherung an den Brachycerosschädel erfolgt. Diese Annäherung an die Braunvieh- oder Brachy- cerosform wird bei afrikanischen Zebu-Rindern um so deutlicher, je mehr man nach Norden kommt, und bereits 486 Conrad Keller. beim algerischen Rind, das ein hohes Alter besitzen dürfte, treten neben Anklängen an den Hinterkopf des Zebu die typischen Braunviehmerkmale in vollem Umfange auf. Ist beim Übergang von nordafrikanischem Vieh nach Süd- europa während der prähistorischen Zeit der Rassencharakter bereits erworben, so hat doch die dem Zebu-Stamme eigentümliche Variationskraft auf dem neuen Boden keineswegs aufgehört; in welcher Richtung sie sich geltend macht, ist leicht einzusehen: die Verbreiterung der Stirn und damit eine relative Verkürzung des Gesichtsschädels wird noch weiter getrieben und so begegnen wir sporadisch neben dem gewöhnlichen Brachyceros-Rind noch einem eigentümlichen zwerghaften Kurzkopf-Rind, das Wilckens zuerst als Brachycephalus-Rasse unterschied. Es sei hier an das Duxer- und das Ehringer-Vieh (Race d'Herens) im Kanton Wallis erinnert. Ersteres ist mir aus eigener Anschauung nicht bekannt, wohl aber das Ehringer-Rind. Tiere, die mir als rassenrein be- zeichnet wurden, sind einfarbig, russig-schwarz mit kastanien- braunem Rückenstrich und ebenso gefärbter Umrahmung des dunkeln Flotzmaules. Schon diese Farbenverteilung spricht dafür, dass das Ehringer-Rind einfach eine Varietät des Braunviehs darstellt, denn es handelt sich offenbar um zähe Vererbung des Haarkleides; Gehörn und der feine Bau der Extremitäten führen auf die gleiche Abstammung. Im Übrigen kann ich der Meinung nicht beipflichten, dass Ehringer-Kühe immer extrem kurzköpfig sind, auch die starke Verengerung der Stirn vor den Hörnern ist keineswegs allgemein nachweisbar, soweit meine Beobachtungen reichen. Dies wird bestätigt durch die Massangaben von Landwirtschaftsdirektor Müller in Bern, denen zufolge die Stirnenge bei Ehringer-Kühen 37,2%, bei Braunviehkühen dagegen 37,3^0 "^^r Kopflänge betrug. Der Unterschied ist also ganz unerheblich. Vom tiergeschichtlichen Standpunkte aus betrachtet, verdient das Ehringer-Vieh wohl eine besondere Beachtung, da sein Alter ein sehr hohes zu sein scheint. Es war schon zur Römerzeit im Wallis eingebürgert, denn ein aus dem 3. Jahrhundert stammender Bronzekopf, welcher 1884 bei Martigny aufgefunden wurde, ist eine Nachbildung in natürlicher Grösse von einer Ehringer Kuh. ^) ') Ich habe den Eindruck, dass der Künstler an diesem Bronzekojif die Kurzköpfigkeit etwas übertrieben hat. Das afrikanische Zebu-Rind. 487 Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Vieh schon in vorhistorischer Zeit nach dem Wallis kam; es dürfte vom Mittelmeergebiet aus seinen Weg durch das Rhonethal genommen haben. Dass dort früher ebenfalls zwergartige Rinder gehalten wurden, geht nämlich aus der Bemerkung eines römischen Schriftstellers hervor, welcher das ligurische Vieh „Bettelzeug" nennt. Das Ehringer-Rind dürfte also von allen schweizerischen Braunvieh- Schlägen, denn diesen muss es genetisch zugerechnet werden, den ältesten und ursprüng- lichsten darstellen; es hat das Bild des zartgebauten Torfrindes offenbar am getreuesten erhalten. Wie zäh die Bewohner des Wallis an dieser Reliquie aus dem tierischen Inventar des Hauses festhalten, kann man gerade in der Gegenwart beobachten. In den letzten Dezennien ist dort die reine Rasse stark zurückgegangen, da man vielfach Kreuzungen mit Fleckvieh vorgenommen hat. Allein der Umschwung ist schon eingetreten und gegenwärtig werden wirkliche Rassentiere wieder sorgfältig hervorgesucht, um den alten Ehringer-Schlag ganz rein zu züchten. Aber nicht nur in unseren Alpen, sondern auch auf der Balkanhalbinsel sind, wie kürzlieh L. Adametz in überzeugender Weise nachwies, vereinzelte Inseln sehr alter Brachyceros-Rinder stehen geblieben. Bemerkenswert ist, dass auch Werner auf die grosse Übereinstimmung der Kopfmasse zwischen dem Duxer-Rind und dem abessinischen Sanga-Rind hinweist. Alles drängt eben zu der Annahme hin, dass der brachycere Zweig im europäischen Rinderbestande von aussen her einge- wandert ist, zunächst dem afrikanischen Gebiete entstammt, in seiner letzten Wurzel aber auf den Süden Asiens hinweist und während seiner Migration eine tief eingreifende Umbildung erlitt. Kleine biologische Beobachtungen über die Weinbergschnecke (Helix pomatia L.) Von Arnold Lang. A. Zuchtversuche mit linksgewunclenen Exemplaren. Paul Fischer sagt in seinem „Manuel de Conchyliologie" Vol. I. pag. 109 (Paris 1887): „En faisant accoupler les animaux senestres (von Helix aspersa), on n'a encore obtenu que des produits dextres." Wer dieser „on" war, sagt Fischer nicht. Im Gegensatz zu dieser Versicherung lese ich in der Oscar Schmidt'schen Bearbeitung der niederen Tiere in Brehms Tierleben (IV. Abth. Band 2. 1878 p. 222) Folgendes. „Die Konchylien- sammler fahnden natürlich auf solche Ausnahmen (linksgewundene Exemplare von in der Regel rechts gewundenen Arten), und John- ston erzählt in seiner Einleitung in die Konchyliologie eine sehr gute, hierauf bezügliche Geschichte. Sein Freund Pratt kannte einen französischen Naturforscher, der sich bemühte, eine Brut verkehrt gewundener Schnecken zu erhalten, um sie an Raritäten- sammler mit Vorteil zu verkaufen. Er wusste sich ein lebendes Paar zu verschaffen und erzeugte damit eine ansehnliche Familie, deren Mitglieder von Geburt an verkehrt gewunden waren , alle links, Revolutionisten vom Ei an." Der Boden der Schweiz ist für das Gedeihen solcher Revolu- tionäre zur Zeit durchaus ungünstig, wie die folgenden von mir angestellten Zuchtversuche zeigen. Im Herbst und Winter 1898 konnte ich mir aus verschiedenen Schneckengärten in der Schweiz (Waadtland, St. Gallen, Aargau) 16 linksgewundene erwachsene Exemplare von Helix pomatia ver- schaffen, teils zugedeckelt, teils noch offen. Sie überwinterten, iso- liert, in einer im Garten in die Erde vergrabenen, bodenlosen Kiste. Im Laufe des Fi'ühjahrs und Frühsommers gingen 9 Exemplare zu Kleine biologische Beobachtungen über die Weinbergschnecke. 489 Grunde, die übrigen 7 überlebten den Sommer und Herbst im besten Wohlbefinden. Ich hielt sie, immer sorgältig isoliert, zur leichteren Beobachtung und Kontrolle auf meinem Balkon, in einer grösseren durch ein Drahtgitter verschlossenen Kiste, deren Boden ca. 25 cm. hoch mit Gartenerde bedeckt war. Von Anfang Mai bis spät in den Juli hinein konnte ich öfter bei Regenwetter die bekannten Liebesspiele beobachten, doch die Copulation selbst nie. Von Juli an sah ich bald diese, bald jene Schnecke sich in die Erde verkriechen (zum Zwecke der Eiablage). Am 30. Juli krochen die ersten jungen Schnecken aus der Erde, bis zum 3. August waren es ihrer 28. Am 19. August unter- suchte ich die ganze Erde in der Schneckenkiste und fand einige Nester mit ausgeschlüpften Schnecken von verschiedener Grösse, daneben 2 Nester mit Eiern , die bald darauf zu Grunde gingen. Im ganzen schienen es mir 7 Nester gewesen zu sein. Ich erhielt im ganzen 241 lebende junge Schnecken, die sämtliche, ohne eine einzige Ausnahme rechtsgewunden waren. Da nach fremden und eigenen Erfahrungen eine Schnecke in einem Sommer nur ein Nest Eier legt, so scheinen diese Beob- achtungen zu bestätigen, 1) dass die Copulation eine Befruchtung beider copulierenden Individuen herbeiführt und 2) dass ein und dasselbe Individuum mehr als einmal copulieren kann, indem sonst höchstens 6 Nester vorhanden gewesen wären. Doch bin ich nicht ganz sicher, dass es 7 Nester waren. Die Ueberwinterung dieser Brut gelang leider nicht. Nur 2 Individuen, von den grösseren, überstanden, ohne achtes hibei'- naculum, nur mit einem Schleimdeckel versehen, den Winter. Eines davon ging im Frühjahre 1895 verloren, das andere blieb den Sommer über am Leben, gedieh und wuchs ordentlich, deckelte sich im Herbst 1895 ein, überstand den Winter, ging aber im An- fang des Frühjahres 1896, noch eingedeckelt, zu Grunde. Im Sommer 1895 wiederholte ich die Zuchtversuche mit 9 links- gewundenen Schnecken. Vom 1. Mai an wurden Liebesspiele be- obachtet. Die Erde wurde nie durchsucht, so dass sich alle Eier ungestört entwickeln konnten. Die ersten jungen Schnecken schlüpften am 17. Juli aus der Erde. Im ganzen erhielt ich 606 junge Schnecken, die sämtliche, ohne eine einzige Aus- nahme rechtsgewunden waren. Die meisten Schnecken ver- 490 Arnold Lang. Hessen Ende Juli und in der ersten Hälfte September ihre Nester, jeweilen bei feuchter Witterung , wenn der Erdboden weich war, so dass sie sich leicht herausarbeiten konnten. Alle die jungen Schneeken (Zucht 1895) wurden von Anfang an sorgfältig isoliert gehalten und zwar im Freien. B. Wachstnmszeit der Weinbergschnecke. Wie lange es dauert, bis Helix pomatia geschlechtsreif, er- wachsen, ist, weiss man noch nicht sicher. Die Angaben hierüber, wie über die Wachstumsdauer der meisten übrigen Palmonaten sind unsicher und widersprechend. Auch ich kann die Frage noch nicht befriedigend beantworten. Woodward sagt, dass die meisten Landschnecken zweijährig seien. Sie schlüpfen nach ihm im Sommer und Herbst aus, haben im Winter die halbe Grösse erreicht und wachsen dann im nächsten Frühjahr und Sommer vollständig aus. Das ist für die Weinbergschnecke sicher nicht zutreffend, wie aus folgenden Beobachtungen hervorgeht. Die frisch aus dem Nest schlüpfenden jungen Schnecken haben durchschnittlich 1,7 — 1,9 Schalenumgänge, eine Höhe (vom Apex bis zur Spindelecke der Mündung) von 3V2 — 4 mm, grösster Durch- messer der Mündung 4,5—5 mm. Bis zum ersten Winter, d. h. bis zum Zeitpunkt, wo sie sich eindeckein, erlangen die Schnecken folgende Dimensionen, die ich an der vortrefflich gedeihenden 1895er Zucht (siehe oben) fest- gestellt habe. Die grösseren, kräftigen Exemplai-e zeigten 2,6 — 3,2 Umgänge, hatten eine Höhe von 7,5 — 9 mm. und einen Mündungsdurchmesser von 9 — 11 mm. Nur 3 oder 4 Exemplare waren eine Spur grösser, dagegen zahlreiche Exemplare kleiner und zwar in allen Abstuf- ungen. Exemplare mit 2,3 Umgängen, 5 mm. Höhe und 6 — G'/a Mündungsdurchmesser gehörten schon zu den kleinsten. Es handelte sich bei solchen Exemplaren entweder um kränkliche Tiere , die im Wachstum zurückgeblieben waren und die, der Mehrzahl nach schlecht eingedeckelt, den Winter nicht überlebten, oder um Exem- plare, die spät (Ende August) abgelegten Brüten entstammten und also eine kurze Frassperiode hinter sich hatten. Kleine biologische Beobachtungen über die Weinbergschnecke. 491 Von der Brut 1895 habe ich am 8. April dieses Jahres (1896) 86 Exemplare, die den Winterschlaf eben vollendet und sich ab- gedeckelt hatten, gewogen und zwar grosse, mittlere und kleine, wie sie mir gerade in die Hände kamen, Sie wogen zusammen 68,75 Gramm, macht also ziemlich 0,8 Gramm Durchschnittsgewicht per Stück. Sie waren durchnässt, was in Rechnung gezogen werden muss, da das Gewicht um etwa ^Ixa vergrössert wird. Am 9. April wog ich zwei Exemplare mittlerer Grösse. Das eine hatte 0,665 gr. Gewicht ohne Deckel, das andere, 0,455 gr. mit Deckel. Drei sehr kleine Exemplare wogen zusammen 0,62 gr. Die Brut 1895 wurde in zwei verschiedenen Kisten im Freien gehalten, in die eine Kiste (II) wurde ein Stück Kalktuffstein gelegt, in die andere (V) nicht. Ich untersuchte am 7. Juni eine Anzahl Schnecken der Brut 1895 aus Kiste V, die ich am 22. März im noch zugedeckelten Zustande durch Ziehen eines Lackstreifens dem Mündungsrand entlang gekennzeichnet hatte, auf ihre seit diesem Zeitpunkte im Wachstum gemachten Fortschritte und fand folgende Verhältnisse: JVo. Gewicht Umgänge nSo. Gewicht Umgänge Zuwachs der Schale 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 0,259 gr. 0,309 , 0,355 , 0,400 , 0,500 „ 0,505 , 0,509 , 0,510 , 0,530 , 0,550 , 0,600 , 0,610 „ 0,650 „ 0,655 „ 2,3 2,6 2,5 2,7 2.7 2.7 2,4 2,8 2,6 2,7 2,7 2.8 2.7 2,7 0,0 mm. 0,7 „ 5.0 „ 8,5 „ (),5 ,. 1,0 ,. 5,0 „ 12,0 „ 4,0 „ 9,0 13,0 11,0 5,0 12,0 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 0,730 gr. 0,730 „ 0,780 „ 0,780 „ 0.880 „ 1,030 „ 1,150 „ 1,190 „ 1,200 , 1,240 , 1,480 , 1,560 , 1,600 , 1 ,660 , 2,8 2,8 2,8 2,8 2.9 3,2 3,0 3,3 3,3 3,4 3,4 3,3 3,5 3,6 12,5 mm. 11,0 , 11,5 , 11,0 , 11.5 , 16.0 , 7,0 , 11,0 , 11.0 , 6,0 , 16,0 , 12,5 , 18,0 „ 12,5 , Von diesen Angaben sind diejenigen des Gewichtes und des Zuwachses der Schale sehr exakt, während eine ganz genaue Bestimmung der Zahl der Umgänge nicht möglich ist. 4^2 Arnold Lang. Ein einziges Exemplar, No. 20, hatte um einen halben Umgang zugenommen, alle übrigen blieben bedeutend dahinter zurück. Das Durchschnittsgewicht der Individuen dieser Serie beträgt also ziemlich genau 0,8 gr. Die Durchschnittszahl der Umgänge 2,9. Die Exemplare waren nicht durchnässt. Aus derselben Kiste V hatten 5 weitere, nicht bezeichnete kleinste Exemplare ein Durchschnittsgewicht von 0,254 gr. und durchschnittlich 2,4 Umgänge. Das Wachstum war also in Kiste V bis zum 7. Juni ein sehr geringes, was ich mit dem Fehlen von Kalk in der Kiste in Zu- sammenhang bringe. Man ersieht ausserdem aus der Tabelle, dass das Wachstum im allgemeinen um so geringer war, je kleiner die Exemplare im Frühjahi^e gewesen waren. Ich bemerke noch, dass die Sterblichkeit bei den kleineren Exemplaren grösser war, als bei den grösseren. Die Befunde der Zucht in Kiste II (mit dem Kalktuff) waren am 7. Juni durchaus andere. 40 Exemplare, gross und klein durcheinander, wogen zusammen 79,56 gr. macht ein Durchschnittsgewicht von 2 gr. per Exemplar, mehr als doppelt soviel als wie in Kiste V. Eine Auswahl von Individuen, vom grössten bis zum kleinsten, zeigte folgende Ge- wichte : M. Gewicht Zahl der Umgänge Xo. Gewicht Zahl der Umgänge 0,230 gr. 0.550 „ 0,790 , 0,870 , 1,200 , 1,200 ; 1,350 , 2,4 2,8 3,2 3,2 3,05 3,1 3,2 9 10 11 12 13 14 1,750 gr. 2,820 , 3,150 , 3,380 , 3,380 , 4,000 , 4,800 , 3.2 3,5 3,5 3.5 3,6 3,5 3.5 Die Individuen der Kiste II hatten also vom Frühjahr bis zum 7. Juni ihr Gewicht durchschnittlich mehr als verdoppelt und die Zahl der Umgänge um 0,5 — 0,8 Umgänge vermehrt. Das grösste Individuum der Zucht 1895, in Kiste II, war mehr als 20 Mal schwerer als das kleinste und hatte mehr als einen Umgang mehr. Kleine biologische Beobachtungen über die Weinbergschnecke. 493 Das kleinste Individaiim blieb weit unter dem Durchschnitts- gewicht des Frühjahrs zurück und zeigte gegenüber den kleinsten des Frühjahrs nur eine Zunahme von 0,02 gr. Aus den mitgeteilten Beobachtungen geht mit Wahrschein- lichkeit hervor: 1) dass diejenigen Individuen, welche im Spätsommer und Herbst ihres Geburtsjahres im Wachstum am weitesten vorge- schritten sind, auch im Frühjahr und Sommer des folgenden Jahres den im Wachstum zurückgebliebenen weit voi'auseilen und nach noch- maliger Ueberwinterung wohl schon im 2. Sommer auswachsen und geschlechtsreif werden. 2) dass die im Wachstum von Anfang an zurückgebliebenen, wenn sie nicht zu Grunde gehen, erst im dritten oder vierten Sommer auswachsen. Bis zu einem gewissen geringen Grade würde dadurch die Inzucht vermieden. Ueber das Wachstum der geschlechtsreifen Schnecken habe ich in diesem Jahre folgende Beobachtungen angestellt: Ueberwinternde Schnecken von 4,2 bis 4^5 Umgängen , die im Frühjahr im noch eingedeckelten Zustande 10 — 15 gr. wiegen, werden im nächst- folgenden Sommer sicher geschlechtsreif. Das einzige Exemplar der ungünstigen Zucht von 1894, das bis zum Winter 1895/96 am Leben blieb und sich zudeckelte, hatte exakt 4 Umgänge. (lewiditszuiialnne und Wachstum erwaclisener (liiiksy:ewuiuleiieri Schnecken. An. Zuwachs VII 12.84 gr. 7/IV. 96 ziigedeckelt '2~2Ä0 gr. ll/VI. 96 7 mm. III 13,6.5 gr. 7/IV. 96 zugedeckelt 28.60 gr. 11 /VI. 96 13 „ VIII 16 gr. 19/III. zugedeckelt i23,5r. gr. 7/VI. 96 0 „ II 18,35 gr. 7/IV. 96 zugedeckelt 29,50 gr. 8/VI. 96 0 n XII 18,91 gr. 7/IV. 96 zugedeckelt 27,20 gr. 7/VI. 96 0 „ 494 Arnold Lang. JV& Zuwachs V 20,15 gi: 7/1 V. 96 zuL^edeckelt 28,30 gr. 7/VI. 96 0 mm. VI 22,07 gr. 7/IV. 96 zugedeckelt 31,30 gr. U/VI. 96 0 r IV 22,95 gr. 7/IV. 96 zugedeckelt 35,00 gr. 8/VI. 96 0 r IX 27,90 gr. 7/IV. 96 zugedeckelt 42.00 gr. 7/VI. 96 Ü , I 28,97 gr. 7/IV. 96 zugedeckelt 43,90 gr. 11/VI. 96 0 , XI 32,00 gr. 23/III 96 mit Deckel 45,75 gr. 8/VI. 96 0 „ X 33,00 gr. 22/III. 96 zugedeckelt 46,30 gl . 7/VI. 96 0 , Aus dieser Tabelle geht hervor: 1) dass die erwachsenen Schnecken bis zum 7. resp. 8, resp. 11. Juni seit dem Ende ihres Winterschlafes durchschnittlich um die Hälfte ihres Gewichtes -zugenommen haben, dass aber 2) von 12 Exemplaren nur die beiden kleinsten dabei eine Vergrösserung der Schale (7 — 13 mm. Zuwachs) erfahren haben. Die ansehnliche Gewichtszunahme ohne Wachstum der Schale wird wohl erklärt 1) durch den Rückgang des Weichkörpers während des Winterschlafes, der wieder einge- liolt wurde und 2) vornehmlich durch die inzwischen erfolgte starke Entwicklung der Genitalorgane. C. Lebensdauer von Helix pomatia. Erwachsene Exemplare von Helix pomatia haben in meinen Zuchten in keinem Falle den 2. Sommer überlebt. Da aber alle schon erwachsen waren, wie ich sie einsetzte, kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen, sondern nur vermuten , dass die Weinberg- schnecke im erwachsenen Zustande höchstens 3 Sommer lebt. I). Aufnahme von Kalk. Mit der gewöhnlichen pflanzlichen Nahrung allein wird, wie schon frühere Beobachter konstatierten, dem Körper nicht genug Kalk zugeführt. Die Schnecken wachsen bei diesem Regime langsam und die Sterblichkeit ist bedeutend. Bei gebotener Gelegenheit be- Kleine biologische Beobachtun!j:en über die Weinberüfpchuecke. 495 schaffen sie sich die nötige Menge Kalk, indem sie Kalksteine, fremde Schneckengehäuse, Eischalen etc. benagen. Zu wiederholten Malen habe ich beobachtet, dass, besonders frisch abgedeckelte, Schnecken den Mündungsrand ihrer eigenen Gehäuse abnagten. E. Gewohnheiten der Alten und Jungen. Diese sind in mancher Beziehung recht verschieden, besonders auch in ihrer Vorliebe für bestimmte Nahrung. Darüber später. Während die Erwachsenen bei ganz trockenem Wetter auch in der Nacht in ihren Verstecken oder an den Schattenplätzen ruhig bleiben, kriecht die junge Brut im ersten und zweiten Sommer auch bei lange andauernder Trockenheit in der Nacht massenhaft auf die Nahrung. Die Jungen deckein sich später ein und wachen im Frühjahr früher auf, als die Alten. F. Kann eine Copulation zwischen rechts- und linksgewundenen Individuen stattfinden? Ein rechts- und ein linksgewundenes Exemplar wurden im noch zugedeckelten Zustande am 7. April in einer Zuchtkiste isoliert. Am 20. Mai bei eintretendem Regen begannen die Liebesspiele und dauerten fort ohne Unterbrechung bis in die Nacht vom 27/28. Mai. Diese Spiele beobachtete ich bei gleichgewundenen Exemplaren niemals auch nur annähernd so lang. Das Ausstossen von Liebespfeilen wurde nicht beobachtet, ebensowenig der er- mattete Zustand, der regelmässig nach stattgefundener Copulation eintritt. Da ich bis jetzt auch keine Eiablage konstatiert habe, so glaube ich , dass die Copulation nicht stattgefunden hat und dass sie zwischen zwei entgegengesetzt gewundenen Exemplaren wenn nicht unmöglich, so doch ausserordentlich erschwert ist. 18. Juni 1896. Altpatagonisclie Schädel, Von Rudolf Martin. (Hierzu Tafel 9 uud 10.) Die Beschäftigung mit der physischen Anthropologie der Feuer- länder ^) hatte in mir den Wunsch wachgerufen, auch die denPescheräs benaclibarten Typen der Südspitze Amerikas zu studieren, und ich bin Herrn Prof. Dr. Bedot, Directeur du Musee d'histoire naturelle de Greneve zu Dank verpflichtet, dass er mir eine Serie altpatago- nischer Schädel in liberalster Weise zur Bearbeitung überliess. Diese Schädel sind in Mitte der sechziger Jahre von Herrn Georg Claraz, der lange Zeit (1863 — 1882) an der Indianergrenze lebte und schon vor Musters die Pampas vom Rio Xegro bis zum Chubut durchwanderte, zusammen mit Dr. Heusser ausgegraben und dem erwähnten Museum schenkweise überlassen worden. Ich war in der glücklichen Lage, von Herrn Claraz selbst näheren Aufschluss über seine Funde zu erhalten und habe auch mehrere Angaben ethnographischer Xatur aus seinen reichhaltigen und mit seltener Gewissenhaftigkeit gesammelten Notizen für diese Publikation ver- wenden dürfen. Für diese Unterstützung möchte ich ihm auch hier meinen aufrichtigen Dank sagen. Die Stelle, an welcher die Schädel gefunden wurden, befindet sich auf dem linken, nördlichen Ufer des Rio Negro, ungefähr 50 Kilometer stromaufwärts von El Carmen de Patagones, zwischen Paso falso und China muerta ca. 40,35" s. Br. und 63,5° w. L. v. Gr. Hier treten die steilen Ufer (sog. „barancas") nahe an den Fluss heran, und das angeschwemmte, meistens sandige Land der Thal- sohle wurde vielfach von den Indianern als Lager- und Begräbnis- 'j Vgl. das Litteraturverzeichnis No. 38 u. 39. Altpatagonische Schädel. 497 statte benützt.') Diejenigen Patagonier, die Spanisch reden, nennen solche Plätze ■= „paraderos" (parar = halten, stillstehen; pararse = sich anfhalten), eine Bezeichnung die P. Strobel von Claraz er- halten und dann in die Wissenschaft eingeführt hat.-) In der araukanischen Sprache heissen diese Haltestellen „Ketral-hue" = „Feuer-Ort", die Nordpatagonier nennen sie „Yamnena" oder .,Yam- nenanau", die Südpatagonier dagegen „Haiken", „Caro-Haiken" = „Holz-Lagerplatz", aber auch kurzweg „Caro" (Claraz). Moreno be- zeichnet nur die Lagerstätten, die durch den Mangel an mensch- lichen Resten charakterisiert sein sollen, als „paraderos" und trennt davon scharf die Begräbnisplätze. ^) Aber Claraz und Andere fanden auch in alten Lagerstätten zusammen mit den Ueberbleibseln der Mahlzeiten, mit Thonscherben, Messern u. s. w. menschliche Kno- chen, und dies erklärt sich aus der Sitte der Indianer, ihre Ange- hörigen provisorisch mit Hab und Gut da zu bestatten, wo sie starben, um bei einem späteren Besuch des Ortes, vorausgesetzt dass sie es nicht vergassen. die Reste auf dem gemeinsamen Fried- hof beizusetzen.^) Solche Paraderos und Grabstätten finden sich auch im Süden des Rio Negro bis zum Chubut und zwar gewöhnlich in der Nähe eines Wassers, weil Brennmaterial und Wasser Grundbedingungen für die Anlage eines Halteplatzes sind, während in den Gebirgen Felsenhöhlen und überhängende Felsen zur Bestattung benutzt wurden.^) Musters und vor ihm schon Darwin, erwähnen ge- legentlich auch auf den Pampas selbst „breite und hohe Stein- hügel'"®), unter denen wohl meistens Häuptlinge (Caciques) von Bedeutung beerdigt worden waren. Diese verschiedenen Bestattungs- formen sind vermutlich nur durch dieTerrainvei'hältnisse bedingt und können bei einem Nomadenvolk, wie es die Patagonier sind, nicht überraschen. ') Abbildunsjen von Uferlandschaften des Rio Negro finden sich bei Al- barracin. Lit. No. 1, tomo. I u. II. M Vgl. Strobel, Lit. No. 64, S. 171 u. Lit. No. 6(i, S. 146. Das \Yort ist wohl von den Indianern selbst gebildet, denn die Argentinier nennen die Plätze, an denen sie Feuer machen, absatteln und schlafen = „los reales'' (Clarazj. 3) Moreno, Lit. No. 44, S. 86. *) Darwin. Lit. No. 9. S. 122. ^) Vgl. Machons Entdeckungsreise, Lit. No. 47, S. 290. ") Musters, Lit. No. 52. Uebersetzung, S. 101 und S. 191, u. Darwin 1. c. S. 122. Vierteljahrsschrift d. Naturf. Ges. Zürich. -Jahrg. XLI. Jubelbancl II. 'J <32 Ci .— I c— I lO lO lO OS ^ f-H T-H T-H »— * r— ( -^ CO CO CO r— I 1— 1 T— I CO c^ CO lo CO -O CO !lO O CO ;=; ;t; ;t; o ^ cocOr-i^oaS-ficoi— icorH ' T-Ii— Ir— (»— I.— 1^"'.— lirH,— (1— 1-^ 2oo<^^oo>o<^^oo^o — CNcoc5<-jj^^oiocooacot-5^202cocQ ^lOCOCOCa^.-!^^— 'r-^.— — ''^^^Z;'- rt,-l,-l— (r-l^ ^^^^^ lO lO 00 CO O 00 1^ (M c- oa -c^c-o:r;Or.;^"^-5^cto2C30i2^:^E22: ißtTCOClOT-H^.-HCOr-l.-t.-Hr-Hr-l'^T-l'- ,_r-<^.-l^— «.-Hl-I'-I'-I'-' ocgcoco^incoioooiTfcoci-c-GrooSSS^S^SS lOCOCOeOl— Ir-H^iOf-l»-!'^'-''— I^«-" ,—1^^,— li-r^i-H I-HT-H,-!.-! 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Der letztere hat ganze Handlungen in vielen Hunderten von Einzel- aufnahmen, von welchen 46 auf jede Sekunde kommen, dargestellt. Durch das sog. Lebensrad, den Anschütz'schen Schnellseher, das Edison'sche Kinetoscop, werden diese Aufnahmen mit derselben Geschwindigkeit mit der sie gemacht sind, dem Auge vorbeigeführt und vereinigen sich zu dem Eindrucke der lebendigen Bewegung. Noch viel wertvollere Aufschlüsse gewährt die Photographie durch die Aufnahme von Bewegungen, welche zu schnell und klein sind, um überhaupt noch mit dem Auge verfolgt zu werden, z. B. die Oscillationen der Sprachlaute. Die älteren graphischen Hilfsmittel, besonders die Phonautographen, suchten die Bewegung von Mem- branen, auf welche die Sprachlaute wirkten, mittels feiner Hebel oder Federchen auf rotierende Cylinder zu übertragen. Aber die Ueber automatisch-photographische Registrierung etc. 539 Trägheit, oft auch die Biegsamkeit der übertragenden Teile brachten unvermeidliche Ungenauigkeiten mit sich. Die Photographie ge- stattet, diese Teile durch den gewichtslosen und unbiegsamen Lichtstrahl zu ersetzen. Ich befestigte an der steifen Membran ein winziges Spiegelchen und Hess durch eine vor demselben an- gebrachte schwache Konvexlinse das Bild eines beleuchteten Spaltes, von dem Spiegelchen reflektiert, auf einen zum Bilde senkrecht stehenden zweiten Spalt werfen. Das Spaltbild schwingt durch die Sprache parallel mit sich selbst, und die Bewegung des be- leuchteten Kreuzungspunktes liefert auf einem hinter dem zweiten Spalt um eine zu ihm parallele Axe rotierenden Cylinder, welcher mit Bromsilberpapier bekleidet ist, die gewünschte Kurve der Sprachlaute. ') Noch besser ist es, die von der Sprache bewirkten Eindrücke des Edison'schen Phonographen, welche treuer sind, als die Bewegungen einer frei schwingenden Platte, mittels eines geeig- neten Läufers in Winkelbewegungen des erwähnten Spiegelchens umzusetzen, wobei man, um jede Eigenschwingung zu vermeiden, den Phonographen-Cylinder mehrere hundert mal langsamer dreht als bei der phonographischen Aufnahme des Gesprochenen.^) Ein anderes Gebiet, auf welchem es sich um graphische Auf- nahme sehr schneller Veränderungen handelt, ist die tierische Elektricität. Ein an zwei Oberflächenpunkten mit einem Galvano- meter verbundener, unversehrter Muskel zeigt in der Ruhe keinen Strom. Wird er jedoch von seinem Nerven aus zu einer Zuckung veranlasst, so entsteht ein äusserst flüchtiger Strom, dessen Richtung sich in seinem zeitlichen Ablaufe umkehrt. Auf den trägen Mag- neten eines Galvanometers hat dieser flüchtige Strom, schon wegen seiner beiden entgegengesetzten Phasen, keine Wirkung. Dagegen bringt er an einem Kapillarelektrometer unter günstigen Umständen eine hin- und hergehende Bewegung des Quecksilberfadens hervor, welche sich photographisch verzeichnen lässt. Man braucht hierzu nur mittels eines Objektivs ein vergrössertes Bild der Kapillare auf einen ihr parallelen Spalt zu werfen; das Licht geht dann wegen der Undurchsichtigkeit des Quecksilbers nur durch den Teil des ') Näheres s. in Pflüger"s Archiv f. d. ges. Physiologie. B.I. 45. 582; Bd. 47. 44, 347; Bd. 48. .574. Mit Tatehi. 1889—91. ^) Näheres ebendaselb.st Bd. 53. 1; Bd. 58. 255, 204; Bd. 61. 169. Mit Tafeln. 1892-95. 540 Ludimar Hermann. Spaltes hindurch, welcher der durchsichtigen Säure entspricht. Ein liiriter dem Spalt rotierender, mit ßromsilberpapier bekleideter Cylinder verzeichnet also die Kurve der elektrischen Bewegung in Gestalt der Grenze der vom Lichte getroffenen Fläche.') Für die schnellsten Vorgänge dieser Art reicht auch das Kapillar-Elektrometer nicht aus. Hier wird die Aufgabe durch stroboskopische Repetition der Reizung mittels des Bernstein'schen Differential rheotoms gelöst. Durch diesen Apparat wird die Reizung der Nerven sehr rasch repetiert und jedesmal in einem kurzen Intervall / nach dem Reizmoment der Galvanometer- kreis auf einige Augenblicke geschlossen. Ich habe nun eine Vor- richtung hinzugefügt, welche das Intervall i kontinuierlich ver- grössert oder verkleinert, so dass, wie man leicht einsieht, der Vorgang sehr verlangsamt, aber sonst unverändert, auf das Gal- vanometer einwirkt. Wird i verkleinert, so spielt sich der Vor- gang in umgekehrtem zeitlichem Verlauf am Galvanometer ab. Ist der Magnet aperiodisch, so folgt er mit absoluter Treue dem verlangsamten Vorgange, und verbindet man ihn mit einem Spiegel und einer Linse, wie bei den oben erwähnten Sprachuntersuchungen, so kann man wie dort nach der Methode der gekreuzten Spalte die Kurve des elektrischen Vorganges gewinnen.^) Die bisher erwähnten Beispiele zeigen, wie die Photographie zum Studium sehr schneller Veränderungen mit Erfolg benutzt worden ist. Gegenwärtig bin ich mit einer entgegengesetzten Aufgabe beschäftigt. Es handelt sich darum, den Ablauf der Totenstarre eines Tieres, namentlich die dabei auftretenden Ge- staltveränderungen, genau festzustellen. Die Totenstarre ist eine kurz nach dem Tode auftretende Verkürzung sämtlicher Muskeln des Körpers, welche längere Zeit anhält und dann von selbst wieder verschwindet, nicht, wie man bis vor kurzem allgemein annahm, durch den Eintritt der Fäulniss, sondern wie ich in Ge- meinschaft mit Bierfreund nachgewiesen habe^), weil die Toten- starre eine Kontraktion von beschränkter Dauer ist, gerade wie ') Vgl. U.A. Marey, Trav. du labor. Bd. 3. 33; 1877; Sander.son & Page, Journ. of physiology. Bd. 4. 327. 1883. -) Näheres in Pflüger's Archiv f. d. ges. Physiologie. Bd. 49. 539 ; Bd. 53. 70. Mit Tafel. 1891—92. ä) Pflüger's Archiv etc. Bd. 43. 195. Ueber automalisch-photographische Registrierung etc. 541 die lebendige Muskelkontraktion, welcher sie in jeder Beziehung analog ist. Die verschiedenen Muskeln des Körpers treten aber, wie ebenfalls Bierfreund gezeigt hat, und seitdem von anderen bestätigt worden ist, weder gleichzeitig in die Erstarrung ein, noch erschlaffen sie gleichzeitig, auch ist ihre Verkürzungsgrösse und -Kraft sehr verschieden. So entstehen durch die Totenstarre gewisse Lageveränderungen der Gliedmassen, welche man nach dem Vorgange von Grützner ') am besten beobachtet, wenn die Leiche zur Verminderung der Schwerewirkungen in Wasser ver- senkt aufgehängt wird. Es handelt sich also jetzt darum, die Gestaltveränderungen der Tierleiche etwa 24 Stunden lang möglichst kontinuierlich zu beobacliten. Hierzu benutzte ich photographische Aufnahmen, welche automatisch in Intervallen von V* Stunde sich vollziehen. Der von mir zu diesem Zwecke konstruierte Apparat dürfte auch für andere ähnliche Aufgaben, z. B. für die Beobachtung von Wachstumsvorgängen an Pflanzen oder Pflanzenteilen von Wert sein. Die Hauptteile des Apparates sind: 1) eine Uhr, welche die erforderlichen Kontakte für die Expositionen und für die Verschiebungen der Aufnahmefläche zu rechter Zeit herstellt, und welche mit dem Objekt zusammen jedesmal photographiert wird, so dass jede Aufnahme zugleich ihre Zeit verzeichnet ; 2) ein Cylinder, welcher mit Film bekleidet ist und jedesmal einen Teil des Films zur Exposition bringt ; 3) die Camera und ihre Ver- schlussvorrichtung. Die Uhr, Fig. 1 in V* der natürlichen Grösse dargestellt, mit kräftiger Feder, 8 Tage gehend, hat einen gewöhnlichen Stunden- und einen verlängerten Minutenzeiger. Das Zifferblatt ist von zwei konzentrischen Ringen aus rundem Messingdraht um- geben. Der innere Ring A A trägt 4 Kontakte C^ für die viertel- stündigen Expositionen; dieselben sind auf den 4 Blechlappen C, in Schlitzen verschiebbar, angebracht; jeder besteht aus einer trapezförmigen Messingplatte und einem Hartgummistück, welches eine geneigte Fläche * darbietet, so dass der heranrückende federnde Zeiger sanft auf die Höhe der Metallfläche gehoben wird, und sich nicht fangen kann. Je weiter die Kontaktstücke C^ in ihren Schlitzen nach aussen geschoben werden, um so länger werden die Expositionen ; ihre Dauer ist zwischen etwa 24 und 60 Sekunden M Ebendaselbst Bd. 41. 278. 1887. 542 Ludiniar Hermann. variierbar. — Der äussere Ring B B trägt die Kontakte zur Ver- schiebung des Aufnahmecylinders. Jeder solche Kontakt verstellt die Aufnahmefläche um etwa 4,4 mm ; zwischen je 2 in die Zeiten 0, 15, 80, 45 Min. fallenden Expositionen muss der Cylinder um so viel weitergeschoben werden, wie die Bildbreite erfordert. Die Verschiebungskontakte können natürlich beliebig auf das viertel- stündige Intervall verteilt sein. Es stehen im ganzen 28 derselben zur Verfügung, d. h. die Bildbreite kann bis 3 cm gehen. In der Zeichnung sind nur je 5 angebracht, wie für die gewöhnlichen Versuche. Jeder dieser Kontakte D besteht aus einer kleinen auf dem Ringe B reitenden, also leicht abnehmbaren und aufsetz- baren Zwinge mit Klemmschraube, und einem schmalen radialen, in die Bahn der Zeigerspitze hineinragenden Messingstreifen Z)\ welchem wiederum eine geneigte Grleitfläche * aus Hartgummi vorauf- geht. Damit die Zeigerspitze sich nicht in der schmalen Fuge zwischen Hartgummi und Messing fängt, steht letzteres ein klein wenig tiefer als die Endkante des Hartgummistückes. — Der Mi- nutenzeiger ist an seinem Ende auf die Fläche gebogen, so dass er gegen die Kontakte des inneren und des äusseren Ringes federt und sein aufliegendes Ende ist zugespitzt, jedoch mit sanfter Ab- rundung der Spitze. — Der innere Ring A A ist mit der Klemme h, der äussere B B mit der Klemme k^, endlich das Metall des Werks mit der Klemme ki leitend verbunden. Die Ströme sind so massig (s. unten), dass sie weder das Werk noch die Kontakte angreifen. Der Aufnahme cylinder ist in Fig. 2 von der Seite, in Fig. 3 von oben gesehen dargestellt, beides in V» der natürlichen Grösse, Er besteht aus einer Holztrommel T T von 50 cm Durchmesser und 8,6 cm Mantelhöhe. Der Mantel hat unten einen leichten Vorsprung t (Fig. 2) zum Aufruhen der Filmstreifen. Die Trommel ist zur Verhütung des Werfens aus vielen Stücken zusammen^ gesetzt und aussen fourniert. Zur Verminderung der Masse ist sie ferner ausgehöhlt, so dass sie nur aus der Bodenplatte h h^ dem Mantel m m und dem konischen Mittelstück k k besteht, Sie ist überall geschwärzt. Das Mittelstück ist durchbohrt und gewährt der eisernen Axe A A Durchtritt, auf welcher der Holzcylinder durch die Auflageplatten p p und die Schraubenmutter q befestigt ist. Die Axe endet unten und oben mit konischen Lagern, Getragen wird der Cvlinder von dem Brett H H, welches auf Ueber automatisch-photographische Registrierung etc. 543 zwei parallelen vertikalen Leisten W H^ ruht. Die letzteren passen auf das Laufbrett einer grösseren Stege mann 'sehen Camera dergestalt, dass sie die beiden messingenen Zahnleisten desselben gerade zwischen sich fassen, und längs derselben verschiebbar sind, wie ein Eisenbahnwagen längs der Schienen. Auf dem Brett ist dei- starke eiserne Bügel G G O befestigt, quer zur Richtung der Fussleisten. Derselbe hat oben in der Mitte die iu das Axenlager Ä eingreifende konisch endende Axenschraube X, und das Brett H H trägt die untere Axenspitze X^. Die Axe A A trägt unter der Trommel ein aus einer starken Zinkscheibe geschnittenes Speichenrad Z Z von 35 V2 cm Durch- messer, in dessen Rand 360 Sperrzähne eingeschnitten sind (in Fig. 3 nur zum Teil dargestellt). In diesen Zahnkranz greifen einander diametral gegenüber zwei gegen ihn federnde Sperr- haken .S' und 6'' ein; der eine {S) feststehend, der andere iS^) am Ende des Ankerhebels U W befestigt. Letzterer ist um die verti- kale Axe V drehbar und trägt am Ende V den schweren eisernen Anker xV des Hufeisen-Elektromagneten E. Die Spiralfeder F, welche an den Hebel U W angreift, drückt denselben gegen die Anschlagschraube J/und zieht den Anker vom Elektromagneten ab. Die beiden Sperrhaken S und S^ halten für gewöhnlich das Sperrrad Z Z und somit die Trommel T T fest. Wird der Elektro- magnet durchströmt, so zieht er den Anker A^ an und der Haken S^ wird über einen Zahn w^eggehoben und schnappt in den nächsten Einschnitt ein. Die Trommel wird noch immer durch den Haken S in ihrer Stellung festgehalten. Wenn aber der Strom geöffnet wird, geht der Ankerhebel zum Anschlag M zurück und der Haken ;S" dreht jetzt die Trommel um einen Zahn nach rechts, wobei der Haken ^S* über einen Zahn weggehoben wird und einschnappt. Jede Schliessung und Oeffnung des Stromes in E dreht also die Trommel um 1 Bogengrad nach rechts, verschiebt somit die Auf- nahmefläche um etwa 4,36 mm weiter. Soll jedes Bild eine Breite von 2 cm haben, so sind je zwischen zwei Aufnahmen 5 Zahnver- schiebungen einzuschalten, d. h. 5 Kontakte D auf jede Viertel- stunde an der Uhr anzubringen, l und V sind die Klemmen der Spulen des Elektromagneten. Die Verschlussvorrichtung der Camera ist in Fig. 4 in ^l'i der nat. Grösse dargestellt. 0 0 ist die Innenseite des Ob- 544: Ludimar Hermann. jektivbretts. Das Objektiv, einSteinheirsches Gruppen-Antiplanet Nr. 5, hat eine Oeffnung von 40 mm Durchmesser. In die Oeffnung des Bretts ist von hinten ein geschwärzter Holzring von 50 mm Lichtung eingesetzt, mit breitem, plattem Wulst B R. Unmittel- bar hinter demselben spielt die Verschlusscheibe Q aus ge- schwärztem Aluminiumblech (80 mm Durchmesser). Sie wird von dem auf die Fläche gebogenen Drahtstiel q getragen, welcher in den Anker P F des Elektromagneten L L eingeschraubt ist (die Vorrichtung ist dieselbe wie an den Signalapparaten der Feuer- meldestationen). In der Ruhe liegtdie Scheibe Q auf dem etwas bieg- samen und daher nicht zurückwerfenden Anschlag it' auf, und hält jede Spur von Licht ab. Während Durchströmung des Elektro- magneten steht der Anker P P bis zum Anschlag jj gedreht und die Scheibe giebt die Oeffnung des Holzringes vollständig frei. Die Endklemmen der Spulen L L befinden sich bei li, /<' an der Aussenseite des Objektivbrettes, die Durchbohrung ist natürlich lichtdicht gedeckt. Zur genauen Einstellung der Aufnahmefläche dient folgende einfache Vorrichtung. Die Camera hat eine in horizontalen Falzen verschiebbare Einschubkassette. Statt dieser wird in die Falze ein Brett eingeschoben, welches ein kleines von einer Mattscheibe bedecktes Fenster hat. Diese Scheibe wendet ihre matte Fläche nach hinten. Nach scharfer Einstellung des Bildes auf derselben wird das Brett H H auf das Laufbrett der Camera aufgesetzt und in seinem Geleise soweit vorgeschoben, bis die mit Film bekleidete Mantelfläche der Mattscheibe genau anliegt, und nun das Einstell- brett aus seinen Falzen herausgezogen. Für den Vorsprung t der Trommel hat das Einstellbrett eine Nuth. Die Abgrenzung der Bildfläche geschieht durch die bei grösseren Camera's übliche A^orrichtung : ein vor der Aufnahmefläche ange- brachtes hölzernes Brett mit Fenster und Blech- oder Karton- einsätzen. Für unsere Versuche wurde ein schwarzes Kartonblatt eingesetzt, mit einem der Bildgrösse und der Höhenlage auf dem Filmstreifen entsprechenden kleinen Ausschnitt. Die Aufnahmen erfolgen in einem Dunkelzimmer. Das Objekt, eine in ein planwandiges Glasgefäss versenkte Tierleiche, mit schwarzem Hintergrund, befindet sich senkrecht unter der Kontakt- uhr, möglichst in gleicher Ebene mit dem Zifferblatt. Beleuchtet Ueber automatisch-pholoi^raphische Registrierung etc. 545 werden Uhr und Objekt mittels einer Dubosq'sehen Laterne, in welcher sich eine Lampe mit Auer"schem Glühlicht befindet. Die Laterne steht etwas seitlich von der Achse der Camera und be- leuchtet mittels ihres Linsensystems ein rundes Feld, in welchem sich Objekt und Uhr befinden. Nach Einstellung des Aufnahme- cylinders wird die Lampe ausgelöscht, bei Rubinlicht ein Streifen Eastman-Film um den Cylinder gelegt und mit einigen Reissstiften befestigt, dann die Trommel mit einem passenden achtseitigen Pappgehäuse bedeckt, welches nach vorn, an der Camera, offen ist, und endlich durch Ueberlegen eines grossen Sammettuches alle noch offenen Stellen zugedeckt. Jetzt wird die Laterne wieder erleuchtet und der Versuch beginnt. Den Strom liefern 3 Accumulator- Elemente. Der eine Pol ist mit der Uhrklemme ä:2 verbunden, der andere verzweigt sich in zwei Leitungen; die eine geht zu den Klemmen li und li^ (Fig. 4) und zur Uhrklemme ki, die andere zu den Klemmen h und ?2 (Fig. 2) und zur Uhrklemme As. Der Minutenzeiger schliesst also bei jeder Berührung eines Kontaktes C ' den Strom des Expo- sitionsmagneten und bei jedem Kontakt /)' denjenigen des Ver- schiebungsmagneten. Ein Schlüssel als Nebenschliessung zwischen Ai und k2 gestattet jederzeit den Strom permanent durch den Expositionsmagneten zu leiten, so dass die Klappe Q dauernd offen steht, wie es z. B. zur Einstellung nötig ist. Der Apparat arbeitet äusserst sicher und befriedigend. Die Hervorrufung der Filmstreifen, welche über 1' 2 m lang sind, geschieht mit der von mir schon beschriebenen und abge- bildeten Holzwalze'), um welche der Streifen in schraubenartigen Touren herumgelegt wird, durch einige Reissstifte befestigt. Die Walze wird durch die Cuvette, welche nur 50 — 100 ccm Entwicke- lungsflüssigkeit zu enthalten braucht, langsam hindurchgedreht. Zum Fixieren dienen lange Blechcuvetten, wie ich sie für meine Papier- photogramme habe anfertigen lassen. Kopiert werden die Filmstreifen auf Kurz'schem Celloidin- papier, welches man in langen Rollen erhält. Mit einfachen Vor- richtungen wird ein Papierstreifen, bedeckt vom Filmstreifen, straff um einen drehbaren Cylinder von hinreichendem Durchmesser ') Pflüger's Arch. Bd. 53. 15. Taf. I. Fig. 8. 1892. Vierteljabrs5chrit't d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband II. 35 5-46 Ludimar Hermann. herumgelegt; wir benutzten dazu den mit Verzahnung und Kurbel versehenen Cylinder des Anschütz'schen Schnellsehers. Der Cy- linder wird am Fenster aufgestellt und langsam um seine (verti- kale) Achse gedreht. Bei bewölktem Himmel kann er auch einfach im Freien ohne Drehung aufgestellt werden. Die erhaltenen Bilderserien, welche auf einem Streifen über 70 viertelstündige Aufnahmen, jede mit ihrer Uhrangabe, ent- halten, sind äusserst zierlich und scharf; nur der Minutenzeiger, der sich während der Aufnahme merklich verschiebt, zeigt not- wendig eine leichte Unscharfe. Durch Kombination mit Karton- streifen, welche Schlitze im Abstand der Bilder enthalten, lassen sich die photographierten Veränderungen nach dem Prinzip des Schnellsehers als rasche Bewegung beobachten. Natürlich kann man durch Wegnehmen von zwei oder drei der Kontakte C^ und einer entsprechenden Zahl der Kontakte D^ sich auf halbstündliche oder stündliche Aufnahmefolgen beschränken. Ueber die erhaltenen Ergebnisse wird an anderer Stelle be- richtet werden. Als Beispiel gebe ich in Fig. 5 einen kurzen Abschnitt aus einer Erstarrungsserie von Rana esculenta in A^^asser. Der betreffende Versuch gehört zu einer mit dem Apparate von Herrn cand. med. Hugo Herbst ausgeführten Untersuchung; die Bilder folgen sich von rechts nach links. Die Aufnahmen sind halb- stündliche. Königsberg i./Pr., im Februar 1896. Vierleljahrsschrill d. naiiiri. Ges. Zürich. 41. Jahrg. 1896. Jubelband n. ^ E ß'--. IIJIMJIIIIllllii[in> s 1 's« 0 C B tn 3 5* '., £ *ä g ^ S] ■n' 'S 0 3 -• £. Ol p S" 0 >»; a B w *" C: * ^ cj B 0 <; ^ ^. ^ _2 ~_ 's- = 0 S' s g ■^ 5 s" •^ ri » g o' :^ fC & 2 &j ^ S 0 j:^- 0 0 1 "t. s. 1 s. X 0 c £. •« g ft 1 5 w 3 >-- 8: ^ '— g" g 6 0 & Si > 1^ ? s B 3 0; S3 » et c' ^ p; ^ C Q p^ Sc ■c ^5- Q C ^^ >, (R li s Pg c» ä ^ ^ a 2 c ^ ^ — - Qe 0 < te 5 5' a 0 f? 3 c 0 C 2. s s 5_ 15 0' CfQ 0 3 Eil a> 3 3 >? 2 c 1 ■= 3 0 ö: > s ~ s- 00 c< p -^ « :^ g " 's g -t 2 2 g g. 1 et ^ £ i^ rt P ? 0 0 -i Q ß' oto a t-i '^^ ^ ^ 0 .u •-I S ^ 05 ■«so 1 's .; r2 es-g 5-^ '0 'S 33 l~»i ^ [? IS 6 M ^ g 0 -ti <» '-0 L^ ^ Ol ? ■t; f^ _fcD ^ s e 'S ^ '^ S ^N S^ 552 Albert Koelliker. Ausserdem sieht man auf der rechten Seite ein starkes Bündel Fibrae perforantes (Fj)), die, aus den tiefsten Teilen des Gyrus fornicatus (Gf) abstammend, an das Bündel des freien Fornix longus sich anschliessen. Diese durchbohrenden Fasern entwickeln sich aus Teilen des genannten Gyrus, die eine Vergleichung mit den Striae longitudinales mediales des menschlichen Balkens zu- lassen, obschon dieselben nicht frei auf der Balken-Oberfläche liegen. Auf der linken Seite sind im Balken drin einige Quer- Fig. 4. Frontalschnitt durch den Balken und die angrenzenden Teile aus dem Gehirn eines Kaninchens, nahe am hinter- sten Ende des Balkens. Ser. II, Nr. 165. Weigert, gez. bei Syst. I, Ocul. 111, kurzem Tubus eines Leitz. S Subi- culum; A Alveus; Gf Gyrus fornicatus; Cc Corpus callo- sum ; Fpd Fibrae perforantes dorsales; Fpc Fibrae perfo- rantes ventrales; VI Andeutung der Gegend, wo weiter seitlich zwischen der Balkenausstrahlung und dem Mulden- blatte der Ventriculus lateralis auftritt; Pscl Psalterium dorsale. schnitte solcher Fibrae perforantes in Form dunkler, zarter Platten wahrzunehmen. — Lateralwärts von den beiden Querschnitten des Fornix longus trennen sich der Balken und Alveus durch eine schmale Spalte von einander, die nichts anderes ist, als der dor- salste Teil des Seitenventrikels ( VI), wie besonders die rechte Seite der Fig. 3 deutlich zeigt. Vom Kaninchen lege ich nun noch eine Figur 4 vor, die am leichtesten verständlich ist, wenn man die Fig. 1 und die Fig. 661 Ueber den Fornix longus sive superior des Menschen. 553 und 666 des IL Bandes der 6. Auflage meiner Gewebelehre heran- zieht. Dieselbe stellt einen Frontalschnitt durch den hintersten Teil des Splenium corporis callosi und die angrenzenden Teile dar. Vom Splenium [Cc] ist nur noch eine dünne Platte sichtbar, durch welche hindurch schon der üebergang des Gyrus fornicatus (Gf) in das Subiculum Cornu Ammonis (S) durchschimmert, wie derselbe in der citierten Fig. 661 für sich allein dicht hinter dem Balken wahrgenommen wird. Ventral vom Kudimente des Splenium sind auch noch Reste des Psalterium dorsale {Ps d) zu erkennen, die jedoch die Mittellinie nicht mehr erreichen. Das noch tiefer ge- legene Subiculum mit seinem Stratum zonale, das die Fortsetzung des Stratum zonale des Gyrus fornicatus ist, geht seitwärts in das Ammonshorn über, wie ebenfalls die erwähnte Fig. 661 zeigt. Lateralwärts sieht man auch in diesem Schnitte ebenso wie in der Fig. 8 zwischen Balken und Psalterium dorsale oder besser gesagt der Fortsetzung des letzteren in den Alveus den dorsalsten Teil des Ventriculus lateralis auftreten, von welcher Trennung in der Fig. 4 selbst bei VI die erste Andeutung sichtbar ist. Der Grund, warum ich diese Figur hier gebe, ist der, weil in derselben der Ursprung des Fornix longus sowohl vom Gyrus fornicatus als auch vom Alveus oder Psalterium dorsale her, der m der Figur 1 nur andeutungsweise dargestellt ist, in der bestimmtesten Weise sich erkennen lässt. Die Fibrae perforantes, die vom Alveus herkommen (Fpr), biegen sich von unten nach oben gegen den Balken zu und die vom Gyrus fornicatus abstam- menden ziehen in umgekehrter Richtung durch das Corpus callosum {F2)cl), worauf dann alle in der Mitte in die zwei Längs- bündel übergehen, die zwischen Balken und Psalterium dorsale weiter ziehen, wie die Figg. 2 u. 8 dies zeigen. Den bisher noch nicht beschriebenen Fornix superior s. longus der Katze stelle ich nur in einem Sagittalschnitte (Fig. 5) und in einem Frontalschnitte (Fig. 6) dar. Sehr bemerkenswert und in manchem von dem des Kaninchens (Fig. 1) verschieden ist der Sagittalschnitt (Fig. 5). Der den Balkenwulst umgebende, nicht ausgezeichnete hintere Teil des Gyrus fornicatus und seine Fort- setzung, das Subiculum Cornu Ammonis [S], verhalten sich Avie beim Kaninchen und geben eine grosse Menge perforierender Fasern durch den Balkenwulst (Sjd) und das Psalterium dorsale {Ps d) 554 Albert Koelliker. ab, welche an der ventralen Seite des Balkens zum Fornix longus [Fl] zusammentreten, mit welchem dann an der ventralen Seite die Fimbria Cornu Ammonis (F) und ihre Fortsetzung, das eigentliche Gewölbe sich vereint. Im weiteren Verlaufe gesellen sich nun zu dem hinteren Teile des Fornix longus eine ungemeine Menge Fasern, welche alle, aus dem Gyrus fornicatus abstammend, den Fig. 5. Aus einem Sagittalschnitte des Gehirnes einer Katze. Nr. 106 a. 5:1. Cc Corpus callosum; Spl Sphninm; Gcc Genn corporis caUosi ; Gf Gyrus fornicatus; Str K Streifenhügelkopf ; Pcc Pedunculus corporis callosi; Gb Ganglion basale; liStr Riechstrahlung des Septum; 0 Opticus; Cm Corpus mammillare; Ca Commissura anterior; Strin Stria mediillaris thalami; Gh Ganglion hahenulae; Nth Nuclei thalami ; Cf Columna for- nicis; F Fimbria; F' Fimbria, Ende, Uebergang in das Fornixsäulchen; Cp Commissura posterior; Cq Corpora quadrigemina; S Subictdum ; Psd Fsal- teriiim dorsale des Alvcus ; Ca Cornu Ammonis; Fl Fornix longus, aus Fasern sich bildend, die das Splenium perforieren ; Fpa Fibrae perforantes anteriores ad Columnas fornicis; Fs Fibrae superficiales. Ueber den Fornix longus sive superior des Menschen. 555 mittleren Teil des Balkens und das gesamte Balkenknie durch- bohren [F p a) und in der Aushöhlung desselben ein pinselförmiges raserbüschel darstellen, das nach und nach rückwärts und ventral- wärts zur Hauptmasse der Fornixsäulchen sich verschmälert oder zusammenzieht. Bei genauerer Untersuchung ergiebt sich jedoch bald, dass lange nicht alle Fibrae perforantes diesen Weg nehmen ; vielmehr erkennt man leicht, dass es nur die medialen unter den- selben sind, die in die Columnae fornicis übergehen, während die mehr seitlich gelegenen unter denselben zugleich mit den um das Balkenknie herumlaufenden Bogenfasern [F s) in das Septum ein- treten und eine vor der Commissura anterior [Ca] und seitwärts von der geschilderten Columna fornicis-Strahlung gelegene Faserplatte bilden. Diese Septumfaserung zerfällt bei der Katze in zwei Abschnitte, einen hinteren und einen vorderen. Die hintere ist die Kiechstrahlung des Septum von Zuckerkandl und besteht wesentlich aus seitlich gelegenen perforierenden Fasern und allem Anscheine zufolge auch aus einem Teile der um das Genu corporis callosi sich herumbiegenden Bogenfasern, welche, mit der Fornix longus-Strahlung teilweise sich kreuzend, bis zu den mittleren Teilen des Balkens gelangen. Der vordere Abschnitt der Septumstrahlung setzt sich zusammen aus weiter nach vorn ge- legenen perforierenden Fasern und aus der Hauptmasse der Bogen- fasern, welche letzteren Fortsetzungen der Striae Lancisii zu sein scheinen. Diese Faserplatte des Septum, die als Pedunculus septi et corporis callosi bezeichnet werden kann (Pcc) endet im ventralen Teile des Gyrus fornicatus hinter den Buchstaben Of dicht vor dem Streifenhügelkopfe {Str K), während das Riechbündel oder die Riechstrahlung von Zuckerkandl wie beim Kaninchen im Gang- lion basale ((t'^) zwischen dem Chiasma [O) und dem Streifeiihügelkopfe [StrK), vielleicht auch zum Teil in dem letzteren ausgeht oder ent- springt. Verglichen mit dem Kaninchen ist somit bei der Katze be- merkenswert erstens die grosse Menge Fasern , die das Balkenknie durchbohren, ferner der Uebergang vieler dieser Fasern nicht nur in das Septum, sondern auch in die Columnae fornicis, d. h. in den Fornix longus-Abschnitt desselben, endlich die Endigung der das Balkenknie umgebenden Bogenfasern und einer gewissen Anzahl perforierender Fasern im vorderen ventralen Teile des Gyrus fornicatus. 556 Albert Koelliker. Die Beziehungen der Stria medullaris thalami optici {Str m) zum Fornix inferior sind bei der Katze dieselben wie beim Kaninchen (s. oben), finden sich jedoch in der Fig. 5 nicht dar- gestellt. Zur Ergänzung der Fig. 5 dient nun die Fig. G, welche das Balkenknie und einen Teil des Septum im Frontalschnitte wieder- StrL -W Ff /^ Cc Fig. 6. Front alschnitt durch den Balken und das Septum pelhiciäam einer Katze. Nr. 31. Gez. bei Syst. II, Oc. III, k. Tub. Weigert. Cc Corpus caUosinn; Sp Septum pellucidum; Fp Fibrae perforantes : Gf Gyrus fornicatus ; StrL Stria Lancisii. giebt. Auf dem Balken liegen die Striae Lancisii auf {StrL), die lateral wärts mit dem Gyrus fornicatus (Gf) zusammenhängen und von beiden diesen Teilen sieht man besonders auf der linken Seite perforierende Fasern (Fjj) durch den Balken ziehen und in die Faserung des Septum sich fortsetzen, wobei die Hauptmasse dieser Fasern eine mediale Faserplatte im Septum bildet, ein kleiner Teil derselben ein Stratum zonale darstellt. Ueber den Fornix longus sive superior des Menschen. 557 Weiter rückwärts gelegene Frontalschnitte geben auch bei der Katze Bilder des Fornix longus im Wesentlichen denen gleich, welche meine Gewebelehre 6. Aufl. Bd. II Fig. 666 — 669 darstellt. ]]. Foriiix longus des Menschen. Beim Menschen hat bis jetzt Niemand mit Bestimmtheit einen Fornix longus nachgewiesen; nun glaube ich aber zeigen zu können, dass auch bei ihm ein solcher Faserzug und zwar in ganz guter Entwicklung sich findet. Die ersten Wahrnehmungen, die mich zur Entdeckung eines Fornix longus des Menschen führten, waren die Beobachtung von Fasern, die den Balken in seiner ganzen Dicke senkrecht oder leicht schief geneigt durchbohren. Als ich Sagittal- und Frontalschnitte des menschlichen Balkens auf den Verlauf der Balkenfasern untersuchte, um mich zu über- zeugen, ob die von Ganser und Dejerine beschriebenen Kreuzungen wirklich sicli finden, war es einmal leicht zu sehen, dass die An- gaben dieser Forscher im Wesentlichen richtig sind. Nach Dejerine sollen oberflächliche Balkenfasern beim Uebertritt auf die andere Seite in die Tiefe treten und vordere Fasern hierbei nach hinten sich wenden und umgekehrt, woraus Dejerine schliesst, dass der Balken nicht einfach eine Commissur gleicher Teile beider Seiten, sondern ein grosses Associationsbündel darstellt. Ganser hat schon vor Dejerine beim Maulwürfe eine Kreuzung der Balkenfasern in kleinen Bündeln beschrieben (S. 650), er- kläit jedoch, gestützt auf die Experimente von Gudden, den Balken als eine reine Commissur, weil nach Exstirpation einer Hemisphäre der Balken auf beiden Teilen atrophirt. Einen ge- kreuzten Verlauf der menschlichen Balkenfasern hat vor Dejerine auch Hamilton beschrieben (On the Corpus callosum in the adult human Brain in Journal of Anatomy and Phys. 1885 pag. 385 — 416 und On the Corpus callosum in the Embryo in ,, Brain" Juli 1885 pg. 1-45 — 163), doch ist die ganze Darstellung Hamiltons von dem weiteren Verlaufe der gekreuzten Balkenfasern und dem Eintreten derselben in die äussere und innere Kapsel der entgegengesetzten Seite als eine vollkommen irrtümliche zu bezeichnen und durch die zwei Fälle von Onufrowicz (Forel) und Kaufmann über Gehirne mit Balkenmangel vollständig widerlegt (s. Onufrowicz 558 Albert Koelliker. im Arch. f. Psychiatrie Bd. XVIII S. 323 und Kaufmann ebenda Bd. XIX S. 235). Dass ein unregelmässiger Verlauf der Balkenfasern beim Menschen sich findet, kann ich ebenfalls bestätigen und sieht man namentlich an Frontalschnitten oft einen schiefen Verlauf von Bündeln, wie wenn dieselben sich kreuzten. Noch mehr aber und deutlicher springen, vor allem an Sagittalschnitten, perforierende Fasern in die Augen, wie die Figur 7 dieselben darstellt. Der- ^ CC' s ^ "t ^ "" 2 ^J" S' Ul Äj '^ "^ ?i g g "• 05 _ o 5: -j s S-^ W E. X S gj O: o ►1 ~. o ri. cl- -i S o2 3 3 ^ C5 B ^ "• et ^ aq' CD S c' Si.1 3- r** Ct> ^ = fs #j^l^^^«^faw»^ '^ - 2 D M 5: o rs =" s ?;■ H S- CD -^ ?: B a ;:; Ueber den Fornix longus sive superior des Menschen. 559 selbe stammt von dem medialen Teile des Balkens, der an seiner dorsalen Fläche die Striae Lancisii trägt, von denen die eine, jedoch ohne Bezeichnung von den Buchstaben F p an nach vorn zu dargestellt ist. Abgesehen von Splenium [Sp], in dem allerdings an dem nicht ganz dünnen Schnitte keine durchbohrenden Fasern wahrgenommen wurden, fanden sich solche vom vorderen Ende des Psalterium {Ps) an in dem ganzen vorderen Teile des in der Figur dargestellten Balkenstückes. Ihr Auftreten entspricht zugleich auch der Stelle, wo die Säulchen des Fornix (F) vom Balken abtreten und das hinterste Ende des Septum pellucidum, das in diesem Falle weit nach hinten reicht, "zwischen Fornix und Balken sich einschiebt. An dieser Stelle ihres ersten Auftretens stellen die Fibrae perfornntes dünne Faserbündel oder besser gesagt Faserplatten dar, die fast senkrecht den Balken durchbohren und nur an ihrem ventralen Ende nach vorn sich umbiegen. Weiter nach vorn nehmen die Fibrae perforantes zum Teil eine stärkere Unibiegung an ihrem ventralen Teile an, zum Teil zeigen dieselben, wie die Figur es darstellt, schwach S-förmige Biegungen. Bezüglich auf ihr sonstiges Verhalten, so sind die Fibrae perforantes hinten zahlreicher aber ihre Platten dünner, vorn spärlicher aber dicker. Im Mittel betrugen die Dicken 20 — 50 — 100 ^<. "Wie diese durchbohrenden Fasern bei stärkerer Vergrösserung an ganz feinen Schnitten Weigert'scher Präparate sich ausnehmen, lehrt die ohne weitere Erklärung ver- ständliche Figur 8. Wie verhalten sich nun diese Fibrae perforantes in verschie- denen Gegenden des Balkens, wohin ziehen dieselben und woher stammen sie? Fragen, auf die ich für einmal nur teilweise eine Antwort geben kann, da mir die zu deren Erledigung unumgäng- lich nötigen Serien ganz feiner Balkendurchschnitte vorläufig nicht zu Gebote standen. Was ich an einer Serie von Sagittalschnitten, wie derjenige der Fig. 7, und zwei Serien von Frontalschnitten, ent- sprechend dem der Fig. 9, Weigertscher Präparate des Erwach- senen zu finden vermochte, ist folgendes : I. Verhalten der Fibrae perforantes in verschiedenen Gegenden des Balkens. Im Splenium des Corpus callosum gelang es mir bisanhin noch nicht durchbohrende Fasern zu finden, wie bereits angegeben wurde. 560 Albert Koellikei*. Im Körper des Balkens vom Psalterium an linden sich die- selben soweit als auf der dorsalen Seite des Balkens die beiden Striae Lancisii sich erstrecken und an der ventralen Seite das Septum pellucidum und der Körper des Fornix mit dem Balken verwachsen sind. Weiter lateralwärts im Bereiche der Fimbria und da, wo der Balken den lateralen Teil des Thalamus und den Xucleus caudatus deckt, fehlen dieselben. Am Genu corporis callosi finden sich eben- Fig. 8. Ein kleiner Teil des Balkens der Fig. 7 in einem feineren Schnitte. Gez. bei Sj-st. VIT, Oc. I, kurz. Tubus eines Leitz, Weigert. Fp Ftbrae perforantes; Ftr Fihrae transversales. falls perforierende Fasern und hier fiel mir auf, dass dieselben an mehr seitlichen sagittalen Schnitten in ungemein grosser Zahl sich fanden, so dass dieselben unmöglich auf die Striae Lancisii bezogen werden konnten. Dieser Reichtum an perforierenden Fasern fand sich jenseits des Septum und der grossen Hirnspalte, jedoch noch im Bereiche des Vorderhornes. Ueber den Foriiix longiis sive superior des Menschen. 561 II. Beziehungen der Fibrae perforantes zu den ober- halb des Balkens gelegenen Teilen oder Verlauf der dorsalen Enden derselben. Das dorsale Ende der Fibrae perforantes führt in erster Linie auf die Striae longitudinales mediales oder die Striae Lancisii des Balkens. Diese Striae sind erst in neuerer Zeit genauer unter- sucht worden und zwar von Golgi. Doch gelang es demselben nicht, die Zellen derselben zu versilbern und beschränkt er sich daher auf eine allgemeine Darstellung der Lagerung und Grösse der betreffenden Elemente beim Menschen (Organi centrali Taf. XXIV, Fig. 4 und 5). Neben den Zellen fand sich in den meisten Gegenden ein oberflächliches und ein tiefes Lager von längs ver- laufenden Nervenfasern, welche die graue Substanz zwischen sich fassten und in der Mitte zwischen beiden Striae untereinander zusa m menh ingen . Nach Golgi erwähne ich Henle, der (Nervenlehre S. 316, Fig. 218) einige Mitteilungen über den Bau des Anfanges der Fascia dentata, in welche die Stria Lancisii übergeht, nämlich der Fasciola cinerea, bringt: Dieselbe beginne auf der oberen Seite des Balkens als ein plattes Längsbündel von 0,75 mm Mächtig- keit, werde aber schon an der unteren Fläche das Splenium zu einem 1,0 mm hohen Wulste, dessen Volumenzunahme durch graue Substanz bedingt sei, deren Elemente in der Tiefe zahlreich, spindelförmig und in der Richtung der Faserung des Wulstes ver- längert, weiter nach aussen mehr zerstreut und sternförmig seien. Nahe an der Oberfläche und parallel derselben erscheine am hin- teren sanften Abhänge des Wulstes ein plattes Band kleiner, dicht gedrängter Elemente von 12 (i, welches unzweifelhaft der Anfang der Körnerlage der Fascia dentata sei, während die tieferen Zellen der Endplatte der Ammonshörner entsprechen. Weiter sind die Beobachtungen von Giacomini, Zucker- kandl, Blumenau und S. Ramon y Cajal zu erwähnen. Giacomini hat bei einer sehr sorgfältigen Untersuchung der Ammonshörner des Menschen an verschiedenen Schnittreihen (Fascia dentata del Grande Hippocampo nel cervello umano in Giorn. d. R. Accad. diMedic. di Torino fasc. 11 — 12, 1883, 71 S. 3 Tafeln) auch den üebergang der Stria medialis in die Fasciola cinerea und die Fascia dentata beschrieben und wie Henle nachge- Vierteljahrsschrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Jubelband II. 36 562 Albert Koelliker. wiesen, dass bereits in der Fasciola cinerea die Anfänge der Körner- zellen der Fascia dentata sich finden (S. 53 u. ff. Fig. 11 F). Nach Giacomini hängen die Striae mediales beider Seiten durch eine sehr dünne Lage grauer Substanz zusammen, und würde daher, da die Striae eine Fortsetzung der grauen Hirnrinde darstellen, der Zusammenhang der Rinde beider Seiten nirgends unterbrochen sein. Zuckerkandl gibt eine genaue Beschi'eibung der auf dem Balken liegenden Bildungen, betrachtet ebenfalls beide Striae, wie Giacomini, als der medialen Wand der Hemisphaere angehörig und lässt dieselben aus dem dorsalen Teile des fötalen Randbogens sich bilden. Beim Menschen variieren die beiden Streifen sehr und können unter Umständen einen wahren Gyrus supracallosus, eine dicke graue Rindenplatte auf dem Balken bilden, in welchem die beiden Striae als verdickte Stellen hervortreten, die sämmtliche Schichten des Gyrus fornicatus zeigen, während in den Zwischen- zonen die Schicht der kleinen Pyramiden fehlt. Aus Versehen lässt Zuckerkandl die Stria lateralis und nicht die Stria medialis in die Fascia dentata übergehen. Blumenau hat bei seinen Untersuchungen über die Ent- wicklung des Balkens (Arch. f. mikr. Anat. Bd. 37, 1893 S. 1 — 15, Taf. I) auch den Bau der Striae berücksichtigt und wesentlich das- selbe gefunden, wie Giacomini. Da Blumenau die Balkenfasern nicht aus der Bogenfurche hervorgehen lässt (siehe Martin. Bogenfurche und Balkenentwicklung bei der Katze, Jena 1894), so ist ihm auch entgangen, dass die Striae longitudinales aus dem oberen Randbogen sich entwickeln und somit vor der Balken- bildung schon in der Anlage vorhanden sind. In Betreff des vor- deren Endes der Striae Lancisii sagt Blumenau, dass die Ver- bindung derselben mit dem Tuber olfactorium auf zwei Wegen zu Stande komme. Erstens gehe die tiefere Schicht derselben vom vorderen Ende des Rostrums an in die weisse Substanz des Teiles des Gyrus frontalis I über, welcher an der medialen Seite der Hemi- sphaere liege und nach rückwärts mit dem Gyrus cinguli s. fornicatus zusammenhänge. Durch Vermittlung dieser Frontalwindung, also indirekt, verbinden sich die Striae mit den Riechlappen. Zweitens giebt es einen direkten Zusammenhang des letzteren mit den oberflächlichen Sagittalfasern des Rostrum, die am Rande der Ueber den P'ornix longus sive superior des Menschen. 563 genannten Frontahvindung in den medialen Rieclistreifen über- gehen. S. Ramön betont, dass seine Untersuchungen noch wenig ausgedehnt seien und dass es ihm nur gelungen sei, einige Zellen und Fasern der Stria medialis, der einzigen, die bei kleinen Säugern (Mäusen, Ratten, Kaninchen) nachweisbar sei, zu färben. Bei diesen Tieren seien die Striae mediales im Frontalschnitte verschmolzen, im ganzen dreieckig und zeigen drei besondere Lagen, eine oberflächliche, die Molekulärlage, eine mittlere aus Zellen gebildete und eine tiefe weisse. Die Zellen, die zu drei und vier übereinander stehen, sind alle senkrecht, ei- oder spindelförmig, wie in der Hirnrinde, oberflächlich kleiner, in der Tiefe grösser. Ihre absteigenden Axonen wandeln sich in der Tiefe der weissen Lage in longitudinale Elemente um, über deren Verlaufsrichtung Ramön keine Angaben macht. An Längsschnitten erkennt man, dass diese Fasern aufsteigende CoUaterales abgeben, die in den oberen und mittleren Teilen der Striae mit reichen und stark varicösen Enden ausgehen. In den tieferen und mittleren Teilen der Striae finden sich ausserdem longitudinale Elemente mit noch bedeutenderen Schlängelungen und Varicositäten, die nach Abgabe sehr zahlreicher Aestchen sich erschöpfen (Fig. 12 c), über deren Bedeutung Ramön sich nicht ausspricht und die ich für Enden von centripetalen Elementen halte. In der Molekulärlage der Striae kommen die Enden der eben l)eschriebenen Fasern, die Collateralen der Axonen der Zellen der mittleren Lage und die Dendriten der letzteren zusammen, um ein Stratum zonale zu bilden, dessen Elemente vorwiegend longi- tudinal verlaufen und einzelne Cajal'sche Spindelzellen wie die normale Hirnrinde, zwischen sich enthalten. Soweit die bisherigen Beobachtungen, denen ich nun noch an der Hand der Fig. 9 einige Mitteilungen über den Menschen l)eifügen kann, bei dem ich allerdings die Striae des Balkens bis jetzt nur an Weigertschen Präparaten verfolgt habe. Die Striae mediales sive Lancisii waren überall gut ausgebildet und bestanden aus einem Kerne grauer Substanz mit vielen senkrecht gestellten länglichen Zellen und aus einer oberflächlichen und tiefen Lage weisser Substanz. Fast überall waren diese Striae durch einen mittleren Zug weisser Substanz verbunden, von dem gleich weiter 564 Albert Koelliker. Sir Im Fig. 9. - Ein Teil der Oberfläche des Balkens der Fig. 10 stärker vergrössert. Cü Corims callosum; Fp von dem Faserbündel M ausgehende FIbrae perforan- tes; M mittlerer Faserbündel zwischen beiden Striae; Strlm Die eine Stria loncjituäinalis meäialis mit Zellen und Fasern. die Rede sein wird. Striae laterales waren an meinen beiden Serien von Frontalschnitten wenig ausgebildet und meist gar nicht abzugrenzen gegen die Längsfasern des Gyras fornicatus im Sinus Corporis callosi. Untersucht man nun den Faserverlauf der Striae mediales genauer, so stellt sich bald heraus, dass dieselben bestimmte Be- ziehungen zu den Fibrae perforantes der Balken haben. An den- selben fand sich nämlich an vielen Orten eine solche Anordnung ihrer markhaltigen Fasern, dass die Elemente der tiefen, an die Querfasern des Balkens stossenden Faserschicht alle senkrecht standen und mehr oder weniger tief in die grauen Fasern hinein zu verfolgen waren. Noch auffallender war dieses Verhalten in der mittleren rein weissen Platte, die zwischen den beiden Striae sich findet (Fig. 9 M). Diese Platte bestand teils aus vertikalen, teils aus longitudinaleii Elementen und Hessen sich erstere an vielen Schnitten weit zwischen die Balkenfasera in die Tiefe hinein verfolgen (Fig. 9 F])). Schwieriger als die Beobachtung dieser von den Striae Lancisii abstammenden perforierenden Elemente ist es, die letzte Herkunft derselben nachzuweisen. Eine Quelle derselben erscheint mir zwar als sicher, und das sind die Axonen der Zellen des grauen Kernes Ueber den Foniix longus i7 578 Hugo Rihberl. Wenn wir somit das Sarkom leicht von dem Endotheliom unterscheiden können, so fragt es sich nun, worauf soll man die Diagnose eines Endothelioms dem Carcinom gegenüber gründen':' Darauf würde ich Folgendes erwidern. Mit absoluter Bestimmtheit kann man ein Endotheliom nur feststellen, wenn man die ersten Anfangsstadien beobachtet, wenn man also sicher sieht, dass seine Zellen von Endothelien abstammen. Das dürfte aber nur selten der Fall sein. Zweitens wird man dort ein Endotheliom annehmen können, wo in der Norm Epithelien nicht vorkommen und eine Verlagerung von solchen unbekannt und nach Lage der Verhältnisse auszu- schliessen ist. Das trifft z. B. zu bei den Tumoren auf der Innen- fläche der Dura, die aus einem bindegewebigen Grundstock und protoplasmatischen, die Lücken ausfüllenden Zellen bestehen, ebenso bei den Geschwülsten der Pia, die man aus einer Wucherung der Endothelien der Gefässscheiden ableitet. Bei vielen anderen hierhergehörigen Tumoren aber kommt man nur durch genaue Feststellung der Einzelheiten und ihre sorgsame Abwägung zu einem befriediegenden Schluss. Das sind vor Allem die Tumoren, die an Stellen sitzen, wo in der Norm Epithel vorhanden oder wenigstens benachbart ist. Insbesondere kommen hier die Parotisgeschvvülste in Betracht. lieber sie wird das Urteil der einzelnen Beobabchter oft recht verschieden aus- fallen und zwar nicht in letzter Linie den Neubildungen gegenüber, in welchen die fraglichen zelligen Gebilde eine typische cylindrische Gestalt haben. Volkmann hat freilich auch solche als Endo- theliome bezeichnet. Aber ich kann mir denken, dass ihm gerade in diesem Punkte mancher nicht zustimmen wird. Ich bin der Meinung, dass viele dejc Tumoren dieser letzten Gruppe eine völlig sichere Diagnose bis jetzt überhaupt nicht zu- lassen, erkenne aber gern an, dass in Volkmanns und Anderer LTntersuchungen zahlreiche einzelne Momente enthalten sind, welche den endothelialen Charakter wahrscheinlich machen, sodass ich der Deutung für die meisten Fälle durchaus beipflichte. Für viele dieser Neubildungen scheint mir besonders bedeutsam eine wenig epithel ähnliche Anordnung der fraglichen Zellen, vor Allem aber ein ausgesprochenes Wachstum in Spalträumen des Bindegewebes, in denen die Zellen einreihig hinter einander folgen können. Darauf Ueher das Endothel in der pathologischen Histologie. 579 hat auch Hanse 111 an 11 hingewiesen. Ich möchte aber besonderen Wert darauf legen, dass die Zellen die Spalten des Bindegewebes nach allen Richtungen ausfüllen, sodass die gefässhaltigen Faser- züge, statt wie im Carcinom das Stroma für die mehr oder weniger cylindrischen Epithelstränge und die unregelmässigen Epithelhaufen abzugeben, allseitig von Zellen umgeben sind und durch sie hin- ziehen. Daher trifft man, wie man die Tumoren auch schneiden mag, meist nur auf Züge von Zellen, die gewöhnlich netzförmig angeordnet sind, seltener aber auf Querschnitte von Zellbalken. Wenn nun im Vorstehenden nur von solchen Endotheliomen die Kode war, in denen die Zellen zugförmig angeordnet sind und in breiterem Zwischengewebe liegen, so giebt es auch noch eine andere Zusammensetzung, die bisher weniger beachtet wurde. Man versteht sie am besten , wenn man von Fibromen ausgeht. In diesen Geschwülsten, die sich aus zellhaltigem Fasergewebe auf- bauen, treten in den Spalträumen oft grössere, protoplasmatische, hellkernige Zellen auf, die sich von den Bindegewebszellen deutlich unterscheiden und als Endothelien gedeutet werden müssen. Oft sind sie nur spärlich, manchmal aber so zahlreich, dass sie den Charakter der Geschwulst bestimmen. Ist nun die fibrilläre Substanz weniger entwickelt, ohne dass aber die zu ihr gehörenden dunkel sich, färbenden, schmalen, länglichen Kerne verschwinden, so tritt sie gegenüber den grossen protoplasmatischen Zellen zurück. Zu- weilen bildet sie nur ein feines Keticulum, dessen Maschen von endothelialen Zellen ausgefüllt sind. Diese Gruppe von Tumoren ist es, welche mich zu der An- nahme veranlasst, dass auch ein Teil der die feinen Saftspalten des Bindegewebes auskleidenden Zellen Endothelien sind, die unter näherem Zusammenrücken in Gestalt kanalförmiger Räume in die Anfänge der Lymphgefässe übergehen. So viel über das Endotheliom. Indem ich schliesslich noch daran erinnere, dass die Endothelien auch bei entzündlichen Pro- zessen eine grosse Rolle spielen, dass sie u. a. besonders gern als Phagocyten wirken und einen grossen Teil der Riesenzellen liefern, so wird ihre Wichtigkeit für die pathologische Histologie nur noch mehr ins Licht gerückt. Ihre Bedeutung werden wir aber dann erst schärfer umschreiben können, wenn der Begriff des Endothels genau bestimmt sein wird. üeber eine Wirbelmissbildung und ihre Folgen, •Scoliose und Hernia ventralis lateralis congenita. (Ein Beitrag zur Lehre von den angeborenen Defeiclen.) Von Oscar Wyss. (Hierzu Tafel 1^2—14.) In meiner Arbeit über Hernia ventralis lateralis congenita und ihre Beziehungen zur Hernia lumbalis (in den Beiträgen zur Chirurgie, Festschrift gewidmet Th. Billroth, Enke, Stuttgart 1892) beschrieb ich eine Hernie in der seitlichen rechten Bauchgegend, die dadurch zu Stande gekommen war, dass gewisse Muskeldefekte in der rechtsseitigen Bauchwand bestanden, welche ich als von dem Defekt der untersten Rippe abhängig erklärte. Zwar bestand auf dieser Seite eine zwölfte Rippe; auf der andern, linken Seite aber 13. Da die unterste Rippe rechterseits in ihrem allgemeinen Verhalten, hinsichtlich ihrer Länge und namentlich in ihrem Ver- halten zu den an sie sich inserierenden Muskeln und Bändern sich genau so verhielt, wie sonst die 11. Rippe sich verhält und auch wie die zweitunterste Rippe links, so nahm ich an, es bestehe rechterseits ein Defekt der 12. Rippe und links sei die 13. Rippe nicht eine supernumeräre „zwölfte" Rippe, sondern links sei die 12. Rippe als solche vorhanden, aber sie sei dadurch der Zahl nach zur 13. geworden, dass weiter oben eine überzählige Rippe sich eingeschoben habe. Ich nahm ferner an, auch rechts sei eine solche überzählige Rippe eingeschoben worden; zugleich sei weiter unten die normale 12. Rippe ausgefallen und die Folge dieses Defektes sei eben die Bildung der Hernie gewesen. Diese Ansicht äusserte ich am Schlüsse der genannten Arbeit, p. 21, allerdings ohne eine eingehende Begründung dafür zu geben. Ich konnte das auch noch nicht thun, weil mir über das Verhalten der Wirbelkörper noch einiges unklar war, was ich im Laufe der Zeit zu klären suchte und was mir, wie ich glaube, auch voll- Ueher eine \Virl)eliiiissl)il(liing' und ihre Folizen. 581 ständig gelungen ist. Dies der Grund, warum ich nochmals auf diese Angelegenheit zurückkomme. Zudem halte ich diese Mit- teilung deshalb für interessant, weil sie auch geeignet ist, über die Entstehungsweise gewisser Defekte einigen Aufschluss zu geben und für die Genese der angeborenen seitlichen Verkrümmungen der Wirbelsäule, derScoliosis congenita von Interesse sein wird. Indem ich auf alle klinischen und anatomischen Details der obigen Arbeit verweise, teile ich die Beschreibung der Wirbelsäule mit, soweit sie mir zur Untersuchung vorlag. Zu meinem Bedauern steht mir nicht die ganze Columna vertebrar. zu Gebote, sondern nur vom Brustteil reichlich die untere Hälfte, sowie die ganze Lendenwirbelsäule. Rippen und Muskeln wurden abpräpariert, die Wirbelsäule von allen Seiten her photographiert (Taf. 12, Fig. 1—4) und nachher, da die Bilder gewisse Einzelheiten nicht genügend genau zeigten, noch gezeichnet (vgl. Taf. 13 und 14). Hierauflöste ich die einzelnen Wirbel auseinander, untersuchte und beschrieb jeden ein- zelnen, zeichnete auch die, die in ihrer Form besondere auffallende Veränderungen zeigten: vgl. Taf. 14, Fig. 5 — 10, die den lo. Kücken- wirbel und Fig. 11 — 13, die den ersten Lendenwirbel darstellen. Um über den inneren Bau des l^>. Kückenwirbels völlig ins Klare zu kommen, entkalkte ich denselben in l^icrinsäure — das Prä- parat hatte vorher in Spiritus gelegen — mit Zusatz von Milch- säure, schmolz ihn in Parafin ein und zerlegte ihn nun in eine Serie von 100 Schnitten, die ich auf Objektträger brachte und zum kleinern Teile gefärbt mit Carmin oder Safranin, zum grössern Teile ungefärbt in Canadabalsam wie andere mikroskopische Schnitte einschloss. Sie können nun mit beliebig starken Vergrösserungen untersucht werden und gestatten eine durchaus sichere Vorstellung über die Verteilung der Substantia compacta und S. spongiosa dieses abnorm gebauten Wirbels. (Siehe p. 584.) Eine ebensolche Untersuchung weiterer Wirbel schien mir überflüssig. Die Betrachtung der bis auf Knochen, Knorpel und Bänder entblössten Wirbelsäule von vorne zeigt, abgesehen von dem Mangel der untersten Kippe rechts — es ist links zufällig nach oben noch eine Kippe mehr vorhanden als rechts; die 8. Kippe rechts ist entfernt worden, während sie linkerseits vorhanden ist ~ folgendes. An der Vorderfläche der Wirbelsäule in der Gegend 582 Oscar Wyss. des 13. AVirbelkörpers besteht eine Störung in der regelmässigen Aufeinanderfolge der Wirbelkörper und der Intervertebralscheiben, die wir weiter unten genauer beschreiben werden, während die Lendenwirbelsäule in dieser Hinsicht wieder normal erscheint. Ent- sprechend dem 13. Brustwirbel ist eine leichte winklige scoliotische Verkrümmung der Wirbelsäule vorhanden, mit der Convexität nach rechts, der Concavität nach links (v^gl. Taf. 12, Ph. I). Bei der Be- trachtung der Wirbelsäule von hinten (Ph. II) ist diese schwache Scoliose der Wirbelsäule ebenfalls ganz unzweifelhaft. Viel auf- fälliger ist diese Scoliose, wenn man die processus spinosi der Wirbel sich durch eine Verbindungslinie vereinigt denkt. Hiebei resultiert eine erhebliche, ja beträchtlich scharfwinklige Scoliose mit der Convexität nach rechts, der Concavität nach links. Bei der Betrachtung der Wirbelsäule von der Seite her und nach Beseitigung der Rippen ist an der nämlichen Stelle, d. h. zwischen dem elften Brustwirbel und dem ersten Lendenwirbel eine Verschmächtigung der Wirbelsäule in sagittaler Richtung unzweifelhaft; sowohl die vordere Begrenzung der Wirbelkörper als auch die hintere Begrenzung der processus spinosi ist etwas eingesunken (Ph. III u. IV). Auf allen Photographien ist ferner die Anwesenheit von sechs wohlausgebildeten Lendenwirbeln zu konstatieren; nur der oberste bietet, namentlich bei der Betrach- tung von hinten her, erhebliche Anomalien in seiner Bildung (s. u.). Betrachten wir die einzelnen isolierten Wirbel des Präparates etwas genauer, so konstatieren wir: Der oberste Wirbel des Präparates ist der siebente Wirbelkörper und Wirbelbogen; sie sind nicht ganz vollständig, weil bei der Herausnahme bei der Sektion etwas verletzt. Was vorhanden ist, besitzt normalen Bau. Der achte Brustwirbel bietetnormalen Körper, normale Gelenk- flächen; die linke Hälfte des Wirbelbogens ist kleiner, kürzer und auch etwas schmäler als die rechte (Ph. II). Der neunte Rückenwirbel ist normal und zeigt keine Bogen- asymmetrie. Anders der zehnte Rückenwirbel. Hier ist die rechte Hälfte des Wirbelkörpers dicker, die linke etwas dünner. Der Bogen ist symmetrisch. Nach unten ist am Körper die Rippenköpfchen- Gelenkfläche beiderseits deutlich vorhanden. Die Gelenkfläche für Ueber eine 'Wirljelmissbildung und ihre Folgen. 583 den Kippenhöcker ist beiderseits gross, gut entwickelt, am Pro- cessus transversus. Beim elften Rückenwirbel ist die rechte Hälfte des Wirbel- körpers dicker, während die linke Hälfte sich nach aussen verschmälert (vgl. Fig 1. XI; auch Ph. L). In der re.chten Hälfte ist die Höhe des Wirbelkörpers =12 mm, in der linken = 10 mm. Oben am Körper sind beide Rippenhöcker und -köpfchen-Gelenk- Üächen deutlich und gut entwickelt. Der obere Gelenkfortsatz ist links grösser, rechts kleiuer. Die linke Hälfte des Wirbel- bogens ist etwas kürzer und schmäler als die rechte (vgl. Fig. 2. XI und Ph. IL). Unter dem genannten AV'irbel liegt ein Knochen, ein zwölfter Wirbel, der einen deutlichen halbenWirhelkörper darstellt (Fig.l. XII). Er ist nach unten und hinten dicht vor dem foramen vertebrale durch einen 3 mm dicken rundlichen, spongiösen Knochenzapfen mit dem nach unten davon gelegenen Wirbelkörper fest und knöchern ver- wachsen. Dieser Knochenzapfen geht durch die Intervertebralscheibe quer von oben nach unten hindurch. Nach aussen ist der Wirbel- körper dicker, nach innen dünner, keilförmig. Er trägt nach aussen und hinten einen halben d. h. l)is zur Medianebene reichenden Wirbel- bogen (Fig. 2. XII) eine gut entwickelte normal grosse Rippen- höcker-Gelenkfläche und eine ebenso beschaffene Gelenkfläehe für das Rippenköpfchen. Auch der Dornfortsatz ist vorhanden. (Jberer und unterer Gelenkfortsatz, sowie Querfortsatz ebenso. Auch trägt dieser rudimentäre Wirbel eine gut entwickelte Rippe, die etwas gestreckteren Verlauf hat. als die ihr vis-a-vis stehende unterste (12.) Rippe der rechten Seite (vgl. Ph. IL). Der nun folgende dreizehnte Brustwirbel ist hochgradig ver- bildet. Von der linken Seite her betrachtet (vgl. Fig. 3. XIII und isoliert: Fig. 5) möchte man glauben, einen normalen Wirbel- körper vor sich zu haben. Denn hier konstatiert man ausser dem Wirbelkörper (Fig. 3. XIII) den Wirbelbogen (B. XIII). der hier ganz normal aussieht; den Querfortsatz, der gleichfalls normal erscheint (Fig. 5. p. tr.); den Dornfortsatz (Fig. 5. y), der etwas kurz, etwa so wie beim elften Wirbel erscheint. Die Gelenk- flache für das Kippenköpfchen, sowie diejenige für den Rippen- höcker (Fig. 5 ß) sind normal entwickelt , ebenso die untere Gelenkfläche. Der obere Gelenkfortsatz (Fig. 5 «) ist etwas kurz. 584 Oscar Wyss. In Fig. 5 sieht man ausserdem noch die Innen- resp. Yorder- fläche des rechterseitigen supernumerären (siehe unten) zwölften Wiibelbogens und die synostotische Verwachsungsstelle d in Fig. 5 desselben mit dem processiis spinosus des ßogens des ersten Lendenwirbels (s. u.) sowie die knorpelige Spitze des processus spinosus (Fig. 5. f.). Betrachten wir den \\'irbel von vorne, so erscheint der AV'irbelkörper in seiner rechten Hälfte ungefähr doppelt so hoch, wie in seiner linken (vgl. Fig. 7). Rechts misst seine Höhe 21 mm, links 11 mm. Der Körper verjüngt sich keilförmig von rechts nach links. Die untere Fläche des Wirbelkörpers ist fast normal glatt, d. h. in der Mitte leicht nach oben, seitlich leicht nach unten gewölbt (Fig. 10.). Dagegen ist hier der abnorme, stark assymmetrische Bau des Wirbelbogens mit starker Deviation des proc. spinosus nach links hin auffällig (Fig. 10.). Die obere Fläche des Wirbels ist in zwei verschieden sich verhaltende Hälften zu scheiden, nämlich eine tieferliegende linke, von sehr ebener nur in geringem Grade etwas nach der Mitte hin ansteigender Beschaffenheit, und eine rechte, von der Mitte her nach rechts steil aufsteigende (vgl. Fig 7 o und o) Hälfte. Die Intervertebralscheibe hat dicht vor dem Wirbelkanale eine 5 mm lange, ebenso breite Lücke sy in Fig. 8 (auch in Fig. 5 bei sy, sowie in Fig. 7 bei sy sichtbar). Diese Lücke ist mit spongiöser Knochensubstanz ausgefüllt; es ist dies die knöcherne Verwachsungsstelle mit dem Wirbelnidiment XII (s. o. Seite 583 Zeile 17). Bei der Ansicht des Wirbels von der rechten Seite her (Fig. 4. XIII u. XIII R oder Fig, 9) glaubt man zwei gut von ein- ander getrennte Wirbelkörper und auch zwei völlig getrennte Wirbelbogen vor sich zu haben. Die Wirbelkörper scheinen durch eine 2 mm mächtige knorpelähnliche Masse von derselben Be- schaffenheit wie die Intervertebralscheiben geschieden. Nach vorn verschwindet diese Scheidewand (vgl. Fig. 7 sp) etwa an der Grenze zwischen dem ersten (seitlichen) und zweiten (mittlem, rep. vordem) Drittel der Vorderfläche des Wirbels (vgl. auch Fig. 1 u. f. 7.). Jenseits d. h. nach vorn und links von dieser Stelle imponiert der Wirbelkörper als ein einziger Körper. Der obere Teil des in besagter Weise horizontal setrennten Wirbel- Ueber eine Wirbelmissbilduiig und ibre Folgen. 585 körpers trägt liach oben und hinten eine gut entwickelte grosse Oelenkgrube für den Rippenkopf a, grenzt nach hinten an einen im ganzen und grossen normal gebildeten Rippenbogen (a. v. Fig. 9.). Der obere Gelenkfortsatz (Fig. 9. p. a. s.) ist in etwa normaler Grösse vorhanden ; der processus transversus (Fig. 9. p. t.) ist etwas länger, als derjenige der andern Seite (Fig. 5. p. tr.) und trägt eine gute Gelenkfläche für den l\ippenhöcker (b.). Die an diesen Wirbelbogen sich anschliessende linksseitige Wirbelbogen- hälfte ist länger und etwas schmäler als die rechte Hälfte (vgl. Fig. (). a. V.); jene verläuft mehr horizontal, letztere mehr vertical ; jene trägt einen starken processus articularis inferior (p. a. i. Fig. 6.). Der untere Teil des Wirbelkörpers, wenn er von rechts her betrachtet wird oder der in Fig. 9 bei c. v. s. als supernumerärer Wirbelkörper imponierende Teil des Wirbels stellt ein nach aussen und hinten höheres, nach vorn sich rasch verjüngendes Knochen- stück dar, das nach vorn in den Körper des 13. Wirbels übergeht (Fig. 7.). Nach hinten, gegen den Wirbelbogen hin, erscheint es durch eine dünne knorpelige Schicht abgegrenzt (ch Fig. 9). Eine obere Gelenkgrube für das Kippenköpfchen fehlt hier. Irgend eine Beweglichkeit dieses supernumerären Halb-Wirbels gegen den Körper des VS. Wirbels ist nicht vorhanden, wie das beim Schalt- wirbel XII gegenüber dem Körper des 18. Wirbels, wenn auch nur in geringem Grade der Fall war. Der Wirbelbogen, der sich an diesen rudimentären Wirbel anschliesst, existiert gleichfalls nur rudimentär; er ist wesentlich weniger gut entwickelt, als wie der W^irbelbogen, der zu dem Wirbel XII gehört (vgl. Fig. 2. XII mit Fig. 2. XIII R; oder auch Vh. II die entsprechenden Stellen, sowie Fig. 3. B. W. R. und Fig. -t. W. R. R. Er stellt einen ungefähr lanzettförmigen platten Knochen dar, der sich nach vorn stumpf keilförmig mit dem Wirbel unter Intercalation einer dünnen knorpeligen Schicht ver-. bindet (Fig. 9.). Nach oben und nach unten von ihm liegt je ein normales foramen intervertebrale; das untere ist grösser als das obere. Die Breite dieses Wirbelbogens' ist beträchtlicher, als die eines Bogens eines anderen Brustwirbels; er sieht mehr der rechten Hälfte des ersten Lendenwirbels ähnlich, als derjenigen eines Bogens eines Brustwirbels. Nach oben wie nach unten ist je ein Fortsatz^ 'vorhanden (vgl. Fig. 9), welche möglicherweise als An- 586 Oscar Wyss. deutungen eines obern resp. untern Gelenkfortsatzes anfgefasst werden dürfen; doch trägt keiner eine Gelenkfläche. Es besteht keine Spur von einem Querfortsatz. Nach hinten reicht der frag- liche Knochen nicht ganz bis zum processus spinosus des darüber und des darunterliegenden Wirbels. Von einer linksseitigen Hälfte des Rippenbogens keine Spur. Mit dem an seinem oberen Ende stark nach rechts hinüber gezogenen Processus spinosus des ersten Lendenwirbels ist das hintere Ende eines Wirbelbogenrudimentes fest und knöchern verwachsen (Fig. 2. p. sp.). Nach oben von dieser Verwachsungsstelle bedeckt eine 4 mm dicke 6 mm lange Knorpelschicht das hintere Ende des Wirbelbogenrudimentes (Fig. 9. i)'). Eine flache Leiste verläuft vom hinteren Ende gegen den als „vielleicht" unterm Gelenkfortsatz gedeuteten Vorsprung hin. Bei der Betrachtung des XIIL Wirbels von hinten (Fig 6 oder Fig, 2. XIII) fällt die Asymmetrie des Wirbelbogens a. v. auf. Die linke Hälfte des Bogens verläuft fast horizontal, die rechte fast vertikal (cf Fig. 2.). Die linke Hälfte ist schmäler, länger, nach unten convex, nach oben concav. Der processus articul. infer. sin. vorspringend; processus transversus (p. t.) und Processus articular, sup. linkerseits gut entwickelt. Dagegen ist rechterseits der proc. articul. inf. gar nicht vorhanden. An der dort sich umbiegenden Kante ist eine ganz kleine Gelenkfläche vorhanden, die mit dem überzähligen Wirbelbogen articuliert. Sie liegt nach hinten vom foramen intervertebrale. Der obere Gelenkfortsatz (p. a. s.) ist links kleiner, rechts grösser; nach aussen davon und etwas nach unten gegen den Processus transv. hin sind rechts und links die rechts grössere, links kleinere Gelenkfläche für das Rippenköpfchen sichtbar (/:? u. b). Der erste Lendenwirbel (Fig. 1 bis 4. I bis IV und Fig. 11 bis 18) misst in seiner rechten Körperhälfte 14, in der linken 18 mm Höhe, ist also rechts etwas höher, links etwas niedriger. Die obere Fläche ist nach aussen und rechts hin oben concav ; gegen den linken Rand des Körpers hin nach oben convex. Die untere Wirbelfläche ist nach unten concav. Die vorhandenen pro- cessus costarii c. c. sind 12 mm lang; der linke ganz wenig dicker als der rechte. Der linke processus articularis siiperior ist in der Richtung von oben nach unten breit, bildet nach hinten und aussen eine Kante; der processus springt deutlich vor, und nach vorn Ueber eine Wirhelmissbililung und ihre Folgen. 587 von demselben liegt die rundliche Rippe c. c. Nach oben geht der Processus transversus direkt in den processus articularis sup. über; ein deutlicher processus mamillaris fehlt. Rechterseits ist nach hinten vom processus costarius ein nach hinten und aussen ge- richteter, etwas nach hinten umgebogener processus vorhanden» der abnorm ist und von dem auf der andern Seite keine Spur vorhanden ist. Er hat entschieden Aehnlichkeit in Bezug auf seine Form mit dem processus transversus eines Dorsalwirbels. Nach oben vom rechten processus costarius ist nur ein kleiner Vorsprung vorhanden, der dem processus articularis superior ent- spricht; ein Processus art. inferior fehlt hier gänzlich. Der pro- cessus spinosus ist kurz; der Wirbelbogen asymmetrisch (vgl. Fig. 12 u. 13). Die untere Begrenzung des Wirbelbogens ist noch annähernd normal configuriert (Fig. 13); die obere aber asymmetrisch , indem der processus spinosus hier 6 bis 7 mm von der Mediana seitwärts nach rechts liegt. Er ist ausserdem stark nach oben gebogen und fest (knöchern) mit dem über- zähligen von rechts her eingeschobenen keilförmigen Wirbel, d. 1k dessen processus spinosus, verwachsen (vgl, Fig. 2, XIll und I. bei p. sp). Der zweite Lendenwirbel besitzt einen nornuilen Körper. Am Bogen, der von hinten betrachtet etwas asymmetrisch er- scheint, ist die linke Hälfte etwas niedriger, und in der Richtung von rechts nach links etwas breiter; die rechte Hälfte etwas schmäler und höher (dicker). Der processus transversus beider- seits nahezu gleich beschaffen, der process. artic. sup. rechts kleiner, namentlich kürzer als links. Ein processus mamillaris, der linker- seits deutlich vorhanden ist, fehlt rechts. Der dritte Lendenwirbel besitzt auf der rechten Seite einen grössern, namentlich dickern Querfortsatz als links. Während derselbe rechts 7 mm hoch ist, beträgt diese Dimension links bloss 4V2 mm. Auch der processus articularis superior ist rechts dicker, namentlich plumper als links. Der processus transversus ist links gerade nach aussen, rechtereits nach aussen und hinten gerichtet; auch der processus artic. sup. steht rechts mehr nach hinten als links und ebenso der proc. art. infer. Dadurch erscheint der Wirbel bei der Betrachtung von oben asymmetrisch. Der vierte Lendenwirbel bietet nichts bemerkenswertes. 588 Oscar Wyss. Der riinfto Lendenwirbel hat einen rechts etwas mehr nach oben gerichteten kleineren processus transversus als links. Der sechste Lendenwirbel zeigt ebenfalls rechts einen (.'rheblieh kleinern proc. transversus als links und ebenso ist der rechte process. articular. sup. sowie auch der proc. art. infer. kleiner als der entsprechende linke Fortsatz; der letztgenannte ist zugleich mehr nach oben gerückt. Der proc. spinosus steht etwas schief; von hinten her betrachtet scheint sein oberes Ende etwas nach rechts, das untere Ende etwas nach links rotiert. Die Fläche gegen das os sacrum hin stark geneigt. Es mögen hier noch einige Angaben über die Rippen ihren Platz finden. Die rechtsseitigen untern Rippen erscheinen im Ganzen etwas kleiner als diejenigen links (vgl. Photog. I u. II). Genaue Messungen der Länge und des maximalen Umfangs der Rippen ergeben für die Rippe Nr. 7 Links Länge: 137 mm. Max. Umfang: 1^0 mm. „ S „ „ Hb „ „ „ '20 ,, „ ^» „ „ 120 „ „ „ "20 .. ,. lü „ „ 113 „ „ „ 18 .. „ .„ 11 ., „ 88 ., „ ,. 14 ., .. 1-2 ,. .. 72 „ ,. „ 11 ., Rippe Nr. 7 Rechts Länge: V mm. Max. Umfang: V mm. „ 8 „ ., U28 ,. „ ,. 20 ,. .. !» .. .. 12Ö „ „ „ -20 „ „ 10 .. „ 111 „ ,. „ 19 ,. „11 „ „ 100 „ „ ,. 17 ,. .. 1-2 „ „ 0 „ ., ., 0 .. Wie oben erwähnt wurde, zerlegte ich den dreizehnten Rücken- wirbel nach vorhergegangener Entkalkung mit Hülfe des Mikro- toms in eine Reihe von 110 Schnitten, die ich dann in gewohnter Weise teils nach voraufgegangener Färbung in den bekannten Farbstoffen, teils ungefärbt in Canadabalsam eingeschlossen habe. Wirklich in Betracht kommen hier nur die durch den Wirbel- körper gehenden Schnitte 32 bis 92; der Rest fällt bloss auf die Wirbelbogen. Ich habe schon beim Schneiden von jedem Schnitte, bevor er geschnitten wurde und noch im Paraffinblock lag, eine Konturskizze gemacht, die dann mit dem Sciopticon ums Doppelte vergrössert gezeichnet wurde. In diese Konturskizzen zeichnete ich in jedem Schnitt die Verteilung der Knochenspongiosa, des Ueber eine Wirhelmissbildimg und ihre Folgen. 589 Knorpels und der bindegewebigen Bestandteile liineiii. Aus dem so entstandenen Album teile ich wegen der bereits zahlreichen mitgeteilten Abbildungen keine mit, obwohl sie für das Verständnis des zu beschreibenden Verhaltens beigetragen und als Belege für meine Angaben gedient haben würden. Von diesen Schnittzeichnungen habe ich sodann Kopien auf Wachsplatten von Dr. Grübler in Leipzig von entsprechender Dicke gezeichnet, diese ausgeschnitten und aus den resultierenden Schnitten wieder den Wirbel zusammengesetzt, rekonstruiert. Dieses Verfahren ist mir behufs genauem Studiums der Architektonik des Wirbels, besonders seiner Innern Struktur von Herrn Dr. Felix empfohlen worden und es hat sich vorzüglich bewährt. Auch habe ich in dieser Weise ein Modell von der Spongiosa des AVirbel- körpers angefertigt. Die Schnitte trafen, wie erwähnt, erst nur den obern Wirbel- bogen der rechten Seite und vom 12. Schnitte an auch den Wirbelkörper; aber weil dieser eine abnorme Gestalt hatte, nur teilweise. Vom 12. Schnitte an bis zum 28. wurde die Verbindung des Wirbels mit dem Bogen getroffen ; bis zum 29. Schnitt üel an der Spongiosa des Wirbels niclits abnormes auf. Vom 29. Schnitt an legt sich nach vorn und rechts an den Wirbelkörper, zwischen letztern und die Verbindungsstelle mit dem Wirbelbogen, der aber hier im Schnitte nicht mehr in direkter Verbindung mit dem Wirbelkörper steht, in einer flachen Einbuchtung ein flacher, im Querschnitt ovaler Knochen von spongiöser Beschaffenheit an, der in den folgenden Schnitten (d. i. vom 30. an) nach vorn fest mit dem Wirbelkörper verschmolzen ist, sodass die Spongiosen beider Knochen in einander übergehen, während von rechts und hinten her eine Incisur oder ein siilcus besteht, wodurch eine deutliche Teilung noch angedeutet ist. In diesen sulcus hinein reicht ein Bindegewebestreif, ein bis etwa in die Mitte des Wirbelkörpers in der Richtung von hinten nach vorn ragendes Septum. In etwa der nämlichen Schnitthöhe (bei Nr. 36) gelangen auch wieder Wirbelbogenschnitte, und zwar vom zweiten (untern) rechtsseitigen Wirbelbogen in die Schnittebene. Die Teilung im corpus vertebrae verschwindet in der Folge ; im Schnitt 28 z. B. ist dieselbe zwar noch in der abnormen Anordnung der Knochenbälkchen der Spongiosa angedeutet, aber nicht mehr wirklich vorhanden, welche 590 Oscar Wyss. Andeutung auch noch in den Schnitten 40 bis 42 evident ist. Sonst sind diese Schnitte normal gross, einem vollständigen Wirbel- querschnitt entsprechend: Frontaldurchmesser 19, Sagittaldurch- messer 10 mm. In den folgenden Schnitten nimmt der Durchmesser der Schnittfläche i'asch ab; die oben angeführten Dimensionen des Querschnittes der spongiosa betragen bloss 14 und 7 mm; in Schnitt 44 und 45; dafür ist der Wirbel von einer 1 V2 bis 2V2 mm dicken Schicht derben knorpelähnlichen Bindegewebes umgeben nach vorn, rechts und hinten, nicht aber nach links, wo der Schnitt mit der Prominenz für das tuberculum costae endet. Im Schnitt 44 und folgenden erlangt der Wirbelquerschnitt wieder seine normale Grösse: z. B. in Schnitt 49 20 mm zu 12 mm. Aber hier ist wieder eine Andeutung einer Trennung durch einen senkrechten sulcus an der Oberfläche von vorne her, etwa in der Mitte in der Richtung von rechts nach links, vor- handen ; auch hier mit von vorn her sich spitz gegen die spongiosa hindrängendem Bindegewebe (50. 51) und in der spongiosa mit den entsprechenden Störungen in der Lagerung der Knochenbälkchen. In den folgenden Schnitten 52 bis 55 separiert sich die rechterseits gelegene Spongiosapartie mehr und mehr; sie wird auch kleiner, erscheint schon im Schnitt 55 vollständig abgetrennt und isoliert, und indem sie kleiner und kleiner wird, verschwindet sie voll- ständig im Schnitt 58, Begreiflicherweise ist der nun noch restierende Wirbelquerschnitt kleiner und anders gestaltet ge- worden ; sein sagittaler Durchmesser beträgt in Schnitt 60 10 mm, sein Frontaldurchmesser bloss 9 mm. Im übrigen ist durchaus nichts besonderes daran zu sehen; die Struktur der spongiosa ist ganz normal und regelmässig. Aber das bleibt nicht lange so. Schon in Schnitt 61 ist ganz nach vorn eine auffallende Anordnung der Knochenbälkchen und eine Spalte in der dünnen Oberflächen- schicht des Knochens wahrnehmbar; in den folgenden Schichten senkt sich auch das Periost sichelförmig in diese Spalte, so dass im Schnitt 65 wenigstens Vs, ja fast V2 des Wirbelkörpers von vorne her durchschnitten erscheint, worauf dann die 2 — 3 mm breite Incisur allmählich flacher wird und weiter unten der Quer- schnitt ein einheitliches gerundetes Viereck bildet, das im Schnitt 75 verschwindet: d. h, es befindet sich hier das untere Ende des Wirbelkörpers. Die übrigen 26 Schnitte treffen den Wirbelbogen lieber eine Wirbelmissbildung und ihre Folgen. 591 der linken Seite, der zum ersten Male in Schnitt 62 bemerk- bar war. Der aus Wachsscheiben rekonstruierte Wirbel stimmte sehr gut mit dem ursprünglichen überein. Die rekonstruierte spongiosa des Wirbels ist insofern weit instruktiver, als man hier Dinge sieht, die man weder am präparierten Wirbelkörper noch am rekonstruierten sehen konnte, nämlich die zwei beschriebenen sulci, durch welche der sonderbar gestaltete Wirbel gewissermassen in drei Teile geteilt oder als aus drei Teilen zusammengeschmolzen erscheint. Die aus dem Wirbelkörper herausgeschälte spongiosa würde also nicht einen rundlichen oder ungefähr kubischen Körper mit abge- rundeten Ecken und Kanten darstellen, sondern einen durch Ein- schnürungen und zwei Prominenzen unregelmässig gestalteten Knochen, der aber in seinem Innern nirgends Knorpeleinlagerungen und nirgends Knorpelbänder oder Knorpelplatten aufweist. Die an der Oberfläche nach vorn beobachtete Verteilung des Knorpel- Bindegewebes einerseits und des Knochengewebes anderseits, die eine „Verschmelzung zweier Wirbelkörper einem einzigen" anzu- deuten schien, entsprach also durchaus nicht einer derartigen Struktur der Wirbelmasse im Innern des Körpers. Wir müssen also annehmen, es handle sich um einen einzigen aus einem einzigen Knochenkern hervorgegangenen Knochen. Die abnorme Form dieses Körpers ist durch die Umgebung bedingt worden. Mit Gewnssheit geht das aus der schönen Be- obachtung von H. H. Field: „Bemerkungen über die Entwicklung der Wirbelsäule bei den Amphibien nebst Schilderung eines abnormen Wirbelsegmentes", Morpholog. Jahrbuch, XXII. Bd., ;>. Heft, p. 340 resp. 353, hervor, wo, wie Taf. XIII. Fig. 20 und besonders Fig. 21 zeigen, dass der werdende Wirbel durch ab- norme Umgebung auch eine abnorme Gestalt bekommt: Einschnitte und Prominenzen gerade wie in unserem Fall. Die an mehrfachen Stellen obiger Beschreibung erwähnten Incissuren und Trennungen und auffallenden Anordnungen der Knochenbälkchen der spongiosa, die jeweilen nur in wenigen Schnitten sichtbar sind, und die uns hinsichtlich ihrer Deutung anfangs nicht w^enig Mühe machte, fassen wir nach Hr. Dr. Felixs Erklärung als Eintrittsstellen grösserer Gefässe auf. Im Fernern haben Avir noch das Verhalten der Intervertebral- r,l)2 Oscar Wyss. schoiboii zwischen dem 10. Rücken- und 1. Lendenwirbel hervorzu- heben. Zwar ist dies Verhalten ersichtlich aus Taf. I und Tai'. IL Zwischen dem X. und XL Wirbel ist eine normale Intervertebral- scheibe vorhanden. Diejenige zwischen dem XL und XII. Wirbel ist in ihrer linken Hälfte etwa normal dick, nach rechts vom Innenrande des XII. keilförmig gestalteten Wirbels wird sie plötz- lich dicker, um ca. V^ dicker als links, und zeigt einen direkten üebergang in die Intervertebralscheibe, die zwischen dem XIL und XIII. Rückenwirbel liegt. Die rechte dicke Hälfte dieser Intervertebralscheibe trennt die rechte dicke Hälfte des XIII. Wirbels von derjenigen des XL Wirbels. Da dieses Verhalten mit Leich- tigkeit sicher konstatiert werden konnte, so wird man alle Be- rechtigung haben, eine Verschmelzung der rechten Hälfte der Intervertebralscheiben zwischen dem XL und XII. und derjenigen zwischen dem XII. und XIII. Brustwirbel anzunehmen, während diese Verschmelzung natürlich links von der Mediana nicht statt hatte, weil ja da der keilförmige XIL Wirbel zwischen lag. Summieren wir nochmals kurz die gefundenen Anomalien, so sind es also : 1. Anstatt 12 Dorsal wirbeln deren 13. 2. Der 12. Dorsalwirbel ist rudimentär; nur quasi ein halber linker Wirbelkörper, mit Wirbelbogen und mit vollständiger Rippe (natürlich bloss links). 8. Verschmelzung zweier Intervertebralscheiben rechterseits von der Mediana. ■4. Der 13. Dorsalwirbel besteht aus einer dicken rechten und einer dünnen linken Wirbelhälfte. 5. An jene schliessen sich zwei Wirbelbogen, an letztere ein Wirbelbogen an. 6. An den rechten obern Wirbelbogen und ebenso an den linken schliesst sich je eine Rippe an. 7. Anstatt 5 Lendenwirbeln sind 6 solcher vorhanden. Es muss wohl angenommen werden, dass bei dem in Frage stehenden Kinde eine grössere Anzahl von Wirbelanlagen bestanden haben müssen als normal. Da Mikrophthalmie und Mikrotie rechts bestand, haben wir die Vermutung, es möchten auch im obersten Teile der embryonalen Wirbelsäule Anomalien vorhanden gewesen sein. Dass der XIL Dorsalwirbel nur auf der einen Seite, d. h. lieber eine Wirbelmissbildung und ihre Folgen. 593 links sich entwickelte, dagegen rechts nicht, darf unseres Erachtens so gedeutet werden, dass hier eine überzählige Anlage bestand und der als XIII. Wirbel gezählte eigentlich dem XII. Wirbel entsprechen würde. Dieser XIII. Wirbel trägt also links die XIII. Rippe, rechts aber nur die zwölfte, weil ja rechts die zum XII. Wirbel eigentlich gehörende Wirbelhälfte mitsamt dem zu- gehörigen Wirbelbogen und der zugehörigen Rippe fehlt. Der XIII. Wirbel trägt nun aber links nur einen, rechts aber zwei Wirbelbögen. Dass solches vorkommen kann und bei Amphibien faktisch beobachtet ist, lehrt uns die Mitteilung von H, H. Field, der diese Anomalie zufällig bei einem Amphibium aus Florida bei Amphiuma 1. c. p. 353 u. Taf. XIII Fig. 20 u. 21 beobachtet und abgebildet hat. Dass in unserem Falle nur der eine dieser Wirbelbögen eine Rippe trägt, ist gewiss nicht sehr auifallend, und auch begreiflich, dass die obere Hälfte des XIII. Rückenwirbelkörpers diese trug, da ja die rechte Hälfte des XII. Wirbels fehlte und somit hier reichliches Bildungsmaterial für diese XII. Rippe voi-handen sein musste. Der Grund, warum der untern Hälfte des XIII. Dorsalwirbels, die doch noch einen Wirbelbogen trug, keine Rippe entsprach, ist vermutlich darin zu suchen, dass für die Entwicklung einer solchen eben das Bildungs- material nun fehlte, da die Segmentierung eine so überaus reich- liche gewesen war. Mit der mangelnden Entwicklung der rechten XIII. Rippe aber fiel auch die fehlende Entwicklung der mit ihr in Beziehung stehenden Muskeln zusammen: entstand somit in der Entwicklung der Brustwand ein Defekt, eine Lücke: ein Defekt, der entwicklungsgeschichtlich genau demjenigen entspricht, den wir früher als die Ursache der hernia ventralis erkannt haben. Wenn wir nun oben schon betont haben, der XIII. Rücken- wirbel dürfte wohl eigentlich dem zwölften entsprechen, so müsste nicht nur links die XIII. Rippe, die ja in ihrer Lagerung, in ihrem Verhalten zu den an sie sich inserierenden Muskeln genau der normalen zwölften entspricht, als wirkliche XII. Rippe aufge- fasst werden, sondern wir dürften die XII. Rippe rechts, trotzdem sie mit dem XIII. Wirbel verbunden ist, da ja die rechte Hälfte des 12. Dorsal wirbeis fehlt, und die XII. Rippe diesem somit nicht anliegen konnte, als wirkliche XII. d. h. eingeschobene oder überzählige Rippe auffassen und, da eine XIII. Rippe auf der Vierteljahrsschrift d. Naturf. Ges. Züiicli. Jahrg. XLI. Jubelbaiul II. 38 594 Oscar Wyss. rechten Seite fehlt, erklären: es fehle die XIII. Rippe. Da aber, wie wir sahen, wir die XIII. linke Rippe als die wahre letzte unterste, normalerweise XII. Rippe aufifassten, so müssen wir folgerichtig auch behaupten, es fehle rechts die eigentlich zwölfte unterste Rippe und mit ihr die zugehörigen Muskeln etc. : kurzum, das Resultat unserer Untersuchung lehrt uns, dass wir es wirk" lieh mit einem Defekte der untersten Rippe zu thun haben und dieser Defekt die Ursache der Bildung der hernia ventralis lateralis congenita sei. Dass mit dieser defekten Entwicklung auch eine Verschmäch- tigung der Wirbelsäule s. o. p. 582 einhergeht, erscheint uns interessant genug, um hier nochmals hervorgehoben zu werden. Dass ferner durch die Einschiebung des Schaltwirbels oder keil- förmigen Wirbels XII eine Scoliose bedingt wurde, ist bereits hervorgehoben und selbstverständlich; dass diese Scoliose zwar etwas ausgeglichen wurde durch die Verdickung der rechten Hälfte des Körpers des XIII. Dorsalwirbels, so dass sie intra vitam nicht auffiel, ist wohl auch bemerkenswert. Zum Schlüsse sei mir gestattet, einem aufrichtigen Gefühle des Dankes gegenüber dem Prosector des Zürcher anatomischen Listitutes, Herrn Dr. Felix, Ausdruck zu geben, der mir bei allen hier vorgekommenen anatomischen und entwicklungsgeschicht- lichen Fragen mit seinem reichen Wissen in diesen Gebieten ratend und leitend in uneigennützigster Weise zur Seite ge- standen hat. Erklärung der Abbildungen. 590 Erklärung der Abbildungen: Tafel 12. l'liolograpbieM der von den Weirldeilon befreiten Wirbelsäule. I'li. I. Untere Brust wirb elsäule (VII — XllI) und Lendenwirbelsäule I — VI (sie!) von vorn. Links ist oben eine Rippe mehr vorbanden als reclits: rechts fehlt die unterste Rippe. Dass der 13. Dorsal-Wirbel- körper abnorm gebil Burcrer 2ur:ch Vierteljalirssclirift der Naturforscheudeii Gesellschaft Zürich. Unter Mitwirkung der Herren Prof. Dr. A. HEIM und Prof. Dr. A. LANG herausgegeben von Dr. F. RUDIO, Professor am Eidgenüssischen Polytechnikum. Einundvierzigster Jahrgang. 1896. Supplement. »^^Hs Zürich, in Kommission bei Fäsi & Beer in Zürich, sowie (für Deutscldand und Oesterreich) bei J. F. Lelimann Medizinische Buchhandhmg in München. 1896. Druck von Zürcher & Furrer in Zürich. Supplement. M5^ i Astronomische Mitteilungen, gegründet von Dr. Rudolf Wolf. Kr. LXXXVII. herausgegeben von Alfred Wolfor. Beobachtungen der Sonnenflecken im Jahre 1895, Berechnung der Relativ- zahlen dieses Jahres und Vergleichung derselben mit den magnetischen Deklinat Ions- Variationen. Fortsetzung der Sonnentleckenlitteratur. Die auf der Züricher Sternwarte im Jahre 1895 fortgesetzte Sonneufleekenstatistik beruht zunächst auf den Beobachtungen, welche ich an 276 Tagen mit dem Normalfernrohr auf der Terrasse, und an 21 weiteren Tagen mit dem Münchener Handfernrohr Nr. I machen konnte und deren Resultate unter Nr. 720 der Sonnen- fleckenlitteratur mitgeteilt sind. Die Beobachtungen am Normal- fernrohr habe ich unter Anwendung des in Mitteilung LXXXVI abgeleiteten Faktors 0. 00 auf die Wolf'sche Masseinheit reduziert; für das Handfernrohr hatten, wie unten angeführt ist, korrespon- dierende Vergleichungen mit dem Normalinstrument im Mittel für das ganze Jahr den Reduktionsfaktor 1,06 ergeben. Die obigen 297 Beobachtungen führten so zur Aufstellung einer ersten Reihe von Relativzahlen, welche man in Tab. I ohne weitere Bezeichnung eingetragen findet. Zur Ausfüllung der 68 fehlenden Tage, von denen 29 auf das erste, 39 auf das zweite Semester fielen, konnten teils die parallelen Beobachtungen verwendet werden, welche Herr Assistent Fauquez und nach seinem Abgange der ihn ersetzende Herr Dr. Höffler an demselben Normalinstrumente ausgeführt hatten, zum grössten Teil aber eine Anzahl auswärtiger Beobachtungs- reihen, deren Mehrzahl ich der freundlichen Mitteilung einiger Herren Fachgenossen des Auslandes verdanke, und einige andere Vierteljahrsschril't d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Suppl. 1 2 Alfred Wf)lfer. verschiedenen Publikationen entnehmen konnte. Die Zahl dieser Hülfsreihen beläuft sich mit Einschluss der Beobachtungen der Herren Fauquez und Höffler auf 14, nämlich von Catania, Char- kow, Dorpat, Haverford, Jena, Kalocsa, Kremsmünster, Madrid, Ogyalla, Philadelphia, Rom und Schaufling, welche nach der chrono- logischen Folge ihres Einganges unter Nr. 721 — 734 der Litteratur in extenso mitgeteilt sind. Für diese habe ich durch Vergleichung mit meinen eigenen, auf Wolf reduzierten Beobachtungen wie bis- her die Reduktionsfaktoren / semesterweise abgeleitet und nach- stehend zusammengestellt. Ausserdem sind aus den in Mitteil. LXXXVI erwähnten Gründen die korrespondierenden Beobachtungen und Vergleichungen der drei dort bezeichneten Handfernröhre (H) fortgesetzt und die betreffenden Faktoren hier ebenfalls beigefügt worden. Ort I. Semester II. Semester Vgl. T^ VgL /~~ Ziirich H I .37 1.08 8.3 1.04 H II i>0 I.IG 83 1.10 H III ^26 1.16 83 J.17 ., Fauquez iiS 0.60 Höffler . . 119 O.öö Catania 137 0.70 137 0.7-2 Charkow 38 O.-öl 47 0.46 Dorpat 0.5 0.91 63 0.9-5 Haverford 97 0.70 89 0.69 Jena 94 0.88 1-26 0.89 Kalocsa 104 0.99 115 1.02 Kremsmünster 79 0.45 80 0.48 Madrid -60 0.62 79 0.65 Osyalla 53 1.42 69 1.17 Philadelphia 1.35 0.83 114 0.82 Rom 107 1.03 127 1.03 Schaufling 66 0.90 71 0.77 Unter den 68 mir fehlenden Tagen wurden durch anderweitige Beobachtungen gedeckt: 6 durch Fauquez, 4 durch Höffler, 58 durch Catania, 9 durch Charkow, 14 durch Dorpat. 40 durch Haver- ford, 32 durch Jena, 40 durch Kalocsa, 18 durch Kremsmünster, 22 durch Madrid, 10 durch Ogyalla, 53 durch Philadelphia, 44 durch Rom und 18 durch Schaufling, so dass jeder derselben min- destens doppelt, die meisten mehrfach besetzt wurden und keine einzige Lücke mehr übrig blieb. Diese Beobachtungen wurden mit den zugehörigen Faktoren auf die Wolf sehe Einheit reduziert, sodann die je auf den gleichen Tag fallenden Zahlen zu einem Mittel vereinigt und die so gewonnenen Relativzahlen unter Bei- Astronomische Mitteilungen. 3 Setzung eines * in Tab. I eingetragen, endlich die definitiven Mittel für jeden Monat und für das Jahr gebildet. Die Modifikationen, welche die aus meinen Beobachtungen allein abgeleiteten Monats- T igliche Flecken stände im Jahre 1S9 5. Tab. I. I. IT. III. IV. V. VI. VII. VIIl. IX. X. XI. XII. 1 35 101 103 65 79 71 63 65 38 119 110 16* '2 39 110 74 87* 95 76 47 85 48 142 97* 32 3 49 87 65 71 55 59 51 103 49 121 89* 58 4 76 85* 49 61 28 55 55 104 37 88 80* 38* 5 77 65 67- 76 28 70 46 109 49 105 80 51^ 6 45 50* 55 67 19 89 47* 140 53 104 50 57* 7 74 62* 56 53* 42 77* 62 133 53 68 40 55 8 41 39 70 65 39 77 80 125 53 53 37 79 9 65 46 71 72 30 88 97 96 49 37 17' 9S 10 77* 44 75 83 37 80 87 96 43 18 0* '73 11 65 41 75 87 25 70 83 82 21 18 8 106 12 51* 40* 53 83* 68 55 77 89 35* 50* 7 112 13 26 37 73* 79 56 68 80 67 54 36 25* 107* 14 18 46 53* 53 64 68 77 53 57 40 17 90*, 15 38 41 64 52 39 103 56 55 65 31 60 67 16 24* 43 85 62 34 115 46 49 75 28 68 79* 17 31* 65 64 69 41 82 54 60 57 14 55 70 ä 18 47 73* 44 44 44 73 37 64 43 14 45* 94* 19 55 58 61 52 63* 66 14 51 44 23 49* 71*; 20 34 61 59* 59 47 72* 22 56 47 27 55* 59*' 21 64 61 64 93 76* 55 26 57 47 51 42* 79* 22 57* 66 63* 76 74 59 25 32 47 66 69* 69 28 91* 7S 63* 89 103 72 37 32 50 59 46* 87* 24 67 103 42 97 155 74 25 54 58 104* 46* 98* 25 77 85* 48* 100 149 66 7 52 49 99 48* 75 i 26 73 87 53 138 138 52 7 33 95 76 36 94 27 118 120 53 105 120 58 23 48 99 101* 42* 76* 28 111 92 48* 99 HO 59 44 37 102 103 40* 60* 29 133 42 88* 97 74 41* 36 99 91 43* 43* 30 113* 44 83 76 61 29 37 115 119 14 44* 31 90 54* 60 38 37 100 54 Mittel 63,3 67,2 61,0 76,9 67,5 71,5 47,8 68,9 57,7 67,9 47,2 70,7 mittel durch die Hinzuziehung der auswärtigen Ergänzungen er- fahren, gehen aus Tab. II hervor, in welcher für die beiden Reihen I (Wolfer) und II (Wolfer + Ergänzungen) je m die Zahl der flecken- Alfred Wolfer. freien Tage, n die Zahl der Beobachtuugstage und r die Relativ zahl bezeichnet. Monatliche Fleckenstände im Jahre 1895. Tab. IL 1895 Januar . Februar März . April Mai . . Juni . . Juli . . August . September Oktober November , Dezember Jahr 7)1 n 0 24 '23 26 29 28 29 31 29 28 14 14 297 63.2 67.5 62.1 76.8 67.3 71.3 48.1 69.0 58.5 66.1 42.8 74.4 63.9 m n 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1? 0 31 28 31 30 31 30 31 31 30 31 30 31 63.3 67.2 61.0 76.9 67.5 71.5 47.8 68.9 57.7 67.9 47.2 70.7 1 V 365 64.0 Man wird bemerken, dass mit Ausnahme der beiden letzten, in Zürich wegen ungünstiger Witterung schwach besetzten Monate die Unterschiede zwischen den beiderseitigen Monatsmitteln fast durchweg innerhalb einer Einheit liegen und dass das Jahresmittel sozusagen unbeeinflusst bleibt. Somit ergiebt sich für das Jahr 1895 die mittlere beobachtete Relativzahl r = 64.0. Die Abnahme gegenüber dem Vorjahre (r = 78.0) ist etwas stärker als von 1893 auf 1894, erfolgt aber immerhin, bekannte Gesetze bestätigend, verhältnismässig langsam, wie auch aus den Monatsmitteln hervorgeht und unten noch in anderer Art nach- gewiesen werden wird. Es mag jedoch erwähnt werden, dass im November bereits ein wahrscheinlich fleckenfreier Tag aufgetreten ist, näm-lich Nov. 10. Dieser Tag fehlt in Zürich, wird aber in Catania, Jena, Kalocsa und Rom übereinstimmend als fleckenfrei aufgeführt, während in Madrid 2 Gruppen mit 3 allerdings sehr kleinen Flecken notiert worden sind, die man vielleicht zu jenen feinen Poren rechnen kann, wie sie häufig bei ruhigen Sonnenbil- Astronomische Mitteiluiisen. dem vorübergehend hervortreten ; somit würde Nov. 10., wenn auch nicht bestimmt, doch mit einiger Wahrscheinlichkeit als der erste fleckenfreie Tag seit dem jüngst- abgelaufenen Maximum zu betrach- ten sein. Der Verlauf des Fleckenphä- nomens w^ährend des Jahres ist durch die Zahlen der Tab. I in allen Einzelheiten vollständig dar- gestellt; ein übersichtlicheres Bild davon giebt der nebenstehende, gebrochene Linienzug, dessen Ordi- naten den genannten Zahlen ent- sprechen und aus dem man leicht die besonderen Eigentümlichkeiten jenes Verlaufes abliest. Die Kurve zeigt die bekannten starken Un- regelmässigkeiten in Gestalt zahl- reicher, oft von einem Tage zum andern stattfindenden Sprünge ,• sieht man aber von den kleinern und kleinsten Oscillationen ab, wie sie durch zufällige Ursachen, durch rasche spontane Veränderungen in einzelnen Fleckengruppen, durch das Erscheinen und Verschwinden von Gruppen am Rande der Sonne in- folge der Rotation der letzteren erzeugt werden, so bemerkt man eine Reihe ausgeprägter Maxima, von welchen die durch Stärke und Dauer am deutlichsten hervortre- tenden ungefähr auf folgende Epo- chen fallen. (Die Bedeutung der übrigen Zahlen wird unten ange- geben werden.) = 10*. ^"^irti . ::: — 'r^" ~ ' ~== — ■> 1 "Tri— i- 5=^=.. -==- L "-^^ — y] •=:J=: — -=^^ ~^— '^ ^^Lj- - — _!r ?^ 5 ^^^ i ^ ^ -•=:^ __- =T~ ■S=i- 1 "^t-' -r -4- ^_[__^^ -£' ^^ -=-» ^ 1 '^^ — :=^ ^TI ^S^ -^ 5-^ i ! i *-- 1 si' '"C^ ""^ \ 1 ■== __^ ' ^ — H ! ^-r < ST U ^' "tn 'T it '-^ it it^ -r- ^" "^ =^ i '' — ^. i --=j — h" i j_-H— p-""^ -^^ ■--.^ 1 a _, T -.£!:__ ■ '^'''1 _^ — ^ -:■• i it ^^- :^ ^ i4^_3r "r-i—;^- 1 ^1=*- -^^ ■"■ .^^ 1 ■■ ■ IS- 1 ^ — Frf 1 ! „ o T ^y ö O w o o Alfred Wolfer. M :ax. Zwischen- Mitte der Haupt- Zwischen- zeit Max.-Paare Minini. zeit. Jan. Fehl-. 29.1 28'' 59'" Febr. 12. Febr. 13. SO'i April Mai 24.J 28 AS Mai 10. Mai 10. 74 Juli Aug. 9.1 6.) 28 57 Juli 23. Juli 23. Sfi Okt. S2.) Okt. 29.J 27 41. Okt. l(i. Okt. 17. Dez. 12. Von den beiden kurz dauernden Maxima Juni 16. und Sept. 16. ist, wie aus meinem Beobachtungsjournal und den hier täglich auf- genommenen Sonnenbildern hervorgeht, das erstere durch plötz- liche starke Zunahme einer einzelnen, damals nahe in der Mitte der Sonne stehenden Fleckengruppe, das letztere durch gleichzei- tige Neubildung einiger kleinen Gruppen von nur wenigen Tagen Dauer erzeugt; beide sind demnach als zufällige, rasch vorüber- gehende und mit den vorigen nicht vergleichbare Steigerungen der Thätigkeit zu betrachten. Von den oben bezeichneten 9 Maxima nun gruppieren sich die 8 vorausgehenden viermal paarweise so, dass die beiden Einzel- maxima jedes Paares in einem Abstand von ca. 28 Tagen, also je nach ungefähr einer synodischen Rotation der Sonne aufeinander- folgen und jeweilen eine tiefe Einsenkung zwischen sich lassen, deren tiefster Funkt der Zeit nach etwa in die Mitte der beiden Maxima fällt ; das letzte, im Dezember auftretende Maximum steht für sich isoliert, die Beobachtungen vom Januar 1896 zeigen, dass ihm in der nächsten Rotationsperiode keine Wiederholung folgt. Die einzelnen Faare sind durch grössere Zeiträume, nämlich bezw. 59, 46, 57 und 44 Tage von einander getrennt und die Zwischen- zeiten zwischen den Mitten der 4 Faare, oder was damit nahe gleichbedeutend ist, die Intervalle zwischen den 4 Hauptminima betragen bezw. 86, 74 und 86 Tage ; das erste und zweite Haupt- minimum, ebenso das dritte und vierte liegen also je um nahe 3 synodische Rotationen der Sonne auseinander, das zweite und dritte dagegen um wenig mehr als 2\i2 Rotationen. Zwischen je zwei Maximumspaare, also in jedes der 4 Inter- Astronomische Mitteilungen. 7 valle von 59, 46, 57 und 44 Tagen fällt ein relatives Minimum von längerer Dauer, aber zugleich beträchtlich höherem Niveau als die 4 Hauptminima und zwar liegen das erste und zweite dieser Minima ersichtlich noch etwas höher als das dritte und vierte. Die 4 Hauptminima (Febr. 13., Mai 10., Juli 28. und Okt. 17.) gehen ebenfalls nicht alle auf das gleiche Niveau hinunter, sondern es tritt ein allmähliches Sinken derselben mit fortschreitender Zeit deutlich hervor. Die einzelnen Maxima dagegen lassen keine syste- matischen Höhenunterschiede erkennen, sondern halten sich mit Ausnahme desjenigen von Juli 9. auf annähernd gleicher mitt- lerer Höhe. Aus diesen Thatsachen lassen sich einige nicht uninteressante Folgerungen ziehen. Zunächst ist wohl evident, dass innerhalb jedes der obigen 4 Paare die beiden Maxima und das zwischen ihnen liegende Minimum nicht wirkliche Fluktuationen des Flecken- phänomens bedeuten, sondern dass sie nur der Ausdruck einer ungleichmässigen Verteilung der Fleckenl)ildungen auf der Ober- fläche der rotierenden Sonne sind, in der AVeise, dass je zu diesen Zeiten die Flecken während ungefähr zwei Rotationsperioden vorwiegend in einem begrenzten Gebiete von immerhin beträcht- licher Ausdehnung auftraten, in der gegenüberliegenden Halbkugel der Sonne dagegen nur relativ geringe Fleckenbildungen stattfanden. Eine vergleichende Durchsicht der von mir regelmässig zu ander- weitigen Zwecken aufgenommenen Sonnenbilder bestätigt dies vollkommen. Die wirkliche Schwankung der Fleckenhäufigkeit vollzog sich in der Weise, dass diese viermal im Laufe des Jahres zu einem Maximum anstieg, welches jedesmal sich vorwiegend auf einem bestimmten Gebiete der Sonnenoberfläche entwickelte und in diesem Gebiete durch zwei Rotationsperioden hindurch bestehen blieb, um nachher durch eine etwa 5 — 7 Wochen dauernde Periode geringerer Thätigkeit und homogenerer Verteilung derselben abgelöst zu wer- den. Der Verlauf der Fleckenkurve giebt sogar über die relative Lage dieser Maximums-Gebiete einige Anhaltspunkte: Das zweite und dritte Max. (Febr. 26. und April 26.), sowie das erste und zweite Hauptminimum (Febr. 13. und Mai 10.) sind je nahe um eine ganze Anzahl, nämlich 2 bezw. 3 Sonnenrotationen von ein- ander entfernt, also hat das zweite Hauptmaximum — im April 8 Alfred Wolfer. und Mai — sich ungefähr in dem gleichen Gebiete wie das erste — im Jan. und Febr. — entwickelt. Das vierte und fünfte Maxi- mum dagegen (Mai 24. und Juli 9.), sowie das zweite und dritte Hauptminimum (Mai 10. und Juli 23.) stehen nur wenig mehr als 1 Va, bezw. 2 72 Rotationen voneinander ab ; deshalb muss das dritte Hauptmaximum — im Juli — sich an einer andern Stelle als das erste und zweite gebildet haben, welche der vorigen ungefähr gegenüberlag, und an nahe dieser selben Stelle ist auch das vierte Hauptmaximum — im Oktober — aufgetreten, da die Abstände zwischen dem sechsten und siebenten Maximum (Aug. 6. und Okt. 2.), sowie zwischen dem dritten und vierten Hauptminimum (Juli 23. und Okt. 17.) wieder nahe 2, bezw. 3 Rotationen betragen. Mit andern Worten : In der ersten Hälfte des Jahres hat die Flecken- häufigkeit zweimal und zwar beide Male auf ungefähr demselben Gebiete der Sonnenoberfläche eir Maximum erreicht, welches je durch zwei Rotationen hindurch sich erhielt, während zwischen diesen beiden Maxima eine Periode relativer Ruhe herrschte. Der- selbe Vorgang wiederholte sich in der zweiten Hälfte des Jahres in nahe gleicher Weise, aber an einer andern Stelle der Sonnen- oberfläche, welche der vorigen ungefähr diametral gegenüberlag. Das Maximum am Ende des Jahres, das, wie schon bemerkt, sich nur während einer Rotation erhielt, folgt dem vorangehenden im Abstände von 44 Tagen, d.h. etwa IV2 Rotationsperioden und trennt sich also auch insofern deutlich von den Maxima des zweiten Halbjahres; sein Gebiet nähert sich wieder mehr demjenigen des ersten und zweiten Hauptmaximums. Die mittlere Stärke der Thätigkeit ist während des ganzen Jahres nahe dieselbe geblieben ; nur sinken in der zweiten Hälfte des Jahres alle Minima durch- weg etwas tiefer als in der ersten und deuten dadurch die langsam fortschreitende Abnahme der Thätigkeit an. Es liegt in den oben gefundenen Resultaten ein neuer Hin- weis auf die bemerkenswerte und für jede Sonnentheorie wichtige Thatsache, dass gewisse begrenzte Gebiete auf der Sonne von grösserem oder geringerem Umfange während längerer Zeiträume vorwiegend der Sitz starker fleckenbildender Thätigkeit bleiben und dass der Thätigkeitsvorgang sich auf einem und demselben Gebiete mehrmals nacheinander intermittierend wiederholen kann, eine Thatsache, welche, wie ich vor kurzem bei einigen andern Astronomische Mitteilungen. 9 Gelegenheiten') nachgewiesen habe, sich auch für die Fackel- bildungen konstatieren lässt, und welche sicherlich mehr als jede andere darauf hinweist, dass die bestimmenden Ursachen dieser Vorgänge und ihres periodischen Verlaufes nicht ausserhalb des Sonnenkörpers oder seiner unmittelbaren Umgebung zu suchen sind. Auch wird durch diese Ergebnisse auf's Neue, nach spezieller Richtung hin, die Analogie zwischen der Sonnenfleckenkurve und den Lichtkurven veränderlicher Sterne, hervorgehoben, indem hier die Rotation des Gestirnes und eine besondere Lokalisierung des Fleckenphänomens als die Ursachen gewisser Fluktuationen des letzteren erscheinen, wie sie in ähnlicher Art bei manchen Veränder- lichen auftreten und bei hinreichender Intensität der Erscheinung auch in der Helligkeit der Sonne bemerkbar werden müssten. Zugleich ist zu ersehen, dass selbst durch eine auf so ein- facher Grundlage durchgeführte Statistik wie die hier gegebene, manche Thatsachen sich feststellen lassen, welche durch die helio- graphische Ortsbestimmung und die übersichtliche Darstellung der Verteilung des Fleckenphänomens auf der Sonnenoberfläche zwar unzweifelhaft sicherer, aber nur auf einem ausserordentlich viel mühsameren und weitläufigeren Wege zu gewinnen sind. Setzt man in die für Christiania, Prag, Wien und Mailand aufgestellten neuen Variationsformeln (vgl. Mitt. 86) V = 4'.89 — 0.040 r Christiania y = 6.00 -f- 0.040 r Prag V = 5.62 ^ 0.040 r Wien V = 5.67 - 0.040 V Mailand die für das Jahr 1895 abgeleitete mittlere Relativzahl r = 64,0 ein, so ergeben sich die in dem ersten Teil der Tab. III aufge- führten berechneten Variationen und deren Unterschiede gegenüber den wirklich beobachteten Werten, wie sie unter Nr. 735-38 der Litteratur mitgeteilt sind. Die Uebereinstimmung zwischen den nach der Formel berechneten und den beobachteten Zahlen ist auch in diesem Jahre für jede einzelne der 4 Stationen eine sehr befriedigende, noch vollkommener für das Mittel aller 4 zu- sammen, indem das Mittel der 4 Unterschiede Beobachtung-Rech- nung nur 0.'04 beträgt. Zur Vergleichung enthält Tab. III die '■) Astronom. Mitteil. Xr. 85 und Vierteljahrsschrift der naturf. Ges. zu Zürich. Juhelbd. II. 10 Alfred Wolfer. entsprechenden Zahlen für die letzten zehn Jahre und die beige- fügte graphische Darstellung, in welcher die voll ausgezogene Kurve im Mittel für die 4 Stationen die Ueberschüsse der beobachteten Variationen über die konstanten Glieder der Variationsformeln, die punktierte aber die entsprechenden Ueberschüsse der berech- neten Variationen, also die Werte 0.040 r und damit zugleich den Verlauf der Sonnenfleckenhäutigkeit selbst darstellt, zeigt deutlich, wie vollkommen der Parallelismus beider Erscheinungen sich erhält. Die Vergleichung der Monatsmittel der Relativzahlen und Variationen ist im zweiten Teil der Tab. III in der bisherigen Form gegeben, indem für jeden Monat die vom jährlichen Gange der Variation nahe unabhängigen Inkremente der letzteren seit dem gleichnamigen Monat des Vorjahres den entsprechenden Zu- nahmen dr der Relativzahlen und den daraus berechneten h. dr gegenübergestellt sind. Die beiden ersten Kolumnen enthalten diese Zunahmen dr und die darnach für 1895 zu erwartenden Zu- nahmen der Variationen dv' = 0.040 dr, die 4 folgenden Ko- lumnen sodann die an den 4 Stationen wirklich beobachteten Werte dv'' dieser Zunahmen, die letzte Kolumne deren Mittel. Die Vergleichung derselben mit den berechneten Werten dv' liefert indessen ein w^enig befriedigendes Ergebnis, indem zwischen den beiden Reihen namentlich in der Mitte des Jahres sehr starke Divergenzen auftreten. Zum nicht geringen Teil sind dieselben der Methode der Vergleichung selbst zuzuschreiben, insofern bei dieser jede Abweichung vom parallelen Verlaufe beider Erscheinungen, welche innerhalb eines bestimmten Jahres auftritt, sich auch bei demselben Monat des folgenden Jahres geltend macht. Man vergleiche hiefür, um nur einen Fall hervorzuheben, die beiden Monate Juni 1894 und 1895; im Jahre 1894 (vgl. Mitteil. Nr. 86 p. 210) steht für diesen Monat dem starken sekundären Maximum der Sonnenflecken eine ungewöhnlich starke sekundäre Abnahme der Variationen gegenüber, welcher es zum grossen Teile zuzu- schreiben ist, dass im Jahre 1895 sodann eine beträchtliche Zu- nahme der Variation gegenüber dem Vorjahre sich bemerkbar macht, ohne dass in den Relativzahlen, bezw. den dv' etwas ähn- liches angedeutet ist. Es kann also bei dieser Art der Ver- gleichung der Fall häufig eintreten, dass zutreffende Korrespon- Astronomische Mitte ihm treu. 11 Verffleichuuff der Relativzahlen und niag'net. Variationen. Tab. 111. 2.0 ^ 1895 r Berech. V Chris- tiania Pra? Wien Mailand Mittel Beob. 64,0 7',29 8',67 8',35 8',28 8',15 Berech. — 2',56 7,45 8,56 8,18 8,23 8,11 Ditf. — — —0,16 +0,11 +0,17 +0,05 +0,04 1894 78,0 3,12 +0,27 —0,10 —0,02 +0,07 +0,05 1893 84,9 3,40 +0,87 +0,19 —0,10 + 1,07 +0,51 1892 73,0 2,92 -0,45 -0,27 —0.05 -0,23 —0,25 1891 35,6 1,42 0,00 0,00 +0,64 +0,22 +0,22 1890 7,1 0.28 + 0,10 -0,12 +0,22 + 0,19 +0,10 1889 6,3 0,25 -0,06 -0,26 +0,14 -0,25 —0,11 1888 6,7 0,27 +0,28 +0,37 +0,70 —0,11 +0,31 1887 13.1 0,52 —0,10 +0,20 +0.67 +0,01 +0,20 1886 25,4 1,02 +0,50 —0,02 +0,25 —0,45 +0,07 1885 52,2 2,09 +0,08 —0,26 —0,17 -0,37 —0,18 1894/95 (Ir dv' ßerech. dv" (Beöb.) Mittel Jan. — 19,9 — 0'.80 -2'.41 — r,03 O',00 -2',27 —1,43 Febr. —17,4 —0,70 -2.75 —0,36 —0,87 — 1,61 -1,40 März + 8,7 +0,35 —0,95 — 0,75 +0.57 —1.16 —0,57 April - 4,7 -0,19 -1,14 -0,10 -0,27 -0,85 —0,59 Mai - - 33,7 -1,35 -0,56 +0,05 -0,15 -0,60 -0,32 Juni —27,4 -1,10 +2,26 +2,37 + 1,03 + 1,88 +2,11 Juli -58,2 —2,33 +0,61 +0,40 —0,41 +2,98 +0,90 Aujr. - 1,4 —0,00 —3,10 —2,49 -2,36 -1.70 —2,41 Sept. — 8,2 -0,33 —0,84 -1,08 — 1,03 -1.26 — 1,05 Okt. -- 7,6 -0,30 —0,67 —0,30 +0,82 —1,03 -0,30 Nov. - 9,4 -0,38 —0,68 —0,20 —2,09 -1,01 — 1,00 Dez. + 10,7 + 0,43 -1,64 —0,68 -0,59 —0.34 —0,81 Jahr -14,0 i —0,56 —0,99 —0,35 -0,37 -0,58 —0,57 Magnet. Deklinations-Variationen {v — a). Sonnenflecken-Relativzahlen {h. r). / ^ ^ /, y // ^ v >s *r=;^^ ^7^ 0.0 ly85 80 87 88 89 90 91 93 94 95 12 Alfred Wnlfer. denzen im Einzelverlaufe beider Erscheinungen durch zufällige Anomalien teilweise oder ganz verwischt und selbst in das Gegen- teil verwandelt werden, und hierin liegt ein Mangel der Methode, so bequem diese auch sonst den Einfluss des jährlichen Ganges in den Variationen zu eliminieren gestattet. Anderseits gilt von den Variationen dasselbe, was bezüglich der Relativzahlen aus einer Vergleichung der Tab. II mit der Fleckenkurve auf pag. 237 her- vorgeht, dass nämlich die Monatsmittel derselben keineswegs ein richtiges Bild von den sekundären Schwankungen geben, welche neben dem regelmässigen jährlichen Gange der Variation noch stattfinden, sondern dass dieselben nur in stark verwischter Weise zum Ausdrucke gelangen. Es ist deshalb beabsichtigt, in Zu- kunft die bisherige Art dieser Vergleichung durch eine auf etwas anderer Grundlage beruhende, Avenn nicht zu ersetzen, doch zu ergänzen, und soweit die dafür erforderlichen Rechnungen bis jetzt durchgeführt sind, stellen sie zugleich einige nicht uninteres- sante Resultate über den Verlauf des jährlichen Ganges der Variationen in Aussicht. Im Anschlüsse an die Uebersicht der Resultate der Sonnen- fleckenstatistik für 1895 folgt hier als Fortsetzung der Sonnen- fleckenlitteratur die Zusammenstellung der benutzten Einzelbe- obachtungen. 720) Alfred Wolf er, Beobachtungen der Sonnenflecken auf der Sternwarte in Zürich im Jahre 1895 (Forts, zu 702). Instrument: Fernrohr von S cm Oeffnung mit Polarisationshelioskop nnd Okular von 64-facher Yergrösserung. * bezeichnet Beobachtungen mit dem Handfernrohr I. l§9o 1§9.5 1895 1895 1895 1895 I 1 3.5 * I 20 4.17 II 10 - 2 3.9 * - 21 5.56 - 11 - 3 5.31 - 24 8.31 - 13 - 4 7.56 - 25 7. .58 - 14 - 5 6.68 - 26 7.51 - 15 - 6 3.15* - 27 8.116 - 16 7 7.53 - 28 9.95 - 17 - 8 4.29 - 29 10.121 - 19 - 9 0.49 - 31 7.80 - 20 - 11 6.48 11 1 8.89 - 21 - J:j 3.13 2 8.104 - 22 - 14 2.10 - 3 9.55 - 23 - 15 .5.13 5 7.39 - 24 - 18 5.28 - 8 3.35 - 26 - 19 5.41 - 9 5.27 - 27 5.23 II 4.28 III 4.21 - 6.17 - 5.19 - 5.21 - 7.39 - 6.37 - 6.42 - 6.42 - 6.50 - 7.51 - 10.72 - 9.55 - 10.100 - 28 10.54 III 17 7.37 IV 9 1 10.71 - IS 3.14* - 10 2 7.53 - 19 4.21* - 11 3 6.49 - 21 4.24* - 13 4 6.21 - 24 2.22* - 14 5 8.32 - 26 6.28 - 15 6 7.21 - 27 6.28 - 16 7 6.33 - 29 3.40 - 17 8 6.56 - 30 3.44 - 18 9 6.59 IV 1 5.58 - 19 10 8.45 - 3 7.48 - 20 11 7.55 - 4 6.42 - 21 12 6.29 — .5 8.47 - 22 15 7.37 - 6 7.41 - 23 16 10.42 - 8 5.15* - 24 6.12* 9.48 10.45 8.51 5.38 6.27 5.-54 5.65 3.44 5.37 5.49 7.85 6.66 7.78 Astronomische MitteiliaiKen. 13 1895 1 §95 1895 1895 1895 1895 IV 25 8 87 - 26 10.130 - 27 8.95 - 28 8.85 - 30 7.68 V 1 8.51 - 2 10.59 - 3 6.32 - 4 3.16 - 5 2.26 - 6 1.21 - 7 4.30 - 8 4.25 - 9 3.20 _ 10 4.21 - 11 3.12 - 12 9.21. - 13 6.34 _ 14 7.36 - 15 4.25 - 16 3.27 - 17 4.28 - 18 5.23 - 20 6.18 - 22 (i.l4* - 23 10.71 - 24 11.149 - 25 9.158 - 26 9.11-0 - 27 10.100 - 28 9.94 - 29 6.102 - 30 7.56 - 31 6.40 VI 1 7.48 VI 2 VI 7.56 5.49 5.41 6.57 8.68 6.68 6.86 6.74 5.67 4.51 5.64 5.(i4 6.111 5.11-1 4.97 i..S2 4.70 2114.52 22] 5.48 5.70 6.61- 6.50 5.36 5.47 6.39 7.54 6.42 7.35 6.18 6.25 4 6.31 5 5.26 7 7.33 8 S..53 91 9.72 24 25 26 27 28 29 30 [ 1 Vll VIII 8. - 23 3.34 - 16! 3.47 3 4.81 - 24 4.40 - l'l 4.32 4 5.53 - 25 4.25 - 18 7.65 5 4.62 - 26 7.62 - 19I 7.63 6 6.73 - 27 8.76 - 20^ 8.87 - 7 5.79 - 28 7.115 - 211 9.149 - 8 5.63 - 29 6.109 - 22; 10.1H6 9 5.43 - 30 7.108 - 23,' 11.191 - 10 4.23 X 1 7.127 - 25- 10.203 - 11 3.16 - 2 7.160 - 28, 9.185 - 12 3.20 - 3 7.148 - 29; 6.172 - 13 4.32 - 4 5.152 - 30 7.183 - 14 4.32 - 5 5.132 - 31' 5.56 - 15 3.44 - 0 6.120 XI 1 3.34 - 16 3.28 - 8 3.66 - '"^1 5.23 - 17 4.30 9 3.46 - 6 4.38 - 18 3.32 - 10 2.30 - 7 4.38 - 19 2.16 - 11 2.22 - 8 3.16 3.18 4.24 3.19 2.12 1.7 2.13 2.37 4.90 3.84 4.95 4.102 4.102 6.108 5.112 6.105 5.102 3.85 3.56 3.52 2.31 XI 9 1.10 - 11 1.3 - 12 0.0 y - 14 4.28 - 15 5.46 - 16 5.48 - 17 5.43 - 26 5.25 XII 2 3.24 - 3 3.27 - 5 4.26 - 7 6.42 - 8 7.60 - 9 7.61 - 11 7.61 - 12 9.68 - 14 8.65 - 15 6.53 - 17 7.47 723) Sonnenfleckenbeobachtungen in Kremsmünster ; nach brief- licher Mitteilung von Herrn Prof. Fr. Schwab, Adjunkt der Stern- warte (Forts, zu 704). In.slrument: Plössl'sclies Fernrohr von 5S mm Oeffnung und 4()-facher Ver- grösserung. 1895 1895 1895 1895 1895 1895 I 5.93 5.90 4.19 3.26 5.27 8.64 8.97 12.118 11.142 13.130 II 2 10.118 II 2I1 3 15.105 - 24 5 12.66 - 25 6 9.64 - 28 7 13.75 III 1 10 9.45 - 5 15 8.30 - 8! 16 9.28 9 19 li).44 - 10 20 11.68 - 13, 10.75 15.96 15.108 10.72 9.78 8.44 10.62 12.92 12.79 8.77 III 17 8.41 IV 6 - 18 9.59 - 9 - 19 7.52 - 10 - 21 8.123 - 11 - 23 5.85 - 13 - 24 4.66 - 14 - 27 6.49 - 15 - 31 5.85 - 16 IV 3 10.57 - 17 - 4 13.72 - 21 7.52 IV 22 8.105 10.56 - 23 7.112 10.58 - 25 7.118 12.75 - 26 14.147 8.73 V 1 10.73 7.69 2 9.55 5.46 6 2.30 7.94 - 7 4.58 7.99 - 8 3.41 8.81 9 4.33 Astronomische Mitteikiiiffen. l§9o 1895 1895 l§9o 1895 189^ V Kl 8.29 VI 11 9.11^^ VII 19 1.8 VI1117 6.96 IX 8 11.60 X 9 2.22 - 11 4.26 - 17 7.11^' - 20 1.6 - 18 4.74 - 10 7.27 - 14 4.14 - 12 4.27 - 18 7.137 - 21 2.14 - 19 4.140 - 11 4.16 - 17 1.6 - 13 G.51 - 19 8.120 - 23 2.7 - 20 4.98 - 16 5.89 - 21 7.28 - U G.27 - 2i) 8.122 - 24 2.10 - 21 4.106 - 19 3.15 - 22 9.65 - 19 6.57 - 25 9.88 - 25 1.3 - 22 4.73 - 20 8.44 - 23 9.80 - 22 9.91 - 27 6.74 - 26 1.4 - 23 4.59 - 21 4.38 XI 1 7.107 - 28 11.91 - 28 5.68 - 27 2.86 - 24 6.64 - 22 4.30 - 15 7.47 - 27 10.184 - 29 6.80 - 28 5 44 - 26 6.31 - 28 4.29 - 22 7.29 - 28 8.100 - 80 6.65 - 29 5.43 - 27 5.19 - 24 6.28 - 28 6.19 - 29 9.107 VII 1 6.54 - 30 5.47 29 4.39 - 25 7.38 - 25 5.15 - 30 9.65 - 2 rx31 - 31 5.28 - 80 4.40 - 27 9.71 XII 3 4.42 - 31 8.51 - 4 5.4i) VIII 2 7.87 - 31 4.48 - 28 7.86 - 11 11.66 VI 1 5.48 - 8 7 60 - 4 10.120 IX 1 5.35 - 29 8.99 - 22 12.80 - 5 7.93 - 10 12.S2 5 9.220 2 6.34 - 30 9.125 - 23 8.59 - 6 6.49 - 11 12.87 6 11.235 3 8.47 X 1 9.142 - 28 8.55 - 8 7.78 - 12 10.109 9 11.172 4 8.50 2 8.155 - 29 6.42 9 10.107 - 14 10.50 - 10 7.189 — 5 7.33 - 4 6.125 - 10 10.96 - 16 8.87 - 11 6.150 6 10.73 7 4.6S - 11 8.71 - 17 6.27 - 18 7.78 7 8.35 - 8 2.39 724) Beobachtungen der Sonnenflecken auf dem Haynald- Observatorium in Kalocsa. Briefliche Mitteilung von Herrn P. J. Schreiber, Adjunkt der Sternwarte (Forts, zu 7U8). Die Beobachtunireu sind ;in einem l-V-.'-zöil. Refraktor bei o'ri-facher Ver- grö.ssenniK. ini projiciei-ten Sonnenhilde von :i-2 cm Durciimesser angestellt. II 189* 1895 1895 1895 1895 1895 1 4.5 11 17 ö.lti 111 27 6.11 V 5 2.5 V 81 5.17 VI 28 4 6.19 - 18 6.13 - 28 4.16 6 1.4 VI 1 8.18 - 29 11 6.29 - 19 5.12 - 30 3.20 7 4.11 - 2 5.18 - 30 13 4.12 - 20 5.18 - 31 4.18 - 8 3.10 - 3 4.22 VII 1 14 2.9 - 21 6.14 IV 3 6.19 9 3.7 - 4 5.24 - 2 17 3.7 - 22 6.16 - 5 6.14 - 10 8.9 5 5.15 - 3 18 8.7 - 23 7.20 6 6.17 - 11 3.5 6 7.27 - 4 19 4.12 - 24 7.28 - 7 6.20 - 12 3.6 - 7 5.19 - 9 20 5.19 - 25 8.26 9 7.13 - 13 3.8 9 7.30 - 10 21 6.19 III 1 7.27 - 10 7.20 - 14 3.12 - 10 5.14 - 11 22 4.22 2 6.20 - 11 7.20 - 15 2.13 - 11 4.14 - 12 23 5.24 - 5 6.10 - 12 7.19 - 16 2.10 - 12 4.11 - 13 25 5.25 8 5.22 - 15 4.17 - 18 5.13 - 13 5.13 - 14 26 7.85 9 5.18 - 16 4.16 - 19 5.17 - 14 4.18 - 15 27 7.86 - 11 4.28 - 17 4.18 - 20 6.16 - 15 5.35 - 16 30 8.33 - 16 7.21 - 22 5.25 - 21 5.17 - 16 4.27 - 17 31 8.40 - 17 5.18 - 23 6.21 - 22 6.41 - 17 4.26 - 18 5 6.22 - 18 3.10 - 24 6.86 - 23 7.34 - 18 4.21 - 19 6 3.10 - 19 4.14 - 27 6.21 - 24 8.47 - 19 4.22 - 20 10 4.8 - 21 4.25 - 30 5.25 - 25 8.33 - 20 4.20 - 21 12 3.3 - 22 4.21 V 1 5.17 - 26 9.49 - 23 4 20 - 22 14 5.6 - 23 4.18 2 6.17 - 28 8.27 - 25 5.15 - 23 15 5.10 - 25 5.12 - 8 4.13 - 29 6.23 - 26 5.20 - 24 16 5.14 - 26 3.7 - 4 3.5 - 30 6.16 - 27 5.18 - 25 5.19 5.14 5.15 5.21 4.8 5.7 5.10 6.32 6.21 6.26 4.24 5.22 6.28 6.15 5.10 4.9 4.8 1.2 3.6 2.6 2.5 3.4 2.4 1.1 16 Alfred Wolfer. 1895 1895 1^95 1895 189^ 1895 VII 26 - 27 - 28 - 29 - 30 - 31 VIII 1 3 4 6 7 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14 - 15 - 16 - 17 1.1 2.9 3.19 3.15 2.15 3.14 4.17 7.35 7.34 7.49 6.40 5.28 5.34 6.31 6.30 5.30 5.15 3.8 4.9 5.17 VllI 18 - 19 - 20 - 21 - 23 - 24 - 25 - 26 - 27 - 28 - 29 - 30 - 31 1 2 3 4 5 6 7 IX 3.13 2.13 2.15 2.20 3.11 6.15 6.15 5.7 4.4 4.9 :-!.8 3.7 4.8 4.9 5.10 5.12 4.7 4.7 6.17 5.13 IX 8 5.28 IX 29 6.25 X 29 6.23 XI 23 5.6 - 9 5.14 - 30 6.30 XI 1 5.37 - 26 5.6 - K) 5.9 X 1 7.31 2 6.44 - 27 4.8 - 11 5.7 _ 0 7.34 - 3 5.45 - 29 6.6 - 12 2.5 - 3 7.38 - 4 5.19 XII 2 3.10 - 14 4.12 - 4 6.34 - 5 3.20 - 5 5.14 - 15 .'U9 - 5 5.30 6 3.24 - 9 5.33 - 16 3.12 6 5.28 7 3.17 - 11 7.23 - 17 4.12 7 3.26 - 8 2.8 - 12 7.31 - 18 2.5 - 8 3 22 9 1.3 - 16 6.18 - 19 2.4 - 9 3.14 - 10 0.0 - 24 6.25 - 20 4.12 - 10 2.4 - 11 1.4 - 27 6.13 - 21 3.11 - 12 2.3 - 12 0.0 - 28 5.10 - 22 3.7 - 13 3.5 - 13 2.7 - 29 3.14 - 23 3.8 - 14 4.6 - 14 4.9 - 30 3.13 - 24 5.10 - 15 2.5 - 15 5.13 - 25 6.9 - 16 2.6 - 16 4.9 - 26 6.15 - 23 4.22 - 17 5.13 - 27 8.21 - 24 5.31 - 21 4.7 - 28 6.23 - 25 5.40 - 22 6.11 725) Sonnenfleckenbeobachtungen von Herrn W. Winkler in Jena. Briefliche Mitteilung (Forts, zu 705). Die Beobachtungen sind mit einem i-zöll. Steinheil'sclien Refraktor bei 80-facher Vergrösserung unter Anwendung eines Polarisationshelioskopes ge- macht. 1895 1895 1895 1895 1895 1895 I 2 3.11 11 27 8.44 lY 21 4.34 Y 25 9.99 YI 23 4.43 VII 23; - 5 3.12 - 28 0.49 - 23 4.51 - 26 S.73 - 24 5.31 - 24 - 13 2.5 III 2 6.35 - 25 6.44 - 27 8.65 - 27 5.24 - 25 1 - 14 3.8 - 3 5.33 - 26 7.41 - 28 6.49 - 28 5.29 - 261 - 16 1.3 - 4 5.22 - 27 7.55 - 29 5.35 - 29 6.34 - 27 - 17 1.1 - 5 5.13 - 30 7.43 - 30 5.27 - 30 5.20 - 28l - 18 4.20 - 6 5.15 V 1 4.23 - 31 5.26 YII 1 5.24 - 291 - 19 5.22 - 7 6.20 - 3 4.11 VI 1 2.21 - 2 4.8 - 30 - 22 3.33 - 8 4.26 - 4 3.11 - 3 2..33 - 3 5.13 - 31 1 - 24 4.25 - 9 4.31 5 1.14 - 4 2.38 - 4 4.10 YIII 1 - 26 6.67 - 10 7.32 - 6 1.11 - 6 5.47 5 3.7 2 - 27 7.53 - 11 7.32 - 7 1.6 - 7 5.33 6 2.5 3I - 28 10.80 - 12 6.24 - 8 2.19 - 8 4.47 - 7 5.19 4 - 29 IU.94 - 13 6.28 9 2.9 9 3.36 - 8 6.32 51 II 5 5.31 - 16 5.13 - 10 2.8 - 10 3.35 9 6.39 - o' - 6 4.40 - 17 3.27 - 11 2.6 - 12 5.33 - 10 6.39 7| - 7 4.28 lY 12 7.17 - 12 4.13 - 13 5.32 - 11 6.34 - 8 - 8 4.25 - 13 6.19 - 13 2.12 - 14 5.40 - 15 7.15 - 10' - 9 3.12 - 14 4.13 - 14 3.7 - 15 5.65 - 16 5.10 - lll - 13 4.12 - 15 4.9 - 16 2.16 - 16 6.77 - 17 4.12 - 12 - 16 6.18 - 16 5.21 - 19 5.23 - 17 5.62 - 18 3.4 - 13 - 23 6.41 - 17 5.28 - 20 8.22 - 18 5.63 - 19 1.1 - 14 - 24 6.41 - 18 4.27 - 21 7.38 - 19 5.57 - 20 1.1 - 15 - 25 6.50 - 19 4.28 - 23 9.33 - 20 5.39 - 21 2.9 - 16 - 26 7.42 - 20 5.32 - 24 7.63 - 22 4.25 - 22 2.4 - 17 2.6 2.5 1.2 1.5 1.5 1.16 3.20 4.20 3.29 4.37 6.49 6.76 8.81 8.109 9.113 9.99 8.92 4.66 3.24 6.45 6.58 3.13 3.8 2.28 3.32 Astronomische Milteiluntren. 17 1S95 1893 ]§95 1895 1895 1895 VIU IS 3.3ii IX 5 4.18 IX 23 3.1S X 10 2.8 XI 2 6.47 XI 23 5.12 - 19 2.41 6 5.24 - 24 4.15 - 11 2.5 - 4 5.34 - 27 4.6 - 20 3.45 _ "^ 4.18 - 25 5.14 - 14 1.4 - 5 3.37 - 30 1.3 - 21 3.57 8 6.29 - 26 5.16 - 15 2.4 - 6 3.23 XII 1 1.2 - 22 3.26 9 4.15 - 27 6.34 - 16 2.7 7 2.18 — 3 3.15 - 23 3.17 - 10 6.12 - 28 5.43 - 17 2.2 - 9 1.1 - 4 4.21 - 24 4.18 - 11 2.4 - 29 6.60 - 18 1.1 - 10 0.0 - 7 7.18 - 25 3.11 - 12 2.6 - 30 6.56 - 19 1.2 - 11 0.0 - 8 7.45 - 26 4.10 - 13 4.25 X 1 8.75 - 20 2.16 - 13 2.7 9 8.37 - 27 4.7 - 14 4.20 _ 2 7.118 - 22 3.39 - 14 4.13 - 11 9.45 - 28 3.9 - 15 3.34 - 3 6.71 - 25 4.55 - 15 4.25 - 12 9.30 - 29 3.11 - 16 3.16 - 4 5.80 - 27 6.60 - 16 4.9 - 15 8.12 - 30 3.15 - 17 2.21 - 5 6.64 - 28 6.47 - 17 3.13 - 27 4.9 - 31 3.14 - 19 2.9 - 6 7.60 - 29 8.42 - 19 3.6 - 28 3.15 IX 1 3.S - 20 3.12 - 7 3.58 - 30 8.51 - 20 4.7 - 29 3.13 2 1.1-2 - 21 3.18 - 8 3.26 - 31 6.49 - 21 4.10 - 30 3.15 3 •.i.ri - 22 3.10 u 2.20 XI 1 6.61 - 22 6.16 726) Sonnenfleckenbeobachtungen von Herrn A. W. Quimby in Philadelphia. Briefliche Mitteilung (Forts, zu 706). Die Beobachtungen sind an einem iVa-zöII. Refraictor, in den wenigen durch * ])ezeichneten Fällen mit einem !2-zöII. Handfernrohr angestellt. 1^95 1895 1895 1895 1895 1895 I 1 6.17 11 S ;i.l2 111 11 :.12 IV 16 4.42 V 20 5.26 - 2 6.20 9 4.11 - 14 5.26 - 17 4.29 - 22 5.42 - 3 6.32 - 10 4.11 - Ki 9.25 - 18 3.32 - 23 5.24* - 4 6.52 - 11 3.21 - 17 5.32 - 19 4.36 - 24 7.32 - 5 3.9 - 12 3.11 - 18 3.20 - 20 5.38 - 26 8.72 - 7 3.12 - 13 3.9 - 19 4.33 - 21 7.44 - 27 8.62 - 11 4.41 - 14 4.S - 20 2.10 - 22 7.42 - 28 6.57 - 12 4.22 - 15 5 13 - 21 4.43 - 23 6.47 - 29 5.52 - 13 3.12 - 17 6.26 - 22 4.45 - 24 7.56 - 30 5.26 - 14 2.10 - 18 7.20 - 23 5.50 - 25 8.51 - 31 5.33 - 15 3.7 - 19 6.23 - 24 3.41 - 26 8.45 VI 1 3.30 - 17 5.13 - 2(» 6.2(; - 25 3.24 V 1 4.23 _ o 5.43 - 18 7.18 - 21 5.29 - 26 5.36 - 2 5.24 — .:> 5.43 - 19 6.40 - 22 5.26 - 27 4.14 - 3 4.13 - 4 4.39 - 20 7.44 - 23 6.34 - 28 3.86 - 4 3.26 5 7.48 - 22 4.34 - 24 9.41 - 29 3.32 - 5 1.15 - 6 6.60 - 23 5.17 - 25 5.24 - 30 3.32 - 6 2.13 7 5.38 - 24 7.34 - 26 8.32 - 31 4.30 - 7 1.8* 8 5.40 - 25 6.27 - 27 10.45 IV 2 6.28 - 8 2.9 9 6.44 - 26 4.34 - 28 4.20 - 3 5.36 9 3.12 - 10 6.37 - 27 5.68 III 1 9.52 - 4 5.23 - 10 3.11 - 11 6.28 - 28 9.97 - 2 5.18 5 6.14 - 11 2.7 - 12 3.30 - 29 8.64 - 3 5.26 6 4.14 - 12 3.15 - 13 5..S2 - 31 10.70 - 4 5.22 - 7 4.12 - 13 4.14 - 14 5.52 II 1 8.72 5 5.12 9 5.23 - 14 2.14 - 15 5.72 - 2 5.22 6 6.29 - 10 5.10 - 15 3.20 - 16 5.101 3 8.32 7 6.20 - 11 7.20 - 16 2.13 - 17 5.72 - 4 6.51 - 8 5.12 - 12 7.25 - 17 3.29 - 18 4.102 — 5 3.22 9 5.27 - 14 5.31 - 18 4.24 - 19 4.83 6 3.12 - 10 6.32 - 15 4.30 - 19 5.31 - 20 4.45 VI 21 4.20 - 23 5.48 - 24 5.26 - 25 4.32 - 26 3.26 - 27 3.18 - 28 4.32 - 29 4.27 - 30 5.17 VII 1 4.10 - 2 5.17 - o 5.16 - 4 4.6 - 5 4.9 - 6 4.10 - 7 5.22 - 8 5.25 - 9 6.40 - 10 6.40 - 11 4.38 - 12 4.63 - 13 6.34 - 14 6.36 - 15 7.24 - 16 4.11 - 17 3.11 _ 18 3.6 - 19 1.6 _ 20 3.14 - 21 2.8 Viertel.iahrsschrift d. Naturf. Ges. Zürich. Jahrg. XLI. Suppl. 1896. 18 Alfred Wolfer. 1895 1§95 1§95 l§9o 1895 1§95 VI! 22 3.11 VllI 15 4.12* IX 9 4.17 X 4 6.08* X 30 6.91 XII 4 2.12 - 23 1.7 - 16 3.24* - 10 4.10 - 5 5.73 XI 1 6.90 - 5 6.21 - 24 2.5 - 17 3.20* - 11 2.8 - 6 5.104 - 3 6.64 - 6 5.16 - 25 1.1 - 18 2.28* - 12 7.30 - 7 3.40 - 4 5.75 - 7 5.7 - 26 3.12 - 19 2.30* - 14 3.23 - 8 2.22 — 5 4.50 - 11 0.44 - 27 3.18 - 20 2.25* - 15 3.28 - 9 4.21 7 3.20 - 12 5.38 - 28 3.33 - 21 2.19* - 16 4.20 - 10 2.10 - 9 1.5 - 13 7.21 - 29 3.24 - 22 2.12* - 17 3.18 - 11 2.6 - 11 1.3 - 14 7.32 - 30 3.25 - 23 2.19 - 18 2.10 - 14 2.9 - 12 1.3 - 15 5.19 - 31 3.52 - 24 4.26 - 19 2.9 - 15 2.7 - 13 2.13 - 16 7.25 VIII 1 5.53 - 25 6.32 - 20 3.16 - 16 2.10 - 15 4.11 - 17 7.19 2 6.63 - 26 4.15 - 21 3.19 - 17 1.4 - 16 4.10 - 18 7.46 3 6.64 - 27 4.8 - 22 3.18 - 18 1.6 - 18 4.13 - 19 5.32 4 6.110 - 28 3.18 - 23 3.18 - 19 2.5 - 19 5.13 - 20 5.26 5 6.54 - 29 3.11 - 24 3.15 - 20 2.16 - 21 4.8 - 21 7.46 r, 6.42* - 30 3.30 - 25 4.11 - 21 4.25 - 22 6.12 - 22 6.47 7 6.88* - 31 4.23 - 26 6.26 - 22 3.50 - 23 5.9 - 23 7.54 8 6.72* IX 1 4.12 - 27 6.45 - 23 4.56 - 27 4.7 - 24 7.43 9 5.31* _ '2 5.24 - 28 6.56 - 24 5.128 - 28 4.12 - 25 6.26 - 10 4.58* 3 5.29 - 29 6.54 - 25 5.91 - 29 4.9 - 27 8.24 - 11 5.46* 4 6.24 - 30 7.78 - 26 4.69 - 30 1.3 - 29 3,14 - 12 6.45* 5 4.19 X 1 7.106 - 27 4.62 XII 1 1.2 - 31 4.16 - 13 5.12* 6 5.16 - 2 7.234 - 28 5.55 2 3.13 - 14 5.14* 8 5.33 - 3 6.107 - 29 6.44 — o 3.20 727) Somienfleckenbeobachtungen auf dem Haverford-College Observatory in Pennsylvaiiieii. Briefliche Mitteilung von Herrn Direktor W. H. Collins (Forts, zu 710). Die Beobachtungen sind von Herrn Prof. Collins am 8-zöll. Equatorial bei 6(l-facher Vergrösseruna' gemacht worden. 1895 1895 1895 1895 1895 189 5 l 4 6.62 II 9 4.25 III 18 3.63 IV 18 3.46 V 22 5.69 VI 17 4.83 - 12 3.44 - 10 4.17 - 19 3.46 - 21 5.54 - 23 7.95 - 18 4.75 - 13 1.7 - 11 3.45 - 21 4.62 - 23 4.69 - 24 8.141 19 4.44 - 14 2.18 - 12 3.30 - 22 4.59 - 24 5.92 - 25 8.130 - 20 4.80 - 15 3.9 - 13 2.18 - 23 4.86 - 25 6.83 - 27 8.109 - 21 4.66 - 17 2.11 - 14 3.13 - 25 3.27 - 26 6.57 - 28 7.81 - 23 5.64 - 19 3.29 - 15 4.20 - 26 5.39 V 1 4.42 - 29 7.74 - 24 6.53 - 20 4.48 - 17 5.40 - 27 5.37 - 2 5.19 - 30 6.58 25 6.53 - 22 3.39 - 18 6.64 - 28 3.21 - 4 2.22 - 31 6.69 26 4.48 - 23 5.59 - 19 5.40 - 29 4.48 - 5 1.18 VI 1 5.62 - 28 5.52 - 24 6.61 - 20 5.37 - 30 3.'10 6 1.12 - 2 6M VII 15 7.36 - 25 5.42 - 21 6.49 - 31 4.29 — 7 2.24 - 3 5.69 - 16 6.25 - 26 4.51 - 22 6.40 IV 3 5.41 - 9 3.25 5 5.55 - 17 5.18 - 27 4.111 - 26 9.54 - 5 5.16 - 10 2.14 - 6 6.80 - 18 4.11 - 28 8.117 - 27 10.81 9 6.48 - 11 2.14 7 5.66 19 1.7 - 29 10.98 III 1 6.45 - 10 8.42 - 12 2.13 8 4.51 - 20 2.12 - 31 7.71 - 3 5.31 - 11 7.36 - 13 3.18 - 10 4.61 - 21 2.16 II 3 7.39 - 5 6.17 - 12 7.41 - 15 2.32 - 13 5.55 - 22 3.15 - 4 6.75 9 4.32 - 14 5.36 - 17 4.23 - 14 5.65 - 25 1.3 - 5 6.52 - 10 4.38 - 15 5.51 - 19 4.26 - 15 5.106 - 26 2.16 - 6 3.18 - 14 O Or7 O.Ol - 17 5.41 - 20 5.34 - 16 5.105 27 3.24 Astronomische Mitteiluniien. 19 1^95 1895 1§95 1§95 1895 1895 VII 28 2.28 VIII 18 2.70 IX 14 3.21 X 10 2.7 XI 1 5.86 XI 30 1.3 - 29 3.22 - 19 2.49 - 15 4.30 - 11 3.8 - 3 5.50 XII 3 3.20 - 31 3.5.J - 20 2.70 - 16 4.35 - 14 5.23 - 4 5.74 - 4 3.19 VIII 1 8.70 - 21 2.35 - 19 3.17 - 17 2.7 - 5 3.53 - 5 3.26 2 6.85 22 2.30 - 20 4.32 - 18 1.3 - 9 1.6 6 4.28 3 6.111 - 23 5.32 - 21 4.36 - 19 2.12 - 11 1.4 - 11 6.51 4 6.102 - 24 4.36 - 23 4.31 - 20 2.18 - 12 0.0 - 12 5.44 5 5.121 - 25 7.30 - 25 5.28 - 21 4.27 - 13 2.12 - 14 7.52 8 4.16(1 - 26 3.13 - 26 6.42 - 22 3.60 - 16 5.25 - 15 7.38 9 4.145 IX 4 6.56 - 27 6.54 - 23 4.69 - 18 3.10 - 16 7.29 - 10 5.141 - 5 4.29 - 30 7.84 - 24 6.89 - 19 6.19 - 22 5.47 - 11 5.101 8 5.40 X 1 6.99 - 25 7.94 - 21 4.10 - 24 8.57 - 12 6.78 9 3.16 - 2 7.143 - 26 5.115 - 22 6.13 - 25 6.37 - 13 6.50 - 10 3.12 - 3 0.110 - 27 5.89 - 23 5.7 - 27 7.34 - 14 4.17 - 11 2.4 - 5 4.70 - 28 4.71 - 27 4.0 - 15 4.24 - 12 3.12 6 5.93 - 29 6.61 - 28 4.12 - 16 6.48 - 13 5.24 - 7 3.69 - 30 5.41 - 29 4.6 728) Beobachtungen der Sonnenflecken auf der Sternwarte in Madrid nach schriftlicher Mitteilung des Herrn Direktor Migh. Merino (Forts, zu 709). Die Beobachtungen sind cluirli Herrn Adjunkt Ventosa am Refraktor von 5 »t Fokaldistanz und 27 cm Oetlnung im jjrojicierten Sonnenbilde von 70 cm Durchmesser ausgeführt worden. 1895 1895 1895 1895 1895 1895 I 1 8.22 111 25 5.40 V 24 9.126 VII 19 2.10 VIII 22 2.49 X 12 7.23 - 2 9.29 - 29 5.40 - 27 12.57 - 20 4.15 - 23 4.24 - 13 4.8 - 3 8.29 - 30 5.54 VI 2 6.51 - 21 4.21 - 24 6.36 - 14 6.16 - 4 7.53 - 31 4.32 - 3 7.50 - 23 4.10 - 26 5.11 - 18 2.4 - 8 5.31 IV 6 6.45 - 11 5.49 - 24 3.8 - 27 5.13 - 19 4.16 - 9 6.37 8 7.57 - 12 4.29 - 25 2.3 - 28 4.17 - 20 5.17 - 11 6.48 - 19 3.57 - 14 5.43 - 26 3.10 - 29 3.21 - 21 4.27 - 19 4.37 - 20 4.45 - 16 5.85 - 27 o.lS - 30 3.15 - 28 7.89 - 23 5.63 - 22 4.65 - 17 6.77 - 30 4.55 - 31 6.20 - 30 6.76 - 24 7.55 - 25 6.70 - 21 4.56 - 31 3.43 IX 1 4 29 XI 7 4.35 - 27 6.92 - 26 9.70 - 22 5.39 VIII 1 5.41 2 6.37 9 3.5 - 29 10.84 - 27 8.80 - 26 4.27 2 6.60 4 8.34 - 10 2.3 - 31 9.67 - 28 6.70 - 27 6.37 3 6.66 9 5.26 - 13 2.14 II 8 5.36 - 29 6.89 - 28 6.62 4 7.82 - 10 6.15 - 16 6.27 - 28 10.61 - 30 6.73 - 30 5.43 5 5.92 - 11 3.8 - 23 5.10 III 3 7.37 V 1 7.50 VII 1 7.33 6 4.127 - 12 4.17 - 24 6.14 - 7 4.39 - 4 4.21 2 8.15 7 4.112 - 14 5.31 XII 2 3.22 - 9 6.48 - 6 1.14 - 3 7.13 9 5.92 - 17 3.27 - 4 3.22 - 12 4.35 - 8 4.13 5 5.22 - 10 5.87 - 18 3.15 5 4.18 - 14 4.29 9 4.21 - 6 8.32 - 11 5.80 - 21 4.31 - 7 5.24 - 15 6.34 - 11 3.13 - 8 7.66 - 12 6.81 - 25 7.21 - 8 5.36 - 16 9.34 - 12 8.35 - 12 5.76 - 13 0.48 X 3 8.106 - 12 6.74 - 20 3.89 - 13 7.46 - 14 7.54 - 15 6.19 4 7.112 - 14 6.56 - 21 5.63 - 14 8.36 - 15 6.43 - 16 5.26 5 5.70 - 20 6.29 - 22 4.57 - 16 3 20 - 16 6.26 - 17 4.36 6 5.93 - 21 6.47 - 23 6.42 - 18 4.28 - 17 6.24 - 19 3.35 8 4.52 - 27 7.40 - 24 7.41 - 19 6.49 - 18 3.17 - 20 3.35 - 11 5.8 20 Alfred Wolfer. 729) Beobachtungen der Sonnenflecken auf der Sternwarte in Catania. Briefliche Mitteilung des Direktors, Herrn Prof. A. Riccö (Forts, zu 707). Die Beobacliluiigeu j-iiid wie ]>i>lier durch Herrn A. Mascari am Refraktor von 33 cm Oeffnung im projicierten Sonuenbilde von hl cm Durchmesser gemacht, worden, an den mit r bezeichneten Tagen von Herrn Prof. Riccö selbst. 1895 1§95 l§9o 1895 1895 1895 1 2 9.27 H 22 6.37 IV 17 5.43 VI 7 6.70 VII 23 4.8 IX 10 5.11 - 3 8.27 - 24 10.60 - 18 3.25 - 8 6.43 - 25 1.1 - 11 .3.7 - 5 6.45 - 26 10.461 - .20 4.41 - 9 6.59 - 26 1.2 - 12 3.8 - 6 5.65 - 27 10.48 r - 21 5.31 - 10 6.34 - 27 4.16 - 13 5.30 - 7 7.47 - 28 9.44 - 22 6.42 - 11 5.25 - 28 3.25 - 14 5.4(1 - 8 4.52 HI 1 8.30 - 23 8.58 - 12 4.20 29 -3.19 - 15 6.51 - 9 6.50 - 3 0.40 - 24 6.64 - 13 5.34 - 30 2.30 - 16 6.40 - 10 6.47 - 4 7.35 - 25 6.46 - 14 5.44 - 31 3.41 - 17 3.18 - 11 7.67 5 7.19 - 26 8.63 - 15 5.65 VIII 1 .5.42 - 18 3.10 - 12 4.40 - 6 5.26 - 27 7.-57 - 16 5.85 2 6.40 - 19 2.5 - 13 3.35 r — 7 4.83 - 29 7.54 r - 17 4.67 3 6.72 - 20 4.18 - 14 3.20 - 8 4.32 - 30 6.46 r - 18 4.49 4 7.66 - 21 3.23 - 15 5.17 - 9 4.43 Y 1 6.31 - 19 4.40 — 5 6.76 - 22 5.27 - 16 4.21 - 10 5.56 - 2 8.37 - 20 4.20 6 7.1-35 - 23 .3.11 - 17 3.27 r - 13 5.49 - 3 4.24 - 21 4.47 7 6.48 - 24 5.15 - 18 5.27 - 14 4.37 - 4 3.15 - 22 5.37 8 7.80 - 25 6.16 - 19 4.16? - 15 5.15 - 5 2.24 - 23 5.39 9 6.123 - 20 7.21 - 20 4.48 r - 18 5.31 s 4.16 - 24 6.52 - 10 7.97 - 27 9.41 - 21 4.64 - 19 4.30 9 3.14 - 25 7.38 - 11 6.93 - 28 5,47 - 22 4.45 - 20 3.39 - 10 4.22 - 26 5.-33 - 12 5.52 - 29 6.52 - 23 6.83 - 21 4.39 - 11 3.9 - 27 5.26 - 13 6.48 - 30 7.60 - 24 6.58 - 22 4.36 - 12 7.16 - 28 5.-34 - 14 6.31 X 1 8.102 - 25 7.90 - 23 5.27 - 13 5.21 - 29 7. .37 - 15 4.19 _ 2 7.49 - 26 8.84 - 24 6.32 - 14 5.33 - 30 6.42 - 16 5.24 — o 7.97 - 27 9.67 - 25 5.23 - 15 4.34 VII 1 7.42 - 17 5.42 - 4 6.52 - 28 8.1(11 - 26 4.22 - 16 3.18 - 2 8.19 - 18 3.24 5 5.58 - 29 8.71 - 27 6.14 - 17 5.27 - 3 5.15 - 19 3.29 - 6 6.78 - 30 10.72 - 28 .5.22 - 18 4.19 - 4 5.24 - 20 4.38 n 3..58 II 1 8.60 - 29 4.36 - 19 5.29 - 5 5.10 - 21 2.39 - 8 3.46 - 2 8.74 - 30 5.41 - 20 5.39 - 6 5.23 22 2.43 9 3.41 - 3 8.34 - 31 4.23 - 21 5.35 - 7 6.19 - 23 3.25 - 10 2.5 - 4 7.65 1\ 1 3.9 - 22 5.55 - 8 7.48 - 24 5.30 - 11 2.5 - 5 7.50 - 2 7.30 - 23 7.56 9 9.65 - 25 6.27 - 12 6.13 - 6 4.36 - 3 6.34 - 24 7.42 - 1(1 7.43 - 26 4.12 - 13 8.7 V - 7 4.38 - 4 5.28 - 26 9.5:5 - 11 7.58 29 3.20 - 14 4.8 - 8 4.22 5 8.31 - 27 10.68 - 12 4.29 - 30 3.13 - 15 4.13 - 9 6.33 - 6 6.41 - 28 9.61 - 13 6.52 - 31 4.11 - 16 2.10 - 10 6.26 - 8 8.43 - 29 7.41 - 14 7.47 IX 1 4.23 - 17 2.8 - 11 4.36 - 9 7.40 - 30 7.30 - 15 6.37 ' 2 5.33 - 19 2.7 - 13 4.22 - 10 8.37 - 31 8.33 - 16 5.16 3 5.20 - 21 4.16 - 14 6.16 - 11 9.32 VI 1 5.32 - 17 5.26 4 7.30 - 22 4.14 - 16 5.35 - 12 8.32 - 2 6.35 - 18 5.13 5 6.22 - 23 5.41 - 17 6.24 - 13 7.42 _ o 6.41 - 19 2.8 6 6.33 - 24 5.65 - 18 7.20 - 14 5.32 - 4 5.46 - 20 3.7 7 5.24 - 25 6.40 - 19 6.19 - 15 5.27 - 5 6.75 - 21 2.13 8 5.26 - 26 4.74 - 20 , 6.47 - 16 5.26 - 6 5.59 - 22 2.7 9 4.28 - 27 4.123 Astronomische Mitteilungen. 21 1895 1895 1895 1895 1 895 1895 X 2X 4.10U XI 0 1.4r XI 10 6.23 XII 3 4.22 XII 12 11.86 XII 22 S.42 - 20 (3.87 - 10 0.0 - 20 7.18 - 4 3.20 - 13 11.83 - 23 7.58 - 30 6.86 - 11 1.4 - 21 4.12 5 5.22 - 14 8.56 - 24 9.56 - 31 7.71 - 12 1.3 - 23 5.6 6 6.28 - 15 6.33 - 25 8.31 XI 1 6.70 - 13 2.11 - 25 6.14 7 6.18 - 16 8.43 r - 26 0.45 - 3 6.82 - 14 5.23 - 26 5.6 - 8 7.43 - 17 8.4 Or - 27 7.42 r 6 3.31 - 15 5.24 - 28 4.7? 9 7.38 - 19 7.28 r - 29 4.25 r - 7 3.43 - 17 0.29 - 29 4.6 - 10 8.52 - 20 7.20 - 30 3.24r - 8 2.15 - 18 5.30 XII 1 3.7 - 11 0.74 - 21 5.54 - 31 4.27r 730) Beobachtungen der Sonnenflecken auf der Sternwarte in Jurjew (Dorpat) im Jahre 1895. Briefliche Mitteilung von Herrn Prof. Lewitzky, Direktor der Sternwarte. Herr Prof. Lewitzky hat nach seiner Uehernahnie der Direktion der Uor- pater Sternwarte die Soinienfleckenbeohachtungen auch an letzterem Orte in ilas Arbeitsprogramm der Sternwarte aufgenommen und deren Mitteilung zur Ergänzung der Zürchei' Beobachtungen für die Zukunft in verdankenswertester Weise anerboten. Die folgenden Beobachtungen sind mit einem Fernrohr von S cm Oeffnung im projicierten Sonnenl)ilde von ca. 20 cm Durchmesser erhalten worden durch den Assistenten der Sternwarte, Herrn Scliariie. von IV 12 — 10 und IX 15 — X 10 durch Herrn Lewitzky selbst. 1895 1895 1895 1895 1895 1895 III 8 ;!.27 IV 26 0.45 V 21 6.30 VI 30 5.17 VIII 15 4.10 IX 27 5.10 9 4.28 - 27 7.61 - 22 (;.4^ VII 1 L18 - 16 4.15 - 28 4.26 - 10 3.20 - 28 6.58 - 23 8.57 •2 5.14 - 17 5.25 - 30 4.37 - 13 4.34 - 29 7.24 - 24 8.89 3 5.10 - 19 2.31 X 1 5.42 - 18 4.28 - 30 . 6.29 - 27 8.31 4 5.16 - 20 2.30 - 3 5.44 - 19 4.27 V 1 5.26 - 28 7.39 - 5 4.10 - 21 2..39 - 6 5.37 - 20 3.69 - 2 8.28 - 29 6.37 6 4.13 - 22 2.17 _ 10 2.6 - 21 4.22 - 3 4.12 - 31 5.21 — 7 7.22 - 23 2.8 - 12 5.7 - 23 4.18 - 4 3.14 VI 2 6.24 - 12 4.39 - 24 5.27 - 14 3.7 - 24 3.28 5 2.12 3 5.32 - 14 6.31 - 26 4.10 - 15 4.8 - 27 6.23 6 1.10 - 4 2.15 - 18 3.6 - 27 5.10 - 16 2.12 - 28 3.13 — ( 2.14 - 5 4.19 - 19 1.1 - 29 3.9 - 18 2.4 - 29 3.41 - 8 2.9 0 6.49 - 20 2.4 - 30 3.10 - 19 2.7 IV 1 4.16 - 9 2.10 - 10 6.41 - 22 2.8 IX 2 4.16 _ 21 4.24 - 8 4.22 - 10 3.11 - 11 4.29 - 24 2.4 3 5.17 XI 15 5.22 - 9 5.41 - 11 3.11 - 15 5.46 - 25 1.2 4 6.21 _ 19 5.17 - 13 7.37 - 12 6.20 - 18 4.52 - 26 1.3 5 4.19 - 29 4.7 - 15 5.25 - 13 3.11 - 19 4.49 - 27 1.6 6 6.24 XII 2 3.14 - 16 4.24 - 14 2.7 - 20 4.40 - 30 2.23 7 5.24 - 3 3.19 - 17 5.29 - 15 4.19 - 21 4.25 VIII 1 4.30 - 11 3.7 - 7 3.18 - 18 3.16 - 17 3.23 - 22 4.18 3 3.51 - 15 3.25 - 18 7.28 - 19 3.23 - 18 4.19 - 23 5.42 - 9 4.58 - 18 2.4 - 20 4.16 - 20 3.17 - 19 6.33 - 26 3.15 - 11 5.53 - 24 3.10 - 24 4.52 - 20 5.31 - 28 5.27 - 12 6.43 - 25 4.8 731) Sonnenfleckenbeobachtungen von Herrn Pfarrer Max Maier in Schaufling (Bayern). Herr Pfarrer Maier verfolgt seit längerer Zeit die Erscheinungen der Sonnentlecken mit bemerkenswerter Aufmerksamkeit und Ausdauer und hatte die 22 Allred VVolfer. Fi-t'üiidliclikeit, iiiii- die iiiiclisteliciulf. nach Wolfscdior Methode ausgeführte He()i)achtniiiisreihe aus dem Jahre 1895 zu üherseuden, welche er mit einem P'raunholerscheü Fernrohr von 7 cm Oeffnunt;- und ßO-facher Vergrösserung erhalten hat. 1§95 1§95 1895 1895 189 5 189 5 I 3 4.16 lll 2 5.19 V 8 2.7 VI 29 6.22 VI 11 20 4.25 IX 25 4.9 - 7 4.30 - 4 6.12 - 9 3.6 - 30 5.18 - 21 5.24 - 26 9.17 - 13 4.6 - 5 4.8 - 10 1.6 Vll 3 5.18 22 4.26 - 27 9.18 - 14 2.11 - 8 4.17 - 11 2.4 - 4 4.11 - 23 3.8 - 28 8.31 - 15 2.4 - 9 4.16 - 12 4.9 - 9 11.43 - 24 5.15 - 29 6.24 - 16 1.2 - 10 3.11 - 14 4.12 - 10 10.28 - 26 4.6 - 30 7.44 - 17 2.2 - 12 3.6 - 23 7.43 - 11 12.3ti - 27 2.2 X 3 6.50 - 21 3.17 - 13 7.28 - 27 9.32 - 15 10.26 - 29 4.11 8 4.18 - 24 4.12 - 17 5.14 - 28 7.24 - 17 4.16 - 30 4.9 9 5.14 - 27 4.34 - 18 3.12 - 29 6.42 - 18 4.8 - 31 3.7 - 14 2.3 - 28 8.37 - 23 4.14 - 30 6.16 - 19 1.3 IX 1 5.17 - 22 8.16 - 31 8.35 - 24 4.10 - 31 6.20 - 20 2.13 2 7.13 XI 1 11.43 II 2 5.31 - 30 4.28 VI 1 6.19 - 24 2.4 3 4.8 - 11 2.3 - 3 6.26 - 31 4.24 - 6 6.33 - 26 1.1 4 4.12 - 14 5.10 - 4 7.29 IV 4 8.24 - 8 7.34 - 27 5.17 5 4.9 - 15 7.14 - 5 6.24 - 5 10.23 - 9 7.29 - 28 4.23 6 4.14 - 16 6.15 - 6 3.17 - 9 7.19 - 10 5.20 - 29 4.10 - 7 9.20 - 17 4.15 - 8 3.13 - 10 10.26 - 12 5.17 - 30 3.21 8 8.16 - 21 5.6 - 9 3.9 - 11 13.31 - 13 6.25 - 31 4.23 9 5.10 - 22 7.12 - 10 3.9 - 13 7.20 - 14 7.80 VIII 2 7.28 - 10 4.6 - 23 6.7 - 11 4.12 - 15 5.19 - 16 8.41 - 5 12.72 - 11 3.4 - 24 5.5 - 12 4.14 - 16 5.24 - 17 6.47 - 6 15.65 - Iß 6.16 - 30 1.2 - 13 4.10 - 17 6.25 - 18 6.34 - 7 13 68 - 19 2.5 XII 19 7.14 - 19 7.15 - 22 7.20 - 19 8.33 - 10 6.43 - 20 7.10 - 27 11.28 - 24 7.20 - 25 7.25 - 20 6.24 - 11 6.34 - 21 4.15 - 28 7.21 - 25 5.15 V 1 9.25 - 23 8.25 - 17 5.16 - 22 4.9 - 26 10.30 - 6 1.8 - 26 7.18 - 18 5.17 - 23 4.13 III 1 8.27 - 7 2.9 - 27 5.21 - 19 3.18 - 24 5.9 732) Beobachtungen der Sonnenflecken auf der Sternwarte des Collegio romano (Memorie della societa degli spettroscopisti italiani, raccolte e pubblicate per cura del Prof. P. Tacchini). (Forts, zu 711.) Von Herrn Prof. Tacchini werden folgende Zählungen mitgeteilt. (Die nachstehend gegebenen Fleckenzahlen sind je die Summen der in den , Memorie" getrennt aufgeführten „macchie" und „fori".) 1895 1895 1895 1895 1895 1895 I 1 5.9 I 15 1.4 I 31 7.24 II 18 5.19 lII 4 5.15 in 14 4.10 - 2 5.12 - 16 2.8 II 1 8.34 - 19 6.17 - 6 6.19 - 15 5.15 - 3 3.6 - 18 3.6 - 4 5.20 - 20 5.18 - 7 4.19 - 16 8.22 - 7 3.16 - 19 4.11 - 8 3.13 - 21 5.13 - 8 4.26 - 17 6.22 - 10 4.17 - 24 3.14 - 10 3.9 - 23 6.28 9 4.15 - 18 3.9 - 12 3.13 - 26 6.36 - 13 5.12 - 25 5.22 - 10 5.31 - 19 4.14 - 13 1.4 - 28 6.26 - 14 3.4 - 28 10.27 - 11 4.23 - 21 4.23 - 14 1.5 - 30 7.32 - 17 4.14 III 1 4.16 - 13 4.21 - 22 4.27 Astroiioiiiisrlie Mitteilungen. 23 1895 1895 1895 1895 1895 1895 111 23 4.17 V 14 5.15 VII 1 6.23 VIII Kl 4.28 IX 19 2.5 XI 8 2.8 - 24 3.14 - 15 3.12 - 2 4.14 - 11 4.29 - 20 4.11 9 1.2 - 25 3.13 - 17 3.11 - 3 5.11 - 12 6.38 - 21 3.9 - 10 0.0 - 26 3.12 - 20 5.19 - 4 5.7 - 13 5.20 - 22 3.9 - 11 1.2 - 27 6.15 - 21 5.22 - 5 4.7 - 14 4.13 - 23 3.8 - 12 1.2 - 28 3.15 - 22 6.25 - 6 4.7 - 15 3.7 - 24 4.11 - 13 2.7 - 29 3.18 - 25 8.42 - 7 6.15 - 16 3.8 - 25 5.7 - 14 3.7 - 30 4.33 - 26 7.38 - 8 7.21 - 17 4.16 - 26 6.14 - 15 4.14 - 81 4.17 - 28 6.21 9 6.27 - 18 3.12 - 27 8.21 - 16 4.11 IV 1 5.19 - 29 6.34 - K» 6.15 - 19 2.17 - 28 7.20 - 17 3.11 - 2 9.26 - 30 6.14 - 11 5.20 - 20 2.9 - 29 6.18 - 18 4.9 - 4 5.21 - 31 7.20 - 12 4.16 - 21 2.13 - 30 7.30 - 19 3.4 — ö 6.23 VI 2 5.19 - 14 9.25 - 22 2.15 X 2 7.46 - 20 5.7 7 4.14 — 3 6.25 - 15 9.19 - 23 2.11 3 7.44 - 21 4.6 - 8 5.17 - 4 4.15 - 16 6.11 - 24 5.16 - 4 5.24 - 22 6.17 - 9 5.16 5 6.32 - 17 4.15 - 25 4.10 - 5 5.18 - 25 5.9 - 10 6.14 (;') 6.19 - 18 8.8 - 26 4.10 6 6.19 - 26 4.7 - 11 7.15 — / 5.25 - 19 1.3 - 28 4.13 7 4.28 - 27 4.6 - 12 7.26 8 5.22 - 20 1.3 - 29 3.8 8 3.22 - 28 4.5 - 13 5.24 9 6.31 - 21 2.8 - 30 3.10 - 10 2.5 - 30 1.1 - 16 5.13 - Kl 4. IS - 22 2.5 - 31 Ö.7 - 11 2.4 XII 2 3.8 - 17 6.1S - 11 4.18 - 23 1.5 l.\ 1 3.5 - 12 5.6 - 3 3.17 - 18 4.18 - 13 :;.14 - 24 1.5 2 4.7 - 13 3.3 - 4 3.13 - 21 5.19 - 14 4.21 - 25 1.1 — 3 4.9 - 14 4.6 5 5.12 - 22 6.27 - 15 4.39 - 26 1 .;! •4 3.7 - 15 4.9 - 6 4.11 - 23 7.30 - 16 5.43 - 27 2.9 5 4.9 - 17 1.3 - 8 7.21 - 25 4.21 - 17 4.21 - 28 2.14 6 4.12 - 18 1.5 9 8.19 - 26 7.40 - 1« 5.21 - 29 3.17 - 7 4.11 - 19 1.3 - 14 9.23 - 27 7.39 - 19 5.15 - 30 3.10 8 5.16 - 20 2.7 - 15 7.12 - 28 6.29 - 21 4.14 - 31 4.18 9 5.14 - 21 3.9 - 19 5.19 - 30 5.26 - 22 4.21 VIII 1 6.26 - 10 4.9 - 22 3.14 - 21 6.15 V 1 5.24 - 23 3.20 - 2 5.16 - 11 3.6 - 25 4.23 - 22 6.17 - 2 6.19 - 24 5.18 - 3 6.37 - 12 2.5 - 28 4.23 - 24 8.26 - 3 4.12 - 25 7.19 - 4 7.47 - 13 5.17 - 29 6.26 - 26 10.30 - 6 1.5 - 2() 3.13 - 5 7.50 - 14 4.14 XI 2 5.36 - 28 5.12 - 10 2.8 - 27 4.16 6 8.60 - 15 3.2* - 16 6.48 5 4.46 - 19 3.42 - 9 4.21 - 22 5.76 - 12 4.87 - 21 2.25 - 7 5.64 - 21 4.53 - 10 4.62 - 23 4.123 - 21 4.90 - 23 1.12 - 12 3.44 - 24 5.164 - 20 5.40 - 25 4.147 - 22 4.68 - 24 2.14 - 14 3.50 - 30 6.94 - 23 8.80 - 27 4.97 - 23 5.107 - 28 3.73 - 22 3.63 XI 6 3.92 III 2 6.74 - 28 4.96 - 24 6.131 VIII 1 4.68 - 24 6.41 - 15 6.80 - 16 11.73 - 29 4.124 - 25 5.79 - 19 2.10U - 25 6.47 - 28 4.20 - 23 5.116 - 30 4.110 - 27 4.89 - 20 2.86 - 26 6.62 - 29 4.27 - 25 5.60 V 3 5.52 VII 2 6.34 - 21 3.94 - 28 4.47 - 30 2.12 - 29 3.99 - 7 7.66 - 3 5.34 - 23 4.56 - 29 4.127 XII 17 6.55 IV 6 4.55 8 4.22 - 4 4.44 - 24 5.76 - 30 5.241 - 26 6.50 - 8 8.88 - 26 6.228 5 5.53 - 26 5.42 X 2 5.232 - 29 4.49 - 9 8.82 - 31 6.96 - 8 6.140 - 30 3.33 - 3 5.264 - 11 7.60 VI 1 5.106 - 11 6.152 - 31 5.68 8 3.136 735) Beobachtungen der magnetischen Deklinations-Variation in Mailand. Briefliche Mitteilung von Herrn Prof. Schiaparelli. (Forts, zu 715.) Nach den Be()l)achtungen des Herrn Dr. Rajna ergeben sich für 1895 fol- gende Monatsmittel der täglichen Variation {'■2^ — 20''), welchen der Zuwachs gegen 1894 beigefügt ist. Astroiioniische Milteiluiigeii. 25 1895 Variatiuu 21' -20'' Zuwachs gegen 189 Januar ^'.70 -2'.27 Feliruar 5.23 -1.61 März 8.96 -1.16 April 11.91 -0.S5 Mai 11.23 —0.60 Juni 12.78 ■^1.88 Juli 14.89 +2.98 August 9.89 — 1.70 September 8.52 —1.26 Oktober 6.73 —1.03 November 3.58 —1.01 Dezember 2.95 —0.34 Jabr: 8.28 —0.58 736) Beobachtungen der magnetischen Deklinations- Variation in (Jhristiania. Nach brieflicher Mitteilung von Herrn Prof. Geel- muyden (Forts, zu 716). 1895 Variation 2i" — 21i' Zuwachs gegen 1 Januar 2'.21 -2'.41 Fel)ruar 4.82 -2.75 März 8.99 —0.95 April 10.77 —1.14 Mai 10.22 —0.56 Juni 12.25 +2.26 Juli 10.57 +0.61 Autjust 8.50 -3.10 Sejitember 8.02 -0.84 Oktober 5.80 —0.88 November 3.21 —0.69 Dezember 2.08 —1.65 Jahr: 7.29 —0.99 737) Beobachtungen der magnetischen Deklinations-Variation in Prag. Nach brieflicher Mitteilung des Herrn Prof. Weinek, Direktor der Sternwarte (Forts, zu 718). Die Variationen sind abgeleitet aus den Beobachtungen um 19''. ü^^ und 9''. 189.5 Variation Zuwachs gegen 1891 Januar 4'. 18 — r.03 Februar 6.66 —0.36 März 7.98 —0.75 April 11.74 —0.10 Mai 11.89 +0.05 Juni 14.16 +2.37 Juli 12.15 +0.40 August 10.05 —2.49 September 8.61 —1.08 Oktober 7.28 —0.30 November 5.29 — 0.20 Dezember 4^04 —0.68 Jahr: 8.67 —0.35 2t) Alfred Wolfer. 738) Beobachtungen der magnetischen Deklinations- Variation in ^Vien. Aus dem Anzeiger der k. k. Akademie ausgezogen, (Forts, zu 717). Die Monatsmittel der auf der hohen ^Varte hei Wien täurlich um 7''. "2^ und 9'' beobachteten Deklinationen ergeben folgende Variationen als Differenzen zwischen je dem für !2'' erhaltenen und dem kleinern der beiden übrigen Werte. 1895 Variation Zuwachs gegen 1894 Januar 4'.61 O'.OO Februar 4.84 —0.87 März 8.79 -fO.57 April 11.40 —0.27 Mai 12.23 —0.15 Juni 14.21 ~IM Juli 11.45 —0.41 August 9.61 —2.36 September 8.24 —1.03 Oktober 7.08 +0.82 November 4.72 —2.09 Dezember 3.00 —0.59 Jahr: 8.35 —0.37 Sitzungsbericlite yoii 1896. Auszüge aus den Sitzuugsprotokolleu. Sitzung vom 6. Januar 1896 auf der Zimmerleuten. ßosinii 8Vi l-lir- Präsident: Herr Prof. Dr. Kleiner. Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. lloi-r Dr. Lüdin und Herr Dr. Burri werden als Mitglieder aufgenommen. Herr Privatdozent -1. Heiorli und Prof. Dr. Schröter halten einen Vortrag über die Wetzikon-Stiibe. Herr Prof. Dr. Kleiner macht Mitteilung über ein neues Galvanometer. An der Diskussion beteiligen sich Prof. Dr. Keller und Prof Dr. Heim. Schluss der Sitzung 10 Dir. Sitzung vom 20 Januar 1896 auf der Zimmerleuten. Beginn SVi l'hr. Präsident: Herr Prof. Dr. Kleiner. Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. Der angekündigte Vortrag von Herrn Dr. Burri kann wegen Krankheit nicht statttinden. Herr Prof. Dr. Kleiner tritt in die Lücke und hält einen Vortrag: Ueber die neuen, von Röntgen entdeckten Strahlen. An der Diskussion beteiligt sich Prof. Dr. Rudio. Schluss der Sitzung 10 Uhr. Sitzung vom 3. Februar 1896 auf der Zimmerleuten. Bei-inn 8^ i Uhr. Präsident: Herr Prof. Dr. Kleiner. Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. Herr Prof. Dr. Keller teilt mit, dass Mittwoch, den 6. Februar, der bekannte Polarforscher Ritter von Payer einen Vortrag halten werde, und übermittelt den Mitgliedern eine Einladung für diesen Vortrag. Herr Prof. Dr. Werner hält sodann einen Vortrag über : Lösungsgesetze und einige ihrer Anwendungen. An der Diskussion beteiligen sich die Herren: Prof. Dr. Gramer, Dr. Overton. Prof. Dr. Lunge, Prof. Dr. Kleiner, und Dr. Schall. Schluss der Sitzung lOV* Uhr. 28 Altred Werner. Sitzung vom 17. Februar 1896 auf der Zimmerleuten. Beginn 8 Vi Uhr. Präsident: Herr Prof. Dr. Ivloiner. Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. Herr Dr. Frey und Herr Prof. Laconibe werden als Mitglieder auf- genommen. Als neues Mitglied wird Herr Dr. S. Schwere angemeldet Herr Dr. Burri hält einen Vortrag über: Die Beziehung der Mikro- organismen zum Kreislauf des Stickstoffs in der Natur. An der Diskussion beteiligen sich die Herren: Prof. Dr. Schröter, Prof. Dr. Kleiner und Prof. Dr. Werner. Schluss der Sitzung 10 Uhr. Sitzung vom 2. März 1896 im Physikgebäude des Polytechnikums. Beginn 8V4 Uhr. Präsident: Herr Prof. Dr. Kleiner. Herr Prof. Dr. Pernet hält einen Vortrag über: Röntgen'sche Strahlen mit Demonstration. Herr Dr. S. Schwere wird als Mitglied aufgenommen. Als neues Mit- glied wird Herr Assistent G. Künzler angemeldet. Schluss der Sitzung lOVt Uhr. Generalversammlung vom 18. März 1896 auf der Zimmerleuten. Beginn 8V1 Uhr. Präsident: Herr Prof. Dr. Kleiner. Die Protokolle der beiden letzten Sitzungen werden verlesen und ge- nehmigt. Herr G. Künzler wird als Mitglied aufgenommen. Der Aktuar, Herr Prof. Dr. Werner, erstattet den Bericht des Aktuars über die wissenschaftliche Thätigkeit der Naturforschenden Gesellschaft Zürich 1895—96. In den neun abgehaltenen Sitzungen der Gesellschaft wurden acht Vor- träge und drei Mitteilungen von zehn Vortragenden gehalten. a) Vorträge: Dr. Früh: Ueber neue tektonische Erdbeben, wissenschaftliche und praktische Ergebnisse. Prof. Dr. Heim: Die Gletscherlawine an der Alteis. Prof. Dr. Gramer: Incrustation und Infiltration bei Pflanzen (mit Demon- stration). J. Ileierli und Prof. Dr. C. Schröter: Ueber die Wetzikon-Stäbe. Prof. Dr. Kleiner: Ueber die neuen, von Röntgen entdeckten Strahlen. Prof. Dr. Werner: Ueber Lösung.sgesetze und einige ihrer Anwendungen. Dr. R. Burri: Die Beziehungen der Mikroorganismen zum Kreislauf dei> Stickstoffs in der Natur. Prof. Dl'. Pcrnet: [.icber Röntgen'sche Strahlen. Sitziiiiüsberirhte von iS'.Ki. 29 b) Mitteilungen: Prof. Dr. Lang: Demonstration der Weinbergschnecke. Prof. Dr. Kleiner: a) Ueber rückstandlose Kondensatoren mit festem Dielectricum; b) Ueber ein neues Galvanometer. Von diesen Vorträgen und Mitteilungen behandeln: 4 Physik, 2 Geologie, 3 Botanik und verwandte Wissenschaften, 1 Chemie und 1 Zoologie. Herr Prof. Dr. Heinrich Wild wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Im Laufe des Berichtjahres wurden 10 neue Mitglieder aufgenommen. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 255, wovon 9 Ehren-, 5 korrespondierende und 242 ordentliche Mitglieder sind. Die Gesellschaft gab im Berichtsjahre den 40. -Jahrgang der Viertel- jahrsschrift und auf den Berchtoldstag 1896 ihr 98. Neujahrsblatt heraus. Letzteres ist betitelt: „Die Gletscherlawine an der Alteis am 11. September 1895" und ist veriasst von Herrn Pi-of. Dr. Heim unter Mitwirkung der Herren Prof. Dr. Leon du Pasquier in Neuchätel und Prof. Dr. F. A. Forel in Morges. Der Bericht des Herrn Prof. Dr. Werner wird genehmigt und verdankt. Der Bibliothekar. Herr Prof. Dr. Schinz. erstattet den Bericht über die Bibliothek. Das Ergebnis der lievision kann als ein befriedigendes bezeichnet werden. Die Bibliothek weist einen Bestand von 23,608 Bänden mit 12,928 Titeln auf. Die Gesellschaft tauscht gegenwärtig mit 334 anderen Gesellschaften, Akademien, Redaktionen etc. Von diesen fallen auf die Schweiz 24, auf Deutschland 88, Oesterreich 29, Holland ti, Schweden, Norwegen und Däne- mark 13, Frankreich 26. Belgien 10, P^ngland 25, Italien 13, Spanien 5, Russ- land 13, Amerika 61 und auf Asien, Afrika und Australien 21. Der Bericht des Herrn Prof Dr. Schinz wird genehmigt und verdankt. Herr Dr. Kronauer erstattet den Rechenschaftsbericht des Quästors. Rechnung für 1895. Einnahmen: Vermögensbestand Ende 1894 Zinsen Mitgliederheiträge Neujahrsblatt Katalog Vierteljahrsschrift Beiträge von Behörden und Gesellschaften (Reg.-Rat. 1000, Stadtrat 600, Mus.- Ges. 320) Verschiedenes Fr. Rp. 72,975. 47 3,893. 35 3,472. 00 1,012. 95 64.00 94.10 1920. 00 9.55 Summa Fr. 83,451.42 Ausgaben: Bücher Buchbinderarbeit Neujahrsblatt Vierteljahrsschrift Miete, Heizung und Be- leuchtung Besoldungen Verwaltung Agio Verschiedenes Fr. Up. 3,615. 07 748. 60 1,265.20 2,147. .50 113.50 1,810. 00 570. 94 125. 00 2.90 Summa Fr. 10,398.71 30 Alfred WeiiitT. Das Gesellsehaftsvermögen betrügt somit auf Ende 1895 Fr: 7o,052. 71. woraus sich gegenüber dem Vorjalire ein Vorschlag von Fr. 77.24 ergiebt. Der Bestand des lüustrationst'ouds ist unverändert Fr. 5000 geblieben. Die Herren Rechnungsrevisoren haben die Rechnung geprüft und be- antragen der Gesellschaft Annahme derselben unter bester Verdankung, welcher Antrag einstimmig angenommen wird. Zum Fachbibliothekar für Chemie wird Dr. F. Feist gewählt. Zu Rech- nungsrevisoren werden die Herren Prof. Dr. Grubenmann und Dr. Schaertlin, Direktor der Rentenanstalt, gewählt. In den Vorstand werden gewählt: Herr Prof. Ritter als Präsident, „ „ Rudio als Vicepräsident, „ „ Schinz als Bibliothekar, " Ti "i T— 1- als Beisitzer. „ Fscher-KundigJ HeiT Prof. Dr. Rudio dankt niit warmen Worten dem abtretenden Präsi- denten, Herrn Prof. Dr. Kleiner, für seine Amtsfülirung, welchem Danke sich die Gesellschaft anschliesst- Nach der Sitzung vereinigten sich die Mitglieder zu einem gemein- schaftlichen Abendessen. Ausserordentliche Generalversammlung vom 30. Juli 1896 auf der Zimmerleuten. Beginn 87* Uhr. Präsident: Herr Prof. Ritter. Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. Als Mitglieder werden in die Gesellschaft aufgenommen: Herr Dr. med. Fr. Brunner, Herr Dr. C. Hubacher, „ Prof. Dr. A. Kraemer, ,, Prof. Fr. Becker, „ „ C. Bourgeois, „ Schellenberg, Tierarzt, ,, Seminarlehrer W. Holliger, ,, Prof. Dr. A. Herzog, „ Dr. med. 0. Wild, ,, Ed. Zürcher, Ingenieur, ., „ „ H. Eggeling, „ Dr. R. Kopp. „ Th. Vogel, Apotheker, „ A. Forrer, Apotheker. Zu Delegierten der Gesellschaft für die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft werden Herr Prof. Dr. Kleiner und Prof. Ritter ernannt. Zu Ehrenmitgliedern werden ernannt: Herr Prof. Dr.L. Hermann Königsberg. ,, „ „ G. Zeuner Dresden. ., „ „ V. Meyer Heidelberg. ., Dr. P. Choffat, Landesgeologe Lissabon. Prof. Dr. H. A. Schwarz Berlin. „ „ „ G. Frobenius Berlin. ,, „ ., J. Wislicenus Leipzig. „ E. Schär Strassburg. Sitzimgsberichte von 1896. 31 Herr Prof. Dr. A. llantzsch Würzburg. „ „ ,, F. A. Forel Morges. „ „ ,, Fr. Lang Solothurn. ,, „ „ E. Hagenbach-Bischoff Basel. „ „ „ A. Kenngott Lugano. „ ,, ,, E. B. Christoffel Strassburg. „ „ ,, C E. Hasse Hannover. ,, „ „ F. Reuleau.x Berlin. „ „ ,, R. Dedckind Braunschweig, „ Dr. E. H. Gräfte Triest. ., Prof. Dr. J. C. Eberth • Halle a/S. „ „ „ Th. Reye Strassburg. „ „ „ H. Weber Strassburg. Herr Prof. Dr. Pernet hält einen Vortrag über Röntgen'sclie X-Stralilen. An der Diskussion beteiligt sich Herr Prof. Dr. Kleiner. Schluss der Sitzung lOVi Uhr. Vom 2. bis .5. August 189(1 feierte die Gesellschaft das Jubiläum ihres 150jälirigen Bestehens. Um dem Feste die richtige Weihe zu gel)en, hatte sie die schweizerische naturforschende Gesellschaft eingeladen, ihre 79. Jalires- versammlung zu der gleichen Zeit in Zürich abzuhalten. Ueber 400 Natur- forscher waren der Einladung gefolgt, darunter 50 aus dem Auslande, meist Träger hochangesehener Namen. Am Abend des 2. August fand die Be- grüssung der Gäste in den Uebungssälen der neuen Tonhalle statt. Jedem der Gäste wurde mit der Festkarte als Gabe der naturforschenden Gesell- schaft ein Exemplar der zweibändigen Festschrift überreicht. Die erste allgemeine Sitzung wurde Montag, den 3. August, morgens 8 V'2 Uhr, im grossen Tonhallesaal durcli den Jahrespräsidenten, Herrn Prof. Heim, mit einer Gedächtnisrede auf Arnold E seh er von der Linth eröffnet. Hierauf verkündete Herr Prof. Ritter, als Präsident der Gesellschaft, die oben mitgeteilten Ernennungen zu Ehrenmitgliedern. Herr Prof. Gruben- mann, als Dekan der H. Sektion der philosophischen Fakultät der Universität Zürich, teilte sodann mit, dass diese Sektion bei Anlass des Jubiläums die tierren H. Fischer-Sigwart, A. Forel, E. Renevier und W. Ritter zu Elirendoktoren ernannt habe. Herr Prof. G. Meyer v. Knonau über- brachte die Glückwünsche der Antiquarischen Gesellschaft, der Ge- lehrten Gesellschaft (der Herren Gelehrten auf der Chorherrenstube) und der Universität, die der Redner als Rektor vertrat. Im Namen der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft begrüsste Herr Prof. F. A. Forel, als Centralpräsident, die Jubilarin ; Herr Prof. E. Hagenbach- Bischoff gratulierte namens der 17 übrigen kantonalen Gesellschaften. Gaben wurden überreicht von dem Centralkomitee und den naturforschenden Gesellscliaften von Basel, Bern, Genf, Lausanne und St. Gallen ; endlich von 32 Alfred Werner. Herrn Prof. C. Cramer. der ein Exemplar seiner Schrift: „Leben und Wirkon von Carl Wilhelm von N ä g e 1 i " überreichte. Herr Prof. F. Rudio, als Vicepräsident der Gesellschaft, übernahm es, auf alle die dargebrachten Glückwünsche und Widmungen zu antworten und den Dank der Gesellschaft auszusprechen. Hierauf hielt Herr Prof. Ziegler aus Freiburg i. Br. (früher in Zürich) einen Vortrag über: „Die Zweckmässigkeit pathologischer Lebensvorgänge" Es folgten sodann die verschiedenen Konmiissionsberichte und geschäft- lichen Verhandlungen. Den Schluss der Sitzung bildete der Vortrag von Herrn Prof. C. Zschokke über: ..Die neueren Verfahren der Wasser- standsprognose". Ein sehr belebtes Bankett im Tonhallepavillon, eine genussreiche Dampfschiftahrt nach der Ufenau, wo das Vergnügungskomitee für allerlei üeberrascliungen gesorgt hatte, bildete den Schluss des Tages. Der ganze Dienstag war der Arbeit in den Sektionen gewidmet. Nicht weniger als 14 Sektionen hatten sich gebildet und zwar für Mathematik, Physik, für Meteorologie, Astronomie und Geodäsie, für Chemie und che- mische Technologie, für Mineralogie und Petrographie, für Geologie, Botanik, Land- und Forstwirtschaft, Zoologie, für Anatomie und Embryologie, für Medizin, für Pharmacie und Lebensmittelchemie, für Ethnographie und Geo- graphie und endlich für Ingenieurwissenschaften. Am Abend vereinigte man sich zu einer Abendunterhaltung im Waldhaus „Dolder". Am Mittwoch wurden zunächst verschiedene geschäftliche Mitteilungen und Kommissionsoerichte entgegengenommen. Es sprachen darauf Herr Prof. H. Dufour über: „L'etude de la radiation solaire en Suisse", Herr Prof. Geiser über: „Bundesrat Schenk" und Herr Prof. Schröter über: „Die Flora der Seen". Herr Dr. Ettlin überbrachte eine Einladung von Unterwaldeu, die Jahresversammlung von 1897 in Engelberg abzuhalten, was mit Dank angenommen wurde. Nachdem endlich noch Herr Prof. H. Dufour der gastgebenden Zürcher Sektion einige herzliche Worte des Dankes ge- widmet hatte, schloss der Jahrespräsident die 79. Jahresversammlung der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft. Auf den Höhen des üetli vereinigte sich die Gesellschaft sodann noch zum Schlussbankett. Sitzung vom 16. November 1896 auf der Zimmerleuten. Beginn 8V* Uhr. Präsident: Herr Prof. Dr. Ritter. Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. Im Sitzungssaale sind die bei Gelegenheit des Jubiläumsfestes unserer Gesellschaft übermittelten Gaben und Adressen aufgelegt : a) Vom Centralkomitee der Schweizerischen Naturforschenden Gesell- schaft: Eine kalligraphisch ausgeführte Adresse. Sitziingsherichte von 189R. 33 b) Von der Naturt'orschcndcn Gesellschaft Basel: Ein gedrucktes Glik'k- wunschsclireiben. c) Von der Naturforschenden Gesellschaft Bern : Ein Exemplar des „Briefwechsels zwischen Jakob Steiner und Ludw. SchlüHi", herausgegeben von Prof. Dr. J. H. Graf, Bern. d) Von der „Societe de Phjsique et d'Ilistoiro Naturelle de Geneve": Eine künstlerisch ausgeführte Adresse. e) Von der „Societe vaudoise des Sciences naturelles" in Lausanne: Eine kalligraphisch ausgeführte Adresse. f) Von der Naturforschenden Gesellschaft in St. Gallen : Ein Glück- wunschschreiben und „Bericht über die St. Gallische Naturforschende Gesell- schaft 1894-1895." g) Von Herrn Prof. Dr. Gramer in Zürich: Ein Exemplar seines Werkes „Leben und Wirken von Carl Wilh. von Xägeli", gewidmet der Zürcherischen und Schweizei-ischcn Naturforschenden Gesellschaft. Prof. Dr. Heim hält einen Vortrag: Ueber den Lamm])acli und den Trübbach. An der Diskussion beteiligen sich Herr Direktor Ilubcr und Prof. Dr. Kitter. Schluss der Sitzung 10 Uhr. Sitzung vom 30. November 1896 auf der Zimraerleuten. Beginn 8^4 l'lir. Präsident: Herr Prof. Dr. Kitter. Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. Herr Dr. Hescheler hält einen A'ortrag über Selbstamputation. An der Diskussion beteiligen sich die Herren: Prof. Dr. Keller, Apo- theker Weber, Prof. Dr. v. Monakow, Prof. Dr. Heim, Prof. Dr. Scin'öter und Prof. Dr. Lunge. Herr Dr. Messerschmitt hält hierauf einen Vortrag über die Länge des Gotthardtunnels. An der Diskussion beteiligen sich die Herren Prof. Becker, Direktor Huber und Prof. Dr. Ritter. Herr Prof. Dr. Hermann Minkowski meldet sich zum Eintritt. Schluss der Sitzung 10 Uhr. Sitzung vom 14. Dezember 1896 auf der Zimmerleuten. Beginn 8V4 Uhr. Präsident: Herr Prof. Dr. Kitter. Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. Herr Prof. Dr. H. Minkowski wird als Mitglied der Gesellschaft auf- genommen. Prot. Dr. Schinz macht eingehende Mitteilung über die unserer Biblio- thek aus dem Nachlasse von Prof. Dr. Arnold Meyer geschenkten Bücher, 292 Titel. Die Schenkung wird Frau Prof. Meyer und der h. Erziehungs- behörde geziemend verdankt. Viei-teljahi-sschrift d. Naturf. Ges. Zürich. .Jalavg. XLI. Suppl. 1896. 3 34 Hnns Schinz. Herr Dr. Früh hält einen Vortrag: Die Drunilins-Landschaft, An der Diskussion beteiligen sich Prof. Dr. Schröter und Prof. Dr. Heim. Herr Dr. C. Schall spricht „über Reibung von Lösungen in Glyccrin." An der Diskussion beteiligen sich Prof. Dr. Werner, Direktor Ruber und Pi'of. Dr. Ptitter. Herr Prof. Dr. Heim macht eine Mitteilung übei' neue Quellenfassungen. Scliluss der Sitzung 10 Uhr. Bibliotlieksbericlit yoii 1896. Der Bibliothek sind vom 15. Dezember 1895 bis zum 15. Dezember 1896 nachstehende Schriften zugegangen: A. Oesclieiike. Von Herrn Prof. Dr. G. Lioif/e hi Zäriclr. Handbuch der Soda-Industrie und ihrer Nebenzweige, 3. Dd. Estimation of Sulphur in Pyrites, 1894/9.'). Zur calorimctrischen Bestimmung des 'Eisens, 1896. Nochmals zur Trennung des Quarzes von andern Moditicationcn der Kiesel- säure, 1895. Untersuchung der Zähflüssigkeit von Gummi und Tragantlösungen mittelst des Lunge'schen V^iscosimeters, 189.5. Aus dem Bericht über die Hauptversammlung der deutschen Gesellschaft für angewandte Cliemic, in Frankfurt den 9.— 12. Juni 1895. Zur Gehaltsbestimmung der rauchenden Schwefelsäure, 1895. Zur Untersuchung über die Zähflüssigkeit von Schmiermaterialien u. dgl. 1895. Von Herrn Dr. Saint- Lag er in Paris: Les gentianella du groupe grandiflora. Les nouvelles flores de France. La vigne dn mont Ida et la Vaccinium. Von Herrn Hs. ZopJce, Ingenieur in Washington: A biographical sketch „Prof. Franz Reuleaux". Von Herrn Dr. S. Milch in Breslau : Beiträge zur Kenntnis des Verrucano, 2. Teil. Von Herrn Prof. Dr. C. Mayer-Ejimar in Zürich.: Descriptions des coquilles fossiles des terrains tertiaires superieurs. Liste systematique des Natives des Faluns de la Touraiae et de Pont-Levoy du Musee de Zürich. Rihliotheksbcriclit von ISOß. 35 L'Extension du Ligurien et du Tongrien en Egypte. Descriptions des coquilles fossiles des terrains inferieurs. Quehjues mots sur ses nouvelles recherclies relatives au Ligurien et au Tongrien d'Egypte. Von Herrn Dr. R. Ffister in Zärklr. Mitteilungen aus dem Laboratorium für Warenkunde an der Wiener Handels-Akademie, 1888. Von Herrn Prof. I)r. Hans Sclünz in Zürich: Schwere S. Zur Entwicklungsgeschichte der Frucht von Taraxacuni ofti- cinale Web. Diss. Stepphuhn, H. Beitrag zur vergleichenden Anatomie der Dilleniaceen. Diss. Berent, W. Zur Kenntnis des Parablastes und der Keimblättcrditferenzie- rung im Ei der Knochenfische. Diss. Hescheler, K. Ueber Regenerationsvorgänge bei Lunibriciden. Diss. Dietlein, W. Neue Beiträge zum Zahnwechsel und verwandten Fragen. Diss. Ilübler, M. Zur Klimatographie von Kamerun. Diss.. Lüdin, E Die Abhängigkeit der specitischen Wärme des Wassers von der Temperatur. Diss. Petersson, A. Ueber Messungen des Thomsoneffectes. Diss. Rawitzer, J. Untersuchungen über die optische Aktivität in ihrer Beziehung zum Asymetrieprodukt von (Juve. Diss. Pelet, L. Etüde de l'eau regale et de la preparation du chlore. Diss. Swoboda, J. Die Entwicklung der Petroleum-Industrie in volkswirtschaft- licher Bedeutung. Diss. Rivier, H. De l'action des chlorures thiocarl)ami([ues bisubstitudes sur les thiurees tertiaires. Diss. llohenadel, M. Pharmacognostische Studien über das Sagapenum. Diss. Voss, A. Beiträge zur Kenntnis der Diazosäuren. Diss. Beiart, H. Beiträge zur Kenntnis des Diacetylacetons. Diss. Seitz, C. Zur Kenntnis des Isocumarins und der Isodiazoverbindungen. Uhlmann, C. Beiträge zur Kenntnis der Chinoninidfarbstoffe. Diss. Schmies, G. Eine neue Synthese von Chinolinderivaten. Diss. Born, G. Ueber die Einwirkung von Stickstotftetroxyd auf Ketoxime. Diss. Von Herrn Prof. Dr. G. Schach in Zürich: Lamellicornia Mclitophila. Catalogus systematicus Cetonidarum et Trichiidarum ad huc cognitarum. Von Herrn A. SokolowsJci/, Lehrer an der Kitnstf/eiverbeschiile in Zürich: Ueber die Beziehungen zwischen Lebensweise und Zeichnung von Säugetieren. Von Herrn Dr. Joh. Ttiem in Göttinnen: Ueber eine frühere Erscheinung des Kometen 1881 III. Tebbut. Von Herrn Prof. A. Wolf er in Zürich : Zur Bestimmung der Rotationszeit der Sonne. Astronomische Mitteilungen No. LXXXVII. 36 Hans Schinz. Von Herrn Dr. C. War/ncr in, Zürich: lieber die Darstellung einiger bestimmten Integrale durch Bessel'sclie Funktionen. Von Herrn Frz. liogel, Lehrer an der Kunstf/ewerbeschiile in Barmen: Uebcr den Zusammenhang der Facultäten-Coefficienten mit den Bernoulli'schen und Euler'schen Zahlen. Ein neues Recursionsgesetz der Bernoulli'schen Zahlen. Keihensummirungen mittels bestimmter Integrale. Ueber Primzahlmengen. Eigenschaften der imaginären Brennpunkte der Contral-Kegelschnitte. Von Herrn Dr. JI. Stand fnss in Zürich: Handbuch der palaearktischen Gross-Schmetterlinge für Sammler und Forscher. T^rt» Herrn Alb. Sanchcz in San Salvador: La Cornoide. Von Herrn Dr. R. Martin in Zürich: Weitere Bemerkungen zur Phithecantropus-Frage. Ziele und Methoden einer Rassenkunde der Schweiz. Von Herrn Dr. med. A. von Schulthess-RecMjerf/ in Zürich: Fauna insectorum Helvetiae „Vespidae II." Von Herrn Ch. Hipmann in Drag: La Nation Tcheque. Von Herrn Franz Kerntier in Prac/: Die electrodynamischen Grundgesetze und das eigentliche Elementargesetz. Vom Tit. Friesischen Fonds: Topographische Karte der Schweiz, Lieferung 45, 46. Vom Schweiz. Departement des Innern: llydrometrische Beobachtungen für 1895. Von Herrn K. F. Hirn: Algologische Notizen. Von Herrn Dr. F. von Beiist in Zürich: Tubeuf: Forstlich-naturwissenschaftliche Zeitschrift, Jahrg. IV für 1895. Von Herrn Geheimrat Prof. Dr. A. v. Kölliker in Würzbinr/: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie, Bd. LX No. 3, 4. Bd. LXI, Bd. LXII No. 1, 2. Handbuch der Gewebelehre, 2. Bd. 2. Teil. Vo)i Herrn Dr. 0. F. Imhof in Brugg: Th. Barrois : Fauna der Gewässer Syriens. Die Binnengewässerfauna der Azoren. Von Herrn Dr. P. Clioffat in Lissabon : Coup d'oeil sur la geologie de la province d' Angola. Extrait de l'annuaire geologi(pie (Revue pour 1893). Von Herrn Gottfr. Heer in Betschivanden: Diaeta des Chronisten Joh. Heinr. Tschudi von Schwanden. Bihliolheksherichl von 1S%. 37 Von Herrn I)r. Leo Wehrll in Zürich: Die Lammbacli-Vcrheerungon bei Kienholz im Berner 01)crland. Von der Tit. Stadibibliotlieh Zürich: Fortsetzung zum Bibliothelvs-Catalog Bd. I A— K 1864—1896. Von der Schweizerischen Meteorologischen Centralanstalt : Annalen für 1894. Von der ÄiisstcUnnf/s-Kommission Bern: Catalog der landwirtscliaftlichen Ausstellung 1895 in Bern. Von Herrn Prof. Dr. Eifjf/oibach iji Basel: Internationaler Wolken-Atlas. Von der Bibliothelc des eidf/. PoIi/tcchniJcHm: Catalog der Bil)liotliek des Polytechnikums, 6. A. 1896. Von Frau Professor Mei/er-Kaijser durch Vcrmittlioif/ der Erziehnnf/s- direldion des Kantons Zürich: Amstein, H., Figurcntafeln zu Sohnke-Amstein's Sannnlung v. Aufgaben. Teil 1. 2. Baohmann, Paul, Die Lehre von der Kreisteilung. — Die Elemente der Zahlentheorie. — Die analytische Zahlentheorie. Baltzer, Rieh., Analytische Geometrie. Bergbohm, Jul., Entwurf einer neuen Integralrechnung. Boltzmann, Ludw., Vorlesungen über MaxweH's Theorie der Electricitat und des Lichtes. Teil 1. 2. Briot & Bou(iuet, Theorie des fonctions cllii)ti(iues. Cantor, M., Vorlesungen über Geschichte der Mathematik. Bd. 1 und 2. — Vorlesungen über Geschichte der Mathematik. Bd. '■). Clebsch, Alfd., Vorlesungen über Geometrie. Bd. 1 in 2 Teilen und geb. Bd. 2 Teil 1 ungeb. Cremona, Lud., Theorie der Oberflächen. — Elemente des graphischen Calculs. Czuber, Emanuel, Geometrische Wahrscheinlichkeiten und Mittelwerte. Dietrich, Kasp., Käferverzeichnis. Dirichlet-Lcjeune, Vorlesungen über Zahlentheorie. — Potential. Distcli, Mart., Dissertation (2 E-xem})!.). Dühring, E., Geschichte der Mechanik. Euler, Leonh-, Methodus nova inveniendi lineas curvas etc. Fiedler, Ernst, Mink's Leitfaden der analytischen Geometrie der Ebene und des Raumes. Forsyth, A. R., Lehrbuch der Ditferenzial-Gleichungen. Gerhardt, E. J., Geschichte der Mathematik in Deutschland. Günther, Sigm., Lehrbuch der Determinantentheorie für Studirende. Grüson, J. P., Supplement zu Euler's Differenzialrechnung. Ralphen, G. H., Fonctions elliptiques. Vol. 1. 2. Hattendorf, Karl, Algebraische Analysis. o8 Hans Scliiuz. Hiinkcl, licnii., Gcschiclite der Mathematik im Alter thum und Mittelalter. Heer, Osw., Fauna Coleopterum Helvetica. — Arnold Escher v. d. Linth. Heffter, Loth., Theorie der linearen Dift'erentialglcichungen. Heine, E., Handbuch der Kugelfunktionen. Heim, Alb., Der Bergsturz v. Elm. Hchnholtz, H., Die Lehre von den Tonemptindungen. — Populäre wissenschaftliche Vorträge. Heft 1—3. Hermann, Lud., Grundriss der Physiologie des Menschen. Hcrmite, Gh., Cours d' Analyse. Humboldt, A. v., Kosmos. Bd. 1—5. — Ansicliten der Natur. Joachimsthal, F., Elemente der analytischen Geometrie der Ebene. Jordan, C., Cours d' Analyse. Tome 1—3. Kirchhoff, Gust., Vorlesungen über mathematische Physik. — Gesammelte Abhandlungen. Klinkerfuss, W., Theoretische Astronomie. Kraft, Ferd., Abriss des geometrischen Kalküls. Lipschitz, Rud., Analysis. Lommel, P^ug., Studien über die Besscl'schcn B'unctionen. Lucas, Ed., Recreations mathematiques. Mousson, Alb., Physik auf Grundlage der Erfahrung. Bd. 1—3. Petersen, Jul., Theorie der algebraischen Gleichungen. Planck, Max, Vorlesungen über mathematische Physik. Salomon, Georg, Analytische Geometrie des Raumes. Part. 1. 2. — Analytische Geometrie der Kegelschnitte. Schell, W., Theorie der Bewegung der Kräfte. Bd. 1. 2. Schlömilch, Osk., Compendium der höheren Analysis. Bd. 1. 2. — Handbuch der algebraischen Analysis. Schreiber, Guido, Darstellende Geometrie. — Linien-Perspektive. — Die Schattenlehre. — Die Farbenlehre. Serret, J. A., Cours de calcul differentiel et integral. Tome 1. 2. Sohnke, Differential- und Integralrechnung. Staudt, G. K. Gh., Geometrie der Lage. Fortsetzung. Heft 1—3. Steiner, Jakob, Systematische Entwickelung der Abhängigkeit geometrischer Gestalten. — Gesammelte Werke. Bd. 1. 2. Stolz, Otto, Allgemeine Arithmetik. Strauch, G. W., Variationscalcul. Bd. 1. 2. Sturm, Cours de mecanique de l'ecole polytechniquc. Tome 1. 2. Weber, H., Elliptische Funktionen. Weierstrass, Karl, Abhandlungen aus der Funktionenlehre. Wolf, Rud., Geschichte der Astronomie. — Geschichte der Vermessungen in der Schweiz. HililioUieksherifhl von iSiHi. 39 Aerboe, Fr-, Untersuchung über den direkten und indirekten Einfluss des Lichtes auf die Athmung der Ge\Yächse. Diss. 1893. Aeschliniann, LT., Zur Theorie der ebenen Kurven 4ter Ordnung. Diss. 1880. Anistein, H., Ueber die conforme Abbildung der Oberfläche eines regulären Octaeders auf der Oberfläche einer Kugel. Diss. 1880. Anderegg, E., Generationswechsel bei Insekten. Diss. 1892. Annalen, Mathematische. Bd. XX. 8". Leipzig 1882. Aufrecht, Sig., Beitrag zur Kenntniss extrafloraler Nektarien. Diss. 1891. Bänziger, Eni., Zur Kenntniss des 2,.^) Dichlorbenzoldephydes. Diss. 189G. liaur, Casp., Experiment-Untersuchungen über die Natur der Magnctisirungs- funktion. Diss. 1879. Baraniecki, M., Ueber gegen einander permutable Substitutionen, Diss. 1871. Beck, A., Ueber die Gestalt des Mondes. Diss. 1877. — Ueber den Schnitt zweier Kegel etc. Sep.-Abd. 1898. Beglingcr, W., Das innere Wärmelcitungsvermögen verschiedener Eisen- sorten. Diss. 1896. Behn-Eschenburg, Hs., Charles Dickens. 8°. Basel 1872. — Untersuchungen über das Giltay'sche Eisenelectrodynameter. Diss. 1889. Bela, T., Ueber die Fläche 4ter Ordnung mit Cuspidalkegelschnitt. Diss. 1881, Beiart, Ils., Beiträge zur Kenntniss des Diacetylacctons. Diss. 189-5. Bereut, W., Zur Kenntniss des Parablastcs und der Keimblätterdifferenzierung im Ei der Knochenfische. Diss. 1896. Bertschinger, A., Untersuchung über die Wirkung der Sandrtlter des sTädt. Wasserwerks in Zürich. 1889. Beyel, Chr., Centrische Collincation ii'''" Ordnung in der Ebene. Diss. 1882. Beyme, Fr., Die P\)rtpflanzungsgeschwindigkcit des Schalles in gesättigten Dämpfen. Diss. 18S1. Bigler, U., Potenzial einer elliptischen Walze. Diss. 1889. Binz, A., Beiträge zur Morphologie und Entwickelungsgcschichte der Stärkc- körner. Diss. 1892. Blattner, E., Der optische Nutzett'ect der Gliihliclitlaini)en. Diss. 1880. Bloch, E., Zur Kenntniss des Ortho -Oxydiphenils und einiger Derivate. Diss. 1896. Bloch, Is., Die embryonale Entwickelung der Radula v. Paludiiia vivipara. Diss. 1896. Born, G., Ueber die Einwirkung v. Stickstoffetroxyd auf Ketoximc. Diss. 1895. Brendel, C, Ueber Kältemischungen. Diss. 1892. ]]runn, H., 5 Holzrahmen mit Eisenstäben und Seideiischnüren zum Studium der Verkettungen. Sep.-Abd. 1892. — Exacte Grundlagen für eine Theorie der Ovale. Sep.-Abd. 1894. Bück, E., Einige Rhizopoden-Studien. Diss. 1877. Bützberger, F., Ein mit der Theorie algebraischer Flächen zusammenhängen- des planimetrisches Problem. Diss. 1889. Burri, Rob., Ueber einige zum Zwecke, der Art-Charakterisirung anzuwen- dende bacteorologische Untersuchungsmethoden. Diss. 1893. 40 Haus Schinz. Burckhardt, K., Histolog. Untersuchungen am Rückenmark der Tritonen. Diss. 1889. Caillcr, C, Rccherclies sur Ics eijuations aux derivecs partielles, etc. 8". Genevc 1887. Cantor, G., Ein Beitrag zur Manigfaltigkeitslelire. Sep.-Abd. aus Grelle. — De Aequationibus Secundi Gradus Interminatis. Diss. 1867. — De Transformatione Forniaruui Tornariarum quadraticarum. Diss. 1860. — Mitteilungen zur Lehre von Transtinitcn in 2 Theilen. Ohne Jahr. — Ueber die Ausdehnung eines Satzes aus der Theorie der trigonometr. Reihen. Sep.-Abd. Delmar, Th., Das Phosphoritlager von Steinbach. Diss. 1890. Denzler, Alb., Untersuchung über die inconstantcn galvanischen Elemente. Diss. 1881. ■ Desor, E., Die Sahara. Vortrag. 1870. Disteli, M., Zur Conüguration der Wendepunkte der allgemeinen ebenen Curve 3ter Ordnung. Sep.-Abd. 1890. Dor, Das Stereoscop und das stereoscopische Sehen. Vortrag. 1871. Dünncnberger, C, Ractcriologisch-chemische Untersuchung über die beim xiufgehen des Brotteiges wirkenden Ursachen. Diss. 1888. Endriss, K., Geologie des Randecker Maars und des Schopflocher-Riedes. Diss. 1889. Engel, J. H., Konstructionen zur Geometrie der Flächen 2ter Ordnung und der ebenen Kurven 3tcr Ordnung. Diss. 1889. Epstein, S. S-, Die vier Rechnungsoperationen mit Besserschcn Funktionen nebst einer geschichtlichen Einleitung. Diss. 1894. Fiedler, E. W., Ueber eine besondere Classe irrationaler Modularglcichungcn der elliptischen Functionen. Diss. 188.5. Fiedler, K., Ueber Ei und Spermabildung bei Spongilla fluviatilis. Diss. 1888. — Heteotrema sarasinorum, eine neue Sysnascidiengattung aus der Familie der Distomidae. Sep.-Abd. Flatt, R., Ueber die Canalisation der Electricität in der electrischen Be- leuchtung. Diss. 1889. Frankfurt, S., Ueber die Zusammensetzung der Samen und etiolirten Keim- l)tlanzen von Cannabis sativa und Helianthus annuus. Diss. 1893. Fritz, Hs., Ueber Wärmetönung bei electrischer Polarisation des Glases. Diss. 1893. Frobenius, G., Ueber die constanten Factoren der Tetareihen. Sep.-Abd. — Theorie der linearen Formen mit ganzen Coefficienten. Sep.-Abd. FuUiquet, G., Recherches sur le cerveau du Protopterus annectens. Diss. 1886. Ganter, H., Ueber die Rouletten der Kegelschnitte. Diss. V Genge, C, Beiträge zu graphischen Ausgleichungen. Diss. 1887. Gilchrist, J. D., Beiträge zur Kenntniss der Anordnung Correlation und Function der Mantelorgane der Tectibranchiata. Diss. 1894. Glättli, G., Untersuchungen am Körperbau des Ilausrindes. Diss. 1895. Goebol, J. B, Die wichtigsten Sätze der neueren Statik in elementarer Dar- stellunt!;. Diss. 1877. Bihliollieksherichl von 1896. 41 Golinski, St., Ein Beitrag z. Entwickelungsgeschiclite des Androeccums und Gynaeceums der Gräser. Diss. 1893. Graf, Arn., Beitrag zur Kenntniss der Exkretionsorganc von Nepliclis vulg. Diss. 1893. Gratt'enberger, L., Versuche über die Veränderungen, welche melir oder weniger vollständigen Abschluss des Lichtes in der chemisciien Zusammen- setzung des thierischcn Organismus und dessen N-Umsatz hervorruft. Diss. 1892. Gregor}", Em., Comparative Analomy of the Filz-likc llair-covering of Leaf- organs. Diss. 1896. Grüner, P., Die Werthe der Weber'schen Strahlungsconstanten b- ver- schiedener Kohlenfäden. Diss. 1893. Gubler, E., Die Darstellung der allgemeinen Besserschen Function durch bestimmte Integrale. Sep.-Abd. 1888. Gürber, A., Untersuchungen über die physiologischen Wirkungen der Lupe- tidine und verwandter Körper. Diss. 1890. (iuillaumc, Gh., Ueber clectrolytischc Condensatoren. Diss. 1883. liallcr, G., Revision der Gattung Anaiges Nitzscli sivc Dermalcichus Koch- Diss. 1877. Ilartmann, A., Studien über Kegelschnitte und Flächen 2tcn Grades. Diss. 1889 llartwich, C., Beitrag zur Kenntniss der Strophantus und einiger mit den- selben verwandter Samen. Sep.-Abd. Heer, üs.. Der botanische Garten. Neujalirsblatt 18.53. — Die PHanzen der Pfahlbauten. Neujahrsblatt I8(j(). — Die Käfer der Schweiz in 3 Lieferungen. Heim, A., Ueber die Verwitterung im Gebirge. Vortrag. 1879. — Aus der Geschichte der Scliöpfung. Vortrag. 1872. Heine, E., Handbuch der Kugelfunctionen. 2. Bd. 2. Auflage. 8. Berlin gebund. 1881. llenderson, C. H-, The tirst Cretaceous Fold of the Alps between the Linth and the Sihl. Diss. 1893. Henoch, M., De Abelinarum functionum periodis. Diss. 1867. llescheler, C , Ueber Regenerationsvorgänge bei Lumbriciden. Diss. 1896. Heuscher, J., Der Sempacher See und seine Fischereiverhältnisse. 1895. — Zur Anatomie und Histologie der ProneomeniaSluiteri Hubrecht. Diss. 1892. Höfler, Fr., Untersuchungen über die Existenz der objectiven Aberation- Diss. 1895. Hübler, M., Zur Klimatographie v. Kamerun. Diss. 1896. Hurwitz, A., Ueber Relationen zwischen Classenzahlen binärer (piadratischer P'ormen von negativer Determinante. Sep.-Abd. aus Math. Annalen. Jaccard, P., Recherches embryologiques sur l'Ephedra helvetica. Diss. 1894. Jaerichte Heft V. Strassburg, Societe des Sciences, Agriculture et Arts de la Basse-Alsace, Bulletin pr. 1895 Decembre, 1896 Janvier— Juillet et Suppl. Strassburg, Universitäts-Sternwarte, Annalen Bd. I. Strassburg, Geologische Landesanstalt, Mitteilungen Bd. IV, Nr. 4. Stuttgart, Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg, Jalires- hefte Bd. LH. Thorn, Coppernicus-Veroin für Wissenschaft und Kunst, Jahresberichte 36—42 und Beilage und Mitteilungen Heft XI. Wernigerode, Naturwissenschaftlicher ^'erein des Harzes, Schriften Jahrg. X. Wiesbaden, Nassauischer Verein für Naturkunde, Jahrbücher 48, 49. Würzburg, Physikalisch-Mcdicinische Gesellschaft, Sitzungsberichte für 1895, Nr. 1-9." Zwickau, Verein für Naturkunde, Jahresbericht für 1895. 6') OcsterrclcJi. Brunn, Mährisch-schlesische Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, dei- Natur und Landeskunde, Notizenblatt für 1895. Brunn, Naturforschender Verein, Verhandlungen Bd. XXXIII, XXXIV und XIII. und XIV. Bericht der meteorologischen Commission. Budapest, K. Ungarische Geologische Gesellschaft, Földtani Bd. XXV Nr. 6—12, Bd. XXVI Nr. 1 40. Budapest, K. Ungarische Geologische Anstalt, Jahresbericht für 189:). Bil)liotheksl)(M-ichl von ISUG. 49 Budapest, K. Ungarische Naturwissenschaftliclu' Gesellschaft, Berichte X— XII und von derselben : Ileg^foky: üeber die Windrichtung in den Ländern der ungarischen Krone. Xiindor, F.: Die Characecn (L. C. C. Kicliard). Madanisz, J. : Ungarische Vogelfauna. Daday v. E. : Cypridicola Parasitica. Schafarzik: Die Pyroxen-Andosite des Cserhät. Graz, Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark, Mitteilungen Heft :!2. Innsbruck, Ferdinandeuni für Tirol und Vorarlberg, Zeitsdirit't III. Folge. Heft 40. Klausenburg, Siebenbürgischer Musealverein, Ertesitö XXI Xr. 18. Krakau, Akademie der Wissenschaften, Anzeiger für 1895, Octob.— Dez., 1896 Januar— Oetober. Linz, A'erein für Naturkunde in Oesterreich ob der P^nns, Jahresbericht XXIV, XXV. Prag, Böhmische Kaiser Franz Jose])h-Akadeniie der Wissenschaften, Bulletin II und II Classe Heft 1. Prag, K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften, Jahrbuch für 1895 und Prag, K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften, Sitzungsberichte für 1895 Part. 1, 2. Prag, Deutscher Polytechnischer \'erein in Biihmen, Technische Blätter Bd. XXMII Heft M, 4. Prag, Verein „Lotos", Abhandlungen Bd. I Heft 1. Reichenberg, Verein der Naturfreunde, Mitteilungen Jahrg. XXVII. Trencsen, Naturwissenschaftlicher Verein, Jahreshefte XVH, XVIII. Wien, K. K. Akademie der Wissenschaften, Sitzungsberichte Abthlg. I, Bd. 103, Heft 4 -10; Abthlg. L Bd. 104 Heft 1—10; Abthlg. IIa, Bd. 103 Heft 6—10; Abthlg. IIa. Bd. 104 Heft 1-10; Abthlg. Hb, Bd. 103, Heft 4-10; Abthlg. Hb, Bd. 104 Heft 1-10; Abthlg. III, Bd. 103 Heft 5-10; Abthlg III, Bd. 104 Heft 1-10. Wien, Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse, Schriften Bd. XXXM. Wien, K. K. Geologische Keichsanstalt, Abhandlungen Bd, XVIII Heft 1. Wien, K. K. Geologische Reichsanstalt, \'erhandlungen für 1895 Nr. 10—18, für 1896 Nr. 1-12. Wien, K. K. Geologische Reichsanstalt, Jahrbuch Bd. 45 Heft 2-4, Bd. 40 Heft 1. Wien, K. K. Zoologisch-botanische Gesellschaft, Verhandlungen Bd. 45 Heft 10, Bd. 46 Heft 1-9. Wien, Oesterreichischer Touristen-Club, iVIitteiluugen Jahrg. Yil. Wien, K. K. Naturhistorisches Hofmuseum, Annalen Bd. X Heft 1—4. dj Holland. Amsterdam, Academie Royale des Sciences, Verhandelingen I Section Deel III Nr. 5-9, Deel V Nr. 1, 2. Amsterdam, Academie Royale des Sciences, Verhandelingen II Section Deel IV Nr. 7—9, Deel V Nr. 1-3. VierteljaUrsschiUt d. Natiirf. Cies. Zürich. Jahi-. XLI. Suppl. 1896. 4 50 Hans Scliinz. Amsterdam, Academie Royalc des Sciences, Vcrslagcn van d'cZittingen DeellY. Amsterdam, Academie Royale des Sciences, Jaarl)ock 1895. Ilaiiem, Musec Tcyler, Archives II. Serie, Yol. V, Part 1, 2. Harlem, Societe Hollandaisc des Sciences, Archives Tome XXIX, Nr. 4. 5, Tome XXX, Nr. 1-8. Nijmwegcn, Ncderland Botanische Vereeniging, Archief 3. Ser., Decl I Nr. 1 und Naamlijst. Utrecht, K. Niederländisches Meteorologisches Institut, Jaarboek 1894. e) Däncmarh, Schweden^ Norwcf/eu, Bergen, Musee de Bergen, Aarbog. 1894/95. Kopenhagen, K. Danske Vetenskabernes Selskabs, Oversigt 189.5, Nr. 2—4, 1896 Nr. 1-5. Ijund, Universitätsbibliothek, Acta Tome XXXI. Stawanger, Stawanger Museum, Aarsberetning for 1894, 1895. Stockholm, Academie Royale des Sciences, Bihang Vol. XX Nr. 1—4, Vol. XXI Nr. 1-4. Stockholm, Academie Royale des Sciences, Handlingar Vol. XXVII. Stockholm. Academie Royale des Sciences, Meteorologiska Jakttagclser Sverige, Vol. XXXIII." Stockholm, K. Vetenskaps Akademiens, Oefersigt Vol. LH. Stockholm, Societe Entomologique, Tidskrift 1895, Nr. 1—4. Stockholm, Institut Royal Geologique de Suede, Undersökning Serie A, Nr. 113. Stockholm, Institut Royal Geologique de Suede, Serie A a, Nr. G4, 77, 78, 84, 87-107 und 110—112. Stockholm, Institut Royal Geologique de Suede, Serie Ab, Nr 4—12. Stockholm, Institut Royal Geologicjue de Suede, Serie B b, Nr. 8. Stockholm, Institut Royal Geologique de Suede, Serie C, Nr. 30, 53, .5(3, 58-62, 67, 68, 71, 74-84, 86-88, 90, 91, 93-97, 100, 101, 103-113, 11-5, 131, 139, 146-151, 153-156, 158, 159 und Karten. Stockholm, Institut Royal Geologi(iue de Suede, Serie C, Nr. 27, 29, 42, 47, 54, 55, 57, 63, 64, 65 (1), 66, 69, 70, 72. 73, 85, 89, 92, 99, 102, 133, 136, 137, 138, 140—145, 152 und 157. Upsala, Universitätsbibliothek, Arskrift 1895. Upsala, Upsala Universitets, mineralogisk, geologiska Institution, Bulletin Vol. II, Part 2, Nr. 4. Upsala, Upsala Universitets, mineralogisk, Meddelanden Nr. 11, 16—18 und 20-22. Tromsö, Trorasö Museums, Aarshefter XVII. Tromsö, Tromsö Museums, Aarsberetning for 1893. f) Franlcrelch. Angers, Societe d'Etudes scientiti({ues, Bulletin de 1894. Anvers, Societe Royale de Geographie, Bulletin Tome XX Nr. 3, 4. Besangon, Societe d'Emulation du Doubs, Memoires VI Serie, Vol. IX. Beziers, Societe d'Etude des Sciences Naturelles, Bulletin Vol. XVII, XVIII. Ril)liotheksberirht von ISOfi. 51 Bordeaux, Sociöte des Sciences Pliysiques et Naturelles, Menioires IV. Serie Tome y. Bordeaux, Societe Linneenne de Bourdeaux, Actes Y. Serie, Vol. YII— IX. Clierbourg, Societe Nationale des Sciences Naturelles, Memoires Tome XXIX. Lille, Societe Geologi(iue du Nord, Annales Tome XXII, XXIII et XX^■. Lyon. Academie des Sciences, Belles-Lettres et Arts, Memoires III. Serie, Tome III. Lyon, Societe d'Agriculturc, Histoire Naturelle et Arts Utiles, Annales YII. Serie, Tome 2, :>. Lyon, Societe d' Anthropologie, Bulletin Tome XIY. Marseille, Faculte des Sciences de Marseille, Annales Tome IV Nr. 4, Tome Y Nr. 1-4, Tome VI Nr. 1-3 et Tome YII. Montbeliard, Societe d'Emulation, Memoires Vol. XXY fasc. 1, 2. Nancy, Societe des Sciences, Bulletin II. Serie, Tome XIV, Nr. 30. Nantes, Societe des Sciences Naturelles de l'Ouest de la France, Bulletin Tome Y Nr. 2 -4, Tome VI Nr. 1-6. Baris, Societe Geologique de France, Bulletin III. Serie, Tome XXII Nr. 10, Tome XXIII Nr. 2-9 et Tome XXIY Nr. 1: Paris, Societe Geologique de France, Memoires III. Serie, Tome V Part. 1. 2. Paris, Societe des Jeunes Naturalistes, Feuilles Nr. 121—314, 1880/96. Paris, Ecole polyteclmique, Journal II. Serie, Caliier 1. Paris, Societe de Biologie, Comptes-Kendus pr. 1895, Nr. 35—37, pr. 1896 Nr. 1-33. Paris, Societe Mathematique de France, Bulletin Tome XXIII Nr. 9, 10, Tome XXIV Nr. 1-7. Paris, Societe Botani(iue de France. Bulletin 1895 Nr. 8—12, 1896 Nr. 1—7. Paris, Bureau International des Poids et Mesures, Travaux et Memoires Tome XI. Paris, Bureau International des Poids et Mesures, Proces-Verbaux 1894. (j) Bdf/ien. Bruxelles, Academie Royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts, Bulletin III. Serie Tome 26—29. Bruxelles, Academie Royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts, Annuaire 1894, 1895. Bruxelles, Societe Royale de Botanique de Belgiquc, Bulletin XXXII— XXXIV. Bruxelles, Societe Malacologique de Belgique, Annales Tome XXYII. Bruxelles, Societe Malacologique de Belgique, Proces-Verbal, 1892/95. Bruxelles, Societe Beige de Microscopie, Annales Tome XIX, Nr. 2; Tome XX. Bruxelles, Societe Beige de Microscopie, Bulletin 1895, Nr. 10, 1896 Nr. 1-10. Bruxelles, Societe Beige de Geologie, de Palaeontologie, Bulletin \'ol. I— lY und YIII. Bruxelles, Societe Entomologique de Belgique, Annales Tome XXXIX et Bruxelles, Societe Entomologique de Belgique, Memoires Tome III— V. Gent, Kruidlcundig Genootschap „Dodonaea", Jaarboek VII. 52 Haii8 Schiiiz. //) Eiif/laiitl, Schottland, Irlmtd. Belfast, Natural Ilistory and Pliilosophical Society, Report 1895/96. JJristol, Naturalists Society, Proceedings N. S., Vol. AlII, Part 1. Cambridge, Plülosopliical Society, Proceedings, Vol. IX, Nr. 1—3. Cambridge, Philosopliical Society, Transactions, Vol. XVI, Nr. 1. Dublin, Koyal Irish Acadi'iny, Transactions, Vol. XXX, Nr. 15—20. Dublin, Koyal Irisli Acadeniy, Proceedings, III. Serie, Vol. III, Nr. 45. Dublin, Royal Dublin Sociely, Transactions, II. Serie, Vol. V, Nr. 5—12, Vol. vi, Nr. 1. Dublin, Royal Dublin Society, Proceedings N. S., Vol. VIII, Part 3. 4. Dublin, Royal Academy of Mcdicine in Ireland, Transactions, Vol. XIII. Ivlinburgb, Geological Society, Transactions, Vol. VII, Part 2. I'xlinburgli, Royal Physical Society, Proceedings 1894,95. Edinburgh, Royal Society of Edinburgh, Transactions, Vol. XXXVII, Part 3. 4, Vol. XXXVIII, Part 1. 2. pAÜnburgh, Royal Society of Edinburgh, Proceedings, Vol. XX. (ilasgow, Natural Ilistory Society, Transactions N. S., ^'oI. IV, Part 2. London, Royal Society, Proceedings, Nr. 353—363. London, Royal Society, Scientitic Papers, Vol. XL London, Royal Astronomical Society, Memoirs, Vol. 51. London, Royal Astronomical Society, Observations, Greenwich 1892. London, Royal Astronomical Society, Cape Meridian Observation 188-5/87 and. 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Comitato Geologico d'Italia, ßoUettino 1895, Nr. 3, 4, 1896 Nr. 1—3. Roma, Societä Romana d'Antroi3ologia, Atti \o]. III, fasc 2, 3, Vol. IV, Nr. 1. Roma, Societä Romana per gli Studi Zoologici, Vol. IV, Nr. 5, 6, Vol. V, Nr. 1, 2. /.■) SpuHuni^ Porfiif/al. Coimbra, Univer.sidade de Coimhi-a, Jornal Tonio XII, Nr. 4—6. Lisboa, Sociedade de üeograpliia. Roletim Serie XIV, Nr. 4 — 12, Serie XV, Nr. 1-4. Lisboa, Commissas dos Trabalhos Geologico de Portugal, Tome III, Xr. 1. Porto, Sciencias Xaturaes, Annaes Anno III. Nr. 1—4. l) llK-sdand. Dorpat, Naturtorscliende Gesellschaft, Archiv II. Serie, Tom. IX. Nr. 1. Dorpat, Naturforschende Gesellschaft, Sitzungsberichte Vol. XI. Xr. 1. Dorpat, Natui-forschende Gesellschaft, Schriften Vo!. IX. Ilclsingfors, Societe des Sciences de Finlande, Observations Vol. XIII, Part. 1, Vol. XIV. Part. 1 et Suppl. Ilclsingfors, Commissiou Geologi(pie de hi I'inlande, Indersökning Nr. 27— 30 und Karten. Ilclsingfors, Commission Geologirpie de la Finlande, Pulletin Nr. 1—9 und Kartbladet Nr. 5. Ilclsingfors, Fiuska \'etenskabs Societetcns, Förliandlingar XXXNTI. Kiew, Societe des Naturalistes de la Nouvelle-Russie, Memoires Tome XX. Part. 1. Moscou, Societe Imi)eriale des Naturalistes, Bulletin 1895, Nr. 3, 4, 1896 Nr. 1. 2. Riga, Naturforscher-Verein, Korrespondenzblatt Nr. XXXVIII. Riga, Technischer Verein, Industriezeitung für 1895, Xr. 21 — 24, für 1896 Nr. 1-21. St. Petersburg, Academie Imp. des Sciences, Bulletin V, Serie Nr. 1. St. Petersburg, Academie Imp. des Sciences. Memoires 8« Serie, Tome I Nr. 9, Tome II Nr. 3, 4, 6, 8, 9 und Tome III Nr. 1 und Atlas. St. Petersburg, K. Russische Mineralogische Gesellschaft, Verhandlungen II. Serie, Bd. XXXIII Nr. 1. St. Petersburg, K. Russische Mineralogische Gesellscliaft. Memoires \'ol. X, Nr. 4, Vol. XIII Nr. 2. St. Petersburg, K. Russische Mineralogische Gesellschaft. Bulletin Vol. XIV, Nr. 6-9 und Suppl. XV, Nr. 1-4. 54 Hans Sc'liinz. St. Petersburg, K. Physikalisches Central-Observatorium, Jahrosbcri(;ht für 1894. St. Petersburg, K. Physikalisches Ccntral-Observatoriuni Annalen für 1894 Part. 1, 2. St. Petersburg, Societe Ouraliennc, Bulletin XIV Nr. 5, XV Nr. 2. m) Nord-, Süd- und Central- Amerika. Austin, Texas Academy of Science, Transactions Vol. I, Nr. 4. Baltimore, Johns Hopkins University, Chemical Journal A'ol. 17 Nr. 8, Vol. 18 Nr. 2-4. Buenos-Aires, Museo Nacional, Anales Tomo IV. Bucnos-Aires, Academy Nacional de Ciencias, Boletin Tomo XIV, Nr. o, 4. Boston, Boston Society of Natural History, Memoires Vol. V, Nr. 1, 2. Boston, Boston Society of Natural History, Proceedings Vol. XII, XIII, Vol. XXVI Part. 4, Vol. XXVII Part. 1. Boston, American Academy of Arts and Sciences, Proceedings N. S., Vol. XXII. Cambridge, Museum of Coniparative Zoology, Bulletin Vol. XXVII, Nr. 6, 7, Vol. XXIX Nr. 1-6, Vol. XXX Nr. 1. 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Washington, Smithsonian Institution, Proceedings. Vol XVII and XXX XXXII. Washington, Smithsonian Institution, Rei)0i't Annual for 1893. Washington, Missouri Geological Survey, Vol. IV, Part. 1, Vol. V, Part. 1, Vol. VI and VII. Washington, U. St. Naval Observatory, 1890. n) UebrUfd Länder. Batavia, Nederland Indisch Regeering, Regenwarneemingen 1894 und Batavia, Nederland Indisch Regeering, Observation Vol. XVII. Batavia, Nedcrl. Ind. Naturkund Vereen., Tijdschrift, Deel LIV, LV und Catalogus. Bi'isbrane, Royal Society of Queensland, Proceedings Vol. XI, Part. 2. Capetown, South African Philosophical Society, Transactions, Vol. VIII, Part. 2. Bombay, Royal Asiatic Society, Journal Vol. XIX, Nr. 52. Calcutta, Geological Survey of India, Records Vol. XXVIII, Part. 4, Vol. XXIX, Part. 1-3. Calcutta. Geological Survey of India, Memoirs Serie XIII, Vol. II, Ser. XV, Vol. II, Part. 2 und Vol. XXVII, Part. 1. Calcutta, Asiatic Society of Bengal, Journal Vol. 04, Part. 2 Nr. 3, Vol 65, Part. 2, Nr. 1, 2. 50 Hwiis Scliiiiz. Calcutta. Asiatic Society of Bengal, Proceedings 1895 Nr. 10, 1896 Nr. 1—5. Melbourne, Royal Society of Victoria. Transactions Vol. IV. Sydney, Australian Association t'or the Advancement of Science, Proceedings Vol. VI. Sydney, Australian Museum, Records Vol. 2, Nr. 7. Sydney, Royal Society of New South Wales, Journal Vol. XXIX. Tokio, Imperial Univcrsity, Calendar 1894/95. Tokio, College of Science, Journal Vol. VIII, Part. 2, Vol. IX. Part 1 and Vol. X, Part. 1. Tokio. Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, Mit- teilungen. Heft 57 und III. Suppl. zu Bd. VI. Wellington, New /ealand Institute, Transactions Vol. XXVII, XXVIII. C. Anschaffungen. ÄJcaclemlcn und Allrjemdnes. Sciences New Serie Vol. II, Nr. 44—92, Vol. III, Nr. 1. Verhandlungen deutscher Naturforscher und Aerzte zu Lübeck für 1895, Part. 1, 2. American Naturalist, Vol. XXIX, Nr. 348-359. Archiv für die gesaninite Physiolo',äe, Bd. 62 Nr. 6—12, Bd. 63, 64, Bd. 65 Nr. 1-8. Biologisches Centralblatt. Bd. XV Nr. 24, Bd. XVI Nr. 1-23. Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften in Wien, Bd. 62, 63. Archiv für mikroskopische Anatomie,' Bd. 46 Nr. 3, 4, Bd. 47, Bd. 48 Nr. 1, 2. American Journal of Science (Sillimann) 1896, Nr. 1—12. Philosophical Magazine and Journal of Science, Nr. 248—259. Philosophical Transactions, Vol. 182 B, Vol. 186 A in 2 Parts, Vol. 186 B in 2 Parts und Vol. 188 A. Archiv für Naturgeschichte, Bd. LA III, II 2, Bd. LXI, I 3. Memoires de TAcaderaie Imp. de St. Petersbourg, VII. Serie, Vol. 42, Nr. 13, VIII. Serie, Vol. 1, Nr. 1—9, VIII. Serie, Vol. 2, Nr. 1, 2 und 8, 9, VIII. Serie, Vol. 3, Nr. 1, 2 und 5, VIII. Serie, Vol. 4, Nr. 1. Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroscopie, Bd. XII, Nr. 3, 4, Bd. XIII, Nr. 1, 2. Quarterly Journal of Microscopical Science, Vol. 38, Nr. 3, 4. Vol. 39, Nr. 1—3. Astronomie, Meteorologie. Astronomische Nachrichten. Nr. 3221—3389. Astronomisches Jahrbuch für 1898. Connaissance des temps pour 1898. Meteorologische Zeitschrift für 1895, Nr. 12, für 1896 Nr. 1-11. Botanilc. Engler und Prantl : Die Natürlichen Pflanzenfamilien, Lief. 126 — 141. Journal de Botanique. Annee IX, Nr. 23, 24, Annee X, Ni*. 1—22. Annales du jardin botanique de Buitenzorg, Vol. XIII, Nr. 1, 2, Vol. XIV, Nr. 1. Hililidllicksl.ci-ichl von IS96. 57 Jahrbuch für Wissenschaftliche Botanik, Bd. XXVIII, Heft 4, Bd. XXIX, Heft 1-4. Habcnhorst's Kryptogamenflora, Bd. I, Abteilung III, Lief. 55, 50, Bd. I, Abteilung V^ Lief. 57, 58, Bd. IV, Abteilung III, Lief. 27, 28, Bd. V Abteilung III, Lief. 11. Deutsche Botanische Monatschrift, Bd. XHI, Nr. 12. Bd. XIV, Nr. 1-9. Annais of Botany, Vol. IX, Nr. 34-86, Vol. X, Nr. 37-40. r.ibliotheca Botanica, Heft 34, 35, 36 in 2 Parts, Heft 37-39. Candolle de: Monographiae Phaneroganiaruni, Vol. IX. Rcichcnbach: Deutschlands Flora, I. Serie Tome XVI, Lief. 1, 2. Pariatore: Flora Italiana, Indice generale. Annales des sciences naturelles: Botani(iuc, VII. Serie, Tome 19, 20, VIII. Serie, Tome 1 et Tome 2, Nr. 1—3. Schmidt: Diatomaccenkunde, Lief. 51. (rcof/nif/h/e, Et/uwf/raphic. Forschungen der deutschon Landes- und Volkskunde. Bd. IX. Nr. 4—6, Bd. X, Nr. 1. Internationales Archiv für Kthnogra])liie, Bd \TII, Heft 4— (>, Bd. IX, Heft 1—4 und Snppl. Archiv für Antliroi)ologie, Bd. XXI\', Heft 1, 2. ■lahrbuch des Schweizerischen Alpenclubs, Bd. 31. Archivio i)er Antroi)ologia e la Etnologia, Vol. XXV, Part. 3. \'ol. XXVI, Part. 1. Schrenk: Ileisen und Forschungen im Anuir-Lande, Bd. HI, Lief. 3. Penck : Geographische Abhandlungen, Bd. V, Nr. 5, Bd. VI, Nr. 1, 2. Creolof/ie^ Pctrof/raphie, Mineralogie^ FidaeontoJoffie. Neues Jahrbuch für Mineralogie 1896, Bd. I, Nr. 1—3, Bd. II, Nr. 1-3, Bcilageband X, Nr. 2, 3 und Repertorium für 1890/94. Geologieale Magazine, Nr. 379—390. Zeitschnft für Krystallographie, Bd. XXV, Nr. 4-6, Bd. XXVI und Bd. XXVII Nr. 1-4. Mineralogische und pctrographische Mitteilungen, Bd. XIV, Heft 6. Bd. XV, Bd. XVI, Heft 1—4. Annales des Mines, 9 Serie, Tome VIII Nr. 12, Tome IX Nr. 1—10. Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Ocsterreich-Ungarns und des Orients, Bd. X, Heft 1-3. Quarterly -Journal of the Geological Society, Vol. LH, Part. 1—4. I'alaeontologische Abhandlungen, Neue Folge, Vol. II, Nr. 6, Vol. HI, Nr. 2- Abhandlungen der Schweizerisch. Palaeontologischen Gesellschaft, Vol. XXII. Geognostische Jalireshefte, Jahrg. VIII Mathematik. Kivista di Matematica, Vol. V, Nr. 9-12, Vol. VI, Nr. 1. Messenger of Mattematics, Vol. XXV, Nr. 6—12, Vol. XXVI, Nr. 1-4. Archiv für Mathematik und Physik, IL Reihe, Teil 14 Nr. 3, 4, Teil 15 Nr. 1. 58 Flaiis Schiuz. Giornale di Matematichc. Vol. XXXII, Nr. 0-12, Vol. XXXIV, Nr. 1-10. Journal de Matliemati(juc par Liouville, V. Serie, Tome II, Nr. 1—3. Jahrbuch über die Fortschritte der Mathematik, Bd. XXV, Heft 1, 2. Quarterly Journal of Mathematics, Nr. 110, 111. Journal für reine und angewandte Mathematik, Grelle, ßd. 11-5, 116 und 117, Heft 1, 2. riif/sik und Chemie. Annalen der Chemie von Liebig, Bd. 289—293. Annalen der Physik und Chemie, für 1895 Nr. 12, für 1896 Nr. 1—12. Beiblätter zu denselben, für 1895 Nr. 11, 12, für 1896 Nr. 1—10. Journal für praktische Chemie, für 1895 Nr. 22-24, für 1896 Nr. 1-21. Journal de Physique, III. Serie, Vol. IV, Nr. 12, Vol. V, Nr. 1-12. Gazzetta chimica Italiana, Vol. XXV, Nr. 10—12, Vol. XXVI, Nr. 1—11. Zeitschrift für physikalische Chemie, Band XVIII Nr. 4, Bd. XIX, Bd. XX, Bd. XXI Nr. 1, 2. Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie, für 1890 Heft 5, 6, für 1891 Heft 1, 2. American Chemical Jouinal, Vol. XVI, Nr. 8, Vol. XVII, Nr. 1—4 und 10, Vol. XVIII, Nr. 5, 7, 9. Annales de Chemie et de Physique, VII. Serie, Tome 1— VII, Tome VIII, Nr. 1-8, Tome IX-, Nr. i-4. Zoolor/le, Transactions of the Entomological Society of London, for 1895 Nr. 4, 5, for 1896 Nr. 1-3. Archives de Zoologie experimentale et generale, III. Serie, Tome III, Nr. 4, Tome IV, Nr. 1-3. Fauna und Flora des Golfes von Neapel, Monographie XXII, XXIII und Atlas. Mitteilungen der Zoologischen Station in Neapel, Bd. XII, Heft 2, 3. Zoologischer Jahresbericht für 1895. Moleschott: Untersuchungen zur Naturlehre, Bd. XVI, Heft 1, 2. Annales des sciences naturelles : Zoologie, VII. Serie, Tome 17—20, VIII. Serie, Tome 1, 2. Archiv für Naturgeschichte, Jahrg. .62, Bd. I, Heft 1. Mitgliederverzeichnis der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich (31. Dezember 1896). a. Ordentliche Mitglieder. 1. Hr. Xiischcler, A., Dr. a. llecheiischrcibcr 2. - Escher, .1., Dr. a. Oberrichtcr 3. - llahn-Mcyor, C, Dr. med. 4. - Pestal()//,i, Ilenii., Dr. iiicd. . 5. - Sidler, G., Dr. Prol'ossor, lieru (j. - Gramer, C, Dr. Professor 7. - Escher-Hess, C. . . . H. - Graberg, Fr., Zeichenlehrer . 0. - Goll, Fr., Dr. Professor . 10. - Lehinaiui, Fr., Dr. iiieil. . 11. - Huber, P. K., Oberst 12. - Kyin, A. I^., Dr. Professor 13. - Loinniel, Eng., Dr. Professor, iMünche 14. - Weileninann, Aug., Dr. Professor 15. - Fiedler, Wilh., Dr. Professor IG. - Merz, Victor, Dr. Professor, Basel 17. - Gusserow, A., Dr. Professor, Berlin 18. - Rose, E., Dr. Professor, Berlin 19. - Schoch, G., Dr. Professor 20. - Beck, Alex., Dr. Professor, Riga . 21. - Flieguer, A., Professor . 22. - Heim, Alb., Dr. Professor 23. - Aftolter, F., Dr. Professor 24. - Mösch, Gas., Dr., Conservator 25. _ - Suter, Heinrich, Dr. Professor 26. - Bollinger, Otto, Dr. Professor, München Aufn. Jahr. 1842 1846 1854 1854 1855 1856 1856 1860 1862 1862 1863 1863 1865 1866 1867 1867 1868 1868 1868 1870 1870 1870 1870 1871 1871 1871 (50 Mitgliederverzeichiiis der Xaturforschenrlen Gesellschaft in Zürich. 27. Hr. Pestalozzi, Salomoii, Ingonieur 28. - Martini, Friedr., Ingenieur, FraiK'iitVM 2!>. - Sclinlze, Ernst, Dr. Professor 30. - Mayer-Eymar, Carl, Dr. Professor 31. - Tobler, Adolf, Dr. Professor 32. - Billwiller, R., Direktor . 33. - Kleiner, A., Dr. Professor 34. - Gnehni, R., Dr. Professor 35. - Seitz, J., Dr. Privatdocent 3G. - Stickelberger, L., Dr. Professor, Freihurj,' i. B 37. - Wandt, Willi., Dr. Professor, Leipzig 38. - Escher, Rud., Professor . 39. - Ott, C 40. - Weber, Friedr., A[)otlieker 41. - Weber, H. F., Dr. Professor . 42. - Kleister, J., Professor, SchalYhausen 43. - Stoll, O., Dr. Professor . 44. - Keller, Konr., Dr. Professor . 45. - Lunge, G., Dr. Professor 46. - Tetniajer, L., Professor 47. - Mollet, Th., Architekt . 48. - Gröbli, W., Dr. Professcn- 49. - Bruuner, R., (.'heniiker, Küsnacht 50. - Schöller, C, Fabrikant . 51. - Huguenin, G., Dr. Professor 52. - Schröter, C, Dr. Professor 53. - Keller, J., Dr. Privatdocent . 54. - Stehler, F., Dr. Privatdocent 55. - Abeljanz, H., Dr. Professor 5(). - V. Wyss, Hs., Dr. Professor . 57. - V. Liliencron, Carl, Apotheker 58. - Ganter, H., Dr. Professor, Aarau . 59. - Wolfer, A., Professor 60. - Haab, O., Dr. Professor . ... 61. - Rothjiletz, A., Dr. Privatdocent, München 62. - Denzler, Alb., Dr. Privatdocent . 63. - Rudio, F., Dr. Professor 64. - Maurer, Jul., Dr 65. - Goldschniidt, H., Dr. Professor. Heidelb 66. - Egli-Sinclair, Th., Dr. med. . 67. - Constani, J. E., Dr. Privatdocent . 68. - V. Beust, Fritz, Dr 69. - Beyel, C, Dr. Privatdocent . 70. - Keller, C. C, Dr. Kantonsapotlieker 71. - Indiof, O. E., Dr., Brugg Aufn. Jahr. Mittjliederverzeichnis iler Naturforscheiifleii Gesellschaft in Zürich. ßl Antn. Jahr. 72. Hr. Ilühler, A., Dr. Professor, Tübingen 1882 7:5. - Kronaner, Hs., Dr 1883 74. - lütter, W., Dr. Professor 1883 70. - Schottky, Fr., Dr. Professor, Marl.nrg .... 1883 7(j. - Stockar, Egbert, Dr 1883 77. - Wyss, Oskar, Dr Professor 1883 78. - Burkhard-Streuli, W., Ingenienr 1883 79. - Meno(linor, Caspar 1883 85. - Stadler, S., Dr. Rektor 1883 86. - V. Mnralt- V. Planta, W., Dr. nn'd 1883 87. - (iiibler, E., Dr. Scniinarlehrer 1884 8^^. - Zolliiiger, Ernst, Fabrikant 1884 8!(. - Jjertscliinger, A., Dr., Stadtcheniiker 1884 IM». - Piosenninnd, Alb., Apotheker 1884 ;il. - Cnhnann, P., Dr. Professor, Wintcrllnir .... 1880 92. - Sieben, Dr., Mineralwasser-Kabiikanl .... 1885 93. - viertens, E., Privatdocent 18S(J 94. - (ianle, .1., Dr. Professor 1887 95. - Lüscher, G., Apotheker 1887 9G. - Fiek, A., Dr. Privatdocent 1887 97. - V. Monakow, C, Dr. Professor 1887 98. - V. Wyss, G. H., Dr. Privatdocent .... 1887 99. - Koch-\'lierboom, E 1887 100. - Wenck, E., Dr 1888 101. - Emden, Dr. Privatdocent, IMünohen 1888 102. - Krönlein, U., Dr. Professor 1888 103. - Glauser, J. D., Ingenienr 1888 104. - Flnry, Ph., Assistent 1888 105. - Hnber, E., Direktor 1888 106. - Annaheim, .1., Dr 1888 107. - Messerschmitt, J. B., Dr. Privatdocent .... 1889 108. - Bonimer, A., Apotheker 1889 109. - Hommel, A., Dr. med 1889 110 - Bänziger, Th., Dr. med 1889 111. - V. SchnUhess, A., Dr. med 1889 112. - Zschokke, E., Dr. Professor 1889 113. - Standfnss, M., Dr. Privatdocent 1889 114. - Grimm, A., Dr. med 1889 115. - Schall, K., Dr. Privatdocent 1889 116. - INIüller, O., Photograph 1889 02 Miti(liedervorzeichnis der Xaturforschenrlen Gesellschaft in Zürich. 117. Hr. Kitzmann, E., Dr. niud. 118. - Bleuler, H., Oberst, Schulratsprüsidcnt 119. - Houscher, ,!., Dr. Professur 120. - Sil)er, M., Forstmeister, Wiutertlnir 121. - Ansderau, E., Dr. med. 122. - Lang, A., Dr. Professor 12;j. - Fiedler, E., Dr. Professor 124. - Schinz, Hs., Dr. Professor . 125. - Aeppli, A., Dr. Seknndarlehror . 126. - Martin, P., Dr. Professor 127. - Stöhr, Ph., Dr. Professor 128. - Bodmer-Beder, A 129. - O verton, E., Dr. Privatdocent i;}0. - Zschokke, A., Dr. Seknndarlelirei-, G 131. - Piister, R., Dr., Lyon . 132. - Gamper, Apotheker, Wiutertlnu' 133. - Bretscher, K., Lehrer 134. - Pernet, J., Dr. Professor 135. - Martin, R., Dr. Privatdocent 13G. - V. Tavel, R. F., Dr. 137. - Ebert, R., Dr. Chemiker 138. - Roth, O., Dr. Professor 139. - Feist, Fr., Dr. Privatdocent 140. - Felix, W., Dr. Professur 141. - Müller, Dr. Professor, Wiidenswcil 142. - Frick, A., Dr. med. 143. - Ris, F., Dr. med., Mendrisio 144. - Driesch, Hs., Dr 145. - Herbst, K., Dr 146. - Fritschi, F., Sekundarlehrer 147. - Bosshard, H., Sekundarlehrer 148. - Swerinzew, L., Dr., Petersburg . 149. - Hurwitz, Ad., Dr. Professor 1.50. - HaKwich, C, Dr. Professor 151. - Zuppinger, E., Fabrikant, Wallisellen 152. - Disteli, M., Dr. Professor, Winterthu 153. - Werner, A., Dr. Professor . 154. - Hofer, J., Lithograph 155. - Zuberbühler, Sekundarlehrer, Wädeusweil 156. - Franel, J., Professor 157. - Denzler, W., Ingenieur, Küsuacht 158. - Bührer, A., Apotheker, Clarens-Mont 159. - Beyme, F., Dr. med., St. Gallen . IGO. - Wyssling, W., Professur, Wädenswei 161. - Rihbcrt. H., Dr. Pruiessur . Aufn. .Jahr. 1889 1889 1889 1889 1889 1889 1889 1889 1889 1889 1889 1890 1890 1890 1890 1890 1890 1890 1890 1890 1890 1891 1891 1891 1891 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1892 1893 1893 1893 1893 Mitsrliederverzeichnis der Naturforschemlen Gesellschaft in Zürich. 1(J2. Ilr. Kleiber, A., Dr. Kantonsclioniiker, Glarus 1G3. - Biirri, Kreisförster, Luzern . Iü4. - Wettstein, Walter, Sekundarlehrer 1G5. - Kündig, J., Dr. Privatdocent lG